Project Gutenberg's Der Kaufmann von Venedig, by William Shakespeare

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Title: Der Kaufmann von Venedig

Author: William Shakespeare

Translator: August Wilhelm von Schlegel

Release Date: December, 2004 [EBook #7043]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on February 27, 2003]
[Date last updated: January 6, 2006]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER KAUFMANN VON VENEDIG ***


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Der Kaufmann von Venedig

William Shakespeare

bersetzt von August Wilhelm von Schlegel


Personen:

Der Doge von Venedig
Prinz von Marokko und Prinz von Arragon, (Freier der Porzia)
Antonio, (der Kaufmann von Venedig)
Bassanio, (sein Freund)
Solanio, Salarino und Graziano, (Freunde des Antonio)
Lorenzo, (Liebhaber der Jessica)
Shylock, (ein Jude)
Tubal, (ein Jude, sein Freund)
Lanzelot Gobbo, (Shylocks Diener)
Der alte Gobbo, (Lanzelots Vater)
Salerio, (ein Bote von Venedig)
Leonardo, (Bassanios Diener)
Balthasar und Stephano, (Porzias Diener)
Porzia, (eine reiche Erbin)
Nerissa, (ihre Begleiterin)
Jessica, (Shylocks Tochter)
Senatoren von Venedig, Beamte des Gerichtshofes, Gefangenwrter,
Bediente und andres Gefolge


Die Szene ist teils zu Venedig, teils zu Belmont, Porzias Landsitz.




Erster Aufzug



Erste Szene

Venedig.  Eine Strae

(Antonio, Salarino und Solanio treten auf)


Antonio.
Frwahr, ich wei nicht, was mich traurig macht;
Ich bin es satt; ihr sagt, das seid ihr auch.
Doch wie ich dran kam, wie mir's angeweht,
Von was fr Stoff es ist, woraus erzeugt,
Das soll ich erst erfahren.
Und solchen Dummkopf macht aus mir die Schwermut,
Ich kenne mit genauer Not mich selbst.

Salarino.
Eur Sinn treibt auf dem Ozean umher,
Wo Eure Galeonen, stolz besegelt,
Wie Herrn und reiche Brger auf der Flut,
Als wren sie das Schaugeprng der See,
Hinwegsehn ber kleines Handelsvolk,
Das sie begret, sich vor ihnen neigt,
Wie sie vorbeiziehn mit gewebten Schwingen.

Solanio.
Herr, glaubt mir, htt ich soviel auf dem Spiel,
Das beste Teil von meinem Herzen wre
Bei meiner Hoffnung auswrts.  Immer wrd ich
Gras pflcken, um den Zug des Winds zu sehn;
Nach Hfen, Reed' und Damm in Karten gucken,
Und alles, was mich Unglck frchten lie
Fr meine Ladungen, wrd ohne Zweifel
Mich traurig machen.

Salarino.
Mein Hauch, der meine Suppe khlte, wrde
Mir Fieberschauer anwehn, dcht ich dran,
Wieviel zur See ein starker Wind kann schaden.
Ich knnte nicht die Sanduhr rinnen sehn,
So dcht ich gleich an Seichten und an Bnke,
Sh meinen "reichen Hans" im Sande fest,
Das Haupt bis unter seine Rippen neigend,
Sein Grab zu kssen.  Ging ich in die Kirche
Und sh das heilige Gebu' von Stein,
Sollt ich nicht gleich an schlimme Felsen denken,
Die an das zarte Schiff nur rhren drfen,
So streut es auf den Strom all sein Gewrz
Und hllt die wilde Flut in meine Seiden.
Und kurz, jetzt eben dies Vermgen noch,
Nun gar keins mehr?  Soll ich, daran zu denken,
Gedanken haben und mir doch nicht denken,
Da solch ein Fall mich traurig machen wrde?
Doch sagt mir nichts; ich wei, Antonio
Ist traurig, weil er seines Handels denkt.

Antonio.
Glaubt mir, das nicht; ich dank es meinem Glck:
Mein Vorschu ist nicht (einem) Schiff vertraut,
Noch (einem) Ort; noch hngt mein ganz Vermgen
Am Glcke dieses gegenwrtgen Jahrs;
Deswegen macht mein Handel mich nicht traurig.

Solanio.
So seid Ihr denn verliebt?

Antonio.
Pfui, pfui!

Solanio.
Auch nicht verliebt?  Gut denn, so seid Ihr traurig,
Weil Ihr nicht lustig seid; Ihr knntet eben
Auch lachen, springen, sagen: Ihr seid lustig,
Weil Ihr nicht traurig seid.  Nun, beim zweikpfgen Janus!
Natur bringt wunderliche Kuz ans Licht:
Der drckt die Augen immer ein und lacht
Wie 'n Starmatz ber einen Dudelsack;
Ein andrer von so saurem Angesicht,
Da er die Zhne nicht zum Lachen wiese,
Schwr Nestor auch, der Spa sei lachenswert.

(Bassanio, Lorenzo und Graziano kommen.)

Hier kommt Bassanio, Euer edler Vetter,
Graziano und Lorenzo; lebt nun wohl,
Wir lassen Euch in besserer Gesellschaft.

Salarino.
Ich wr geblieben, bis ich Euch erheitert;
Nun kommen wertre Freunde mir zuvor.

Antonio.
Sehr hoch steht Euer Wert in meiner Achtung;
Ich nehm es so, da Euch Geschfte rufen
Und Ihr den Anla wahrnehmt, wegzugehn.

Salarino.
Guten Morgen, liebe Herren!

Bassanio.
Ihr lieben Herrn, wann lachen wir einmal?
Ihr macht euch gar zu selten: mu das sein?

Salarino.
Wir stehen Euch zu Diensten, wann's beliebt.

(Salarino und Solanio ab.)

Lorenzo.
Da Ihr Antonio gefunden habt,
Bassanio, wollen wir Euch nun verlassen.
Doch bitt ich, denkt zur Mittagszeit daran,
Wo wir uns treffen sollen.

Bassanio.
Rechnet drauf.

Graziano.
Ihr seht nicht wohl, Signor Antonio;
Ihr macht Euch mit der Welt zuviel zu schaffen:
Der kommt darum, der mhsam sie erkauft.
Glaubt mir, Ihr habt Euch wunderbar verndert.

Antonio.
Mir gilt die Welt nur wie die Welt, Graziano;
Ein Schauplatz, wo man eine Rolle spielt,
Und mein' ist traurig.

Graziano.
Lat den Narrn mich spielen,
Mit Lust und Lachen lat die Runzeln kommen
Und lat die Brust von Wein mir lieber glhn,
Als hrmendes Gesthn das Herz mir khlen.
Weswegen sollt ein Mann mit warmem Blut
Dasitzen wie sein Gropapa, gehaun
In Alabaster?  Schlafen, wenn er wacht?
Und eine Gelbsucht an den Leib sich rgern?
Antonio, ich will dir etwas sagen;
Ich liebe dich, und Liebe spricht aus mir:
Es gibt so Leute, deren Angesicht
Sich berzieht gleich einem stehnden Sumpf,
Und die ein eigensinnig Schweigen halten,
Aus Absicht, sich in einen Schein zu kleiden
Von Weisheit, Wrdigkeit und tiefem Sinn;
Als wenn man sprche: Ich bin Herr Orakel;
Tu ich den Mund auf, rhr sich keine Maus.
O mein Antonio, ich kenne deren,
Die man deswegen blo fr Weise hlt,
Weil sie nichts sagen; sprchen sie, sie brchten
Die Ohren, die sie hrten, in Verdammnis,
Weil sie die Brder Narren schelten wrden.
Ein andermal sag ich dir mehr hievon;
Doch fische nicht mit so trbselgem Kder
Nach diesem Narren-Grndling, diesem Schein.
Komm, Freund Lorenzo!--Lebt so lange wohl,
Ich schliee meine Predigt nach der Mahlzeit.

Lorenzo.
Gut, wir verlassen Euch bis Mittagszeit.
Ich mu von diesen stummen Weisen sein,
Denn Graziano lt mich nie zum Wort.

Graziano.
Gut, leiste mir zwei Jahre noch Gesellschaft,
So kennst du deiner Zunge Laut nicht mehr.

Antonio.
Lebt wohl!  Ich werd ein Schwtzer Euch zulieb.

Graziano.
Dank, frwahr!  denn Schweigen ist blo zu empfehlen
An gerucherten Zungen und jungfrulichen Seelen.

(Graziano und Lorenzo ab.)

Antonio.
Ist das nun irgend was?

Bassanio.
Graziano spricht unendlich viel nichts, mehr als irgendein Mensch
in ganz Venedig. Seine vernnftigen Gedanken sind wie zwei
Weizenkrner in zwei Scheffel Spreu versteckt; Ihr sucht den
ganzen Tag, bis Ihr sie findet, und wenn Ihr sie habt, so
verlohnen sie das Suchen nicht.

Antonio.
Gut, sagt mir jetzt, was fr ein Frulein ist's,
Zu der geheime Wallfahrt Ihr gelobt,
Wovon Ihr heut zu sagen mir verspracht?

Bassanio.
Euch ist nicht unbekannt, Antonio,
Wie sehr ich meinen Glcksstand hab erschpft,
Indem ich glnzender mich eingerichtet,
Als meine schwachen Mittel tragen konnten.
Auch jammr' ich jetzt nicht, da die groe Art
Mir untersagt ist; meine Sorg ist blo,
Mit Ehren von den Schulden loszukommen,
Worin mein Leben, etwas zu verschwendrisch,
Mich hat verstrickt.  Bei Euch, Antonio,
Steht meine grte Schuld, an Geld und Liebe,
Und Eure Liebe leistet mir Gewhr,
Da ich Euch meine Pln erffnen darf,
Wie ich mich lse von der ganzen Schuld.

Antonio.
Ich bitt Euch, mein Bassanio, lat mich's wissen;
Und steht es, wie Ihr selber immer tut,
Im Angesicht der Ehre, seid gewi:
Ich selbst, mein Beutel, was ich nur vermag,
Liegt alles offen da zu Euerm Dienst.

Bassanio.
In meiner Schulzeit, wenn ich einen Bolzen
Verloren hatte, scho ich seinen Bruder
Von gleichem Schlag den gleichen Weg; ich gab
Nur besser acht, um jenen auszufinden,
Und, beide wagend, fand ich beide oft.
Ich fhr Euch dieses Kinderbeispiel an,
Weil das, was folgt, die lautre Unschuld ist.
Ihr lieht mir viel, und wie ein wilder Junge
Verlor ich, was Ihr lieht; allein, beliebt's Euch,
Noch einen Pfeil desselben Wegs zu schieen,
Wohin der erste flog, so zweifl ich nicht,
Ich will so lauschen, da ich beide finde.
Wo nicht, bring ich den letzten Satz zurck
Und bleib Eur Schuldner, dankbar fr den ersten.

Antonio.
Ihr kennt mich und verschwendet nur die Zeit,
Da Ihr Umschweife macht mit meiner Liebe.
Unstreitig tut Ihr jetzt mir mehr zu nah,
Da Ihr mein uerstes in Zweifel zieht,
Als httet Ihr mir alles durchgebracht.
So sagt mir also nur, was ich soll tun,
Wovon Ihr wit, es kann durch mich geschehn,
Und ich bin gleich bereit: deswegen sprecht!

Bassanio.
In Belmont ist ein Frulein, reich an Erbe,
Und sie ist schn und, schner als dies Wort,
Von hohen Tugenden; von ihren Augen
Empfing ich holde, stumme Botschaft einst.
Ihr Nam' ist Porzia; minder nicht an Wert
Als Catos Tochter, Brutus' Porzia.
Auch ist die weite Welt des nicht unkundig,
Denn die vier Winde wehn von allen Ksten
Berhmte Freier her; ihr sonnig Haar
Wallt um die Schlf ihr wie ein goldnes Vlies;
Zu Kolchos' Strande macht es Belmonts Sitz,
Und mancher Iason kommt, bemht um sie.
O mein Antonio!  htt ich nur die Mittel,
Den Rang mit ihrer einem zu behaupten,
So weissagt mein Gemt so gnstig mir,
Ich werde sonder Zweifel glcklich sein.

Antonio.
Du weit, mein smtlich Gut ist auf der See;
Mir fehlt's an Geld und Anstalt, eine Summe
Gleich bar zu heben; also geh, sieh zu,
Was in Venedig mein Kredit vermag:
Den spann ich an bis auf das uerste,
Nach Belmont dich fr Porzia auszustatten.
Geh, frage gleich herum, ich will es auch,
Wo Geld zu haben; ich bin nicht besorgt,
Da man uns nicht auf meine Brgschaft borgt.

(Beide ab.)


Zweite Szene

Belmont.  Ein Zimmer in Porzias Hause

(Porzia und Nerissa kommen)


Porzia.
Auf mein Wort, Nerissa, meine kleine Person ist dieser groen
Welt berdrssig.

Nerissa.
Ihr wrdet es sein, bestes Frulein, wenn Euer Ungemach in ebenso
reichem Mae wre, als Euer gutes Glck ist. Und doch, nach
allem, was ich sehe, sind die ebenso krank, die sich mit
allzuviel berladen, als die bei nichts darben. Es ist also kein
mittelmiges Los, im Mittelstande zu sein. berflu kommt eher
zu grauen Haaren, aber Auskommen lebt lnger.

Porzia.
Gute Sprche, und gut vorgetragen.

Nerissa.
Gut befolgt wren sie besser.

Porzia.
Wre tun so leicht als wissen, was gut zu tun ist, so wren
Kapellen Kirchen geworden und armer Leute Htten Frstenpalste.
Der ist ein guter Prediger, der seine eignen Ermahnungen
befolgt;--ich kann leichter zwanzig lehren, was gut zu tun ist,
als einer von den zwanzigen sein und meine eignen Lehren
befolgen. Das Gehirn kann Gesetze fr das Blut aussinnen; aber
eine hitzige Natur springt ber eine kalte Vorschrift hinaus.
Solch ein Hase ist Tollheit, der junge Mensch, da er weghpft
ber das Netz des Krppels guter Rat. Aber dies Vernnfteln hilft
mir nicht dazu, einen Gemahl zu whlen.--O ber das Wort
(whlen!) Ich kann weder whlen, wen ich will, noch ausschlagen,
wen ich nicht mag: so wird der Wille einer lebenden Tochter durch
den letzten Willen eines toten Vaters gefesselt. Ist es nicht
hart, Nerissa, da ich nicht (einen) whlen und auch keinen
ausschlagen darf?

Nerissa.
Euer Vater war allzeit tugendhaft, und fromme Mnner haben im
Tode gute Eingebungen: also wird die Lotterie, die er mit diesen
drei Kstchen von Gold, Silber und Blei ausgesonnen hat, da der,
welcher seine Mitgift trifft, Euch erhlt, ohne Zweifel von
niemand recht getroffen werden als von einem, der Euch recht
liebt. Aber welchen Grad von Zuneigung fhlt Ihr gegen
irgendeinen der frstlichen Freier, die schon gekommen sind?

Porzia.
Ich bitte dich, nenne sie her; wie du sie nennst, will ich sie
beschreiben, und von meiner Beschreibung schliee auf meine
Zuneigung.

Nerissa.
Zuerst ist da der neapolitanische Prinz.

Porzia.
Das ist ein wildes Fllen, in der Tat. Er spricht von nichts als
seinem Pferde und bildet sich nicht wenig auf seine Talente ein,
da er es selbst beschlagen kann. Ich frchte sehr, seine gndige
Frau Mutter hat es mit einem Schmied gehalten.

Nerissa.
Ferner ist da der Pfalzgraf.

Porzia.
Er tut nichts wie stirnrunzeln, als wollt er sagen: "Wenn Ihr
mich nicht haben wollt, so lats!" Er hrt lustige Geschichten an
und lchelt nicht. Ich frchte, es wird der weinende Philosoph
aus ihm, wenn er alt wird, da er in seiner Jugend so unhflich
finster sieht. Ich mchte lieber an einen Totenkopf mit dem
Knochen im Munde verheiratet sein als an einen von diesen. Gott
beschtze mich vor beiden!

Nerissa.
Was sagt Ihr denn zu dem franzsischen Herrn, Monsieur le Bon?

Porzia.
Gott schuf ihn, also lat ihn fr einen Menschen gelten. Im
Ernst, ich wei, da es sndlich ist, ein Sptter zu sein; aber
er! Ja doch, er hat ein besseres Pferd als der Neapolitaner; eine
bessere schlechte Gewohnheit, die Stirn zu runzeln, als der
Pfalzgraf; er ist jedermann und niemand. Wenn eine Drossel singt,
so macht er gleich Luftsprnge; er ficht mit seinem eigenen
Schatten. Wenn ich ihn nhme, so nhme ich zwanzig Mnner; wenn
er mich verachtete, so vergbe ich es ihm: denn er mchte mich
bis zur Tollheit lieben, ich werde es niemals erwidern.

Nerissa.
Was sagt Ihr denn zu Faulconbridge, dem jungen Baron aus England?

Porzia.
Ihr wit, ich sage nichts zu ihm, denn er versteht mich nicht,
noch ich ihn. Er kann weder Lateinisch, Franzsisch, noch
Italienisch; und Ihr drft wohl einen krperlichen Eid ablegen,
da ich nicht fr einen Heller Englisch verstehe. Er ist eines
feinen Mannes Bild--aber ach! wer kann sich mit einer stummen
Figur unterhalten? Wie seltsam er gekleidet ist! Ich glaube, er
kaufte sein Wams in Italien, seine weiten Beinkleider in
Frankreich, seine Mtze in Deutschland und sein Betragen
allenthalben.

Nerissa.
Was haltet Ihr von dem schottischen Herrn, seinem Nachbar?

Porzia.
Da er eine christliche Nachbarnliebe an sich hat, denn er borgte
eine Ohrfeige von dem Englnder und schwor, sie wiederzubezahlen,
wenn er imstande wre; ich glaube, der Franzose ward sein Brge
und unterzeichnete fr den andern.

Nerissa.
Wie gefllt Euch der junge Deutsche, des Herzogs von Sachsen Neffe?

Porzia.
Sehr abscheulich des Morgens, wenn er nchtern ist, und hchst
abscheulich des Nachmittags, wenn er betrunken ist. Wenn er am
besten ist, so ist er wenig schlechter als ein Mensch, und wenn
er am schlechtesten ist, wenig besser als ein Vieh. Komme das
Schlimmste, was da will, ich hoffe, es soll mir doch glcken, ihn
loszuwerden.

Nerissa.
Wenn er sich erbte zu whlen und whlte das rechte Kstchen, so
schlgt Ihr ab, Eures Vaters Willen zu tun, wenn Ihr abschlgt,
ihn zu nehmen.

Porzia.
Aus Furcht vor dem Schlimmsten bitte ich dich also, setze einen
Rmer voll Rheinwein auf das falsche Kstchen; denn wenn der
Teufel darin steckt, und diese Versuchung ist von auen daran, so
wei ich, er wird es whlen. Alles lieber, Nerissa, als einen
Schwamm heiraten.

Nerissa.
Ihr braucht nicht zu frchten, Frulein, da Ihr einen von diesen
Herren bekommt; sie haben mir ihren Entschlu erffnet, welcher
in nichts anderm besteht, als sich nach Hause zu begeben und Euch
nicht mehr mit Bewerbungen lstig zu fallen, Ihr mtet denn auf
eine andre Weise zu gewinnen sein als nach Eures Vaters
Vorschrift in Ansehung der Kstchen.

Porzia.
Sollte ich so alt werden wie Sibylla, will ich doch so keusch
sterben wie Diana, wenn ich nicht dem letzten Willen meines
Vaters gem erworben werde. Ich bin froh, da diese Partei
Freier so vernnftig ist; denn es ist nicht einer darunter, nach
dessen Abwesenheit mich nicht sehnlichst verlangt, und ich bitte
Gott, ihnen eine glckliche Reise zu verleihn.

Nerissa.
Erinnert Ihr Euch nicht, Frulein, von Eures Vaters Lebzeiten
eines Venezianers, eines Studierten und Kavaliers, der in
Gesellschaft des Marquis von Montferrat hierher kam?

Porzia.
Ja ja, es war Bassanio: so, denke ich, nannte er sich.

Nerissa.
Ganz recht, Frulein. Von allen Mnnern, die meine trichten
Augen jemals erblickt haben, war er einer schnen Frau am meisten
wert.

Porzia.
Ich erinnre mich seiner wohl und erinnre mich, da er dein Lob
verdient.

(Ein Diener kommt.)

Nun, was gibt es Neues?

Bedienter.
Die vier Fremden suchen Euch, Frulein, um Abschied zu nehmen;
und es ist ein Vorlufer von einem fnften da, vom Prinzen von
Marokko, der Nachricht bringt, da sein Herr, der Prinz, zu Nacht
hier sein wird.

Porzia.
Knnte ich den fnften mit so gutem Herzen willkommen heien, als
ich den vier andern Lebewohl sage, so wollte ich mich seiner
Ankunft freuen. Hat er das Gemt eines Heiligen und das Geblt
eines Teufels, so wollte ich lieber, er weihte mich, als er
freite mich. Komm, Nerissa.--Geht voran, Bursch.--Derweil wir die
Pforte hinter einem Freier verschlieen, klopft ein andrer an die
Tr.

(Alle ab.)



Dritte Szene

Venedig.  Ein ffentlicher Platz

(Bassanio und Shylock treten auf)


Shylock.
Dreitausend Dukaten--gut.

Bassanio.
Ja, Herr, auf drei Monate.

Shylock.
Auf drei Monate--gut.

Bassanio.
Wofr, wie ich Euch sagte, Antonio Brge sein soll.

Shylock.
Antonio Brge sein soll--gut.

Bassanio.
Knnt Ihr mir helfen? Wollt Ihr mir gefllig sein? Soll ich Eure
Antwort wissen?

Shylock.
Dreitausend Dukaten, auf drei Monate, und Antonio Brge.

Bassanio.
Eure Antwort darauf?

Shylock.
Antonio ist ein guter Mann.

Bassanio.
Habt Ihr irgendeine Beschuldigung des Gegenteils wider ihn
gehrt?

Shylock.
Ei nein, nein, nein!--Wenn ich sage, er ist ein guter Mann, so
meine ich damit, versteht mich, da er vermgend ist. Aber seine
Mittel stehen auf Hoffnung; er hat eine Galeone, die auf Tripolis
geht, eine andre nach Indien. Ich hre ferner auf dem Rialto, da
er eine dritte zu Mexiko hat, eine vierte nach England--und so
hat er noch andre Auslagen in der Fremde verstreut. Aber Schiffe
sind nur Bretter, Matrosen sind nur Menschen; es gibt Landratten
und Wasserratten, Wasserdiebe und Landdiebe--ich will sagen,
Korsaren, und dann haben wir die Gefahr von Wind, Wellen und
Klippen.--Der Mann ist bei alledem vermgend--dreitausend
Dukaten--ich denke, ich kann seine Brgschaft annehmen.

Bassanio.
Seid versichert, Ihr knnt es.

Shylock.
Ich will versichert sein, da ich es kann; und damit ich
versichert sein kann, will ich mich bedenken. Kann ich Antonio
sprechen?

Bassanio.
Wenn es Euch beliebt, mit uns zu speisen.

Shylock.
Ja, um Schinken zu riechen, von der Behausung zu essen, wo euer
Prophet, der Nazarener, den Teufel hineinbeschwor. Ich will mit
euch handeln und wandeln, mit euch stehen und gehen, und was
dergleichen mehr ist; aber ich will nicht mit euch essen, mit
euch trinken, noch mit euch beten. Was gibt es Neues auf dem
Rialto?--Wer kommt da?
(Antonio kommt.)

Bassanio.
Das ist Signor Antonio.

Shylock (fr sich).
Wie sieht er einem falschen Zllner gleich!
Ich hass' ihn, weil er von den Christen ist,
Doch mehr noch, weil er aus gemeiner Einfalt
Umsonst Geld ausleiht und hier in Venedig
Den Preis der Zinsen uns herunterbringt.
Wenn ich ihm mal die Hfte rhren kann,
So tu ich meinem alten Grolle gtlich.
Er hat mein heilig Volk und schilt selbst da,
Wo alle Kaufmannschaft zusammenkommt
Mich, mein Geschft und rechtlichen Gewinn,
Den er nur Wucher nennt.  Verflucht mein Stamm,
Wenn ich ihm je vergebe!

Bassanio.
Shylock, hrt Ihr?

Shylock.
Ich berlege meinen baren Vorrat;
Doch, wie ich's ungefhr im Kopfe habe,
Kann ich die volle Summe von dreitausend
Dukaten nicht gleich schaffen.--Nun, was tut's?
Tubal, ein wohlbegterter Hebrer,
Hilft mir schon aus.--Doch still!  auf wieviel Monat
Begehrt Ihr?--(Zu Antonio.)
Geh's Euch wohl, mein werter Herr!
Von Euer Edlen war die Rede eben.

Antonio.
Shylock, wiewohl ich weder leih noch borge,
Um berschu zu geben oder nehmen,
Doch will ich, weil mein Freund es dringend braucht,
Die Sitte brechen.--Ist er unterrichtet,
Wieviel Ihr wnscht?

Shylock.
Ja, ja, dreitausend Dukaten.

Antonio.
Und auf drei Monat.

Shylock.
Ja, das verga ich--auf drei Monat also.
Nun gut denn, Eure Brgschaft!  lat mich sehn--
Doch hrt mich an; Ihr sagtet, wie mich dnkt,
Da Ihr auf Vorteil weder leiht noch borgt.

Antonio.
Ich pfleg es nie.

Shylock.
Als Jakob Labans Schafe htete--
Er war nach unserm heilgen Abraham,
Weil seine Mutter weislich fr ihn schaffte,
Der dritte Erbe--ja, ganz recht, der dritte--

Antonio.
Was tut das hier zur Sache?  Nahm er Zinsen?

Shylock.
Nein, keine Zinsen; was man Zinsen nennt,
Das grade nicht; gebt acht, was Jakob tat:
Als er mit Laban sich verglichen hatte,
Was von den Lmmern bunt und sprenklicht fiele,
Das sollte Jakobs Lohn sein, kehrten sich
Im Herbst die brnstgen Mtter zu den Widdern;
Und wenn nun zwischen dieser wollgen Zucht
Das Werk der Zeugung vor sich ging, so schlte
Der kluge Schfer Euch gewisse Stbe,
Und weil sie das Geschft der Paarung trieben,
Steckt' er sie vor den geilen Mttern auf,
Die so empfingen; und zur Lmmerzeit
Fiel alles buntgesprengt und wurde Jakobs.
So kam er zum Gewinn und ward gesegnet:
Gewinn ist Segen, wenn man ihn nicht stiehlt.

Antonio.
Dies war ein Glcksfall, worauf Jakob diente;
In seiner Macht stand's nicht, es zu bewirken;
Des Himmels Hand regiert' und lenkt' es so.
Steht dies, um Zinsen gutzuheien, da?
Und ist Eur Gold und Silber Schaf und Widder?

Shylock.
Wei nicht; ich la es eben schnell sich mehren.
Doch hrt mich an, Signor.

Antonio.
Siehst du, Bassanio,
Der Teufel kann sich auf die Schrift berufen.
Ein arg Gemt, das heilges Zeugnis vorbringt,
Ist wie ein Schalk mit Lcheln auf der Wange,
Ein schner Apfel, in dem Herzen faul.
O wie der Falschheit Auenseite glnzt!

Shylock.
Dreitausend Dukaten--'s ist 'ne runde Summe.
Drei Mond auf zwlf--lat sehen, was das bringt.--

Antonio.
Nun, Shylock, soll man Euch verpflichtet sein?

Shylock.
Signor Antonio, viel und oftermals
Habt Ihr auf dem Rialto mich geschmht
Um meine Gelder und um meine Zinsen;
Stets trug ich's mit geduldgem Achselzucken,
Denn Dulden ist das Erbteil unsers Stamms.
Ihr scheltet mich abtrnnig, einen Bluthund,
Und speit auf meinen jdischen Rockelor,
Blo weil ich nutze, was mein eigen ist.
Gut denn, nun zeigt es sich, da Ihr mich braucht.
Da habt Ihr's; Ihr kommt zu mir, und Ihr sprecht:
"Shylock, wir wnschten Gelder." So sprecht Ihr,
Der mir den Auswurf auf den Bart geleert
Und mich getreten, wie Ihr von der Schwelle
Den fremden Hund stot; Geld ist Eur Begehren,
Wie sollt ich sprechen nun?  Sollt ich nicht sprechen:
"Hat ein Hund Geld?  Ist's mglich, da ein Spitz
Dreitausend Dukaten leihn kann?" oder soll ich
Mich bcken und in eines Schuldners Ton,
Demtig wispernd, mit verhaltnem Odem,
So sprechen: "Schner Herr, am letzten Mittwoch
Spiet Ihr mich an; Ihr tratet mich den Tag;
Ein andermal hiet Ihr mich einen Hund;
Fr diese Hflichkeiten will ich Euch
Die und die Gelder leihn."

Antonio.
Ich knnte leichtlich wieder so dich nennen,
Dich wieder anspein, ja mit Fen treten.
Willst du dies Geld uns leihen, leih es nicht
Als deinen Freunden (denn wann nahm die Freundschaft
Vom Freund Ertrag fr unfruchtbar Metall?);
Nein, leih es lieber deinem Feind; du kannst,
Wenn er versumt, mit berer Stirn eintreiben,
Was dir verfallen ist.

Shylock.
Nun seht mir, wie Ihr strmt!
Ich wollt Euch Liebes tun, Freund mit Euch sein,
Die Schmach vergessen, die Ihr mir getan,
Das Ntge schaffen und keinen Heller Zins
Fr meine Gelder nehmen; und Ihr hrt nicht:
Mein Antrag ist doch liebreich.

Antonio.
Ja, das wr er.

Shylock.
Und diese Liebe will ich Euch erweisen.
Geht mit mir zum Notarius, da zeichnet
Mir Eure Schuldverschreibung; und zum Spa,
Wenn Ihr mir nicht auf den bestimmten Tag
An dem bestimmten Ort die und die Summe,
Wie der Vertrag nun lautet, wiederzahlt:
Lat uns ein volles Pfund von Eurem Fleisch
Zur Bue setzen, das ich schneiden drfe
Aus welchem Teil von Eurem Leib ich will.

Antonio.
Es sei, aufs Wort!  Ich will den Schein so zeichnen
Und sagen, da ein Jude liebreich ist.

Bassanio.
Ihr sollt fr mich dergleichen Schein nicht zeichnen:
Ich bleibe dafr lieber in der Not.

Antonio.
Ei, frchte nichts!  Ich werde nicht verfallen;
Schon in zwei Monden, einen Monat frher
Als die Verschreibung fllig, kommt gewi
Zehnfltig der Betrag davon mir ein.

Shylock.
O Vater Abraham!  ber diese Christen,
Die eigne Hrte anderer Gedanken
Argwhnen lehrt!  Ich bitt Euch, sagt mir doch
Versumt er seinen Tag, was htt ich dran,
Die mir verfallne Bue einzutreiben?
Ein Pfund von Menschenfleisch, von einem Menschen
Genommen, ist so schtzbar, auch so nutzbar nicht
Als Fleisch von Schpsen, Ochsen, Ziegen.  Seht,
Ihm zu Gefallen biet ich diesen Dienst:
Wenn er ihn annimmt, gut; wo nicht, lebt wohl!
Und, bitt Euch, krnkt mich nicht fr meine Liebe.

Antonio.
Ja, Shylock, ich will diesen Schein dir zeichnen.

Shylock.
So trefft mich gleich im Hause des Notars,
Gebt zu dem lustgen Schein ihm Anweisung;
Ich gehe, die Dukaten einzusacken,
Nach meinem Haus zu sehn, das in der Hut
Von einem lockern Buben hinterblieb,
Und will im Augenblicke bei Euch sein.

Antonio.
So eil dich, wackrer Jude.--

(Shylock ab.)

Der Hebrer
Wird noch ein Christ; er wendet sich zur Gte.

Bassanio.
Ich mag nicht Freundlichkeit bei tckischem Gemte.

Antonio.
Kommt nur!  Hiebei kann kein Bedenken sein,
Lngst vor der Zeit sind meine Schiff herein.

(Ab.)




Zweiter Aufzug



Erste Szene

Belmont.  Ein Zimmer in Porzias Hause

(Trompetensto. Der Prinz von Marokko und sein Zug; Porzia,
Nerissa und andre von ihrem Gefolge treten auf)


Marokko.
Verschmhet mich ob meiner Farbe nicht,
Die schattige Livrei der lichten Sonne,
Die mich als nahen Nachbar hat gepflegt.
Bringt mir den schnsten Mann, erzeugt im Norden,
Wo Phbus' Glut kaum schmelzt des Eises Zacken,
Und ritzen wir uns Euch zulieb die Haut,
Wes Blut am rtsten ist, meins oder seins.
Ich sag Euch, Frulein, dieses mein Gesicht
Hat Tapfre schon geschreckt; bei meiner Liebe schwr ich,
Die edlen Jungfraun meines Landes haben
Es auch geliebt; ich wollte diese Farbe
Nicht anders tauschen, als um Euren Sinn
Zu stehlen, meine holde Knigin.

Porzia.
Bei meiner Wahl lenkt mich ja nicht allein
Die zarte Fordrung eines Mdchenauges;
Auch schliet das Los, woran mein Schicksal hngt,
Mich von dem Recht des freien Whlens aus.
Doch, htte mich mein Vater nicht beengt,
Mir auferlegt durch seinen Willen, dem
Zur Gattin mich zu geben, welcher mich
Auf solche Art gewinnt, wie ich Euch sagte:
Ihr httet gleichen Anspruch, groer Prinz,
Mit jedem Freier, den ich sah bis jetzt,
Auf meine Neigung.

Marokko.
Habt auch dafr Dank.
Drum fhrt mich zu den Kstchen, da ich gleich
Mein Glck versuche.  Bei diesem Sbel, der
Den Sophi schlug und einen Perserprinz,
Der dreimal Sultan Soliman besiegt:
Die wildsten Augen wollt ich berblitzen,
Das khnste Herz auf Erden bertrotzen,
Die Jungen reien von der Brin weg,
Ja, wenn er brllt nach Raub, den Lwen hhnen,
Dich zu gewinnen, Frulein!  Aber ach!
Wenn Herkules und Lichas Wrfel spielen,
Wer tapfrer ist, so kann der bere Wurf
Durch Zufall kommen aus der schwchern Hand;
So unterliegt Alcides seinem Knaben,
Und so kann ich, wenn blindes Glck mich fhrt,
Verfehlen, was dem minder Wrdgen wird,
Und Grames sterben.

Porzia.
Ihr mt Eur Schicksal nehmen,
Es berhaupt nicht wagen, oder schwren,
Bevor Ihr whlet, wenn Ihr irrig whlt,
In Zukunft nie mit irgendeiner Frau
Von Eh zu sprechen: also seht Euch vor!

Marokko.
Ich will's auch nicht, kommt, bringt mich zur Entscheidung.

Porzia.
Vorher zum Tempel; nach der Mahlzeit mgt Ihr
Das Los versuchen.

Marokko.
Gutes Glck also!
Bald ber alles elend oder froh.

(Alle ab.)



Zweite Szene

Venedig.  Eine Strae

(Lanzelot Gobbo kommt)


Lanzelot.
Sicherlich, mein Gewissen lt mir's zu, von diesem Juden, meinem
Herrn, wegzulaufen. Der bse Feind ist mir auf der Ferse und
versucht mich und sagt zu mir: "Gobbo, Lanzelot Gobbo, guter
Lanzelot", oder "Guter Gobbo", oder "Guter Lanzelot Gobbo, brauch
deine Beine, rei aus, lauf davon." Mein Gewissen sagt: "Nein,
hte dich, ehrlicher Lanzelot; hte dich, ehrlicher Gobbo"; oder,
wie obgemeldet, "ehrlicher Lanzelot Gobbo; lauf nicht, la das
Ausreien bleiben." Gut, der beraus herzhafte Feind heit mich
aufpacken; "Marsch!" sagt der Feind; "fort!" sagt der Feind; "um
des Himmels willen! fa dir ein wackres Herz", sagt der Feind,
"und lauf". Gut, mein Gewissen hngt sich meinem Herzen um den
Hals und sagt sehr weislich zu mir: "Mein ehrlicher Freund
Lanzelot, da du eines ehrlichen Mannes Sohn bist", oder vielmehr
eines ehrlichen Weibes Sohn; denn die Wahrheit zu sagen, mein
Vater hatte einen kleinen Beigeschmack, er war etwas
ansuerlich.--Gut, mein Gewissen sagt: "Lanzelot, weich und wanke
nicht!"--"Weiche", sagt der Feind; "wanke nicht", sagt mein
Gewissen. "Gewissen", sage ich, "dein Rat ist gut"; "Feind", sage
ich, "dein Rat ist gut". Lasse ich mich durch mein Gewissen
regieren, so bleibe ich bei dem Juden, meinem Herrn, der, Gott
sei mir gndig! eine Art von Teufel ist. Laufe ich von dem Juden
weg, so lasse ich mich durch den bsen Feind regieren, der, mit
Respekt zu sagen, der Teufel selber ist. Gewi, der Jude ist der
wahre eingefleischte Teufel, und, auf mein Gewissen, mein
Gewissen ist gewissermaen ein hartherziges Gewissen, da es mir
raten will, bei dem Juden zu bleiben. Der Feind gibt mir einen
freundschaftlichen Rat; ich will laufen, Feind! meine Fersen
stehen dir zu Gebote, ich will laufen.

(Der alte Gobbo kommt mit einem Korbe.)

Gobbo.
Musje, junger Herr, Er da, sei Er doch so gut: wo gehe ich wohl
zu des Herrn Juden seinem Hause hin?

Lanzelot (beiseite).
O Himmel! mein eheleiblicher Vater, der zwar nicht pfahlblind,
aber doch so ziemlich stockblind ist und mich nicht kennt. Ich
will mir einen Spa mit ihm machen.

Gobbo.
Musje, junger Herr, sei Er so gut: wo gehe ich zu des Herrn Juden
seinem Hause hin?

Lanzelot.
Schlagt Euch rechter Hand an der nchsten Ecke, aber bei der
allernchsten Ecke linker Hand; versteht, bei der ersten nchsten
Ecke schlagt Euch weder rechts noch links, sondern dreht Euch
schnurgerade aus nach des Juden seinem Hause herum.

Gobbo.
Potz Wetterchen, das wird ein schlimmer Weg zu finden sein. Knnt
Ihr mir nicht sagen, ob ein gewisser Lanzelot, der sich bei ihm
aufhlt, sich bei ihm aufhlt oder nicht?

Lanzelot.
Sprecht Ihr vom jungen Monsieur Lanzelot?

(Beiseite.)

Nun gebt Achtung, nun will ich loslegen.--Sprecht Ihr vom jungen
Monsieur Lanzelot?

Gobbo.
Kein Monsieur, Herr, sondern eines armen Mannes Sohn. Sein Vater,
ob ich es schon sage, ist ein herzlich armer Mann und, Gott sei
Dank, recht wohlauf.

Lanzelot.
Gut, sein Vater mag sein, was er will; hier ist die Rede vom
jungen Monsieur Lanzelot.

Gobbo.
Eurem gehorsamen Diener und Lanzelot, Herr.

Lanzelot.
Ich bitte Euch demnach, alter Mann, demnach ersuche ich Euch:
sprecht Ihr vom jungen Monsieur Lanzelot?

Gobbo.
Von Lanzelot, wenn's Eur Gnaden beliebt.

Lanzelot.
Demnach Monsieur Lanzelot. Sprecht nicht von Monsieur Lanzelot,
Vater; denn der junge Herr ist (vermge der Schickungen und
Verhngnisse und solcher wunderlichen Redensarten, der drei
Schwestern und dergleichen Fchern der Gelahrtheit) in Wahrheit
Todes verblichen oder, um es rund herauszusagen, in die Ewigkeit
gegangen.

Gobbo.
Je, da sei Gott vor! Der Junge war so recht der Stab meines
Alters, meine beste Sttze.--

Lanzelot.
Seh ich wohl aus wie ein Knittel oder wie ein Zaunpfahl, wie ein
Stab oder eine Sttze?--Kennt Ihr mich, Vater?

Gobbo.
Ach du liebe Zeit, ich kenne Euch nicht, junger Herr; aber ich
bitte Euch, sagt mir, ist mein Junge--Gott hab ihn
selig!--lebendig oder tot?

Lanzelot.
Kennt Ihr mich nicht, Vater?

Gobbo.
Lieber Himmel!  ich bin ein alter blinder Mann, ich kenne Euch nicht.

Lanzelot.
Nun wahrhaftig, wenn Ihr auch Eure Augen httet, so knntet Ihr
mich doch wohl nicht kennen; das ist ein weiser Vater, der sein
eignes Kind kennt. Gut, alter Mann, ich will Euch Nachricht von
Eurem Sohne geben. Gebt mir Euren Segen! Wahrheit mu ans Licht
kommen. Ein Mord kann nicht lange verborgen bleiben, eines
Menschen Sohn kann's; aber zuletzt mu die Wahrheit heraus.

Gobbo.
Ich bitte Euch, Herr, steht auf, ich bin gewi, Ihr seid mein
junge Lanzelot nicht.

Lanzelot.
Ich bitte Euch, lat uns weiter keine Possen damit treiben,
sondern gebt mir Euern Segen. Ich bin Lanzelot, Euer Junge, der
da war, Euer Sohn, der da ist, Euer Kind, das da sein wird.

Gobbo.
Ich kann mir nicht denken, da Ihr mein Sohn seid.

Lanzelot.
Ich wei nicht, was ich davon denken soll; aber ich bin Lanzelot,
des Juden Diener, und ich bin gewi, Margrete, Eure Frau, ist
meine Mutter.

Gobbo.
Ganz recht, ihr Name ist Margrete; ich will einen Eid tun, wenn
du Lanzelot bist, so bist du mein eigen Fleisch und Blut. Gott im
Himmelsthrone! was hast du fr einen Bart gekriegt?--Du hast mehr
Haar am Kinne, als mein Karrengaul Fritz am Schwanze hat.

Lanzelot.
Je, so lt's ja, als ob Fritz sein Schwanz rckwrts wchse; ich
wei doch, er hatte mehr Haar im Schwanze als im Gesicht, da ich
ihn das letztemal sah.

Gobbo.
Herrje, wie du dich verndert hast! Wie vertrgst du dich mit
deinem Herrn? Ich bringe ihm ein Prsent; nun, wie vertragt ihr
euch?

Lanzelot.
Gut, gut! aber fr meine Person, da ich mich darauf gesetzt habe,
davonzulaufen, so will ich mich nicht eher niedersetzen, als bis
ich ein Stck Weges gelaufen bin. Mein Herr ist ein rechter Jude;
ihm ein Prsent geben! Einen Strick gebt ihm. Ich bin
ausgehungert in seinem Dienst; Ihr knnt jeden Finger, den ich
habe, mit meinen Rippen zhlen. Vater, ich bin froh, da Ihr
gekommen seid. Gebt mir Euer Prsent fr einen gewissen Herrn
Bassanio, der wahrhaftig prchtige neue Livreien gibt. Komme ich
nicht bei ihm in Dienst, so will ich laufen, soweit Gottes
Erdboden reicht. Welch ein Glck! da kommt er selbst. Macht Euch
an ihn, Vater, denn ich will ein Jude sein, wenn ich bei dem
Juden lnger diene.
(Bassanio kommt mit Leonardo und andern Begleitern.)

Bassanio.
Das knnt Ihr tun--aber seid so bei der Hand, da das Abendessen
sptestens um fnf Uhr fertig ist. Besorgt diese Briefe, gebt
diese Livreien in Arbeit und bittet Graziano, sogleich in meine
Wohnung zu kommen.

(Ein Bedienter ab.)

Lanzelot.
Macht Euch an ihn, Vater?

Gobbo.
Gott segne Euer Gnaden!

Bassanio.
Groen Dank!  Willst du was von mir?

Gobbo.
Da ist mein Sohn, Herr, ein armer Junge--

Lanzelot.
Kein armer Junge, Herr, sondern des reichen Juden Diener, der
gerne mchte, wie mein Vater spezifizieren wird--

Gobbo.
Er hat, wie man zu sagen pflegt, eine groe Deklination zu dienen--

Lanzelot.
Wirklich, das Kurze und das Lange von der Sache ist: ich diene
dem Juden und trage Verlangen, wie mein Vater spezifizieren
wird--

Gobbo.
Sein Herr und er (mit Respekt vor Euer Gnaden zu sagen) vertragen
sich wie Katzen und Hunde--

Lanzelot.
Mit einem Worte, die reine Wahrheit ist, da der Jude, da er mir
Unrecht getan, mich ntigt, wie mein Vater, welcher, so Gott
will, ein alter Mann ist, notifizieren wird--

Gobbo.
Ich habe hier ein Gericht Tauben, die ich bei Euer Gnaden
anbringen mchte, und mein Gesuch ist--

Lanzelot.
In aller Krze, das Gesuch interzediert mich selbst, wie Euer
Gnaden von diesem ehrlichen alten Mann hren werden, der, obschon
ich es sage, obschon ein alter Mann, doch ein armer Mann und mein
Vater ist.

Bassanio.
Einer spreche fr beide.  Was wollt Ihr?

Lanzelot.
Euch dienen, Herr.

Gobbo.
Ja, das wollten wir Euch gehorsamst opponieren.

Bassanio.
Ich kenne dich, die Bitt ist dir gewhrt;
Shylock, dein Herr, hat heut mit mir gesprochen
Und dich empfohlen; wenn's empfehlenswert,
Aus eines reichen Juden Dienst zu gehn,
Um einem armen Edelmann zu folgen.

Lanzelot.
Das alte Sprichwort ist recht schn verteilt zwischen meinem
Herrn Shylock und Euch, Herr: Ihr habt die Gnade Gottes, und er
hat genug.

Bassanio.
Du triffst es; Vater, geh mit deinem Sohn.
Nimm Abschied erst von deinem alten Herrn
Und frage dich nach meiner Wohnung hin.

(Zu seinen Begleitern.)

Ihr, gebt ihm eine nettere Livrei
Als seinen Kameraden; sorgt dafr!

Lanzelot.
Kommt her, Vater.--Ich kann keinen Dienst kriegen; nein! ich habe
gar kein Mundwerk am Kopfe.--Gut!--

(Er besieht seine flache Hand.)

Wenn einer in ganz Italien eine schnere Tafel hat, damit auf die
Schrift zu schwren--Ich werde gut Glck haben; ohne Umstnde,
hier ist eine ganz schlechte Lebenslinie; hier ist 'ne
Kleinigkeit an Frauen. Ach, fnfzehn Weiber sind nichts! elf
Witwen und neun Mdchen ist ein knappes Auskommen fr (einen)
Mann. Und dann, dreimal ums Haar zu ersaufen und mich an der Ecke
eines Federbettes beinah tot zu stoen--das heie ich gut
davonkommen! Gut, wenn Glck ein Weib ist, so ist sie doch eine
gute Dirne mit ihrem Kram.--Kommt, Vater, ich nehme in (einem)
Umsehn von dem Juden Abschied.

(Lanzelot und der alte Gobbo ab.)

Bassanio.
Tu das, ich bitt dich, guter Leonardo;
Ist dies gekauft und ordentlich besorgt,
Komm schleunig wieder; denn zur Nacht bewirt ich
Die besten meiner Freunde; eil dich, geh!

Leonardo.
Verlat Euch auf mein eifrigstes Bemhn.

(Graziano kommt.)

Graziano.
Wo ist dein Herr?

Leonardo.
Er geht da drben, Herr.

(Leonardo ab.)

Graziano.
Signor Bassanio!

Bassanio.
Graziano!

Graziano.
Ich habe ein Gesuch an Euch.

Bassanio.
Ihr habt es schon erlangt.

Graziano.
Ihr mt mir's nicht weigern; ich mu mit Euch nach Belmont gehen.

Bassanio.
Nun ja, so mt Ihr--aber hr, Graziano,
Du bist zu wild, zu rauh, zu keck im Ton:
Ein Wesen, welches gut genug dir steht
Und Augen wie den unsern nicht mifllt.
Doch wo man dich nicht kennt, ja, da erscheint
Es allzufrei; drum nimm dir Mh und dmpfe
Mit ein paar khlen Tropfen Sittsamkeit
Den flchtgen Geist, da ich durch deine Wildheit
Dort nicht mideutet werd und meine Hoffnung
Zugrunde geht.

Graziano.
Signor Bassanio, hrt mich:
Wenn ich mich nicht zu feinem Wandel fge,
Mit Ehrfurcht red und dann und wann nur fluche,
Gebetbuch in der Tasche, Kopf geneigt;
Ja, selbst beim Tischgebet so vors Gesicht
Den Hut mir halt und seufz und Amen sage;
Nicht allen Brauch der Hflichkeit erflle,
Wie einer, der, der Gromama zulieb,
Scheinheilig tut: so traut mir niemals mehr.

Bassanio.
Nun gut, wir werden sehn, wie Ihr Euch nehmt.

Graziano.
Nur heute nehm ich aus; das gilt nicht mir,
Was ich heut abend tu.

Bassanio.
Nein, das wr schade;
Ich bitt Euch, lieber in den kecksten Farben
Der Lust zu kommen; denn wir haben Freunde,
Die lustig wollen sein.  Lebt wohl indes,
Ich habe ein Geschft.

Graziano.
Und ich mu zu Lorenzo und den andern,
Doch auf den Abend kommen wir zu Euch.

(Alle ab.)



Dritte Szene

Ein Zimmer in Shylocks Hause

(Jessica und Lanzelot kommen)


Jessica.
Es tut mir leid, da du uns so verlt;
Dies Haus ist Hlle, und du, ein lustger Teufel,
Nahmst ihm ein Teil von seiner Widrigkeit.
Doch lebe wohl; da hast du 'nen Dukaten!
Und, Lanzelot, du wirst beim Abendessen
Lorenzo sehn als Gast von deinem Herrn.
Dann gib ihm diesen Brief, tu es geheim;
Und so leb wohl, da nicht etwa mein Vater
Mich mit dir reden sieht.

Lanzelot.
Adieu!--Trnen mssen meine Zunge vertreten, allerschnste
Heidin! allerliebste Jdin! Wenn ein Christ nicht zum Schelm an
dir wird, und dich bekommt, so trgt mich alles. Aber adieu!
Diese trichten Tropfen erweichen meinen mnnlichen Mut
allzusehr.

(Ab.)

Jessica.
Leb wohl, du Guter!
Ach wie gehssig ist es nicht von mir,
Da ich des Vaters Kind zu sein mich schme;
Doch, bin ich seines Blutes Tochter schon,
Bin ich's nicht seines Herzens.  O Lorenzo,
Hilf mir dies lsen!  treu dem Worte bleib!
So werd ich Christin und dein liebend Weib.

(Ab.)



Vierte Szene

Eine Strae

(Graziano, Lorenzo, Salarino und Solanio treten auf)


Lorenzo.
Nun gut, wir schleichen weg vom Abendessen,
Verkleiden uns in meinem Haus und sind
In einer Stunde alle wieder da.

Graziano.
Wir haben uns nicht recht darauf gerstet.

Salarino.
Auch keine Fackeltrger noch bestellt.

Solanio.
Wenn es nicht zierlich anzuordnen steht,
So ist es nichts und unterbliebe besser.

Lorenzo.
's ist eben vier; wir haben noch zwei Stunden
Zur Vorbereitung.

(Lanzelot kommt mit einem Briefe.)

Freund Lanzelot, was bringst du?

Lanzelot.
Wenn's Euch beliebt, dies aufzubrechen, so wird es gleichsam
andeuten.

Lorenzo.
Ich kenne wohl die Hand; ja, sie ist schn;
Und weier als das Blatt, worauf sie schrieb,
Ist diese schne Hand.

Graziano.
Auf meine Ehre, eine Liebesbotschaft.

Lanzelot.
Mit Eurer Erlaubnis, Herr.

Lorenzo.
Wo willst du hin?

Lanzelot.
Nun, Herr, ich soll meinen alten Herrn, den Juden, zu meinem
neuen Herrn, dem Christen, auf heute zum Abendessen laden.

Lorenzo.
Da nimm dies; sag der schnen Jessica,
Da ich sie treffen will.--Sag's heimlich!  geh;

(Lanzelot ab.)

Ihr Herrn,
Wollt ihr euch zu dem Maskenzug bereiten?
Ich bin versehn mit einem Fackeltrger.

Salarino.
Ja, auf mein Wort, ich gehe gleich danach.

Solanio.
Das will ich auch.

Lorenzo.
Trefft mich und Graziano.
In einer Stund in Grazianos Haus.

Salarino.
Gut das, es soll geschehn.

(Salarino und Solanio ab.)

Graziano.
Der Brief kam von der schnen Jessica?

Lorenzo.
Ich mu dir's nur vertraun: sie gibt mir an,
Wie ich sie aus des Vaters Haus entfhre;
Sie sei versehn mit Gold und mit Juwelen,
Ein Pagenanzug liege schon bereit.
Kommt je der Jud, ihr Vater, in den Himmel,
So ist's um seiner holden Tochter willen;
Und nie darf Unglck in den Weg ihr treten,
Es mte denn mit diesem Vorwand sein,
Da sie von einem falschen Juden stammt.
Komm, geh mit mir und lies im Gehn dies durch;
Mir trgt die schne Jessica die Fackel.

(Beide ab.)



Fnfte Szene

Vor Shylocks Hause

(Shylock und Lanzelot kommen)


Shylock.
Gut, du wirst sehn mit deinen eignen Augen
Des alten Shylocks Abstand von Bassanio.
He, Jessica!--Du wirst nicht voll dich stopfen,
Wie du bei mir getan--He, Jessica!--
Und liegen, schnarchen, Kleider nur zerreien--
He, sag ich, Jessica!

Lanzelot.
He, Jessica!

Shylock.
Wer heit dich schrein?  Ich hab's dir nicht geheien.

Lanzelot.
Euer Edlen pflegten immer zu sagen, ich knnte nichts ungeheien tun.

(Jessica kommt.)

Jessica.
Ruft Ihr?  Was ist Euch zu Befehl?

Shylock.
Ich bin zum Abendessen ausgebeten.
Da hast du meine Schlssel, Jessica.
Zwar wei ich nicht, warum ich geh; sie bitten
Mich nicht aus Liebe, nein, sie schmeicheln mir;
Doch will ich gehn aus Ha, auf den Verschwender
Von Christen zehren.--Jessica, mein Kind,
Acht auf mein Haus!--Ich geh recht wider Willen.
Es braut ein Unglck gegen meine Ruh,
Denn diese Nacht trumt ich von Scken Geldes.

Lanzelot.
Ich bitte Euch, Herr, geht; mein junger Herr erwartet Eure Zukunft.

Shylock.
Ich seine auch.

Lanzelot.
Und sie haben sich verschworen.--Ich sage nicht, da Ihr eine
Maskerade sehen sollt; aber wenn Ihr eine seht, so war es nicht
umsonst, da meine Nase an zu bluten fing, auf den letzten
Ostermontag des Morgens um sechs Uhr, der das Jahr auf den Tag
fiel, wo vier Jahre vorher nachmittags Aschermittwoch war.

Shylock.
Was?  gibt es Masken?  Jessica, hr an:
Verschlie die Tr, und wenn du Trommeln hrst
Und das Gequk der quergehalsten Pfeife,
So klettre mir nicht an den Fenstern auf;
Steck nicht den Kopf hinaus in offne Strae,
Nach Christennarren mit bemaltem Antlitz
Zu gaffen; stopfe meines Hauses Ohren--
Die Fenster, mein ich--zu und la den Schall
Der albern' Geckerei nicht dringen in
Mein ehrbar Haus.  Bei Jakobs Stabe schwr ich:
Ich habe keine Lust, zu Nacht zu schmausen;
Doch will ich gehn.--Du Bursch, geh mir voran;
Sag, da ich komme.

Lanzelot.
Herr, ich will vorangehn.
Guckt nur am Fenster, Frulein, trotz dem allem;
Denn vorbeigehn wird ein Christ,
Wert, da ihn 'ne Jdin kt.

(Ab.)

Shylock.
Was sagt der Narr von Hagars Stamme?  he?

Jessica.
Sein Wort war: "Frulein, lebet wohl"--sonst nichts.

Shylock.
Der Laff ist gut genug, jedoch ein Fresser,
'ne Schnecke zum Gewinn und schlft bei Tag
Mehr als das Murmeltier; in meinem Stock
Baun keine Drohnen; drum la ich ihn gehn
Und la ihn gehn zu einem, dem er mge
Den aufgeborgten Beutel leeren helfen.
Gut, Jessica, geh nun ins Haus hinein,
Vielleicht komm ich im Augenblicke wieder.
Tu, was ich dir gesagt, schlie hinter dir
Die Tren; fest gebunden, fest gefunden,
Das denkt ein guter Wirt zu allen Stunden.

(Ab.)

Jessica.
Lebt wohl, und denkt das Glck nach meinem Sinn,
Ist mir ein Vater, Euch ein Kind dahin.

(Ab.)



Sechste Szene

Ebendaselbst

(Graziano und Salarino kommen maskiert)


Graziano.
Dies ist das Vordach, unter dem Lorenzo
Uns haltzumachen bat.

Salarino.
Die Stund ist fast vorbei.

Graziano.
Und Wunder ist es, da er sie versumt;
Verliebte laufen stets der Uhr voraus.

Salarino.
O zehnmal schneller fliegen Venus' Tauben,
Den neuen Bund der Liebe zu versiegeln,
Als sie gewohnt sind, unverbrchlich auch
Gegebne Treu zu halten.

Graziano.
So geht's in allem; wer steht auf vom Mahl
Mit gleicher Elust, als er niedersa?
Wo ist das Pferd, das seine lange Bahn
Zurckmit mit dem ungedmpften Feuer,
Womit es sie betreten?  Jedes Ding
Wird mit mehr Trieb erjaget als genossen.
Wie hnlich einem Wildfang und Verschwender
Eilt das beflaggte Schiff aus heimscher Bucht,
Geliebkost und gehetzt vom Buhler Wind!
Wie hnlich dem Verschwender kehrt es heim,
Zerlumpt die Segel, Rippen abgewittert,
Kahl, nackt, geplndert von dem Buhler Wind!

(Lorenzo tritt auf.)

Salarino.
Da kommt Lorenzo, mehr hievon nachher.

Lorenzo.
Entschuldigt, Herzensfreunde, den Verzug:
Nicht ich, nur mein Geschft hat warten lassen.
Wenn ihr den Dieb um Weiber spielen wollt,
Dann wart ich auch so lang auf euch.--Kommt nher!
Hier wohnt mein Vater Jude--He!  wer da?

(Jessica oben am Fenster in Knabentracht.)

Jessica.
Wer seid Ihr?  sagt's zu mehrer Sicherheit,
Wiewohl ich schwr, ich kenne Eure Stimme.

Lorenzo.
Lorenzo und dein Liebster.

Jessica.
Lorenzo sicher, und mein Liebster, ja!
Denn wen lieb ich so sehr?  Und nun, wer wei
Als Ihr, Lorenzo, ob ich Eure bin?

Lorenzo.
Der Himmel und dein Sinn bezeugen dir's.

Jessica.
Hier, fang dies Kstchen auf, es lohnt die Mh.
Gut, da es Nacht ist, da Ihr mich nicht seht,
Denn ich bin sehr beschmt von meinem Tausch;
Doch Lieb ist blind, Verliebte sehen nicht
Die artgen Kinderein, die sie begehen;
Denn knnten sie's, Cupido wrd errten,
Als Knaben so verwandelt mich zu sehn.

Lorenzo.
Kommt, denn Ihr mt mein Fackeltrger sein.

Jessica.
Was?  mu ich selbst noch leuchten meiner Schmach?
Sie liegt frwahr schon allzusehr am Tage.
Ei, Lieber, 's ist ein Amt zum kundbar machen;
Ich mu verheimlicht sein.

Lorenzo.
Das bist du, Liebe,
Im hbschen Anzug eines Knaben schon.
Doch komm sogleich,
Die finstre Nacht stiehlt heimlich sich davon;
Wir werden bei Bassanios Fest erwartet.

Jessica.
Ich mach die Tren fest, verglde mich
Mit mehr Dukaten noch und bin gleich bei Euch.

(Tritt zurck.)

Graziano.
Nun!  auf mein Wort!  'ne Gttin, keine Jdin.

Lorenzo.
Verwnscht mich, wenn ich sie nicht herzlich liebe;
Denn sie ist klug, wenn ich mich drauf verstehe,
Und schn ist sie, wenn nicht mein Auge trgt,
Und treu ist sie, so hat sie sich bewhrt.
Drum sei sie, wie sie ist, klug, schn und treu,
Mir in bestndigem Gemt verwahrt.

(Jessica kommt heraus.)
Nun bist du da?--Ihr Herren, auf und fort!
Der Maskenzug erwartet schon uns dort.

(Ab mit Jessica und Salarino.)

(Antonio tritt auf.)

Antonio.
Wer da?

Graziano.
Signor Antonio.

Antonio.
Ei, ei, Graziano, wo sind all die andern?
Es ist neun Uhr, die Freund erwarten Euch.
Kein Tanz zur Nacht, der Wind hat sich gedreht,
Bassanio will im Augenblick an Bord;
Wohl zwanzig Boten schickt ich aus nach Euch.

Graziano.
Mir ist es lieb, nichts kann mich mehr erfreun,
Als unter Segel gleich die Nacht zu sein.

(Beide ab.)



Siebente Szene

Belmont.  Ein Zimmer in Porzias Hause

(Trompetensto. Porzia und der Prinz von Marokko treten auf,
beide mit Gefolge)


Porzia.
Geht, zieht beiseit den Vorhang und entdeckt
Die Kstchen smtlich diesem edlen Prinzen.--
Trefft Eure Wahl nunmehr.

Marokko.
Von Gold das erste, das die Inschrift hat:
"Wer mich erwhlt, gewinnt, was mancher Mann begehrt."
Das zweite, silbern, fhret dies Versprechen:
"Wer mich erwhlt, bekommt soviel, als er verdient."
Das dritte, schweres Blei, mit plumper Warnung:
"Wer mich erwhlt, der gibt und wagt sein Alles dran."
Woran erkenn ich, ob ich recht gewhlt?

Porzia.
Das eine fat mein Bildnis in sich, Prinz:
Wenn Ihr das whlt, bin ich zugleich die Eure.

Marokko.
So leit ein Gott mein Urteil!  Lat mich sehn!
Ich mu die Sprche nochmals berlesen.
Was sagt dies bleir'ne Kstchen?
"Wer mich erwhlt, der gibt und wagt sein Alles dran."
Der gibt--wofr?  fr Blei?  und wagt fr Blei?
Dies Kstchen droht; wenn Menschen alles wagen,
Tun sie's in Hoffnung kstlichen Gewinns.
Ein goldner Mut fragt nichts nach niedern Schlacken,
Ich geb also und wage nichts fr Blei.
Was sagt das Silber mit der Mdchenfarbe?
"Wer mich erwhlt, bekommt soviel, als er verdient."
Soviel, als er verdient?--Halt ein, Marokko,
Und wge deinen Wert mit steter Hand.
Wenn du geachtet wirst nach deiner Schtzung,
Verdienest du genug, doch kann genug
Wohl nicht soweit bis zu dem Frulein reichen.
Und doch, mich ngsten ber mein Verdienst,
Das wre schwaches Mitraun in mich selbst.
Soviel, als ich verdiene?--Ja, das ist
Das Frulein; durch Geburt verdien ich sie,
Durch Glck, durch Zier und Gaben der Erziehung;
Doch mehr verdien ich sie durch Liebe.  Wie,
Wenn ich nicht weiter schweift und whlte hier?
Lat nochmals sehn den Spruch, in Gold gegraben:
"Wer mich erwhlt, gewinnt, was mancher Mann begehrt.
Das ist das Frulein; alle Welt begehrt sie,
Aus jedem Weltteil kommen sie herbei,
Dies sterblich atmend Heilgenbild zu kssen;
Hyrkaniens Wsten und die wilden den
Arabiens sind gebahnte Straen nun
Fr Prinzen, die zur schnen Porzia reisen;
Das Reich der Wasser, dessen stolzes Haupt
Speit in des Himmels Antlitz, ist kein Damm
Fr diese fremden Geister; nein, sie kommen
Wie ber einen Bach zu Porzias Anblick.
Eins von den drein enthlt ihr himmlisch Bild;
Soll Blei es in sich fassen?  Lstrung wr's,
Zu denken solche Schmach; es wr zu schlecht,
Im dstern Grab ihr Leichentuch zu panzern.
Und soll ich glauben, da sie Silber einschliet,
Von zehnmal minderm Wert als reines Gold?
O sndlicher Gedanke!  Solch ein Kleinod
Ward nie geringer als in Gold gefat.
In England gibt's 'ne Mnze, die das Bild
Von einem Engel fhrt, in Gold geprgt.
Doch der ist drauf gedruckt; hier liegt ein Engel
Ganz drin im goldnen Bett.--Gebt mir den Schlssel,
Hier whl ich, und geling es, wie es kann.

Porzia.
Da nehmt ihn, Prinz, und liegt mein Bildnis da,
So bin ich Euer.

(Er schliet das goldne Kstchen auf.)

Marokko.
O Hlle, was ist hier?
Ein Beingeripp, dem ein beschriebner Zettel
Im hohlen Auge liegt?  Ich will ihn lesen:
   "Alles ist nicht Gold, was gleit,
   Wie man oft Euch unterweist.
   Manchen in Gefahr es reit,
   Was mein urer Schein verheit;
   Goldnes Grab hegt Wrmer meist;
   Wret Ihr so weis als dreist,
   Jung an Gliedern, alt an Geist,
   So wrdet Ihr nicht abgespeist
   Mit der Antwort: Geht und reist."
Ja frwahr, mit bittrer Kost;
Leb wohl denn, Glut!  Willkommen, Frost!
Lebt, Porzia, wohl!  Zu langem Abschied fhlt
Mein Herz zu tief; so scheidet, wer verspielt.

(Ab.)

Porzia.
Erwnschtes Ende!  Geht, den Vorhang zieht!
So whle jeder, der ihm hnlich sieht.

(Alle ab.)



Achte Szene

Venedig.  Eine Strae

(Salarino und Solanio treten auf)


Salarino.
Ja, Freund, ich sah Bassanio unter Segel;
Mit ihm ist Graziano abgereist,
Und auf dem Schiff ist sicher nicht Lorenzo.

Solanio.
Der Schelm von Juden schrie den Dogen auf,
Der mit ihm ging, das Schiff zu untersuchen.

Salarino.
Er kam zu spt, das Schiff war unter Segel;
Doch da empfing der Doge den Bericht,
In einer Gondel habe man Lorenzo
Mit seiner Liebsten Jessica gesehn;
Auch gab Antonio ihm die Versichrung,
Sie sei'n nicht mit Bassanio auf dem Schiff.

Solanio.
Nie hrt ich so verwirrte Leidenschaft,
So seltsam wild und durcheinander, als
Der Hund von Juden in den Straen auslie:
"Mein' Tochter--mein' Dukaten--o mein' Tochter!
Fort mit 'nem Christen--o mein' christlichen Dukaten!
Recht und Gericht!  mein' Tochter!  mein' Dukaten!
Ein Sack, zwei Scke, beide zugesiegelt,
Voll von Dukaten, doppelten Dukaten!
Gestohl'n von meiner Tochter; und Juwelen,
Zwei Stein'--zwei reich' und kstliche Gestein',
Gestohl'n von meiner Tochter!  O Gerichte,
Find't mir das Mdchen!--Sie hat die Steine bei sich
Und die Dukaten."

Salarino.
Ja, alle Gassenbuben folgen ihm
Und schrein: "Die Stein', die Tochter, die Dukaten!"

Solanio.
Da nur Antonio nicht den Tag versumt,
Sonst wird er hiefr zahlen.

Salarino.
Gut bedacht!
Mir sagte gestern ein Franzose noch,
Mit dem ich schwatzte, in der engen See,
Die Frankreich trennt von England, sei ein Schiff
Von unserm Land verunglckt, reich geladen;
Ich dachte des Antonio, da er's sagte,
Und wnscht im stillen, da es seins nicht wr.

Solanio.
Ihr solltet ihm doch melden, was Ihr hrt;
Doch tut's nicht pltzlich, denn es knnt ihn krnken.

Salarino.
Ein beres Herz lebt auf der Erde nicht.
Ich sah Bassanio und Antonio scheiden;
Bassanio sagt' ihm, da er eilen wolle
Mit seiner Rckkehr.  "Nein", erwidert' er,
"Schlag dein Geschft nicht von der Hand, Bassanio,
Um meinetwillen, la die Zeit es reifen.
Und die Verschreibung, die der Jude hat,
La sie beschweren nicht dein liebend Herz.
Sei frhlich, wende die Gedanken ganz
Auf Gunstbewerbung und Bezeugungen
Der Liebe, wie sie dort dir ziemen mgen."
Und hier, die Augen voller Trnen, wandt er
Sich abwrts, reichte seine Hand zurck,
Und, als ergriff ihn wunderbare Rhrung,
Drckt' er Bassanios Hand.  So schieden sie.

Solanio.
Ich glaub, er liebt die Welt nur seinetwegen;
Ich bitt Euch, lat uns gehn, ihn aufzufinden,
Um seine Schwermut etwas zu zerstreun
Auf ein und andre Art.

Salarino.
Ja, tun wir das.

(Beide ab.)



Neunte Szene

Belmont.  Ein Zimmer in Porzias Hause

(Nerissa kommt mit einem Bedienten)


Nerissa.
Komm, hurtig, hurtig, zieh den Vorhang auf!
Der Prinz von Arragon hat seinen Eid
Getan und kommt sogleich zu seiner Wahl.

(Trompentensto. Der Prinz von Arragon, Porzia und beider
Gefolge.)

Porzia.
Schaut hin, da stehn die Kstchen, edler Prinz!
Wenn Ihr das whlet, das mich in sich fat,
Soll die Vermhlung gleich gefeiert werden.
Doch fehlt Ihr, Prinz, so mt Ihr ohne weiters
Im Augenblick von hier Euch wegbegeben.

Arragon.
Drei Dinge gibt der Eid mir auf zu halten:
Zum ersten, niemals jemand kundzutun,
Welch Kstchen ich gewhlt; sodann: verfehl ich
Das rechte Kstchen, nie in meinem Leben
Um eines Mdchens Hand zu werben; endlich:
Wenn sich das Glck zu meiner Wahl nicht neigt,
Sogleich Euch zu verlassen und zu gehn.

Porzia.
Auf diese Pflichten schwrt ein jeder, der
Zu wagen kommt um mein geringes Selbst.

Arragon.
Und so bin ich gerstet.  Glck wohlauf
Nach Herzens Wunsch!--Gold, Silber, schlechtes Blei:
"Wer mich erwhlt, der gibt und wagt sein Alles dran."
Du mutest schner aussehn, eh ich's tte.
Was sagt das goldne Kstchen?  Ha, lat sehn!
"Wer mich erwhlt, gewinnt, was mancher Mann begehrt."
Was mancher Mann begehrt?--Dies (mancher) meint vielleicht
Die Torenmenge, die nach Scheine whlt,
Nur lernend, was ein bldes Auge lehrt;
Die nicht ins Innre dringt und wie die Schwalbe
Im Wetter bauet an der Auenwand,
Recht in der Kraft und Bahn des Ungefhrs.
Ich whle nicht, was mancher Mann begehrt,
Weil ich nicht bei gemeinen Geistern hausen,
Noch mich zu rohen Haufen stellen will.
Nun dann zu dir, du silbern Schatzgemach!
Sag mir noch mal die Inschrift, die du fhrst:
"Wer mich erwhlt, bekommt soviel, als er verdient."
Ja, gut gesagt: denn wer darf darauf ausgehn,
Das Glck zu tuschen und geehrt zu sein,
Den das Verdienst nicht stempelt?  Mae keiner
Sich einer unverdienten Wrde an.
O wrden Gter, Rang und mter nicht
Verderbterweis erlangt und wrde Ehre
Durch das Verdienst des Eigners rein erkauft,
Wie mancher deckte dann sein bloes Haupt!
Wie mancher, der befiehlt, gehorchte dann!
Wie viel des Pbels wrde ausgesondert
Aus reiner Ehre Saat!  und wieviel Ehre
Gelesen aus der Spreu, dem Raub der Zeit,
Um neu zu glnzen!--Wohl, zu meiner Wahl!
"Wer mich erwhlt, bekommt soviel, als er verdient."
Ich halt es mit Verdienst: gebt mir dazu den Schlssel,
Und unverzglich schliet mein Glck hier auf.

Porzia.
Zu lang geweilt fr das, was Ihr da findet.

Arragon.
Was gibt's hier?  Eines Gecken Bild, der blinzt
Und mir 'nen Zettel reicht!  Ich will ihn lesen.
O wie so gar nicht gleichst du Porzien!
Wie gar nicht meinem Hoffen und Verdienst!
"Wer mich erwhlt, bekommt soviel, als er verdient."
Verdient ich nichts als einen Narrenkopf?
Ist das mein Preis?  Ist mein Verdienst nicht hher?

Porzia.
Fehlen und richten sind getrennte mter,
Und die sich widersprechen.

Arragon.
Was ist hier?
   "Siebenmal im Feur geklrt
   Ward dies Silber: so bewhrt
   Ist ein Sinn, den nichts betrt.
   Mancher achtet Schatten wert,
   Dem ist Schattenheil beschert;
   Mancher Narr in Silber fhrt,
   So auch dieser, der Euch lehrt:
   Nehmet, wen Ihr wollt, zum Weib
   Immer trgt mich Euer Leib.
   Geht und sucht Euch Zeitvertreib!"
Mehr und mehr zum Narrn mich macht
Jede Stunde hier verbracht.
Mit einem Narrenkopf zum Frein
Kam ich her und geh mit zwein.
Herz, leb wohl!  was ich versprach,
Halt ich, trage still die Schmach.

(Arragon mit Gefolge ab.)

Porzia.
So ging dem Licht die Motte nach!
O diese weisen Narren!  wenn sie whlen,
Sind sie so klug, durch Witz es zu verfehlen.

Nerissa.
Die alte Sag ist keine Ketzerei.
Da Frein und Hngen eine Schickung sei.

Porzia.
Komm, zieh den Vorhang zu, Nerissa.

(Ein Bedienter kommt.)

Bedienter.
Wo ist mein Frulein?

Porzia.
Hier; was will mein Herr?

Bedienter.
An Eurem Tor ist eben abgestiegen
Ein junger Venezianer, welcher kommt,
Die nahe Ankunft seines Herrn zu melden,
Von dem er stattliche Begrung bringt;
Das heit, nebst vielen artgen Worten, Gaben
Von reichem Wert; ich sahe niemals noch
Solch einen holden Liebesabgesandten.
Nie kam noch im April ein Tag so s,
Zu zeigen, wie der Sommer kstlich nahe,
Als dieser Bote seinem Herrn voran.

Porzia.
Nichts mehr, ich bitt dich; ich besorge fast,
Da du gleich sagen wirst, er sei dein Vetter;
Du wendest solchen Festtagswitz an ihn.
Komm, komm, Nerissa; denn er soll mich freun,
Cupidos Herold, so geschickt und fein.

Nerissa.
Bassanio, Herr des Herzens!  la es sein.

(Alle ab.)




Dritter Aufzug



Erste Szene

Venedig.  Eine Strae

(Solanio und Salarino treten auf)


Solanio.
Nun, was gibt's Neues auf dem Rialto?

Salarino.
Ja, noch wird es nicht widersprochen, da dem Antonio sein Schiff
von reicher Ladung in der Meerenge gestrandet ist. Die Goodwins,
denke ich, nennen sie die Stelle: eine sehr gefhrliche Sandbank,
wo die Gerippe von manchem stattlichen Schiff begraben liegen,
wenn Gevatterin Fama eine Frau von Wort ist.

Solanio.
Ich wollte, sie wre darin eine so lgenhafte Gevatterin, als
jemals eine Ingwer kaute oder ihren Nachbarn weismachte, sie
weine um den Tod ihres dritten Mannes. Aber es ist wahr--ohne
alle Umschweife, und ohne die gerade, ebne Bahn des Gesprches zu
kreuzen--da der gute Antonio, der redliche Antonio--o da ich
eine Benennung wte, die gut genug wre, seinem Namen
Gesellschaft zu leisten!--

Salarino.
Wohlan, zum Schlu!

Solanio.
He, was sagst du?--Ja, das Ende ist, er hat ein Schiff eingebt.

Salarino.
Ich wnsche, es mag das Ende seiner Einbuen sein.

Solanio.
Lat mich beizeiten Amen sagen, ehe mir der Teufel einen
Querstrich durch mein Gebet macht; denn hier kommt er in Gestalt
eines Juden.

(Shylock kommt.)

Wie steht's, Shylock? Was gibt es Neues unter den Kaufleuten?

Shylock.
Ihr wutet, niemand besser, niemand besser als Ihr um meiner
Tochter Flucht.

Salarino.
Das ist richtig; ich meinerseits kannte den Schneider, der ihr
die Flgel zum Wegfliegen gemacht hat.

Solanio.
Und Shylock seinerseits wute, da der Vogel flgge war; und dann
haben sie es alle in der Art, das Nest zu verlassen.

Shylock.
Sie ist verdammt dafr.

Salarino.
Das ist sicher, wenn der Teufel ihr Richter sein soll.

Shylock.
Da mein eigen Fleisch und Blut sich so emprte!

Solanio.
Pfui dich an, altes Fell!  bei dem Alter emprt es sich?

Shylock.
Ich sage, meine Tochter ist mein Fleisch und Blut.

Salarino.
Zwischen deinem Fleisch und ihrem ist mehr Unterschied als
zwischen Ebenholz und Elfenbein, mehr zwischen eurem Blute als
zwischen rotem Wein und Rheinwein.--Aber sagt uns, was hrt Ihr:
hat Antonio einen Verlust zur See gehabt oder nicht?

Shylock.
Da hab ich einen andern schlimmen Handel: ein Bankerottierer, ein
Verschwender, der sich kaum auf dem Rialto darf blicken lassen;
ein Bettler, der so schmuck auf den Markt zu kommen pflegte! Er
sehe sich vor mit seinem Schein! Er hat mich immer Wucherer
genannt--er sehe sich vor mit seinem Schein!--er verlieh immer
Geld aus christlicher Liebe,--er sehe sich vor mit seinem Schein!

Salarino.
Nun, ich bin sicher, wenn er verfllt, so wirst du sein Fleisch
nicht nehmen: wozu wr es gut?

Shylock.
Fische mit zu kdern. Sttigt es sonst niemanden, so sttigt es
doch meine Rache. Er hat mich beschimpft, mir 'ne halbe Million
gehindert; meinen Verlust belacht, meinen Gewinn bespottet, mein
Volk geschmht, meinen Handel gekreuzt, meine Freunde verleitet,
meine Feinde gehetzt. Und was hat er fr Grund! Ich bin ein Jude.
Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hnde, Gliedmaen,
Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise
genhrt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten
unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewrmt und gekltet
von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns
stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht?
Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? Und wenn ihr uns
beleidigt, sollen wir uns nicht rchen? Sind wir euch in allen
Dingen hnlich, so wollen wir's euch auch darin gleich tun. Wenn
ein Jude einen Christen beleidigt, was ist seine Demut? Rache.
Wenn ein Christ einen Juden beleidigt, was mu seine Geduld sein
nach christlichem Vorbild? Nu, Rache. Die Bosheit, die ihr mich
lehrt, die will ich ausben, und es mu schlimm hergehen, oder
ich will es meinen Meistern zuvortun.

(Ein Bedienter kommt.)

Bedienter.
Edle Herren, Antonio, mein Herr, ist zu Hause und wnscht euch zu
sprechen.

Salarino.
Wir haben ihn allenthalben gesucht.

(Tubal kommt.)

Solanio.
Hier kommt ein anderer von seinem Stamm; der dritte Mann ist
nicht aufzutreiben, der Teufel selbst mte denn Jude werden.

(Solanio, Salarino und Bedienter ab.)

Shylock.
Nun, Tubal, was bringst du Neues von Genua? Hast du meine Tochter
gefunden?

Tubal.
Ich bin oft an rter gekommen, wo ich von ihr hrte, aber ich
kann sie nicht finden.

Shylock.
Ei so, so, so, so! Ein Diamant fort, kostet mich zweitausend
Dukaten zu Frankfurt. Der Fluch ist erst jetzt auf unser Volk
gefallen, ich hab ihn niemals gefhlt bis jetzt. Zweitausend
Dukaten dafr! und noch mehr kostbare, kostbare Juwelen! Ich
wollte, meine Tochter lge tot zu meinen Fen und htte die
Juwelen in den Ohren! Wollte, sie lge eingesargt zu meinen
Fen, und die Dukaten im Sarge! Keine Nachricht von ihnen! Ei,
da dich!--und ich wei noch nicht, was beim Nachsetzen
draufgeht. Ei, du Verlust ber Verlust! Der Dieb mit soviel
davongegangen, und soviel, um den Dieb zu finden; und keine
Genugtuung, keine Rache! Kein Unglck tut sich auf, als was mir
auf den Hals fllt; keine Seufzer, als die ich ausstoe, keine
Trnen, als die ich vergiee.

Tubal.
Ja, andre Menschen haben auch Unglck.  Antonio, so hrt ich in Genua--

Shylock.
Was, was, was?  Ein Unglck?  ein Unglck?

Tubal.
Hat eine Galeone verloren, die von Tripolis kam.

Shylock.
Gott sei gedankt!  Gott sei gedankt!  Ist es wahr?  ist es wahr?

Tubal.
Ich sprach mit ein paar von den Matrosen, die sich aus dem
Schiffbruch gerettet.

Shylock.
Ich danke dir, guter Tubal! Gute Zeitung, gute Zeitung!--Wo? in
Genua?

Tubal.
Eure Tochter vertat in Genua, wie ich hrte, in (einem) Abend
achtzig Dukaten!

Shylock.
Du gibst mir einen Dolchstich--ich kriege mein Gold nicht wieder
zu sehn--Achtzig Dukaten in (einem) Strich! achtzig Dukaten!

Tubal.
Verschiedene von Antonios Glubigern reisten mit mir zugleich
nach Venedig; die beteuerten, er msse notwendig fallieren.

Shylock.
Das freut mich sehr! ich will ihn peinigen, ich will ihn martern;
das freut mich!

Tubal.
Einer zeigte mir einen Ring, den ihm Eure Tochter fr einen Affen
gab.

Shylock.
Da sie die Pest! Du marterst mich, Tubal. Es war mein Trkis,
ich bekam ihn von Lea, als ich noch Junggeselle war; ich htte
ihn nicht fr einen Wald von Affen weggegeben.

Tubal.
Aber Antonio ist gewi ruiniert.

Shylock.
Ja, das ist wahr! das ist wahr! Geh, Tubal, miete mir einen
Amtsdiener, bestell ihn vierzehn Tage vorher. Ich will sein Herz
haben, wenn er verfllt; denn wenn er aus Venedig weg ist, so
kann ich Handel treiben, wie ich will. Geh, geh, Tubal, und triff
mich bei unsrer Synagoge! geh, guter Tubal! bei unsrer Synagoge,
Tubal!

(Ab.)



Zweite Szene

Belmont.  Ein Zimmer in Porzias Hause

(Bassanio, Porzia, Graziano, Nerissa und Gefolge treten auf
Die Kstchen sind aufgestellt)


Porzia.
Ich bitt Euch, wartet ein, zwei Tage noch,
Bevor Ihr wagt; denn whlt Ihr falsch, so be
Ich Euren Umgang ein; darum verzieht.
Ein Etwas sagt mir (doch es ist nicht Liebe),
Ich mcht Euch nicht verlieren; und Ihr wit,
Es rt der Ha in diesem Sinne nicht.
Allein damit Ihr recht mich deuten mchtet
(Und doch, ein Mdchen spricht nur mit Gedanken),
Behielt' ich gern Euch ein paar Tage hier,
Eh Ihr fr mich Euch wagt.  Ich knnt Euch leiten
Zur rechten Wahl, dann brch ich meinen Eid;
Das will ich nie; so knnt Ihr mich verfehlen.
Doch wenn Ihr's tut, macht Ihr mich sndlich wnschen,
Ich htt ihn nur gebrochen.  O der Augen,
Die so bezaubert mich und mich geteilt!
Halb bin ich Eur, die andre Hlfte Euer--
Mein, wollt ich sagen; doch wenn mein, dann Euer,
Und so ganz Euer.  O die bse Zeit,
Die Eignern ihre Rechte vorenthlt!
Und so, ob Euer schon, nicht Euer.--Trifft es,
So sei das Glck dafr verdammt, nicht ich.
Zu lange red ich, doch nur um die Zeit
Zu dehnen, in die Lnge sie zu ziehn,
Die Wahl noch zu verzgern.

Bassanio.
Lat mich whlen,
Denn wie ich jetzt bin, leb ich auf der Folter.

Porzia.
Bassanio, auf der Folter?  So bekennt,
Was fr Verrat in Eurer Liebe steckt.

Bassanio.
Allein der hliche Verrat des Mitrauns,
Der mich am Glck der Liebe zweifeln lt.
So gut verbnde Schnee und Feuer sich
Zum Leben, als Verrat und meine Liebe.

Porzia.
Ja, doch ich sorg, Ihr redet auf der Folter,
Wo sie, gezwungen, sagen, was man will.

Bassanio.
Verheit mir Leben, so bekenn ich Wahrheit.

Porzia.
Nun wohl, bekennt und lebt!

Bassanio.
Bekennt und liebt!
Mein ganz Bekenntnis wre dies gewesen.
O selge Folter, wenn der Folterer
Mich Antwort lehrt zu meiner Lossprechung?
Doch lat mein Heil mich bei den Kstchen suchen.

Porzia.
Hinzu denn!  Eins darunter schliet mich ein;
Wenn Ihr mich liebt, so findet Ihr es aus.
Nerissa und ihr andern steht beiseit.--
Lat nun Musik ertnen, weil er whlt!
So, wenn er fehltrifft, end' er Schwanen gleich
Hinsterbend in Musik; da die Vergleichung
Noch nher passe, sei mein Aug der Strom,
Sein wrig Totenbett.  Er kann gewinnen,
Und was ist dann Musik?  Dann ist Musik
Wie Paukenklang, wenn sich ein treues Volk
Dem neugekrnten Frsten neigt; ganz so
Wie jene sen Tn in erster Frhe,
Die in des Brutigams schlummernd Ohr sich schleichen
Und ihn zur Hochzeit laden.  Jetzo geht er
Mit minder Anstand nicht, mit weit mehr Liebe,
Als einst Alcides, da er den Tribut
Der Jungfrau lste, welchen Troja heulend
Dem Seeuntier gezahlt.  Ich steh als Opfer,
Die dort von fern sind die Dardanschen Fraun
Mit rotgeweinten Augen, ausgegangen,
Der Tat Erfolg zu sehn.--Geh, Herkules!
Leb du, so leb ich!  mit viel strkerm Bangen
Seh ich den Kampf, als du ihn eingegangen.

(Musik, whrend Bassanio ber die Kstchen mit sich zu Rate geht.)

(Lied)

(Erste Stimme.)  Sagt, woher stammt Liebeslust?
Aus den Sinnen, aus der Brust?
Ist euch ihr Lebenslauf bewut?  (Zweite Stimme.)  In den Augen erst gehegt,
Wird Liebeslust durch Schaun gepflegt;
Stirbt das Kindchen, beigelegt
In der Wiege, die es trgt,
Lutet Totenglckchen ihm;
Ich beginne: Bim!  bim!  bim!  (Chor.)  Bim!  bim!  bim!

Bassanio.
--So ist oft urer Schein sich selber fremd,
Die Welt wird immerdar durch Zier berckt.
Im Recht, wo ist ein Handel so verderbt,
Der nicht, geschmckt von einer holden Stimme,
Des Bsen Schein verdeckt?  Im Gottesdienst,
Wo ist ein Irrwahn, den ein ehrbar Haupt
Nicht heiligte, mit Sprchen nicht belegte,
Und brge die Verdammlichkeit durch Schmuck?
Kein Laster ist so blde, das von Tugend
Im uern Tun nicht Zeichen an sich nhme.
Wie manche Feige, die Gefahren stehn
Wie Spreu dem Winde, tragen doch am Kinn
Den Bart des Herkules und finstern Mars,
Fliet gleich in ihren Herzen Blut wie Milch!
Und diese leihn des Mutes Auswuchs nur,
Um furchtbar sich zu machen.  Blickt auf Schnheit,
Ihr werdet sehn, man kauft sie nach Gewicht,
Das hier ein Wunder der Natur bewirkt,
Und die es tragen, um so lockrer macht.
So diese schlnglicht krausen goldnen Locken,
Die mit den Lften so mutwillig hpfen
Auf angematem Reiz: man kennt sie oft
Als eines zweiten Kopfes Ausstattung,
Der Schdel der sie trug, liegt in der Gruft.
So ist denn Zier die trgerische Kste
Von einer schlimmen See, der schne Schleier,
Der Indiens Schne birgt; mit einem Wort:
Die Scheinwahrheit, womit die schlaue Zeit
Auch Weise fngt.  Darum, du gleiend Gold,
Des Midas harte Kost, dich will ich nicht,
Noch dich, gemeiner, bleicher Botenlufer
Von Mann zu Mann; doch du, du magres Blei,
Das eher droht als irgend was verheit,
Dein schlichtes Ansehn spricht beredt mich an:
Ich whle hier, und sei es wohlgetan!

Porzia.
Wie jede Regung fort die Lfte tragen!
Als irre Zweifel, ungestm Verzagen
Und bange Schaur und blasse Schchternheit.
O Liebe, mge dich in deiner Seligkeit!
Halt ein, la deine Freuden sanfter regnen;
Zu stark fhl ich, du mut mich minder segnen,
Damit ich nicht vergeh.

Bassanio (ffnet das bleierne Kstchen).
Was find ich hier?
Der schnen Porzia Bildnis?  Welcher Halbgott
Kam so der Schpfung nah?  Regt sich dies Auge?
Wie, oder schwebend auf des meinen Wlbung,
Scheint es bewegt?  Hier sind erschlone Lippen,
Die Nektarodem trennt: so se Scheidung
Mu zwischen solchen sen Freunden sein.
Der Maler spielte hier in ihrem Haar,
Die Spinne wob ein Netz, der Mnner Herzen
Zu fangen wie die Mck im Spinngeweb.
Doch ihre Augen--o wie konnt er sehn,
Um sie zu malen?  Da er eins gemalt,
Dnkt mich, es mut ihm seine beiden stehlen
Und ungepaart sich lassen.  Doch seht, soweit
Die Wahrheit meines Lobes diesem Schatten
Zu nahe tut, da es ihn unterschtzt,
Soweit lt diesen Schatten hinter sich
Die Wahrheit selbst zurck.--Hier ist der Zettel,
Der Inbegriff und Auszug meines Glcks.
   "Ihr, der nicht auf Schein gesehn:
   Whlt so recht und trefft so schn!
   Weil Euch dieses Glck geschehn,
   Wollet nicht nach anderm gehn.
   Ist Euch dies nach Wunsch getan
   Und findt Ihr Heil auf dieser Bahn,
   Mt Ihr Eurer Liebsten nahn,
   Und sprecht mit holdem Ku sie an."
Ein freundlich Blatt--erlaubt, mein holdes Leben,

(er kt sie)

Ich komm, auf Schein zu nehmen und zu geben,
Wie, wer um einen Preis mit andern ringt
Und glaubt, da vor dem Volk sein Tun gelingt;
Er hrt den Beifall, Jubel schallt zum Himmel:
Im Geist benebelt, staunt er--"Dies Getmmel
Des Preises", fragt er sich, "gilt es denn mir?"
So, dreimal holdes Frulein, steh ich hier,
Noch zweifelnd, ob kein Trug mein Auge blend't,
Bis Ihr besttigt, zeichnet, anerkennt.

Porzia.
Ihr seht mich, Don Bassanio, wo ich stehe,
So wie ich bin.  Obschon fr mich allein
Ich nicht ehrgeizig wr in meinem Wunsch,
Viel besser mich zu wnschen; doch fr Euch
Wollt ich verdreifacht zwanzigmal ich selbst sein,
Noch tausendmal so schn, zehntausendmal
So reich.--
Nur um in Eurer Schtzung hoch zu stehn
Mcht ich an Gaben, Reizen, Gtern, Freunden
Unschtzbar sein; doch meine volle Summa
Macht etwas nur: das ist, in Bausch und Bogen,
Ein unerzognes, ungelehrtes Mdchen,
Darin beglckt, da sie noch nicht zu alt
Zum Lernen ist; noch glcklicher, da sie
Zum Lernen nicht zu blde ward geboren;
Am glcklichsten, weil sie ihr weich Gemt
Dem Euren berlt, da Ihr sie lenkt
Als ihr Gemahl, ihr Fhrer und ihr Knig.
Ich selbst, und was nur mein, ist Euch und Eurem
Nun zugewandt; noch eben war ich Eigner
Des schnen Guts hier, Herrin meiner Leute,
Monarchin meiner selbst; und eben jetzt
Sind Haus und Leut und ebendies "ich selbst"
Eur eigen, Herr.  Nehmt sie mit diesem Ring;
Doch trennt Ihr Euch von ihm, verliert, verschenkt ihn,
So prophezei es Eurer Liebe Fall,
Und sei mein Anspruch gegen Euch zu klagen.

Bassanio.
Frulein, Ihr habt der Worte mich beraubt,
Mein Blut nur in den Adern spricht zu Euch;
Verwirrung ist in meinen Lebensgeistern,
Wie sie nach einer wohlgesprochnen Rede
Von einem teuren Prinzen wohl im Kreis
Der murmelnden zufriednen Meng erscheint,
Wo jedes Etwas, ineinander flieend,
Zu einem Chaos wird von nichts als Freude,
Laut und doch sprachlos.--Doch weicht dieser Ring
Von diesem Finger, dann weicht hier das Leben;
O dann sagt khn, Bassanio sei tot!

Nerissa.
Mein Herr und Frulein, jetzt ist unsre Zeit,
Die wir dabei gestanden und die Wnsche
Gelingen sehn, zu rufen: Freud und Heil!
Habt Freud und Heil, mein Frulein und mein Herr!

Graziano.
Mein Freund Bassanio und mein wertes Frulein,
Ich wnsch euch, was fr Freud ihr wnschen knnt;
Denn sicher wnscht ihr keine von mir weg.
Und wenn ihr beiderseits zu feiern denkt
Den Austausch eurer Treue, bitt ich euch,
Da ich zugleich mich auch verbinden drfe.

Bassanio.
Von Herzen gern, kannst du ein Weib dir schaffen.

Graziano.
Ich dank Euch, Herr, Ihr schafftet mir ein Weib.
Mein Auge kann so hurtig schaun als Eures;
Ihr saht das Frulein, ich die Dienerin;
Ihr liebtet und ich liebte; denn Verzug
Steht mir nicht besser an als Euch, Bassanio.
Eur eignes Glck hing an den Kstchen dort,
Und so auch meines, wie es sich gefgt.
Denn werbend hier, bis ich in Schwei geriet,
Und schwrend, bis mein Gaum' von Liebesschwren
Ganz trocken war, ward ich zuletzt--geletzt
Durch ein Versprechen dieser Schnen hier,
Mir Liebe zu erwidern, wenn Eur Glck
Ihr Frulein erst gewnne.

Porzia.
Ist's wahr, Nerissa?

Nerissa.
Ja, Frulein, wenn Ihr Euren Beifall gebt.

Bassanio.
Und meint Ihr's, Graziano, recht im Ernst?

Graziano.
Ja, auf mein Wort.

Bassanio.
Ihr ehrt durch Eure Heirat unser Fest.

Graziano.
Wir wollen mit ihnen auf den ersten Jungen wetten um tausend Dukaten.
Doch wer kommt hier; Lorenzo und sein Heidenkind?
Wie?  und mein alter Landsmann, Freund Salerio?
(Lorenzo, Jessica und Salerio treten auf.)

Bassanio.
Lorenzo und Salerio, willkommen,
Wofern die Jugend meines Ansehns hier
Willkommen heien darf.  Erlaubet mir,
Ich heie meine Freund und Landesleute
Willkommen, holde Porzia.

Porzia.
Ich mit Euch;
Sie sind mir sehr willkommen.

Lorenzo.
Dank Euer Gnaden!--Was mich angeht, Herr,
Mein Vorsatz war es nicht, Euch hier zu sehn;
Doch da ich unterwegs Salerio traf,
So bat er mich, da ich's nicht weigern konnte,
Hieher ihn zu begleiten.

Salerio.
Ja, ich tat's
Und habe Grund dazu.  Signor Antonio
Empfiehlt sich Euch.

(Gibt dem Bassanio einen Brief.)

Bassanio.
Eh ich den Brief erbreche,
Sagt, wie befindet sich mein wackrer Freund?

Salerio.
Nicht krank, Herr, wenn er's im Gemt nicht ist,
Noch wohl, als im Gemt; der Brief da wird
Euch seinen Zustand melden.

Graziano.
Nerissa, muntert dort die Fremde auf,
Heit sie willkommen.  Eure Hand, Salerio!
Was bringt Ihr von Venedig mit?  Wie geht's
Dem kniglichen Kaufmann, dem Antonio?
Ich wei, er wird sich unsers Glckes freun;
Wir sind die Iasons, die das Vlies gewonnen.

Salerio.
O httet Ihr das Vlies, das er verlor.

Porzia.
In dem Papier ist ein feindselger Inhalt,
Es stiehlt die Farbe von Bassanios Wangen.
Ein teurer Freund tot; nichts auf Erden sonst,
Was eines festgesinnten Mannes Fassung
So ganz verwandeln kann.  Wie?  schlimm und schlimmer?
Erlaubt, Bassanio, ich bin halb Ihr selbst,
Und mir gebhrt die Hlfte auch von allem,
Was dies Papier Euch bringt.

Bassanio.
O werte Porzia,
Hier sind ein paar so widerwrtge Worte,
Als je Papier bedeckten.  Holdes Frulein,
Als ich zuerst Euch meine Liebe bot,
Sagt ich Euch frei, mein ganzer Reichtum rinne
In meinen Adern: ich sei Edelmann;
Und dann sagt ich Euch wahr.  Doch, teures Frulein,
Da ich auf nichts mich schtzte, sollt Ihr sehn,
Wie sehr ich Prahler war.  Da ich Euch sagte,
Mein Gut sei nichts, htt ich Euch sagen sollen,
Es sei noch unter nichts; denn in der Tat,
Mich selbst verband ich einem teuren Freunde,
Den Freund verband ich seinem rgsten Feind,
Um mir zu helfen.  Hier, Frulein, ist ein Brief,
Das Blatt Papier, wie meines Freundes Leib
Und jedes Wort drauf eine offne Wunde,
Der Lebensblut entstrmt.--Doch ist es wahr,
Salerio?  Sind denn alle Unternehmen
Ihm fehlgeschlagen?  Wie, nicht eins gelang?
Von Tripolis, von Mexiko, von England,
Von Indien, Lissabon, der Berberei?
Und nicht (ein) Schiff entging dem furchbarn Ansto
Von Armut drohnden Klippen?

Salerio.
Nein, nicht eins.
Und auerdem, so scheint es, htt er selbst
Das bare Geld, den Juden zu bezahlen,
Der nhm es nicht.  Nie kannt ich ein Geschpf,
Das die Gestalt von einem Menschen trug,
So gierig, einen Menschen zu vernichten.
Er liegt dem Dogen frh und spt im Ohr
Und klagt des Staats verletzte Freiheit an,
Wenn man sein Recht ihm weigert.  Zwanzig Handelsleute,
Der Doge selber und die Senatoren
Vom grten Ansehn reden all ihm zu;
Doch niemand kann aus der Schikan ihn treiben
Von Recht, verfallner Bu und seinem Schein.

Jessica.
Als ich noch bei ihm war, hrt ich ihn schwren
Vor seinen Landesleuten Chus und Tubal,
Er wolle lieber des Antonio Fleisch
Als den Betrag der Summe zwanzigmal,
Die er ihm schuldig sei.  Und, Herr, ich wei,
Wenn ihm nicht Recht, Gewalt und Ansehn wehrt,
Wird es dem armen Manne schlimm ergehn.

Porzia.
Ist's Euch ein teurer Freund, der so in Not ist?

Bassanio.
Der teurste Freund, der liebevollste Mann,
Das unermdet willigste Gemt
Zu Dienstleistungen und ein Mann, an dem
Die alte Rmerehre mehr erscheint
Als sonst an wem, der in Italien lebt.

Porzia.
Welch eine Summ' ist er dem Juden schuldig?

Bassanio.
Fr mich, dreitausend Dukaten.

Porzia.
Wie?  nicht mehr?
Zahlt ihm sechstausend aus und tilgt den Schein,
Doppelt sechstausend, dann verdreifacht das,
Eh einem Freunde dieser Art ein Haar
Gekrnkt soll werden durch Bassanios Schuld.
Erst geht mit mir zur Kirch und nennt mich Weib,
Dann nach Venedig fort zu Eurem Freund,
Denn nie sollt Ihr an Porzias Seite liegen
Mit Unruh in der Brust.  Gold geb ich Euch,
Um zwanzigmal die kleine Schuld zu zahlen;
Zahlt sie und bringt den echten Freund mit Euch.
Nerissa und ich selbst indessen leben
Wie Mdchen und wie Witwen.  Kommt mit mir,
Ihr sollt auf Euren Hochzeitstag von hier.
Begrt die Freunde, lat den Mut nichts trben;
So teur gekauft, will ich Euch teuer lieben.--
Doch lat mich hren Eures Freundes Brief.

Bassanio (liest).
"Liebster Bassanio! Meine Schiffe sind alle verunglckt, meine
Glubiger werden grausam, mein Glcksstand ist ganz zerrttet,
meine Verschreibung an den Juden ist verfallen, und da es
unmglich ist, da ich lebe, wenn ich sie zahle, so sind alle
Schulden zwischen mir und Euch berichtigt. Wenn ich Euch nur bei
meinem Tode sehen knnte! Jedoch handelt nach Belieben; wenn Eure
Liebe Euch nicht berredet, zu kommen, so mu es mein Brief
nicht.

Porzia.
O Liebster, geht, lat alles andre liegen!

Bassanio.
Ja, eilen will ich, da mir Eure Huld
Zu gehn erlaubt; doch bis ich hier zurck,
Sei nie ein Bett an meinem Zgern schuld,
Noch trete Ruhe zwischen unser Glck!

(Alle ab.)



Dritte Szene

Venedig.  Eine Strae

(Shylock, Solanio, Antonio und Gefangenwrter treten auf)


Shylock.
Acht auf ihn, Schlieer!--Sagt mir nicht von Gnade, Dies ist der
Narr, der Geld umsonst auslieh.--Acht auf ihn, Schlieer!

Antonio.
Hrt mich, guter Shylock.

Shylock.
Ich will den Schein, nichts gegen meinen Schein!
Ich tat 'nen Eid, auf meinen Schein zu dringen.
Du nanntest Hund mich, eh du Grund gehabt;
Bin ich ein Hund, so meide meine Zhne.
Der Doge soll mein Recht mir tun.--Mich wundert's,
Da du so tricht bist, du loser Schlieer,
Auf sein Verlangen mit ihm auszugehn.

Antonio.
Ich bitte, hr mich reden.

Shylock.
Ich will den Schein, ich will nicht reden hren,
Ich will den Schein, und also sprich nicht mehr.
Ich macht mich nicht zum schwachen, blinden Narrn,
Der seinen Kopf wiegt, seufzt, bedauert, nachgibt
Den christlichen Vermittlern.  Folg mir nicht,
Ich will kein Reden, meinen Schein will ich.

(Shylock ab.)

Solanio.
Das ist ein unbarmherzger Hund, wie's keinen
Je unter Menschen gab.

Antonio.
Lat ihn nur gehn,
Ich geh ihm nicht mehr nach mit eitlen Bitten.
Er sucht mein Leben, und ich wei warum;
Oft hab ich Schuldner, die mir vorgeklagt,
Davon erlst, in Bu ihm zu verfallen;
Deswegen hat er mich.

Solanio.
Gewi, der Doge
Gibt nimmer zu, da diese Bue gilt.

Antonio.
Der Doge kann des Rechtes Lauf nicht hemmen;
Denn die Bequemlichkeit, die Fremde finden
Hier in Venedig, wenn man sie versagt,
Setzt die Gerechtigkeit des Staats herab,
Weil der Gewinn und Handel dieser Stadt
Beruht auf allen Vlkern.  Gehn wir denn!
Der Gram und der Verlust zehrt so an mir
Kaum werd ich ein Pfund Fleisch noch brig haben
Auf morgen fr den blutgen Glubiger.
Komm, Schlieer!  Gebe Gott, da nur Bassanio
Mich fr ihn zahlen sieht, so gilt mir's gleich.

(Ab.)



Vierte Szene

Belmont.  Ein Zimmer in Porzias Hause

(Porzia, Nerissa, Lorenzo, Jessica und Balthasar kommen)


Lorenzo.
Mein Frulein, sag ich's schon in Eurem Beisein,
Ihr habt ein edles und ein echt Gefhl
Von gttergleicher Freundschaft; das beweist Ihr,
Da Ihr die Trennung vom Gemahl so tragt.
Doch wtet Ihr, wem Ihr die Ehr erzeigt,
Welch einem biedern Mann Ihr Hilfe sendet,
Welch einem lieben Freunde Eures Gatten,
Ich wei, Ihr wret stolzer auf das Werk,
Als Euch gewohnte Gte drngen kann.

Porzia.
Noch nie bereut ich, da ich Gutes tat,
Und werd es jetzt auch nicht; denn bei Genossen,
Die miteinander ihre Zeit verleben
Und deren Herz (ein) Joch der Liebe trgt,
Da mu unfehlbar auch ein Ebenma
Von Zgen sein, von Sitten und Gemt.
Dies macht mich glauben, der Antonio,
Als Busenfreund von meinem Gatten, msse
Durchaus ihm hnlich sein.  Wenn es so ist,
Wie wenig ist es, was ich aufgewandt,
Um meiner Seele Ebenbild zu lsen
Aus einem Zustand hllscher Grausamkeit!
Doch dies kommt einem Selbstlob allzu nah;
Darum nichts mehr davon.  Hrt andre Dinge:
Lorenzo, ich vertrau in Eure Hand
Die Wirtschaft und die Fhrung meines Hauses,
Bis zu Bassanios Rckkehr; fr mein Teil
Ich sandt ein heimliches Gelbd zum Himmel,
Zu leben in Beschauung und Gebet,
Allein begleitet von Nerissa hier,
Bis zu der Rckkunft unser beider Gatten.
Ein Kloster liegt zwei Meilen weit von hier,
Da wollen wir verweilen.  Ich ersuch Euch:
Lehnt nicht den Auftrag ab, den meine Liebe
Und eine Ntigung des Zufalls jetzt
Euch auferlegt.

Lorenzo.
Von ganzem Herzen, Frulein;
In allem ist mir Euer Wink Befehl.

Porzia.
Schon wissen meine Leute meinen Willen
Und werden Euch und Jessica erkennen
An meiner eignen und Bassanios Statt.
So lebt denn wohl, bis wir uns wiedersehn!

Lorenzo.
Sei froher Mut mit Euch und heitre Stunden!

Jessica.
Ich wnsch Eur Gnaden alle Herzensfreude.

Porzia.
Ich dank Euch fr den Wunsch und bin geneigt,
Ihn Euch zurckzuwnschen.--Jessica, lebt wohl!

(Jessica und Lorenzo ab.)

Nun, Balthasar,
Wie ich dich immer treu und redlich fand,
La mich auch jetzt dich finden.  Nimm den Brief
Und eile, was in Menschenkrften steht,
Nach Padua; gib ihn zu eignen Hnden
An meinen Vetter ab, Doktor Bellario.
Sieh zu, was er dir fr Papiere gibt
Und Kleider; bringe die in hchster Eil
Zur berfahrt an die gemeine Fhre,
Die nach Venedig schifft.  Verlier die Zeit
Mit Worten nicht; geh, ich bin vor dir da.

Balthasar.
Frulein, ich geh mit aller schuldigen Eil.

(Balthasar ab.)

Porzia.
Nerissa, komm.  Ich hab ein Werk zur Hand,
Wovon du noch nicht weit; wir wollen unsre Mnner,
Eh sie es denken, sehn.

Nerissa.
Und sie auch uns?

Porzia.
Jawohl, Nerissa, doch in solcher Tracht,
Da sie mit dem versehn uns denken sollen,
Was uns gebricht.  Ich wette, was du willst:
Sind wir wie junge Mnner aufgestutzt,
Will ich der feinste Bursch von beiden sein
Und meinen Degen mit mehr Anstand tragen
Und sprechen wie im bergang vom Knaben
Zum Mann und einem heiseren Diskant.
Ich will zwei jngferliche Tritte dehnen
Zu (einem) Mnnerschritt; vom Raufen sprechen
Wie kecke junge Herrn; und artig lgen,
Wie edle Frauen meine Liebe suchten
Und, da ich sie versagt, sich tot gehrmt.--
Ich konnte nicht mit allen fertig werden;
Und dann bereu ich es und wnsch, ich htte
Bei alledem sie doch nicht umgebracht.
Und zwanzig solcher kleinen Lgen sag ich,
So da man schwren soll, da ich die Schule
Schon seit dem Jahr verlie.--Ich hab im Sinn
Wohl tausend Streiche solcher dreisten Gecken,
Die ich verben will.

Nerissa.
So sollen wir in Mnner uns verwandeln?

Porzia.
Ja, komm, ich sag dir meinen ganzen Anschlag,
Wenn wir im Wagen sind, der uns am Tor
Des Parks erwartet; darum la uns eilen,
Denn wir durchmessen heut noch zwanzig Meilen.

(Ab.)



Fnfte Szene

Belmont.  Ein Garten

(Lanzelot und Jessica kommen)


Lanzelot.
Ja, wahrhaftig! Denn seht Ihr, die Snden der Vter sollen an den
Kindern heimgesucht werden: darum glaubt mir, ich bin besorgt fr
Euch. Ich ging immer gerade gegen Euch heraus, und so sage ich
Euch meine Deliberation ber die Sache. Also seid gutes Mutes,
denn wahrhaftig, ich denke, Ihr seid verdammt. Es ist nur (eine)
Hoffnung dabei, die Euch zustatten kommen kann, und das ist auch
nur so eine Art von Bastardhoffnung.

Jessica.
Und welche Hoffnung ist das?

Lanzelot.
Ei, Ihr knnt gewissermaen hoffen, da Euer Vater Euch nicht
erzeugt hat, da Ihr nicht des Juden Tochter seid.

Jessica.
Das wre in der Tat eine Art von Bastardhoffnung, dann wrden die
Snden meiner Mutter an mir heimgesucht werden.

Lanzelot.
Wahrhaftig, dann frchte ich, Ihr seid von Vater und Mutter wegen
verdammt. Wenn ich die Scylla, Euren Vater, vermeide, so falle
ich in die Charybdis, Eure Mutter; gut, Ihr seid auf eine und die
andre Art verloren.

Jessica.
Ich werde durch meinen Mann selig werden; er hat mich zu einer
Christin gemacht.

Lanzelot.
Wahrhaftig, da ist er sehr zu tadeln. Es gab unser vorher schon
Christen genug, grade soviel, als nebeneinander gut bestehen
konnten. Dies Christenmachen wird den Preis der Schweine
steigern; wenn wir alle Schweinefleischesser werden, so ist in
kurzem kein Schnittchen Speck in der Pfanne fr Geld mehr zu
haben.

(Lorenzo kommt.)

Jessica.
Ich will meinem Mann erzhlen, was Ihr sagt, Lanzelot; hier kommt
er.

Lorenzo.
Bald werde ich eiferschtig auf Euch, Lanzelot, wenn Ihr meine
Frau so in die Ecken zieht.

Jessica.
Ihr habt nichts zu befrchten, Lorenzo; Lanzelot und ich, wir
sind ganz entzweit. Er sagt mir grade heraus, im Himmel sei keine
Gnade fr mich, weil ich eines Juden Tochter bin; und er
behauptet, da Ihr kein gutes Mitglied des gemeinen Wesens seid,
weil Ihr Juden zum Christentum bekehrt und dadurch den Preis des
Schweinefleisches steigert.

Lorenzo.
Das kann ich besser beim gemeinen Wesen verantworten als Ihr Eure
Streiche mit der Mohrin. Da Ihr ein Weier seid, Lanzelot, httet
Ihr die Schwarze nicht so aufgeblasen machen sollen.

Lanzelot.
Es tut mir leid, wenn ich ihr etwas weisgemacht habe; aber da das
Kind einen weisen Vater hat, wird es doch keine Waise sein.

Lorenzo.
Wie jeder Narr mit den Worten spielen kann! Bald, denke ich, wird
sich der Witz am besten durch Stillschweigen bewhren und
Gesprchigkeit blo noch an Papageien gelobt werden.--Geht ins
Haus, Bursch, sagt, da sie zur Mahlzeit zurichten.

Lanzelot.
Das ist geschehn, Herr, sie haben alle Mgen.

Lorenzo.
Lieber Himmel, welch ein Witzschnapper Ihr seid! Sagt also, da
sie die Mahlzeit anrichten.

Lanzelot.
Das ist auch geschehn, es fehlt nur am Decken.

Lorenzo.
Wollt Ihr also decken?

Lanzelot.
Mich, Herr?  Ich wei besser, was sich schickt.

Lorenzo.
Wieder Silben gestochen! Willst du deinen ganzen Reichtum an Witz
auf einmal zum besten geben? Ich bitte dich, verstehe einen
schlichten Mann nach seiner schlichten Meinung. Geh zu deinen
Kameraden, hei sie den Tisch decken, das Essen auftragen, und
wir wollen zur Mahlzeit hereinkommen.

Lanzelot.
Der Tisch, Herr, soll aufgetragen werden, das Essen soll gedeckt
werden; und was Euer Hereinkommen zur Mahlzeit betrifft, dabei
lat Lust und Laune walten.

(Ab.)

Lorenzo.
O heilige Vernunft, was eitle Worte!
Der Narr hat ins Gedchtnis sich ein Heer
Wortspiele eingeprgt.  Und kenn ich doch
Gar manchen Narrn an einer bessern Stelle,
So aufgestutzt, der um ein spitzes Wort
Die Sache preisgibt.  Wie geht's dir, Jessica?
Und nun sag deine Meinung, liebes Herz,
Wie Don Bassanios Gattin dir gefllt?

Jessica.
Mehr als ich sagen kann.  Es schickt sich wohl,
Da Don Bassanio fromm sein Leben fhre;
Denn da sein Weib ihm solch ein Segen ist,
Find't er des Himmels Lust auf Erden schon.
Und will er das auf Erden nicht, so wr's
Ihm recht, er kme niemals in den Himmel.
Ja, wenn zwei Gtter irgendeine Wette
Des Himmels um zwei irdsche Weiber spielten,
Und Porzia wr die eine, tt es not,
Noch sonst was mit der andern auf das Spiel
Zu setzen; denn die arme rohe Welt
Hat ihresgleichen nicht.

Lorenzo.
Und solchen Mann
Hast du an mir, als er an ihr ein Weib.

Jessica.
Ei, fragt doch darum meine Meinung auch.

Lorenzo.
Sogleich; doch la uns erst zur Mahlzeit gehn.

Jessica.
Nein, lat mich vor der Sttigung Euch loben.

Lorenzo.
Nein, bitte, spare das zum Tischgesprch;
Wie du dann sprechen magst, so mit dem andern
Werd ich's verdaun.

Jessica.
Nun gut, ich werd Euch anzupreisen wissen.

(Ab.)




Vierter Aufzug



Erste Szene

Venedig.  Ein Gerichtssaal

(Der Doge, die Senatoren, Antonio, Bassanio, Graziano, Salarino,
Solanio und andre)


Doge.
Nun, ist Antonio da?

Antonio.
Eur Hoheit zu Befehl.

Doge.
Es tut mir leid um dich; du hast zu tun
Mit einem felsenharten Widersacher;
Es ist ein Unmensch, keines Mitleids fhig.
Kein Funk Erbarmen wohnt in ihm.

Antonio.
Ich hrte,
Da sich Eur Hoheit sehr verwandt, zu mildern
Sein streng Verfahren; doch weil er sich verstockt
Und kein gesetzlich Mittel seinem Ha
Mich kann entziehn, so stell ich denn Geduld
Entgegen seiner Wut und bin gewaffnet
Mit Ruhe des Gemtes, auszustehn
Des seinen rgsten Grimm und Tyrannei.

Doge.
Geh wer und ruf den Juden in den Saal.

Solanio.
Er wartet an der Tr; er kommt schon, Herr.

(Shylock kommt.)

Doge.
Macht Platz, lat ihn uns gegenberstehn.--
Shylock, die Welt denkt, und ich denk es auch,
Du treibest diesen Anschein deiner Bosheit
Nur bis zum Augenblick der Tat; und dann,
So glaubt man, wirst du dein Erbarmen zeigen
Und deine Milde, wunderbarer noch
Als deine angenommne Grausamkeit.
Statt da du jetzt das dir Verfallne eintreibst,
Ein Pfund von dieses armen Kaufmanns Fleisch,
Wirst du nicht nur die Bue fahren lassen,
Nein, auch gerhrt von Lieb und Menschlichkeit,
Die Hlfte schenken von der Summe selbst,
Ein Aug des Mitleids auf die Schden werfend,
Die krzlich seine Schultern so bestrmt:
Genug, um einen kniglichen Kaufmann
Ganz zu erdrcken und an seinem Fall
Teilnahme zu erzwingen, selbst von Herzen,
So hart wie Kieselstein, von ehrnen Busen
Von Trken und Tataren, nie gewhnt
An Dienste zrtlicher Geflligkeit.
Wir all erwarten milde Antwort, Jude.

Shylock.
Ich legt Eur Hoheit meine Absicht vor:
Bei unserm heilgen Sabbat schwor ich es,
Zu fordern, was nach meinem Schein mir zusteht.
Wenn Ihr es weigert, tut's auf die Gefahr
Der Freiheit und Gerechtsam' Eurer Stadt.
Ihr fragt, warum ich lieber ein Gewicht
Von schndem Fleisch will haben, als dreitausend
Dukaten zu empfangen?  Darauf will ich
Nicht Antwort geben; aber setzet nun,
Da mir's so ansteht: ist das Antwort gnug?
Wie?  wenn mich eine Ratt im Hause plagt?
Und ich, sie zu vergiften, nun dreitausend
Dukaten geben will?--Ist's noch nicht Antwort gnug?
Es gibt der Leute, die kein schmatzend Ferkel
Ausstehen knnen; manche werden toll,
Wenn sie 'ne Katze sehn; noch andre knnen,
Wenn die Sackpfeife durch die Nase singt,
Den Harn nicht bei sich halten; denn die Triebe,
Der Leidenschaften Meister, lenken sie
Nach Lust und Abneigung.  Nun, Euch zur Antwort:
Wie sich kein rechter Grund angeben lt,
Da (der) kein schmatzend Ferkel leiden kann,
(Der) keine Katz, ein harmlos ntzlich Tier,
(Der) keinen Dudelsack; und mu durchaus
Sich solcher unfreiwillgen Schmach ergeben,
Da er, belstigt, selbst belstgen mu;
So wei ich keinen Grund, will keinen sagen,
Als eingewohnten Ha und Widerwillen,
Den mir Antonio einflt, da ich so
Ein mir nachteilig Recht an ihm verfolge.
Habt Ihr nun eine Antwort?

Bassanio.
Nein, es ist keine, du fhlloser Mann,
Die deine Grausamkeit entschuldgen knnte.

Shylock.
Mu ich nach deinem Sinn dir Antwort geben?

Bassanio.
Bringt jedermann das um, was er nicht liebt?

Shylock.
Wer hat ein Ding und brcht es nicht gern um?

Bassanio.
Beleidigung ist nicht sofort auch Ha.

Shylock.
Was?  lt du dich die Schlange zweimal stechen?

Antonio.
Ich bitt Euch, denkt, Ihr rechtet mit dem Juden.
Ihr mgt so gut hintreten auf den Strand,
Die Flut von ihrer Hh sich senken heien;
Ihr mgt so gut den Wolf zur Rede stellen,
Warum er nach dem Lamm das Schaf lt blken?
Ihr mgt so gut den Bergestannen wehren,
Ihr hohes Haupt zu schtteln und zu sausen,
Wenn sie des Himmels Sturm in Aufruhr setzt;
Ihr mgt so gut das Hrteste bestehn,
Als zu erweichen suchen--was wr hrter?--
Sein jdisch Herz.--Ich bitt Euch also, bietet
Ihm weiter nichts, bemht Euch ferner nicht
Und gebt in aller Krz und gradezu
Mir meinen Spruch, dem Juden seinen Willen.

Bassanio.
Statt der dreitausend Dukaten sind hier sechs.

Shylock.
Wr jedes Stck von den sechstausend Dukaten
Sechsfach geteilt und jeder Teil 'n Dukat,
Ich nhm sie nicht, ich wollte meinen Schein.

Doge.
Wie hoffst du Gnade, da du keine bst?

Shylock.
Welch Urteil soll ich scheun, tu ich kein Unrecht?
Ihr habt viel feiler Sklaven unter Euch,
Die Ihr wie Eure Esel, Hund' und Maultier'
In sklavischem, verworfnem Dienst gebraucht,
Weil Ihr sie kauftet.  Sag ich nun zu Euch--
Lat sie doch frei, vermhlt sie Euren Erben;
Was plagt Ihr sie mit Lasten?  lat ihr Bett
So weich als Eures sein, labt ihren Gaum'
Mit eben solchen Speisen.--Ihr antwortet:
Die Sklaven sind ja unser; und so geb ich
Zur Antwort: das Pfund Fleisch, das ich verlange,
Ist teur gekauft, ist mein, und ich will's haben.
Wenn Ihr versagt, pfui ber Eur Gesetz!
So hat das Recht Venedigs keine Kraft.
Ich wart auf Spruch; antwortet: soll ich's haben?

Doge.
Ich bin befugt, die Sitzung zu entlassen,
Wo nicht Bellario, ein gelehrter Doktor,
Zu dem ich um Entscheidung ausgeschickt,
Hier heut erscheint.

Salarino.
Eur Hoheit, drauen steht
Ein Bote hier, mit Briefen von dem Doktor,
Er kommt soeben an von Padua.

Doge.
Bringt uns die Briefe, ruft den Boten vor.

Bassanio.
Wohlauf, Antonio!  Freund, sei gutes Muts!
Der Jude soll mein Fleisch, Blut, alles haben,
Eh dir ein Tropfen Bluts fr mich entgeht.

Antonio.
Ich bin ein angestecktes Schaf der Herde,
Zum Tod am tauglichsten; die schwchste Frucht
Fllt vor der andern, und so lat auch mich.
Ihr knnt nicht bessern Dienst mir tun, Bassanio,
Als wenn Ihr lebt und mir die Grabschrift setzt.

(Nerissa tritt auf, als Schreiber eines Advokaten gekleidet.)

Doge.
Kommt Ihr von Padua, von Bellario?

Nerissa.
Von beiden, Herr; Bellario grt Eur Hoheit.

(Sie berreicht einen Brief.)

Bassanio.
Was wetzest du so eifrig da dein Messer?

Shylock.
Die Bu dem Bankrottierer auszuschneiden.

Graziano.
An deiner Seel, an deiner Sohle nicht,
Machst du dein Messer scharf, du harter Jude!
Doch kein Metall, selbst nicht des Henkers Beil,
Hat halb die Schrfe deines scharfen Grolls.
So knnen keine Bitten dich durchdringen?

Shylock.
Nein, keine, die du Witz zu machen hast.

Graziano.
O sei verdammt, du unbarmherzger Hund!
Und um dein Leben sei Gerechtigkeit verklagt.
Du machst mich irre fast in meinem Glauben,
Da ich es halte mit Pythagoras,
Wie Tieresseelen in die Leiber sich
Von Menschen stecken; einen Wolf regierte
Dein hndscher Geist, der, aufgehenkt fr Mord,
Die grimme Seele weg vom Galgen ri
Und, weil du lagst in deiner schnden Mutter,
In dich hineinfuhr; denn dein ganz Begehren
Ist wlfisch, blutig, ruberisch und hungrig.

Shylock.
Bis du von meinem Schein das Siegel wegschiltst,
Tust du mit Schrein nur deiner Lunge weh.
Stell deinen Witz her, guter junger Mensch,
Sonst fllt er rettungslos in Trmmern dir.
Ich stehe hier um Recht.

Doge.
Der Brief da von Bellarios Hand empfiehlt
Uns einen jungen und gelehrten Doktor.--
Wo ist er denn?

Nerissa.
Er wartet dicht bei an
Auf Antwort, ob Ihr Zutritt ihm vergnnt.

Doge.
Von ganzem Herzen!  Geht ein paar von euch
Und gebt ihm hfliches Geleit hieher.
Hr das Gericht indes Bellarios Brief.

Ein Schreiber (liest).
"Eur Hoheit dient zur Nachricht, da ich beim Empfange Eures
Briefes sehr krank war. Aber in dem Augenblick, da Euer Bote
ankam, war bei mir auf einen freundschaftlichen Besuch ein junger
Doktor von Rom, namens Balthasar. Ich machte ihn mit dem
streitigen Handel zwischen dem Juden und dem Kaufmann Antonio
bekannt; wir schlugen viele Bcher nach. Er ist von meiner
Meinung unterrichtet, die er, berichtigt durch seine eigne
Gelehrsamkeit (deren Umfang ich nicht genug empfehlen kann),
mitgenommen hat, um auf mein Andringen Euer Hoheit an meiner
Statt Genge zu leisten. Ich ersuche Euch, lat seinen Mangel an
Jahren keinen Grund sein, ihm eine anstndige Achtung zu
versagen; denn ich kannte noch niemals einen so jungen Krper mit
einem so alten Kopf. Ich berlasse ihn Eurer gndigen Aufnahme;
seine Prfung wird ihn am besten empfehlen."

Doge.
Ihr hrt, was der gelehrte Mann uns schreibt,
Und hier, so glaub ich, kommt der Doktor schon.

(Porzia tritt auf, wie ein Rechtsgelehrter gekleidet.)

Gebt mir die Hand; Ihr kommt von unserm alten
Bellario?

Porzia.
Zu dienen, gndger Herr!

Doge.
Ihr seid willkommen!  nehmet Euren Platz.
Seid Ihr schon mit der Zwistigkeit bekannt,
Die hier vor dem Gericht verhandelt wird?

Porzia.
Ich bin ganz unterrichtet von der Sache.
Wer ist der Kaufmann hier und wer der Jude?

Doge.
Antonio, alter Shylock, tretet vor!

Porzia.
Eur Nam ist Shylock?

Shylock.
Shylock ist mein Name.

Porzia.
Von wunderlicher Art ist Euer Handel,
Doch in der Form, da das Gesetz Venedigs
Euch nicht anfechten kann, wie Ihr verfahrt.--
Ihr seid von ihm gefhrdet; seid Ihr nicht?

Antonio.
Ja, wie er sagt.

Porzia.
Den Schein erkennt Ihr an?

Antonio.
Ja.

Porzia.
So mu der Jude Gnad ergehen lassen.

Shylock.
Wodurch gentigt, mu ich?  Sagt mir das.

Porzia.
Die Art der Gnade wei von keinem Zwang.
Sie trufelt wie des Himmels milder Regen
Zur Erde unter ihr; zwiefach gesegnet:
Sie segnet den, der gibt, und den, der nimmt;
Am mchtigsten in Mchtgen, zieret sie
Den Frsten auf dem Thron mehr als die Krone.
Das Zepter zeigt die weltliche Gewalt,
Das Attribut der Wrd und Majestt,
Worin die Furcht und Scheu der Knge sitzt.
Doch Gnad ist ber diese Zeptermacht,
Sie thronet in dem Herzen der Monarchen,
Sie ist ein Attribut der Gottheit selbst,
Und irdsche Macht kommt gttlicher am nchsten,
Wenn Gnade bei dem Recht steht.  Darum, Jude,
Suchst du um Recht schon an, erwge dies:
Da nach dem Lauf des Rechtes unser keiner
Zum Heile km; wir beten all um Gnade,
Und dies Gebet mu uns der Gnade Taten
Auch ben lehren.  Dies hab ich gesagt,
Um deine Forderung des Rechts zu mildern;
Wenn du darauf bestehst, so mu Venedigs
Gestrenger Hof durchaus dem Kaufmann dort
Zum Nachteil einen Spruch tun.

Shylock.
Meine Taten
Auf meinen Kopf!  Ich fordre das Gesetz,
Die Bue und Verpfndung meines Scheins.

Porzia.
Ist er das Geld zu zahlen nicht imstand?

Bassanio.
O ja, hier biet ich's ihm vor dem Gericht,
Ja, doppelt selbst; wenn das noch nicht gengt,
Verpflicht ich mich, es zehnfach zu bezahlen,
Und setze Hnde, Kopf und Herz zum Pfand.
Wenn dies noch nicht gengt, so zeigt sich's klar,
Die Bosheit drckt die Redlichkeit.  Ich bitt Euch,
Beugt einmal das Gesetz nach Eurem Ansehn:
Tut kleines Unrecht um ein groes Recht
Und wehrt dem argen Teufel seinen Willen.

Porzia.
Es darf nicht sein.  Kein Ansehn in Venedig
Vermag ein gltiges Gesetz zu ndern.
Es wrde als ein Vorgang angefhrt,
Und mancher Fehltritt nach demselben Beispiel
Griff' um sich in dem Staat; es kann nicht sein.

Shylock.
Ein Daniel kommt zu richten, ja, ein Daniel!
Wie ich dich ehr, o weiser junger Richter!

Porzia.
Ich bitte, gebt zum Ansehn mir den Schein.

Shylock.
Hier ist er, mein ehrwrdger Doktor, hier!

Porzia.
Shylock, man bietet dreifach dir dein Geld.

Shylock.
Ein Eid!  Ein Eid!  ich hab 'nen Eid im Himmel.
Soll ich auf meine Seele Meineid laden?
Nicht um Venedig.

Porzia.
Gut, er ist verfallen,
Und nach den Rechten kann der Jud hierauf
Verlangen ein Pfund Fleisch, zunchst am Herzen
Des Kaufmanns auszuschneiden.--Sei barmherzig!
Nimm dreifach Geld, la mich den Schein zerreien.

Shylock.
Wenn er bezahlt ist, wie sein Inhalt lautet.--
Es zeigt sich klar, Ihr seid ein wrdger Richter;
Ihr kennt die Rechte, Euer Vortrag war
Der bndigste; ich fordr Euch auf beim Recht,
Wovon Ihr ein verdienter Pfeiler seid,
Kommt nun zum Spruch; bei meiner Seele schwr ich,
Da keines Menschen Zunge ber mich
Gewalt hat; ich steh hier auf meinen Schein.

Antonio.
Von ganzem Herzen bitt ich das Gericht,
Den Spruch zu tun.

Porzia.
Nun wohl, so steht es denn!
Bereitet Euren Busen fr sein Messer.

Shylock.
O weiser Richter!  wackrer junger Mann.

Porzia.
Denn des Gesetzes Inhalt und Bescheid
Hat volle bereinkunft mit der Bue,
Die hier im Schein als schuldig wird erkannt.

Shylock.
Sehr wahr; o weiser und gerechter Richter!
Um wieviel lter bist du, als du aussiehst!

Porzia.
Deshalb entblt den Busen.

Shylock.
Ja, die Brust,
So sagt der Schein--nicht wahr, mein edler Richter?
"Zunchst dem Herzen", sind die eignen Worte.

Porzia.
So ist's.  Ist eine Waage da, das Fleisch
Zu wgen?

Shylock.
Ja, ich hab sie bei der Hand.

Porzia.
Nehmt einen Feldscher, Shylock, fr Eur Geld,
Ihn zu verbinden, da er nicht verblutet.

Shylock.
Ist das so angegeben in dem Schein?

Porzia.
Es steht nicht da; allein was tut's?  Es wr
Doch gut, Ihr ttet das aus Menschenliebe.

Shylock.
Ich kann's nicht finden, 's ist nicht in dem Schein.

Porzia.
Kommt, Kaufmann!  habt Ihr irgend was zu sagen?

Antonio.
Nur wenig; ich bin fertig und gerstet.
Gebt mir die Hand, Bassanio, lebet wohl!
Es krnk Euch nicht, da dies fr Euch mich trifft,
Denn hierin zeigt das Glck sich gtiger
Als seine Weis ist; immer lt es sonst
Elende ihren Reichtum berleben,
Mit hohlem Aug und faltger Stirn ein Alter
Der Armut anzusehn; von solcher Schmach
Langwier'ger Bue nimmt es mich hinweg.
Empfehlt mich Eurem edlen Weib, erzhlt Ihr
Den Hergang von Antonios Ende; sagt,
Wie ich Euch liebte; rhmt im Tode mich;
Und wenn Ihr's auserzhlt, heit sie entscheiden,
Ob nicht Bassanio einst geliebt ist worden.
Bereut nicht da Ihr einen Freund verliert
Und er bereut nicht, da er fr Euch zahlt:
Denn schneidet nur der Jude tief genug,
So zahl ich gleich die Schuld von ganzem Herzen.

Bassanio.
Antonio, ich hab ein Weib zur Ehe,
Die mir so lieb ist als mein Leben selbst;
Doch Leben selbst, mein Weib und alle Welt
Gilt hher als dein Leben nicht bei mir.
Ich gbe alles hin, ja opfert' alles
Dem Teufel da, um dich nur zu befrein.

Porzia.
Da wt Eur Weib gewi Euch wenig Dank,
Wr sie dabei und hrt Eur Anerbieten.

Graziano.
Ich hab ein Weib, die ich auf Ehre liebe;
Doch wnscht ich sie im Himmel, knnte sie
Dort eine Macht erflehn, des hndschen Juden
Gemt zu ndern.

Nerissa.
Gut, da Ihr's hinter ihrem Rcken tut,
Sonst strte wohl der Wunsch des Hauses Frieden.

Shylock (beiseite).
So sind die Christenmnner; ich hab 'ne Tochter:
Wr irgendwer vom Stamm des Barrabas
Ihr Mann geworden, lieber als ein Christ!--
Die Zeit geht hin; ich bitt Euch, kommt zum Spruch.

Porzia.
Ein Pfund von dieses Kaufmanns Fleisch ist dein.
Der Hof erkennt es, und das Recht erteilt es.

Shylock.
O hchst gerechter Richter!--

Porzia.
Ihr mt das Fleisch ihm schneiden aus der Brust:
Das Recht bewilligt's, und der Hof erkennt es.

Shylock.
O hchst gelehrter Richter!--Na, ein Spruch!
Kommt, macht Euch fertig.

Porzia.
Wart noch ein wenig: Eins ist noch zu merken!
Der Schein hier gibt dir nicht ein Trpfchen Blut;
Die Worte sind ausdrcklich: ein Pfund Fleisch!
Nimm denn den Schein, und nimm du dein Pfund Fleisch;
Allein vergieest du, indem du's abschneidst,
Nur einen Tropfen Christenblut, so fllt
Dein Hab und Gut nach dem Gesetz Venedigs
Dem Staat Venedigs heim.

Graziano.
Gerechter Richter!--merk, Jud!--o weiser Richter!

Shylock.
Ist das Gesetz?

Porzia.
Du sollst die Akte sehn.
Denn, weil du dringst auf Recht, so sei gewi:
Recht soll dir werden, mehr als du begehrst.

Graziano.
O weiser Richter!--merk, Jud!  ein weiser Richter!

Shylock.
Ich nehme das Erbieten denn: zahlt dreifach
Mir meinen Schein und lat den Christen gehn.

Bassanio.
Hier ist das Geld.

Porzia.
Halt!
Dem Juden alles Recht--still!  keine Eil!
Er soll die Bue haben, weiter nichts.

Graziano.
O Jud!  ein weiser, ein gerechter Richter!

Porzia.
Darum bereite dich, das Fleisch zu schneiden.
Vergie kein Blut, schneid auch nicht mehr noch minder
Als grad ein Pfund; ist's minder oder mehr
Als ein genaues Pfund, sei's nur soviel,
Es leichter oder schwerer an Gewicht
Zu machen, um ein armes Zwanzigstteil
Von einem Skrupel, ja wenn sich die Waagschal
Nur um die Breite eines Haares neigt,
So stirbst du, und dein Gut verfllt dem Staat.

Graziano.
Ein zweiter Daniel, ein Daniel, Jude!
Unglubiger, ich hab dich bei der Hfte.

Porzia.
Was hlt den Juden auf?  Nimm deine Bue.

Shylock.
Gebt mir mein Kapital und lat mich gehn.

Bassanio.
Ich hab es schon fr dich bereit: hier ist's.

Porzia.
Er hat's vor offenem Gericht geweigert:
Sein Recht nur soll er haben und den Schein.

Graziano.
Ich sag, ein Daniel, ein zweiter Daniel!
Dank, Jude, da du mich das Wort gelehrt.

Shylock.
Soll ich nicht haben blo mein Kapital?

Porzia.
Du sollst nichts haben als die Bue, Jude,
Die du auf eigene Gefahr magst nehmen.

Shylock.
So lass' es ihm der Teufel wohl bekommen!
Ich will nicht lnger Rede stehn.

Porzia.
Wart, Jude!
Das Recht hat andern Anspruch noch an dich.
Es wird verfgt in dem Gesetz Venedigs,
Wenn man es einem Fremdling dargetan,
Da er durch Umweg' oder gradezu
Dem Leben eines Brgers nachgestellt,
Soll die Partei, auf die sein Anschlag geht,
Die Hlfte seiner Gter an sich ziehn;
Die andre Hlfte fllt dem Schatz anheim,
Und an des Dogen Gnade hngt das Leben
Des Schuldgen einzig, gegen alle Stimmen.
In der Benennung, sag ich, stehst du nun,
Denn es erhellt aus offenbarem Hergang,
Da du durch Umweg' und auch gradezu
Recht eigentlich gestanden dem Beklagten
Nach Leib und Leben: und so trifft dich denn
Die Androhung, die ich zuvor erwhnt.
Drum nieder, bitt um Gnade bei dem Dogen!

Graziano.
Bitt um Erlaubnis, selber dich zu hngen;
Und doch, da all dein Gut dem Staat verfllt,
Behltst du nicht den Wert von einem Strick;
Man mu dich hngen auf des Staates Kosten.

Doge.
Damit du siehst, welch andrer Geist uns lenkt,
So schenk ich dir das Leben, eh du bittest.
Dein halbes Gut gehrt Antonio,
Die andre Hlfte fllt dem Staat anheim,
Was Demut lindern kann zu einer Bue.

Porzia.
Ja, fr den Staat, nicht fr Antonio.

Shylock.
Nein, nehmt mein Leben auch, schenkt mir das nicht!
Ihr nehmt mein Haus, wenn ihr die Sttze nehmt,
Worauf mein Haus beruht; ihr nehmt mein Leben,
Wenn ihr die Mittel nehmt, wodurch ich lebe.

Porzia.
Was knnt Ihr fr ihn tun, Antonio?

Graziano.
Ein Strick umsonst!  nichts mehr, um Gottes willen!

Antonio.
Beliebt mein gndger Herr und das Gericht
Die Bue seines halben Guts zu schenken,
So bin ich es zufrieden, wenn er mir
Die andre Hlfte zum Gebrauche lt,
Nach seinem Tod dem Mann sie zu erstatten,
Der krzlich seine Tochter stahl.
Noch zweierlei beding ich: da er gleich
Fr diese Gunst das Christentum bekenne;
Zum andern, stell er eine Schenkung aus
Hier vor Gericht von allem, was er nachlt,
An seinen Schwiegersohn und seine Tochter.

Doge.
Das soll er tun, ich widerrufe sonst
Die Gnade, die ich eben hier erteilt.

Porzia.
Bist du's zufrieden, Jude?  Nun, was sagst du?

Shylock.
Ich bin's zufrieden.

Porzia.
Ihr, Schreiber, setzt die Schenkungsakte auf.

Shylock.
Ich bitt, erlaubt mir, weg von hier zu gehn:
Ich bin nicht wohl, schickt mir die Akte nach,
Und ich will zeichnen.

Doge.
Geh denn, aber tu's.

Graziano.
Du wirst zwei Paten bei der Taufe haben;
Wr ich dein Richter, kriegtest du zehn mehr--
Zum Galgen, nicht zum Taufstein, dich zu bringen.

(Shylock ab.)

Doge.
Ich lad Euch, Herr, zur Mahlzeit bei mir ein.

Porzia.
Ich bitt Eur Hoheit uni Entschuldigung.
Ich mu vor Abend fort nach Padua
Und bin gentigt, gleich mich aufzumachen.

Doge.
Es tut mir leid, da Ihr Verhindrung habt.
Antonio, zeigt Euch dankbar diesem Mann:
Ihr seid ihm sehr verpflichtet, wie mich dnkt.

(Doge, Senatoren und Gefolge ab.)

Bassanio.
Mein wrdger Herr, ich und mein Freund, wir sind
Durch Eure Weisheit heute losgesprochen
Von schweren Buen; fr den Dienst erwidern
Wir mit der Schuld des Juden, den dreitausend
Dukaten, willig die gewogne Mh.

Antonio.
Und bleiben Euer Schuldner berdies
An Liebe und an Diensten immerfort.

Porzia.
Wer wohl zufrieden ist, ist wohl bezahlt;
Ich bin zufrieden, da ich euch befreit,
Und halte dadurch mich fr wohl bezahlt;
Lohnschtiger war niemals mein Gemt.
Ich bitt euch, kennt mich, wenn wir mal uns treffen;
Ich wnsch euch Gutes, und so nehm ich Abschied.

Bassanio.
Ich mu noch in Euch dringen, bester Herr:
Nehmt doch ein Angedenken, nicht als Lohn,
Nur als Tribut; gewhrt mir zweierlei,
Mir's nicht zu weigern und mir zu verzeihn.

Porzia.
Ihr dringt sehr in mich!  gut, ich gebe nach:
Gebt Eure Handschuh mir, ich will sie tragen,
Und, Euch zur Lieb, nehm ich den Ring von Euch.
Zieht nicht die Hand zurck, ich will nichts weiter,
Und weigern drft Ihr's nicht, wenn Ihr mich liebt.

Bassanio.
Der Ring--ach, Herr!  ist eine Kleinigkeit,
Ihn Euch zu geben, mt ich mich ja schmen.

Porzia.
Ich will nichts weiter haben als den Ring,
Und, wie mich dnkt, hab ich nun Lust dazu.

Bassanio.
Es hngt an diesem Ring mehr als sein Wert;
Den teursten in Venedig geb ich Euch
Und find ihn aus durch ffentlichen Ausruf.
Fr diesen bitt ich nur, entschuldigt mich.

Porzia.
Ich seh, Ihr seid freigebig im Erbieten;
Ihr lehrtet erst mich bitten, und nun scheint es,
Ihr lehrt mich, wie man Bettlern Antwort gibt.

Bassanio.
Den Ring gab meine Frau mir, bester Herr;
Sie steckte mir ihn an und hie mich schwren,
Ich woll ihn nie verlieren noch vergeben.

Porzia.
Mit solchen Worten spart man seine Gaben.
Ist Eure Frau nicht gar ein tricht Weib
Und wei, wie gut ich diesen Ring verdient,
So wird sie nicht auf immer Feindschaft halten,
Weil Ihr ihn weggabt.  Gut, gehabt Euch wohl!

(Porzia und Nerissa ab.)

Antonio.
Lat ihn den Ring doch haben, Don Bassanio;
Lat sein Verdienst zugleich mit meiner Liebe
Euch gelten gegen Eurer Frau Gebot.

Bassanio.
Geh, Graziano, lauf und hol ihn ein,
Gib ihm den Ring und bring ihn, wenn du kannst,
Zu des Antonio Haus.  Fort!  eile dich!

(Graziano ab.)

Kommt, Ihr und ich, wir wollen gleich dahin,
Und frh am Morgen wollen wir dann beide
Nach Belmont fliegen.  Kommt, Antonio!

(Ab.)



Zweite Szene

Eine Strae

(Porzia und Nerissa kommen)


Porzia.
Erfrag des Juden Haus, gib ihm die Akte
Und la ihn zeichnen.  Wir wollen fort zu Nacht
Und einen Tag vor unsern Mnnern noch
Zu Hause sein.  Die Akte wird Lorenzen
Gar sehr willkommen sein.

(Graziano kommt.)

Graziano.
Schn, da ich Euch noch treffe, werter Herr.
Hier schickt Euch Don Bassanio, da er besser
Es berlegt, den Ring und bittet Euch,
Mittags bei ihm zu speisen.

Porzia.
Das kann nicht sein;
Den Ring nehm ich mit allem Danke an
Und bitt Euch, sagt ihm das; seid auch so gut,
Den jungen Mann nach Shylocks Haus zu weisen.

Graziano.
Das will ich tun.

Nerissa (zu Porzia).
Herr, noch ein Wort mit Euch.--

(Heimlich.)

Ich will doch sehn, von meinem Mann den Ring
Zu kriegen, den ich immer zu bewahren
Ihn schwren lie.

Porzia.
Ich steh dafr, du kannst es.
Da wird's an hoch und teuer Schwren gehn,
Da sie die Ring an Mnner weggegeben;
Wir leugnen's keck und berschwren sie.
Fort!  eile dich!  Du weit ja, wo ich warte.

Nerissa.
Kommt, lieber Herr!  wollt Ihr sein Haus mir zeigen?

(Ab.)




Fnfter Aufzug



Erste Szene

Belmont.  Freier Platz vor Porzias Hause

(Lorenzo und Jessica treten auf)


Lorenzo.
Der Mond scheint hell.  In solcher Nacht wie diese,
Da linde Luft die Bume schmeichelnd kte
Und sie nicht rauschen lie, in solcher Nacht
Erstieg wohl Troilus die Mauern Trojas
Und seufzte seine Seele zu den Zelten
Der Griechen hin, wo seine Cressida
Die Nacht in Schlummer lag.

Jessica.
In solcher Nacht
Schlpft' berm Taue Thisbe furchtsam hin
Und sah des Lwen Schatten eh als ihn
Und lief erschrocken weg.

Lorenzo.
In solcher Nacht
Stand Dido, eine Weid in ihrer Hand,
Am wilden Strand und winkte ihrem Liebsten
Zur Rckkehr nach Karthago.

Jessica.
In solcher Nacht
Las einst Medea jene Zauberkruter,
Den son zu verjngen.

Lorenzo.
In solcher Nacht
Stahl Jessica sich von dem reichen Juden
Und lief mit einem ausgelanen Liebsten
Bis Belmont von Venedig.

Jessica.
In solcher Nacht
Schwor ihr Lorenzo, jung und zrtlich, Liebe
Und stahl ihr Herz mit manchem Treugelbd,
Wovon nicht eines echt war.

Lorenzo.
In solcher Nacht
Verleumdete die artge Jessica
Wie eine kleine Schelmin ihren Liebsten,
Und er vergab es ihr.

Jessica.
Ich wollt Euch bernachten, kme niemand.
Doch horcht!  ich hr den Futritt eines Manns.
(Ein Bedienter kommt.)

Lorenzo.
Wer kommt so eilig in der stillen Nacht?

Bedienter.
Ein Freund.

Lorenzo.
Ein Freund?  was fr ein Freund?  Eur Name, Freund?

Bedienter.
Mein Nam ist Stephano, und ich soll melden,
Da meine gndge Frau vor Tages Anbruch
Wird hier in Belmont sein; sie streift umher
Bei heilgen Kreuzen, wo sie kniet und betet
Um frohen Ehestand.

Lorenzo.
Wer kommt mit ihr?

Bedienter.
Ein heilger Klausner und ihr Mdchen blo.
Doch sagt mir, ist mein Herr noch nicht zurck?

Lorenzo.
Nein, und wir haben nichts von ihm gehrt.
Doch, liebe Jessica, gehn wir hinein;
La uns auf einen feierlichen Willkomm
Fr die Gebieterin des Hauses denken.

(Lanzelot kommt.)

Lanzelot.
Holla, holla!  he!  heda!  holla!  holla!

Lorenzo.
Wer ruft?

Lanzelot.
Holla!  habt Ihr Herrn Lorenzo und Frau Lorenzo gesehn?  Holla!  holla!

Lorenzo.
La dein Hollarufen, Kerl!  Hier!

Lanzelot.
Holla!  wo?  wo?

Lorenzo.
Hier!

Lanzelot.
Sagt ihm, da ein Postillon von meinem Herrn gekommen ist, der
sein Horn voll guter Neuigkeiten hat: mein Herr wird vor morgens
hier sein.

(Lanzelot ab.)

Lorenzo.
Komm, ses Herz, erwarten wir sie drinnen.
Und doch, es macht nichts aus: wozu hineingehn?
Freund Stephano, ich bitt Euch, meldet gleich
Im Haus die Ankunft Eurer gndgen Frau
Und bringt die Musikanten her ins Freie.

(Stephano ab.)

Wie s das Mondlicht auf dem Hgel schlft!
Hier sitzen wir und lassen die Musik
Zum Ohre schlpfen; sanfte Still und Nacht,
Stimmt zu den Klngen ser Harmonie.
Komm, Jessica!  Sieh, wie die Himmelsflur
Ist eingelegt mit Scheiben lichten Goldes!
Auch nicht der kleinste Kreis, den du da siehst,
Der nicht im Schwunge wie ein Engel singt,
Zum Chor der hellgeaugten Cherubim.
So voller Harmonie sind ewge Geister:
Nur wir, weil dies hinfllge Kleid von Staub
Und grob umhllt, wir knnen sie nicht hren.

(Musikanten kommen.)

He!  kommt und weckt Dianen auf mit Hymnen,
Rhrt euer Herrin Ohr mit zartem Spiel,

(Musik)

Zieht mit Musik sie heim.

Jessica.
Nie macht die liebliche Musik mich lustig.

Lorenzo.
Der Grund ist, Eure Geister sind gespannt.
Bemerkt nur eine wilde flchtge Herde,
Der ungezhmten jungen Fllen Schar:
Sie machen Sprnge, brllen, wiehern laut,
Wie ihres Blutes heie Art sie treibt;
Doch schaut nur die Trompete oder trifft
Sonst eine Weise der Musik ihr Ohr,
So seht Ihr, wie sie miteinander stehn;
Ihr wildes Auge schaut mit Sittsamkeit,
Durch se Macht der Tne.  Drum lehrt der Dichter,
Gelenkt hab Orpheus Bume, Felsen, Fluten,
Weil nichts so stckisch, hart und voll von Wut,
Das nicht Musik auf eine Zeit verwandelt.
Der Mann, der nicht Musik hat in ihm selbst,
Den nicht die Eintracht ser Tne rhrt,
Taugt zu Verrat, zu Ruberei und Tcken;
Die Regung seines Sinns ist dumpf wie Nacht,
Sein Trachten dster wie der Erebus.
Trau keinem solchen!--Horch auf die Musik!

(Porzia und Nerissa in der Entfernung)

Porzia.
Das Licht, das wir da sehen, brennt im Saal;
Wie weit die kleine Kerze Schimmer wirft!
So scheint die gute Tat in arger Welt.

Nerissa.
Da der Mond schien, sahn wir die Kerze nicht.

Porzia.
So lscht der grre Glanz den kleinern aus.
Ein Stellvertreter strahlet wie ein Knig,
Bis ihm ein Knig naht; und dann ergiet
Sein Prunk sich, wie vom innern Land ein Bach
Ins groe Bett der Wasser.  Horch, Musik!

Nerissa.
Es sind die Musikanten Eures Hauses.

Porzia.
Ich sehe, nichts ist ohne Rcksicht gut;
Mich dnkt, sie klingt viel schner als bei Tag.

Nerissa.
Die Stille gibt den Reiz ihr, gndge Frau.

Porzia.
Die Krhe singt so lieblich wie die Lerche,
Wenn man auf keine lauschet; und mir deucht,
Die Nachtigall, wenn sie bei Tage snge,
Wo alle Gnse schnattern, hielt' man sie
Fr keinen bessern Spielmann als den Spatz.
Wie manches wird durch seine Zeit gezeitigt
Zu echtem Preis und zur Vollkommenheit!--
Still!  Luna schlft ja beim Endymion
Und will nicht aufgeweckt sein.

(Die Musik hrt auf.)

Lorenzo.
Wenn nicht alles
Mich trgt, ist das die Stimme Porzias.

Porzia.
Er kennt mich, wie der blinde Mann den Kuckuck,
An meiner schlechten Stimme.

Lorenzo.
Gndge Frau, willkommen!

Porzia.
Wir beteten fr unsrer Mnner Wohlfahrt
Und hoffen, unsre Worte frdern sie:
Sind sie zurck?

Lorenzo.
Bis jetzt nicht, gndge Frau.
Allein ein Bote ist vorausgekommen,
Sie anzumelden.

Porzia.
Geh hinein, Nerissa,
Sag meinen Leuten, da sie gar nicht tun,
Als wren wir vom Haus entfernt gewesen;--
Auch Ihr, Lorenzo!  Jessica, auch Ihr!

(Trompetensto.)

Lorenzo.
Da kommt schon Eur Gemahl, ich hre blasen;
Wir sind nicht Plaudertaschen, frchtet nichts.

Porzia.
Mich dnkt, die Nacht ist nur ein krankes Tagslicht,
Sie sieht ein wenig bleicher; 's ist ein Tag
Wie's Tag ist, wenn die Sonne sich verbirgt.
(Bassanio, Antonio, Graziano treten auf mit ihrem Gefolge.)

Bassanio.
Wir hielten mit den Antipoden Tag,
Erschient Ihr, whrend sich die Sonn entfernt.

Porzia.
Wenn mein Betragen nur das Licht nicht scheut,
So mag mein Futritt wohl im Dunkeln wandeln:
Ihr seid zu Haus willkommen, mein Gemahl!

Bassanio.
Ich dank Euch, heit willkommen meinen Freund!
Dies ist der Mann, dies ist Antonio,
Dem ich so grenzenlos verpflichtet bin.

Porzia.
Ihr mt in allem ihm verpflichtet sein;
Ich hr, er hat sich sehr fr Euch verpflichtet.

Antonio.
Zu mehr nicht, als ich glcklich bin gelst.

Porzia.
Herr, Ihr seid unserm Hause sehr willkommen!
Es mu sich anders zeigen als in Reden,
Drum krz ich diese Wortbegrung ab.

(Graziano und Nerissa haben sich unterdessen besonders unterredet.)

Graziano.
Ich schwr's bei jenem Mond, Ihr tut mir Unrecht!
Frwahr, ich gab ihn an des Richters Schreiber:
Wr er verschnitten, dem ich ihn geschenkt,
Weil Ihr Euch, Liebste, so darber krnkt!

Porzia.
Wie?  schon ein Zank?  worber kam es her?

Graziano.
Um einen Goldreif, einen drftgen Ring,
Den sie mir gab; der Denkspruch war daran
Genau der Art, wie Vers' auf einer Klinge
Vom Messerschmied: "Liebt mich und lat mich nicht."

Nerissa.
Was redet Ihr vom Denkspruch und dem Wert?
Ihr schwurt mir, da ich ihn Euch gab, Ihr wolltet
Ihn tragen bis zu Eurer Todesstunde;
Er sollte selbst im Sarge mit Euch ruhn.
Ihr mutet ihn um Eurer Eide willen,
Wo nicht um mich, verehren und bewahren.
Des Richters Schreiber!--o ich wei, der Schreiber,
Der ihn bekam, trgt niemals Haar am Kinn.

Graziano.
Doch, wenn er lebt, bis er zum Mann erwchst.

Nerissa.
Ja, wenn ein Weib zum Manne je erwchst.

Graziano.
Auf Ehr, ich gab ihn einem jungen Menschen,
'ner Art von Buben, einem kleinen Knirps,
Nicht hher als du selbst, des Richters Schreiber.
Der Plauderbub erbat den Ring zum Lohn:
Ich konnt ihm das um alles nicht versagen.

Porzia.
Ihr wart zu tadeln, offen sag ich's Euch,
Euch von der ersten Gabe Eurer Frau
So unbedacht zu trennen; einer Sache,
Mit Eiden angesteckt an Euren Finger
Und so mit Treu an Euren Leib geschmiedet.
Ich schenkte meinem Liebsten einen Ring
Und hie ihn schwren, nie ihn wegzugeben;
Hier steht er, und ich darf fr ihn beteuern,
Er lie' ihn nicht, er riss' ihn nicht vom Finger
Fr alle Schtze, so die Welt besitzt.
Ihr gabt frwahr, Graziano, Eurer Frau
Zu lieblos eine Ursach zum Verdru;
Geschh es nur, es machte mich verrckt.

Bassanio (beiseite).
Ich mchte mir die linke Hand nur abhaun
Und schwren, ich verlor den Ring im Kampf.

Graziano.
Bassanio schenkte seinen Ring dem Richter,
Der darum bat und in der Tat ihn auch
Verdiente; dann erbat der Bursch, sein Schreiber,
Der Mh vom Schreiben hatte, meinen sich,
Und weder Herr noch Diener wollten was
Als die zwei Ringe nehmen.

Porzia.
Welch einen Ring gabt Ihr ihm, mein Gemahl?
Nicht den, hoff ich, den Ihr von mir empfingt.

Bassanio.
Knnt ich zum Fehler eine Lge fgen,
So wrd ich's leugnen; doch Ihr seht, mein Finger
Hat nicht den Ring mehr an sich, er ist fort.

Porzia.
Gleich leer an Treu ist Euer falsches Herz.
Beim Himmel, nie komm ich in Euer Bett,
Bis ich den Ring gesehn.

Nerissa.
Noch ich in Eures,
Bis ich erst meinen sehe.

Bassanio.
Holde Porzia,
Wr Euch bewut, wem ich ihn gab, den Ring,
Wr Euch bewut, fr wen ich gab den Ring,
Und sht Ihr ein, wofr ich gab den Ring
Und wie unwillig ich mich schied vom Ring,
Da nichts genommen wurde als der Ring,
Ihr wrdet Eures Unmuts Hrte mildern.

Porzia.
Und httet Ihr gekannt die Kraft des Rings,
Halb deren Wert nur, die Euch gab den Ring,
Und Eure Ehre, hangend an dem Ring,
Ihr httet so nicht weggeschenkt den Ring.
Wo wr ein Mann so unvernnftig wohl,
Htt es Euch nur beliebt, mit einger Wrme
Ihn zu verteidgen, da er ohne Scheu
Ein Ding begehrte, das man heilig hlt?
Nerissa lehrt mich, was ich glauben soll:
Ich sterbe drauf, ein Weib bekam den Ring.

Bassanio.
Bei meiner Ehre, nein!  bei meiner Seele!
Kein Weib bekam ihn, sondern einem Doktor
Der Rechte gab ich ihn, der mir dreitausend
Dukaten ausschlug und den Ring erbat;
Ich weigert's ihm, lie ihn verdrielich gehn,
Den Mann, der meines teuern Freundes Leben
Aufrechterhielt.  Was soll ich sagen, Holde?
Ich war gentigt, ihn ihm nachzuschicken;
Geflligkeit und Scham bedrngten mich,
Und meine Ehre litt nicht, da sie Undank
So sehr befleckte.  Drum verzeiht mir, Beste!
Denn, glaubt mir, bei den heilgen Lichtern dort,
Ihr httet, wrt Ihr dagewesen, selbst
Den Ring erbeten fr den wrdgen Doktor.

Porzia.
Da nur der Doktor nie mein Haus betritt.
Denn weil er das Juwel hat, das ich liebte,
Das Ihr meintwillen zu bewahren schwurt,
So will ich auch freigebig sein wie Ihr:
Ich will ihm nichts versagen, was ich habe,
Nicht meinen Leib noch meines Gatten Bett;
Denn kennen will ich ihn, das wei ich sicher.
Schlaft keine Nacht vom Haus!  wacht wie ein Argus!
Wenn Ihr's nicht tut, wenn Ihr allein mich lat:
Bei meiner Ehre, die mein eigen noch!
Den Doktor nehm ich mir zum Bettgenossen.

Nerissa.
Und ich den Schreiber; darum seht Euch vor,
Wie Ihr mich lat in meiner eignen Hut.

Graziano.
Gut!  tut das nur, doch lat ihn nicht ertappen,
Ich mchte sonst des Schreibers Feder kappen.

Antonio.
Ich bin der Unglcksgrund von diesem Zwist.

Porzia.
Es krnk Euch nicht; willkommen seid Ihr dennoch.

Bassanio.
Vergeht mir, Porzia, mein gezwungnes Unrecht,
Und vor den Ohren aller dieser Freunde
Schwr ich dir, ja, bei deinen holden Augen,
Worin ich selbst mich sehe--

Porzia.
Gebt doch acht!
In meinen Augen sieht er selbst sich doppelt,
In jedem Aug einmal--beruft Euch nur
Auf Euer doppelt Selbst, das ist ein Eid,
Der Glauben einflt.

Bassanio.
Hrt mich doch nur an!
Verzeiht dies, und bei meiner Seele schwr ich,
Ich breche nie dir wieder einen Eid.

Antonio.
Ich lieh einst meinen Leib hin fr sein Gut;
Ohn ihn, der Eures Gatten Ring bekam,
War er dahin; ich darf mich noch verpflichten--
Zum Pfande meine Seele--Eur Gemahl
Wird nie mit Vorsatz mehr die Treue brechen.

Porzia.
So seid denn Ihr sein Brge; gebt ihm den
Und heit ihn besser hten als den andern.

Antonio.
Hier, Don Bassanio, schwrt, den Ring zu hten.

Bassanio.
Beim Himmel!  eben den gab ich dem Doktor.

Porzia.
Ich hab ihn auch von ihm, verzeiht, Bassanio!
Fr diesen Ring gewann der Doktor mich.

Nerissa.
Und Ihr, verzeiht, mein artger Graziano,
Denn jener kleine Bursch, des Doktors Schreiber,
War um den Preis hier letzte Nacht bei mir.

Graziano.
Nun, das sieht aus wie Wegebesserung
Im Sommer, wann die Straen gut genug.
Was?  sind wir Hahnrei, eh wir's noch verdient?

Porzia.
Sprecht nicht so grblich.--Ihr seid all erstaunt;
Hier ist ein Brief, lest ihn bei Mue durch,
Er kommt von Padua, vom Bellario;
Da knnt Ihr finden: Porzia war der Doktor,
Nerissa dort ihr Schreiber; hier Lorenzo
Kann zeugen, da ich gleich nach Euch gereist
Und eben erst zurck bin; ich betrat
Mein Haus noch nicht.--Antonio, seid willkommen!
Ich habe bere Zeitung noch im Vorrat,
Als Ihr erwartet.  Diesen Brief erbrecht;
Ihr werdet sehn, drei Eurer Galeonen
Sind reich beladen pltzlich eingelaufen;
Ich sag Euch nicht, was fr ein eigner Zufall
Den Brief mir zugespielt hat.

Antonio.
Ich verstumme.

Bassanio.
Wart Ihr der Doktor, und ich kannt Euch nicht?

Graziano.
Wart Ihr der Schreiber, der mich krnen soll?

Nerissa.
Ja, doch der Schreiber, der es niemals tun will,
Wenn er nicht lebt, bis er zum Mann erwchst.

Bassanio.
Ihr mt mein Bettgeno sein, schnster Doktor.
Wenn ich nicht da bin, liegt bei meiner Frau.

Antonio.
Ihr gabt mir Leben, Teure, und zu leben:
Hier les ich fr gewi, da meine Schiffe
Im Hafen sicher sind.

Porzia.
Wie steht's, Lorenzo!
Mein Schreiber hat auch guten Trost fr Euch.

Nerissa.
Ja, und er soll ihn ohne Sporteln haben.
Hier bergeb ich Euch und Jessica
Vom reichen Juden eine Schenkungsakte
Auf seinen Tod, von allem, was er nachlt.

Lorenzo.
Ihr schnen Fraun streut Manna Hungrigen
In ihren Weg.

Porzia.
Es ist beinahe Morgen,
Und doch, ich wei gewi, seht ihr noch nicht
Den Hergang vllig ein.--Lat uns hineingehn,
Und da vernehmt auf Fragartikel uns,
Wir wollen auch auf alles wahrhaft dienen.

Graziano.
Ja, tun wir das; der erste Fragartikel,
Worauf Nerissa schwren mu, ist der:
Ob sie bis morgen lieber warten mag,
Ob schlafen gehn zwei Stunden nur vor Tag?
Doch km der Tag, ich wnscht ihn seiner Wege,
Damit ich bei des Doktors Schreiber lge.
Gut!  lebenslang ht ich kein ander Ding
Mit solchen ngsten als Nerissas Ring.

(Alle ab.)


End of Project Gutenberg's Der Kaufmann von Venedig, by William Shakespeare

*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER KAUFMANN VON VENEDIG ***

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Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8gs1811.txt
VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8gs1810a.txt

This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.

Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
zur Verfuegung gestellt.  Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
http://gutenberg2000.de erreichbar.


Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
unless a copyright notice is included.  Thus, we usually do not
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

We are now trying to release all our eBooks one year in advance
of the official release dates, leaving time for better editing.
Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
even years after the official publication date.

Please note neither this listing nor its contents are final til
midnight of the last day of the month of any such announcement.
The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
Midnight, Central Time, of the last day of the stated month.  A
preliminary version may often be posted for suggestion, comment
and editing by those who wish to do so.

Most people start at our Web sites at:
http://gutenberg.net or
http://promo.net/pg

These Web sites include award-winning information about Project
Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).


Those of you who want to download any eBook before announcement
can get to them as follows, and just download by date.  This is
also a good way to get them instantly upon announcement, as the
indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.

http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or
ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03

Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90

Just search by the first five letters of the filename you want,
as it appears in our Newsletters.


Information about Project Gutenberg (one page)

We produce about two million dollars for each hour we work.  The
time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
searched and analyzed, the copyright letters written, etc.   Our
projected audience is one hundred million readers.  If the value
per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
files per month:  1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
If they reach just 1-2% of the world's population then the total
will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.

The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
which is only about 4% of the present number of computer users.

Here is the briefest record of our progress (* means estimated):

eBooks Year Month

    1  1971 July
   10  1991 January
  100  1994 January
 1000  1997 August
 1500  1998 October
 2000  1999 December
 2500  2000 December
 3000  2001 November
 4000  2001 October/November
 6000  2002 December*
 9000  2003 November*
10000  2004 January*


The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.

We need your donations more than ever!

As of February, 2002, contributions are being solicited from people
and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
Virginia, Wisconsin, and Wyoming.

We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
that have responded.

As the requirements for other states are met, additions to this list
will be made and fund raising will begin in the additional states.
Please feel free to ask to check the status of your state.

In answer to various questions we have received on this:

We are constantly working on finishing the paperwork to legally
request donations in all 50 states.  If your state is not listed and
you would like to know if we have added it since the list you have,
just ask.

While we cannot solicit donations from people in states where we are
not yet registered, we know of no prohibition against accepting
donations from donors in these states who approach us with an offer to
donate.

International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
ways.

Donations by check or money order may be sent to:

Project Gutenberg Literary Archive Foundation
PMB 113
1739 University Ave.
Oxford, MS 38655-4109

Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
method other than by check or money order.

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
[Employee Identification Number] 64-622154.  Donations are
tax-deductible to the maximum extent permitted by law.  As fund-raising
requirements for other states are met, additions to this list will be
made and fund-raising will begin in the additional states.

We need your donations more than ever!

You can get up to date donation information online at:

http://www.gutenberg.net/donation.html


***

If you can't reach Project Gutenberg,
you can always email directly to:

Michael S. Hart <hart@pobox.com>

Prof. Hart will answer or forward your message.

We would prefer to send you information by email.


**The Legal Small Print**


(Three Pages)

***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
They tell us you might sue us if there is something wrong with
your copy of this eBook, even if you got it for free from
someone other than us, and even if what's wrong is not our
fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
disclaims most of our liability to you. It also tells you how
you may distribute copies of this eBook if you want to.

*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
sending a request within 30 days of receiving it to the person
you got it from. If you received this eBook on a physical
medium (such as a disk), you must return it with your request.

ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
through the Project Gutenberg Association (the "Project").
Among other things, this means that no one owns a United States copyright
on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
distribute it in the United States without permission and
without paying copyright royalties. Special rules, set forth
below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.

Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
any commercial products without permission.

To create these eBooks, the Project expends considerable
efforts to identify, transcribe and proofread public domain
works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
medium they may be on may contain "Defects". Among other
things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other
intellectual property infringement, a defective or damaged
disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
codes that damage or cannot be read by your equipment.

LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES
But for the "Right of Replacement or Refund" described below,
[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may
receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims
all liability to you for damages, costs and expenses, including
legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR
UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT,
INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.

If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
you paid for it by sending an explanatory note within that
time to the person you received it from. If you received it
on a physical medium, you must return it with your note, and
such person may choose to alternatively give you a replacement
copy. If you received it electronically, such person may
choose to alternatively give you a second opportunity to
receive it electronically.

THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
PARTICULAR PURPOSE.

Some states do not allow disclaimers of implied warranties or
the exclusion or limitation of consequential damages, so the
above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
may have other legal rights.

INDEMNITY
You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation,
and its trustees and agents, and any volunteers associated
with the production and distribution of Project Gutenberg-tm
texts harmless, from all liability, cost and expense, including
legal fees, that arise directly or indirectly from any of the
following that you do or cause:  [1] distribution of this eBook,
[2] alteration, modification, or addition to the eBook,
or [3] any Defect.

DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm"
You may distribute copies of this eBook electronically, or by
disk, book or any other medium if you either delete this
"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
or:

[1]  Only give exact copies of it.  Among other things, this
     requires that you do not remove, alter or modify the
     eBook or this "small print!" statement.  You may however,
     if you wish, distribute this eBook in machine readable
     binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
     including any form resulting from conversion by word
     processing or hypertext software, but only so long as
     *EITHER*:

     [*]  The eBook, when displayed, is clearly readable, and
          does *not* contain characters other than those
          intended by the author of the work, although tilde
          (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
          be used to convey punctuation intended by the
          author, and additional characters may be used to
          indicate hypertext links; OR

     [*]  The eBook may be readily converted by the reader at
          no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
          form by the program that displays the eBook (as is
          the case, for instance, with most word processors);
          OR

     [*]  You provide, or agree to also provide on request at
          no additional cost, fee or expense, a copy of the
          eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
          or other equivalent proprietary form).

[2]  Honor the eBook refund and replacement provisions of this
     "Small Print!" statement.

[3]  Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
     gross profits you derive calculated using the method you
     already use to calculate your applicable taxes.  If you
     don't derive profits, no royalty is due.  Royalties are
     payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
     the 60 days following each date you prepare (or were
     legally required to prepare) your annual (or equivalent
     periodic) tax return.  Please contact us beforehand to
     let us know your plans and to work out the details.

WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
public domain and licensed works that can be freely distributed
in machine readable form.

The Project gratefully accepts contributions of money, time,
public domain materials, or royalty free copyright licenses.
Money should be paid to the:
"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

If you are interested in contributing scanning equipment or
software or other items, please contact Michael Hart at:
hart@pobox.com

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when distributed free of all fees.  Copyright (C) 2001, 2002 by
Michael S. Hart.  Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
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they hardware or software or any other related product without
express permission.]

*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*

