The Project Gutenberg EBook of So sollt ihr leben!, by Sebastian Kneipp

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Title: So sollt ihr leben!
       Winke und Rathschlge fr Gesunde und Kranke...

Author: Sebastian Kneipp

Release Date: August 29, 2011 [EBook #37267]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SO SOLLT IHR LEBEN! ***




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Anmerkungen zur Transkription

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  So sollt ihr leben!

  Winke und Rathschlge
  fr Gesunde und Kranke
  zu einer einfachen, vernnftigen Lebensweise
  und einer naturgemen Heilmethode

  von

  Sebastian Kneipp,
  Pfarrer in Wrishofen (Bayern).

  Vierte Auflage.

  Kempten.
  Verlag der Jos. Ksel'schen Buchhandlung.
  1889.

  Alle Rechte dem Verfasser vorbehalten.




Einleitung und Vorwort.


Wenn ich einen Blick auf das Leben und Treiben der Menschen werfe, so sehe
ich, wie die meisten derselben in dem von Gott ihnen angewiesenen Stande
und Berufe angestrengt arbeiten und sich abmhen mssen, um sich und den
Ihrigen die nthigen Mittel zum Lebensunterhalte zu verschaffen, wie sie
thatschlich im Schweie ihres Angesichtes ihr Brod verdienen. Es lehren
mich auch die Ankunft des Menschen auf Erden, seine Wanderung hienieden,
sowie sein Weggang aus dieser Welt, da der Mensch seinen unsterblichen
Geist in einem zwar wunderbar gebauten, aber sehr gebrechlichen Gefe
trgt. Mannigfaltige Leiden des Geistes und Krpers erschweren dem Menschen
die Erfllung seiner Berufspflichten, und ein schweres Joch liegt auf den
Kindern Adams von dem Tage, da sie hervorgehen aus ihrer Mutter Schoo, bis
zu dem Tage, da sie in die Erde wieder zurckkehren, welche die Mutter
Aller ist.

Da es so nicht immer gewesen sein kann, lehrt uns schon die Vernunft, da
der Mensch durch seinen unsterblichen, willensfreien Geist ein Ebenbild
seines allmchtigen, allgtigen und allweisen Schpfers ist. Durch den
Glauben wissen wir, da die ganze Schpfung unter dem Fluche der Erbschuld
und ihrer Strafe seufzt, und der gerechte Gott verlangt von dem Menschen,
da er dieses sein Geschick in Geduld ertrage und auch zum Tode bereit sei,
wann und wo Er ihn ruft. Aber Er, der gesagt hat: Rufe mich an in der
Noth, und Ich will dich erretten! -- Er verlngert auch, durch unser
demthiges Bitten bewogen, die Tage unserer irdischen Pilgerfahrt und
zieht den strafenden Arm zurck, der schon erhoben war, uns mit der Ruthe
der Gebrechen und Mhsale zu zchtigen. Doch soll der Mensch nicht blo zu
seinem Schpfer flehen um Gesundheit und langes Leben, sondern er soll auch
seinen Geist gebrauchen, um die Schtze zu finden und zu heben, welche der
allgtige Vater in die Natur hineingelegt hat als Heilmittel fr die
vielfachen bel dieses Lebens. Auch hier gilt das Sprchwort: Hilf dir
selbst, dann hilft dir Gott!

Von jeher hat es Mnner gegeben, welche es sich zur Lebensaufgabe machten,
die Mittel und Wege zu erforschen, wodurch die mancherlei Krankheiten
geheilt werden knnten. Wie viele Bcher existieren, die uns Kunde geben
von der Heilkraft mancher Kruter, von der heilsamen Wirkung mineralischer
Stoffe! Andere wieder lehren, wie man dieses oder jenes bel durch
Schneiden, Brennen u. dgl. zu entfernen habe.

Ich selbst wurde schon in meiner Kindheit darauf aufmerksam, wie dieses und
jenes Krutlein von den lteren Leuten aufgesucht und bei mancherlei
Leibesgebrechen angewendet wurde. Sie betrachteten die erschaffene Welt mit
viel sinnigeren Augen, als Dieses heutzutage geschieht, und dankbar erhoben
sie nach Erlangung der Gesundheit ihren Blick zum Himmel, von dem alle
Heilung und Rettung kommt. Diese Krutlein, welche bei den Alten in so
hohem Ansehen standen, sind heute theils verachtet, theils vergessen; nur
noch einzelne werden von den einfachsten Leuten als sogenannte Hausmittel
gesucht und gebraucht. Es ist mit diesen Krutern gegangen wie mit der
alten Mode. Das Gute, Brauchbare, beraus Einfache und doch so Schne ist
verschwunden, und das Geschmacklose, das durchaus Unschne, das Schdliche,
das den Krper zu Grunde Richtende ist an seine Stelle getreten.

Von dem aufrichtigen Streben beseelt, die Leiden meiner Mitmenschen, so
viel es in meiner Macht steht, zu lindern, habe ich die alten verlassenen
und vergessenen Krutlein wieder aufgesucht, habe ihre Heilkraft erprobt
und Manchen geheilt von schweren und langjhrigen Leiden. Wie oft mute ich
da ausrufen: Wie wunderbar bist Du, o Herr, in Deinen Werken! Was der
Mensch nicht achtet, ja was er mit Fen tritt, das hast Du liebreich vor
seinen Augen gepflanzt, damit er dadurch Hilfe in Noth und Elend finde!

Ein ganz besonderes Heilmittel aber fr zahlreiche Gebrechen der armen
gefallenen Menschennatur hat die wohlthtige Hand des Allerhchsten der
Menschheit gegeben, welches man berall auf Erden findet. Es ist die das
_Wasser_. Dieses groe Geschenk des allgtigen Vaters stillt nicht blo den
Durst des Menschen und der Thiere, sondern es ist auch das allererste,
vorzglichste und allgemeinste Heilmittel fr den menschlichen Krper.
Weist nicht die Natur selbst den Menschen mit tausend Fingerzeigen darauf
hin, da an ihm das Wasser als Heilmittel angewendet werden soll! Wie fhlt
er sich neubelebt und gestrkt, wenn er nach harter Tagesarbeit oder des
Morgens nach dem Aufstehen Gesicht und Hnde, auch wohl Hals und Brust mit
Wasser abwscht! Sieht er nicht, wenn anders er die Natur nicht im
Vorbergehen anzuschauen gewohnt ist, wie die Thiere in krankem Zustande
das Wasser aufsuchen als ein Heilmittel fr ihre Leiden? Der mit Vernunft
begabte Mensch aber zeigt sich hier leider oft unvernnftiger als das
vernunftlose Geschpf!

Das Wasser weckt, wenn es im Frhling und Sommer zur Erde niederfllt,
berall Leben und Gedeihen, regt in der Pflanzenwelt alle Organe zu neuem
Leben, zu erhhter Thtigkeit an. Es erfrischt und belebt auch die
Krpertheile, welche alle civilisirten Menschen tglich zu reinigen gewohnt
sind. Sollte das nicht alles ein Fingerzeig fr den Menschen sein, da das
Wasser ebenso geeignet sein drfte, die krankhaften Stoffe aus dem
menschlichen Krper auszuleiten und auszuwaschen, den Krper in seiner
Gesammtheit zu erfrischen, zu beleben und zu strken, den gesunden wie den
kranken! -- Doch auch hier geht es wie in gar vielen Dingen. Das Einfache,
das Naturgeme, das Vernnftige wird aufgegeben und die Heilung da
gesucht, wo sie nicht zu finden ist, in dem Unnatrlichen, ja
Widernatrlichen. Man kann fast sagen: Je absonderlicher eine auftauchende
Heilmethode ist, desto mehr Freunde und Anhnger gewinnt sie, bis endlich
die leichtglubige Menge einsieht, da sie betrogen ist und der
Heilknstler sich die Taschen gefllt hat. Was die heilige Schrift von dem
bernatrlichen Wasser der Gnade sagt, das gilt vielfach auch vom
natrlichen Wasser: Die Quellen des lebendigen (d. h. des Leben gebenden
und erhaltenden) Wassers haben sie verlassen und sich Cisternen gegraben,
welche kein Wasser (und darum kein Leben) haben.

Das gilt insbesondere auch von der modernen Art und Weise zu leben. Wenn
man die Lebensweise mancher Menschen mitansieht, wenn man die
Verkehrtheiten betrachtet, welche besonders in der krperlichen Erziehung
der Kinder gemacht werden, so mchte man fast an dem gesunden Sinne der
Menschheit und an ihrem logischen Denken zweifeln. Gehe man doch bei den
Vorfahren in die Schule! Diese haben seit Jahrhunderten das Wasser bentzt
nicht blo zur Reinigung des Krpers, sondern auch zur Erhaltung der
Gesundheit, indem sie durch Anwendung von Bdern und Kaltwaschungen schon
den Krper der Kinder widerstandsfhiger machten gegen alle mglichen
schdlichen Einflsse des Klimas und der Witterung. Ja wir drfen noch
weiter zurckgehen. Haben nicht die Rmer selbst auf ihren Kriegszgen
berall da, wo sie feste Lager bezogen, sofort Bder eingerichtet, in denen
sie, nachdem der Krper durch Natur oder durch Kunst zur Transspiration
gekommen war, diesen mit frischem Wasser begoen? Diese Alten, von denen
wir noch Vieles lernen knnten, haben die Wasseranwendung so hoch
geschtzt, da man in Rom das Sprchwort hatte: Gesegnet sei, der das Bad
erfand. Das hohe Alter unserer Altvorderen, ihre oft riesige Krperkraft
verdankten sie neben ihrer einfachen Lebensweise vorwiegend der
vernnftigen Anwendung des Wassers.

In spteren Jahrhunderten hat es immer Mnner gegeben, welche sich
bemhten, der Lebensweise der Alten wieder mehr Eingang bei der Menschheit
zu verschaffen, sie zu deren einfachen und vernnftigen Lebensregeln
zurckzufhren. Ich erinnere nur an die groen Ordensstifter, wie sie in
den von ihnen entworfenen Ordensregeln den allgemein eingerissenen
Verkehrtheiten der verweichlichten Menschheit den Krieg erklrten und ihre
Ordensmitglieder dadurch fhig machten, die Pflichten ihres oft sehr
schweren Berufes zu erfllen und doch dabei gesund zu bleiben und ein hohes
Alter zu erreichen. Auch die Mnner der Wissenschaft, die rzte, haben
vielfach dem Wasser zu seinem Rechte verholfen und auf diese groe Kraft
zur Heilung menschlicher Gebrechen hingewiesen. Von den Neueren will ich
nur Hufeland und Priesnitz nennen.

Mich hat nicht der Beruf oder die Vorliebe fr das Medizinieren dazu
gebracht, die heilsamen Wirkungen des Wassers zu erproben, sondern die
bittere Noth. Noth lehrt beten und seinen Verstand gebrauchen! Nach dem
Urtheile zweier vorzglicher rzte war ich im Jahre 1847 am Rande des
Grabes; beide hielten mich fr verloren; durch die Hilfe des Wassers allein
lebe ich heute noch und bin munter und guter Dinge.

Allerdings hat Letzteres nicht das Wasser allein zuwege gebracht; ich habe
meinen vorzglichen Gesundheitszustand gewi auch meiner einfachen, von der
Gewohnheit gar vieler Menschen allerdings etwas abweichenden Lebensweise zu
verdanken.

Was aber mir zur Gesundheit verholfen hat, als ich ein Candidat des Todes
war, das drfte doch wohl auch Andere zu heilen geeignet sein. Dieses war
einzig und allein das Wasser. Beweis dafr sind die von mir nur durch
Anwendung meiner Wasserkur Geheilten, welche bereits nach Hunderten gezhlt
werden mssen. Neben den fortgesetzten Wasseranwendungen war es, wie
gesagt, die Art und Weise, wie ich mich nhre, wie ich wohne, schlafe und
mich kleide, was mir meine vortreffliche Gesundheit bereits durch mehr als
40 Jahre erhalten hat.

Darum drngten mich meine Freunde, welche die Herausgabe meiner Wasserkur
veranlaten, auf's Neue, da ich doch auch meine Erfahrungen in Betreff
einer vernnftigen und dem menschlichen Krper durchaus angemessenen und
zutrglichen Lebensweise schriftlich niederlegen mge. Nur schwer konnte
ich mich dazu entschlieen. Die Pflichten meines priesterlichen Amtes
machen vor Allem Anspruch an meine Krperkrfte; dazu kommt die groe
Anzahl Derer, welche in ihren mannigfaltigen Leiden bei mir Hilfe suchen;
dieses Jahr sind es deren schon weit ber tausend! Endlich stehe ich
bereits im 69. Jahre meines Lebens, htte also Ruhe und Schonung wohl
nthig. So mute ich mir die Zeit, welche zur Abfassung dieses Buches
nthig war, frmlich abringen; Das, was es enthlt, ist stckweise, wie es
meinem Gedchtnisse sich gerade darbot, oder auf Grund von Notizen, die ich
mir bei sehr wichtigen Fllen gemacht hatte, niedergeschrieben worden.
Darum mge man ein Nachsehen haben, wenn in diesem Buche Manches vorkommen
sollte, was schon in meiner Wasserkur gesagt wurde. Ist es gut, -- und
nach dem Erfolge dieses Buches scheint es so, -- dann darf es auch zweimal
gesagt werden; man behlt es so besser.

Vieles, was in diesem Buche gesagt ist, wird vielleicht nicht die
Billigung der akademisch gebildeten rzte finden, sie werden es mit dem
sogenannten heutigen Standpunkte ihrer Wissenschaft nicht vereinbar finden.
Das kann mich aber nicht abhalten, es niederzuschreiben, denn der Erfolg
ist der beste Lehrmeister der Wahrheit; was dem Menschen hilft, was ihn
gesund macht, das ist gut fr ihn. Wenn er aber noch so regelrecht
behandelt und dadurch zu Grunde gerichtet worden ist, so kann ihm die
Thatsache, da er ganz den Resultaten der Wissenschaft gem behandelt
wurde, wohl kaum einen Trost in seinem Elend gewhren. Ich habe noch
Niemand eingeladen, zu mir zu kommen, damit ich ihn heile. Auch pflege ich
in wichtigen Fllen stets den Kranken erst an einen studierten und
tchtigen Arzt zu weisen, damit dieser ihn untersuche und ihm sage, wo der
Sitz seines bels sei. Dann erst schicke ich mich an, ihn zu heilen. Auch
gehe ich durchaus nicht darauf aus, der wissenschaftlichen Medicin
Concurrenz zu machen; ich erkenne das Gute gerne an, wo ich es finde. Aber
ich mu auch der Wahrheit Zeugni geben und das als verkehrt Erkannte als
solches bezeichnen. Mich leitet ja kein irdisches Interesse; nur das
Mitleid mit meinen leidenden Mitmenschen hat mich veranlat und bewegt mich
auch noch heute, ihnen, wo ich kann, hilfreich zur Seite zu stehen.

Sollte mir aber gesagt werden, es sei doch nicht mein Beruf, die Leute zu
kurieren, so sage ich darauf: Der Samaritan war auch kein studierter Doktor
und kurierte doch den, der unter die Ruber gefallen und von diesen
halbtodt geschlagen worden war, und es genierte ihn gar nicht, da seine
Landsleute ihn vielleicht tadeln wrden wegen seiner barmherzigen Liebe.

belwollende Kritik dieses meines Buches frchte ich nicht, ja beachte sie
nicht einmal, mge sie auch noch so sehr mit dem Mantel der sogenannten
Wissenschaftlichkeit sich umhllen. Wenn ein Arzt ber mein erstes Buch
sich ausgesprochen: Das Buch wre schon recht, wenn es nur nicht von einem
Pfaffen wre, so kennzeichnet eine solche uerung den geistigen
Standpunkt dieses privilegierten Menschenretters ausreichend. Ich aber
entgegne darauf ganz ruhig: Die Soldaten haben das Pulver auch nicht
erfunden und schieen doch recht fleiig. Ich verzichte auf jeden Ruhm und
jede Ehre; ein Vater unser, welches ein von mir Geheilter fr mich
verrichtet, ist mir mehr werth als alle Ehrendiplome von Seiten Derjenigen,
welche da meinen, sich als Vertreter und Retter der Wissenschaft aufspielen
zu mssen.

Denjenigen aber, die sich dafr interessieren, will ich verrathen, da
Meine Wasserkur bereits in zehnter Auflage gedruckt ist; es sind noch
nicht drei Jahre verflossen, seitdem dieses Buch seine Wanderung
angetreten, und schon ist kein Landstrich deutscher Zunge mehr, wo es nicht
gekannt ist und sich als Hausfreund eingebrgert hat. Ja bereits weit ber
unser Vaterland hinaus hat es seinen Weg gefunden und sich Freunde
erworben. So darf ich denn wohl die bescheidene Hoffnung hegen, da auch
dieses neue Buch, welches meinen Mitmenschen sagen will, _wie sie leben
sollen_, wenn sie selbst gesund und krftig werden und bleiben und ein
ebensolches Geschlecht heranziehen wollen, nicht ohne Segen fr die
Menschheit bleiben werde. Wenn Meine Wasserkur ihren Lesern sagen wollte,
wie sie durch Anwendung des Wassers und einfacher Kruter die verlorene
Gesundheit wieder gewinnen knnten, so will dieses neue Buch sie belehren,
wie sie sich nhren, wie sie wohnen, schlafen und sich kleiden sollen u. s.
w., wenn sie ihre Gesundheit erhalten und den Krankheiten vorbeugen wollen.
Das will der erste Theil.

Im zweiten Theile habe ich auf dringenden Wunsch meiner Freunde eine Anzahl
von Krankheitsfllen aufgefhrt, welche theils sehr interessant sind,
theils eine Ergnzung des in meiner Wasserkur Niedergelegten sein sollen.
Dabei habe ich nicht blo die gemachten Anwendungen, sondern auch die dabei
von mir beabsichtigte Wirkung im Einzelnen angegeben, um so dem Laien,
welcher nicht immer und berall gleich einen Arzt zur Hand hat, Anleitung
zu geben, wie er, ohne den geringsten Schaden fr die Gesundheit befrchten
zu mssen, selbst Wasseranwendungen machen kann, bis die Hilfe des Arztes
kommt.

So trete denn auch du, mein zweites Buch, unter dem Schutze des
Allerhchsten deine Wanderung an! Gehe zunchst zu Denen, welche durch
Meine Wasserkur bereits veranlat worden sind, mit dem Wasser
Freundschaft zu schlieen, und sich dieses mchtigen und wohlwollenden
Freundes als eines Helfers in der Noth bedienen. Ihnen wirst du auch sagen,
was sie weiter wissen mssen als Ergnzung und Vervollstndigung meines
ersten Werkchens. Solltest du auch so viele Gnner dir erwerben wie
dieses, so wrde meine Freude gro sein und zwar dehalb, weil ich dann die
berzeugung hegen drfte, zum Wohle meiner Mitmenschen ein neues Schrflein
beigetragen zu haben. Fr mich selbst will ich Nichts weiter, als da die
durch mich Geheilten und die, welche durch meine beiden Bcher bewogen
worden sind, mehr der Gesundheit gem zu leben und dadurch ihr Lebensglck
und die Zeit ihres Verdienstes auf Erden zu verlngern, meiner zuweilen im
Gebete gedenken. Das gebe Gott!

    _Wrishofen_, 15. September 1889.
                                Der Verfasser.




  Inhalts-Verzeichni.


                                                                      Seite

  Einleitung und Vorwort                                                III


  Erster Theil.
  Von den Vorbedingungen der Gesundheit und den Mitteln
      zu ihrer Erhaltung.

  1. Kap. Einflu des Lichtes auf die Gesundheit des Geistes
          und des Krpers                                                 3

  2. Kap. Die Luft in ihrer Beziehung zur Gesundheit                      6

  3. Kap. Wrme und Klte in ihrer Beziehung zur Gesundheit               8

  4. Kap. Kleidung                                                        9
     Schutz der Fe gegen Klte                                         21
     Unsinnige Kleider-Moden                                             24
     Schutz gegen die Hitze                                              26

  5. Kap. Arbeit, Bewegung und Ruhe                                      29
     Spazierengehen, krperliche Arbeit, Zimmergymnastik                 37
     Wasser als Mittel zur Erhaltung der Krfte                          41

  6. Kap. Wohnung                                                        45
     Krankenstube                                                        55

  7. Kap. Von der Nahrung                                                56
     1. Speisen                                                          56
        1. Klasse. Stickstoffreiche Nhrmittel                           61
        2. Klasse. Stickstoffarme Nhrmittel                             64
        3. Klasse. Stickstofffreie Nhrmittel                            70
     2. Getrnke                                                         71
     3. Salz                                                             82
     4. Mineralwasser                                                    83

  8. Kap. ber das Essen                                                 84
     Das Frhstck                                                       85
     Das Unterbrod (die Zwischen-Mahlzeit)                               87
     Die Mittagsmahlzeit                                                 88
     Der Abendtisch                                                      91
     Trinken beim Essen                                                  92
     Ma im Essen                                                        94
     Wie oft soll man essen?                                             96

  9. Kap. Erziehung                                                      96
     Pflichten der Eltern im Allgemeinen                                 97
     Pflichten der Eltern im Besonderen                                  99
     Hautpflege der Kinder                                              102
     Bekleidung der Kinder                                              104
     Sorge fr frische Luft, besonders im Schlafzimmer                  107
     Bewegung                                                           109

  10. Kap. Schule und Beruf                                             111
     Erste Schule des Kindes                                            111
     Zweite Schule des Kindes                                           115
     Schule der heranwachsenden Jugend                                  120
     Wahl des Berufes                                                   125
     Hhere Schulen                                                     134
     Seminarleben                                                       144
     Seminarkost                                                        148
     Mdchen-Institute                                                  150
     Gesundheitspflege in weiblichen Instituten mittelst
       Wasser-Anwendungen                                               154
     Klosterleben                                                       157

  Nachtrag zum I. Theile.
  1. Vom Rauchen                                                        164
  2. Vom Schnupfen                                                      165
  3. Wasseranwendungen im Alter                                         166
  4. Der Essig                                                          167
  5. Toppen-Kse                                                        171


  Zweiter Theil.
  Wie kann geheilt werden nach den Regeln meiner Erfahrung?

  Asthma                                                                177
  Das Auge                                                              178
    Allgemeine Bemerkungen ber Augenschwche und deren Hebung          182
  Bauchfellentzndung, Folgen derselben                                 188
  Beinfra                                                              190
  Bettnssen                                                            196
  Blasenkatarrh                                                         196
  Blut                                                                  197
    Wichtigkeit einer geregelten Blutcirculation im menschlichen Krper 197
  Blutarmuth                                                            198
  Blutbrechen (durch Hustenreiz)                                        208
  Blutbrechen (aus dem Magen)                                           209
  Blutstauungen                                                         210
  Blutvergiftung                                                        216
  Blutverlust, Folgen desselben                                         218
  Brustfellentzndung, Folgen derselben                                 219
  Brustleiden                                                           220
  Emphysem                                                              221
  Entzndungen, ungeheilte                                              221
  Epilepsie                                                             222
  Fettsucht                                                             224
  Frhgeburt (durch Schnren)                                           226
  Fuflechten                                                           226
  Fuleiden                                                             227
  Fuschwei                                                            229
  Gehrleiden                                                           232
  Geschwre                                                             236
  Geschwulst (am Knie)                                                  237
  Gichtleiden                                                           239
  Gliederkrankheit                                                      243
  Gliedersucht                                                          243
  Halsleiden                                                            244
  Harnbeschwerden                                                       246
  Hautausschlge und Geschwre (Masern, Scharlach&c.)                  248
  Hfte, verschobene                                                    251
  Kinderkrankheiten (einige)                                            253
  Kopfleiden                                                            256
  Krmpfe                                                               260
  Leberleiden                                                           261
  Lungenleiden (angehende Schwindsucht, Katarrh, Emphysem,
                Verschleimung&c.&c.)                                  262
  Magenleiden (Abweichen= Diarrhe, Verstopfung, Aufstoen,
               Verdauungsleiden&c.&c.)                                269
  Marasmus                                                              288
  Nervenleiden                                                          288
  Nierenleiden                                                          289
  Rheumatische und verwandte Leiden                                     290
    Rheumatismus mit Gicht                                              299
  Rckenmarkschwindsucht                                                299
  Schlaganfall                                                          300
  Scrophulse Zustnde                                                  303
  Steinleiden (Griesleiden)                                             306
  Typhus                                                                307
  Unterleibsleiden (Entzndung, Krmpfe, Schwche&c.&c.)              309
  Veitstanz und hnliche Krankheiten                                    315
  Verkehrte Ernhrungsart (Folgen derselben)                            318
  Verschleimung (allgemeine)                                            320
  Verwundungen und Vergiftungen                                         321
  Vollbad, unfreiwilliges (Verhalten nach demselben)                    325
  Wassersucht (Haut-&c. Wassersucht)                                   325
  Zerrttung des Krpers durch schlechten Lebenswandel                  332

  Anhang.
  1. ber Arnica (+Arnica montana+, Wohlverleih)                        335
  2. Blutarmuth                                                         339
  3. Die Gicht                                                          342
  4. Etwas ber die Kraftsuppe                                          344
  5. Von der Wirkung des Wassers                                        346
     1. Waschungen                                                      346
     2. Wickelungen                                                     349
     3. Gsse                                                           351
     4. Bder                                                           353

  Nachwort                                                              355




Erster Theil.

Von den Vorbedingungen der Gesundheit und den Mitteln zu ihrer Erhaltung.




Erstes Kapitel.

Einflu des Lichtes auf die Gesundheit des Geistes und des Krpers.


Was ist doch fr ein groer Unterschied zwischen Tag und Nacht! Vergleiche
man eine schne Mittagsstunde, wann die Sonne recht hell scheint und keine
Wolken am Firmamente sind, mit einer Mitternachtsstunde, wann es bei der
grten Finsterni ganz unheimlich ist und alle Gegenstnde entweder gar
nicht oder nur unklar geschaut werden knnen. Es ist, wie wenn man einen
recht groen Saal mit schnen Bildern und Kunstgegenstnden betrachtet und
im Gegensatz hierzu einen recht dunkeln, schaurigen Kerker, wo ringsum nur
Finsterni und Unheimlichkeit herrscht. Wie der Anblick eines solchen
Saales das ganze Gemth hebt und erfreut, so kann ein derartiger Kerker nur
Furcht und Wehmuth einflen. Wer mchte einen solch' dstern Ort sich zu
seiner Wohnsttte auswhlen? Jedermann wrde glauben, er mte dort
verkmmern; es wrde gewi Jeder einen groen, hellen Saal mit vielen
schnen Kunstwerken vorziehen. -- Einem solchen prchtigen Saale gleicht
nun die Schpfung, wenn sie vom Lichte der Sonne beleuchtet ist. Sie
erscheint dann in ihrer ganzen Gre und Schnheit. Hat aber die Erde eine
solche Stellung, da kein Strahl der Sonne die uns umgebende Natur
beleuchtet, so ist sie einem unheimlichen Kerker gleich. Wrde aber einmal
die Sonne einige Wochen gar nicht mehr auf- und niedergehen, welche Folgen
mte dieses fr die ganze Schpfung haben! Wie erst wrde es dem
vorzglichsten Geschpfe auf Erden, dem Menschen, ergehen? Wie wrde es mit
der Gesundheit und selbst mit dem Leben desselben aussehen?

Betrachte man nur eine Pflanze, die an einem dunklen Orte oder im Keller
gewachsen ist, wo nur sprliches Licht hindringen konnte! Sie sieht ganz
verkmmert aus, bla ist die Farbe, ungeniebar sind die Frchte, und wie
leicht verwelkt sie! Man kann allgemein sagen: was am Sonnenlicht
aufwchst, entwickelt sich gesund, krftig und vollstndig; was in der
Dunkelheit wchst, ist und bleibt verkmmert. Ist es nicht auffallend, da
ein groer Theil der Pflanzen, besonders die Blumen, sich stets dem
Sonnenlichte zuwenden? Die Sonnenblumen erwarten am Morgen die Sonne im
Osten und bleiben ihr zugewandt, bis sie Abends im Westen untergeht. Wie
viele Blumen schlieen am Abend ihren Kelch, wie der Krmer seinen Laden!
Wenn aber am Morgen die Sonne kommt, dann ffnen sie sich wieder. Wie bei
den Pflanzen, hnlich ist es auch bei den Thieren. Schwindet das
Tageslicht, dann verlangen sie nach Ruhe; kommt das Morgenlicht, so ist
Alles neu gekrftigt und neu gestrkt. Fast kein Vogel singt am Abend; was
singen kann, beginnt am Morgen seinen Gesang.

Wenn nun das Licht eine solche Macht auf die andern erschaffenen Wesen
ausbt, warum sollte dasselbe nicht auch besondere Einwirkung auf den
menschlichen Krper und Geist haben? Welch' dstere Stimmung bringt ein
trber Tag bei einem kranken Menschen hervor! Auch der Gesunde fhlt sich
nicht so behaglich, und wie wohlthuend wirkt es, wenn nach einigen
Regentagen wieder das freundliche Sonnenlicht in das Krankenzimmer, in die
Werksttten, in die ganze Schpfung leuchtet! Jeder Mensch fhlt die
Wirkung des Lichtes wie beim Aufgange, so beim Untergange der Sonne;
doppelt aber fhlt sie der Kranke. Man kann die Vortheile des Lichtes und
die Nachtheile des Mangels an Licht an den Menschen leicht beobachten. Wie
selten findet man einen Weber, einen Fabrikarbeiter, einen Bergmann oder
sonst einen, der durch seinen Beruf das Tageslicht entbehren mu, mit einem
ganz gesunden, frischen Aussehen! Tragen sie nicht alle gleichsam einen
Todtenflor ber ihr Angesicht? Unsere Zchtlinge haben eine nahrhafte Kost
und meistens mehr als die nothwendige Pflege, aber alle entbehren
Lebensfrische und volle Gesundheit. Es lt sich mit Recht behaupten, da
Helle und Sonnenlicht sehr dazu beitragen, eine gute Stimmung im Menschen
hervorzubringen, somit auf Geist und Krper wesentlich einwirken.

Man knnte vielleicht sagen: wenn man die Sonne entbehrt, hat man doch
einen Ersatz durch das knstliche Licht. Man hat es hierin allerdings zu
auerordentlichen Erfindungen gebracht. Als Knabe habe ich noch in einigen
Haushaltungen gesehen, wie man am spten Abend am Ofen Holzsplitter
anzndete und bei diesem armseligen Lichte spann. Auch habe ich noch
gesehen, wie auf einen Leuchter ein gut getrockneter Holzspahn gesteckt
war, der, an der obersten Spitze angezndet, langsam weiter brannte, bis er
aufgezehrt war. Mit diesem elenden Lichte begngten sich jene Leute und
spannen bis Abends 9 Uhr. Das Leinl und die Unschlittkerze wurden dann
allgemein als Material zur Beleuchtung wie in den Familienwohnungen, so in
den Werksttten verwendet. Mit der Zeit hat man viele, ganz verschiedene
Brenn- und Beleuchtungsmaterialien aufgefunden und erfunden. Man hat
dadurch das Leinllicht und die Unschlittkerze verdrngt, weil die neuen
Materialien ein viel helleres Licht gaben; ob man aber dabei nicht der
menschlichen Natur und im besondern dem Augenlichte sehr geschadet hat,
theils durch die Helle und Schrfe des Lichtes, besonders aber durch die
verdorbene Luft, die man z. B. bei Gasbeleuchtung einathmen mu, -- das ist
eine andere Frage, die man wohl wird bejahen mssen.

Znde man in einem Zimmer, wo um den Tisch 5-6 Personen sitzen, eine
Leinllampe oder eine Unschlittkerze an, wie es einst geschah, und mgen
dann alle versuchen, lngere Zeit zu lesen: wie bald wird man die Klage
hren, es sei nicht hell genug, -- ein klarer Beweis, da das Augenlicht
heut zu Tage viel geschwchter ist als einst, und da die knstlichen
Lichter nicht ohne Nachtheil fr das Auge und den Krper geblieben sind.
Den klarsten Beweis hiefr geben die vielen Leute, die jetzt Augenglser
tragen. Ich kann mich nicht erinnern, da ich als Knabe je einen jungen
Menschen mit Augenglsern gesehen habe. Man glaubte damals allgemein, diese
seien nur fr alte Leute und fr einzelne Studierende. Jetzt aber kann man
in den Stdten und selbst da und dort auf dem Lande junge Leute treffen,
die schon mit 8-12 Jahren Augenglser bentzen mssen und weder die Helle
noch das Sonnenlicht ertragen knnen. Bald wird es so weit kommen, da
schon kleine Kinder in der Wiege Brillen tragen. Ich bin der vollsten
berzeugung: wenn die Natur des Menschen durch Helle und Sonnenlicht
abgehrtet ist, dann wird jedermann sein gutes Augenlicht haben; ist dies
nicht der Fall, dann ist der Krper verkmmert und mit ihm auch das Auge.
Es soll also das Mglichste gethan werden, da man der Helle und des
Sonnenlichtes nicht entbehre, und Auge und Krper wird dann in einem viel
besseren Zustande sein. Wenn man aber, besonders in den Stdten, in
Wohnstuben und Werksttten kommt, wohin weder die volle Tageshelle noch
auch das Sonnenlicht dringen kann, wie werden letztere gengend wirken
knnen, um gesund und krftig zu machen! Betrachten wir die Leute, Kinder
wie Erwachsene, die an der vollen Tageshelle und im Sonnenschein aufwachsen
und arbeiten: welch' gesunde Augen haben diese Leute im Vergleich mit
vielen Bewohnern der Grostdte oder denen, die in dunklen Werksttten
arbeiten! Dadurch finden wir das Gesagte hinreichend besttigt. Der Mensch
kann sich nun allerdings an Vieles gewhnen, besonders wenn es die Mode
vorschreibt. Man kann in Zimmer kommen, in welchen alle Fenster mit
dunklen, dichten Vorhngen versehen sind, so da im ganzen Zimmer gleichsam
eine Abenddmmerung herrscht, oder es gar so dunkel ist, wie in einem
finsteren Kerker. Man warnt doch noch im Allgemeinen davor, in der
Abenddmmerung zu lesen, um die Augen nicht zu schwchen; werden solche
Leute, welche die meiste Zeit in dieser selbst hergestellten Abenddmmerung
arbeiten, nicht ihr Augenlicht schwchen und sogar den Krper verkmmern?
Ich empfehle den Hauptgrundsatz sehr zu beachten: wer in der vollsten
Tageshelle und in dem schnsten Sonnenscheine lebt und sich bewegt, wird
das gesundeste Auge bewahren und den gesundesten Krper, soweit das Licht
darauf einwirken kann.




Zweites Kapitel.

Die Luft in ihrer Beziehung zur Gesundheit.


Krzlich kam ich an einen ziemlich groen Bach. Das Wasser war so
spiegelhell, da man auch die kleinste Mnze auf dem Boden htte sehen
knnen. Der Bach war ziemlich tief und breit. In demselben schwamm eine
groe Anzahl Forellen, groe und kleine. Ihre Munterkeit, ihr frisches
Aussehen war der sicherste Beweis, da sie sich in diesem Wasser recht
behaglich fhlten. Es bildete also das reine spiegelhelle Wasser einen
schnen, durchsichtigen Krper, in welchem die munteren Forellen ihr Leben
fristeten. Dieser Wasserkrper ist ein kleines Bild von der Luft. Diese ist
ja auch ein durchsichtiger, unermelicher Krper, in welchem der fliegende
Vogel gleichsam schwimmt, wie die Forelle im Bache, und die Menschen und
Thiere des Feldes leben und sich bewegen. In durstigen Zgen athmet der
Mensch Stoffe ein, die zum Leben so nothwendig sind, da er ohne dieselben
nur eine kaum nennenswerthe Zeit bestehen kann. Weil die Luft durchsichtig
ist und ebenso die Stoffe in ihr unsichtbar sind, dehalb knnen wir nicht
sehen, aus welchen Bestandtheilen sie zusammengesetzt ist. Die Stoffe aber,
welche der Mensch mit jedem Athemzuge aufnimmt, heien: Sauerstoff,
Stickstoff, Kohlenstoff und Wasserdampf. Diese Stoffe sind zum
Lebensunterhalt nothwendig; aber der weitaus nothwendigste ist der
Sauerstoff. Sind in der Luft, die man einathmet, nur solche Stoffe
vorhanden, wie sie die menschliche Natur braucht, dann darf man auf eine
gute Gesundheit rechnen. Leider halten sich in der Luft noch viele unreine,
ungesunde Stoffe auf, und sie kann auch Mangel haben an solchen Stoffen,
die der Natur unentbehrlich sind.

Wenn wir an einem groen Bache oder Flusse stehen, der Schlamm und Schmutz
mit sich fhrt und so trbe ist, da man den Grund nicht sehen kann, so
erblicken wir vielleicht auch in diesem Wasser Fische, ja oft recht groe;
die meisten aber sind nicht so munter und lebhaft wie die Forellen, die
hier ganz fehlen; denn diese gedeihen nur im reinen Quellwasser. Es ist
also ein bedeutender Unterschied zwischen dem Wasser einer Quelle und dem
schmutzigen Flu-Wasser. Ersteres sprudelt klar und rein aus der Erde
hervor, letzteres hat schon einen weiten Lauf hinter sich, und seine Wellen
wlzen gewhnlich viel Unrath mit sich fort. So kann auch die Luft von
unreinen Stoffen frei sein, sie kann aber auch eine Menge solcher in sich
haben.

Wie das schnste Quellwasser augenblicklich trb und schmutzig wird, wenn
man Unrath hineinwirft, gerade so schnell kann auch die reinste Luft
verunreinigt werden. Wenn in einem Zimmer auch die beste Luft ist, und es
raucht Jemand nur einige Minuten eine Cigarre in demselben, so ist die Luft
dadurch schon einigermaen verschlechtert; wenn aber Mehrere lngere Zeit
rauchen, wie wird dann erst die Luft werden? Wenn also die Luft so leicht
verunreinigt werden kann, wie wird dieselbe dann an manchen Orten,
namentlich in Stdten, beschaffen sein, wo so viele Ursachen
zusammenwirken, dieselbe zu verderben! Dehalb geht auch der Stdter so
gern aufs Land, um dort eine reinere und gesndere Luft einzuathmen,
wodurch besseres Blut und bessere Sfte gebildet werden. Wem seine
Gesundheit lieb und theuer ist, der biete das Mglichste auf, da er in
reiner Luft seine Zeit zubringe, und vermeide aufs Sorgfltigste,
schlechte, verdorbene Luft einzuathmen. Wie man im Besonderen fr eine gute
Zimmerluft sorgen kann, wird in einem spteren Artikel angegeben werden.




Drittes Kapitel.

Wrme und Klte in ihrer Beziehung zur Gesundheit.


In dem ungeheuren Luftkrper, der unsere Erde umgibt, hausen zwei gewaltige
Riesen, der eine noch mchtiger als der andere; beide ringen in bestndigem
Kampfe um die Herrschaft; bald siegt der eine, bald der andere. Diese zwei
Riesen heien Wrme und Klte. Unter dem Einflusse beider steht der Mensch.
Wer mchte alle die Krankheiten aufzhlen, welche die Klte und die Wrme
dem menschlichen Krper verursachen! Wie viele tausend und tausend
Menschenleben werden ein Opfer ihrer nachtheiligen Einwirkung! Es ist
dehalb unbedingt nothwendig, sich gegen die Klte wie gegen die Wrme zu
schtzen. Wie die Menschen, so stehen auch die Vgel des Himmels und die
Thiere des Feldes unter dem Einflusse von Klte und Wrme. Fr diese
Geschpfe sorgt aber der Schpfer selbst. So bekommt jeder Vogel seinen
Winter- und Sommerrock, von denen jeder der Temperatur der Jahreszeit
angemessen ist. Die Thiere des Feldes und des Waldes bekommen in gleicher
Weise fr den Sommer ein dnnes Haarkleid, fr den Winter einen dicken, gut
geftterten Pelz; sogar die Fische im Wasser entgehen der Obsorge des
Schpfers nicht, und nicht einmal die Wrmer im Staube sind vergessen,
denen Er die Erddecke zum Schutze bestimmt hat.

Dem Menschen aber, der mit Verstand und Vernunft begabt ist, hat es der
Schpfer selbst berlassen, sich vor jenen zwei Riesen zu schtzen. Er
bekommt jedoch die nthige Anleitung hierzu, wenn er bei seinem Schpfer in
die Schule geht und betrachtet, wie dieser fr seine brigen Geschpfe
sorgt. Dadurch kommt er zur Erkenntni, da ein anderes Gewand fr den
Sommer und ein anderes fr den Winter nothwendig ist, um dem nachtheiligen
Einflu von Klte und Wrme zu begegnen. Wie letzteres am einfachsten und
sichersten geschehen knne, soll im Folgenden dargethan werden.




Viertes Kapitel.

Kleidung.


Im vorhergehenden Kapitel wurden Klte und Wrme mit zwei Riesen
verglichen, die in bestndigem Kampfe leben, und gegen die sich zu schtzen
dem Menschen selbst berlassen sei. Aber nicht nur in der Luft ringen Hitze
und Klte mit einander, sondern auch im kleineren Mae in jedem
menschlichen Krper. Auch hier ist ein Zweikampf unter ihnen; die Klte
will den Sieg und will so den Krper zu Grunde richten; ebenso strebt die
Wrme nach der Herrschaft, und erlangt sie dieselbe, so richtet auch sie im
Krper die grte Zerstrung an. Gelingt es mir, Anleitung zu geben, wie
man sich vor der nachtheiligen Einwirkung von Klte und Hitze schtzen
kann, so glaube ich damit der Menschheit einen Dienst zu erweisen, weil
gerade in diesem Punkte oft groe Unwissenheit herrscht, und so manche
Gesundheit zu Grunde gerichtet wird.

Will der Mensch die schdlichen Wirkungen der Klte fern halten, so mu
seine erste Sorge sein, da er die gehrige Naturwrme in seinem Krper
hat. Der ganze Krper wird erwrmt durch das Blut. In kleinen Kanlen,
Adern genannt, dringt das Blut bis in die uersten Theile des Krpers,
wodurch dieser ernhrt und erwrmt wird. Theils vermindert, theils
abgekhlt kommt das Blut wieder zum Herzen zurck, und von dort strmt dann
wieder vermehrtes und erwrmtes Blut durch die Adern. Wie man aber beim
Kochen zur Unterhaltung des Feuers Brennstoffe nthig hat, so ist auch
Brennmaterial nothwendig im Krper des Menschen, um immer die erforderliche
Wrme zu erhalten. Wer also ein gutes Blut mit ausreichender Wrme will,
der mu zunchst fr das nthige Brennmaterial sorgen, wodurch die Natur in
den Stand gesetzt wird, diese Wrme hervorzubringen und zu erhalten.
Glcklich der Mensch, der durch ein gesundes, krftiges Blut, das seinen
Krper nach allen Richtungen hin gut nhrt und erwrmt, den ersten und
besten Schutz gegen die Klte hat! Er hat das erste Erforderni der
Gesundheit. Traurig aber steht es bei dem, der zu wenig oder zu schwaches
Blut in den Adern hat. Bei ihm sieht es aus wie in einem Zimmer, welches
aus Mangel an Brennmaterial nicht gehrig erwrmt ist. Dasselbe ist
unbehaglich und ungesund. So empfindet auch der Mensch ein Gefhl des
Unbehagens und Krankseins, wenn er nicht ausreichendes und gesundes Blut
hat. In welcher Weise aber jeder dieses sich verschaffen und damit fr die
gehrige Naturwrme sorgen knne und solle, wird in der Abhandlung ber
Nahrung und Bewegung des Nheren erklrt werden.

Das zweite Mittel, sich gegen die Klte zu schtzen, ist eine angemessene
Kleidung. Hier wird viel und sicher noch mehr gefehlt, als bei der Sorge
fr die nthige Naturwrme. Um bei der Kleidung das Richtige zu treffen,
diene Folgendes zur Beachtung. Einige Theile am menschlichen Krper bleiben
unbedeckt und knnen so abgehrtet werden, da ihnen die Klte keinen
Schaden bringt; dahin gehren das Gesicht und gewhnlich auch die Hnde.
Das Gesicht bleibe stets unbedeckt, und die Bedeckung des Kopfes entwickele
nicht zu groe Wrme. Um dieses recht klar zu machen, will ich anfhren,
welche Gebruche und Sitten dereinst herrschten, und welche Vernderungen
seit 50-60 Jahren vorgenommen wurden zum groen Nachtheile fr Gesundheit
und Lebensdauer.

Die Jugend setzte ihren Stolz darein, nur einen einfachen Hut auf dem Kopfe
zu tragen, und sonst nichts; nur wenn die Klte zu grimmig war, wurde ein
Tchlein ber die Ohren gebunden, aber nur so lange, als man in groer
Klte verweilte. Trug man im Winter auch eine Pelzhaube, so bildete der
Pelz doch nur den Rand derselben, und die Wrme war nicht viel grer als
bei einem gewhnlichen Hut. Wird der Kopf bermig bedeckt, so zieht die
so entwickelte Wrme das Blut noch mehr zum Kopf, und dadurch wird der
Natur geschadet. Woher kommt es, da bei so Vielen, wenn sie nur eine
kleine Strecke gehen, der ganze Kopf in den grten Schwei gerth? Es
kommt daher, da das Blut durch zu groe Wrme in den Kopf geleitet wird,
die Kopfbedeckung die Transspiration zurckdrngt und dadurch noch mehr
Hitze sich entwickelt.

Der _Hals_ wurde einst bei den Armen im Winter mit einem kleinen
Baumwolltchlein umbunden, die Reicheren hatten seidene Tchlein; sonst
bekam der Hals keine weitere Hlle, und fr einen Weichling wre der
gehalten worden, der mehr gethan htte. Gerade der Hals ist aber der Sitz
so vieler Krankheiten. Ist derselbe zu warm gekleidet, dann entwickelt sich
viel Hitze, es strmt in Folge dessen mehr Blut dahin; wenn nun
eingeathmete _kalte Luft_ in den bermig erwrmten Hals, in Kehlkopf und
Luftrhren einstrmt, so ist die Veranlassung zu Katarrh oder einer andern
Halskrankheit gegeben. Wer sich davor schtzen will, der mge seinen Hals
gehrig abhrten. Ich knnte mit Allen, die graue Haare tragen wie ich,
versichern, da man frher nichts oder wenig wute von so vielen
Hals-Krankheiten und -Leiden, welche jetzt Unzhlige unglcklich machen und
recht Vielen das Leben kosten. Ich wei noch recht gut die Zeit, in welcher
die grern Baumwolltcher aufgekommen sind, die man dann zwei-, ja
dreifach um den Hals wand, womit die Verweichlichung angefangen hat. Und
anstatt zur alten Lebensweise zurckzukehren, hat man die Verweichlichung
nur noch weiter ausgedehnt. Vom Baumwolltuch ist man zum Wollshawl, sog.
Schlips, bergegangen und hat den Hals zwei-und dreifach mit einem solchen
umwunden. Von dieser Zeit an hat die Verweichlichung immer grere
Fortschritte gemacht, und die verschiedensten Kopf-, Hals- und
Brust-Krankheiten haben immer mehr zugenommen. Tausende und Tausende haben
ihre Gesundheit auf diese Weise verloren und einen frhen Tod gefunden. Ich
getraue mir zu behaupten, da man, um verschiedene Krankheiten und
Gebrechen ins Dasein zu rufen, nichts Besseres htte erfinden knnen als
diese Umhllung des Halses. Wem also seine Gesundheit theuer ist, und wer
von Halskrankheiten und den damit verbundenen Gebrechen frei bleiben will,
der hrte seinen Kopf ab und noch mehr seinen Hals.

Ich erinnere mich noch recht gut, wie ich mir als 12jhriger Knabe von
meinen Eltern eine Winterhaube erbeten habe, die am Saume einen kleinen
Pelzrand hatte und nur 40 Kreuzer gekostet htte. Ich werde mich wohl
begngen knnen mit einer Baumwollhaube, die 18-20 Kreuzer kostete, so
lautete die mir gegebene Antwort. Ich mu noch hinzufgen, da wir eine
Stunde weit zur Kirche zu gehen hatten. Reicht dir diese Haube nicht aus,
so kannst du dein Taschentuch ber die Ohren binden, hie es weiter. Ich
bin aber ohne Pelzhaube doch weder erfroren noch krnklich geworden. Soll
es in unserer Zeit besser werden, und soll es weniger Hals- und
Brustkrankheiten geben, so mu man anfangen, Hals und Kopf abzuhrten. Mit
dem Shawl kam man schlielich so weit, da man ihn das ganze Jahr hindurch
tragen mute; selbst nicht einmal zur Essenszeit in der warmen Stube
konnten ihn manche entbehren. Ich knnte Personen nennen, die im Juni,
Juli, August mit groer Sorgfalt Tag fr Tag einen solchen Schlips um den
Hals gewunden hatten und vor vielem Husten in die freie Luft zu gehen sich
nicht getrauten.

Die Mode blieb aber hierbei noch nicht stehen. Heut zu Tage wird der ganze
Hals, der ganze Kopf vielfach mit dem dicksten, gestrickten Wolltuch
umwunden, so da man kaum mehr die Augen, die Nase und den Mund sehen kann.
Es ist ein altes Mtterchen auf diese Weise kaum mehr zu unterscheiden von
einem jungen Mdchen, und welche Zustnde findet man jetzt bei solcher
Modekleidung? Durch diese dicke Wollkleidung wird das Blut in den Kopf
geleitet und dadurch der erbrmlichste Kopfschmerz erzeugt; aus den Hnden
und Fen dagegen tritt das Blut zurck, und man kann zuversichtlich sagen:
je mehr Wolle um den Kopf und die Brust gewunden ist, um so klter sind die
Fe. Durch eine solche gesundheitsschdliche Bekleidungsweise und
unzweckmige Lebensart nimmt die Blutarmuth immer mehr zu.

Ein zweites bel, welches durch die Wollbedeckung entsteht, ist dieses, da
Kopf, Hals und Brust, weil sie zu warm gehalten werden, gegen die Klte
uerst empfindlich werden und dehalb viele Rheumatismen und Krmpfe
entstehen, wenn die kalte Luft an einen solchen verweichlichten Theil
kommt. Ein also erwrmter Krper mu schlielich doch auch die kalte Luft
einathmen, und dadurch entstehen dann die verschiedenartigsten Katarrhe;
der eine bekommt ihn in der Nase, ein anderer in den Ohren, wieder ein
anderer im Rachen, im Kehlkopf, in der Luftrhre, in den Lungen oder dem
Magen, und so wird in Folge des vielen Einwickelns immer gehustet und
gelitten, und man friert an Fen und Hnden, da es zum Erbarmen ist. Die
Sucht aber, nach der Mode zu leben, trgt die Schuld an allen diesen
Miseren. Wenn ein Hausvater in seinem Hause alle Lumpen (Taugenichtse,
Vagabunden) einkehren liee, ihnen gut einheizte, sie auf's Sorgfltigste
pflegte, dabei aber sich beklagte, da er so viele Lumpen im Hause habe,
wrde man dem nicht sagen: Weise dieselben aus deinem Hause, dann wirst du
Ruhe bekommen. In hnlicher Weise mu es der Mensch mit den Krankheiten
machen, die durch Verweichlichung von Kopf, Hals und Brust entstanden sind.

Der Kopf bekomme dehalb eine Bedeckung, die ihn schtzt gegen die Klte,
da sie nicht zu schroff auf denselben eindringen kann, sondern theilweise
abgehalten wird. Der Hals werde nie, sei es mit einem Tuche oder etwas
Anderem, so eingehllt, da keine Luft Zugang hat; gerade der Hals mu
durch die Luft bestndig in der Abhrtung erhalten bleiben; die
Halsbekleidung soll gleichsam nur den Saum der Krperbedeckung ausmachen.
Wer seinen Hals am wenigsten bedeckt und der Luft den vollsten Zugang gibt,
der hat den besten Schutz vor den meisten Halsgebrechen und Krankheiten.
Vor ungefhr 40 Jahren trugen die Studenten im Winter wie im Sommer eine
sogenannte Studentenmtze und ein Halstuch wie ein kleines Band, und dabei
fhlten sie sich gesund und glcklich. Wer es jetzt auch noch so macht,
wird von vielen beln befreit bleiben. Besonders haben die Frauen vor 40
und 50 Jahren so einfache Kopf- und Halsbedeckung gehabt, da die
gegenwrtige Generation ein Beispiel daran nehmen drfte und damit das
beste Mittel htte, um die verlorene Gesundheit wieder zu erlangen.

Mancher Leser und manche Leserin wird denken und sagen: Ich will auch frei
werden von meinen Armseligkeiten, die mir die Kleidung gebracht hat, und
will mich gerade so einfach kleiden, wie hier angerathen wird, und wie
unsere Vorfahren gethan haben. Nur sachte, das geht nicht so leicht und so
schnell. Der Hausvater, welcher Taugenichtse lngere Zeit beherbergte und
auf's Beste gepflegt hat, kann diese nicht auf einmal mit Gewalt aus dem
Hause hinauswerfen; er wrde sich der Gefahr aussetzen, selbst
hinausgeworfen zu werden. Er mu es schon recht vorsichtig und klug
anfangen, um ihrer los zu werden. So kann man auch die lstigen Kameraden
von Krankheiten und Gebrechen nicht durch schroffe Behandlung auf einmal
beseitigen, sondern man mu dabei mit Schonung und Vorsicht verfahren. Wie
man es am besten anfangen knne, um die Natur abzuhrten und die
Krankheiten, die durch Verweichlichung entstanden sind, zu beseitigen, dazu
wird bei den Krankheiten nhere Anleitung gegeben werden.

Auch die _Hnde_ sollen der freien Luft ausgesetzt sein, damit sie
abgehrtet und fhig werden, ihre Aufgabe zu lsen. Dieselben haben bei
Verrichtung der verschiedensten Arbeiten den grten Wechsel auszuhalten.
Bald mssen sie grimmige Klte, bald groe Hitze ertragen; bald sind sie
na, bald wieder trocken. Besonders ist das beim weiblichen Geschlechte der
Fall. Die Abhrtung der Hnde geschieht hauptschlich durch die Luft, durch
ihren Wechsel von Klte und Wrme. Im Sommer gewhnen sich die Hnde
allmhlig an die Hitze, im Herbste nach und nach an die Klte, so da sie
im Winter die Klte ebenso leicht ertragen, als im Sommer die Hitze. Es ist
jedoch zu bemerken, da bei besonders groer Klte oder auch beim Fahren,
Tragen&c., wo man nicht durch Gehen und Bewegung den ganzen Krper in
Thtigkeit setzt und damit die nthige Wrme hervorbringt, Handschuhe
gebraucht werden sollen.

Bei dieser Gelegenheit, wo von Abhrtung der Hnde die Rede ist, kann ich
die Frauen, wie sie vor 40 bis 50 Jahren waren, als Musterbild hinstellen.
Ihre Hemdrmel gingen kaum bis zur Hlfte des Oberarmes, und bei den
tglichen Beschftigungen waren die Arme Wind und Wetter ausgesetzt; nur im
Winter bekamen sie Schutz durch ein Oberkleid mit lngeren rmeln. Die
Mdchen hatten einen gewissen Stolz, wenn ihre Arme recht feste Muskeln
hatten und fr jede Witterung abgehrtet waren. Bei diesen war kein
Blutmangel und auch kein Frost. Sie hatten dehalb auch zu allen
Berufsarbeiten die erforderliche Kraft und Ausdauer. Wenn man dagegen heut
zu Tage die bertriebene Bekleidung der Arme betrachtet, so darf man sich
nicht wundern, da dieselben welk, kraftlos und sehr empfindlich gegen
Witterungswechsel sind. Man ist aber in dem Bestreben, die Luft, das beste
Abhrtungsmittel, zu verdrngen, sogar soweit gekommen, da man noch eigene
Kleidungsstcke aus Wollstoff oder Pelz macht, die sog. Sttzchen oder
Pulswrmer, die gleichsam als Polizeidiener den Luftzugang absperren. Durch
dieses Verfahren aber haben sich eine Unzahl Mode-Diener und -Dienerinnen
ihre Arme recht empfindlich gemacht und Krmpfe und Rheumatismen geholt;
selbst das Abmagern der Arme ist nichts Seltenes mehr, und sie sehen oft
aus, als ob sie eher mit Wasser als mit festem Fleische gefllt seien.

Vergleichen wir nur eine gegen die Klte abgehrtete Person, deren Gesicht
und Hals, Arme und Hnde widerstandsfhig sind, mit einer verweichlichten
Person, der es im Frhjahr und Herbste schon zu kalt ist, die sich aber im
Winter gar nicht mehr zu helfen wei und voll Ach und Weh ist, so wird man
leicht sehen, welche glcklicher daran ist. Wrde man ernstlich daran
gehen, die Verweichlichung zu beseitigen und die Abhrtung in angegebener
Weise zu ben, so wrde ein allgemeines Wohlbefinden, grere Kraft und
Ausdauer das Leben viel angenehmer machen.

Soll man sich einerseits durch Abhrtung, namentlich einzelner
Krpertheile, gegen die Klte schtzen, so mu doch auch andrerseits der
Krper im Winter eine entsprechende Kleidung bekommen. Trgt doch auch der
Spatz in dieser Jahreszeit seinen Winterrock. Vor 50-60 Jahren kannte man
meist nur Hemden aus Leinwand, theilweise auch schon aus Baumwolle. Die
rmeren Leute trugen auf der Haut grobe leinene Hemden, die mitunter nur
wenig feiner waren wie der Zwilch, den man zu Kornscken verwendete. Ein
solches Hemd war aber nicht nur recht ausdauernd und wohlfeil, sondern
schtzte auch auerordentlich vor Erkltung. Diese Hemden waren so lang,
da sie nicht nur den Oberkrper und Leib, sondern auch die Oberschenkel
ziemlich bedeckten; sie waren auch weit, so da sich beim Anziehen der
Oberkleider mehrere Falten bildeten. Hat das Kleid die Aufgabe, die
Krperwrme zurckzuhalten, so war gerade ein solches Hemd hierzu ganz
geeignet, zwischen dessen Falten sich eine temperirte Luft bildete. Dadurch
wurde der Klte der Zugang verwehrt. ber dieses Hemd kam dann noch ein
anderes Kleid zum Schutze gegen die Klte, welches gleich dem ersten die
Wrme aufhielt und einen erhhten Schutz gegen die Klte bildete. Dieses
zweite Kleid war wieder aus Leinwandstoff; gebrechlichere und ltere Leute
trugen aber im Winter gewhnlich aus Wolle gestrickte oder aus Flanell
gemachte Jacken. ber diese kam dann noch der Oberkittel, entweder aus
grobem Leinenstoff gemacht oder bei den Arbeitern aus Zwilch. Die
Beinkleider waren fr die Arbeiter fast nur aus grober Leinwand oder Zwilch
hergestellt. Nur wenige trugen Unterhosen, und diese wieder aus Leinwand.
Es kam auch ausnahmsweise vor, da man aus Wolle gestrickte Unterhosen
hatte; ber diese aber trugen die Arbeiter wieder Beinkleider aus Zwilch
oder grober Leiwand. Solche Kleidung war recht warm, wohlfeil und
ausdauernd, und es gab damals recht viele Leute, die ein Alter von 80
Jahren erreichten. Heut zu Tage hat deren Anzahl bedeutend abgenommen. Jene
Kleidung hatte auch das Gute, da das Hemd nebenbei noch gleichsam eine
Brste fr die Haut war und deren Thtigkeit befrderte. An Sonn- und
Festtagen war die Kleidung theils aus Wolle, theils aus Leder. Im
Schwabenlande war die lederne Hose allgemein. Sie war nicht theuer, hielt
mehrere Jahre aus und gewhrte guten Schutz gegen die Klte. Die Tuchrcke
waren auch allgemein an Sonn- und Festtagen, wenigstens beim mnnlichen
Geschlecht, und weil damals das Tuch viel besser war als jetzt, so hatte
mancher Landmann seinen Sonn- und Festtagsrock 10, ja 20 Jahre. Wie viel
weniger kostete dehalb die Kleidung damals als heut zu Tage! Die Frauen
hielten viel darauf, ber dem leinenen Hemd ein wollenes oder baumwollenes
Kleid zu tragen, wodurch wirklich der Krper groen Schutz gegen das
Eindringen der Klte hatte. Die Oberkleider bei den Frauen auf dem Lande
waren gewhnlich krftige Baumwollstoffe. Vor 40 Jahren kamen die
baumwollenen Hemden auf; sie wollten aber fr die Winterzeit nicht recht
behagen, denn sie kamen den Landleuten zu kalt vor. Eine zweite Klage wurde
darber gefhrt, da sie beim Schwitzen sich der Haut anlegten und dadurch
Klte und Unbehaglichkeit verursachten. Auch wurden sie, wenn sie vom
Schwei feucht geworden waren, nicht so schnell wieder trocken, wie die
Hemden von Leinwand. Ferner wurde darber geklagt, da der Schmutz sich an
diese Hemden viel fester ansetze, als an leinene. Es bekamen daher die
Hemden aus Baumwolle nicht sehr viele Anhnger; umgekehrt aber war es mit
den Oberkleidern. Heut zu Tage ist es aber Mode geworden, weder baumwollene
noch leinene Hemden auf der Haut zu tragen, sondern mglichst den ganzen
Krper mit einer Wollhaut zu umgeben. Es gibt nicht blo Wollhemden,
sondern auch fest anschlieende wollene Unterhosen und andere
Kleidungsstcke aus Wolle, mit denen man den Leib bedecken soll.

Du bist neugierig, lieber Leser, was ich fr ein Urtheil flle ber diese
Mode; ich gebe dir zur Antwort: Ich habe mich berhaupt nie mit der Mode
abgegeben. Wie ich aus der rmsten Klasse abstamme, so bleibe ich auch am
liebsten beim Einfachsten und bekmmere mich am allerwenigsten darum, wie
sich andere kleiden. Was mich aber die Erfahrung ber den Werth der
wollenen Hemden, Unterhosen&c. gelehrt hat, ist Folgendes. Es kam zu mir
eine Unzahl Leute, die vom Kopf bis zum Fu voll Rheumatismus waren und von
Krmpfen geplagt wurden. Es stellte sich regelmig heraus, da diese
wollene Hemden getragen hatten. Dasselbe fand statt bei denen, die ber
kalte Fe und ber Andrang des Blutes zum Kopf klagten. Nur zweimal kam es
mir vor, da Mnner, die durch und durch rheumatisch waren, auf die Frage:
Tragt ihr Wollhemden? die Antwort gaben: Nein, leinene Hemden -- aber
erst seit vier Wochen. Bei den Landleuten, die schwere Arbeiten haben,
viel schwitzen, starke Naturen haben und abgehrtet sind, kamen frher
rheumatische Zustnde, Krmpfe&c. selten vor; jetzt aber, wo Modejger so
zahlreich sind, gibt es eine Unzahl solcher Krankheiten. Ich kann mich aber
nicht erinnern, da ein einziger zu mir gekommen wre von den vielen durch
Krmpfe&c. Gefolterten, der stets ein leinenes Hemd getragen htte. Frher
war die hysterische Krankheit gewhnlich nur einheimisch beim weiblichen
Geschlecht; in diesem Jahre aber versicherte mir ein Arzt, es seien auch
viele Mannspersonen hysterisch. Ich will nicht gerade Alles dem Wollhemd
und der Wollkleidung zuschreiben; aber die Erfahrung lieferte mir den
Beweis, da sie bei der grten Anzahl die Ursache war. Aber wie soll die
denn bewirkt werden knnen durch die Wollkleidung? Die Wolle liegt nahe auf
der Haut und entwickelt viel mehr Wrme als die Leinwand; das Material aber
zu dieser Wrme mu der Krper hergeben, die Erwrmung geschieht also auf
Kosten desselben. Ist das Wollhemd ganz durchwrmt, so strmt diese erhhte
Wrme nach auen, und dadurch tritt ein grerer Verbrauch ein, wozu die
Natur das nthige Material ebenfalls hergeben mu. Liegt ferner der Krper
unter einer oder mehreren Wolldecken im Bette, so gerth er auch dadurch in
eine hhere Wrme. Diese aber wird wiederum auf seine Kosten entwickelt.
Durch die erhhte Wrme wird sodann der Krper empfindlicher gegen die
Klte, weil er verweichlicht ist, und berdie wird er geschwcht durch
Entziehung so vieler Naturwrme. Dehalb vermag die Klte recht leicht
rheumatische, krampfhafte Zustnde hervorzubringen, sei es durch den
schnellen bergang von freier Luft ins warme Zimmer oder umgekehrt.
Besonders aber ist es der Fall zur Nachtzeit, wenn die Decke nicht ganz den
Krper bedeckt oder ein Arm oder Fu, selbst nur fr eine kurze Zeit, der
Luft ausgesetzt ist. So bekommt Mancher in der Nacht, statt auszuruhen und
gestrkt zu werden, fr den Tag einen ordentlichen Rheumatismus im Arm, im
Nacken, in den Schultern oder an sonst einem Theile des Krpers.

Es wird vielleicht die Frage gestellt werden, warum denn keine feine
Leinwand gebraucht werden drfe, welche Nachtheile diese habe. Die Antwort
lautet: Die feine Leinwand kann nur in geringem Mae das Entweichen der
Wrme hindern, und es verhlt sich mit ihr hnlich wie mit einer dnnen
Mauer, welche die Wrme nicht zurckzuhalten und die Klte nicht abzuhalten
vermag. Der Krper hat durch das feine leinene Hemd viel zu wenig Schutz.
Wenn man ferner in Schwei gerth, so ist sehr bald das feine Hemd ganz
durchnt und klebt dem Krper an, und es geht gerade dehalb das Trocknen
so langsam voran. Bekanntlich dnstet ja die Haut durch ihre Poren aus. Das
Ausgednstete soll vertrocknen auf der Haut und im Hemde, und daher ist ein
grobes leinenes Hemd ein Mittel, wodurch nicht nur diese Ausdnstung
aufgenommen wird, sondern es reibt auch das Aufgetrocknete auf der Haut ab
und ersetzt, wie oben bemerkt, gewissermaen eine Brste. Gerade die grobe
Leinwand nimmt aber nicht blo viel auf, sondern die Feuchtigkeit trocknet
auch schnell in der Leinwand. Ferner geht eine Unzahl kleiner Schuppen
fortwhrend durch ein grobes Hemd ab, und ist die somit ein vorzgliches
Mittel zur Hautpflege. Ein Wollhemdtrger entgegnet: Ich trage gerade
dehalb ein Wollhemd, weil dieses eine Masse Schwei aufnimmt und man daher
das nasse Gefhl auf der Haut nicht hat. Ich gebe dieses zu, aber wird
diese Flssigkeit im Wollhemd so rasch trocknen wie im leinenen? Wird die
Haut beim Tragen eines Wollhemdes auch so trocken und rein gehalten, wie
beim Gebrauch leinener Hemden? Nimm einmal ein Wollhemd und ein leinenes
Hemd, tauche beide ins Wasser, hnge sie neben einander in der Luft auf und
gib Obacht, wie viel Zeit vergeht, bis beide vollstndig getrocknet sind.
Du wirst finden, da das Wollhemd viel lngere Zeit zum Trocknen braucht,
als das leinene. Wenn aber die Luft die Feuchtigkeit so schwer aus dem
Wollhemd bringt, soll letztere dann leichter schwinden, wenn dasselbe unter
den Kleidern getragen wird? Ich behaupte, da man beim Wollhemd die
Feuchtigkeit nur nicht so empfindet, und habe mich berzeugt, da auf der
Haut unter dem Wollhemd eine ordentliche feuchte Schmiere sich aufhlt und
nicht vertrocknet und nicht abgerieben wird, wie beim Tragen eines Hemdes
aus grober Leinwand. Dazu hat das Wollhemd vom Schwei einen sehr blen
Geruch. Wie schwer ist es auerdem, allen Schmutz aus dem Wollhemd zu
entfernen; ich denke blo an die frheren Maschinen, die von den
sogenannten Walkern zur Reinigung der Wolle gebraucht wurden. Ich bin der
berzeugung, da wenige Wollhemde den vom menschlichen Krper aufgenommenen
Schmutz ganz verlieren. Geht man ferner auf den Ursprung des Leinens und
der Wolle ein, so wird auch dadurch sich zeigen, da ersteres einen Vorzug
vor der letzteren hat. Die Leinwand wird bereitet aus der Faser einer
Pflanze, die in freier Luft und in den Strahlen der Sonne gewachsen ist.
Die Wolle aber wchst auf der Haut der Thiere, zieht hauptschlich aus dem
Thierfett ihre Nahrung. Ein Sprchwort sagt: Es gibt keine Heerde, in
welcher nicht rudige Schafe sind mit ansteckender Krankheit. Wer will nun
behaupten, da nicht Krankheitsstoffe auch in die Wolle dringen? Geschieht
aber dieses, so kann leicht von den Wollhemden etwas in den Krper des
Menschen eindringen, was die Gesundheit nicht gerade befrdern drfte. Bei
Heilung von Geschwren und Wunden habe ich noch nie gesehen oder gehrt,
da ein Arzt als Charpie Wollfasern genommen htte, immer wurde die
Leinfaser bentzt. Warum geschieht denn das? Meinethalben kann Jeder
tragen, was er will; mich treibt beim Schreiben dieses nicht
Geschftserwerb oder ein anderer Gewinn. Ich rede ohne jedes Vorurtheil und
gedrngt von der berzeugung, die ich aus einer reichen Erfahrung gewonnen
habe. Will Jemand meinen Rath, so lautet er dahin: Trage auf der Haut ein
Hemd von ziemlich grober Leinwand; diese hlt die vom Krper strmende
Wrme zurck, erhlt die Haut in Thtigkeit und ist leicht zu reinigen --
es ist die ein _reinliches Tragen_. Wenn aber Jemand sagt, ein Wollhemd
kann man drei, ja sechs Wochen lang tragen, wie es vielfach geschieht, ohne
es waschen zu lassen, dem antworte ich: Man kann das leinene Hemd ja auch
so lange tragen, nur sieht man in diesem den Schmutz mehr. Appetitlich ist
gewi auch ein Wollhemd nicht mehr, wenn es selbst nur 14 Tage getragen
wurde.

Es mu jedoch hier bemerkt werden, da das ber Wollhemden Gesagte sich
hauptschlich nur auf solche bezieht, welche enge und fein sind. Anders
steht es mit solchen, die weit und grob sind. Beim Tragen dieser wird
sowohl die Haut durch Reiben gereinigt, als auch der freien Luft der Zugang
zum Krper ermglicht.

War frher fr die Arbeiter an den Werktagen gewhnlich der Zwilch der
Stoff fr die Beinkleider wegen der Ausdauer, Wrme und Wohlfeilheit, so
ist jetzt dieser Artikel im Allgemeinen auer Gebrauch gekommen, und es ist
vorherrschend die Wolle an dessen Stelle getreten. Ich mchte hier
besonders hervorheben, wie ungemein wohlfeil das einst gebrauchte
Arbeitskleid war im Vergleich zu dem, welches man jetzt trgt. Eine
Zwilchhose fr einen Arbeiter kostete fix und fertig einen Gulden; was das
Wollbeinkleid kostet, wei Jeder selbst. Wie wohlfeil war auch das Hemd aus
grober Leinwand, wie theuer kommen dagegen die Wollhemden zu stehen! Und
gerade so ist es mit den brigen Kleidern, die man vordem trug. Sie waren
viel billiger als jene, welche man jetzt trgt. Einst fragte man mich, ob
ich die ledernen Hosen empfehle oder verwerfe. Die Antwort lautete: Die
ledernen Beinkleider werden wie einst, so auch jetzt noch in vielen
Gegenden allgemein getragen; sie halten warm im Winter, besonders solche
von Hirschleder oder doch strkerem Leder; sie sind dazu sehr ausdauernd.
Wer sie nur an Sonn- und Festtagen trgt, kann daran 10 bis 20 Jahre ein
schnes Kleidungsstck haben. Kommen sie auch beim Anschaffen etwas
theuer, so bleiben sie doch das wohlfeilste Beinkleid wegen ihrer
Dauerhaftigkeit. Nur eines mu bemerkt werden, was von groer Wichtigkeit
ist; schliet das lederne Beinkleid enge an die Haut an, so wird die
Transspiration verhindert, und es geht dann hnlich wie bei
Kleidungsstcken aus Gummi. Es werden durch Verhinderung der Transspiration
auch leicht Anstauungen entstehen, die unausbleiblich Krankheiten im
Gefolge haben. Wie die ledernen Beinkleider den Ruf haben, da sie im
Winter einen vorzglichen Schutz gegen die Klte abgeben, so wird auch
allgemein behauptet, da sie im Sommer nicht lstig hei seien, sondern
eher khlen, weil sie das Eindringen der Hitze hindern. Zudem kann man auch
fr den Sommer ein dnneres, leichteres Beinkleid whlen, wie ja auch der
Vogel im Sommer ein dnneres Kleid trgt.

fter bin ich auch schon gefragt worden, was ich von den Unterbeinkleidern
halte, ob sie zu empfehlen seien und welche. Da im Sommer Unterbeinkleider
nicht nothwendig sind, ist ganz sicher; eine Tuchhose entwickelt Wrme
genug, und wer durch eine solche die richtige Wrme zur Sommerzeit nicht
bekommt, dem wird auch eine Unterhose nichts mehr ntzen. In Betreff der
Tuchhose gilt aber auch, da sie nicht enge anschlieen soll. Was die
Unterhose aus Wolle betrifft, so kann ich aus Erfahrung sagen, da viele
Leute zu mir gekommen sind, die unter der Tuchhose eine, mehrere sogar, die
zwei, ja drei wollene Unterhosen getragen haben und dabei ber nichts mehr
klagten, als da ihnen die gehrige Wrme abgehe, da sie meistens vom
Frost belstigt seien, und das selbst im geheizten Zimmer. Ist's im Winter
kalt, und will die einfache Tuchhose nicht mehr ausreichen, dann empfehle
ich die Unterhose aus Leinwand, aus Grnden, wie sie oben angegeben sind,
wo die Rede von den Hemden war. Der Unterkrper wird durch wollene
Unterhosen so verweichlicht, da die kalte Luft und berhaupt kltere
Temperatur ganz leicht Gelenkrheumatismus und Krmpfe hervorzubringen
vermag, und dann hat das gemthliche Leben, wie Jeder wei, aufgehrt. Was
im Besonderen die engen Beinkleider betrifft, die jetzt gerade in der Mode
sind, so bin ich sehr froh, da ich solche zu tragen nicht gezwungen bin.
Abgesehen davon, da die Schenkel und Beine in einer Art Zwangsjacke
stecken, geht ihnen auch berdie die Abhrtung verloren, und wird man
dadurch fr rheumatische Zustnde empfnglicher. In ein weites Beinkleid
dringt leicht die Luft ein, welche die Naturwrme mindert und dadurch den
Beinen eine gemigtere, mildere Wrme gibt. Das ist meine Ansicht ber
die genannten Kleidungsstcke. Indessen steht es ja Jedem frei, in der
Auswahl derselben nach Belieben zu handeln.


Schutz der Fe gegen Klte.

Ist es von auerordentlicher Wichtigkeit, da Kopf, Hals, Gesicht und Hnde
der freien Luft ausgesetzt und abgehrtet werden, so ist die nicht weniger
nothwendig bei den Fen. Diese haben noch den besonderen Nachtheil, da
sie nicht blo in der kalten Luft, sondern auch auf dem kalten Boden sich
befinden, somit doppelte Klte auszuhalten haben. Und wie im Allgemeinen
Alles in die Hhe strebt, selbst der Rauch, der vom Feuer ausgeht, so
dringt auch das Blut mehr nach oben, in die Brust und in den Kopf, und lt
gerne die Fe blutarm und manchmal fast blutleer, und doch mu das Blut
auch den Fen die Wrme spenden. Man kann daher sagen: Wie viel Blut Du in
den Fen hast, so viel Wrme hast Du dort und umgekehrt, -- je klter
dieselben sind, um so weniger Blut ist dort. Daher mu als Hauptgrundsatz
gelten: Je abgehrteter die Fe, um so besser ist man daran; denn sie
werden dann im selben Mae blutreich und warm sein. Je weichlicher die Fe
sind, um so schlimmer ist man daran, weil Blut und Wrme in gleichem
Verhltni abgehen, als man die Fe verweichlicht hat.

Es ist daher gewi von Wichtigkeit zu wissen, wie die Fe abgehrtet
werden knnen. Wie das Gesicht nicht am warmen Ofen abgehrtet wird,
sondern dadurch, da man der Luft stets freien Zugang lt, so mssen auch
die Fe eben dadurch abgehrtet werden, da man sie der freien Luft
aussetzt. Wer die im Sommer hufig thut, dessen Fe werden leicht die
verschiedenen Witterungen aushalten. Einen Solchen wird der Winter nicht
viel belstigen, besonders wenn er sich noch Mhe gibt, auch im Winter
durch entsprechende bungen abgehrtet zu bleiben, und die Fe nicht durch
allerhand berflssige Schutzmittel verweichlicht. Als erstes Schutzmittel
der Fe gegen die Witterung wird allgemein der Strumpf bentzt. Die besten
Strmpfe wren sicherlich die aus dickem Leingarn gestrickten; diese sind
am geeignetsten zur Erhaltung der Naturwrme. Zu Strmpfen lt sich
Schafwolle viel eher verwenden als zu Hemden und Unterhosen, weil die Luft
nicht leicht eine zu groe Entwickelung der Wrme an den Fen zult. Das
zweite Schutzmittel sind Schuhe oder Stiefel. Hier ist die Wahl sicher gut
getroffen, weil ein gutes Leder am meisten Schutz gewhrt vor der Klte und
auch die Feuchtigkeit abhlt; denn nichts ist gefhrlicher und schdlicher,
als wenn letztere durch die Schuhe eindringt. Die Schuhe aber sollen nicht
enge sein, ebenso die Strmpfe; denn je mehr Luft zwischen der Haut und dem
Strumpfe ist, um so mehr wird die Fuwrme begnstigt. Daher soll auch
zwischen dem Schuhe und dem Strumpfe ein mit Luft gefllter Raum sein,
damit sich auch dort angenehme Wrme entwickle und der Fu sich behaglich
fhle. Wenn aber der Strumpf ganz fest an die Haut sich anschliet und der
Schuh so klein und enge ist, da es mehr eine Verkmmerungsmaschine fr den
Fu ist als ein Mittel, Wrme zu erzeugen und zurckzuhalten, dann kann das
Blut eine gehrige Erwrmung nicht bewirken, die Klte von auen dringt
auch leichter ein, das so behandelte Blut aber tritt zurck in den
Oberkrper, und der arme Mensch friert in Folge dessen an den Fen. Das
zurcktretende Blut aber bringt manche bel hervor. Steigt es in den Kopf
hinauf, so erzeugt es Kopfweh; dringt es in die Brust, so macht es dort
Beschwerden; sammelt es sich im Unterleib, so verursacht es hier ble
Zustnde. Das Nachtheiligste aber ist, da, wenn das Blut nach innen dringt
und dort sich aufhlt, im Innern eine Blutflle entsteht und dehalb die
Bildung von neuem Blute nachlt, was Blutarmuth zur Folge hat, wie es
Tausende von Beispielen beweisen. Wie viele Menschen verkmmern ihre Zehen
aus Eitelkeit, indem sie zu enge Schuhe tragen! Frher oder spter werden
sie fr diese Eitelkeit viel zu ben bekommen durch Krnklichkeit oder
schwere Leiden. Es mge noch erwhnt werden, da, wenn die Fe so
eingezwngt sind, das Blut kaum mehr in die uersten Theile dringen kann;
hierdurch und durch den gehemmten Rckflu entstehen Stauungen und manchmal
sogar bsartige Geschwre, ja es kann durch Reibungen in zu engen Schuhen
selbst Blutzersetzung eintreten, wie ich selbst mehrere Flle wei. Ich
kann nicht begreifen, wie es Leute geben kann, welche die vom Schpfer
erschaffenen Organe anders wollen, als dieser sie gebildet hat.

Weil das _Barfugehen_ ein so vorzgliches Mittel ist, die Fe abzuhrten,
sind Diejenigen glcklich, welche vermge ihres Berufes im Sommer hufig
barfu gehen, wie die Landleute, weil sie dadurch ihrer Gesundheit sehr
ntzen. Man soll aber ja nicht glauben, da Diejenigen, welche nicht wie
die Landleute bei ihrer Beschftigung barfu gehen knnen, nicht doch fr
ihre Fe in hnlicher Weise sorgen knnten. Ist es denn eine Schande, wenn
man im Sommer in seinem Garten oder beim Spaziergange auf einer freien
Wiese einige Minuten barfu geht oder auch zu Hause auf nassen Steinen mit
bloen Fen umherwandelt? Und kann man nicht ganz gut vor dem
Schlafengehen einige Minuten in seinem Zimmer barfu einen Spaziergang
machen, damit die Luft frei auf die Haut dringen kann, auf diese Weise das
Blut mehr nach unten geleitet wird und die Fe abgehrtet werden? Thut man
das, dann wird nicht mehr jede Kleinigkeit den so unangenehmen Frost
verursachen. Wenn man neben einem solchen Barfugang im Zimmer die Fe ein
paarmal in kaltes Wasser eintauchen wrde, um dadurch die Fuwrme noch
mehr zu erhhen und die Fe selbst noch mehr abzuhrten, wre das zu viel
der Mhe im Vergleich mit dem Vortheil, den solches der Gesundheit bringt?
Und ist es nicht auch sehr unangenehm, den ganzen Tag kalte Fe zu haben
und dieselben mglichst oft in dicke Filzschuhe stecken zu mssen, die
vielleicht noch vorher erwrmt werden mssen, um die Klte der Fe zu
vertreiben? Gewi aber wird man von solchen beln geplagt werden, wenn man
seine Fe verweichlicht, statt sie in der angegebenen Weise abzuhrten und
dadurch zu bewirken, da sie stets eine gehrige Wrme haben.

Ich kann nicht glauben, da es Leute geben wrde mit _Fuschwei_, wenn die
Fe vernnftig abgehrtet wrden; ich glaube auch nicht, da bei
vernnftiger Abhrtung der Fe das Podagra aufkommen wrde. Gerade ber
diese letztere Krankheit, die so schmerzlich ist, macht man sich gewhnlich
nur lustig; man trgt eben die berzeugung, da eine Verweichlichung mit
Schuld an dem bel ist. Nicht unerwhnt darf hier bleiben, da Zimmerschuhe
aus Wollstoff oder gar aus Pelz ein besonders gnstiges Mittel zur
Verweichlichung sind und nicht genug getadelt werden knnen. Der Grund wird
aus dem bereits Gesagten Jedem klar sein. Wie verderblich wirkt es aber
erst auf die Natur, wenn man das Bett vor dem Schlafengehen wrmt oder
warme Bettflaschen&c. bentzt! Doch ber dieses spter! Um also sein
Glck, seine Gesundheit und sein Leben mglichst lange zu erhalten, ist
eine vernnftige Abhrtung der Fe geboten.

Vor 50 bis 60 Jahren gingen alle Landleute, mit wenigen Ausnahmen, im
Sommer barfu; ich selbst habe es bis zu meinem zweiundzwanzigsten Jahre
mitgemacht. Sobald im Frhjahr der Schnee geschmolzen war, ging das
Barfugehen an und dauerte bis Oktober, selbst bis November. Wie
abgehrtet waren da die Fe! Bei der anderen Kleidung kmmerte man sich
auch nicht viel um die Mode, und so war der ganze Krper abgehrtet. Man
wute wenig oder nichts von so vielen Kinderkrankheiten, die heut zu Tage
so vielen Kindern das Leben kosten. Ich habe auch nie beim Bauernvolke
etwas gehrt von Gelenkrheumatismus oder krampfhaften Zustnden. In unserer
modernen Zeit aber fngt man beim Kinde in der Wiege an, sich nach der Mode
zu richten, und bis hinauf ins hhere Alter will Jeder dieselbe wenigstens
einigermaen mitmachen.


Unsinnige Kleider-Moden.

Die Frauenspersonen trugen und tragen auch heut' zu Tage noch drei ja vier
Kleider mit Falten ber einander, und doch mssen sie dazu noch wollene
Beinkleider tragen. Gerade dieses ist aber ein Hauptmittel zur
Verweichlichung und in Folge dessen zu vielen Gebrechen und Krankheiten. Es
wird die Luft dadurch, soweit es mglich ist, vollstndig abgehalten und
die Haut verweichlicht. Wenn den Frauen Leben und Gesundheit und eine
volle, ausdauernde Kraft fr ihren Beruf theuer ist, so sollen sie bemht
sein, den Krper, besonders aber die Fe recht abzuhrten.

Ein weiteres bel, das frher fast nur in den Stdten zu finden war, dringt
jetzt auch auf das Land hinaus. Es ist das _Schnren_. In den fnfziger
Jahren wurde diese Mode allgemeiner eingefhrt, und ich habe damals in
einer Reihe von Blttern von vielen Todesfllen gelesen, die durch diese
verwerfliche Unsitte erfolgten. Es ist grauenhaft, da der Modegeist sogar
gegen den allmchtigen Schpfer selbst auftreten und dem menschlichen
Krper eine andere Gestalt geben will, als er von ihm empfangen hat, und es
ist recht erbrmlich diesem Modegeist zu folgen. Wer Ohren hat zu hren,
der hre! Ich wei wohl, da ich von den Mode-Journalisten und thrichten,
eitlen Frauenspersonen ausgelacht werde, und da sie sich ber meine Worte
lustig machen. Aber wie ganz anders reden sie, wenn sie durch ihre
Narrheiten ihre Gesundheit zu Grunde gerichtet haben! Es kam zu mir eine
groe Anzahl Mtter mit allem mglichen Jammer, und man konnte ihnen
nachweisen, und sie muten es auch gestehen, da das ganze Elend von der
Huldigung kam, die sie der Mode und dem Zeitgeiste erwiesen. Gegen diese
frchterliche Mode ist man schon in der oben erwhnten Zeit aufgetreten und
hat selbst in Zeitschriften dargelegt, wie diese verwerfliche Schnrmanie
einen groen Theil des Krpers verkmmere. Wer enge Strumpfbnder trgt,
bekommt gewhnlich Aderanschwellungen (Krampfadern) an den Fen, weil
dadurch der Blutlauf gehemmt wird. Wer sein Halstuch fest anschlieend
trgt, bekommt gewhnlich einen dicken Hals aus demselben Grunde; sollte
dann das bestndige unvernnftige Schnren des Krpers nicht auch den
Blutlauf hindern, wodurch fr Entstehung vieler bel bestens gesorgt wird?

Ganz trostlos kam zu mir einst eine Mutter und beklagte sich bitter
darber, sie habe in sechs Jahren vier todte Kinder geboren, und die
Ursache sei, da sie von Kindheit an bis zu ihrer Verheirathung der Mode
des Schnrens gehuldigt habe, ihr ganzer Krper dehalb verengt und keine
Aussicht mehr vorhanden sei, da jener belstand sich ndern werde. Wenn
nur die Leute fter in ein Todtenhaus gingen und schauen wrden, wie man
dem Leichname ohne alles Schnren ein einfaches Kleid anlegt, und wie da
jede Mode aufhrt, dann wrde man viel besonnener zu Werke gehen und nicht
jede Thorheit mitmachen. Die Mtter aber, die ber ihre Tchter wachen und
dieselben tauglich und fhig zu ihrem Beruf heranziehen sollen, drfen
nicht zugeben, da diese einer so schdlichen Mode folgen; dann werden sie
spter nicht Grund haben, ber ihre Thorheit zu klagen.

Eine weitere Unsitte ist es, den Krper nicht _gleichmig zu bekleiden_.
Hat man frher die lcherliche Mode des Reifrockes gehabt, so trgt man
jetzt einen Kamelshcker auf dem untern Theile des Rckens, auf dem ein
paar Affen gemthlich Platz nehmen knnten. Soll dieser Kleiderwulst auf
dem unteren Rcken etwa stets eine groe Hitze bewirken und dadurch die so
lstigen Hmorrhoiden befrdern? Dann ist diese Mode allerdings sehr
zweckentsprechend gewhlt. Wrde man eine solche Thorheit einmal predigen,
so lange dieselbe noch nicht Mode ist, dann wrde man einen solchen
Prediger fr wahnsinnig halten und man htte auch Recht; weil es aber der
verrckte Modegeist selbst durch Bcher und Bilder predigt, lauschen die
Zuhrerinen mit Mund und Ohren und befolgen pnktlich das Gehrte. Ich
glaube, es gehrt zu den ersten Pflichten des Menschen in Betreff seiner
Gesundheit, die Kleider so auf dem Leibe zu tragen, da sie nirgends fest
gebunden und geschnrt werden; der jugendliche Krper wrde dadurch in der
Entwicklung gehemmt und der der Erwachsenen in Erfllung der
Berufspflichten gehindert. Alle Kleider, die man am Leibe trgt, sollen von
den Schultern getragen werden, und nur soweit sollen sie an den Krper
angeschlossen werden, da sie kein Hinderni bilden beim Gehen und
Arbeiten. Besonders mu ich an dieser Stelle warnen vor der Unsitte, den
Hals in einen engen _Hemd-_ oder anderen _Kragen_ einzuzwngen. Hierdurch
bekommen namentlich die Sprachorgane einen unnatrlichen Druck, den sie in
die Lnge nicht auszuhalten vermgen. Das Blut wird in seinem freien Lauf
behindert, es treten Stauungen desselben ein, die Sprachorgane werden
geschwcht und oft ganz zu Grunde gerichtet. Und da es oft recht schwer,
ja manchmal geradezu unmglich ist, so entstandene Leiden und Gebrechen zu
heilen, hat mich eine traurige Erfahrung gelehrt. -- Hiermit glaube ich das
Nothwendigste ber die Bekleidung gesagt zu haben, sofern sie dienen soll
als Schutz vor der Klte; ich erinnere aber nochmals an das Beispiel, wie
der Schpfer sorgt fr den Vogel in der Luft und das Thier auf dem Felde.
Wie der Spatz von ihm seinen Rock bekommt und zwar einen fr den Sommer,
einen anderen fr den Winter, so soll der Mensch sich eine der Jahreszeit
entsprechende Kleidung verschaffen, eine dnnere fr den Sommer, eine
dickere und wrmere fr den Winter.


Schutz gegen die Hitze.

Es sind im Vorhergehenden Hitze und Klte zwei Riesen genannt worden, gegen
die man sich schtzen msse.

Wie man sich vor den blen Einflssen der Klte bewahren knne, ist bereits
gesagt worden. Jetzt soll angegeben werden, wie man sich vor der Hitze
schtzen knne, da sie nicht weniger Schaden bringen kann als die Klte.
Wie der Mensch sich durch Abhrtung sowohl, wie durch seine Kleidung gegen
die Klte schtzen soll, so soll er sich auch durch die nmlichen Mittel
die drckende Hitze ertrglich machen.

Man kann, ohne fehl zu gehen, behaupten: Wer gegen die Klte abgehrtet
ist, also dieselbe gut ertragen kann, der wird auch die Hitze nicht zu
frchten brauchen, weil es dem Krper anerschaffen ist, wie die Klte, so
auch die Hitze ertragen zu knnen. Wenn es sich um Abhrtung gegen die
Hitze handelt, so spielt wieder die freie, frische Luft eine Hauptrolle.
Wie im Herbst die Hitze abnimmt und die Luft anfngt, klter zu werden, so
beginnt dieselbe mit dem Frhjahr sich wieder zu erwrmen und den Krper
abzuhrten gegen die Hitze. Derjenige nun, welcher denselben der
abhrtenden Einwirkung der Luft nicht entzieht, wird im Hochsommer die
Hitze nicht weniger leicht ertragen knnen, als im Winter die Klte.
Vermittelst der freien Luft wird also fr den Menschen ein allmhliger
bergang von der Klte zur Wrme hergestellt; wer diesen nicht mitmacht,
wird davon ble Folgen empfinden.

Aber nicht blo durch das allmhlige Fallen und Steigen der Temperatur, wie
es im Herbst und Frhling stattfindet, soll der Mensch befhigt werden, die
Klte des Winters und die Hitze des Sommers ertragen zu knnen, sondern
auch die Verschiedenheit der Wrme bei Tag und Nacht, am Morgen, am Mittag
und am Abend soll dazu beitragen, denselben gegen den Wechsel der
Temperatur abzuhrten. Dehalb knnen auch die Landleute, welche am Morgen,
wie am Mittag und Abend in der nmlichen Kleidung ihre Arbeit im Freien
verrichten, ohne Schaden die Hitze wie die Klte ertragen. Ganz anders aber
steht es mit dem Stubenhocker, der sich mglichst von der freien Luft
abschliet. Er mu immer erst die Nase zur Thr hinaus stecken, um zu
erfahren, ob er auch ein dickeres Kleidungsstck anziehen msse, bevor er
sich aus dem Hause hinaus wagen drfe. Ebenso wenig wie die Klte des
Winters kann dieser die Hitze des Sommers aushalten, er wird vielmehr
schlaff und hinfllig, ja selbst krank davon werden. Mge daher Jeder dafr
sorgen, da er durch die frische Luft abgehrtet werde, um so gegen die
Nachtheile der Klte sowohl wie auch der Hitze geschtzt zu sein.

Wie verderblich es werden kann, wenn Jemand, ohne gegen die Hitze
abgehrtet zu sein, sich derselben aussetzt, mge folgendes Beispiel
zeigen.

Ein Mdchen, welches ein Jahr in einem Institute gewesen war, wollte bei
groer Sonnenhitze in die Heimath zurckkehren. Es hatte sieben Stunden zu
gehen und mute auch noch sein Reisegepck tragen. Mitten auf dem Wege
aber wurde es von der Hitze berwltigt. Es wurde ganz verwirrt angetroffen
und endete sein Leben nach 18 Stunden. Einem Landmanne oder einem
Bauernmdchen htte die Hitze nicht geschadet. Jenes Mdchen war aber zu
sehr verweichlicht und konnte sie dehalb nicht ertragen.

Das _zweite_ Mittel, sich die Hitze ertrglicher zu machen, ist eine
entsprechende Kleidung. Trgt man im Winter eine dickere, wrmere
Krperbedeckung zum Schutz gegen die Klte, so bediene man sich im Sommer
eines leichten Anzuges. Besonders rathe ich, nicht 3 oder 4 Kleider ber
einander zu tragen, zwischen denen sich leicht eine zu warme Luftschicht
entwickeln wrde. Bedeckt man nicht dehalb im Sommer das Haupt mit einem
dnnen Hute, damit die Luft besser durchdringen und die Ausdnstung
leichter abziehen kann? So wird auch durch eine dnne Bekleidung die Wrme
vom ganzen Krper leichter ausstrmen. Dagegen werden die Sonnenstrahlen
hinreichend durch dieselbe gehindert, nachtheilig auf denselben
einzuwirken. Es sollen ferner die Kleider nicht fest an den Krper
anschlieen, damit die Luft mildernd auf die Krperwrme einwirken kann.

Ein _drittes_ Schutzmittel gegen die Hitze ist das kalte Wasser. Dieses
nimmt rasch alle bermige Wrme weg und bringt die Natur in einen
normalen Wrmezustand. Nebenbei hrtet es auch noch den Krper ab. Wenn
Jemand im Hochsommer einen ganzen Tag im Freien gearbeitet hat, wie erhitzt
ist dann am Abend sein ganzer Krper! Es nimmt freilich die khle Abendluft
etwas Wrme fort, aber immerhin bleibt doch eine zu groe Hitze zurck.
Wenn aber Jemand 2 oder 3 Tage in der Sommerhitze arbeitet, so wird sich
jene ungewhnliche Hitze des Krpers von Tag zu Tag noch steigern. Diesem
belstand kann nun durch Anwendung des Wassers vorgebeugt werden.

Ich habe einen Knecht gekannt, der im Sommer an jedem heien Tage Abends
sich einige Minuten lang in ein Bchlein stellte, das am Hause vorberflo.
Er wusch sich dann Hnde und Gesicht und sagte gewhnlich: Das Bchlein
nimmt mir alle Mdigkeit aus den Fen fort, und ich bin wieder frisch und
munter. Dieser Knecht hat recht vernnftig gehandelt, und es wre gut,
wenn die Landleute es ihm fleiig nachmachen wrden. Sie wrden dann Nachts
viel besser ausruhen und am andern Morgen frischer an die Arbeit gehen
knnen. Jener Knecht hat auch sehr oft am Abend seine Pferde in den Bach
gefhrt, gleichfalls, damit sie abgekhlt wrden und ihre Mdigkeit
schwinde. Die Thiere merkten sehr bald, wie wohl ihnen das Wasser thue, und
wenn man sie aus dem Stalle gehen lie, gingen sie von selbst dem Bache zu.

Ich selbst bin einst auf einem Pferde in den Bach geritten. Mitten im Bache
legte sich dasselbe, um sich im Wasser zu wlzen, ohne seinen Reiter zu
fragen, ob das recht oder unrecht sei. Dieses Pferd machte sich jene Sitte
zur Gewohnheit, und daher wollte Niemand auf demselben mehr ins Wasser
reiten.

Wrden es doch alle Landleute machen, wie es einst viele machten, welche
das so heilsame Wasser fleiig gebrauchten; aber es thun Die nur noch
wenige. Auch die Pferde werden leider nur noch selten ins Wasser gefhrt.
Wenn es nach meinem Wunsch ging, so wrde in jedem Ort, wo ein Bach ist,
ein Badehuschen hergestellt werden, worin die Landleute ihre Bder nehmen
knnten. Ich bin der vollsten berzeugung, da Dieses groen Nutzen stiften
wrde. Wie wohlthuend wre es fr den Krper, wenn im Sommer bei
anhaltender Wrme jeden Abend die bermige Hitze durch ein Bad aus
demselben ausgeleitet und so einer nachtheiligen Steigerung derselben
vorgebeugt wrde! Mge sich daher Jeder auch aus diesem Grunde eine
Badegelegenheit und damit eine groe Wohlthat fr seine Gesundheit
verschaffen!




Fnftes Kapitel.

Arbeit, Bewegung und Ruhe.


Wenn das Wasser immer ruhig und stille steht, wird es bald faul; wenn ein
Pflug nicht gebraucht wird, wird er bald rostig; wenn eine Maschine lange
der Witterung ausgesetzt ist und nicht verwendet wird, so wird sie bald
ihre Dienste versagen; sie wird zuletzt gebrechlich werden und zerfallen,
ohne da man sie gebraucht hat. Gerade so geht es mit dem menschlichen
Krper. Gleicht er nicht einer Maschine, die so fein und kunstvoll ist, da
sie nur der allweise Schpfer ausdenken und verfertigen konnte? Sie wird
gewhnlich das Meisterwerk der Schpfung genannt. Diese knstliche
Maschine, die zugleich die Wohnsttte und das Werkzeug des menschlichen
Geistes ist, mu auch in bestndiger Thtigkeit sein. Selbst dann arbeitet
diese Maschine noch fort, wenn das Tagwerk vollbracht und die Ruhezeit
eingetreten ist. Auch verlangt der Schpfer selbst _Arbeit_ vom Menschen.
Er hat ber sein erstes Geschpf auf dieser Erde das Wort gesprochen: Im
Schweie deines Angesichtes sollst du dein Brod essen! Diesem
Gottes-Urtheil entspricht auch die ganze Einrichtung der Schpfung; wer was
erlangen will auf der Welt, mu es durch Arbeit zu gewinnen suchen, sonst
erhlt er nichts. Durch die Arbeit vermehrt sich auch die Kraft, und je
krftiger der Mensch ist, um so mehr darf er auf Gesundheit und Ausdauer
rechnen. Unstreitig sind daher die Landbebauer die glcklichsten Menschen;
wenn sie nur ihr Glck besser auffassen wrden! Sie arbeiten im hellen
Sonnenlicht, sie genieen die beste Luft, und durch die Arbeit wird die
Krperkraft erhalten und vermehrt. Je gesunder und krftiger aber der
menschliche Leib ist, um so frischer und leistungsfhiger wird auch der
Geist sein. Wenn die Landleute vernnftig leben und nicht durch ein
unberlegtes Darauflosstrmen ihre Natur zerstren, werden sie die
gesundesten Menschen bleiben und das hchste Alter erreichen. Somit htte
ich dem Landbebauer blo den Rath zu geben: Lebe recht vernnftig; schtze
es hoch, im Sonnenlicht dein Tagwerk vollbringen zu knnen; verdirb nicht
selbst die gute Luft, welche du einathmen kannst, und sei nicht frevelhaft
gegen deinen Krper, indem du mehr von ihm verlangst, als er zu leisten
vermag, oder mit andern Worten: _Handle nicht unvernnftig gegen dich
selbst!_

In die zweite Reihe mchte ich die _Gewerbtreibenden_ stellen, und zwar
jene, deren Berufsarbeiten geeignet sind, ihre Krfte zu erhalten und zu
vermehren. Wohl ihnen, wenn sie bei ihrer Thtigkeit auch zugleich helles
Tageslicht und gesunde Luft haben! Weniger gnstig sind jene
Gewerbtreibenden daran, deren Beschftigungen den Krper nur im geringeren
Grade anstrengen. Bei ihnen wird sich nie eine volle Krperkraft
entwickeln. berhaupt ist eine zu leichte Beschftigung nicht gut fr den
Menschen, besonders in der Jugend. Der junge Mann soll freilich durch
Arbeit nicht zu sehr berladen werden, aber auch nicht unter zu leichten
Arbeiten heranwachsen. Wie die Krfte gebt werden knnen, soll durch
folgendes Beispiel klar gemacht werden.

Ein Bursche von 18 Jahren wollte seinen kleinen Finger ben und versuchen,
wie weit er es bringen knnte, wenn er tglich eine etwas grere Last mit
demselben heben wrde. Dieser Bursche war den ganzen Sommer hindurch
Mrtelmacher und Handlanger bei den Maurern. Angefangen hat er mit zwei
Ziegelsteinen (auch Backsteine genannt), die zehn Pfund wogen und mit einem
Strick zusammengebunden waren. Tglich wurde eine sehr kleine Portion
hinzugethan, und dieses zusammengebundene Gewicht einigemal im Tage
aufgehoben. Diese bung wurde ungefhr fnf Monate fortgesetzt und wie
weit, mchte der Leser fragen, hat er es wohl gebracht? Die Antwort lautet:
Er vermochte schlielich einen Zentner = 100 Pfund mit dem kleinen Finger
zu heben. Ich wrde es kaum glauben, sondern die Sache fr einen kleinen
Bren halten, den man mir aufbinden wollte, wenn ich den Burschen selbst
nicht sehr genau knnte. Ich will hierzu noch bemerken, da nebenbei auch
der ganze Krper durch die schwere Arbeit erhebliche Kraftvermehrung
erfuhr, und diese auch erhalten blieb. Ein Schneider oder Maler wrde es
nie durch bung so weit bringen knnen, weil seine Berufsarbeit die
Krperkraft nicht steigert. Ich bedauere nur, da man zur Vermehrung und
Erhaltung der Krfte gar so wenig thut; entweder bekmmert man sich um
diese gar nicht, oder man geht dabei recht unvernnftig zu Werke, so da
die Krfte entweder nie gesteigert oder durch beranstrengung zu Grunde
gerichtet werden.

Ein Beispiel, wie sehr eine vernnftige Anstrengung gnstig auf den Krper
wirkt, ist folgendes. Die Weber auf dem Lande arbeiten in ihrem Geschfte
gewhnlich nur im Winter; im Sommer treiben sie Feldbau. Was sie im Winter
durch dumpfe Luft und schwaches Licht sich schaden, und was sie bei ihrer
Beschftigung an Krperkrften einben, das ersetzen sie wieder im Sommer
durch Arbeit im Freien, im hellen Sonnenlicht und in gesunder Luft. Durch
diesen Wechsel der Beschftigung bewahren sich die Weber auf dem Lande ihre
Gesundheit. Schlimmer aber geht es den Webern und hnlichen Handwerkern in
den Stdten, die whrend ihrer Berufsarbeit bestndig des guten Lichtes,
der reinen Luft und einer bung der Krfte entbehren, welche dieselben
mehrt. Auer den angefhrten Beschftigungen gibt es noch viele andere, die
den Menschen nicht behilflich sind zur Erhaltung voller Gesundheit und
Kraft. Wer mir nicht glauben will, der lasse einmal eine grere Anzahl von
Schustern, Schneidern, Schreibern u. s. w. neben eine ebenso groe Anzahl
von Holzhackern und Zimmerleuten sich stellen, und man wird sehen, wie
verschieden die Kraftleistungen der ersteren und der letzteren sind.

Haben also viele Stnde durch ihre Beschftigung nicht gnstige
Gelegenheit zur Erhaltung und Vermehrung ihrer Krfte, so ist nothwendig,
da wenigstens zeitweilig letztere durch was immer fr eine Beschftigung
gebt werden, und da alle Theile des Krpers in Thtigkeit kommen, damit
nicht an verschiedenen Stellen sich schlechte Stoffe ansammeln und es dem
Menschen geht, wie dem stehenden Wasser, welches bald anfngt zu
versumpfen.

Eine andere Klasse von Menschen hat zu schwere Arbeiten, den Krperkrften
wird mehr zugemuthet, als angemessen ist; dabei entbehren diese Leute aber
fast regelmig eines rechten Lichtes und einer gesunden Luft bei ihrer
Arbeit. Fr diese ist die erste und heiligste Pflicht, da sie, wenigstens
so viel und so oft es ihnen mglich ist, reine und gesunde Luft einathmen,
und da sie bei ihrer Nahrung die hchste Sorgfalt anwenden, da sie nur
ganz gesunde und krftige Speisen genieen, die ihnen fr ihre schweren
Berufsarbeiten mglichst viele Ausdauer geben. Lt man das auer Acht,
dann wird die kunstvolle Maschine des menschlichen Krpers viel zu frh
unbrauchbar werden, und noch ehe die vom Schpfer bestimmte Zeit gekommen
ist, hat der arme Mensch das Ende seines Tagewerks auf Erden erreicht. Ich
bedaure die Berg- und Fabrik-Arbeiter; aber doppelt bedauernswerth
erscheinen sie mir, wenn sie selbst noch obendrein nicht sorgfltig auf
mglichste Erhaltung ihrer Gesundheit achten. Im Kapitel ber die
Nahrungsmittel werden die nthigen Anleitungen gegeben werden zur
Herstellung und Bereitung einer gesunden und strkenden Kost.

Fr solche Leute wre freilich auch das Wasser ein wirksames Hilfsmittel,
um die Natur zu strken und ihre Kraft zu erhalten, sowie auch das
Ungesunde, was durch Mangel an Luft und Licht in den Krper eingedrungen
ist, zu beseitigen. Mancher wird nun vielleicht sagen: Was kann und soll
ich thun? Frh am Morgen mu ich schon an die Arbeit, den ganzen Tag bin
ich an dieselbe gekettet, und kommt der Abend, dann sehne ich mich nach
Ruhe, und dabei gewinne ich kaum so viel, als zur Beschaffung des
Unterhalts nothwendig ist. Mein Rath, den ich durch eigene Erfahrung
erprobt habe, und den ich als Freund und Gnner allen Arbeitern dieser
Klassen gebe, ist folgender: Wasser habt ihr, und kosten thut's euch nichts
oder doch nicht viel. Schafft euch nun eine ganz einfache Holzbadewanne an
und fllt sie am Abend mit Wasser; geht dann am Morgen in dieses Wasser
hinein bis an die Magengegend, bleibt eine halbe Minute darin, zieht euch
rasch an, ohne euch abzutrocknen, und geht dann an euere Berufsarbeit! Der
Krper gewinnt dadurch bedeutende Krftigung. Kommt ihr am Abend mde und
erschpft von der Arbeit zurck, und ist der ganze Krper erhitzt und
geschwcht durch dieselbe, so gehet in der Badewanne zwei bis fnf Minuten
barfu hin und her oder stehet ruhig darin; dadurch habt ihr eurem Krper
viel gentzt. Die Hitze und Mdigkeit wird vertrieben, und ihr bekommt
Erfrischung und Strkung. Wollt ihr aber euere Sache ganz gut machen, so
lat euch mit ein paar Giekannen voll Wasser einen Obergu geben; durch
den wird noch ganz besonders der Oberkrper, wo gerade die edelsten Organe
fr Leben und Gesundheit sind, gekrftigt und erfrischt. Habt ihr so die
Hitze und Mdigkeit aus euren Gliedern ausgeleitet, erst dann wird euch die
Nachtruhe rechte Erquickung bringen, und weit mehr gestrkt fr das neue
Tagewerk, als ohne diese Anwendung, werdet ihr am anderen Morgen erwachen.
Ein anderes Mal knnt ihr ein Sitzbad nehmen, das nur eine Minute dauert,
knnt es auch zur Nachtzeit, nach dem ersten Schlafe nehmen, und auch diese
einfache Anwendung wird sehr wohlthuend wirken. Und solltet ihr keine
Badewanne haben und recht arm sein, dann gebe ich euch den Rath: Gehet am
Abend 5 bis 15 Minuten auf dem kalten Boden oder auf mit Wasser begossenen
Steinen barfu! Ihr zieht euch dadurch viele Mdigkeit aus dem Krper; das
Blut wird vom Kopf und Oberkrper in die Fe geleitet; der Kopf wird
leichter, und die ganze Gemthsstimmung eine heitere werden. Ich habe aber
noch einen anderen Rath fr euch: Wenn ihr nur ein bis zwei Liter frisches
Wasser habet, so knnt ihr damit euren mden Krper hinreichend abwaschen.
Es kann das geschehen in der Nacht, wenn ihr aufwacht, oder in der Frhe
beim Aufstehen, bei Manchen auch des Abends vor dem Schlafengehen.
Letzteres geht eben nicht bei Jedem, weil es nicht Jeder ertrgt, und hier
heit es daher: Probire, ob es geht. Wrde Jeder diesen einfachen, gut
gemeinten Rath beherzigen, er wrde seinen Berufspflichten viel leichter
und freudiger nachkommen knnen, und sein hartes Loos wrde bedeutend
erleichtert sein. Man kann doch wenigstens den Versuch machen, und wer ihn
mit der nthigen Vorsicht macht, dem kann ich hoch und theuer versichern,
da es ihn nie gereuen wird.

Es knnte nun einer der Leser vielleicht sagen: Ich komme gewhnlich am
Abend, nachdem ich bereits des Tags ber viel geschwitzt habe, im Schwei
gebadet nach Hause, da darf ich doch Derartiges nicht wagen. Ich bin ja in
der Schule unterrichtet worden: Wenn man schwitzt, soll man das kalte
Wasser meiden. Sei ohne Sorge, guter Freund; diese Meinung ist einer der
vielverbreiteten Irrthmer. Man lscht doch gewhnlich, wo es brennt. Ich
versichere auf mein Ehrenwort, ich wrde dir den Rath nicht geben, im
Schweie das Wasser anzuwenden, wenn es nachtheilig wre. berwinde dich
zwei- bis dreimal, dann wirst du die Warnung, welche du frher gehrt, mit
mir fr Thorheit halten. Nur auf Eines mache ich dich aufmerksam. Bist du
im grten Schwei, so ziehe dich ganz schnell aus, gehe nur bis an die
Magengegend in das Wasser hinein, wasche recht schnell den Oberkrper ab,
gehe dann sehr rasch wieder heraus, trockne dich nicht ab, auer Hals,
Gesicht, Hnde und was der Luft ausgesetzt bleibt, und ziehe dich schnell
an! Wenn du dich aufs Genaueste berzeugen willst, da die Sache
unschdlich ist, so fhle deinen Puls vor dem Bade, whrend des Badens und
nach dem Bade, und du wirst dich berzeugen, da nicht die geringste
Aufregung eintritt. Im Gegentheil wirst du eine groe Beruhigung im
Pulsschlage und Athmen wahrnehmen.

Eine andere Klasse von Menschen ist mit geistiger Beschftigung bermig
angestrengt, und zwar in dem Mae, da oft der Tag nicht ausreicht, sondern
auch noch ein Theil der Nacht zur Arbeit verwendet wird. Eine groe Anzahl
dieser Leute beschftigt sich nur mit wissenschaftlichen Studien. Sie
verwenden den ganzen Tag darauf. Lange Zeit bleiben sie vielleicht gesund
und krftig, machen die herrlichsten Fortschritte in ihren Studien und
sammeln sich nach und nach einen groen Reichthum von Kenntnissen. Sie
machen es wie ein Landwirth, der recht arbeitsam und gengsam lebt, die
Zeit recht gut ausntzt und allmhlig zu Reichthum gelangt. Dieser
Landwirth ist aber, nachdem er seinen Reichthum sich erworben hat, gesund
und krftig geblieben, und sein Erwerb hat ihm nicht geschadet, weil seine
Krperkraft fortwhrend durch seine Berufsarbeit gestrkt wurde. Das aber
wird bei den Gelehrten nur zu hufig nicht der Fall sein. Die Krperkraft
wird durch ihre Beschftigung nicht gebt, und daher nimmt sie im Lauf der
Zeit ab. Aber die fortgesetzte Anstrengung des Geistes schdigt auch die
Organe des Krpers. Wie zu jedem angestrengten Krpertheil mehr Blut
zufliet, so wird auch durch fortwhrende Anstrengung des Geistes das Blut
bermig zum Kopf geleitet. Dadurch und durch sitzende Lebensweise werden
die brigen Organe in ihrer Ernhrung beeintrchtigt. So bekommt der
Gelehrte ein doppeltes Feuer fr seinen Krper, sein angestrengtes Studium
und das zu viel im Kopf angesammelte Blut. Diese bestndige Hitze zehrt
nothwendig an der Natur, wie das Feuer am Holze. Sehr viele Krpertheile
sind auerdem meistens unthtig. Die Fe tragen von Zeit zu Zeit den
Krper von der einen Stelle zur anderen, dann ruhen sie wieder und werden
nach und nach schlaff. Das Blut macht den Kopf hei, die Fe aber werden
kalt. Es mssen nothwendiger Weise Strungen im Blutlauf eintreten. Durch
die groentheils herrschende Unthtigkeit des Krpers wird das Blut nicht
in dem gehrigen Umlauf erhalten, und es entstehen dadurch Anstauungen im
Unterleib. Die Hauptadern sind daselbst zu sehr gefllt mit Blut, so da
Adererweiterung, Knoten, sich bilden besonders im Darm, die man
Hmorrhoiden nennt. Solche Strungen, wie auch die ungleiche Hitze durch
den ungeregelten Blutlauf, wirken gewaltig auf den ganzen Krper ein, und
es entstehen dadurch eine Unzahl der verschiedenartigsten
Krankheitszustnde, fr die man kaum Namen genug aufzubringen wei, so da
man wirklich sagen kann: Der an Kenntnissen reiche Mensch ist auch reich
geworden an Krankheiten und arm an Gesundheit und Krperkraft. Und was sind
leider die Folgen von solchen Krankheiten? Bei Vielen vermgen die
Blutadern im Kopf ihr Blut nicht mehr einzuschlieen, durch eine kleine
Veranlassung, oder auch ohne eine solche, zerreit die brchig gewordene
Wandung derselben, es dringt das Blut ins Gehirn, und das theure Leben, der
Reichthum an Kenntnissen, so mhsam erworben, ist dahin!

Ein anderer Theil dieser Leute entkommt solch' traurigem Ende. Aber die
Herzthtigkeit ist bei ihnen durch den ungeregelten Blutlauf bermig
angestrengt, und daher ergeht es ihnen wie einem Wanderer, der auf der
Landstrae, auf einmal von seinen Krften verlassen, erschpft
zusammenbricht. Das ermdete Herz stellt seine Thtigkeit ein. Ist
berhaupt die menschliche Natur einer Maschine hnlich, so stelle ich die
Frage: Wie geht es der Maschine, die nicht fleiig geschmiert wird, die im
Betriebe tglich viel Staub und Schmutz aufnehmen mu und nie grndlich
gereinigt wird? Wird sie nicht eines Tages, vielleicht im vollsten Betriebe
auf einmal stille stehen oder zusammenbrechen und ihre Dienste versagen? So
geht es Vielen, wenn die erforderliche krperliche Thtigkeit nicht
eingehalten wird. In allen Krpertheilen lagern sich abgentzte Stoffe ab
und verwsten die inneren Organe. Wenn man einen solchen Krper im Inneren
schauen knnte, so mte man sagen: Hier ist allgemeine Zerstrung. Der
Krper bricht in Folge dessen zusammen, und dann heit es, es hat ihn oder
sie ein Schlag getroffen. Wie diese angefhrten Menschenmrder, so knnte
eine groe Anzahl Krankheiten angefhrt werden, deren Hauptursache darin
liegt, da die Krperkraft nicht gehrig gebt wurde, wodurch alle
mglichen Unordnungen entstanden, bis schlielich irgend ein bel dem Leben
ein Ende machte. Zu dieser Klasse gehren aber auch auer den Studierenden
alle brigen, die hauptschlich mit geistiger Arbeit beschftigt sind,
deren Krperkrfte in Folge dessen durch ihr Berufsleben nicht gestrkt
werden und so nach und nach immer mehr erschlaffen. Wenn dann irgend ein
Theil des Krpers nicht mehr lebensfhig ist, so beginnt bei ihm zunchst
die Verwstung des Organismus und greift immer weiter um sich, bis der
ganze Krper nach und nach lebensunfhig wird.

Die Beamten sind vom Morgen bis zum Abend, besonders wenn ihnen ihr Beruf
recht am Herzen liegt, geistig beschftigt; einzelne Krpertheile werden
besonders angestrengt, sei es durch Denken oder durch Reden. Meistens ist
in ihren Kanzleien oder Amtsstuben kein sehr gnstiges Licht, besonders
wenn die Sonne nicht ins Zimmer scheinen kann. Es fehlt auch sehr hufig
die reine, gesunde Luft. Man braucht dehalb noch nicht in diesen Rumen zu
rauchen, das Athmen mehrerer Menschen in einem Zimmer macht die Luft auch
schon schlecht. Ebenso thun das die Wnde, wenn sie feucht sind und
Modergeruch von sich geben, und manche andere Dinge, die sich in einem
solchen Bureau befinden. Sollte nun der Krper nicht durch Einathmen so
mancher ungesunden Stoffe geschwcht werden? Dazu kommt noch, da die
Leibeskrfte nicht durch schwere Arbeit gebt werden, im Gegentheil Alles
auf Schlaffheit hinwirkt. Soll nicht auch hier mit Grund zu erwarten sein,
da die Maschine des menschlichen Krpers zu frhe leistungsunfhig wird?
Wie hart ist es dann fr den Geist, der in seiner Berufsthtigkeit
fortfahren und am liebsten recht lange wirken mchte, eine bestndige
Abnahme seiner Krperkrfte wahrnehmen zu mssen! Bald ist es die Hand,
welche ihre Dienste zum Schreiben versagt, bald verhindert der
morschwerdende Kehlkopf anhaltendes Sprechen, bald machen heftige
Congestionen das Denken fast unmglich, bald wollen die Beine den Krper
nicht mehr tragen u. s. w. Solches Siechthum vor Augen zu haben und mit
sich herumzutragen ist gewi eine bittere Sache.

Gerade so geht es auch Denjenigen, welche mit dem Lehrfach sich
beschftigen. Ihr Geist bekommt nie Ruhe, einzelne Theile des Krpers, wie
die Sprachorgane, sind ebenfalls fast bestndig thtig, aber es findet
keine entsprechende bung der Krperkrfte statt.

Wie kann solchem bel entgegengearbeitet werden? Wie kann man so vielen
Krankheiten vorbeugen, die das ohnehin schwere Berufsleben gar so bitter
machen? Wie kann man so manche vorzeitige Todesflle verhten? Man kann
allerdings verschiedene Mittel empfehlen, aber unter allen ragen besonders
zwei hervor: Erstens _bung der Krperkrfte_ und zweitens _Anwendung des
Wassers_. Wie beide am besten vorgenommen werden knnen, soll im Folgenden
angegeben werden.


Spazierengehen, krperliche Arbeit, Zimmergymnastik.

Viele glauben, wenn sie von Zeit zu Zeit oder auch ganz regelmig ihren
_Spaziergang_ machen, dann htten sie fr die Erhaltung und Vermehrung der
Krperkrfte ihre Schuldigkeit gethan; aber ich behaupte: Es reicht dieses
durchaus nicht hin. Beim Spazierengehen werden blo die Beine und Fe im
Tragen gebt. Die Unterleibsorgane bleiben beim Spazierengehen so ziemlich
unthtig, d. h. sie bekommen keine erheblichere Thtigkeit als im ruhenden
Zustande. Das Athmen ist etwas strker, und dehalb sind Herz und Lunge in
einer etwas greren Thtigkeit. Die brigen Organe aber bleiben unthtig,
und so wird wohl das Spazierengehen weniger Vortheil fr den Krper bringen
als fr den Geist, der sich erquickt an dem Anblick der freien Natur. Der
Krper bekommt freilich beim Spaziergang eine bessere Luft; aber weil dabei
die brigen Organe in Unthtigkeit bleiben und Alles behalten, was sich
Verdorbenes angesammelt hat, so wird doch der Anhufung von
Krankheitsstoffen nicht entgegengearbeitet. Ein Beispiel mge Dieses
veranschaulichen. Wenn ich im Mai, wo es viele Maikfer gab, in den Garten
kam und auf den jungen Bumen eine Menge sah, dann habe ich diese jungen
Bume so stark geschttelt, da die Kfer smmtlich auf den Boden gefallen
sind; dadurch verhinderte ich die Verwstung, welche dieselben angerichtet
htten. Htte ich aber die jungen Bume ausheben knnen und htte sie
spazierend im Garten umhergetragen, dann htten die Maikfer ihr Unwesen
ruhig fortsetzen knnen. Gerade so ist es mit dem menschlichen Organismus,
in dem sich alle mglichen Stoffe ansetzen. Diese vermag ein Spaziergang
nicht zu beseitigen, dazu gehrt eine grere Anstrengung, wie sie bei
Ausfhrung von geregelten schweren Arbeiten stattfindet.

Was ich ber das Spazierengehen gesagt habe, gilt aber nur von jener Art
von Spaziergngen, wie sie gewhnlich gemacht werden. Es gibt aber auch
solche, die allerdings sehr dazu beitragen knnen, die Kraft des Krpers zu
heben und die Gesundheit zu befestigen. Letzteres ist zum Beispiel der
Fall, wenn man ziemlich rasch geht und dabei vielleicht noch einen Weg hat,
der eine Anhhe hinauf fhrt oder doch sonst mhsam ist. Es empfiehlt sich
sehr, bei solchen Spaziergngen den Krper, der leider nur zu oft bei der
Arbeit eine gebeugte Stellung einnimmt, recht gerade zu halten und die
Brust herauszubiegen. Fr die in derselben befindlichen Organe ist es
besonders gut, wenn man die Hnde etwa in der Mitte des Rckens
zusammenlegt, oder noch besser, wenn man den Spazierstock quer ber die
Schulterbltter in der Hhe der Achseln hlt und dann dessen Enden mit den
Hnden fat. Bietet sich Gelegenheit, so kann man auch hie und da einen
Sprung ber einen Graben machen oder sonst irgend welche Anstrengung der
Muskeln vornehmen. Man soll aber darauf achten, da nicht blo die Beine,
sondern auch die brigen Krpertheile in Thtigkeit kommen. Ich kannte zwei
Herren, die tglich in einem Wald spazieren gingen und dort die
verschiedensten bungen machten, um alle Krpertheile in Bewegung zu setzen
und zu strken, was auf ihre Gesundheit den wohlthtigsten Einflu hatte.

Wie krftigend Spaziergnge der bezeichneten Art auf den Menschen wirken,
sieht man unter Anderem an den Mrschen der Soldaten, welche in einer die
Muskeln anstrengenden Gangart, beladen mit Gepck und Waffen, oft weite
Strecken zurcklegen mssen. Wenn dabei keine beranstrengung der Leute
stattfindet, so ist das eine fr die Gesundheit recht wohlthtige bung.

Ich mchte an dieser Stelle darauf aufmerksam machen, da es gerathen ist,
beim Spazierengehen und besonders beim Bergsteigen den Mund geschlossen zu
halten und nur durch die Nase Athem zu holen. Sollte es aber nothwendig
werden, tief Athem zu schpfen, so mge man stehen bleiben und mit
geffnetem Munde einige krftige Athemzge machen.

Auch die _Lungengymnastik_ kann mit dem Spaziergange leicht verbunden
werden. Man bleibe unterwegs einige Minuten stehen und ziehe ganz langsam,
tief Athem holend, die frische Luft ein, halte sie ein wenig in den Lungen
zurck und athme sie dann ebenso langsam wieder aus. Am gnstigsten
geschieht Dieses in einem Walde, besonders in einem Fichtenwalde. Anfangs
mache man diese Lungenbung nur einige Mal hinter einander und strenge sich
vor Allem nicht zu sehr dabei an; spter kann man es fters thun. Besonders
empfehle ich diese bungen solchen Leuten, die schwache Lungen haben, wie
auch denen, die durch ihren Beruf zu vielem Sprechen genthigt sind. Was
die Wirkungen dieser Lungengymnastik angeht, so wird dadurch alle schlechte
Luft aus den Lungen herausgeschafft, wohingegen frische, reine Luft bis in
die uersten Theile derselben eindringt. Es ist dieses fr die Bildung des
Blutes, sowie fr dessen Reinigung ein hchst wichtiges Moment. berdie
werden die Lungen selbst durch genannte bungen gestrkt.

_Welche krperlichen Arbeiten_ sollen aber vorgenommen werden, wird Mancher
fragen; es fehlt mir an Zeit und an Gelegenheit hierzu. Antwort: Wenn
Jemand will, so kann er gewi von Zeit zu Zeit Holz sgen. Wie Viele
knnten auch in ihrem Garten graben! berhaupt meine ich: Was man will und
dehalb sucht, das findet man auch, und man wird sich daher schon eine
Gelegenheit verschaffen knnen, um in vernnftiger Weise seine Krperkrfte
zu ben. Ich habe in meiner Jugend die Landarbeit zu meiner Beschftigung
gehabt, besonders gern habe ich geackert. Als Priester kam ich nun eines
Tages zu einem Knechte, der am Ackern war. Ich wollte ihm zeigen, da ich
auch zu ackern verstehe, und begann damit; der Knecht ging neben mir und
htte sich gefreut, wenn es mir milungen wre. In einer halben Stunde war
ich aber so mde, da ich fhlte, meine Kraft sei bedeutend verringert. Ich
bin dann jeden Tag eine Stunde zu diesem Knecht gegangen, um zu ackern.
Nach einer Woche fhlte ich, da meine Leibeskraft sicherlich ums Dreifache
sich vermehrt hatte. Der Knecht hat an meiner Arbeit kein rgerni
genommen, und mir hat's gut gethan. Ich sage nochmals: Was wir wollen und
suchen, das finden wir gewi und auch die nthige Zeit dazu.

Sollte aber dennoch Jemand gar keine Gelegenheit zu krperlichen Arbeiten
finden knnen, so mge er, so gut es geht, durch die in neuerer Zeit
vielfach eingefhrte _Zimmergymnastik_ Ersatz dafr suchen. Ich bin der
Meinung, da man seiner Natur durch dieselbe ntzen kann, besonders wenn
man wei, wo es fehlt, und wie man helfen kann. Es kommen bei der
Zimmergymnastik die verschiedensten bungen in Anwendung, als: Bewegung
resp. Drehung der Hand- und Fugelenke, bung der Bein- und Armmuskeln,
letztere insbesondere auch durch den Gebrauch der eisernen Hanteln,
verschiedene Bewegungen des Kopfes, des Oberkrpers u. s. w. Die
Zimmergymnastik bringt dem Krper mehrere Vortheile. Es werden viele
lstige Gase ausgeleitet, das Blut kommt in grere Bewegung und wird den
uersten Krpertheilen zugefhrt. Die einzelnen Muskeln des Krpers werden
gebt und gestrkt. berdie wird die Wrme desselben erhht und sowohl die
Transpiration als auch die Verdauung befrdert. Es sei jedoch bemerkt, da
man diese Gymnastik nicht alsbald nach dem Essen betreiben soll, sondern
erst zwei bis drei Stunden nachher. Sogleich nach dem Essen die bungen
vorzunehmen, knnte sehr ble Folgen haben. Auch soll man sich nicht
bermig dabei anstrengen; denn berma taugt hier ebenso wenig als sonst
irgendwo. Besonders empfehlenswerth ist es, des Morgens gleich nach dem
Aufstehen einige bungen anzustellen. Nhere Auseinandersetzungen ber
Zimmergymnastik hier zu machen, wrde zu weit fhren. Wer dieselbe anwenden
will, findet Anleitung dazu in besonderen Werken, die diesen Gegenstand
grndlich behandeln. Ich mache noch darauf aufmerksam, da man in der
Zimmergymnastik ein gutes Mittel besitzt, nach einer Wasseranwendung wieder
trocken und warm zu werden, wenn man wegen schlechten Wetters oder aus
andern Grnden nicht ausgehen kann.

Ferner leistet auch oft Etwas gute Dienste, was man bisher unbeachtet
gelassen hat. Ich war einst genthigt, die ganze Nacht auf der Eisenbahn zu
fahren. Mir bangte davor, eine so lange Zeit sitzen zu mssen, weil ich
glaubte, dann nicht schlafen zu knnen. Ein gutmthiger Condukteur gab mir,
weil Platz genug vorhanden war, ein eigenes Coup. Meine Reisetasche machte
ich zu einem Kopfkissen, meinen berwurf zu einer Decke und legte mich auf
der Sitzbank nieder. Als der Zug im Laufe war, wurde ich hin und her
geworfen durch die verschiedenen Erschtterungen, und ein Hut wre an
meiner Stelle schlielich vom Sitze heruntergeworfen worden. Whrend dessen
dachte ich immer: Welche Wirkung mag doch wohl dieses bestndige Hin- und
Herschleudern auf deinen Krper haben? Meine Wibegierde wurde bald
befriedigt; mir wurde immer wohler, und als der Morgen kam, fhlte ich mich
so frisch, als wenn ich die beste Bettruhe gehabt htte, und ich merkte
vier Tage lang die wohlthtige Einwirkung. Aber wie kann denn, so mchte
wohl Mancher fragen, so Etwas gut sein? Ich antworte: Diese vielen kleinen
und greren Erschtterungen haben allgemeine Thtigkeit im Krper bewirkt,
ohne anzustrengen, in einem Mae, wie sie Jahre lang nicht mehr
stattgefunden hatte. Damit will ich freilich nicht sagen, da man jede
Nacht, statt zu schlafen, sich hin und herschaukeln lassen soll, sondern
nur Dieses, da man durch verschiedene Bewegungen und Anstrengungen der
Natur ntzen kann.


Wasser als Mittel zur Erhaltung der Krfte.

Ein zweites Mittel zur Erhaltung und Vermehrung der Krfte ist und bleibt
von der Kindheit bis an das Ende des Lebens das _Wasser_. Das Wasser nimmt
erstens alle berflssige Hitze fort, welche im Krper, sei es durch
Thtigkeit oder auf irgend eine andere Weise, entstanden sein mag. Zu groe
Hitze schadet dem Krper sehr. Zweitens verhindert das Wasser zu groe
Anhufung von Fett und schlechten Sften. Ein vernnftiger Hydropath wird
nie zu fettleibig werden. Bei Wasseranwendung lagert sich auch nicht so
leicht kranker Stoff in den verschiedenen Winkeln des menschlichen Krpers
ab. Drittens strkt das kalte Wasser, wie den ganzen Krper, so auch die
einzelnen Theile desselben. Wie eine Mhle durch den Wasserstrom getrieben
wird, so wird durch die Wasseranwendung die ganze Natur in grere
Thtigkeit gesetzt und bekommt mehr Frische. Strungen im Blutlauf schaden
dem Krper ungemein, aber durch das kalte Wasser wird der Blutlauf am
besten geregelt, wieder in Ordnung gebracht und darin erhalten. Wie das
Wasser zu groe Hitze dmpft, so wird es hingegen, wo Naturwrme fehlt, dem
Mangel daran abhelfen, und wenn es ein Schutzmittel gibt vor Krankheiten
aller Art, so ist die das Wasser, welches als ein wachsamer Schutzmann
nicht leicht Schdliches in den menschlichen Organismus eindringen lt.

Du wirst, lieber Leser, vielleicht fragen: Wie soll ich das Wasser
gebrauchen, um diesen Zweck zu erreichen? Die Antwort lautet: Ich habe vor
30 Jahren einem Beamten, der nach Aussage der rzte leberleidend und mit
Hmorrhoiden geplagt war, und der zudem keine Medizin einzunehmen
vermochte, gerathen, er solle in der Woche zwei- bis dreimal einen
krftigen Spaziergang machen, so da er in ziemlich starken Schwei komme,
sein ganzer Krper sich erhitze, und das Blut in krftigen Lauf gebracht
wrde. Dann solle er so rasch wie mglich in seine Waschkche gehen, dort
ein kaltes Bad nehmen, hchstens eine halbe Minute lang, aber nur bis zur
Magengegend sich ins Wasser setzen und whrend dessen den oberen Krper
flchtig abwaschen. Darauf solle er sich rasch wieder anziehen und Bewegung
machen, bis er vollstndig trocken und warm sei. So schwer es diesem
Beamten anfangs vorkam, alle Vorurtheile zu berwinden, die er dagegen
hatte, im Schweie ins kalte Wasser zu gehen, gerade so begeistert war er
spter dafr, Die zu thun. Dieser Beamte erreichte ein sehr hohes Alter.

Ein Priester in den schnsten Lebensjahren, der von verschiedenen
Krankheiten geplagt war, wurde durch eine geregelte Wasseranwendung von
allen seinen Leiden geheilt. Um spter geschtzt zu sein gegen Erkrankung
und mit aller Kraft seinem hohen Berufe vorstehen zu knnen, gab ich ihm
den Rath, jeden Morgen beim Aufstehen ein Halbbad zu nehmen oder auch ein
Vollbad, aber nur eine halbe Minute lang. Diese bung erhielt jenen
Priester in seiner vollen Rstigkeit und Gesundheit.

Ich knnte einen andern Priester nennen, der 20 Jahre hindurch fast jede
Nacht vom Bett in seine Waschkche ging, ein Halbbad nahm und wieder in
sein warmes Bett zurckkehrte; durch diese Bder hat er seinen Krper in
vollster Frische und Kraft erhalten.

Wer die Gelegenheit nicht hat, ein Halb- oder Vollbad zu nehmen, der kann
durch eine Kaltwaschung sich auerordentlich ntzen. Auch diese nimmt zu
groe Hitze fort, vermehrt hingegen die geschwchte Krperwrme und
verhilft der ganzen Natur zu ihrer vollen Thtigkeit.

Ein Mdchen, das viel krnkelte und nirgends Heilung finden konnte, stellte
seine verlorene Gesundheit und Kraft dadurch wieder her, da es zwei- bis
dreimal in jeder Woche in der Nacht eine Waschung des ganzen Krpers
vollzog und zweimal wchentlich Nachts ein Sitzbad von einer Minute nahm.

Aus dem Gesagten wird Jedem klar sein, welche Bedeutung das Wasser hat zur
Krftigung des Krpers und zum Schutze wider Krankheiten. Daher kann das
Wasser als Mittel zur Erhaltung der Gesundheit nicht warm genug empfohlen
werden.

Bei diesem Kapitel mchte ich jedoch ernstlich warnen vor allem bereifer.
Whrend die Einen das Wasser wie den Lucifer frchten, so gibt es
andrerseits auch Solche, denen dasselbe so wohl behagt, da sie nie genug
bekommen knnen. Das ist besonders der Fall, wenn sie den Wasseranwendungen
ihre Heilung und Gesundheit verdanken. Man soll auch hierbei Ma und Ziel
halten. Der Fuhrmann mu eine Peitsche haben, um die Zugthiere nthigen
Falls antreiben, aber ja nicht, um seine Pferde recht oft damit zchtigen
zu knnen. Man bertreibe nicht mit Wasseranwendungen, ich warne Jeden
ernstlich davor, damit er nicht durch zu viele Anwendungen seine Naturwrme
schwcht und so einem fr die Natur schdlichen Feind Eingang verschafft,
nmlich der Klte.

Aus dem Gesagten wird klar ersichtlich sein, da nicht blo die Kranken,
sondern auch die Gesunden die angegebenen Mittel zur Erhaltung und Strkung
der Krperkrfte gebrauchen sollen. Diese glauben gewhnlich, sie
brauchten, eben weil sie gesund seien, nichts zu thun. Solche kommen mir
vor wie ein recht starker Mann, der die Thre nicht schliet, weil er
glaubt, wenn ein Spitzbube komme, werde er ihn bald hinausgeworfen haben.
Eines schnen Tages aber wird er inne werden, da ein schlauer Spitzbube
ihn doch ausgeraubt habe. Man trgt ja eifrig Vorsorge, da die
Lebensmittel nicht ausgehen; soll denn nicht auch eine der ersten Sorgen,
nach der Sorge fr die Seele, die sein, da man seine Gesundheit erhlt?
Die Pflicht der Selbsterhaltung fordert dazu auf, und gewi bleibt Keiner
ohne Strafe von seinem Schpfer, wenn er eines der edelsten Gter, seine
Gesundheit, leichtsinnig vernachlssigt. Mge darum jeder gesunde Mensch
das thun, was ich zur Erhaltung der Gesundheit angerathen habe. Es ist eine
Hauptpflicht, das Wohl des Nchsten zu befrdern, wozu uns auch die
Religion besonders nachdrcklich auffordert. Jeder Vernnftige ist auch
froh, wenn ihm ein guter Rath gegeben wird, wodurch er ein hheres Glck
erreichen oder vor einem Unglcke bewahrt bleiben kann. Darum habe ich die
im Vorstehenden enthaltenen Rathschlge gegeben. Manche werden vielleicht
dieselben gering schtzen und unbeachtet lassen. Es ist sehr oft eine
undankbare Arbeit, Andere darauf aufmerksam zu machen, da ihnen keine gute
Zukunft in Aussicht steht, wenn sie nicht bei Zeiten Vorsorge treffen. Sage
man einem Trinker, er werde in 4-5 Jahren seine Gesundheit untergraben
haben, falls er von seiner Unmigkeit nicht ablasse. Er kann's nicht
glauben; ja er wird am Ende noch bse ber eine solche gutgemeinte und
begrndete Warnung. Wenn er aber, von der Trunksucht zu Grunde gerichtet,
seinem Lebensende nahe ist, dann mchte er freilich Hlfe. Ich habe schon
oft den Versuch gemacht, Bekannte, wenn sie ein krankhaftes Aussehen hatten
oder von Vorboten der herannahenden Krankheit erzhlten, aufzumuntern,
durch das Wasser dem bel vorzubeugen, aber nur selten ist es mir gelungen,
sie dazu zu bringen.

Ein Amtsbruder klagte mir einst einige Gebrechen und fragte, ob ich kein
Mittel wisse, um dieselben zu beseitigen, aber nur nicht mit Wasser, zu
dessen Gebrauch lasse er sich nicht bewegen. Da er das Wasser als
Hlfsmittel nicht anwenden wollte, so kam es, wie ich gedacht hatte. Nach 6
Monaten starb er im schnsten Mannesalter.

Ich wurde einst vor Gericht geladen, weil ich verklagt worden, da ich die
Leute kurire und den rzten das Brod entziehe. Der Beamte sagte mir, ich
solle davon abstehen, mit Wasser zu kuriren. Hierauf gab ich zur Antwort:
Soll man die Hlflosen ohne Hlfe, und die man noch gut und leicht retten
knnte, sterben lassen? Darauf erwiderte er, es sei nicht mein Fach, die
Leute zu kuriren, ich solle es den Fachmnnern berlassen. Als ich aus der
Kanzlei heraustrat, traf ich zwei Mnner, welche wuten, warum ich vor
Gericht geladen war, und sie fragten mich, wie es mir ergangen sei. Mir
ging es gut, entgegnete ich, man konnte und kann mir nichts anhaben. Der
Beamte rieth mir, mit Wasser nichts mehr zu thun, und gerade dieser wrde
es am nothwendigsten gebrauchen knnen; denn in Blde wird ihn der Schlag
treffen, es sind schon viele zuverlige Vorboten da. Nach 14 Tagen hat
denn auch wirklich ein Schlaganfall ihn getroffen, und er starb nach kurzer
Zeit. Ich war der berzeugung, man htte dieses bel recht gut verhindern
knnen.

Wenn man also durch seine Berufspflichten nicht schon die gehrige Bewegung
und Arbeit zur Erhaltung und Ausbildung seiner Leibeskrfte sowie zur
Abhrtung seines Krpers hat, so sollte man recht froh sein, im Wasser ein
Mittel zu haben, wodurch Gesundheit und Kraft bewahrt und vermehrt werden
kann, und der Krper abgehrtet und ausdauernd wird.

Ist das Wasser fr den gesunden Menschen ein vorzgliches Mittel, seine
Gesundheit und Kraft zu erhalten, so ist es auch in der _Krankheit_ das
_erste Heilmittel_; es ist das natrlichste, einfachste, wohlfeilste und,
wenn recht angewendet, das sicherste Mittel. Wie aber das Wasser in den
einzelnen Fllen verwendet werden soll, wird spter durch Beispiele nher
erlutert werden.




Sechstes Kapitel.

Wohnung.


Wer sich ein Haus bauen will, der schaut sich zuerst nach einem geeigneten
Platz um. Er achtet darauf, da dieser nicht sumpfig sei, und er so ein
ungesundes Haus bekomme; da der Grund fest sei, damit das Haus nicht
einfalle; da er eine freie Aussicht erhalte und frische Luft habe. Wie er
bei der Auswahl des Bauplatzes vorsichtig ist, so wendet er auch die grte
Sorgfalt an, da das Haus gut und seinen Bedrfnissen entsprechend gebaut
wird, damit er nicht nach Vollendung des Baues genthigt sei, nochmals zu
bauen, weil er vorher nicht wohl berlegt hatte. Alles nun, was der Erbauer
eines Hauses bercksichtigt, das soll man gleichfalls bei der Wahl einer
Wohnung beachten. Man wohne nicht in einem Hause, das an einem feuchten
Platze steht; denn in einem solchen findet man sicher keine gesunde
Wohnung. Ist der Grund feucht, werden auch die Mauern feucht. Feuchte Wnde
sind aber schdlich, weil sie die Luft nicht durchlassen, also die
eingeschlossene Luft ganz schlecht werden mu. Wie hufig kommt in
Wohnungen in Folge der Feuchtigkeit der Mauerfra vor! Von unten herauf
lst sich der Mrtel oder Anwurf stckweise ab, und Salpeter bildet sich in
den Mauern. Wenn dieses Mauerbel vorhanden, darf man sich gar nicht
wundern, da jeder Bewohner des Hauses ber Etwas zu klagen hat; besonders
nachtheilig aber wird dasselbe fr die Kinder. Wie die Mauern fters von
unten herauf Mauerfra haben, so bekommen sie auch sehr hufig feuchte,
selbst ganz nasse Flecken, die gewhnlich den Bewohnern ein sicherer
Wetteranzeiger sind. Sieht man, da die Mauer na ist, so sagt man, es
kommt bald Regen; stehen Tropfen auf der Mauer, so heit es, ein recht
starker Regen wird kommen. Wenn die Bewohner in einem solchen Hause nicht
wissen, wie schdlich die Ausdnstung von solchen Mauern ist, dann sind sie
zu bedauern, weil sie auch keine Mittel anwenden, dieselbe, so weit es
mglich ist, unschdlich zu machen. Durch eine recht gute, geregelte
Lftung kann hier viel, sehr viel geschehen, um beln vorzubeugen. Man mu
recht sorgen, da die schlechte Luft stets ausstrmen und eine gesunde
eindringen kann. Hat aber das bel weit um sich gegriffen an einer Mauer,
dann soll man's dieser machen wie einem alten Rock, der unbrauchbar
geworden ist. Man schafft sich dann einen andern an. Wenn man feuchte Rume
eines Hauses gar nicht lftet, so werden nach und nach auch alle anderen
Rume des Hauses mehr oder weniger schdlich fr die Gesundheit.

Wie in dem besprochenen Falle, so mu berhaupt groe Sorge getragen werden
fr eine gute _Lftung_. Auch in unbewohnte Zimmer soll stets der freien
Luft Zugang gestattet werden. Besonders aber soll man darauf achten, da
zur allgemeinen Wohnstube ein Zimmer gewhlt werde, in das eine frische,
gute Luft stets Zugang haben kann. Eine feuchte, dunkle Wohnstube, in
welche wenig oder selten oder vielleicht gar kein ordentliches Licht und
keine gute Luft dringen kann, ist mehr ein Kerker als ein Wohnraum, und die
Bewohner eines solchen sind bedauernswerthe Leute. Der Aufenthalt darin ist
den Erwachsenen sehr schdlich, noch mehr aber den Kindern, die bereits
halb krank auf die Welt kommen und in dieser elenden Luft schon in der
Wiege verkmmern mssen. Noch schdlicher aber als eine Wohnstube, die des
hinreichenden Lichtes und gesunder Luft entbehrt, ist eine Schlafstube, der
es hieran mangelt. Aus dem Wohnzimmer geht man doch mehrmals im Tage hinaus
und athmet dann wieder frische Luft; im Schlafzimmer aber verbleibt man
unausgesetzt die ganze Nacht hindurch. Mde und erschpft vom Tagwerk legt
sich der Mensch darin am Abend auf sein Ruhebett nieder, und in langen
Zgen athmet er die fr seine Erhaltung erforderlichen Stoffe ein,
besonders Sauerstoff. So wird seine Natur erquickt und gestrkt fr das
kommende Tagewerk. Wenn nun aber im Schlafzimmer feuchte Wnde die Luft
verderben, und wenn dasselbe nicht fleiig zum Lften geffnet wird, dann
bekommt ja der Mensch, statt Stoffe zur Befrderung der Gesundheit, nur
solche, die dieselbe verderben. Nichts ist so nachtheilig als eine
eingesperrte Luft im Schlafzimmer. Dieser ergeht es wie dem Wasser, das
keine Bewegung hat und faul wird. Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich
irgendwo bernachtete, und der Zimmergeruch zeigte mir an, es wird nicht
fleiig gelftet, so hatte ich jedesmal am Morgen einen kleinen Katarrh und
dazu noch einen eingenommenen, schweren Kopf. Als ich aber den Vorsatz
gemacht, wo immer ich bernachten mge, stets ein Fenster zu ffnen, sei es
Sommer oder Winter, blieb ich jedesmal von beiden beln frei. In dem
Angefhrten liegt auch der Grund, wehalb man allgemein behaupten hrt,
wenn man in einer fremden Wohnung schlafe, knne man nicht so gut schlafen,
wie zu Hause. Ich gebe zu, da das Ungewohnte etwas strend wirkt; aber
vielfach wird die Hauptursache in der ungnstigen Zimmerluft zu suchen
sein. Wenn die Mauern einmal durch Vernachligung des Lftens verdorben
sind und in ihrem feuchten Zustande alles Mgliche aufgenommen haben, so
lt sich das nicht in kurzer Zeit oder gar in wenigen Minuten verdrngen,
wie Einige glauben. Das beweist der eigenthmliche Geruch, den ein wenig
oder gar nicht gelftetes Zimmer lange Zeit behlt. Es brauchen brigens
die Mauern nicht einmal feucht zu sein; um die Luft im Zimmer schlecht zu
machen, gengt es, da dasselbe nicht ordentlich gelftet wurde.

Noch nachtheiliger wirkt es auf die menschliche Natur, wenn Mehrere in
einem nicht gehrig gelfteten Zimmer schlafen. Schon das Ausathmen von
mehreren Personen und das Ausdnsten von mehreren Betten wirkt nachtheilig
auf die Luft. Durch das Einathmen solch' verdorbener, mit Kohlensure
angefllter Luft wird man aber matt und mde, statt am Morgen mit frischen
Krften zur Arbeit gehen zu knnen. Es kann dehalb nicht genug empfohlen
werden, da man ein Schlafzimmer whle, in das die Sonnenstrahlen recht
eindringen knnen, und in welchem der freien Luft der Zugang nicht
abgesperrt ist.

Die Wohn- und Arbeitszimmer mssen im Winter natrlich geheizt werden, aber
gar oft wird hierin das rechte Ma nicht eingehalten. Die Natur ist wie
Wachs; man kann sie an fast Unglaubliches gewhnen in der einen wie in der
anderen Richtung. Es gibt Leute, die einheizen bis 16, ja 20 Grad Wrme,
und dabei fhlen sich solche Leute oft ganz behaglich; man kann aber auch
viele antreffen, die mit 12 bis 14 Grad sich begngen. Welche Klasse ist
nun besser daran? Wenn die Heizung in den Wohn- und Arbeitszimmern zu
stark ist, so verweichlicht sie die menschliche Natur, und dehalb vermgen
solche Leute die Klte nicht mehr zu ertragen. Aber ein noch greres bel
besteht darin, da die Feuerung Sauerstoff verzehrt. Die eingeathmete Wrme
macht auch die Athmungsorgane recht empfindlich gegen die Klte. Wie wohl
thut's, wenn man aus einem heien Zimmer in die frische, wenn auch kalte
Luft hinauskommt, wie erfrischt das, und wie behaglich fhlt man sich
dabei! Gerade das Gegentheil tritt aber ein, wenn man aus der frischen Luft
in ein zu sehr geheiztes Zimmer kommt. Wer viel in Gottes freier Natur auch
zur Winterszeit sich aufhlt und in keinem zu sehr geheizten Zimmer wohnt
und sich auch vernnftig kleidet, der wird nicht leicht einen Katarrh
bekommen. Wer aber das Gegentheil thut, wird selten ohne Katarrh sein. Hat
er ein Katarrhfieber durchgemacht, so wird bald wieder ein anderes seiner
warten. Denken wir uns nur den schroffen Wechsel, wenn man aus einer Wrme
von 20 bis 25 Grad pltzlich hinaustritt in die freie Luft, wo eine Klte
von 7-15 oder noch mehr Graden herrscht. Einen solchen Wechsel vermag eine
verweichlichte Natur am allerwenigsten auszuhalten. Sie unterliegt, und das
Fieber bekommt die Herrschaft. Ist aber der Mensch abgehrtet, die Kleidung
entsprechend, so wird der Wechsel von der nicht bermigen Zimmerwrme in
die freie Natur ihm nichts anhaben und leicht ertragen werden.

Du fragst mich, lieber Leser: Welche Wrme soll man denn im Wohnzimmer
haben? und ich antworte dir: 15 bis 19 Grad, ausnahmsweise auch 20 Grad,
ist die beste; was aber ber 20 Grad ist, gereicht zum Nachtheile deiner
Gesundheit. Es werden nun vielleicht manche Landleute sagen: Wir haben
groe Wrme am liebsten, und wenn's 20 bis 27 Grad hat, ist's uns am
wohlsten beim Ofen. Landleute, die den Tag hindurch in der kalten, freien
Natur arbeiten, gegen den Wechsel von Wrme und Klte durch das Arbeiten
abgehrtet sind, und den ganzen Tag ber die beste, reinste Luft
eingeathmet haben, denen wird die warme Zimmerluft am Abend auf ein paar
Stunden kaum schaden, zumal sie die schwerere Arbeitskleidung ablegen und
bei ihrer gewhnlichen Hauskleidung im warmen Zimmer verweilen. Was aber
einem abgehrteten Bauer nichts schaden kann, das kann einen Schwchling
halb umbringen. Wer also die goldene Mittelstrae gehen will, der heize
sein Wohn- und Arbeitszimmer bis 15, hchstens 20 Grad Celsius Wrme, und
er wird sich wohl dabei fhlen.

Vor 50 bis 60 Jahren konnte man in manchem Dorfe vielleicht nicht in einem
einzigen Schlafzimmer einen Ofen finden; heut zu Tage aber kann man hufig
einen solchen dort treffen. Es gibt viele Leute, die am Abend ihr
Schlafzimmer heizen; sie glauben dadurch etwas Besonderes fr die Erhaltung
ihrer Gesundheit zu thun. Ich versichere Allen, da sie sich dadurch mehr
schaden als ntzen. Denn erstens gewhnen sich Solche viel zu sehr an die
Wrme, die empfindlich und schlaff macht; zweitens werden alle
Krankheitsstoffe durch diese Wrme gleichsam aufgeweckt; das Schlimmste
aber ist, da der Sauerstoff von der Feuerung aufgezehrt wird und oft sehr
schdliche Verbrennungsgase sich bilden. Gerade dann, wenn wir so recht in
langen Zgen athmen, wie es im Schlafe der Fall ist, wirken jene um so
verderblicher. Besonders nachtheilig ist auch der Wechsel der Temperatur in
einem solchen Schlafzimmer. Wenn der Mensch von der Wrme in die Klte
hinausgeht, so steigert sich durch das Gehen die Krperwrme, und der
Wechsel vermag dann nicht so viel zu schaden. Wenn aber das Schlafzimmer am
Abend eine Wrme von 20 Grad Celsius hat und diese, whrend man ruhig
daliegt, in vier bis fnf Stunden auf 9-10 Grad sinkt, so hat ein solcher
Wechsel gewi nicht die besten Folgen. Auch ist Dieses sehr nachtheilig,
da man zu immer grerer Verweichlichung kommt. Frage man recht
hochbetagte Leute, ob man in ihrer Jugendzeit eine solche Schwche und
Armseligkeit und so viele Krankheiten wie heut' zu Tage gekannt habe;
damals aber schlief Jeder im ungeheizten Zimmer. Ich bin der berzeugung,
da gerade die kalte, frische Luft am gnstigsten aufs Blut einwirkt, und
da hingegen die erwrmte Luft das Blut verschlechtert. Und sollte wirklich
bei schwchlichen, alten Leuten eine Heizung nothwendig sein, so wrde doch
eine Wrme von 10 Grad, hchstens aber 12 Grad Celsius gewi ausreichen.
Endlich kommt beim Heizen der Schlafzimmer noch der belstand hinzu, da
man die Wrmegrade immer mehr erhht, wenn man einmal angefangen hat zu
heizen, weil die Verweichlichung durch die Heizung zunimmt.

Es gibt aber noch eine ganz besondere Art der Heizung in den Schlafzimmern,
die darin besteht, da man den Ofen im Bett hat, nmlich _Flaschen_ mit
heiem Wasser gefllt. Der wird wohl miserabel daran sein, der nicht mehr
so viel Wrme hat, da er sein Kleid anziehen kann, ohne es vorher zu
erwrmen! Und ist das Bett schlielich etwas Anderes als das Nachtkleid?
Gerade durch das Erwrmen des Bettes mit heien Flaschen wird nicht nur
verhindert, da sich neue Naturwrme bildet, sondern die Fe werden noch
mehr verweichlicht. Diese knstliche Wrme trocknet auch die Fe zu sehr
aus. Und wie will man den Wechsel von dieser knstlichen Bettwrme und der
herrschenden Temperatur im Freien, besonders wenn es recht kalt ist,
ertragen? Wie also die Heizung der Schlafzimmer sehr nachtheilig auf den
ganzen Krper einwirkt, so wird diese knstliche Bettwrme im Besondern
noch schdlich fr die Fe sein. Man wird auf solche Weise gebrechlich und
will doch nicht glauben, da man selbst schuld daran ist.

Es entsteht nun die Frage: Wenn das Heizen der Schlafzimmer und das
Erwrmen des Bettes nachtheilig ist, soll dann der schroffeste Gegensatz
angewendet und am Ende gar zur Winterszeit das Fenster im Schlafzimmer
geffnet werden? Man sagt doch allgemein, die Nachtluft sei schdlich.
Hierauf ist zu antworten: Wenn die Nachtluft wirklich schdlich wre, dann
htte der Schpfer bei der Erschaffung und Regierung der Welt einen Fehler
gemacht. Es ist sicher die freie, reine Luft die beste. Man denke berdie
an die alten Htten, wie es deren noch vor einem halben Jahrhundert so
viele gab; dieselben waren hufig nur aus Balkenholz zusammengefgt und
durch manche Ritzen htten selbst die Sonnenstrahlen scheinen knnen. Wie
gleichgltig ging man ferner mit dem Fensterverschlu um! Es gefror Alles
in den Schlafzimmern, was nur gefrieren konnte. Es war darin dieselbe
Temperatur und Luft, wie im Freien, nur etwas ruhiger. Hat das den Leuten
geschadet? Nicht im Mindesten! Damals habe ich auch nirgends eine
Bettflasche gesehen oder einen Ofen im Schlafzimmer. Jeder war im Stande,
sein Nachtkleid, das Bett selbst zu erwrmen -- ein Beweis, wie abgehrtet
und ausdauernd die Leute damals noch waren. Niemand klagte ber Nachtklte
oder schlechte Nachtluft. Ich habe Wochen hindurch selbst bei 12 und 15
Grad Klte immer ein Fenster meines Schlafzimmers offen gehabt, und ich
habe mich nie frischer und wohler gefhlt, als zu dieser Zeit. Dehalb aber
rathe ich nicht, man solle alle Fenster ffnen und solle auf einmal,
nachdem man sich verweichlicht hat, sich der kalten Temperatur aussetzen.
Das hiee freveln. Aber wenn die menschliche Natur durch das kalte Wasser
nach und nach vernnftig abgehrtet wird, dann knnte es Jeder dazu
bringen, bei offenem Fenster zu schlafen. Durch Abhrtung und eine
entsprechende nahrhafte Kost mu die Blutarmuth vorerst gehoben und die
widerstandsunfhige Natur krftig und ausdauernd gemacht werden. Was der
Mensch ertragen kann, beweisen uns die vielen in Wagen herumziehenden
Leute, die zu jeder Zeit im Freien leben und ruhen, sei es Winter oder
Sommer. Sie sind immer fr die herrschende Jahreszeit abgehrtet und
brauchen am wenigsten Arzt und Apotheke. Was halten ferner die Thiere des
Waldes aus, die im Sommer wie im Winter Nacht und Tag im Freien zubringen
und nur durch einen dichteren Pelz im Winter gegen die Klte geschtzt
sind! Will sich Jemand abhrten und auch Nachts frische Luft einathmen, so
mu dafr groe Sorge getragen werden, da durch das offenstehende Fenster
nicht der Wind hineinkommt, der einer Zugluft gleich dem ruhig Schlafenden
in der ersten Nacht schon einen ordentlichen Katarrh bringen wrde. Es ist
auch keine Nothwendigkeit, da ein Fenster im Schlafzimmer ganz geffnet
sei; es reicht aus, wenn nur irgendwie gute Luft in dasselbe eindringen
kann, so da die Luft in demselben frisch und gesund bleibt. Man ffne
aber, wenn es mglich ist, nicht den unteren, sondern den oberen Theil des
Fensters. Htte ich das Glck, durch diese Worte recht Viele zu berzeugen,
wie schdlich die Verweichlichung ist und wie glcklich die Abhrtungen
machen, und wrden sie dann anfangen, vernnftig sich abzuhrten und
womglich nur gute, gesunde Luft einzuathmen bei Tage wie zur Nachtzeit:
wie viele Tausende wrden frei werden von Krnklichkeit und Siechthum und
sich wieder ihres Lebens freuen knnen! Es leben in der That viele
Menschen, denen durch die Armseligkeit ihres Krpers das Leben eine groe
Qual ist; wenn diese dann durch Verweichlichung und Mediziniren ihr Heil
suchen wollen, so finden sie nur um so leichter ihren Todtensarg.

Ein anderer groer Fehler ist es, da die Ruhesttte selbst in unserer Zeit
vielfach ein Werkzeug zur Verweichlichung ist. Frher schliefen Tausende
auf dem Strohsack; denn sie hatten nicht die Mittel, sich ein weiches Bett
anschaffen zu knnen. Ich erinnere mich noch recht gut, wie man von Krieg,
Theuerung und Kriegsschulden erzhlte, die das Land drckten, und wie
dehalb die ganze Hauseinrichtung und Lebensweise recht armselig war. Arme
Leute lagen auf ihrem Strohsack, hatten unter dem Haupt ein Strohpolster
und ein einziges Kopfkissen und zum Bedecken ein einfaches Oberbett.
Trotzdem waren Ruhe und Schlaf s. Nichts ist schdlicher, als auf einem
weichen Federbett zu liegen, weil dieses auerordentlich viel Hitze
entwickelt und die Natur verweichlicht und schlaff macht. Die Oberbetten
sind gewhnlich mit Flaumfedern gefllt und hufig mit so vielen, da sich
eine viel zu groe Wrme entwickelt. Mu dann der Mensch aus dieser Wrme
hinausgehen in die frische, kalte Luft, so zieht er sich leicht einen
Katarrh zu. Hat aber Jemand auer einem solchen bertrieben dicken Oberbett
noch einen warmen Ofen im Schlafzimmer, so ist Alles geschehen, um der
Gesundheit zu schaden. Heut zu Tage taucht auch noch eine andere schne
Mode auf, nmlich Betttcher aus Schafwolle herzustellen. Es war nicht
genug der Verweichlichung, ein Oberbett mit viel zu viel Flaumfedern zu
haben, dazu noch Wolldecken, die allein zum Zudecken ausgereicht htten:
man sucht jetzt auch noch durch wollene Betttcher die Wrme zu erhhen.
Dadurch verweichlicht man sich nur noch mehr und macht sich noch mehr
unfhig, schdlichen Einflssen zu widerstehen. Man darf sich ferner nicht
wundern, da so viele Leute ber Kopfweh und ber Blutandrang zum Kopf
klagen, wenn zwei bis drei Kopfkissen mit Flaumfedern gefllt fr den Kopf
recht viele Hitze entwickeln. Kommt dann der Kopf aus der Kopfkissenwrme
in eine kalte Luft, so wird Frsteln und Erkltung nicht verhtet werden
knnen.

Willst du dir nun, lieber Leser, ein recht geeignetes Nachtlager bereiten,
so mchte ich dir Folgendes rathen. Lege auf deinen Strohsack eine feste
Matraze und ein festes Kopfpolster, ber letzteres nur ein einziges
Federkissen. Wenn du eine Wolldecke zum berdecken willst, so habe ich
nichts dagegen, falls du ein Leintuch darber nhst. Gebrauchst du aber ein
Oberbett, so habe dieses recht wenig Federn oder Flaumen, damit sich nicht
zu viel Wrme entwickle, wie bereits oben gesagt ist. Die Verweichlichung,
welche vielfach durch die Kleidung verursacht wird, fhrt auch gewi zur
Verweichlichung durch das Bett und umgekehrt. Wer durch Lebensweise und
Kleidung sich abgehrtet hat, dem kann ein modernes, weiches Bett nicht
behagen. Wer hinwiederum anfngt, sich eines verweichlichenden Bettes zu
bedienen, der wird sich auch bald mit einer ausreichenden Kleidung nicht
mehr begngen, sondern eine bermig warme gebrauchen. Mchte man sich
doch vor beiden hten und sich in vernnftiger Weise abhrten; denn wer
sich verweichlicht durch Kleidung und Bett und schlechte Luft einathmet,
der wird sich ein recht bles Loos bereiten.

Wie in den genannten Stcken im Allgemeinen viel gefehlt wird, so auch
sehr hufig in der Herrichtung des Bettes. Wenn man in 15 bis 20 Huser
gehen und die Betten mit einander vergleichen wrde, so fnde man fast in
jedem Hause etwas Anderes, und in vielen Betten wrde man zu einem wahren
Krppel gemacht, wenn man sich hineinlegen wrde. Es ist sehr hufig Mode,
da man statt eines Strohsackes Federmatrazen hat; legt man sich darauf,
dann werden die Federn zusammengepret, und es gibt dort eine groe
Vertiefung, wo die Schwere des Krpers drckt. Dann liegen die Fe hoch,
der mittlere Theil des Krpers liegt in einer Vertiefung, dem Oberkrper
werden drei bis vier Kissen zur Unterlage gegeben, und so befindet sich der
Ruhende in einer ganz ungesunden Lage im Bett. Wer gut schlafen und sich
eine erquickende Nachtruhe verschaffen will, der soll sein Bett horizontal
machen, und die Erhhung, worauf der Kopf ruht, soll nicht mehr betragen,
als die Entfernung von der Schulter zum Kopf. Man soll auch beim Schlafen
die Fe nicht einziehen und die Kniee nicht krmmen, weil dadurch der
Blutlauf behindert wird und recht leicht Blutanstauungen gebildet werden.
Wer fr den Krper, insbesondere fr den Blutumlauf, am vortheilhaftesten
liegen will, der halte die Beine ziemlich ausgestreckt. Auch die Hnde
sollen nicht gebogen sein, gleichfalls um den Blutlauf zu begnstigen und
um Blutanstauungen zu verhindern. Auf der linken Seite zu liegen ist nicht
bei Allen rathsam und bei Vielen gar nicht mglich, weil bei dieser Lage
das Herz zu viel belastet wird. Das Beste ist, halb auf der rechten Seite
und halb auf dem Rcken zu liegen und dabei die Arme und Beine ziemlich
gerade zu halten, so da am ganzen Krper keine besonderen Krmmungen sich
finden. Dann geht der Blutlauf am leichtesten von statten. Das Ruhebett
soll ferner nicht zu schmal, noch auch zu kurz sein, mit einem Worte, man
soll recht bequem darin liegen knnen. Die Bedeckung sei ebenfalls breit
und lang, damit nicht bei etwaiger Bewegung im Schlaf kalte Luft eindringt,
wodurch recht leicht in wenigen Minuten ein Rheumatismus sich einstellen
kann. Viele gibt es, die selbst zur Nachtzeit an den Leib festanschlieende
Unterbeinkleider tragen und auf diese Weise auch den Blutlauf stren. Das
soll man nicht thun. Auch der Hemdkragen soll, ebenso wie die vorderen
Enden der rmel nicht geschlossen sein. Schliet sich ersterer fest an den
Hals, so kann im Schlafe leicht eine Spannung eintreten; diese bewirkt
Blutstauung am Halse und so eine hhere Wrme. Wird dann kalte Luft
eingeathmet, so kann recht leicht Jemand in der Nacht einen ordentlichen
Katarrh bekommen. Es gibt auch Leute, welche, um warme Fe zu bekommen, in
der Nacht Strmpfe anhaben und diese mit Strumpfbndern festbinden. Gerade
die Strumpfbnder bewirken gern Strungen im Blutlauf. Ein groer Theil
Derjenigen, die Krampfadern an den Fen haben, haben sich dieses Elend
selbst zuzuschreiben durch das zu feste Binden. Die verschiedenen Kleider
nun, wie Unterhosen, Strmpfe u. s. w., welche man zur Nachtzeit am Leibe
trgt, bewirken aber nicht nur Strungen im Blutlauf, sondern auch eine
ungleichmige Krperwrme, und auch dadurch wird der regelmige Blutlauf
beeintrchtigt. Die Nachthaube ist gleichfalls verwerflich, weil sie die
gehrige Abhrtung hindert und durch die Wrme das Blut mehr in den Kopf
zieht. Durch Beides knnen leicht Katarrhe entstehen.

Ich werde vielleicht wegen solcher Regeln fr die Gesundheit von Manchem
ausgelacht werden, und mancher Haubentrger wird sagen: Ich fhle mich wohl
in meiner Haube und bleibe dabei. Und die, welche Strmpfe und andere
Kleidungsgegenstnde im Bette tragen, werden Dasselbe sagen. Allen Diesen
entgegne ich: Thu' Jeder, wie er mag! Sollte er auch jetzt noch ber nichts
zu klagen haben, so ist es doch noch lange nicht sicher, da er spter
nicht viel Ursache zu Klagen haben wird. Bei gar vielen Leiden liegt zu
klar am Tage, da sie in dem Angegebenen ihren Ursprung haben.

Ich wurde schon fters gefragt, ob man vor dem Schlafengehen ein anderes
Hemd anziehen solle wegen des Schweies, oder ob man das Tageshemd auch in
der Nacht anbehalten solle. Ich glaube, es ist hier nur ein kleiner oder
gar kein Unterschied fr die Gesundheit. Man soll berhaupt in der Nacht
nicht schwitzen, und wenn das doch hufig geschieht, so ist sicher das Bett
nicht in Ordnung. Wie Jemand, wenn er irgendwo sitzt, nicht in Schwei
kommt, so soll auch whrend der Nachtruhe ein solcher nicht eintreten. Der
dennoch eintretende Schwei ist selbstverschuldet, wofern Jemand nicht
krank ist.


Krankenstube.

Ist bisher von der Wohnung im Allgemeinen die Rede gewesen, so soll nun
noch ein Wort ber Kranken-Huser und -Zimmer gesprochen werden. Kommt man
in ein Spital, das von guten Vorstehern geleitet ist, und berblickt dessen
innere Einrichtung, dann thut es einem wahrhaft wohl, wenn man Alles so den
Bedrfnissen und dem Zustande der Kranken angemessen findet. Kommt man aber
in die Krankenzimmer bei manchen Familien, so mchte man mit den Kranken
ein doppeltes Mitleid haben, einmal weil sie leidend sind, und dann, weil
sie nicht die entsprechende Pflege haben. Allererst wird regelmig zu viel
eingeheizt, wodurch die kranke Natur noch mehr verweichlicht wird. Dabei
wird die frische Luft aufs Sorgfltigste abgesperrt, und was ist dem
Kranken nothwendiger als eine gesunde Luft? Wenn schon jedes Athmen die
Luft mehr verdirbt als verbessert, so thut das der Athem des Kranken in
weit hherem Mae. Was fr eine Luft wird also ein Kranker in sich
aufnehmen, in dessen Zimmer keine frische, gesunde Luft eindringen kann? Es
soll daher gesorgt werden, da keine Verweichlichung durch zu groe Wrme
stattfindet, und da durch Zugang gesunder, reiner Luft der Kranke die
erforderlichen Stoffe aus der Luft recht reichlich einathmen kann. Wie
jeder Ofen einen Kamin haben mu, so soll jedes Krankenzimmer eine ffnung
haben, durch welche die schlechte Luft aus- und die frische Luft einzieht,
ohne da dem Kranken dieser Wechsel schaden kann. Es soll also das
Krankenzimmer wohl khl, aber nicht zu khl sein; 14 bis 17 Grad Celsius
werden im Allgemeinen die beste Temperatur fr die Kranken bilden; wenn
dieselbe aber auf eine Hhe von 20 bis 30 Grad steigt, wie ich's hufig
angetroffen habe, dann hat man sicher dem Kranken durch die zu groe Hitze
noch ein neues Leiden dazu geschaffen. Besondere Nachtheile hat zu groe
Zimmerwrme bei Fieberkranken und namentlich bei Lungenleidenden, die bei
entsprechender Wrme fast ohne Husten sind, aber, wenn tchtig geheizt
wird, den strksten Krampfhusten bekommen knnen, hauptschlich dann, wenn
ein rascher Wechsel von Hitze und Klte eintritt. Wenn man Mitleiden mit
den Kranken haben und ihr Loos mglichst erleichtern will, so vermeide man
groe Hitze und Klte im Krankenzimmer.

Wenn ferner jedes Schlafzimmer trocken sein soll und frische Luft und Licht
gehrigen Zugang zu demselben haben sollen, so ist die um so mehr geboten
fr die Krankenzimmer. Wird hiergegen gefehlt, so kann das Krankenzimmer
selbst die Ursache sein, da der Kranke noch krnker wird. In Bezug auf das
Bett des Kranken gelte als erster Grundsatz: Sorgfltigste Reinlichkeit,
und dann sei es recht bequem und gut eingerichtet, weil eine unpassende
Lage im Bette hier doppelt nachtheilig wirkt.




Siebentes Kapitel.

Von der Nahrung.


1. Speisen.

Die vorausgegangenen Kapitel sind gewi von groer Wichtigkeit, und der
wird sich wohl fhlen und seine Gesundheit erhalten, der den gegebenen
Winken folgt. Wer aber weder glauben noch folgen will, dem wird die Strafe
auch nicht ausbleiben. Nicht weniger wichtig ist aber das Kapitel, das von
der Nahrung handelt.

Wer die ganze Schpfung recht betrachtet, dessen Bewunderung wird sich
immer mehr steigern. Er wird kaum wissen, ob er mehr ber die Allmacht des
Schpfers in der Erschaffung oder ber die Weisheit desselben in der
Einrichtung derselben staunen soll. Er wird aber auch klar erkennen, da
Alles in der Schpfung die Bestimmung hat, dem Menschen zu dienen.

Man kann die Welt eine groe, weite Werksttte nennen, in der jeder
Erdenbewohner seine bestimmte Beschftigung hat. Aber sie ist auch zugleich
die allgemeine Versorgungssttte, die Allen das zum Lebensunterhalt
Erforderliche bietet.

Es soll aber jetzt blo die Rede sein von den so verschiedenen und
mannigfaltigen Nahrungsmitteln, die der Mensch berall auf der Welt
vorfindet. Wie der Mensch theilweise sein Leben erhalten mu durch das, was
er einathmet, so ist zur Fristung desselben auch nthig, da er die
erforderlichen Nhrmittel aufnimmt; denn sonst geht seine Kraft und
Gesundheit zu Grunde. Solche Nhrstoffe bietet aber die Erde dem Menschen
in groer Flle und Mannigfaltigkeit. Die Vgel in der Luft stehen zur
Verfgung, ebenso die Thiere des Waldes und des Feldes. Flsse und Meere
bieten ihre Fische, und die Bume ihr Obst. Jeder Acker, jede Wiese, jedes
Land lt sich gebrauchen zur Gewinnung des tglichen Brodes und alles
dessen, was dem Menschen nothwendig ist zum Unterhalt. Bei dieser groen
Mannigfaltigkeit darf freilich auch nicht verschwiegen bleiben, da es in
der Welt vieles der Gesundheit und dem Leben des Menschen Feindliche gibt.
So beherbergt der Wald viele reiende Thiere. Giftige Schlangen und giftige
Pflanzen bedrohen das Leben der Menschen. Letztere sollen daher ihre
Vernunft gebrauchen, um das auszuwhlen, was ihnen dienlich ist, und vor
dem sich zu hten, was ihr Leben schdigen oder zerstren kann. Ein Jeder
soll wohl berlegen und an sich die Fragen stellen: Was ist fr dein Leben
dienlich? Was macht dich krftig und ausdauernd? Was hingegen hast du zu
fliehen, da du dein Leben nicht verkmmerst, da du nicht durch eigene
Schuld frhes Siechthum oder den Tod dir zuziehest?

So erhaben der menschliche Geist ist, ein Bild des Schpfers durch seinen
Verstand und freien Willen, so kann dieser Geist doch nur in Vereinigung
mit dem Leibe seine Aufgabe auf Erden erfllen. Dieser ist gleichsam seine
Wohnung, das Werkzeug, dessen er zur Vollfhrung seiner Aufgabe bedarf. Wie
es nun einen groen Unterschied macht, ob man in einem festen, gesunden
Hause oder in einer morschen, bauflligen Htte wohnt, so ist es auch fr
den menschlichen Geist etwas ganz Anderes, ob der Leib gesund und krftig,
oder gebrechlich und schwach ist. Ist Letzteres der Fall, dann ist jener
bel genug daran. Es erscheint daher von groer Wichtigkeit, da der Leib,
diese wunderbarste aller Wohnungen, aus dem besten Material aufgebaut
werde. Nur dann ist er fest und ausdauernd, und nur dann fhlt sich der
Geist wohl darin. Ist doch auch ein Haus nur dann eine dauerhafte, gute
Wohnung, wenn alles Das, was man zum Bau desselben verwandte, tadellos und
gut war. Ein Beispiel mge das noch mehr veranschaulichen.

Ein Meister fhrt drei Huser auf, alle nach einem und demselben Plane. In
der Wahl des Materials jedoch wechselt er. Das erste Haus fhrt er auf mit
den besten Steinen, dem besten Sand, und statt Kalk nimmt er Cement. Wenn
dieses Haus fertig ist, steht es da so fest und dauerhaft, da es allen
Strmen Trotz bietet und fast unverwstlich ist. -- Das zweite baut er aus
guten Steinen, ziemlich gutem, aber nicht dem besten Sand, und gebraucht
auch guten Kalk. Auch dieses Haus wird fest sein und ausdauernd, wenn auch
nicht in dem Mae, wie das erste. Es wird lange stehen knnen, ehe es
baufllig wird. -- Beim Baue des dritten Hauses geht er aber recht
leichtsinnig zu Werke; er ist gleichgiltig in der Auswahl der Steine, nimmt
schmutzigen Sand und keinen guten Kalk. Der Verputz des Hauses macht
dasselbe freilich hbsch fr das Auge, so da der, welcher das Material
nicht gesehen hat, und beim Aufbau nicht zugegen war, sagen wrde: Diese
Huser sind alle drei gleich gut, und es wird das eine so lange halten wie
das andere. Wie wrde sich aber ein Solcher tuschen, und wie anders wre
sein Urtheil, wenn er das Baumaterial mit eigenen Augen gesehen und dem
Aufbau dieser Huser beigewohnt htte! Sein Urtheil mte sein: Das erste
Haus macht dem Meister alle Ehre; es ist am meisten werth, dauert am
lngsten, und wer es bewohnt, wird Freude daran haben. Beim zweiten wrde
er das Urtheil fllen mssen: Es wird ziemlich lange bestehen, es wird
seinen Besitzer zufrieden stellen, und es wird sich lange gut darin wohnen
lassen, doch steht es dem ersten bedeutend an Werth nach. Beim dritten
Hause wrde er aber sagen mssen: Aus schlechtem Material lt sich kein
gutes Haus bauen; wer in dieses Haus einzieht, wird sich getuscht finden,
und es wird frh zusammenbrechen. Solchen Unterschied macht es, welches
Material man zum Bauen whlt, und mit welcher Sorgfalt man den Bau
ausfhrt. In hnlicher Weise wie mit jenen drei Husern verhlt es sich
auch mit dem menschlichen Krper, der ja gleichfalls aus unendlich vielen
kleinen Theilen aufgebaut ist, die mit einander verbunden sind, wie die
Steine eines Hauses. Das Material, woraus jene Theile gebildet sind und
ihre Verbindung hergestellt wird, sind die _Speisen_ und _Getrnke_. Unter
diesen kann nun der Mensch, hnlich wie der obengenannte Meister beim
Material zum Baue seiner Huser, eine gute oder schlechte Auswahl treffen.
Die Dienste, welche beim Bau der Cement, der gute und der schlechte Kalk
leisteten, diese leistet beim Aufbau und Erhaltung des menschlichen Krpers
vorwiegend der Stickstoff, den der Mensch durch seine Nahrung in sich
aufnimmt. Wer stickstoffreiche Nahrung whlt, der wird einen krftigen,
ausdauernden Krper bekommen. Wer aber Speisen geniet, die wenig
Stickstoffe enthalten, der kann nicht darauf rechnen, da sein Krper so
fest und ausdauernd ist, wie im ersteren Falle. Wer aber solche
Nahrungsmittel whlt, die gar keinen Stickstoff enthalten, der kann
vernnftiger Weise nicht erwarten, da sein Krper gesund, fest und
ausdauernd sein werde. Er wird vielmehr bald wie ein nicht gut gebautes
Haus morsch werden und in Trmmer zerfallen. Wem also an seiner Gesundheit
liegt, und wer lange leben will, der mge stets eine gute Wahl treffen und
bei seinen Speisen und Getrnken das meiden, was seinem Krper keine Dauer
bringt, vielmehr frhes Siechthum herbeifhrt.

Du wirst nun, lieber Leser, gewi begierig sein zu erfahren, welche
Nahrungsmittel stickstoffreich sind, damit du eine recht feste Htte fr
deinen Geist herstellen knnest. Du wirst auch diejenigen Nahrungsmittel
wissen wollen, die zwar weniger Stickstoff enthalten, aber doch ausreichen,
um einen gesunden und krftigen Krper zu bilden. Sie sollen angegeben
werden und auerdem auch noch jene Speisen und Getrnke, die gar keinen
Stickstoff enthalten, welche den Menschen blo in so weit nhren, da das
Leben fortdauert, oder dasselbe nur durch ihren Reiz auffrischen. Zuerst
jedoch soll von dem Unterschiede zwischen dem _Genu von Fleisch und
Vegetabilien_ die Rede sein.

So lange ich denke, besteht ein Streit unter Gelehrten und Nicht-Gelehrten,
was vorzuziehen sei: Der Genu von Fleisch oder von Vegetabilien. Die
Ansichten hierber konnten sich nie vereinigen und haben sich stets
unvershnlich einander gegenber gestanden. Die Einen verwerfen den
Fleischgenu ganz, und die Fleischesser legen wenig Werth auf den Genu von
Frchten. Mein Urtheil hierber ist folgendes: Hat der Schpfer die ganze
Schpfung fr die Menschheit bestimmt, so soll man, was sie bietet, auch in
vernnftiger Weise gebrauchen, sonst htte derselbe es nicht erschaffen.
Wozu wren so viele Tausende von Thieren auf den Feldern, in den Wldern
und in der Luft da, wenn sie nicht auch als Nhrmittel der Menschen dienen
und diese blo Krner und andere Frchte und Pflanzen genieen sollten? Die
ganze Sache wre viel zu einseitig. Vielmehr drfen wir sicher nicht blo
von Allem, was uns geboten ist, genieen, sondern wir werden auch darauf
rechnen knnen, da wir uns dadurch nicht schaden. Ich bin aber der
berzeugung, da die Leute noch mehr fehlen durch die Bereitung der Speisen
als durch die Wahl derselben. Ferner glaube ich behaupten zu knnen, da
die Leute, welche mehr an Vegetabilien gewhnt sind, hierdurch grere
Vortheile fr ihre Gesundheit haben. Da der Fleischgenu der
Vegetabilienkost nicht vorzuziehen ist, soll nher dargelegt werden.

Die Leute und Vlker, welche vom Getreide sich nhrten, waren stets besser
daran; aber man ist durch die Gewohnheit dahin gekommen, da man glaubt,
man knne ohne Fleischspeisen nicht mehr leben. An Milch und Brod gewhnt
man die Kinder sehr leicht; will man aber Kinder von 5, 6 bis 8 Jahren an
Fleischkost gewhnen, so hat das recht bedeutende Schwierigkeiten.

Gibt man ferner einem Fieberkranken Fleisch, so geht der Puls recht bald
schneller, und das Fieber nimmt zu. Das Fleisch verursacht dem Magen nach
dem Essen eine kleine Rthe, wie ein bedeutender Arzt sagt, eine leichte
Entzndung und ntzt somit auch die Organe strker ab. Warum it man
berhaupt nicht stets nur Fleisch, sondern auch Gemse dazu? Weil Fleisch
allein geradezu widerstnde und zu viel Hitze erzeugte. Man bedenke auch,
wie Viele das Fleisch nicht frisch haben knnen! Nicht selten wird dieses
6, 8, ja 10 Tage alt; wenn man solch altes Fleisch ungekocht sieht, mchte
einem der Appetit vergehen. Es ist ferner festgestellt, da bei denen, die
sich hauptschlich von Fleisch nhren, leichter verschiedene Krankheiten
besonders gern Entzndungen entstehen und gefhrlicher werden knnen als
bei Anderen, die vorzugsweise von Vegetabilien leben. Ebenso bilden sich
bei den Fleischessern hufiger Ausschlge als bei denen, welche
grtentheils Vegetabilien genieen. Es kommt noch dazu, da zum Fleisch
auch noch hitzige, scharfe Sachen hinzugenommen werden, was bei Mehlspeisen
nicht nothwendig ist. Erwhnen mchte ich an dieser Stelle, da die Gemse,
welche man mit den Fleischspeisen geniet, oft in einer Art und Weise
zubereitet werden, da sie nicht am zutrglichsten sind. Nur wenige Gemse
werden im ursprnglichen Zustande genossen; die meisten werden 2- bis 3mal
umgewandelt durch Sieden, Dnsten und was sonst alles noch geschieht, ehe
sie gegessen werden. Wie gut schmeckt ein gesunder, frischer Apfel! Kommt
er aber als Gemse auf den Tisch, wie viele Umwandelungen hat er erlitten!
Ist ihm nicht der erste, angenehme Apfelgeschmack gnzlich abhanden
gekommen?

Aus dem Gesagten knnen wir den Schlu ziehen, da der Genu von Frchten
und Pflanzen vorzuziehen sei und der Fleischgenu hinter diesem
zurckstehe. Da jedoch auch das Fleisch ein gutes Nahrungsmittel ist, so
wird man am besten thun, neben den Vegetabilien auch dieses zur Speise zu
whlen.

Wir kommen nun zur Aufzhlung der verschiedenen Nhrmittel nach ihrem
Werth zur Herstellung und Erhaltung von Gesundheit und Krperkraft. Es
sollen, wie schon oben gesagt ist, aufgezhlt werden:

  a) die _stickstoffreichen_,
  b) die _stickstoffarmen_ und
  c) die _stickstofffreien_ Nhrmittel.


Erste Klasse. Stickstoffreiche Nhrmittel.

1. _Milch._ Oben an steht die Milch. Diese ist und bleibt von der Kindheit
bis zum hchsten Alter das erste und beste Nhrmittel. Sie enthlt alle
Nhrstoffe, die der menschlichen Natur nothwendig sind, wird berdie
leicht verdaut und leicht ertragen. Es mchte mir Jemand vielleicht
einwenden, da es sehr viele Leute gibt, welche die Milch gar nicht
ertragen knnen; dem einen widersteht sie, einem andern verursacht sie
Magensure und groe Beschwerden, wieder andere mssen selbige sogar
erbrechen. Hier mu ich entgegnen, da solche Leute entweder krank sind
oder zu viel Milch auf einmal genieen. Gerade weil die Milch
stickstoffreich ist und alle Nhrstoffe enthlt, welche die Natur braucht,
so soll die Milch, besonders von schwchlichen und krnklichen Leuten und
von solchen, die wenig Bewegung und schwere Arbeiten haben, recht mig
genossen werden. Ich habe schon oft Leuten, denen die Milch groe
Beschwerden machte, gerathen, sie sollten jede Stunde einen Lffel voll
nehmen. Auf diese Weise gelang es. Die Natur konnte so viel verwerthen, und
die Kranken erholten sich dabei auffallend. Wenn aber ein Schwchlicher
oder Kranker oder ein Solcher, der eine ruhige Lebensweise hat, einen
viertel oder halben Liter zu sich nimmt, so vermag der Magen ein solches
Ma nicht zu verarbeiten. Die Milch wird zu groen Klumpen gerinnen und so
Beschwerden machen. Bei recht schwchlichen, kranken Leuten ist es sogar
gut, dieselbe mit frischem Wasser etwas zu verdnnen, hnlich wie bei ganz
kleinen Kindern. Die Arbeiter, besonders die Landleute genieen viel Milch
und sind dabei recht krftig und wohlgenhrt, weil wegen schwerer Arbeit
und reichlicher Bewegung der Krper mit einer greren Menge Milch leichter
zurecht kommt. Wer also schwchlich und krnklich ist oder eine sitzende
Lebensweise hat, darf dieselbe nur in kleinen Portionen nehmen. -- Die
Milch ist aber nicht blo das erste Nhrmittel, sie ist auch das allgemein
verbreitete, billigste und am leichtesten zu beschaffende. Es wird ja
nicht blo Milch von den Khen gewonnen, in vielen Gegenden wird auch
Schafmilch, Ziegenmilch, Stutenmilch gebraucht. Strker als die Kuhmilch
ist die Ziegenmilch, an welcher die Armen ein auerordentlich gutes
Nhrmittel haben. Sie ist aber leider lange nicht so hoch geschtzt, als
sie es verdient, weil viel schwchere Nhrmittel Mode geworden sind.

Soll unsere blutarme Generation wieder in einen bessern Zustand kommen,
dann mu auch die Milch hher geschtzt und entsprechend gebraucht werden.
Die Milch kann in der Kche vielseitig verwendet werden, und wo immer die
geschieht, bringt sie einen Schatz von Nhrstoffen mit. Es ist dehalb sehr
zu beklagen, da man in den Familien auf dem Lande die Milch oft fr 7-8
Pfennige den Liter verkauft und dafr Sachen einkauft, die wenig Werth
haben und dem Menschen manchmal eher schaden als ihn krftigen, z. B.
schlechtes Bier und verflschte Weine. Lieber Leser, seiest du jung oder
alt, la dich nicht von diesem ersten und vorzglichsten Nhrmittel
trennen, schtze es hoch und gebrauche es fleiig!

2. _Kse._ Aus der Milch wird Kse bereitet. Der Kse enthlt gleichfalls
viele Nhrstoffe, aber diese haben verschiedene Umwandlungen durchgemacht
und viele Zustze, besonders Salz&c. erhalten. Dehalb ist er nicht mehr
ein so reines und schuldloses Nhrmittel wie Milch. Viele knnen den Kse
nicht vertragen, besonders schwchliche und krnkliche Personen. Schon der
Umstand, da der Kse Durst erzeugt, beweist, da er im Magen Hitze
verursacht, was bei der reinen Milch gewi nicht der Fall ist.

3. _Hlsenfrchte._ Stickstoffreich sind auch die Hlsenfrchte, als
Erbsen, Bohnen, Linsen. Frher nhrten sich die armen Leute besonders im
Winter vielfach von _Erbsen_, und sie hatten ein so groes Vertrauen auf
dieses Nhrmittel, da Erbsen -- im Wechsel mit noch andern Nhrmitteln --
niemals ganz fehlen durften. Es hie: Hat man Erdpfel, Brod und Erbsen,
dann darf die brige Kost mager sein, man bleibt doch gesund und stark fr
seine schweren Berufsarbeiten. Ich mu hier noch bemerken, da man vor
50-60 Jahren viel strenger und mehr gearbeitet hat als jetzt; daher wnsche
ich nicht blo, sondern fordere auch besonders die arbeitende Klasse
dringend auf, dieses Nhrmittel, welches zu den besten gehrt, in den
Haushalt wieder einzufhren und in der Woche 2-3mal wenigstens eine Portion
Erbsen zu gebrauchen. Es gab frher Erbsensuppen, Erbsenbrei und Erbsen mit
Sauerkraut gemischt. Mchten doch diese und hnliche Speisen, von denen man
so sehr abgekommen ist, wieder aufgenommen werden, es wrde der Menschheit
damit sehr gedient sein.

Die _Bohnen_ knnen in jedem Garten ganz leicht gebaut werden, fast jeder
Acker bringt eine reiche Ernte; wenn daher nur jeder Landwirth wie mit
Erbsen, so auch mit Bohnen ein kleines Grundstck bepflanzen mchte! Er
wrde nicht blo eine ergiebige Ernte erhalten, sondern -- was noch mehr
Werth htte -- auf eine leichte Weise und ohne viel Kostenaufwand ein
krftiges Nhrmittel in seinem Haushalte haben. -- Gerade so verhlt es
sich mit den _Linsen_. Mchte sich daher doch Jeder die genannten
Nahrungsmittel recht hufig zur Speise whlen, da sie so stickstoffreich
sind und zur Erhaltung und Krftigung der Gesundheit so viel mitwirken. Die
Hlsenfrchte wie die Milch mge er als das beste und billigste Material
zum Aufbau und zur Erhaltung der Htte seines Geistes benutzen. Ich habe in
meiner Jugendzeit viele hochbetagte Leute, die ber 80 Jahre alt waren,
kennen gelernt. Sie waren noch geistesfrisch und auch im hohen Alter noch
krftig und nicht mit so vielen Mhseligkeiten beladen wie die Menschen
heut zu Tage. Sie genossen die genannten Speisen und kannten die modernen
Nhrmittel nicht.

4. _Fleischspeisen._ Stickstoffreich ist auch das Fleisch, aber nur das
magere. Obenan steht das Rindfleisch, besonders wenn die Rinder
ausgewachsen sind; das Kalbfleisch steht hinter dem Fleische ausgewachsener
Thiere weit zurck.

5. _Fische._ Auch die Fische bieten dem Menschen viele Nhrstoffe und
enthalten ziemlich reichlich Stickstoff.

Die angefhrten Nhrmittel gehren also zu den stickstoffreichen. Sie
knnen nicht blo empfohlen werden wegen ihres vorzglichen Gehaltes,
sondern auch dehalb, weil sie groen Theils wohlfeil sind und Jedem leicht
zu Gebote stehen.


Zweite Klasse. Stickstoffarme Nhrmittel.

Zu dieser Klasse gehren die Nhrmittel, die weniger Stickstoff enthalten,
aber doch ausreichen, um den Menschen gesund und ausdauernd zu machen, wenn
auch nicht in dem Mae wie die, welche in der ersten Klasse aufgezhlt
sind. Dahin gehren:

1. _Die Getreidearten._ Von diesen seien genannt: Mais, Weizen, Spelt oder
Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Buchweizen. Gerade diese Getreidegattungen
wrden vorzgliche Nhrstoffe fr's menschliche Leben liefern, wenn sie nur
ihre naturgeme Verwendung finden wrden. Es gab eine Zeit, wo die
Menschen die Krner aen und dabei recht gesund blieben und das hchste
Alter erreichten. Wollte aber jetzt Jemand Krner essen und sich davon
nhren, wrde er zum allgemeinen Gesptte werden. Seitdem man Mhlen
erfunden hat, mit denen man 2 bis 4erlei Mehlgattungen herstellen kann,
wird das Getreide nicht mehr mit all' seiner Nhrkraft verwendet. Vor
ungefhr 4 oder 5 Jahren klagte ein berhmter Arzt, da das Lebensalter der
Menschen bedeutend krzer werde, weil man die Kleie vom Mehle gesondert
habe. Die meiste Kraft ist in der Hlse der Frucht, welche den Kleber
einschliet, und von der Hlse bis zur Mitte nimmt der Nhrwerth immer mehr
ab. Ziehe einem Rettig die Haut ab, i ihn dann, und du wirst finden, da
er bedeutend weniger Geschmack hat. Die Zitrone hat auch ihren strksten
und besten Saft in der Schale. Da auch beim Getreide in der Hlse die
meiste und beste Kraft enthalten ist, so geht uns heut zu Tage das Beste
vom Getreide verloren, besonders auch der meiste Stickstoff. Man macht viel
Rhmens von dem Auszugmehl oder Kunstmehl; man kann aber sagen, es ist das
Meiste und Beste an wahrer Kraft und Gte herausgeknstelt, und nur
armseliger Nhrstoff ist im feinsten Mehle brig geblieben. Ein bedeutender
Arzt behauptet, wenn man einem Hunde nur Brod vom feinsten Mehl und Wasser
gbe, so krepiere er in 40 Tagen. Mahlt man aber das ganze Korn, also mit
der Schale, und gibt ihm das aus diesem Mehl bereitete Brod, dann lebt er
viele Jahre. Wenn daher die Leute jetzt nur mehr Kunstmehl kaufen und
dieses zu ihrer Speise bereiten, wie armselig werden sie davon genhrt!
Mache Einer einmal den Versuch und nehme er reines, grobgemahlenes
Kleienmehl, Naturmehl, und lasse sich beim Bcker Semmeln daraus backen!
Lasse er dann auch solche von Kunstmehl herstellen! Vergleicht er hierauf
diese beiden Brodsorten mit einander, so wird er kaum glauben, da beide
von demselben Getreide gemacht seien. Vergleiche auch nur ein reines
Naturmehl von irgend einer Getreidegattung mit einem Kunstmehl von
derselben Gattung, dann wirst du einen ganz berraschenden Unterschied
finden. Sie werden sich neben einander ausnehmen wie ein Zwilchkittel neben
einem seidenen Kleid. Ist das Weizenmehl wei, so wird das Kunstmehl fast
blendend wei sein. Das Gerstenmehl ist gelblich; la Kunstmehl daraus
machen, so ist das Mehl wie umgewandelt; und so ist es bei allen
Getreidegattungen. Am traurigsten ist es aber, da so viel Betrug durch
Verflschung beim Kunstmehl stattfindet. Selbst ganz unverdauliche Stoffe
werden gemahlen und unter dasselbe gemischt. Der _Weizen_ wird vor Allem
zur Brodbereitung verwendet; er liefert das schmackhafteste und
nahrhafteste Brod. Soll man es daher nicht beklagen, da man gerade aus dem
Weizen ein Kunstmehl bereitet, dem die beste Kraft entzogen ist, das wohl
fein aussieht, aber wenig nhrt und auch den vortrefflichen
Getreidegeschmack durch die knstliche Verarbeitung verloren hat? Das
Weizenmehl ist auch das vorzglichste fr die Mehlspeisen und das Hauptmehl
fr solche Gegenden, wo der Fleischgenu wenig oder gar nicht blich ist.
Wie unvernnftig und nachtheilig ist es daher, wenn gerade den Mehlspeisen,
welche die gesundesten wren und von der Natur am leichtesten verarbeitet
werden, der Hauptnhrwerth zu unserer luxurisen Zeit entzogen wird! Soll
es bei der Menschheit besser werden und Blutarmuth und Gebrechlichkeit
wieder mehr verschwinden, so mu groe Sorge darauf verwendet werden, da
unverflschte Nahrungsmittel berhaupt und besonders gutes Naturmehl in die
Kche kommen.

Ziemlich gleich kommt dem Weizen der _Spelt_, auch Dinkel genannt, der in
klteren Gegenden leichter gedeiht, an Nhrgehalt hinter dem Weizen kaum
zurcksteht und, wie vielfach behauptet wird, zu Mehlspeisen in mancher
Beziehung noch geeigneter ist als das Weizenmehl. Was der Weizen und Spelt
fr kltere Gegenden ist, das ist der Mais fr die wrmeren.

_Roggen_, auch _Korn_ genannt, ist etwas grber, aber sehr geeignet fr das
Brod der rmeren Klasse und der Landleute. Was den Werth betrifft, so wird
dieses Brod kaum von einem Brode aus irgend einer anderen Getreidegattung
bertroffen, weder an Schmackhaftigkeit noch an Nhrstoffen. Dieses Brod
backen die meisten Landleute sich selbst. Es ist zu bedauern, da das so
vorzgliche, reine Roggenbrod nur mehr selten zum Verkaufe in einem
Bckerladen ausgestellt ist, und da das gewhnliche Schwarzbrod, Hausbrod
genannt, wenig oder gar nicht von Roggen gebacken ist, sondern blo vom
Nachmehl, aus dem das Auszugmehl bereits gewonnen ist. Das reine
Roggenbrod, wie es die Landleute backen, ist sicher sehr nahrhaft und auch
am wenigsten verflscht. Das Roggenmehl ist aber nicht blo zum Brod,
sondern auch sonst noch in der Kche verwendbar, worber in einem spteren
Kapitel Nheres wird angegeben werden.

Die _Gerste_ steht hinter dem Weizen, Spelt und Roggen etwas zurck, jedoch
kaum in ihrem Nhrwerth. Weil sie nicht so leicht fr das feinste Mehl
verwendbar ist, so wird sie auch weniger gebraucht. Vor 50 Jahren wurde das
Landbrod bei den Meisten halb aus Gerste und halb aus Roggen gebacken. Es
wurde auch das Gerstenmehl wie das Roggenmehl wegen seiner Nahrhaftigkeit
zu Mehlspeisen verwendet. Heut zu Tage aber wird es, selbst auf dem Lande,
nur noch theilweise zur Brodbereitung gebraucht. Leider wird gerade aus
dieser Getreidegattung fast nur Bier gebraut, und weil sich in diesem nur
ein kleiner Theil des in der Gerste enthaltenen Stickstoffes befindet, so
kommt also von letzterem nur wenig den Menschen zu gute. Der meiste wird
mit den Trbern den Thieren zum Futter gegeben. Die Gerste kann, wenn sie
etwas zu lange auf dem Acker geblieben ist, zum Brauen nicht mehr gebraucht
werden, und arme Leute htten daher oft Gelegenheit, sich um wenig Geld ein
recht gutes Nhrmittel zu verschaffen.

Der _Hafer_ galt einst als ein vorzgliches Ernhrungsmittel, und wer recht
krftig und ausdauernd werden wollte, der geno viele aus Hafermehl
bereitete Speisen. Gerade diesem Hafermehl mit Milch verdankten die
Allguer ihre krftigen, gesunden Naturen. Es steht auch bei Einzelnen noch
im hohen Ansehen; aber leider haben die Luxusartikel den Hafer
grtentheils verdrngt, z. B. Kaffee den Haferbrei, und obwohl Tausende
und Tausende wissen, da die Pferde durch alle andern Gattungen des
Getreides nicht den Muth, die Kraft und Ausdauer bekommen, wie durch Hafer,
so will man doch den verwhnten Magen nicht rgern durch eine gute
Haferkost. Wenn ich 50 Kinder mit Haferkost ernhren knnte und sie nach 2
Jahren neben 50 andere stellen wrde, die Kaffee und Speisen aus feinem
Kunstmehl erhielten, wie verkmmert an Krper- und Geistes-Kraft wrden die
letzteren im Vergleich mit den ersteren dastehen! hnlich ist es bei jungen
Pferden, die viel Hafer bekommen haben, und solchen, die keinen zur Nahrung
erhielten. Zudem kann der Hafer so leicht gebaut werden und ist so gut zu
verwenden. Trotz alledem vernachligt man ihn, weil die herrschende Mode
gegen denselben ist. Vielleicht vermag diese Ermahnung den Einen oder
Anderen zu bewegen, dem Hafer wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken;
dieser wird sich nicht undankbar dafr erweisen. Ich hatte das Glck, von
Eltern abzustammen, bei denen Hafer und Gerste noch in gebhrenden Ehren
standen, und verdanke meiner Jugendernhrung den grten Theil meiner
jetzigen Ausdauer und Kraft.

So lange die _Erdpfel_ in Europa eingefhrt sind, sind sie vielfach
verfolgt und als Nahrung fr die Menschen heruntergesetzt und verworfen
worden. Sie muten dasselbe Schicksal erleiden, wie so manche Kruter und
andere Nhrmittel. Wer aber ihren Werth erkennt und sich zu Nutzen zu
machen wei, wird sie gewi nicht gering achten. Fr den menschlichen
Unterhalt haben sie eine so hohe Bedeutung, da sie geradezu unentbehrlich
geworden sind. Schon in meiner Kindheit hrte ich freilich schimpfen, die
Kartoffeln htten keinen Nhrwerth. Dem kann ich durchaus nicht beistimmen.
Fr die rmere Klasse sind die Erdpfel ein nahrhaftes und zugleich
wohlfeiles Lebensmittel. Von den Gelehrten hat besonders der allbekannte
Liebig ihnen Recht widerfahren lassen, der ihnen geradezu viele Nhrstoffe
zugeschrieben hat. Da er hiermit das Richtige getroffen, zeigen die
gnstigen Wirkungen, welche die Erdpfel als Nahrungsmittel hervorbringen,
wehalb sie auch so allgemein als solches gebraucht werden. Sie nhren die
Hausthiere und msten die Schlachtthiere; das Geflgel wird zur Winterszeit
groentheils mit Erdpfeln gefttert. Wo der allgemeine Fleischgenu nicht
ist, verbindet man mit fast allen Mehlspeisen die Erdpfel. Dem
Fleischesser sind sie immer ein willkommenes Gemse. Besonders mchte ich
die Erdpfel gern bezeichnen als die Nothhelfer am Tische der Armen. Welche
groe Noth wrde hier eintreten, welche Verlegenheit berhaupt, wenn sie
nicht mehr zu haben wren!

Hat man ber die Kartoffeln im Allgemeinen selten gnstig geurtheilt,
obschon der verbreitete Gebrauch und ihr Nhrwerth fr sie sprechen, so
erging es von jeher den _Eiern_ viel besser. Sie wurden allgemein fr recht
nahrhaft und gesund gehalten und dehalb Kranken wie Gesunden recht
empfohlen. Ich will ber die Eier gar kein Urtheil fllen, sondern blo die
Ansicht von Gelehrten anfhren, welche die nthigen Untersuchungen hierber
angestellt haben und behaupten, da ein Mensch, um seinen nothwendigen
Bedarf an Stickstoff fr einen Tag aus Eiern allein zu decken, 20 Eier
essen mte, vorausgesetzt, da seine Verdauung noch dazu die denkbar
gnstigste sei. Um aber seinen nothwendigen Kohlenstoff fr einen Tag aus
Eiern allein zu bekommen, seien 43 Eier erforderlich. Aus diesen beiden
Punkten allein geht schon hervor, da das allgemeine Urtheil ber die Eier
viel gnstiger ist, als sie es in Wahrheit verdienen. Aufgefallen ist mir
schon oft, da manche Leute, die viele Eier gegessen und sie ber Alles
gerhmt haben, doch so armselig daran waren. Roh oder halbweich gekocht
gegessen mgen die Eier am besten wirken, hartgesotten sind sie schwer
verdaulich. In Betreff der aus Eiern bereiteten Kost sind die Ansichten
getheilt. Inde mge Jeder fr sich bezglich der Nahrungsmittel nach
seinen Erfahrungen das fr ihn Passendste whlen. Whrend aber das Urtheil
in Betreff des Werthes mancher Nahrungsmittel verschieden war und noch ist,
so ist es doch ber die Hlsenfrchte von jeher sicher gewesen. Es geht
dahin, da sie die erforderlichen Nhrstoffe enthalten und am meisten zur
Erhaltung der Gesundheit beitragen.

_Gemse._ Stickstoffarm sind ferner die Gemse. Diese werden in
mannigfaltigster Weise gebraucht. Die Vlker, die sich ganz von Getreide
nhren, benutzen nur wenig Gemse, mitunter gar keines. Fr die
Fleischesser sind die Gemse nothwendig, weil Fleisch allein nicht gut
lngere Zeit genossen werden kann, da es zu viel Hitze erzeugt und dadurch
manchen Nachtheil bringt. Was ihren Nhrwerth betrifft, so ist derselbe
nicht so hoch, als man gewhnlich annimmt, da sie recht wenig Stickstoff
enthalten. Sie machen auch das Blut zu wsserig. Dazu kommt noch, da die
Gemse viel an Nhrwerth durch Kochen verlieren, wehalb es rathsam ist,
dieselben wenn mglich in rohem Zustande zu genieen. Mit vielen Gemsen
sich nhren, wrde Einen wohl beleibt machen, wenn die Natur sich daran
gewhnt und dieselben gut aufnimmt. Aber sicher wre auch eine zu frhe
Auflsung des Krpers in Aussicht. Ich habe mehrere Leute kennen gelernt,
die recht viel Gemse genoen; aber alle entbehrten einer frischen Farbe
und einer ausharrenden Kraft, und wenn sie korpulent geworden, litten sie
an groer Blutarmuth und schwerem Athem, und wasserschtige Zustnde und
frher Tod traten ein. Der Krper Jener, die sich nur von Gemse nhren,
gleicht daher dem dritten Hause, wovon die Rede war. Er hat wie dieses
nicht lange Bestand. Man soll nur einmal Gemse kochen ohne irgend eine
Zuthat, ohne Salz, Gewrze&c.: wie wenig sagt das dem Menschen zu! Nur
durch die verschiedenen Beigaben bekommt das Gemse Geschmack und Reiz zum
Genusse. Dehalb ist es meine Ansicht, da man die Gemse nur in Verbindung
mit andern Speisen dem Krper zufhren soll.

Die verschiedenen Arten der _Wurzeln_ sind auch stickstoffarm. Sie sind im
ungekochten Zustande am nahrhaftesten und gesundesten. Sie waren ein
Hauptartikel bei der Nahrung der Einsiedler. Diese lebten groentheils von
Krutern und Wurzeln. Es ist schade, da es fast ganz auer Gebrauch ist,
die Wurzeln ungekocht zu genieen. Htte man sich nicht so entwhnt, sie
roh zu verzehren, so wrden sie in grerer Geltung stehen. Wie gern essen
die Kinder die Wurzeln in rohem Zustande, und gewi werden sie ihnen gut
thun. Durch das Kochen werden viele Stoffe, die sie enthalten, entweder
zerstrt oder umgewandelt, besonders wenn sie im Wasser gesotten werden;
sie behalten dieselben besser zusammen, wenn sie nur gednstet, d. h. durch
Dampf aufgelst und weich gemacht werden. Da die gekochten Wurzeln recht
schmackhaft sind, bewirken wiederum die verschiedenen Gewrze und was alles
sonst darunter gemischt wird. Man soll also darauf sehen, da die Wurzeln
nur durch Dampf zubereitet werden, und da sie nicht durch allerlei Gewrze
zu scharf und Hitze erzeugend werden, was mehr dem Gaumen als dem Krper
zusagen wrde.

_Obst._ Das Obst enthlt unstreitig sehr gesunde Nhrstoffe und ist auch
nicht ohne Stickstoff. Aber auch dieses ist am zutrglichsten und besten im
ungekochten Zustande. Es gibt zwar recht viele Leute, die tglich ein- auch
zweimal frisches Obst genieen und die Wirkung desselben loben. Doch wird
es mehr gekocht als roh gegessen. Bei den Fleischessern wird es viel als
Gemse genossen. Da das Obst ganz besonders gut bekommt, beweisen die
Kinder am besten, die eine besondere Vorliebe fr frisches Obst haben, die
Jedem auch bleiben wird, wenn er nicht durch eine verkehrte Lebensweise
irre gefhrt wurde. Das Obst wird ferner gedrrt und ist auch in diesem
getrockneten Zustande wiederum ganz vorzglich. Ist man auf der Reise, hat
man ein Stcklein schwarzes Brod und geniet dazu 5-6 Birnen, so hat man
vielleicht besser gegessen, als bei mancher Mittagskost, die das Fnf- ja
Sechsfache kostet. Den Reisenden ist das gedrrte Obst ganz besonders zu
empfehlen; aber auch fr jeden Andern ist es gut, nur soll man stets blo
kleine Portionen und diese regelmig nehmen. Wird das Obst gekocht, so
soll es gleichfalls nur mit Dampf zubereitet werden und vor Allem nicht zu
viele Gewrze bekommen.

Sollen die pfel und andere Obstgattungen geschlt oder ungeschlt genossen
werden? Beim Getreide wurde schon angefhrt, da die Haut mancher Frchte,
z. B. der Citrone, den meisten Gehalt hat. Auch beim Obst ist es so, und
dehalb sollte man dasselbe, wenn mglich, mit der Schale genieen. Der
Grund mag darin liegen, da jenes, was am meisten dem Sonnenschein und der
Einwirkung der freien Luft ausgesetzt war, am besten ausgebildet ist und
daher auch die grte Kraftflle hat.

Um das _Steinobst_, welches sich nicht lange hlt, aufzubewahren, wird es
meistens eingekocht. Dasselbe wird nicht nur gern genossen, sondern ist
auch fr die Gesundheit vortheilhaft. Wenn es gut eingekocht wird, gibt es
auch ein vortreffliches Labsal. Doch soll man beim Einkochen Sorge tragen,
da durch Zugabe von allerlei Gewrzen nicht das Beste verdorben wird. Man
darf annehmen, da Alles, was die Erde zur Nahrung hervorbringt, uns vom
Schpfer in der schuldlosesten Form geboten ist, und wer die grte Sorge
trgt, da es unverndert bleibt, gewinnt auch den grten Vortheil.


Dritte Klasse. Stickstofffreie Nhrmittel.

Zu diesen gehren alle _Fette_. Ist das Fleisch stickstoffreich und eine
krftige Nahrung fr den Krper, so ist das Fett ohne allen Stickstoff. Es
nhrt wohl, aber es bietet dem Krper keine Stoffe, die ihn ausdauernd
machen. Milch hat den grten Stickstoffgehalt und ist das beste
Nhrmittel; die _Butter_ dagegen hat gar keinen Stickstoff und steht als
Nhrmittel im Werthe weit zurck. Hierbei zeigt sich recht klar, wie
verkehrt man hufig urtheilt. Viele Tausende glauben, gerade die Butter
sei dem Krper besonders zutrglich. Es gibt Gegenden, wo auch der rmste
sich etwas Butter auf's Brod streicht, und hat man diese nicht, dann ist
die Armuth sehr gro. Und doch ist die Butter ein stickstofffreies und
dehalb recht geringwerthiges Nahrungsmittel, und je lter sie wird, desto
werthloser wird sie auch. Jeder schtze also die Milch hoch und die Butter
recht gering, und zwar dehalb, weil sie keinen Stickstoff enthlt. Wer
sollte glauben, da der Rahm, der sich oben auf der Milch ansammelt und
mehr als noch einmal so theuer als die Milch bezahlt wird, viel weniger
Werth hat, als die Milch, oder eigentlich fast keinen Werth, eben weil er
stickstofffrei ist! Ebenso wenig wie die Butter enthlt das _Schmalz_
Stickstoff; es ist daher auch ein recht armseliges Nhrmittel, und das
Stcklein Brod, auf welches man Schmalz streicht, wird lange nicht in dem
Mae verbessert, als man gewhnlich meint.

_le._ Wo die Fette von Thieren nicht gebruchlich sind, werden dieselben
durch le ersetzt. Alle diese le aber bekommen dieselbe Note; sie sind
stickstofffrei. Fette wie le enthalten Nhrstoffe und sind nothwendig zum
Stoffwechsel. Damit die Natur aber in ihrer Kraft und Ausdauer erhalten
bleibt, mu sie den erforderlichen Stickstoff aus anderen Nhrmitteln
nehmen. Wenn Jemand sich fast ausschlielich mit Fetten und len nhren
wollte, so wrden seine Krfte bald verkmmern und sein Organismus,
obgleich anscheinend gut genhrt und krftig, einem frhen Einsturze
entgegen gehen.


2. Getrnke.

Wie ein Haus aus festem und flssigem Material hergestellt wird, so wird
auch der menschliche Krper durch feste und flssige Stoffe aufgebaut.
Diese bietet der Schpfer selbst, und sie werden bezeichnet mit dem Namen
Speisen und Getrnke. Die Zahl der Speisen ist so bedeutend, da man kaum
alle zu nennen vermag, die brauchbar und gut fr den menschlichen Krper
sind. Es wird also Niemand an Nahrungsmitteln fehlen knnen, die seinen
Leib gesund und stark machen. Nur mu er vernnftig genug sein, die guten
auszuwhlen. Nimmt er andere, so wird seine Kraft nicht lange aushalten.
ber die geeigneten Speisen ist bereits Manches gesagt, nun soll auch von
den _Getrnken_ die Rede sein.

Der Schpfer selbst hat uns ein Getrnk besorgt, nmlich das _Wasser_. Die
Menschheit war aber von jeher bemht, sich selbst noch andere Getrnke zu
verschaffen, und diese hat man dann vielfach dem vom Schpfer gebotenen
vorgezogen. Wer mchte aufzhlen, was alles die Menschen auf knstliche
Weise an Getrnken sich bereitet haben! Wenn nun die Frage gestellt wird:
Welches ist wohl das beste unter allen Getrnken, die von den Menschen
gebraucht werden? so gebe ich zur Antwort: Was Gott erschaffen hat, ist
gut, sonst htte es Gott nicht erschaffen. Was aber Menschen machen, ist
und bleibt Menschenwerk. Durch das, was die Menschen sich bereiten,
beabsichtigen sie nicht blo, den Durst zu stillen, d. h. dem Gaumen und
Magen Flssigkeit zukommen zu lassen, damit die festen Speisen verdaulich
werden und von der Natur aufgenommen werden knnen, sondern sie wollen
dieser auch vorzgliche Nhrstoffe durch das Getrnk bieten. Ob ihnen Die
durch ihre knstlichen Getrnke gelingt, wollen wir jetzt sehen.

Zu diesen knstlichen Getrnken gehren in erster Linie Bier, Wein und
Schnaps. Das _Bier_ wird aus Getreide bereitet, in der einen Gegend mehr
aus Weizen, in der anderen aus Gerste. Die Gerste erleidet viele
Umwandlungen, bis sie endlich durch Zusatz von Hopfen zu Bier wird. Gerade
so ist es mit dem Weizen. Das Bier macht dann eine lnger dauernde Ghrung
durch, wobei Alkohol (Spiritus) sich bildet. Einen besondern Geschmack
bekommt dieses Getrnk durch den Hopfen. Dieser ist eine Giftpflanze, wenn
auch keine starke, und somit auch der menschlichen Natur gewi nicht
vortheilhaft. Enthlt nun das auf solche Weise hergestellte Bier wirklich
viel gute Nhrstoffe fr den Krper? Hierauf mu man antworten: Nein, nicht
sehr viele. Es enthlt allerdings Nhrstoffe; aber es wirkt mehr durch Reiz
und wird daher mit Recht zu den Reizmitteln gezhlt. Um den Krper fest und
ausdauernd zu machen, ntzt das Bier nichts, weil es sehr wenig Stickstoff
enthlt. Der Biertrinker wird allerdings durch Bier wohl genhrt; es setzt
sich Fett bei ihm an, oft nur zu viel, so da Fettsucht bei ihm eintritt.
Das Bier frischt ihn auch auf, aber eine ausdauernde Kraft und somit ein
langes Leben kann es ihm nimmer verleihen. Kraft und Ausdauer ist nur da,
wo gutes und ausreichendes Blut ist, die Biertrinker aber sind regelmig
arm an wirklich gutem Blut. Den Beweis geben die vielen Schlaganflle, die
nicht von Blutreichthum, wie man oft irrthmlich noch annimmt, sondern von
Blutarmuth herrhren. Man sagt allerdings, die Brauknechte seien gewhnlich
recht starke Leute. Darauf antworte ich: Das ist der Fall, wenn sie eine
recht gute, starke Kost bekommen. ltere Brauknechte sind dagegen
gewhnlich mit einem ausgelotterten Wagen zu vergleichen. Wenn du aber,
lieber Leser, mir nicht recht glauben willst, so frage einen Gottesacker,
wie viele hochbetagte Biertrinker er bekomme. Du wirst die Antwort
erhalten: Ich bekomme recht viele Biertrinker im schnsten Alter ihres
Lebens, aber recht alte nur den einen oder andern. Insbesondere mchte ich
bemerken, da die Krankheit, bei der das Eiwei sich zersetzt (Bright'sches
Nierenleiden), sich am liebsten bei Biertrinkern einnistet. Was dann die
Stillung des Durstes betrifft, so mchte ich behaupten, da es hier gerade
die entgegengesetzte Wirkung hat. Trotz des vielen genossenen Bieres wird
der Durst der Trinker nicht gestillt. Die Ursache ist diese: Im Bier ist
Alkohol, der ein kleines Feuer im Innern des Menschen entzndet und Durst
macht. Hopfen enthlt etwas Gift und entzndet auch. Daher kommt es, da
die Biertrinker drsten trotz des vielen Trinkens. Damit ist aber nicht
gesagt, da man gar kein Bier trinken, sondern nur, da man im Bier nicht
sein Heil suchen solle. Warum soll ein Glas Bier, wenn es erwrmt und die
Verdauung untersttzt, verworfen werden? Wenn du brigens kein Bier
trinkst, darfst du ohne Sorge sein; du wirst doch gedeihen, falls du nur
deine Nahrung vernnftig whlst. Trinkst du aber Bier, so gehe ber ein
oder zwei Glas nicht hinaus!

Eines will ich hier noch bemerken. Wenn die Tausende und Tausende von
Centnern Weizen und Gerste, aus denen Bier gebraut wird, verwendet wrden,
um gutes Brod zu backen oder andere einfache Mehlspeisen zu bereiten, wie
viele Millionen Menschen knnten auf der Erde mehr leben und gesund und
glcklich sein! Kostet ein Liter Bier 24 Pfennige, so kann man fr dieses
Geld 8 Brodsemmeln kaufen, von denen eine einzige mehr Nhrstoffe enthlt,
als zwei Liter Bier.

_Bierflschung._ Hat schon das gute, reine Bier wenig Nhrwerth, was soll
man da erst ber das geknstelte Bier sagen, welches jetzt so allgemein
verbreitet ist? Man sucht einen billigen Ersatz fr Hopfen und fr Malz zu
bekommen und kmmert sich wenig oder gar nicht darum, ob dieser Ersatz
schdlich oder unschdlich ist. Die Herbstzeitlose wird hufig verwendet,
obwohl sie doch ein so starkes Gift ist, da 3 Samenkrner derselben ein
Pferd tdten knnen, wofr ich selbst Beispiele anfhren knnte. Auch die
Belladonna oder Tollkirsche, deren Bltter im Sommer oft fleiiger gesucht
werden als die Erdbeere, ist sehr giftig. Die Wurzeln dieses Strauches
werden ausgegraben und fr die Brauereien verwendet. Im Jahre 1887 sammelte
in meiner Gemeinde ein Mann solche Bltter und Wurzeln und erzhlte mir,
da er auf diese Weise sich gut sein Brod verdiene. Ein wie starkes Gift
Belladonna ist, zeigt folgender Vorfall. Zwei Kinder in meiner Gemeinde
hatten nur ein paar ihrer Kirschen gegessen. Das eine starb, das andere
wurde bldsinnig. -- Auer diesen zwei angefhrten Giftmitteln werden noch
viele andere verwendet. Alle die Getrnke aber, die mit ihrer Hlfe
hergestellt werden, sind gewi nicht zum Wohle der Menschheit. Ich bin aber
der berzeugung, da jene Mittel gleichwohl nicht selten angewendet werden,
auch aus dem Grunde, weil die Leute an den dem Bier auf solche Weise
gegebenen Geschmack gewhnt sind und dehalb das unverflschte Bier nicht
mehr trinken wollen.

_Wein._ Ein zweites Getrnk, das die Menschen sich bereiten aus dem
Material, das der Schpfer geboten hat, ist der Wein. Wem schmeckt nicht
eine reife Weintraube gut? Wer fhlt sich nicht erquickt durch den Genu
ihrer sen Beeren? Es kostet aber viel Mhe und Zeit, bis aus den Trauben
des Rebstocks der Wein bereitet ist. Von ihm sagt das Sprchwort: Der Wein
erfreut des Menschen Herz. Er frischt auf, er bt einen wohlthuenden Reiz
auf den Menschen aus und bewirkt eine heitere und leichtere Stimmung. Der
Wein erwrmt die Natur und dient dehalb zu guter Verdauung. Stickstoff
enthlt aber der Wein keinen, dient daher auch nicht dazu, dem menschlichen
Krper Festigkeit und Ausdauer zu geben. Er ist vielmehr gleichfalls nur
ein Reizmittel. Wer also seine Rettung im Wein sucht, geht irre. Wie wenig
derselbe ein Bedrfni fr den Menschen ist, zeigt sich an den Bewohnern
der Gegenden, wo kein Wein wchst. Ich habe dort viele Leute kennen
gelernt, die 80 und noch mehr Jahre alt waren und doch in ihrem ganzen
Leben nicht einen halben Liter Wein getrunken hatten. Die Bewohner der
Weingegenden werden Dieses kaum glauben knnen. Es ist beim Wein wie beim
Bier: Wer sich denselben nicht angewhnt, entbehrt ihn auch nicht. Weil
der Wein so wenige Nhrstoffe enthlt, wre es recht gut, wenn an Tausenden
von Pltzen, an denen Wein angebaut wird, statt dessen Getreide gezogen
wrde.

Besonders aber ist zu beklagen, da auch beim Wein die Verflschung in
auerordentlichem Mae stattfindet. Ich kann hierin nicht von eigener
Erfahrung sprechen, weil ich aus keiner Weingegend bin. Ich habe aber recht
viele achtbare Leute gesprochen, die meine Aussage besttigten. Durch den
verflschten Wein aber knnen ebenso wie durch verflschtes Bier viele
Krankheiten entstehen und die Menschen unglcklich gemacht und ein frher
Tod herbeigefhrt werden. Ich gebe daher den Rath: Geniee den Wein, so du
echten hast, recht mig, zur Auffrischung und zur Erwrmung, glaube aber
ja nicht durch reichlicheren Weingenu dir zu ntzen!

_Schnaps._ Ein drittes Getrnk, das die Menschen bereiten, ist der Schnaps.
Wenn man dieses nichtsnutzige Getrnk anklagen knnte, und es wrde
verurtheilt und mte vom Erdboden verschwinden, mchte ich gern dieser
Vernichtung beiwohnen, und zwar aus folgenden Grnden: erstens, weil der
Schnaps gar keine Nhrstoffe hat, zweitens das rgste und strkste
Reizmittel ist, drittens durch seinen vielen Alkohol der Natur so unsglich
nachtheilig ist, viertens nicht nur den Krper erfat und zu zerstren
sucht, sondern auch die Geisteskrfte in den erbrmlichsten Zustand
versetzt. Alkohol kann von der menschlichen Natur nicht verwerthet, mu
vielmehr von ihr auf verschiedene Weise wieder ausgeleitet werden, durch
Urin, Stuhlgang und durch Athmen. Was davon aber das Blut aufnehmen mute,
die mu durch Transpiration, durch die Poren wieder entfernt werden. Ein
Schnapstrinker kommt mir vor wie ein Hausvater, der die Vagabunden fr
seine besten Freunde hlt, diesen die Thre ffnet, sie in sein Haus
aufnimmt und so nach und nach sein ganzes Hauswesen zu Grunde richtet, ohne
da er zur Einsicht kommt, welche Thorheit er begeht. Das herrlichste
Talent kann durch geistige Getrnke ruinirt werden und in Bldsinn
bergehen oder zur Tobsucht kommen, was die Spitler und Irrenhuser
beweisen.

Ich kannte einen uerst talentvollen Menschen, der in seiner Jugend bei
seinen auerordentlichen geistigen Anlagen und Fhigkeiten ein solch'
froher und glcklicher Mensch war, wie selten einer gefunden wird. Er
erfreute sich einer vorzglichen Gesundheit und hatte fr alle
Unternehmungen ein auerordentliches Geschick. Mit der Zeit aber ergab er
sich dem Genusse geistiger Getrnke, und zuletzt kam er zum gemeinsten
Schnaps. Als er all' sein Vermgen verbraucht hatte, mute er als Taglhner
durch Holzhacken und hnliche Arbeiten in der mhsamsten Weise sich seinen
Schnaps verdienen. Essen konnte er nichts mehr; bekam er statt der Mahlzeit
ein Maa Schnaps, so bte dieses einen solchen Reiz aus, da er durch
weitere Arbeiten ein ferneres Maa zu verdienen im Stande war. Ging ihm
aber der Branntwein aus, so war er nicht im Stande zu arbeiten. Menschlich
gesprochen hat er wenigstens 15 bis 20 Jahre sein Leben zu frh geendet.
Was htte dieser leisten knnen, wenn er sein Talent ordentlich gebraucht
htte! Beim Hinblick auf dieses traurige Beispiel mchte ich rufen, und ich
wnschte, da es alle Schnapstrinker hrten: Wer Augen hat zu sehen und
Ohren zu hren, der hre und sehe doch, was der Schnaps bei dem Menschen zu
Wege bringt! Welche Thorheit ist es daher auch, so viel Getreide, so viele
Kartoffeln und hnliche Nhrmittel zum Branntweinbrennen zu verwenden und
diese guten Nhrstoffe der Menschheit zu entziehen, nur um dadurch viele
Tausende ins Verderben und Elend zu bringen! Zahllose Familien hat der
Schnaps an den Bettelstab gebracht; doch ich will nicht weiter davon reden,
was er anrichtet, wie er das husliche Glck, den Frieden der Familien
untergrbt. Ich sage nur noch: Wo man dem Schnaps huldigt, wirkt er stets
verwstend. Davon kann sich Jeder berzeugen, der nur seine Augen
gebrauchen will.

_Obstwein._ Wie aus Trauben Wein bereitet wird, so kann man solchen
gleichfalls aus Obst und verschiedenen Beeren, z. B. Johannisbeeren,
Stachelbeeren, Kirschen, Zwetschgen&c., herstellen. Ohne Ausnahme sind
alle diese also bereiteten Getrnke ohne Stickstoff und wirken nur durch
Erwrmen und Reiz. Von allen kann man sagen: Gebrauche nur wenig oder
nichts davon! Viel besser thte man, das Obst, dieses herrliche
Nahrungsmittel, durch Trocknen haltbar zu machen. Es kann dann lange
aufbewahrt werden, und man hat in Jahren, in welchen es mirth, einen
hbschen Vorrath, der gut zu gebrauchen ist.

Vergleichen wir nun das Getrnk, welches uns der Schpfer gibt, mit allen
Getrnken, welche die Menschen bereiten, so werden wir finden, da alle
die letzteren weit zurckstehen; denn von allen den traurigen Folgen der
geistigen Getrnke ist beim _Wasser_ keine Spur zu finden. Es mchte nun
der Eine oder Andere fragen: Wenn das Getrnk, welches uns Gott gab, so
ausgezeichnet ist, soll man denn nicht oft und viel Wasser trinken? Ich
antworte hierauf: Richte dich ganz nach dem Gesetze des Schpfers, welches
er deiner Natur gab. Hast du Durst, so trinke; hast du keinen Durst, dann
lasse das Trinken bleiben; denn dadurch, da du keinen Durst empfindest,
zeigt die Natur dir an, sie brauche keine Flssigkeit. Ich halte es fr
einen groen Unsinn, der Natur Wasser aufzudrngen; was soll sie denn mit
dem Wasser, wenn sie's nicht gebrauchen kann? Das Wasser mischt sich im
Magen mit den Magensften und macht dieselben viel zu dnn, geht dann
wieder als Wasser ab und fhrt die aufgenommenen Magensfte mit sich fort
zum grten Nachtheil des Krpers, besonders seiner Verdauung. Je dnner
der Brei gemacht wird, aus dem die Natur die Stoffe fr's Blut aufsaugt, um
so wsseriger wird auch das Blut werden, und um so langsamer die Verdauung.

Man behauptet so gern, man msse der Natur tglich eine grere Portion
flssiger Stoffe geben. Man kann sogar in Schriften lesen, zwei bis vier
Liter Flssigkeit msse jeder Mensch tglich zu sich nehmen. Dagegen kann
ich als ganz gewi versichern, da ich recht viele Menschen kennen gelernt
habe, die nur selten Wasser oder Bier oder ein anderes Getrnk zu sich
nahmen, und gerade solche haben das hchste Alter erreicht. Ich habe viele
Leute gekannt, die behaupteten, sie htten whrend des ganzen Winters nicht
einen Schluck Wasser genommen, auch kein Bier oder andere Getrnke. Ich mu
aber hier bemerken, da die Leute alle von Mehlkost lebten, da die
Fleischkost mehr Hitze und Schrfe bewirkt und also mehr Durst erzeugt. Ich
selbst verwerfe das hufige Wassertrinken. Ich nehme zum Frhstck ein,
hchstens zwei Schluck Wasser und dann den ganzen Tag nichts mehr. Kommt
nun des Mittags oder Abends eine dnne Suppe auf den Tisch, so wird sie
durch Brodeinbrocken dick gemacht. Trotzdem ich so wenig trinke, fhle ich
doch oft Monate lang nicht ein einziges Mal Durst. Gerade als Hydropath
warne ich vor vielem Wassertrinken und halte es mit dem Landmann, der sagt:
Ein Platzregen macht mehr unfruchtbar als fruchtbar.

Hat aber Jemand wirklich Durst, aus welcher Ursache es auch sein mag, so
warne ich ihn davor, viel Wasser auf einmal zu trinken. Ich kenne einen
kranken Herrn, der an auerordentlichem Durst gelitten und alles Mgliche
getrunken hat, um ihn zu lschen, und ihn doch nicht stillen konnte. Ich
rieth ihm, er solle alle halbe Stunde einen Elffel voll Wasser nehmen.
Als er gesund war, hat er mir versichert, dieses sei das einzige Mittel
gewesen, wodurch er seinen frchterlichen Durst habe stillen knnen. Wer
viel Wasser trinkt, belstigt seinen Leib und hat zu gewrtigen, da das
Wasser aus dem Krper recht viele, oft die besten Stoffe fortfhrt. Anders
dagegen wirkt das Wasser, wenn es lffelweise genommen wird; es khlt und
verdnnt die Magensfte, so weit es nothwendig ist, und kann in kleinen
Portionen weder schaden durch Erkltung, noch auch der Natur lstig fallen.
Ich bekam krzlich einen Brief aus der Hauptstadt, worin mir eine Person,
die ich nicht kenne, mittheilte, sie msse mir ihren ganz besonderen Dank
aussprechen fr die Hilfe, die sie durch mein Buch gefunden. Es stand unter
Anderem darin: Ich habe von jeher einen harten Stuhlgang gehabt, vier
Jahre hindurch aber nie mehr ohne Abfhrmittel. Nun habe ich den Versuch
gemacht, und zwar beharrlich, alle Stunde einen Lffel voll Wasser
einzunehmen, und habe jetzt einen solch' geregelten Stuhl bekommen, wie ich
ihn nie gehabt. Anfangs merkte ich lngere Zeit hindurch gar Nichts, nach
und nach aber hat dieser Lffel voll Wasser die grte Ordnung in mir
geschaffen. Allen, die an diesem bel leiden, rathe ich dringend: Lasset
die giftigen Abfhrmittel weg und gebraucht statt dessen alle Stunde einen
Lffel voll Wasser! Das wird die ersehnte Wirkung hervorbringen. Durch
diese Empfehlung glaube ich auch dazu beizutragen, da dem von Gott uns
gegebenen Getrnk die verdiente Ehre zu Theil werde.

_Kaffee._ Ein allgemein verbreitetes Getrnk ist der Kaffee. In meiner
Kindheit war der Kaffee im Schwabenland fast unbekannt, und es wren in
manchem Bauerndorf kaum ein oder zwei Weiber gefunden worden, die ihn
htten bereiten knnen. Jetzt aber hat er eine solche Verbreitung gefunden,
da wohl kaum ein Haus existirt, wo er nicht einheimisch ist. Ausnehmen mu
ich die Landleute, die mit schweren Arbeiten zu thun haben und der
berzeugung sind, da ihnen der Kaffee zur Strkung nicht ausreicht. Auch
lt man in meiner Gegend den Kaffee, als ein besseres Getrnk, den
Arbeitsleuten nicht zukommen. Es gibt aber Gegenden, wo der Kaffee so
allgemein ist, da man kein anderes Frhstck kennt als dieses. Doch damit
ist man nicht zufrieden; wenn der Kaffee einmal liebgewonnen ist, so mu
er seinen Freunden auch des Nachmittags geboten werden. Es gibt sogar viele
Leute, die ihn auch zur Abendmahlzeit verwenden. Ich will nun den Kaffee so
hinstellen, wie er ist, und seine ganze Gre so schildern, wie er es in
Wahrheit verdient.

Die Kaffeestaude ist eine Giftpflanze, somit auch die Bohne giftig. Beweis
hierfr ist, da aus Kaffeebohnen eines der strksten Gifte gewonnen wird,
das Coffen, von dem eine ganz kleine Portion ausreicht, den strksten
Menschen rasch zu tdten. Kann dehalb die Kaffeebohne allgemein empfohlen
werden? und wer gesund bleiben und lange leben will, kann der in ihr hierzu
das rechte Mittel finden?

Ein berhmter Arzt sagt: Der Kaffee geht halb verdaut aus dem Magen und
nimmt die Milch und das Brod mit, die man genossen hat. Halb verdaut kann
die Natur nichts brauchen, und somit hat sie durch den Kaffee nichts oder
doch nur wenig gewonnen. Was sie aufnehmen konnte in der kurzen Zeit, ist
unbedeutend. Man irrt also, wenn man glaubt, sich gut zu nhren, weil man
mit dem Kaffee gute Milch und gutes Brod geniet. Der Kaffee fhrt Beides
wieder aus dem Krper hinaus, ehe es rechten Nutzen stiften konnte. Ferner
fhrt der Kaffee auch die Magensfte fort, mit denen er sich vermengt
hatte. Also auch diese gehen durch ihn verloren. So wird wegen des Kaffees
der Krper wenig genhrt und in Folge davon geschwcht, so da nach
lngerem Gebrauch des Kaffees ein krftiges Frhstck kaum mehr ertragen
werden kann. Aus dem Gesagten ergibt sich, da bei Kaffeetrinkern
Blutarmuth eintreten mu. Auch ist der so werthvolle Stickstoff im Kaffee
nicht zu finden, denn die Kaffeebohnen sind stickstofffrei und schon aus
diesem Grunde nicht schtzenswerth.

Hat dann aber der Kaffee gar keine guten Seiten? O ja! Er gehrt zu den
Reizmitteln und macht, da man sich recht behaglich und wohl fhlt, so
lange seine Reizwirkung anhlt. Ist diese aber vorber, so fhlt man sich
wie vorher. Da der Kaffee zu den Reizmitteln gehrt, so bringt er auch,
wenn er einmal zum Gewohnheitstrank geworden, die heftigsten Aufregungen
hervor. Es geht hnlich, nur in schwcherer und gelinderer Weise, wie beim
Schnapstrinken. Auch er fhrt oft schauderhafte Zustnde herbei. Es ist
kaum zu schildern, wie das ganze Nervensystem vollstndig durch ihn
zerrttet werden kann, und gerade so nachtheilig wirkt er auf Gemth und
Geist, indem er Trbsinn, Kleinmthigkeit, Furcht, Angst, Erschrecken&c.
verursacht. Besonders ist der Kaffee beim weiblichen Geschlechte
einheimisch, und man kann ihn recht gut bei diesem den Menschenmrder
heien, indem er Kraft, Gesundheit und zuweilen selbst das Leben verkmmert
und abkrzt.

Es kam vor sechs Jahren eine Tochter angesehener Leute zu mir, welche von
den rzten vollstndig aufgegeben war. Sie war gut gebaut und stammte von
ganz gesunden, krftigen Eltern ab. Das Mdchen gestand mir, da sie
tglich dreimal Kaffee trinke, aber an keiner Speise mehr Geschmack finde.
Ich gab ihr den Rath, nichts zu essen als jede Stunde einen Lffel voll
Milch und tglich dreimal eine kleine Portion Brodsuppe. Nur die Furcht vor
dem sicheren frhen Tode brachte die leidenschaftliche Kaffeetrinkerin zu
dieser Kost. Nach einigen Tagen hatte sich die Natur daran gewhnt, und in
wenigen Wochen war das Mdchen wieder gesund.

Knnte ich die armen Geschpfe, die bei mir Hilfe suchten, mit ihrer
Appetitlosigkeit, mit ihren Nervenaufregungen, mit ihren Geistesgebrechen
einer jungen Kaffeetrinkerin vor Augen stellen, ich glaube, einer Jeden
wrde sicher die Lust vergehen, dem Kaffee zu huldigen. Der Anblick solcher
Krankheitszustnde, meine ich, mte auch die vernarrteste Kaffeebase zur
Einsicht bringen.

Ich bin der vollsten berzeugung, da der Kaffee die erste Ursache der
allgemein herrschenden Blutarmuth beim weiblichen Geschlechte ist, und
wohin soll Dieses fhren, wenn kein Einhalt gethan wird? Sollen solche
heruntergekommene Personen dann ein Berufsleben antreten und mit ihren
verkmmerten Schultern die Last des Ehestandes tragen, dann geht es, wie
mir schon mancher junge Mann geklagt hat: Ich glaubte eine Mithelferin fr
die Brde des Lebens bei der Heirath zu bekommen, und jetzt mu ich Alles
aufbieten, um nur den Arzt und die Apotheke zu bezahlen, und habe einen
bestndigen Jammer vor Augen. Eine groe Anzahl junger Mtter theilte mir
unter Thrnen mit, da sie voller Gebrechen und Elend seien, und weil sie
ihren Berufspflichten nicht nachkommen knnten, seien sie von ihren Mnnern
verlassen oder verachtet. Wenn auch nicht allemal der Kaffee die Ursache
war, so war er es doch recht oft, aber immer waren diese Jammerzustnde in
Verbindung mit der Verweichlichung durch die Kleidung.

Allerdings wird Mancher sagen: Ich trinke viele Jahre hindurch Kaffee und
fhle keine Nachtheile. Ich gebe es zu, wenn Jemand eine gute Natur hat und
eine krftige, gesunde Kost geniet, dann wird ihm freilich der Kaffee
nicht viel anhaben knnen. Wer aber kann sich immer die gesndeste und
krftigste Kost anschaffen? Dazu kommt noch, da wie Bier und Wein auch der
Kaffee oft verflscht wird. So wird dieses Getrnk dann oft erst recht
verderblich. Zu den Verflschungen des Kaffees gehrt besonders das Frben
desselben. Giee Wasser auf die Kaffeebohnen, lasse es einige Zeit stehen,
und du hast oft die schnste grne Farbe. Man kauft ferner gewhnlich zu
den Bohnen noch sogenannte Surrogate, die aus verschiedenen Stoffen
bestehen. Die Einen meinen, diese gben dem Kaffee einen besseren
Geschmack; die Anderen glauben, sie gben ihm eine schnere Farbe; bei noch
Anderen heit's, die Surrogate find wohlfeiler&c. Allein ich glaube, da
alle Surrogate nicht viel werth sind. Ich will noch hervorheben, da die
Leute, welche im Kaffeelande leben und gesund bleiben wollen, nicht viel
oder gar keinen Kaffee trinken und dort zum Sprchworte haben:
Kaffeetrinker -- frhe Hinker.

_Thee und Chocolade._ Nach dem Kaffee soll gleich vom Thee und von der
Chocolade die Rede sein. Ich knnte von beiden so ziemlich das Gleiche
sagen, da sie nmlich zu den hitzigen Getrnken gehren, keinen Stickstoff
haben, Nervenaufregung bewirken und dem menschlichen Krper nur wenige
Nhrstoffe bieten.

_Gesundheitskaffee._ Es gibt, Gott sei Dank, doch auch noch Gegenden, wo
man statt der angefhrten Getrnke andere bereitet, von denen ich gerade
das Gegentheil wie von den genannten sagen kann. Obenan steht der
Malzkaffee. Wenn man diesen eine kurze Zeit lang getrunken hat, entbehrt
man den Bohnenkaffee nicht mehr. Der Gerstenkaffee wird auch noch hufig
getrunken, er ist wohl etwas rauher als der Malzkaffee, aber ganz schuldlos
und von Denen, welche ihn gebrauchen, recht geliebt. Man kann ebenfalls aus
Waizen und auch aus Roggen Kaffee bereiten, und alle diese Arten sind nur
zu empfehlen. Man mge daher doch die selbstgebauten Getreidegattungen, die
zudem so wenig kosten, den theuren auslndischen Bohnen vorziehen,
besonders mgen das arme Leute thun! ber die Wirkung dieser Kaffeearten
ist Folgendes zu sagen. Wie der Bohnenkaffee zehrt, so nhrt der
Getreidekaffee; wie die Bohnen aufregen, so beruhigen die Getreidekrner.
Die Zubereitung des Getreidekaffees ist ganz einfach; das Malz, wie es der
Bruer gebraucht, wird brunlich gebrannt, dann gemahlen und verwendet wie
die Bohnen.

Ganz besonders gut ist der Eichelkaffee. Wie die Bohnen von der
Kaffeestaude zur Herstellung des Kaffees verwendet werden, geradeso kann
man von den Eicheln auch solchen bereiten. Diesen mchte ich wegen seiner
Nahrhaftigkeit und Gesundheit sehr empfehlen; es ist nur Schade, da er
nicht die wohlverdiente Gunst des Volkes hat.


3. Salz.

Es ist wahr, da der menschliche Krper Salze gebraucht, z. B. zur
Zersetzung der Speisen. Eben dehalb ist es auch vom Schpfer so
eingerichtet, da die meisten Nahrungsmittel, die der Mensch gebraucht,
schon Salze in sich enthalten. Das Salz ist aber kein Nahrungsmittel, und
der menschliche Organismus kann das in die Speise hineingethane Salz nicht
gebrauchen. Das beweist der Umstand, da das Salz durch Urin wieder abgeht.
Es ist somit das Salz, welches hnlich wie der Pfeffer an die Gemse und
Suppen gemischt wird, nur ein Reizmittel. Da der Gebrauch von vielem Salz
nicht ein Bedrfni der menschlichen Natur, sondern nur eine Angewohnheit
ist, ersieht man aus Folgendem. Gebe man einem Kinde nur schwach oder gar
nicht gesalzene Speisen, es wird dann kein Bedrfni nach Salz fhlen. Man
kann sich aber auch so ans Salz gewhnen, da keine Speise mehr schmeckt,
wenn sie nicht stark gesalzen ist. Die Wirkung des Salzes ist tzend,
zerfressend, zersetzend. Wer also viel Salz nimmt, der kann recht leicht
seinen Magen, die Eingeweide&c. sehr beschdigen.

Ich habe viele Versuche mit dem Salz beim Vieh gemacht. Wo die
Milchwirthschaft recht betrieben wird, da wird stark gesalzen, damit eine
rasche Zersetzung der Nahrung im Thiere bewirkt werde. Es war auch oft in
Bchern oder Zeitungen zu lesen, man solle viel Salz fttern, und man ist
sogar schon zu dem Sprchworte gekommen: Ein Pfund Salz gibt ein Pfund
Schmalz. Ich habe auch jenen Rath befolgt und ziemlich viel Salz gefttert,
habe aber die Erfahrung gemacht, da alle Thiere, bei denen es geschah,
nicht alt wurden. Auch wurden sie nicht mehr trchtig oder warfen die
Klber zu frh ab. Es haben mir auch mehrere Schlchter versichert, man
knne an den Gedrmen erkennen, ob der Besitzer kein, wenig oder viel Salz
fttere; wenn viel Salz gefttert werde, dann seien die Gedrme so morsch,
da man sie zum Wursten nicht gebrauchen knne, denn sie bekmen bei der
Reinigung gleich Lcher. Was diese Schlchter behaupteten, davon habe ich
mich oft berzeugt, wenn ich grndlich nachsehen lie. Ich habe dann das
entgegengesetzte Verfahren angewendet und gar kein Salz mehr gebraucht und
habe die Erfahrung gemacht, da das Vieh viel gesnder und lter geworden
ist. Daher mchte ich jeden Landwirth, dem sein Vieh lieb ist, warnen, vor
Allem nicht viel Salz zu fttern. Ich wei noch recht gut aus meiner
Kindheit, da die Erdpfel hufig nicht gesalzen wurden, die Milchsuppe
wurde gar nie gesalzen, wie auch Alles, was von Milch bereitet wurde. Heut'
zu Tage aber mu Alles gesalzen werden. Man kann sich so sehr ans Salz
gewhnen, da man bei allen Speisen schlielich das doppelte, ja dreifache
Quantum des gewhnlichen Maes anwendet und trotzdem glaubt, man salze noch
nicht genug. Ist das Rindfleisch von hitziger Wirkung, und mu es daher, um
Nachtheilen vorzubeugen, mit Gemse gegessen werden, so gibt es doch Viele,
die das Rindfleisch erst noch ins _Salz tauchen_, ehe sie es genieen. Man
sei vernnftig und gebrauche nur wenig Salz, in der berzeugung, da unsere
Nhrmittel das ntige Salz selbst mitbringen. Die Thiere des Feldes, wie
die Vgel der Luft gebrauchen auch kein Salz und gedeihen doch krftig. Es
ist also offenbar das Salz nur ein Reizmittel ebenso wie die anderen
Gewrze, vom Pfeffer bis zum letzten derselben. Sie erwrmen, erhitzen,
reizen, und weiter ntzen sie nichts.


4. Mineralwasser.

Du wirst auch, lieber Leser, von mir ein Wort hren wollen ber
_Mineralwasser_. Ich verwerfe sie nicht, empfehle sie im Allgemeinen aber
auch nicht; denn wenn das Salz leicht nachtheilig wirken kann, so wird
dieses um so mehr der Fall sein bei den Mineralwassern, die ja mehr oder
weniger verschiedene Salztheile enthalten und tzend auf den Magen wirken.
Ist eine Natur krftig, und ist nur ein Theil des Krpers krank, so knnen
im Mineralwasser Salze sein, die dieses bel wegtzen; kommt man aber mit
diesem Mineralwasser zu oft, und gebraucht man zu viel davon, dann kann das
bel leicht noch gesteigert werden. Es ist mit dem Mineralwasser wie mit
den Laxirmitteln. Wenn Jemand hin und wieder ein Laxirmittel nimmt, so ist
noch nicht viel gefehlt; wenn man aber, weil es gut wirkt, lngere Zeit
Gebrauch davon macht, so richtet es die Natur zu Grunde. Ich kenne recht
Viele, die in Mineralbder gegangen sind; es that ihnen gut, und sie
wurden gesund; sie gingen ein zweites Mal, und es ging ihnen weniger gut;
sie gingen zum dritten Male, und das Mineralwasser bte keine Wirkung mehr
an ihnen aus. Der Gebrauch mancher starken Mineralwasser wirkt auf unsere
Natur hnlich wie das Putzen mit Sand auf die Silbersachen; wenn man
solches fters vornimmt, wird das Silbergeschirr groen Schaden erleiden.
Daher rathe ich, das Mineralwasser entweder recht wenig und selten oder
noch besser gar nicht zu gebrauchen. Den klarsten Beweis geben mir die
vielen Kranken, die zu mir kamen und klagten, da die Mineralwasser ihnen
nicht blo keine Heilung gebracht, sondern sie vielmehr noch krnker
gemacht htten.




Achtes Kapitel.

ber das Essen.[1]


Das vorhergehende Kapitel hat den hheren, mittleren und niederen Werth der
Nhrstoffe im Allgemeinen auseinander gesetzt; die Speisen und Getrnke,
die gewhnlich genossen werden, wurden in drei Klassen eingetheilt, und
zwar habe ich, da das Wichtigste fr die Erhaltung eines festen,
ausdauernden Krpers der Stickstoff ist, sie hiernach eingetheilt in
stickstoffreiche, stickstoffarme und stickstofflose. Wer die meisten
Nhrstoffe von der ersten Klasse whlt, der whlt am besten fr seine
Natur. Wer aus der zweiten Klasse whlt, kann gesund bleiben und lange
leben; er wird aber etwas mehr Nahrung zu sich nehmen mssen, um den
erforderlichen Bedarf an Stickstoff zu decken. Wer nur stickstofffreie
Nahrung und Getrnke geniet, mu erwarten, da seine Kraft frh erliegen
wird. Auch das soll man nicht bersehen, da der, welcher stickstoffreiche
Nahrung whlt, mit kleineren Portionen zurecht kommt. Wer wollte nicht gern
lange leben und gesund und krftig sein! Mge man dehalb die rechte Wahl
treffen in der Nahrung und in den Getrnken und das Werthlose und
Schdliche meiden und fliehen!

[1] Bei dem in diesem Kapitel Gesagten habe ich vorwiegend die lndlichen
Verhltnisse und Lebensweise meiner schwbischen Heimath im Auge gehabt und
sie zur Grundlage meiner Auseinandersetzungen gemacht. Ich wei wohl, da
diese Lebensweise nicht in ihrer Gesammtheit auf andere Gegenden zu
bertragen ist. Viele Leser werden sich auch nicht dazu verstehen knnen,
in dieser Weise zu leben; mgen sie aus dem Gesagten sich das herausnehmen,
was mit ihren Verhltnissen sich vertrgt.

Es ist nun vielleicht den Lesern dieses Buches angenehm, wenn ich eine Art
Kchenzettel fr die drei Tagesmahlzeiten hier niederschreibe. Ich will es
thun. Da ich es aber immer noch mit den alten Sitten und Gebruchen halte,
so werde ich die ehemalige Lebensweise darstellen und das zu unserer Zeit
Gebruchliche bei dieser Gelegenheit in seiner Verkehrtheit recht
beleuchten. Ich will auch bei der Eintheilung in drei verschiedene
Tageszeiten bleiben, Morgen, Mittag und Abend. Wenn ich dabei hauptschlich
Rcksicht nehme auf die allgemein herrschenden Gebruche, so thue ich das
aus dem Grunde, weil frher im Volke so wenig ber Blutarmuth geklagt
wurde, whrend diese jetzt allgemein ist. Ein Arzt sagte krzlich: Es ist
erbrmlich, wie das Landvolk so blutarm ist und bejahrte Leute von 70 bis
nahezu 80 Jahren blutreicher sind, als viele junge Leute von 24 Jahren.
Fangen wir mit dem Frhstck an und fragen wir: Worin bestand dieses
einstmals, und was ist heut' zu Tage gebruchlich?


Das Frhstck.

Das Frhstck der Landleute war gewhnlich eine Suppe: Milchsuppe,
Brodsuppe, Brennsuppe oder Erdpfelsuppe. Diejenigen, welche schwere
Arbeiten hatten, wie Dienstboten und Knechte, bekamen Habermu und Suppe,
oder auch Mu und Milch, auch Suppe und Milch. Weil am Morgen die Natur
ausgeruht hat und somit krftiger ist, so war diese Mahlzeit vollstndig
ausreichend. Die nicht besonders schwere Arbeiten hatten, aen vom
Frhstck bis Mittag nichts mehr; die aber schwer arbeiten muten, bekamen
noch ein sogenanntes Unterbrod, welches gewhnlich aus Milch und
eingebrocktem Brod bestand, oder auch aus Erdpfeln und Milch. Die rmeren
Leute, die keine Dienstboten hatten, nahmen ein Stcklein schwarzes Brod
oder ein Stcklein Brod und Erdpfel. Wie gut war diese Wahl! Enthlt doch
das Brod alle Nhrstoffe, die man braucht! Dehalb ist auch die Brodsuppe
so gut fr den Krper. Die Milch, wie bereits erwhnt, ist stickstoffreich.
Hat man noch Brod dazu, so hat man eine Mahlzeit, die dem Krper recht
viele und krftige Nhrstoffe bietet und auch gut verdaulich ist. Die
Brennsuppe wird also bereitet: Gesundes Mehl wird in einer Pfanne gerstet
wie Kaffeebohnen, nur nicht so braun, dann mit Wasser gekocht. Nimmt man
Brod dazu, so hat man ein krftiges, nahrhaftes Frhstck. Besonders wurde
diese Suppe aus Hafermehl bereitet, und sie wurde stets fr die
vorzglichste Nahrung gehalten. Das Mu enthlt recht viele Nhrstoffe und
ist dehalb fr den angestrengt Arbeitenden ein sehr gutes Frhstck. Zu
dem Mehl, woraus das Mu bereitet wurde, verwendete man etwas Gerste,
hauptschlich aber Hafer. Es wurde gekocht mit Wasser, wenn man keine Milch
hatte, sonst mit Milch, oder mit halb Milch und halb Wasser. Die
Dienstboten wren ohne solches Mu nicht auf ihrem Platze geblieben. Zu
diesem Mu kam noch eine kleinere Portion Brodsuppe. -- Du siehst also,
lieber Leser, wie einfach und krftig die Nahrung und wie gut die Wahl
getroffen war. Bei diesem Frhstck konnten die Dienstboten von Morgens 4
Uhr, ja oft von 3 und 2 Uhr an, falls sie noch ein Unterbrod erhielten, bis
Mittag ihre Arbeiten gut verrichten, ohne geschwcht zu werden.

Welche Frhstcke hat aber unsere Zeit gewhlt? Die arbeitende Klasse auf
dem Lande ist auch jetzt noch groentheils, wenigstens bei uns in Schwaben,
bei jenem Frhstck geblieben, hat aber leider mit demselben auch schon
Schdliches verbunden. Es ist sogar in verschiedenen Orten Sitte, da man
nach dem Frhstck ein Glas Schnaps nimmt, wodurch die krftige, nahrhafte
Kost theilweise wieder verdorben wird. Mit Ausnahme dieser Klasse hat man
sonst fast allgemein den Kaffee, weniger Chocolade, zum Frhstck gewhlt.
Was bekommt aber die Natur davon? Erstens hat der Kaffee, wie gesagt,
keinen Stickstoff, und zweitens geht er halb verdaut aus dem Magen wieder
heraus und nimmt Milch und Brod mit sich fort. Der betrogene Mensch aber
hat von ihm blo einen angenehmen Reiz und eine scheinbare Krftigung
bekommen, aber keine Nhrstoffe, die seine Kraft erhalten oder vermehren.
Also ein knstliches Reiz- und langsames Abfhrmittel hat man eingenommen
mit der Tuschung, man habe gut gefrhstckt. Das Traurigste aber ist, da
gerade schwchliche, gebrechliche Leute ganz besonders dieses Frhstck
gewhlt haben und nothwendiger Weise durch dasselbe zu noch grerer
Blutarmuth und Gebrechlichkeit kommen. Selten trifft man eine Nherin, die
gesund und krftig ist. Der Grund liegt neben der sitzenden Lebensweise zum
groen Theil darin, da diese Leute dem Kaffee zu sehr ergeben sind. Ich
wei von solchen, die nie mehr in einem Hause genht haben, wenn man ihnen
nicht vorher Kaffee versprochen hatte. Wenn es mit der Menschheit besser
werden und die Blutarmuth gehoben und eine krftigere Gesundheit erreicht
werden soll, dann ist zu allererst nothwendig, da man ein gesundes,
nahrhaftes und krftiges Frhstck geniet. Vertausche also den Kaffee in
der Frhe mit einem guten Frhstck von der angegebenen Art! Willst du das
nicht, dann lasse es bleiben, beklage dich aber auch nicht mehr ber dein
Elend, deine Armseligkeit, und wenn die Htte deines Krpers
zusammenbricht, dann sei berzeugt, da du selbst das Meiste dazu
beigetragen hast. Wem aber der Kaffee so sehr am Herzen liegt, da ihm
schon das Wort Kaffee allein ein Labsal ist, der mge zum Frhstck
Malzkaffee, Eichelkaffee, Roggenkaffee oder Waizenkaffee nehmen; er hat
eine groe Auswahl, und die genannten Arten sind das reinste Gegentheil vom
Bohnenkaffee. Schnaps zum Frhstck ist, wie schon gesagt, hchst
verderblich; er entzndet den Magen und regt auf. Der Alkohol ist und
bleibt ein Verderben fr den Krper.

Es gibt viele Gegenden, wo man zum Frhstck Kaffee nimmt und Brod dazu,
auf welches Butter gestrichen wird. In andern Gegenden nimmt man Honig
statt der Butter. Welchen Werth hat bei diesem Frhstck die Butter und der
Honig? Butter wie Honig sind ohne Stickstoff und nhren nur in soweit, da
das Leben erhalten bleibt; aber es wird keine erhebliche Vermehrung der
Krfte durch sie bewirkt. Zudem ist Honig nicht nur ein Reizmittel, sondern
auch wie der Kaffee ein gelindes Abfhrmittel. Der Werth des Honigs liegt
eben in seinem Charakter als Arzneimittel; als Nhrmittel kommt er nur in
geringem Mae in Betracht. -- Im Schwabenlande ist die Butterwirthschaft
allgemein. Es werden Tausende von Zentnern verkauft und in andere Lnder
geschickt; aber Niemand glaubt dort, da das Brod ohne Butter nicht
nahrhaft und krftig sei. Wie theuer kommt berdie in einer Familie diese
Zugabe zu stehen, die ganz gut entbehrt werden kann! Ich mchte wirklich
allen Butter- und Honig-Essern sagen: Lat diese Nebensachen weg und
bringet das dadurch Erbrigte entweder in die Sparkasse, oder kauft Euch
auch noch ein gutes Stck Brod dazu; dann seid ihr viel besser daran.

Doch man wird entgegnen: Diese empfohlenen Frhstcke sind mir zu schwer,
sie blhen mich auf und verursachen mir Magendrcken. Ich antworte dir:
Hast du schwere Arbeit, so wird es dich nicht lange drcken. Hast du aber
keine schwere Arbeiten oder gar eine sitzende Lebensweise, so darfst du nur
wenig nehmen, die wird dich nicht belstigen; denn fnf bis sechs Lffel
voll krftiger Suppe bringt dir mehr Nahrung und Kraft, als ein ganzes
Frhstck mit Kaffee.


Das Unterbrod (die Zwischen-Mahlzeit).

Dieses bestand einst aus Milch und schwarzem Brode; die Armen hatten
gestockte Milch und schwarzes Brod, zur Winterszeit Kartoffeln und etwas
Brod oder Milch dazu. Diese Mahlzeit war gewhnlich in fnf bis sechs
Minuten vorbei, und rstig ging man wieder an die Arbeit. Heut' zu Tage
kommt es hufig vor, da man statt Milch und Brod oder Erdpfel Bier und
Brod nimmt, was sehr gefehlt ist; denn das Bier wirkt blo durch Reiz und
hat nur wenig Nhrstoffe. Selten ist berdie das Bier, welches man zum
Unterbrod gibt, ein gutes, krftiges Bier, ja fters ist es geradezu
verflscht. Daher rathe ich den Arbeitern recht dringend: Kaufet euch statt
des Bieres Brod und Milch und lat dadurch eurer Natur eine gesunde,
krftigende Nahrung zukommen! Der halbe Liter Bier kostet 12 Pfennige; wenn
ihr dafr Brod und Milch kauft, dann seid ihr viel besser genhrt als mit
jenem Getrnke.

Eine Unsitte ist es auch, wenn besonders Handwerksleute zu dieser
Zwischenmahlzeit ihr Glas Schnaps bekommen, da dieser ja nur verderblich
wirken kann, wie oben bemerkt; das Traurigste aber ist, da der
Schnapsgenu auf diese Weise zur Gewohnheit wird. Bedenke doch Jeder: Wer
fr die Hlfte dessen, was Bier und Schnaps kosten, Milch und Brod kauft
und geniet, wird viel gesnder und krftiger sein als der, welcher jene
Getrnke zu sich nimmt.


Die Mittagsmahlzeit.

Die Mittagsmahlzeit ist ganz verschieden, bei denen, die Mehlspeisen
genieen, und bei denen, die vom Fleischgenu leben. Auch herrscht eine
Verschiedenheit in diesem Punkte in den einzelnen Lndern. Man kann wohl
sagen: So verschieden die Sprache, so verschieden ist auch der Tisch. Ich
will zuerst schildern, wie es einst im Schwabenland war und theilweise auch
jetzt noch ist. Gerade hier besteht der Fleischgenu am wenigsten, obgleich
man viel und schnes Vieh hat. Selbst dann, wenn das Vieh billig ist, kann
man doch nicht von allgemeinem Fleischgenu reden; alte Gewohnheiten werden
hier noch hoch geschtzt. So la dir denn, lieber Leser, eine schwbische
Mittagsmahlzeit beschreiben, wie sie vor 50 bis 60 Jahren war.

Die erste Speise war Sauerkraut; es bekam Jeder eine Portion desselben ohne
jegliches Fleisch; rmere Leute kochten sehr oft Erdpfel zusammen mit dem
Kraut. Im Winter fgte man auch Erbsen hinzu. Htte das Kraut gefehlt, so
wre man mit der ganzen Mahlzeit nicht zufrieden gewesen. Nach dem Kraut
kam Suppe, Brodsuppe oder eingekochte Suppe von Mehl, oder Kndel, wie sie
in Schwaben gebruchlich sind. Auf die Suppe folgte eine gerstete Kost,
wieder von gutem Mehl bereitet; den Schlu machte noch ein Topf mit Milch,
aus dem Alle gemeinschaftlich aen. So beschaffen war der Mittagstisch der
schwer Arbeitenden. Bei den rmeren Leuten fiel gewhnlich die gerstete
Kost aus, dafr gebrauchten sie gednstete Speisen. Wie gefllt dir ein
solcher Tisch? Bemerken mu ich noch, da stets ein Krug frischen Wassers
neben dem Tische stand, so da Jeder Gelegenheit hatte, vor dem Essen etwas
zu trinken; whrend des Essens trank Niemand. Bei diesem allgemein
gebruchlichen Mittagstisch blieben die Leute recht krftig und gesund, und
viele kamen tief in die 80er Jahre. Wenn ein solcher Mittagstisch wieder
allgemeiner Gebrauch wrde, dann glaube ich, da die gegenwrtig groe
Blutarmuth nach und nach wieder verschwinden wrde.

Diese Auswahl der Speisen war eine viel bessere, als vielleicht mancher
Leser denkt. Das Sauerkraut gehrt wohl zu den allergesndesten
Nhrmitteln. Es war allgemeines Sprchwort: die fleiigen Krautesser werden
am ltesten. Mit dem Kraut verbindet sich die Suppe und gibt einen Brei,
den die Magensfte recht gut fr den Krper verarbeiten knnen. In diese
Mischung kommt dann die Hauptspeise, und den Schlu macht die krftigste
Speise, die Milch. Stellen wir uns diese Mischung im Ganzen, wie im
Einzelnen vor, so mu doch Jedem klar werden, da die Natur fr die
Vermehrung ihres Blutes ganz Schuldloses bekomme, keine hitzigen Gewrze,
nicht den so verderblichen Essig oder andere zu saure Sachen, nichts zu
Trockenes und Hartes, was die Natur nicht oder nur schwer zersetzen kann.

Neben diesen schwbischen Tisch wollen wir einen anderen, den der
Fleischesser setzen. Die erste Speise ist Fleischsuppe, die gewhnlich ganz
dnn ist, indem wenig oder nichts in diese eingekocht ist. Nach der Suppe
kommt ein sogenanntes Voressen, eine Fleischkost, gewhnlich mit sauerer
Sauce, dazu wird feines Backwerk gereicht. Dann kommt die Hauptspeise:
Rindfleisch mit ein-oder zweierlei Gemse. Bei einem feineren Tische folgen
noch ein oder zwei Sorten Braten. Das ist der Tisch der Fleischesser fr
gewhnlich. Bei greren Mahlzeiten wird aber noch mehr aufgetragen.
Vergleichen wir jetzt diesen Tisch mit dem obigen, um den Unterschied
kennen zu lernen. Die Fleischbrhe ist ohne allen Stickstoff. Sie schmeckt
zwar gut, ist aber nicht so sehr Nhrmittel als vielmehr Reizmittel durch
die Gewrze und die Wrme. Die zweite Kost enthlt wieder mehrere Gewrze,
sonst wrde der Geschmack fehlen. Durch die dem Fleisch beigegebenen, oft
sauren Saucen wird dasselbe noch schrfer gemacht. Die Zugabe aus feinem
Backwerke mu hauptschlich darum mitgenossen werden, damit jene Speise
nicht so sehr erhitzt. Das Rindfleisch enthlt am meisten Nahrungsstoff,
entwickelt aber auch die meiste Hitze, wehalb zum Rindfleisch die Gemse
nothwendig sind; aber auch diese sind wiederum mit Gewrzen gekocht, ben
somit gleichfalls einen Reiz aus. Kommen noch mehrere Speisen, ein oder
zwei Braten oder Geflgel, nach dem Rindfleisch, wie es an feineren Tischen
der Fall ist, dann haben die folgenden Speisen mit den zugehrigen Gemsen
dieselbe Bedeutung und Wirkung, wie sie beim Rindfleisch angegeben ist. Den
Schlu eines solchen Mittagessens macht gewhnlich der Kaffee, der wiederum
einen Reiz ausbt, aber auch bemht ist, dem Magen Erleichterung zu
verschaffen, indem er die Speisen mglichst schnell aus dem Magen
verdrngt, daher das Gefhl des Wohlseins und Leichterwerdens nach dem
Genu des Kaffees. Nicht unerwhnt darf bleiben, da bei dieser Mahlzeit
kein Wasserkrug gebraucht wird, sondern das Glas Bier oder Wein, oder beide
nach einander. Werden noch Mehlspeisen bei einer greren Tafel verwendet,
so sind sie gewhnlich zu fein, um Nahrung zu geben, zu sehr gewrzt, um
die durch die Fleischspeisen bewirkte Erhitzung mindern zu knnen. Aus dem
Gesagten ist wohl Jedem klar, da ein groer Unterschied ist zwischen dem
Tisch der Leute, die sich von Fleisch, und solcher, die sich von
Mehlspeisen nhren, sowohl was das Ma der Erhitzung, als auch das der
Ernhrung angeht.

Diese beiden genannten Mahlzeiten stehen sogar vielfach einander schroff
gegenber. Sie knnen aber auch recht gut, die eine wie die andere etwas
gemigt, mit einander verbunden werden. Der Fleischesser kann bei seiner
Mittagstafel eine gute Mehlspeise genieen und so deren vortreffliche
Nhrstoffe sich zuwenden. Umgekehrt kann der Vegetarianer auch recht gut
eine Portion Fleisch mit seinen Speisen verbinden und so dessen Nhrstoffe
seinem Krper zukommen lassen. Bei den Mahlzeiten wird auch fters noch
frisches Obst genossen, was nur zu empfehlen ist. Das Obst khlt, erfrischt
und stillt den Durst.

Ich habe bereits erwhnt, da unsere Vorfahren recht viel auf Erbsen
gehalten haben. Gerade die armen Leute nhrten ihre Kinder viel mit
Erbsensuppe und Erbsenbrei. Sowohl Mittags als auch Abends wurde
Erbsensuppe aufgesetzt. Fast noch mehr wurde Gerste geschrotet und zur
Suppe verwendet, die an Wohlfeilheit und Kraft wohl kaum von einer anderen
Suppe bertroffen werden konnte.

Wer mir das, was ich hier gesagt habe, nicht glauben will, der thue, wie er
mag; ich mache es auch so, und damit basta. Eins aber mge mir Jeder
glauben, Die nmlich, da ich nicht mit Vorurtheil gesprochen, sondern nur
zum Besten meiner Mitmenschen dargelegt habe, was ich durch Beobachtung
gefunden.


Der Abendtisch.

Beim Abendtisch soll zunchst wieder angegeben werden, wie ihn einst das
schwbische Landvolk gehabt hat. Das erste Gericht war eine Suppe,
Brodsuppe oder eine solche, in die Mehl eingekocht war. Auch Erdpfel
wurden mit eingekocht. Nach der Suppe kam die zweite Kost, wieder aus
reinem Naturmehl bereitet, aber es war nicht gerstet, sondern entweder
gednstet oder in einer braunen Sauce. Den Schlu machte wieder die Milch.
Die rmeren Leute hatten im Winter gewhnlich des Abends Kartoffeln und
Suppe und, wenn sie Milch hatten, erstere mit Milch. Auch gab es wohl Suppe
und Kartoffelmu, sonst nichts weiter. Mithin gab es drei Speisen bei den
besser Gestellten und gewhnlich nur zwei bei den Armen. Recht oft hatte
man auch eine schwarze Brodsuppe, welcher nicht selten Erdpfel beigegeben
wurden. Dieser Abendtisch ist bei den Landleuten auch jetzt noch geblieben,
ebenso wie groentheils der Mittagstisch. Aber Eines mu doch sehr beklagt
werden, weil es den grten Nachtheil fr die Menschen hat: da nmlich die
Milch, dieses so vorzgliche und gesunde Nhrmittel, nicht mehr so oft auf
den Tisch kommt, und da dafr theueres und schlechtes Bier getrunken wird,
welches nur armselige oder gar keine Nhrstoffe hat. Es ist ganz
unbegreiflich, wie man fr 7 bis 8 Pfennige den Liter gute Milch verkauft
und fr ein Liter mattes Bier 24 Pfennige gibt, da doch drei Liter vom
besten Bier nicht annhernd die guten Nhrstoffe enthalten wie ein einziger
Liter Milch. Das nenne ich schlecht wirthschaften und bin der berzeugung,
da, wenn es so fort geht, alle Milch verkauft wird und geringwerthiges
Bier an deren Stelle kommt, die Menschheit immer mehr zurckgehen und die
Blutarmuth immer mehr berhand nehmen wird. Am bedauernswerthesten aber
sind dabei die Armen und Schwchlinge daran; wie viele der nahrhaftesten
Speisen knnen aus der Milch bereitet werden, wie mannigfaltig kann die
Milch als Nahrungsmittel verwendet werden, und jetzt wird dieses erste
Nhrmittel so bald wie mglich aus dem Hause getragen! Dafr wird dann der
armseligste Kaffee und schlechtes Bier eingekauft, die hoch im Ansehen
stehen. O da es doch wieder anders werden mchte!

Der Abendtisch ist bei Jenen, die Fleisch genieen, dem Mittagstisch sowohl
in der Art der Speisen, als auch in deren Wirkung hnlich, gerade so wie
bei denen, die sich blo von Mehlspeisen nhren. Die Speisen der Ersteren
sind stark gewrzt und hitzig, wodurch Durst erzeugt wird. Wer regelmig
von Mehlspeisen lebt und wenig Gewrz gebraucht, wird auch wenig und selten
Durst haben. Bekommt er aber diesen, dann wei er, da in seinem Krper
nicht Alles in Ordnung ist. Das Freisein vom Durst ist ein Hauptvortheil
fr die, welche nur von Getreide und Frchten leben. Es sei noch bemerkt,
da der Abendtisch nicht zu reichlich sein und nicht zu spt genommen
werden soll. Groe Abendmahlzeiten fllen die Srge, sagt ein spanisches
Sprchwort.


Trinken beim Essen.

Es herrscht unter der Menschheit eine zweifache Ansicht: die Einen sagen,
man solle recht wenig trinken und besonders nichts whrend der Mahlzeit;
Andere dagegen behaupten, man solle bei jeder Speise eine Zugabe von
Flssigkeit zu sich nehmen, Wasser, Bier oder Wein. Was mag wohl das Rechte
sein? Ich will es dir, lieber Leser, auseinandersetzen. Die Speise, die du
in dich aufnimmst, mu zuerst von den Zhnen gut verarbeitet werden, je
grndlicher, desto besser; -- denn _gut gekaut ist halb verdaut_. -- Die
Speise mu ferner mit Speichel vermischt werden; im Mund sind mehrere
Drsen, die den Mundspeichel absondern. Wenn nun die Speisen gegen die
Drsen drcken, so fliet der Speichel aus und vermischt sich mit der
gekauten Speise. Je besser die Speisen mit Speichel vermischt werden, um so
besser sind sie vorbereitet fr den Magen. In diesem werden die
aufgenommenen Speisen mit Magensaft vermischt, und je inniger die
Vermischung, um so besser wird auch die Verdauung sein; denn der Magensaft
mu ja die Speisen zersetzen und auflsen, die weichsten wie die
hrtesten. Auer diesen zwei Umwandelungen der Speisen im Mund und im Magen
finden noch mehrere andere im Darmkanal statt bis der Speisebrei so
zersetzt ist, da die Natur das fr sie Nothwendige ausziehen kann. Es wird
also Derjenige nicht recht thun, der die Speisen, ohne sie ordentlich zu
zerkauen, verschluckt. Mssen aber die Speisen mit dem Magensaft vermischt
werden, so fragt es sich: Wird Die ebenso gut geschehen, wenn man whrend
des Essens fters trinkt, als wenn man nicht trinkt? Trinkt Jemand beim
Essen, dann werden nothwendiger Weise die Speisen zuerst mit dem Getrnke
vermischt, und in Folge davon knnen die Magensfte nicht mehr so
eindringen in die Speisen, weil sie bereits mit Flssigkeit durchtrnkt
sind. Wer ein Tuch roth frben will, wird dieses Tuch nicht erst in's
Wasser tauchen, ehe er's in die rothe Farbe legt. Wie dnn werden ferner
die Magensfte, wenn sie fnf bis sechs Mal, ja noch fter mit Flssigkeit
vermischt werden! Sind aber die Magensfte zu sehr verdnnt, so haben sie
keine Kraft mehr, die Speisen zu verarbeiten. Dann kann aber auch die Natur
nicht Alles bekommen, was in den Speisen enthalten ist; es wird ein groer
Theil der Speisen unaufgelst und unausgentzt abgehen. Der allein richtige
Grundsatz ist: Trinke, wenn dich drstet; denn der Durst sagt dir, es fehle
an Flssigkeit fr die Magensfte. Drstet dich nicht, so sind deine
Magensfte schon dnn genug; dann la das Trinken bleiben!

Wenn der Landwirth vernnftig seine Pferde fttert, so wird er sie, wenn
sie von der Arbeit in den Stall kommen, nach wenigen Minuten zuerst
trnken, damit durch das Wasser die dicken Magensfte verdnnt und so zu
Aufnahme der Speisen vorbereitet werden. Dann gibt er ihnen trockenes
Futter, welches sie gut kauen mssen, damit es, mit Speichel gehrig
vermischt, in den vorbereiteten Magensaft gelange. Whrend der Ftterung
wird er dem Pferde nichts zu trinken geben, er wird auch kein Wasser in den
Trog schtten, damit das Futter nicht durchnt wird. Wrde er Dieses thun,
dann wrde das Futter, da es mit Wasser schon durchtrnkt ist, nicht mehr
hinreichend vom Magensaft durchdrungen werden. Das Pferd wrde dann
regelmig dickbauchig werden, nie die volle Kraft bekommen und schwerer
athmen. Der Grund hiervon ist, da die Nahrung nicht hinlnglich ausgentzt
und das Thier somit nie in erforderlicher Weise genhrt wird. -- Denken wir
uns nun die Speisen, die bei einem Mittagstisch genossen werden, unter
einander gemischt, so gibt es einen weichen Brei; giet man aber an diesen
Brei einen Liter Wasser oder Bier oder Wein, wie dnn wird dann dieser, und
viele Magensfte wrde man nthig haben, da das Ganze ordentlich davon
durchdrungen wrde. So ist also die erste und beste Regel: Wer Durst vor
dem Essen hat, der trinke, damit die Magensfte verdnnt werden knnen; er
trinke aber nur ganz wenig und glaube ja nicht, da er mit dem vielen
Trinken schnell allen Durst stillen knne. Whrend des Essens trinke man
gar nicht und selbst nach der Mahlzeit noch nicht sofort, sondern erst
dann, wenn Durst sich einstellt. Wozu denn viel trinken bei Tisch? Man
bekommt ja Flssigkeit genug in der Suppe, und die Gemse (Kartoffeln&c.
&c.) enthalten ja sehr viel Wasser. Ich bin an der Hand der Erfahrung zu
der berzeugung gekommen, da man durch die Speisen Flssiges genug
bekommt. Ich habe schon in meiner Jugend recht viele Leute kennen gelernt,
und es waren gerade die ltesten, die den ganzen Winter hindurch nicht
zehnmal etwas getrunken haben. Ihre Suppen, ihre weich gekochten Speisen
und die Milch haben ihnen Flssiges genug gebracht. Da die Fleischesser
und die, welche geistige Getrnke nehmen, mehr Durst bekommen, ist klar und
bereits oben erwhnt worden. Die Hauptgrundstze in Betreff des Trinkens
wren also kurz zusammengefat diese: Nicht trinken, wenn kein Durst
vorhanden, und auch im Durst nicht zu viel! In kleinen Portionen wird
dieser am besten gestillt. Whrend des Essens trinke man gar nichts; denn
man it keine Speisen, die nicht Flssigkeit enthalten. Selbst nach dem
Essen trinke man nicht sogleich, weil die Verdauung alsbald beginnt und
mehrere Stunden lang dauert, das Trinken ihr aber nicht frderlich ist.


Ma im Essen.

Wie man streitet ber das Trinken beim Essen, so auch ber das Ma der
Speisen, wie viel man genieen soll. Es gibt Leute, die recht viel essen
und glauben, wenn der Magen nicht ganz gefllt wre, so htten sie nicht
hinlnglich Nahrung genommen. Sie sind auch fr das ftere Essen. Andere
dagegen sind der Ansicht, es reiche eine kleine Portion aus, und man solle
nicht so oft essen. Welche Meinung ist wohl die richtige? Fr die
menschliche Natur reicht eine kleine Portion aus, um sie gut zu nhren und
in der Kraft zu erhalten, vorausgesetzt da diese kleine Portion gut
ausgentzt wird. Wenn man aber recht viele Speisen zu sich nimmt, die weder
gut verdaut noch gehrig ausgentzt werden, dann hat man einen groen Theil
umsonst gegessen. Es kommt daher viel darauf an, da man die Natur an wenig
gewhnt, und da dieses Wenige gut ausgentzt werde, nicht aber, da viel
genommen werde und das Meiste davon nutzlos abgehe. Beispiele werden Die
am besten beweisen.

Ich kenne einen Herrn, der ber 80 Jahre ist. Er nimmt nur die
allerkleinsten Portionen zum Frhstck, Mittag- und Abendessen, und zwar
ohne Getrnk, wenn ihn nicht drstet. Er ist vollstndig gesund,
hinlnglich genhrt und hat eine vorzgliche Geisteskraft. -- Ich kannte
einen anderen Herrn, der bis tief in die 80 gelebt hat. Er hatte die
Gewohnheit, kein Getrnk zu genieen, begngte sich mit der einfachsten
Kost und a nur uerst wenig. -- Ein dritter Mann aus meiner Bekanntschaft
war 90 Jahre alt. Er hatte sich nie an Bier und Wein gewhnt und war recht
vorsichtig, da er ja nie zu viel geno. Mit Recht sagt auch das
Sprchwort: Ein Vielfra wird nicht geboren, sondern nur erzogen. Man kann
die Natur an Alles gewhnen und auch so gewhnen, da sie gierig nach dem
verlangt, was sie umbringt. Ich kannte fnf Brder, die arm waren, und mit
den schwersten Arbeiten ihr Brod verdienten. Den ganzen Winter muten sie
im Walde Holz hauen, im Frhjahr und Herbst angestrengt cultivieren, im
Sommer die schwersten Arbeiten verrichten. Bei diesen Leistungen hatten sie
folgende Kost: am Morgen eine Brennsuppe oder eine andere hnliche; am
Mittag des Winters im Walde einen Liter Milch und schwarzes Brod, am Abend
Erdpfel und Brodsuppe. Alle haben ein hohes Alter erreicht und waren stets
gesund. Sieht man dagegen, wie viele Andere die krftigste Kost in doppelt
so groer Portion zu sich nehmen, dabei eine ruhige Lebensweise haben, die
Krperkrfte wenig anstrengen und doch voller Elend und Gebrechen und fast
verkmmert sind, so wird es klar, da es nicht die Menge der Speisen ist,
was den Menschen krftig und gesund macht. Es soll nur gute Kost gewhlt
werden, dann reicht auch eine kleine Portion aus. Es soll ferner gesorgt
werden, da die Natur das Gebotene gut verarbeiten knne, und somit Nichts
nutzlos gegessen und getrunken werde.


Wie oft soll man essen?

Auch in diesem Punkte wird viel gefehlt. Viele glauben, ohne vier- bis
fnfmal zu essen, knne man nicht bestehen. Am vernnftigsten scheint es
mir zu sein, tglich dreimal zu essen: Morgens, Mittags und Abends. It man
zu oft, dann bekommt der Magen nie Ruhe. Ist er immer gefllt, wird er auch
bestndig ausgedehnt. Zehrt er nie ganz auf, was er enthlt, so bleiben die
Speisen theilweise unverdaut im Magen zurck und verursachen
Magenbeschwerden. Von der einen Essenszeit bis zur anderen soll im Magen
aufgerumt werden. Wenn die Landleute vier- ja fnfmal essen, so vertragen
sie Dieses wegen ihrer schweren Arbeit; aber wohl gemerkt, sie kommen auch
recht gut aus, wenn sie nur dreimal essen. Den Beweis geben uns die armen
Landleute, die bei der einfachsten Kost nur dreimal essen und mit ihrer
Kraft recht gut ausreichen. Wenn die Speisen zu lange im Magen bleiben und
darin verderben, so bilden sich auch schlechte Stoffe, und es knnen leicht
dadurch Krankheiten entstehen. -- Man mache es sich also zur Gewohnheit,
dreimal tglich zu essen. Das reicht vollstndig aus. Recht regelmig
leben bringt das beste Gedeihen. Je nahrhafter ferner die Kost ist, um so
kleiner sei die Portion. Man vermeide endlich, was der Natur nicht gut ist,
dann darf man auf Gesundheit, Kraft und Ausdauer rechnen.[2]

[2] Leute mit schwachem Magen werden allerdings fters etwas zu sich
nehmen mssen, weil sie jedesmal nur ganz kleine Portionen genieen drfen;
grere Quantitten kann ihr schwacher Magen nicht bewltigen.




Neuntes Kapitel.

Erziehung.


Der Schpfer der Welt hat der Menschheit die Fortpflanzung des menschlichen
Geschlechtes bertragen und hat zu diesem Zweck schon die Stammeltern durch
einen unauflslichen Vertrag, den Ehebund, unter einander verbunden. Auf
diese Weise sollte fr die Pflege und Erziehung der Nachkommenschaft auf's
Beste gesorgt werden. Da der Mensch ein Ebenbild des Schpfers ist und
hierdurch unendlich erhaben ber der ganzen sichtbaren Schpfung dasteht,
so konnte es dem Schpfer gewi nicht gleichgltig sein, wie fr die
Erhaltung des menschlichen Geschlechtes und fr die Erziehung der
Nachkommenschaft Sorge getragen werde. Aus dem Zweck des Ehebundes ergeben
sich auch die mit demselben verbundenen Pflichten. Da derselbe, wie er beim
Anfange des Menschengeschlechtes geschlossen wurde, noch heute fortbesteht
und bleiben wird bis zum Ende der Zeit, so mchte ich ein wohlgemeintes
Wort an Alle richten, die ihn eingehen und seine Verpflichtungen auf sich
nehmen, und ihnen zeigen, wie sie diese erfllen sollen.


Pflichten der Eltern im Allgemeinen.

Wem ist nicht bekannt, da ein guter Acker eine gute Frucht hervorbringt,
da aber von einem schlechten nicht viel zu erwarten ist? Gilt Dieses nicht
auch in gleicher Weise von den Eltern? Ganz gewi, wenn sie gesund und
krftig sind, ist auch eine hnliche Nachkommenschaft zu erwarten. Wenn
aber die Eltern Schwchlinge sind oder voller Gebrechen, wenn sie durch
schlechte Wohnung, Kost, verkehrte Kleidung oder gar ungeregelte
Lebensweise ihrem Krper schaden, so wird auch ihre Nachkommenschaft nicht
gesund und krftig sein.

Wre es mir doch mglich, allen Mttern folgende Wahrheiten recht an's Herz
zu legen! Es tragen die Kinder mehr oder weniger die Zge ihrer Eltern.
Gerade so erben sich auch die geistigen wie die krperlichen Zustnde von
den Eltern auf die Kinder fort; darum das Sprchwort: Der Apfel fllt nicht
weit vom Stamme. Wenn eine Mutter recht der berzeugung lebt: es ist ein
Gott, der Alles regiert und leitet, dem ich zu dienen verpflichtet bin;
wenn sie Tag fr Tag sich bemht, im Dienste ihres Gottes die Zeit
zuzubringen, und so recht vor den Augen desselben lebt und Alles meidet,
was ihr von ihm verboten ist, -- sollte dann nicht erwartet werden knnen,
da ihre frommen Gesinnungen sich auch auf ihre Kinder fortpflanzen? Werden
nicht auch diese geistigen Zge der Mutter sich in den Kindern
wiederfinden? Glcklich ist eine solche Mutter, und glcklich die Kinder,
denen eine solche zu Theil geworden! Aber gar traurig ist es, wenn eine
Mutter ganz in entgegengesetzter Weise geartet ist. Das hat auf die
Nachkommen die belste Wirkung. Heit es doch oft: Das Kind ist gerade so
stolz und einfltig wie die Mutter, liebt die Eitelkeit wie seine Mutter,
ist zankschtig wie diese u. s. w. Es vererben sich also gute wie schlechte
Eigenschaften auf die Kinder, und zwar bis ins zweite und dritte
Geschlecht. Es geht hier gerade wie bei Krankheiten. Ist in einer Familie
oder Verwandtschaft die Schwindsucht, so haben die meisten Mitglieder
derselben, oft Alle, Anlage zur Schwindsucht. Herrscht in einer Familie
Geisteskrankheit, so bleiben auch deren Spuren bei der Nachkommenschaft
nicht aus. Es kann daher den Eltern nicht genug empfohlen werden, keine
Leidenschaft in sich aufkommen zu lassen, damit nicht ihre Nachkommen diese
als ein unseliges Erbtheil von ihnen berkommen und den eigenen Eltern
hierber gerechte Vorwrfe machen knnen. Knnte man in jedem Kindlein die
Anlagen, die es mit auf die Welt gebracht hat, schauen, so mte man
manches derselben bemitleiden und fragen: Was wird doch einst aus diesem
Kinde werden bei so traurigen Keimen des Bsen? Diese schlimmen Anlagen
kommen oft noch mehr zur Entwicklung durch das schlechte Beispiel der
Eltern, welches die Kinder vor Augen haben. Das von der Mutter Gesagte gilt
aber auch ebenso, wenn nicht noch mehr, vom Vater. Darum sagt das
Sprchwort: Wie der Acker, so die Ruben; wie der Vater, so die Buben.

Stelle ich mir eine grere Anzahl neugeborener Kinder vor, dann knnte ich
sie in drei Klassen eintheilen: erstens lebensunfhige, zweitens
schwchliche und drittens recht gesunde und krftige. Die der ersten Klasse
sind so gebrechlich, da sie nicht zu leben vermgen. Die Maschine des
Krpers kommt nicht in Gang, und die Seele mu bald den gebrechlichen
Krper verlassen, es tritt ein frher Tod ein. Zur zweiten Klasse gehren
die, welche wohl schwchlich und gebrechlich sind, aber doch durch eine
besonders gnstige Pflege dem frhen Tode entgehen, ja sogar noch gesund,
krftig und ausdauernd werden und zum Glck und Segen der Eltern gereichen
knnen. Was die dritte Klasse betrifft, so kommen die Eltern mit solchen
Kindern leichter zurecht. Ist man aber nachlssig in der Erziehung und
Pflege, so werden diese Kinder denen der zweiten Klasse hnlich. -- Mchten
die Eltern es doch recht beherzigen, da in dem kleinen Krper ihres Kindes
eine unsterbliche Seele wohnt, die nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen
wurde, und da ihnen dehalb in dem Kinde ein himmlisches Kleinod
bergeben ist! Sie sollen dafr sorgen, da der kleine Krper zu einem
groen Haus fr die Seele werde, recht fest und ausdauernd, so da das Kind
spter seine Pflichten gegen seinen Schpfer, gegen seine Mitmenschen und
gegen sich selbst erfllen kann. Daher mssen sie auch Alles aufbieten, da
zum Aufbau der Geisteshtte ihres Kindes nur gutes Material verwendet
werde, und Acht haben, da nicht durch schlechte Nahrung oder
Verweichlichung seines Leibes derselbe einer baldigen Auflsung
entgegengehe. Wie bedauernswerth sind die Kinder, welche durch die Schuld
der eigenen Eltern schwach und gebrechlich dastehen, fast unfhig, ihrer
hohen Bestimmung nachzukommen und die Stellung in der menschlichen
Gesellschaft einzunehmen, zu der sie Gott bestimmt hatte! Haben solche
Kinder nicht gerechten Grund zum Vorwurf gegen ihre Eltern? -- So viel ber
die _Pflichten der Eltern im Allgemeinen_.


Pflichten der Eltern im Besonderen.

Die erste Pflicht, welche die Eltern betreffs der Gesundheit ihrer Kinder
haben, ist die Sorge fr die Nahrung. Fr die frheste Nahrung, die dem
Kinde zukommen soll, hat der Schpfer selbst gesorgt durch ein Naturgesetz,
und jede Mutter ist verpflichtet, diesem Gesetze nachzukommen. Thut sie das
nicht, dann hat sie sich vor Gott darber zu verantworten, und fade
Ausreden werden ihr vor dem Gerichte Gottes nichts helfen. Jeder Mutter
mchte ich recht ernstlich sagen: Frchte deinen Gott und halte dieses
Gesetz ein! Allerdings kommen Flle vor, in denen die Beobachtung
desselben nicht mglich ist; aber unter diesen werden nur wenige sein, in
denen nicht in der Lebensweise der Grund hiefr zu finden wre. Gewhnlich
sind Zeitgeist, Mode, verkehrte Lebensweise, Verweichlichung, Sinnenlust
&c. die Ursachen, da dieses Gottesgesetz nicht beobachtet wird oder nicht
mehr beobachtet werden kann. Liegt wirklich der Fall vor, da dieses nicht
eingehalten werden kann, dann steht gewhnlich ein Arzt zur Seite, welcher
der berufene Rathgeber ist; auch ich erlaube mir einige Winke fr solche
Flle zu geben.

Eine kranke Mutter gab ihrem kleinen Kinde Milch mit etwas Wasser verdnnt;
sobald dasselbe wieder Hunger zeigte, gab sie ihm wieder eine kleine
Portion davon. Das Kind gedieh, konnte spter nahrhafte Kost genieen und
wuchs prchtig heran. -- Ich kannte eine Mutter, deren Kind sieben Wochen
zu frh auf die Welt gekommen war. Es war ihr einziges Kind und der
einzige Liebling. Es wurde ihr der Rath gegeben, sie solle demselben
tglich in mehreren kleinen Portionen Eichelkaffee geben. So rettete sie
ihr Kind, ja es wurde mit der Zeit gro und stark und lebt heute noch in
der vollsten Kraft. Ich kann berhaupt fr Kinder den Eichelkaffee mit
Milch nicht genug empfehlen. Eine Mutter hatte ein Tchterlein, das einige
Wochen auerordentlich gedieh, aber auf einmal zu krnkeln anfing, keine
Nahrung ertragen konnte und so armselig wurde, da es nur mehr Haut und
Knochen hatte. Whrend eines Vierteljahres nahm es bestndig ab und man
befrchtete mehrere Wochen hindurch das Ende des Kindes. Ich rieth der
bestrzten Mutter: Geben Sie dem Kinde tglich dreimal, jedesmal zwei bis
drei Lffel voll, schwarzen Malzkaffee, sonst die Nahrung, wie sie die
Kinder gewhnlich hier zu Lande bekommen, nmlich gekochten Brei. Das Kind
bekam eine solche Lust fr den Malzkaffee, da es fr diesen jede andere
Kost verschmhte und ihn gierig trank. Nach wenigen Tagen wurde Milch mit
dem schwarzen Malzkaffee verbunden und Die ein Vierteljahr fortgesetzt,
ohne da man eine andere Kost verabreichte. Nur Milch und Malz waren also
die Nahrung der Kleinen. Das Kind gedieh dann so auerordentlich, da es
Lust zu jeder einfachen Speise bekam und zum gesndesten und krftigsten
Mdchen heranwchst. -- Den Eichelkaffee also, der doch recht wohlfeil und
in jeder Apotheke zu bekommen ist, kann man den Kindern recht gut geben,
bis sie im Stande sind, eine krftigere Kost zu genieen. Ebenso verhlt es
sich mit dem Malzkaffee, der auch wohlfeil ist, gut nhrt und Gedeihen
bewirkt. Eichelkaffee und Malzkaffee sind das gerade Gegentheil vom
eigentlichen Kaffee oder Bohnenkaffee. Wer recht verkmmerte, blutarme,
geistig und krperlich verkrppelte Kinder will, der darf blo den
Bohnenkaffee als Nhrmittel fr dieselben whlen. Auer der Verantwortung,
die er sich dadurch aufladet, hat er auch noch die traurigen Folgen solcher
Verkehrtheit an seinen Kindern tglich vor Augen.

Wenn die Kinder, bis sie ein Jahr alt geworden sind, mit Milch oder
Malzkaffee oder Eichelkaffee genhrt werden, so kann nach Verlauf dieser
Zeit, ja oft noch frher mit einer anderen Kost begonnen werden. Da
entsteht nun die Frage: Was soll man kleinen Kindern geben? Ich glaube, da
die rechte Wahl meist nur von armen Leuten getroffen wird. Ist Vermgen da,
so whlt man feinere Sachen, aber nicht so gnstige. Vor Allem vermeide man
alle aufregenden Getrnke, sowohl Kaffee, als Bier und Wein. Nur was das
Kind krftigt, nhrt und leicht verdaulich ist, soll ihm gereicht werden.
Man soll aber nicht nur keine hitzigen _Getrnke_ geben, sondern auch keine
_Speisen_, die erhitzen. Ich will als Beispiel einer vernnftigen
Ernhrungsweise ein armes Elternpaar anfhren, das 13 Kinder hatte und
recht mhsam das Brod fr diese verdienen mute. Die Kinder bekamen jeden
Morgen eine ziemlich dicke Suppe, z. B. Brodsuppe, Brennsuppe und Erdpfel
darin, Erdpfelsuppe, oder ein Mu, halb aus Erdpfeln und halb aus Mehl
bereitet. Dieses Frhstck schmeckte den gesunden, krftigen Kindern
auerordentlich gut. Zwischen Morgen und Mittag war der Hunger schon wieder
da, und sie bekamen Erdpfel und Brod oder, wenn man Milch hatte, Milch und
Brod. Am Mittage bekamen sie krftige Suppe, gednstete Mehlkost und Milch,
Nachmittags ein Stcklein schwarzes Brod, und gab es noch Milch dazu, dann
waren die Kinder ganz glcklich. Am Abend wurden wieder Brodsuppe und
Erdpfel aufgesetzt, auch Milch, wenn solche vorhanden war. So ungefhr
wurden diese Kinder genhrt, und es wird nicht leicht eine Familie zu
finden sein, die gesndere, krftigere Kinder aufweisen kann. Wenn doch nur
die Eltern nie vergessen wrden, da sie auch fr die krperliche
Entwicklung ihrer Kinder verantwortlich sind, und daher nie eine
unzweckmige Kost fr dieselben whlen mchten! Fleisch taugt fr die
Kinder nicht; es gibt zu hitziges und unreines Blut, und sie werden viel
greren Gefahren, ihre Gesundheit zu verlieren, ausgesetzt, als wenn sie
nur mit Milch und Mehlspeisen genhrt werden. Der Hauptgrundsatz ist
mithin: Whle Milch und Mehlspeisen fr die Kinder! Von groer Wichtigkeit
ist aber auch, da denselben stets eine entsprechende, nicht zu groe
Portion vorgelegt werde; denn der Appetit der Kinder ist gewhnlich recht
gro, und wenn sie sich satt essen, haben sie meistens zu viel gegessen.
Man sei ja nicht ngstlich, da die Speisen fr die Kinder zu rauh und
schroff seien. Ich kannte eine Mutter, die fr ihr Brod Roggen, Gerste und
Hafer mahlen lie und beim Backen die Kleie hinzuthat und mit diesem Brode
ihre Kinder nhrte. Auch bereitete sie andere Speisen daraus. Die Kinder
bekamen auf diese Weise alle Nhrstoffe aus dem Getreide und wurden somit
vorzglich genhrt. Wer den Kindern feines Brod gibt, der nhrt sie
armselig; ebenso wer von Kunstmehl Speisen bereitet. Wer aber den Kindern
hitzige, gewrzte und saure Speisen gibt, wird das Blut derselben erhitzen
und Verdauungsstrungen verursachen. Die Folge wird sein, da die Kinder
lebensunfhig werden und frh dem Siechthum anheimfallen, wie ich es an so
vielen gesehen, die man hlfesuchend zu mir brachte, oder sie werden doch
nur mhsam ihr Leben fristen und ihrem Berufe nur halb gewachsen sein. Die
Eltern sollen auch nicht vergessen, da erhitzende Getrnke und Speisen die
Sinnlichkeit mehr wecken und frdern. Der Eltern Glck sind gute Kinder,
und als solche knnen nur die bezeichnet werden, welche geistig und
krperlich gesund und krftig und sittlich gut sind. Warum sind die Talente
oft so verkmmert und schwach? Vielfach liegt es an der krperlichen
Entwicklung. Der Krper bt einen sehr groen Einflu auf den Geist aus,
und ist ersterer verkmmert, wird auch letzterer darunter leiden. +Mens
sana in corpore sano+, auf deutsch: Ein gesunder Geist in einem gesunden
Krper! Halte man eine ruhige, vorurtheilsfreie Rundschau, und man wird
finden, da ein groer Theil der Gelehrten aus dem einfachen Landvolke
hervorgegangen ist. Man kann gewi sein, da solche die einfachste und doch
glcklichste Erziehung hatten. Man hat frher den Studierenden stets den
Platz nach ihren Leistungen angewiesen, und man hat berall die Wahrnehmung
gemacht, da der grte Theil der besten Pltze immer von Kindern des
Landvolkes eingenommen wurde. Es sollen also die Eltern groe Sorge tragen,
da ihre Kinder eine recht einfache, gesunde und nahrhafte Kost bekommen,
und zwar vorherrschend Mehlkost mit Milch. Mit der Fleischkost aber soll ja
nicht frh angefangen werden, und es sollen berdie die Fleischspeisen
stets mit Mehlkost verbunden werden.


Hautpflege der Kinder.

Auch das Kind mu den Wechsel der vier Jahreszeiten ertragen; es mu sich
gewhnen an Klte und Wrme. Wird hier unrichtig verfahren, so kann der
Krper sich nicht gehrig entwickeln, und nicht ausdauernd fr alle
kommenden Strme werden. Jeder menschliche Krper mu gegen Klte und Wrme
abgehrtet sein, auch der des Kindes. Wenn man von den Abhrtungen liest,
welche die Menschen in den ltesten Zeiten von Kindheit an bis zu ihrem
Lebensende gepflegt haben, so mu man staunen, wie weit sie es hierin
gebracht haben, wie gesund sie geblieben und wie alt sie geworden sind. Wie
armselig sieht es hierin heut' zu Tage unter der Menschheit aus! Ich bin
der vollsten berzeugung: wenn die Jugend nicht besser abgehrtet wird,
nimmt die Blutarmuth zu, die Gebrechlichkeit wird grer, und viele
Tausende sterben eines gar zu frhen Todes. -- _Wie soll man die Kinder
abhrten?_

Es ist Sitte und auch der Reinlichkeit wegen nothwendig, da die Kinder
warme Bder bekommen. Ich habe nichts dagegen; wenn aber die Kinder alle
Tage ein warmes Bad bekommen, so mu ich vernnftiger Weise annehmen, da
sie dadurch verweichlicht werden. Nehme ein erwachsener Mensch zwei Monate
lang tglich ein warmes Bad, und es wird ihm gehen, wie mir dieses Jahr ein
Kranker erzhlte. Dieser hatte 25 warme Bder genommen und war dadurch ganz
matt und so empfindlich geworden, da er keine Klte mehr zu ertragen
vermochte. Wenn nun einen Erwachsenen ein tgliches warmes Bad halb zu
Grunde richten kann, sollen nicht kleine Kinder durch die warmen Bder noch
viel mehr geschwcht werden? Und wie verschieden ist die Wrme der Bder,
die man fr die Kinder anwendet! Mtter und Kinderpflegerinnen prfen oft
mit der Hand, ob das Bad warm genug sei. Weil sie aber hufig ganz kalte
oder schwielige Hnde haben, so kann leicht das Bad um die Hlfte zu hei
sein, und das arme Kind mu dann doppelt leiden. Ich bin nicht gegen das
warme Bad, nur soll es nicht lange dauern und nicht zu warm sein. In drei
Minuten kann das Kind mittelst des warmen Bades leicht gereinigt werden,
und gleich darauf soll die Abhrtung kommen. Man wasche das Kind, sobald es
aus dem warmen Wasser kommt, mit frischem, kaltem Wasser ab, was in ein
paar Sekunden geschehen ist, und gerade so schnell wird dann auch die
berflssige Hitze genommen sein. Oder man mache die Sache noch wirksamer:
man halte neben dem warmen Bade ein Gef mit kaltem Wasser bereit und
tauche das Kind nur eine, hchstens zwei Sekunden in dieses kalte Wasser;
dadurch ist nicht nur die berflssige Wrme beseitigt, sondern die
Kindesnatur ist auch gestrkt worden. Allerdings wird das Kind Anfangs
schreien; es thut aber nichts, sie schreien auch ohne das kalte Bad, und in
kurzer Zeit werden sie sich gar nichts mehr aus dem kalten Wasser machen.
Mir hat ein Beamter geschrieben, er sei mir groen Dank schuldig fr den
guten Rath, die Kinder in's kalte Wasser zu tauchen; denn seit dieser Zeit
seien seine Kinder gesund und krftig. Eine gute Mutter und ein guter Vater
mssen auch eine gewisse Entschiedenheit und Bestimmtheit im Handeln
besitzen und nicht durch jedes Gefhl sich leiten lassen. Sollte das
Muttergefhl gar zu zrtlich sein und glauben, das Vaterland komme in
Gefahr, wenn sie ihr Kind in kaltes Wasser tauche, so kann sie ja in den
ersten Tagen das kalte Wasser etwas mildern, so da es 15 bis 19 Grad
Celsius hat, aber ja nicht lange warten, bis sie das Kind an's frische
Wasser gewhnt.

Ist das Kind soweit entwickelt, da es nicht mehr tglich ein warmes Bad
braucht, so ist recht gut, wenn die Abhrtung mit kaltem Wasser nicht
unterbleibt, sowohl der Reinlichkeit wegen, als besonders wegen der
Krftigung des Krpers. Wrden die Kinder vom dritten Jahre an bis sie in
die Schule gehen, wenn nicht alle Tage, so doch wenigstens drei- bis
viermal in der Woche auf drei bis vier Sekunden ein Bad nehmen oder
gewaschen werden, wie dankbar wrden sie dereinst ihren Eltern sein, wenn
sie gesund und krftig ihrem Berufe vorstehen knnen. Man lasse nur die
Kinder im Freien ihrer Willkr folgen, so wird man recht bald finden, falls
Gelegenheit sich bietet, wie sie im Wasser pltschern, im Wasser gehen&c.;
es thut ihnen so wohl, sie fhlen sich so behaglich und knnen sich nur
schwer vom Wasser trennen. Wrde es ihnen nicht so wohl bekommen, so wrden
sie nicht so gern in's Wasser hineingehen. Lasse man doch den Kleinen ihre
Glckseligkeit, wenn sie auch tropfna in die Wohnstube kommen. Es hilft
das ja dazu, ihnen das Glck einer krftigen Gesundheit zu verschaffen. Es
sei jedoch bemerkt, da man ihnen, falls sie na nach Hause kommen,
trockene Kleider anziehen mu. Ein Sprchwort sagt: Was Hnschen lernt, das
treibt der Hans! Wenn sie in der Jugendzeit durch's Wasser sich abgehrtet
haben, werden sie auch spter durch Abhrtung ihre Gesundheit bewahren und
der Verweichlichung nie anheimfallen.


Bekleidung der Kinder.

Werden viele Kinder durch unrichtige Ernhrung oder durch Mangel an
Abhrtung untchtig gemacht, die Pflichten ihres spteren Berufes gehrig
erfllen zu knnen, so wird wiederum eine groe Anzahl anderer durch die
Kleidung mehr oder weniger zu Grunde gerichtet. Eine Mutter soll nie
vergessen, da ihre Kinder Kleider gebrauchen, um ihre Ble zu bedecken
und um sich zu schtzen gegen Klte und Hitze; Alles, was darber ist, ist
mehr oder weniger vom bel. Wenn man Kinder sieht, besonders in den
Stdten, die bis an die Kniee nur eine ganz unbedeutende Kleidung tragen,
nichts weiter nmlich als Strmpfe und Schuhe, dann aber den brigen
Krper so mit Kleidern eingehllt haben, da sie ganz migestaltet aussehen
und einem Storche gleichen, der auf der Wiese herumschreitet, so kommt man
von selbst auf den Gedanken, da sie so gekleidet sind, um sich
auszuzeichnen, und somit schon von frhester Jugend an zur Eitelkeit
erzogen werden. Es liegt aber auch noch ein anderer groer Fehler in
solcher Bekleidung. Durch die vielen Kleider wird der Leib des Kindes viel
zu warm gehalten, und dehalb zieht auch das Blut mehr nach dem Oberkrper
zu, und Hnde und Fe fangen an, blutarm zu werden. Durch alles Die ist
der Grund gelegt zur spteren Blutarmuth. Dann gibt man solchen Kindern
auch noch Unterhosen, wiederum ein Mittel zur weiteren Verweichlichung;
dadurch ist der Anfang auch schon gemacht zu vielen spteren Krankheiten.
Was der freien Luft ausgesetzt und von ihr abgehrtet ist, das bekommt
Schutz vor vielen beln und Krankheiten. Ich rathe daher den Eltern recht
dringend: Kleidet nie euere Kinder so, da sie durch euere Schuld spter
viel zu leiden und zu ben bekommen! Das Kleid der Kinder auf der Haut sei
aus Leinwand, ber dieses komme ein Kleid fr den Werktag und ein anderes
fr den Festtag. Ist der Stoff noch so einfach, wenn er nur die Ble deckt
und schtzt vor Klte und Hitze, dann reicht es hin. Gerade so wie die Fe
sollen auch Kopf, Hals und Hnde der Kinder abgehrtet werden. Lt man an
diesen Stellen Verweichlichung aufkommen, dann pflanzt man viele Keime zu
den verschiedensten Krankheiten ein. Vor 50 bis 60 Jahren kannte man keine
Diphtherie, und jetzt mssen alle Jahre Tausende und Tausende von Kindern
an dieser Krankheit sterben. Verweichlichung und verkehrte Kleidung werden
wohl mit Ursache sein. Wenn Kopf und Hals der Kinder im Herbst, Winter und
Frhling mit Wollstoffen eingewickelt sind, warum sollten die Raubvgel der
Gesundheit dort ihr Nest nicht finden und ihre Jungen ausbrten, die dann
am Leben des Kindes zehren?

Wie gingen einst die Kinder so einfach mit der nothwendigen Kleidung und
frchteten im Winter keine Klte und im Sommer keine Hitze! Damals hatte
man nicht so viele Todesflle zu beklagen wie jetzt. Ich kenne Eltern, die
vier Kinder hatten, ein herrliches Anwesen und dazu noch baares Geld. In
einer einzigen Woche wurden aber alle vier Kinder durch Diphtherie
hingerafft. Kamen solche Flle frher nicht vor, sollte man da nicht mit
Recht vermuthen, da die jetzige Kleidung eine Hauptschuld an so manchen
Kinderkrankheiten trgt? Ungleiche Kleidung bewirkt eine ungleiche Wrme.
Den wrmer gehaltenen Theilen strmt mehr Blut zu, und umgekehrt. Da dann
durch diese ungleichmige Blutvertheilung und durch angestautes Blut alles
mgliche Unheil entstehen kann, lt sich gewi nicht in Abrede stellen.

Wenn der Kopf mit dicker Wollkleidung umwunden ist, und ebenso der Hals,
und durch die so erzeugte Wrme mehr Blut dort sich ansammelt, sollen da
nicht groe Strungen und ble Folgen zu frchten sein? Es darf auch nicht
unerwhnt bleiben, da trotz der so umwundenen Kpfe und Hlse die kalte
Luft doch eingeathmet werden mu. Daher halte man als ersten Grundsatz bei
der Abhrtung des Krpers fest: Kopf, Hals und Fe mssen gut abgehrtet
werden durch die frische Luft. Man hat dabei keine Erkltung zu frchten,
wenn man vernnftig verfhrt. Ein warmer Ofen heizt das ganze Zimmer; so
erwrmt auch die Natur alle Theile des Krpers. Der Kopf bekomme also eine
leichte Bedeckung, der Hals im Sommer gar keine, im Winter ein nicht zu
dichtes Halstuch, welches nicht aus Wolle sein soll. Es soll auch ja nicht
fest umgebunden werden, sondern die Luft mu stets mehr oder weniger auch
auf die Haut dringen knnen. Wie viele Menschen leiden an Drsen! Sobald
man merkt, da die Drsen anschwellen, wird der Hals doppelt so stark
umwunden, wodurch das Blut noch mehr sich dort anstaut und die Anschwellung
noch grer wird. Ich bin der berzeugung, da es wenige Drsenleidende
geben wird, bei denen nicht in ihrer Jugend Verweichlichung der genannten
Art vorausgegangen ist. Wie viele Kinder muten frher eine halbe, ja eine
Stunde weit zur Schule gehen und haben doch kein Stck Wollkleidung an sich
getragen! Gerade diese Kinder aber blieben die gesndesten und
ausdauerndsten. Den klarsten Beweis aber geben uns die in den Wagen
herumziehenden Familien, die oft viele Kinder zhlen, welche bei grter
Klte nur halbgekleidet sind und in einem solchen Wagen bernachten.
Vergleiche man sie mit Stadtkindern, wie armselig erscheinen letztere oft
diesen gegenber!

Mir ist, als hre ich eine Hausmutter, die diese Zeilen gelesen hat, sagen:
Wie soll ich denn meine heranwachsenden kleinen Kinder vernnftig abhrten?
Ich mchte gern Alles thun, was dieselben dereinst glcklich machen knnte,
auf da ich mich vor meinem Schpfer verantworten kann. Dieser gebe ich den
Rath: Kommt der Frhling, so haben die Kinder eine auerordentliche Freude
daran, im Freien barfu gehen zu knnen, und wenn sie andere barfu gehen
sehen und drfen selbst Dieses nicht thun, dann flieen nicht selten
Thrnen. Lasse sie getrost barfu gehen! Wenn es die Kinder friert, so
wissen sie schon die Wohnstube zu finden. Warte, bis sie selbst nach
Schuhen und Strmpfen verlangen; du wirst aber mitunter lange warten
mssen, so behaglich fhlen sie sich beim Barfugehen. Und wie die Vgel
beim ankommenden Frhling einen Theil ihrer Federn verlieren und andere
Thiere ihre Sommerhaare bekommen, so vereinfache auch die Kleidung deiner
Kinder! Damit du gar nichts zu frchten habest, gewhne deine Kinder an
eine vernnftige Abhrtung durch Wasser; la sie von Zeit zu Zeit zwei bis
vier Minuten im Wasser gehen oder die Arme eine Minute lang ins Wasser
halten; du brauchst nicht oft dazu aufzufordern, das Kind wird schon durch
das empfundene Wohlbehagen zur Wiederholung dieser Abhrtung gelockt. La
deine Kinder wenigstens am Morgen oder Abend einige Zeit barfu gehen im
Garten im feuchten oder nassen Grase, und die groe Sommerhitze wird den so
abgehrteten Kindernaturen nichts schaden. Willst du noch weiter gehen und
deine Kinder recht gesund machen, so leite sie an, kurze Halbbder zu
nehmen. Sobald dieselben daran gewhnt sind, gereicht es ihnen wie zur
Strkung, so auch zur grten Freude. Wie sich die Kinder im Frhling
abhrten mssen, um die Sommerhitze aushalten zu knnen, so mssen sie auch
im Herbst durch Abhrtung auf die Winterklte vorbereitet werden; dehalb
stelle man das Barfugehen im Herbste nicht so bald ein, und wenn die
Kinder im Freien nicht mehr barfu gehen knnen, so sollen sie doch im
Herbst und im Winter am Morgen und Abend im Wohnzimmer barfu gehen. Es
gibt ja doch kein greres Glck fr die Jugend als Gesundheit, und durch
diese wird auch vielem Elende des spteren Alters vorgebeugt.


Sorge fr frische Luft, besonders im Schlafzimmer.

Der Vogel gedeiht in der frischen Luft am besten, auch wenn dieselbe noch
so sehr wechselt in Betreff der Klte und Wrme. Kommt er in ein Zimmer, so
verliert er seine schnen, glnzenden Farben und seine heitere Stimmung.
Gerade so geht es auch den Kindern. Hat man das Kind auf den Armen einige
Male in die freie Luft hinausgetragen, so merkt man an dem Kinde einen
ungewhnlichen Drang hinaus in die freie Natur. O da doch alle Mtter es
als Pflicht erkennen wrden, diesem Begehren des Kindes nachzugeben.
Mchten sie zur Erkenntni gelangen: In der freien, frischen Luft gedeiht
mein Kind am besten! Knnen die Kinder auf ihren schwachen Beinen noch kaum
gehen, so eilen sie schon der Thr zu, um ins Freie zu kommen, und werden
sie aus dem Freien ins Zimmer geholt, geht es selten ohne Weinen und
Schreien ab. Dieses ist nicht blo im Sommer der Fall; selbst im Winter bei
ziemlicher Klte suchen sie das Freie auf, manche trotz eines rmlichen,
dnnen Gewandes, gewi der klarste Beweis, da die Natur das Kind selbst
bei noch unentwickeltem Verstande instinktmig in die freie Luft
hinaustreibt.

Ich besuchte heute einen Kranken und traf auf dem Wege zwei Knaben an, die
noch nicht in die Schule gingen. Sie marschierten barfu im Schnee, der
wegen der weichen Witterung ganz wsserig war, und fhlten sich ungemein
behaglich. Ihre ganze Kleidung war sehr einfach. Weil diese Knaben im
Winter Tag fr Tag groentheils im Freien waren, krzere oder lngere Zeit,
wie es die Klte erlaubte, so konnte ihnen das Barfugehen im Schnee nur
ntzen. Man nimmt an, und mit Recht, da die Kinder, welche im Frhjahr
geboren werden, besser daran sind als die Kinder, welche im Herbst zur Welt
kommen. Sicher ist hier die Ursache, da die ersteren frher und mehr an
die frische Luft kommen. Ist also die Zimmerluft nicht die gnstigste fr
Kinder, wie nachtheilig ist es dann erst, wenn die Schlafsttten der Kinder
fast gar nicht oder viel zuwenig gelftet werden oder gar noch das bel
hinzukommt, da man die Schlafzimmer zu stark heizt! Vor 50 bis 60 Jahren
schliefen auch die kleinen Kinder in ungeheizten Rumen, und ich habe nie
gehrt, da eines erfroren sei. Mchten doch alle Mtter Sorge tragen, da
ihre Kinder so viel wie mglich frische Luft bei Tag wie bei Nacht
bekommen! Am nachtheiligsten jedoch ist es, wenn die Schlafsttten der
Kinder feuchte Mauern haben und nur wenig oder selten die liebe Sonne in
erstere eindringt. Wie leicht und wie bald ist dann das junge Blut
verdorben und der Grundstein fr ein knftiges Elend gelegt! Sollen dehalb
die Kinder gesund und krftig heranwachsen, dann ist durchaus erforderlich,
da fr geeignete Kleidung und Nahrung, sowie fr frische Luft und trockene
helle Schlafsttten gehrig gesorgt werde.


Bewegung.

Alles, was jung ist, ist munter und lebhaft, so die Vgel in der Luft, wie
die Thiere des Feldes. Auch den Kindern ist die Munterkeit angeboren; sie
hpfen und springen gern. Gebe man ihnen nur die freie Wahl, und man wird
bald sehen, da sie es machen wie die brigen Wesen. Die kindliche
Munterkeit ist auch der klarste Beweis von Gesundheit. So lange die Kinder
noch klein und jung sind, dauert ihre Munterkeit und ihr Spiel nur krzere
Zeit. Die junge Kraft ist bald erschpft; dann ruhen sie eine Zeit lang,
und darauf beginnt das Spiel und die Munterkeit von Neuem. Gerade Dieses
mu bei den Kindern wohl ins Auge gefat werden, da sie nie zu viel
angestrengt oder berladen werden. Wie aber die Kinder naturgem Freude
haben am Spiel und vergngtem Umherspringen, so zeigen sie auch bald Lust
und Liebe zur Arbeit und erfassen, was ihre Kraft vermag, mit ebensolchem
Eifer, um der Umgebung zu zeigen, da sie als Kinder auch schon krftig
sind und thtig sein knnen und wollen. So schaut sich schon ein kleiner
Knabe nach einer Peitsche (Geiel) um und sagt: Ich werde einst Fuhrmann
werden. Das Mdchen bringt eine Schssel oder sonstiges Kochgeschirr und
will auch seine Thtigkeit zeigen. Aber auch diese Emsigkeit dauert nur
kurze Zeit, und bald tritt Ermdung ein. Dieses mu wohl bei der Erziehung
der Kleinen bercksichtigt werden. Sie haben Lust und Freude zu Allem, aber
nur fr kurze Dauer. Je mehr die Kinder im Freien sich bewegen, ihren
natrlichen Neigungen berlassen unter der Aufsicht ihrer Mutter oder
Pflegerin, um so gesnder und krftiger wachsen sie auch heran. Also freie
Luft, freie Bewegung gestatte man den Kindern, und ihre Spiele betrachte
man als bung fr die Arbeit und als Vorbereitung fr die knftige
Beschftigung! Sie werden auf diese Weise von Jugend auf an bung ihrer
Krperkrfte gewhnt und sichern sich dadurch Ausdauer,
Widerstandsfhigkeit und Kraft fr's Alter. Doch sollen die Kinder niemals
ohne Aufsicht sein.

Wie traurig aber ist es, wenn Kinder in einer Kinderstube eingeschlossen
gehalten werden, wenn sie gar kein Grtlein haben und keinen freien Platz,
auf dem sie sich herumtummeln und dort die freie, frische Luft einathmen
knnen! Solche Kinder haben ein erbarmungswrdiges Loos. Sie fangen ja
schon an abzusterben fr alles frhliche Leben. Es fehlt solchen Kindern
auch bald an gutem Appetit, oft haben sie sogar schon Nervenaufregungen.
Ein recht kindliches, frhliches, heiteres Gemth geht ihnen ab.

Es kamen vor einem Jahre ein recht besorgter Vater und eine gengstigte
Mutter zu mir mit ihren drei Kindern. Sie waren aus einer Stadt, und unter
Thrnen erzhlte die Mutter: Wir sind beide, ich und mein Mann, recht
unglcklich wegen unserer Kinder; alle drei sind verkmmert, sie haben
keinen Muth, kein Leben, keine Freude, sie haben weder Lust zum Essen, noch
Freude an irgend einem Spiel. Fast jeden Tag kommt unser Arzt ins Haus;
bald gibt er eine Kindermedizin, bald verordnet er Weintrinken in kleinen
Portionen, bald Dieses, bald Jenes. -- Wir thaten, was wir nur konnten; es
fehlt uns nicht an Geld, und wir wrden fr die Kinder gern alles Mgliche
aufbieten. Diese Eltern wollten wissen, ob sie diesem belstand nicht
abhelfen knnten. Ich rieth den guten Eltern Folgendes: Thut eure Kinder
fr ein Vierteljahr auf's Land, lat sie tglich im Freien barfu gehen;
verschafft ihnen Gelegenheit, da sie zeitweilig auch in einem Bchlein
barfu gehen knnen, gebt ihnen tglich fters in kleinen Portionen Milch
oder auch alle Stunde einen Lffel voll, dazu eine recht einfache Kost ohne
Gewrze, ein gutes schwarzes Hausbrod, aber weder Bier noch Wein, und nach
einem Vierteljahr werdet ihr sehen, da ihr andere Kinder habt. Und
wirklich, nach vier Monaten wurden mir die drei Kinder gezeigt, die im
Sommer auf dem Lande in frischer Luft abgehrtet und anders genhrt worden
waren, und ich mute staunen, da in so kurzer Zeit eine solche Umwandlung
stattgefunden hatte. Jeder Familie mchte ich zurufen, besonders denen in
Stdten, und denen, bei welchen die Verweichlichung bereits die Herrschaft
fhrt: Thuet degleichen!

Da wird freilich mancher Familienvater und manche Mutter sagen: Das ist
schon recht, aber mir steht nicht so viel Geld zur Verfgung. Diesen gebe
ich den Rath: Nhret eure Kinder, wie in diesem Buche Anleitung gegeben
ist, htet sie vor Verweichlichung, gebt ihnen keine geistigen Getrnke und
keine gewrzten Speisen, lftet eure Wohnungen fleiig, verschafft ihnen
Gelegenheit zu Halb- und Ganzbdern, wie Anleitung gegeben worden ist, und
ihr werdet auch einen sichtbaren Segen dieses Verfahrens beobachten knnen.




Zehntes Kapitel.

Schule und Beruf.


Das ganze Leben des Menschen ist eine Schule. Tag fr Tag geht Jeder in
diese Schule, Tag fr Tag kann er lernen und sich ben. Dieses dauert bis
zum Sterben. Glcklich der Mensch, der es versteht und sich bemht, das
Nothwendige, Ntzliche und Heilsame mehr und mehr sich anzueignen. Vor
Allem mu man nicht vergessen, da es im menschlichen Leben zwei ganz
verschiedene Schulen gibt, in welchen Unterricht ertheilt wird und gelernt
werden kann. Wer wte nicht, da es auf Erden Gutes und Bses gibt, und
da das Gute mit dem Bsen in einem bestndigen Zweikampfe steht! Jedes
will die Herrschaft. In beiden, im Guten wie im Bsen, wird mit Eifer
unterrichtet. Je nach dem Unterricht, den Jeder erhlt, wird er fr das
Gute oder Bse eingeschult. Glckselig Derjenige, welcher nur in der guten
Schule lernt und frs Gute eingebt wird; unglcklich aber der, welcher in
die Schule des Bsen geht und dort das Bse lernt. Ich will den Versuch
machen, diese zwei Klassen von Schulen, so weit es mir mglich ist, genau
zu kennzeichnen, damit Jeder wei, welches die gute und welches die bse
Schule ist, und welche Folgen der Unterricht in denselben hat. Ich will
beginnen bei derjenigen Lebensschule, die das Kind in frhester Jugend
besucht und will dann die verschiedenen Lebensschulen durchgehen bis zur
letzten hin.


Erste Schule des Kindes.

Die erste Schule ist die _Schule im Elternhaus_. Das kleine Kind ist
wirklich einem Samenkorn gleich, dem man nicht ansieht, da es sich zu
einer so stattlichen Pflanze entwickeln kann. So klein der Krper ist im
Vergleich mit einem Erwachsenen, gerade so winzig ist auch der Geist im
Vergleich mit dem eines ausgebildeten Menschen. Doch kaum hat das Kindlein
das zweite oder dritte Jahr erreicht, so ist es auch schon in der Schule
und lernt durch den Anschauungsunterricht. Sobald es das Reden gelernt hat,
schaut es nicht blo die Gegenstnde an, sondern will auch ber dieselben
belehrt werden. Es stellt daher verschiedene Fragen, um seine Wibegierde
zu befriedigen. Der erste Lehrer ist der Vater, und die erste Lehrerin ist
die Mutter. Wie des Kindes Auge zu allererst auf Vater und Mutter gerichtet
ist, so ist auch fr deren Unterricht sein Ohr geffnet, und dieser wird
am liebsten ins Herz aufgenommen. O mchte doch kein Vater und keine
Mutter vergessen, da sie verpflichtet sind, den ersten Unterricht dem
Kinde zu geben, und da sie vom Schpfer selbst bestimmt sind, seine
kleinen Geschpfe zu belehren! Und welche Gegenstnde sollen Vater und
Mutter dem kleinen Kinde zuerst beibringen? Gar bald kommt das Kind durch
eigene Erfahrung zu der berzeugung, da es dem Vater und der Mutter am
theuersten ist. Es soll nun recht frh darber belehrt werden, da es noch
einen anderen Vater im Himmel hat, der es noch mehr liebt als selbst die
Eltern. Mit dieser Unterweisung soll es recht gewissenhaft genommen werden.
Die Eltern sollen aber nicht blo das Kind mit Worten unterrichten, sondern
auch durch ihr Beispiel demselben recht eindringlich vor Augen stellen, wie
man ein gutes Leben fhrt. Das Erste also, was die Eltern ihren Kindern
beibringen sollen, ist die Kenntni Gottes; das Zweite ist die Art und
Weise, wie man Gott dienen soll, was dieselben namentlich durch das
Beispiel der Eltern lernen sollen. Die Kinder hren gern von Gott, dem
hchsten Wesen und knnen recht gut unterrichtet werden ber die Gre und
Erhabenheit Gottes, wenn man ihnen von der Schpfung erzhlt. Geht der
Unterricht durch das Wort schwerer von statten, so mu der Unterricht durch
das Leben nachhelfen. O wie glcklich sind doch die Kinder, die einen Vater
und eine Mutter haben, welche die Erkenntni Gottes, die Liebe und den
Dienst Gottes in Wort und Beispiel lehren! Aber zweimal unglcklich nenne
ich die Kinder, die Eltern haben, welche Gott nur wenig oder gar nicht
kennen und wenig oder gar nicht im Dienste Gottes leben. Wie der Unterricht
der Eltern den Kindern am liebsten ist, so dringt er auch am tiefsten ins
Herz hinein, sie mgen Gutes oder Bses lehren.

Wie das Kind unterrichtet werden mu ber seine hohe Bestimmung und lernen
soll, dadurch glcklich zu werden, da es sich an den Schpfer anschliet,
so darf ein anderer Gegenstand in der Kinderschule nicht vergessen werden,
und dieser ist: _das Arbeiten_. Es ist den Kindern angeboren, da sie
arbeiten wollen. Die Kinder haben Vater und Mutter am liebsten und weilen
gerne mglichst viel bei ihnen. Wenn sie nun die Eltern fleiig arbeiten
sehen, so greifen auch sie schon zu mit ihren Hndlein und fangen zu
tragen, zu heben und zu arbeiten an. Sie lernen das eben von jenen. Dehalb
sollen die Eltern auch den Kindern das Beispiel eifriger Arbeit vor Augen
stellen. Arbeit soll einer der vorzglichsten Gegenstnde sein, den die
Kinder in der Schule ihrer Eltern lernen. Die Kinder mssen aber nicht blo
eingeschult werden im Dienste ihres Schpfers, nicht blo gewhnt werden an
Arbeit, sie sollen auch recht bald lernen, wie sie sich zu verhalten haben
in den Mhseligkeiten des Lebens, die ihnen schon als Kindern nicht
ausbleiben. Denn wie der Mensch zum Arbeiten verurtheilt ist, so ist es
auch ber ihn vom Schpfer verhngt, Leiden und Mhseligkeiten ausstehen zu
mssen. Hierber sollen die Kinder durch des Vaters und der Mutter Wort
unterrichtet werden, aber ebenso auch durch deren Beispiel. Wenn dem Kinde
beigebracht ist: Du mut die Mhseligkeiten, die du nicht zu entfernen
vermagst, bereitwillig annehmen, du bekommst einst Lohn dafr, und sieht
es dann, wie die Eltern selbst Leiden und Mhseligkeiten geduldig ertragen,
so fgt es sich leichter in das Unangenehme und gewhnt sich an Ruhe und
Ergebenheit im Schmerz. Hrt es keine Klagen und keine Verwnschungen von
seinen Eltern, so wird es auch selbst nicht zu klagen und zu verwnschen
anfangen. Man soll nun aber whrend dieser Jahre, in denen die Kinder in
der Schule des elterlichen Hauses unterrichtet werden, ihnen nicht zu viel
aufladen und sie nicht zu lange und zu strenge zum Arbeiten anhalten; denn
werden die Kinder berangestrengt, so werden sie verkmmern, anstatt sich
gesund und krftig zu entwickeln. Ein kleines Sprchlein hat das Kind bald
inne, aber ein Gedicht zu lernen ist ihm unmglich, und ebenso ist es mit
den Arbeiten. -- Wird nun das von der Kost, Kleidung, Wohnung Gesagte
gehrig beobachtet, und erhalten die Kinder auerdem einen entsprechenden
Unterricht, dann werden sie zu hoffnungsvoller Blthe sich entwickeln. Wie
geht es aber Kindern, wenn ihnen von ihren Eltern ber Gott, ihren Schpfer
und Vater, wenig oder nichts gesagt wird, wenn sie durch deren Wort und
Beispiel nicht lernen, Gott zu dienen und die Mhen des Lebens zu tragen?
Nur zu bald wird Eigensinn und Eigenwille sich in den Kleinen entwickeln,
und es ist die gewisse Aussicht da, da sie in nicht langer Zeit ebenso
ihre Pflichten gegen ihre Eltern wie gegen Gott vergessen werden. Wenn sie
ferner nicht an die jugendlichen Arbeiten gewhnt oder noch gar mit Wort
und Beispiel angeleitet werden, der Unthtigkeit sich hinzugeben, in
Heftigkeit und Ungeduld zu gerathen, zu zanken und zu streiten: welche
traurigen Folgen mu das fr die Kinder haben! Vter und Mtter, die so
handeln, sind keine christlichen Kindererzieher. Die Eltern haben indessen
nicht blo die Pflicht, die Kinder gut zu unterrichten und ihnen kein
rgerni zu geben, sie mssen dieselben auch davor schtzen, da sie nichts
sehen und hren, was ihrem Unterrichte entgegenwirkt. Leider werden die
Kinder trotz der Sorge der Eltern doch noch Manches sehen und hren, was
ihnen nachtheilig werden kann. Da soll das Beispiel und Vorbild derselben
ihnen ein Schutz gegen die erhaltenen schlechten Eindrcke sein. bergeben
die Eltern die Erziehung ihrer Kinder Dienstmgden, Erzieherinnen&c., dann
knnen sie nicht vorsichtig genug sein in der Auswahl derselben, damit
nicht deren Unterricht das Gegentheil von dem bewirke, was sie wnschen und
beabsichtigen. Wer dem Kinde den Unterricht gibt, der hat das Kind.

Ich lernte einst zwei Priester kennen und fragte sie: Wie kam es doch, da
ihr beide Priester wurdet? Euere Eltern sind doch nicht begeistert fr's
Priesterthum. Ich erhielt die Antwort: Da wir Priester sind, verdanken
wir weder dem Vater noch der Mutter, sondern nur unserer Dienstmagd; die
hat uns beten gelehrt und unterrichtet in der Erkenntni und Liebe Gottes.
Wenn sie uns ins Bett geschickt hatte, so kam sie nach einigen Minuten in
unsere Schlafkammer und betete mit uns. Sie gab uns durch Unterricht und
Beispiel Anleitung zu einem guten Leben, und so ist es gekommen, da wir
beide den Priesterstand whlten.

Willst du, mein lieber Leser, noch ein Beispiel, so hre! Ich kenne eine
Mutter, die ihren Kindern bis zu ihrer ersten hl. Kommunion selbst
Religionsunterricht gab, indem sie Tag fr Tag, wenigstens kurze Zeit, die
Kinder in der hl. Religion unterrichtete. Und was sie die Kinder lehrte,
das bte sie auch selbst im Werke. beraus gesegnet war auch der Unterricht
dieser Mutter. Smmtliche Kinder folgten treu den Vorschriften ihrer
Religion und sind der Trost, die Freude und das grte Glck ihrer braven
Eltern.

Lernt der Mensch an sich schon das Bse leichter als das Gute, wie rasch
wird dann erst eine unglckliche Erziehung ihn dem Verderben
entgegenfhren! Eine schlechte Erzieherin oder Mutter kann nur allzuleicht
durch Unterricht und Beispiel die Grundlage zum knftigen Verderben
schaffen. Ich habe einst zwei Brder kennen gelernt, von denen der eine
schon mit 27 und der andere mit 29 Jahren starb, weil sie sich durch
Leidenschaften zu Grunde gerichtet hatten. Kurz vor ihrem Sterben haben
beide gesagt: An unserem Untergange ist unsere eigene Mutter Schuld, weil
sie keinen Eifer fr's Gute hatte und uns nicht geschtzt hat in unserer
Kindheit und Jugend vor so Manchem, von dem sie wissen mute, da es uns
nur nachtheilig sein konnte.

Glcklich daher die Kinder, deren Eltern gute Kindererzieher sind, die mit
Wort und Beispiel in vernnftiger Weise ihre kleinen Lieblinge heranziehen
und im steten Bewutsein ihrer hohen, schweren Elternpflichten dieselben
krperlich, geistig und sittlich so ausbilden, wie es Gott gefllt. Dadurch
bereiten sie sich selbst Freude und Trost und ihren Kindern groen Segen.
Die Kinder werden dann, wie sie im Gesichte die Zge von Vater und Mutter
tragen, auch in ihrem Lebenswandel die guten Eigenschaften ihrer Eltern
offenbaren. Mchten sich das alle Eltern recht merken! Es werden aber dort,
wo der erste Unterricht fehlgeht, und die Kinder mehr fr die Welt und das
Weltleben, als fr Gott und das ewige Leben herangezogen werden, die Spuren
einer solchen verfehlten Kindererziehung in einem sndhaften Lebenswandel
zu Tage treten. Unzufrieden mit sich selbst werden sie die Mhseligkeiten
des Lebens nur mit Murren tragen, den Eltern nur den grten Schmerz und
Kummer bereiten, ihnen das Leben verbittern und verkrzen. Der Gedanke an
das jenseitige Leben aber wird dann Eltern wie Kinder nicht trsten,
sondern nur mit Schrecken erfllen.


Zweite Schule des Kindes.

Ungefhr mit dem sechsten Jahre beginnt gewhnlich fr die Kinder die
zweite Schule, worin sie unterrichtet werden in jenen Gegenstnden, deren
Kenntni fr's Leben erforderlich ist. Der erste, so auerordentlich
wichtige Unterricht, den das Kind von den Eltern erhalten hat, soll in der
zweiten Schule nur fortgesetzt und weiter ausgedehnt werden. Hiefr ist das
Kind jetzt fhig, weil es im Alter von 5 oder 6 Jahren krperlich wie
geistig gengend entwickelt ist. In meiner Jugendzeit hie es: Wer gut
lesen, schreiben und rechnen kann und hinreichende Religionskenntnisse
erworben hat, der ist in einer guten Schule gewesen und hat die nthige
Anleitung bekommen, sich weiter auszubilden. Damals hat Mancher eine Schule
bernommen, der auch nicht viel mehr verstand, als gut lesen, schreiben und
rechnen. Ich selbst hatte bis zum 12. Jahre einen Schullehrer, welcher
Schuhmacher war und doch uns Kinder mit Eifer und Erfolg jene Gegenstnde
gelehrt hat. Diesem Lehrer bin ich heute noch groen Dank schuldig; denn er
hat uns ein vorzgliches Beispiel gegeben. Wenn auch einige von den Kindern
bei diesem Unterrichte ziemlich dumm geblieben sind, weil er nichts in sie
hineinbringen konnte, so ist auch heute das Geschlecht der Dummen noch
nicht ausgestorben, wie die Prfungen zeigen, trotzdem man
fachwissenschaftliche Lehrer hat. Man knnte auch recht gut nachweisen, da
aus solchen Schulen Viele hervorgegangen sind, die sich selbst weiter
ausgebildet haben, wenn sie die Grundlage Lesen, Schreiben, Rechnen gut
inne hatten. Es gab Leute, die in der Welt- und Kirchengeschichte sehr
bewandert waren, und Manche hatten auch die Geographie in freien Stunden
mittelst eines Buches recht gut erlernt. Mein eigener Vater, der Weber war,
hatte solche Kenntnisse in der Welt- und Kirchengeschichte, da er mich oft
aufsitzen lie, obgleich ich meine Universittsstudien bereits vollendet
hatte. Und so hat es manchen mit guten Anlagen Ausgestatteten gegeben, der
durch jene einfache Schule eine hinreichende Grundlage erhalten hat, um
sich weiter ausbilden zu knnen.

Die Werktagsschule dauerte bis zum 12. Jahr, und die Sonn- und
Feiertagsschule vom 12. bis zum 18. Jahr. Waren einst die genannten
Lehrgegenstnde der Hauptinhalt des Schulunterrichts, und wurde deren
Kenntni als ausreichend betrachtet fr das Leben und um sich selbst weiter
bilden zu knnen, so hat man freilich heut zu Tage, wenn man die groe
Anzahl der jetzigen Unterrichtsgegenstnde betrachtet, ganz andere Schulen,
in denen man viel mehr lernen und umfassendere Kenntnisse sich aneignen
kann. Ob aber diese Schulen fr Jeden gut und ntzlich sind, ist eine
andere Frage. Die Kinder sind mit 6 Jahren eben noch Kinder, und gehen sie
bis zum 13. Jahre in die Schule, so sind sie auch dann noch Kinder
geblieben, krperlich wie geistig. Wenn man aber Kindern zu viel
krperliche Arbeiten auflegt, so verkmmern sie, wie bereits frher gesagt
ist. Sollte ihnen nicht auch durch den Unterricht zu viel aufgelegt und sie
auf diese Weise geschdigt werden knnen? Wird nicht durch eine Schule, in
der zu viel gelehrt wird, wie der Krper, so auch der Geist Noth leiden?
Was kann aber aus einem geistig und krperlich verkmmerten Kinde werden?
Wird ferner einem Kinde geistig oder krperlich zu viel aufgeladen, so wird
ihm die Schule zur Last, und Grndlichkeit wird auch nicht zu erwarten
sein. Dabei soll das Kind fr seinen Unterricht begeistert sein, die
Schule mu sein Jugendglck ausmachen. Mit Wibegierde soll es den
Unterricht aufnehmen. Wer berladen ist, der will naturgem seine Last
abwerfen und wird mit Widerwillen erfllt gegen jede fernere Last, sowie
gegen den, der diese Last aufbrdet.

Wenn man unseren gegenwrtigen Schulplan und damit die Anforderungen, die
an die Kinder gestellt werden, recht ins Auge fat und diese dann mit der
Jugend der Kinder, mit deren zarten Naturen, mit ihren schwachen Talenten
und Krften vergleicht, dann mchte man wohl fragen: Wie sollen die Kinder
solche Berge bersteigen, ohne Schaden zu leiden? Den Kindern fehlt es doch
naturgem bei ihrer unentwickelten Geistes- und Krperkraft an Ausdauer.
Mssen sie nicht unterliegen geistig, wie krperlich, wenn sie Stunden lang
in der Schule sitzen sollen? Ich habe oben bemerkt: ein Verslein lernt ein
Kind leicht und gern, aber ein langes Gedicht kann es nicht lernen. Soll
dann ein jugendliches Gehirn stundenlang neue Kenntnisse aufnehmen knnen,
ohne ermattet zu werden? Da wird es oft gehen, wie wenn man einen Schwamm
ins Wasser taucht, ihn dann herausnimmt und in anderes Wasser taucht in der
Absicht, er solle noch viel von letzterem aufnehmen. Das zweite Wasser wird
eben vom Schwamm ablaufen, weil er bereits gefllt war. Wenn die kleinen
Kinder ber zwei Stunden auf der Schulbank sitzen, so bemerkt man an ihnen,
besonders an den Schwchlingen, die grte Langweile, und man sieht recht
gut, da sie sich am Unterricht wenig oder gar nicht mehr betheiligen. Ist
der Schulplan zu ausgedehnt und zu reichhaltig, so kann ferner eine
Grndlichkeit im Erlernen und Einben nicht erwartet werden. Wie kann sich
Geist und Krper ausbilden, wenn auf solche Weise einer gedeihlichen
Entwickelung entgegen gearbeitet wird? Kinder sind von Natur wibegierig
und wollen lernen und lernen auch gern; wenn sie aber durch das ganze
Verhalten zeigen, da sie dem Unterricht nicht mehr folgen knnen, und doch
dazu gezwungen werden, dann wird das ganze Lernen ihnen zum Eckel, und es
geht ihnen wie jungen Pferden, wenn ihnen zu viel zugemuthet wird. Sie
gehen zurck anstatt vorwrts.

Ich hrte vor kurzer Zeit in einer Schule zu, wie bei dem
Anschauungsunterrichte ein Garten erklrt wurde. Wie lange dauerte das, wie
sehr nahm es die Kinder in Anspruch, und was mute der Unterrichtende
dabei aushalten! Ich dachte bei mir selber: Ich will doch lieber eine
Predigt halten, als eine solche Erklrung in ihrer Umstndlichkeit und
Ausdehnung geben. Weiter dachte ich dann: Man hat in meiner Jugendschule
nichts ber einen Garten gesagt, und doch wute jedes Kind, was ein Garten
sei, was er hervorbringen kann, und wie er eingerichtet ist.

Ein anderes Beispiel. Ein Herr erzhlte mir, da es so schwer sei, Kindern
Begriffe beizubringen, und sagte, er habe sich recht abgemht, einem
kleinen Schulkinde begreiflich zu machen, was der Kelch sei, da er aus
Kupfer, Silber oder Gold gemacht sei und in der Kirche bei Darbringung des
hl. Opfers gebraucht werde. Als er nun glaubte, in aller Klarheit und
Genauigkeit dem Kinde Alles gesagt zu haben, habe er dasselbe gefragt, ob
es jetzt wisse, was ein Kelch sei. Es habe geantwortet: ja. Dann habe er
die Frage gestellt, wo man einen solchen Kelch bekommen knne, und es habe
zur Antwort gegeben: Beim Kalkbrenner. Hierdurch gab das Kind den Beweis,
da es von der ganzen Erklrung nichts erfat hatte. Auf jene Erzhlung
bemerkte ich, da ich ganz leicht mit dem Kinde zurecht gekommen wre, es
wrde mir nicht viel Mhe gekostet haben. Auf die Frage: wie? gab ich ihm
zur Antwort: Ich htte gar nichts gesagt, weil das Kind nach 6 bis 8 Jahren
schon lange inne geworden wre, was ein Kelch ist, und was Kalk ist. -- Es
mu also beim Unterrichte vor Allem ins Auge gefat werden, da die Kinder
gern lernen, da es aber nicht zu lange Zeit dauern darf, und da man sie
nicht zu lange mit ein und demselben Gegenstande beschftigen mu, sonst
wird der Geist berladen, abgestumpft und bekommt Eckel an der Sache, und
die Naturkraft unterliegt. Gilt Dieses im Allgemeinen, so darf es noch mehr
betont werden bei den schwcher talentirten Kindern und bei solchen, deren
Krper weniger entwickelt ist. Die Entwicklung der Kinder ist sehr
verschieden. Manches Kind ist mit fnf bis sechs Jahren mehr entwickelt als
andere mit 9 und 10 Jahren. Es ist nicht einmal gut, wenn sich die
Geisteskrfte zu frh und zu rasch entwickeln; denn gewhnlich wird bei
solchen der Krper krank und verkmmert frh oder geht ganz zu Grunde. Es
gibt ja hufig Kinder, die mit sieben bis acht Jahren scheinbar wenig
Talent zeigen, mit 10 und 11 Jahren wachen sie dann um so krftiger auf.
Ich bin gewi dafr, da die Kinder so viel lernen, als ihre Krfte
erlauben, aber man soll sie nicht beranstrengen. Man darf aber auch beim
Schulunterricht nicht vergessen, da bei den Schulkindern der Unterricht
zu Hause nicht eingestellt ist, und da die Hausarbeiten schon frh gelernt
und eingebt werden mssen. Es mssen der Vater wie die Mutter denselben
weiter fortsetzen, und die Kinder mssen nicht blo das Arbeiten von ihnen
sehen, sondern entsprechend ihren Krften dasselbe lernen und ben. Sind
dieselben zu sehr angestrengt fr die Schule, und werden dadurch die jungen
Krfte erschpft, dann bleibt die Hausschule zurck, und was sie als Kinder
in dieser nicht gelernt haben, das mgen sie nachher nicht ben.

Die Eltern sollen indessen nicht blo zu Hause die Unterweisung der Kinder
sich angelegen sein lassen, sondern auch darber wachen, da jene den
Unterricht in der Schule gut bentzen. Auch hier sei die Religion der erste
und wichtigste Gegenstand, und die Eltern sollen sich oft davon berzeugen,
welche Fortschritte ihre Kinder in der Kenntni derselben machen. Sie
mssen dehalb ihre Kinder auch fleiig zur Schule schicken. Wie strenge
wurde zu meiner Jugendzeit von den Eltern der christliche Unterricht
ausgefragt, wie eingehend wurde whrend der Tischzeit an Sonn- und
Feiertagen ber die Predigt nachgefragt, und wenn ich nichts von derselben
wute, mute ich den Lffel weglegen und bekam nichts zu essen. Gewi eine
schwere Bue fr ein hungeriges Kind, aber auch eine gerechte Strafe! Die
Kinder sollen jedoch nicht blo in der Religion gut unterrichtet werden,
sie sollen auch angeleitet werden, besonders durch das Beispiel der Eltern,
ihrem Glauben gem zu leben. Darauf sollen die Eltern whrend der Zeit, wo
die Kinder die Schule besuchen, ganz besonders ihre Aufmerksamkeit richten.
Was hier whrend der Schulzeit versumt wird, wird schwer oder gar nicht
mehr einzubringen sein.

Die Eltern mssen auch dafr Sorge tragen, da die Kinder in dieser Zeit
eine recht einfache, nahrhafte Kost erhalten. Sie sollen nicht blo lernen,
sie sollen auch wachsen. Wenn die Kost auch rauh ist, das macht nichts; im
Gegentheil, man soll sich hten, sie an verfeinerte Kost zu gewhnen.
Geistige Getrnke sollen als Gift fr die Kinder betrachtet werden. Die
Kleidung soll ebenfalls einfach, dauerhaft und der Jahreszeit entsprechend
sein. Nur keine Eitelkeit, welche die Fhrerin zum Stolze ist! Es soll
ferner fr ein recht trockenes Schlafgemach, gute Lftung und recht
einfache, gesunde Betten gesorgt werden, so da auch hierdurch keine
Verweichlichung eintreten kann. Nicht minder soll man auf Abhrtung der
Kinder sehen, sowohl durch freie Luft, als besonders durch die angegebenen
Mittel: Barfugehen, im Wasser gehen u. s. w. Im Winter kann die Jugend des
Morgens und Abends im Hause barfu gehen; doch soll zu dieser bung im
Freien ganz besonders der Frhling und Herbst benutzt werden. Durch die
Abhrtung allein kann die Natur in der Jugend um's Doppelte gekrftigt
werden. Es kostet nichts, und die Mhe ist gering. Wie bald sind die Kinder
unterrichtet, da sie sich ein Badwasser zurecht machen knnen, und wenn
sie in der Woche zwei bis vier Halbbder oder auch Ganzbder nehmen, 1/2
bis hchstens 1 Minute lang, so entwickeln sie sich krftig zur grten
Freude ihrer Eltern, wie zu ihrem eigenen Segen. Wird die Jugend aber
verweichlicht, so werden ihr viele Leidenschaften und Gebrechen
eingepflanzt.


Schule der heranwachsenden Jugend.

Die Schulzeit dauert gewhnlich vom 6. bis 13. Jahre, welche Zeit man noch
zur Kindheit rechnet. Sie gleicht einem schnen Frhlingstage, der jedoch
bald entschwunden ist. Dann kommt eine andere Zeit, welche theilweise
dieselben Pflichten mit sich bringt, aber in einem hheren Grade. Da drfte
der Hausvater und die Hausmutter schon Alles aufbieten, da sie ein guter
Lehrer und eine gute Lehrerin seien fr ihre Kinder. Bisher waren diese
noch scheu und schchtern und weilten mehr in der Nhe der Eltern und sahen
hauptschlich auf diese. Sobald aber das Kind mehr heranwchst, wird es
wibegieriger, es will mehr schauen, mehr hren und ausgedehnteren Verkehr
haben. Da handelt es sich denn vor Allem darum, mit aller Sorgfalt darauf
zu achten, da es nur Gutes hre und sehe und im Guten sich be, vor allem
bsen Umgang dagegen bewahrt werde. In dieser Zeit mu eine feste religise
Grundlage gelegt werden, auf der sich das ganze weitere Leben des Menschen
aufbaut. Man kann diese Jahre daher so recht eine Tugendschule nennen, weil
die bung der Tugend der Hauptgegenstand des Unterrichtes sein mu. Es soll
den jugendlichen Herzen recht fest das Urtheil eingeprgt werden, das Gott
ber die Menschheit ausgesprochen: zu arbeiten im Schweie des Angesichts
und in Geduld die Mhsale und Beschwerden des Lebens zu ertragen. Weil in
dieser Zeit die Welt Alles aufbietet, die Jugend zu fesseln, so soll sie
auch noch recht vertraut gemacht werden mit dem hrtesten Strafurtheil, das
Gott ber den Menschen ausgesprochen hat: Du mut einst sicher sterben, und
dann mut du Alles verlassen, was du besitzest, und Rechenschaft ablegen
ber all dein Thun und Lassen. In diesen Jahren entscheidet es sich schon
bei den Meisten, ob sie die breite Strae der Welt wandeln werden oder den
schmalen mhsamen Weg der Tugend, welcher allein zur Zufriedenheit auf
Erden und zum ewigen Glck fhrt. Sie mssen ihre Erfahrung benutzen, um
ihre Kinder zu schtzen vor den Gefahren der Welt, und sie unterrichten,
wie sie denselben ausweichen knnen. Sie sollen sie lehren, da sie zu
Grunde gehen, wenn sie die Gefahren aufsuchen. Damit die Eltern aber recht
sich angetrieben fhlen, mit allem Eifer hierin ihre Pflicht zu erfllen,
mgen sie wohl bedenken, da ihre Kinder mehr Neigung zum Bsen als zum
Guten haben. Nichts aber hlt den Menschen krftiger davon ab, seinem bsen
Hang und den Lockungen der Welt zu folgen, als ein religises Tugendleben,
weil dadurch dem Menschen seine ewige Bestimmung stets vor Augen bleibt,
welche die Welt in ihrer ganzen Armseligkeit erkennen lt. Nie wird die
Welt und bse Lust ber die Tugend siegen, wenn das ewige Ziel erfat und
mit Jugendeifer angestrebt wird. Das Gegentheil aber wird bei denen der
Fall sein, die in dieser Lebenszeit jenes Ziel aus dem Auge verlieren. So
geschieht es, da die einen den Weg der Demuth wandeln, die anderen den Weg
des Stolzes, die einen Liebe zur Einfachheit haben, die anderen zur
Eitelkeit. Die einen fhren ein gengsames Leben, die anderen ergeben sich
den Genssen und Lustbarkeiten. Gerade so ist es mit allen brigen Tugenden
und Untugenden.

Junge Bume, die man in den Garten setzt, brauchen viele Jahre hindurch
eine feste Sttze und mssen fleiig beschnitten werden, damit sie nicht zu
Grunde gehen oder ausarten. Eine solche Sttze mssen die Eltern fr die
Kinder sein, und sie mssen auch die verschiedenen Auswchse des Bsen
abschneiden. Geht den Bumchen die Sttze verloren, dann werden sie bald
durch die Strme vernichtet. Gerade so geht es der Jugend, wenn nicht die
schirmende und leitende Hand der Eltern sie vor dem Untergange bewahrt.
Wird sie aber in diesen ihren schnsten, aber auch gefhrlichsten Jahren
unterrichtet in der Furcht, der Liebe und dem Dienste Gottes, dann schlgt
sie den Weg der Weisheit und des Glckes ein, den sie auch lieb gewinnen
wird.

Ich kannte eine Familie, in welcher der Vater herzensgut, die Mutter aber
so verblendet war, da sie nur Gutes an ihren Kindern sah. Sie bersahen
beide die bsen Neigungen ihrer Kinder und die ihnen drohenden Gefahren und
gnnten ihnen zu viel Freiheit. Als diese gegen 20 Jahre alt waren, konnten
die Eltern schon recht gut sehen, da sie fr das eine Nothwendige nur
wenig Interesse hatten, und da sie auf der breiten Strae des Verderbens
wandelten, von der sie nicht mehr abgebracht werden konnten. Die zwei Shne
suchten Weltfreuden und heitere Gesellschaften auf, und bald gefiel es
ihnen nicht mehr zu Hause bei Vater und Mutter. Der eine ergab sich dem
Spiel und der Trunksucht, der andere ging die Strae der Sinneslust. Das
Vater- und Mutter-Wort wurde weder gehrt noch befolgt, und mit 25 Jahren
waren beide schon ein Opfer ihrer Leidenschaften geworden. Die Tochter kam
in eine Gesellschaft, in der die Eitelkeit in Wort und Beispiel gepredigt
wurde, und bald wurde auch bei dieser das Sprchwort wahr: Hochmuth kommt
vor dem Falle. Ehe sie 24 Jahre erreichte, bereitete sie schon ihren Eltern
groen Jammer, und die traurigen Folgen steigerten sich von Jahr zu Jahr.
Die Mutter konnte Kindsmagd ihrer verdorbenen Tochter werden, und ihr Vater
konnte fr Alle das Brod verdienen. Das Traurigste aber ist dabei, da
solche Eltern dann weder durch Wort noch durch Beispiel mehr etwas
vermgen; denn wenn die Kinder den Weg der Thorheit wandern, werden sie
leicht verstockt und unempfnglich fr weisen Rath.

Dagegen ist mir ein anderer Vater und eine Mutter bekannt, die sehr arm
sind und recht mhsam und kummervoll das Brod fr acht Kinder verdienten,
welche nur mit der einfachsten und rmsten Kost gespeist werden konnten.
Schon in den ersten Jahren wurden sie streng angehalten, das eigene Brod
verdienen zu helfen. Aber sie lernten auch beten: Gib uns heute unser
tgliches Brod, sowie auch den Spruch: Im Schweie deines Angesichtes
sollst du dein Brod verdienen. Diese Kinder kamen bald zu fremden Leuten,
um in deren Dienst sich das Nthige zu erwerben. Hatten sie auch nichts
Anderes aus dem Elternhause mitgenommen, so doch die Eine: Gott treu zu
dienen und fleiig zu arbeiten. Waren sie auch von Vater und Mutter
entfernt, so waren diese ihnen dennoch eine feste Sttze, an der sie sich
aufrecht hielten in allen Strmen und Versuchungen; denn das Band der
christlichen Kindesliebe zerreit nicht so leicht. Alle diese Kinder kamen
spter zu recht guter Versorgung, so da sie von Vielen ob ihres zeitlichen
Glckes beneidet wurden. Was war die Ursache, da sie so gesucht wurden?
Sie hatten Religion und Arbeitslust, waren mit Tugenden geschmckt und
erfllten treu die Pflichten gegen Gott und ihre Eltern.

Vor mehr als 25 Jahren lernte ich eine recht christliche Mutter kennen,
deren Mann starb, als das 9. Kind in der Wiege lag. Mit einem ganz
auffallenden Segen leitete diese Wittwe ihr Hauswesen und erzog ihre Kinder
musterhaft. Und was befhigte sie hierzu? Sie besa wahre, tiefe
Religiositt, Einfachheit, Sparsamkeit, Gengsamkeit, verbunden mit einem
ruhigen Charakter und einer auerordentlichen Wachsamkeit.

In den angegebenen Jahren mssen die Eltern auch wohl berlegen, worin sie
ihre Kinder unterrichten, was ihnen nothwendig, was ihnen ntzlich und was
berflssig ist. Das Nothwendigste, was sie lernen mssen, ist ein
einfacher Haushalt; zu diesem gehrt vor allem Reinlichkeit, Einfachheit
und Bercksichtigung des Ntzlichen. Ganz verkehrt wre es, wenn die Kinder
lernten, das Ntzliche und Nothwendige auer Acht zu lassen und Eitelkeit
und Luxussachen vorzuziehen. Das Nhen, Flicken und Stricken mu ein
Mdchen nothwendig verstehen; dieses mu daher auch das Erste sein, was es
lernt. Wenn es aber anfngt mit Hckeln und Sticken, dann wird es spter
nicht flicken und nicht stricken wollen. Wie viel liegt doch an der
Erlernung der huslichen Arbeiten! Mchten ferner Reinlichkeit, Einfachheit
und Gengsamkeit gut eingeschult werden! Ganz besonders aber soll die
Besorgung der Kche von der weiblichen Jugend gut erlernt und dabei immer
die Frage gestellt werden: Was ist am gesndesten, einfachsten und
nahrhaftesten, und was gibt Kraft und Ausdauer? Alles, was hierzu nicht
dient, soll man mglichst meiden. Wie gern schleicht die Genusucht sich
ein und verdrngt Einfachheit und Gengsamkeit und damit zugleich oft auch
den Wohlstand! Die Eltern sollen nie vergessen, da ihre Kinder wachsen bis
zum 24. Jahre und dehalb whrend dieser Zeit eine nahrhafte, gute Kost
brauchen, damit sie gut auswachsen knnen.

Auch das dmmste Mdchen kann ein Frulein spielen, ein nobles Kleid und
einige Phrasen reichen zur Noth aus, aber damit ist in einem Haushalt
nichts geleistet. Viele spazieren mig umher und untersttzen ihr
hoffrtiges Streben, vornehm zu erscheinen, noch mit hohen Abstzen unter
den Schuhen. Sie kennen das Modejournal viel besser als ein praktisches
Kochbuch, und stehen in ihrer eigenen Meinung bei weitem hher als das
gewhnliche Volk. Halten sie sich auch nicht ganz einer Grfin gleich, so
haben sie doch wenigstens dreiviertel davon. Wenn sie aber ein schwarzes
Stcklein Brod zu ihrem Unterhalt verdienen sollten, wrde ihnen jede
Gewandtheit abgehen. -- Ich kannte eine Mutter, die hatte ihre Tochter fr
schn gehalten und glaubte, sie sei zu gut fr das einfache Landleben, und
natrlich glaubte auch Frulein Tochter, das Landleben sei nichts fr sie,
sie sei vielmehr zu Hherem bestimmt. Das eingebildete Mdchen wollte in
die Stadt, und die verblendete Mutter begleitete sie gern dahin, damit sie
fr etwas Hheres ausgebildet werde. Als es dann die Ferienzeit zu Hause
zubrachte und nicht wenig aus sich machte, hat auch die blinde Mutter ihr
Wohlgefallen daran gehabt und sich gefreut, da die Tochter so herrlich
herangebildet werde. Als aber die stdtische Bildungsschule zu Ende ging
und die Mutter ihr kleines Besitzthum geopfert hatte, und nun ein noch
hheres Glck eintreten sollte, geschah leider das Gegentheil. Niemand
wollte sich durch den Besitz ihrer Tochter glcklich machen, und so war sie
genthigt, ihr Brod selbst zu verdienen. Sie hat fters ihren Platz
gewechselt und nie einen geeigneten gefunden, weil sie zu Nichts taugte.
Endlich zwang sie die Noth, in eine Fabrik zu gehen. Nur wenige Jahre
gingen vorbei, und sie kam wieder zurck in die Gemeinde, in der sie frher
eine Zeit lang eine so vornehme Rolle gespielt hatte, und suchte um
Untersttzung nach. Ehe die Mutter gestorben, konnte sie die Frchte ihrer
Erziehung sehen, und sicher hat Gram und Kummer, frher, als es sonst
geschehen wre, ihr Grab geffnet. Wer ist nun schuld an einem solchen
unglcklichen Lebenslauf? Kommt aber nicht recht oft Derartiges im Kleinen
oder Greren vor? D'rum sollen die Eltern sich ihrer Aufgabe bei der
Erziehung ihrer Kinder wohl bewut sein. Es ist also am besten, von Anfang
an den Unterricht in der Einfachheit, Sparsamkeit, Gengsamkeit und
besonders in der Religion zu beginnen und ihn stets fortzusetzen. Die so
aufgezogen sind, werden in jeder Lage ihres Lebens sich zu helfen wissen.
Besonders wird ihnen die Religion, welche ihnen tief eingeprgt wurde, ein
trostreicher Fhrer durch alle Schicksale sein, welche sie treffen.


Wahl des Berufes.

Zu dem Wichtigsten im Leben des Menschen gehrt ganz gewi die Wahl des
Berufes. Fllt diese gut aus, so wird er seine Aufgabe meistens gut lsen.
Ist das aber nicht der Fall, dann ist leider hufig das menschliche Leben
eine Kette von Elend. Mit Recht kann die Welt als eine Werksttte
betrachtet werden, in der es unzhlige verschiedene Beschftigungen gibt
und jede Beschftigung auch ihre Liebhaber findet. Vergeht die Kindheit wie
ein schner Morgen, so schwindet auch die Jugend rasch, hnlich der
Frhlingszeit. Wie aber nach dem Frhling der heie Sommer kommt, so folgt
auch auf die Jugend das ernste Berufsleben. Jeder Mensch soll in einem
bestimmten Berufe wirken. Wer aber setzt fr die einzelnen Menschen fest,
welchem sie sich widmen sollen? Sollen etwa Vater und Mutter ihrem Kinde
denselben anweisen? Die Antwort lautet: Wir gehren ganz und allein Gott,
unserm Schpfer, und er allein hat das Recht, den Beruf zu bestimmen. Die
Eltern haben nur die Aufgabe, die Kinder fr den Beruf vorzubereiten, und
sie sollen sich recht Mhe geben, da der von Gott bestimmte Beruf gefunden
wird. In Wirklichkeit, wenn ein Kind gut erzogen wird, so wird sich auch
Neigung und Fhigkeit fr irgend einen Beruf bei ihm zeigen, und wenn dann
ein vernnftiges Vater- und Mutter-Wort hinzukommt, so wird der ihm von
Gott bestimmte Beruf leicht ermittelt werden. Die Eltern sollen aber in
dieser Sache den Kindern einen wohlberlegten Rath geben und vor allem
Andern darauf ihr Augenmerk richten, da der Wille Gottes an ihnen erfllt
werde. Sie sollen das Berufsleben nur als ein Mittel auffassen, um Gott
mglichst vollkommen zu dienen. In dieser Beziehung werden aber sehr hufig
von den Eltern Fehler begangen. Sie lassen nur das ihre Sorge sein, da die
Kinder zu einem greren Besitzthum und Reichthum kommen oder auch zu Ehre
und Ansehen. Aber gerade hierdurch werden viele Tausende ihrem wahren
Berufe entfhrt. Daher kann man manche reiche Leute treffen, und Manche in
hohen Ehrenstellen, die doch, wenn sie sich aufrichtig aussprechen wollten,
gestehen wrden, da sie sehr unglcklich sind. Nicht Reichthmer, nicht
Besitz, nicht Ehre macht glcklich, sondern allein die Zufriedenheit; diese
aber wird nur dann erreicht, wenn man zu seinem wahren Berufe gekommen ist
und die Pflichten desselben treu erfllt.

Ich bereitete einst eine sehr bejahrte Dienstmagd zum Tode vor, und als
ich ihr sagte, Gott werde ihr gut sein, denn sie habe ein hartes
Berufsleben gehabt, gab sie zur Antwort: Ich habe keinen schweren Beruf
gehabt; ich war immer recht zufrieden, und wenn ich nochmals auf die Welt
kme, mchte ich wieder eine Dienstmagd werden. Ein klarer Beweis, da sie
ihren Beruf gefunden und ihre Pflichten treu erfllt hatte.

Es kam zu mir einst ein Hausvater und suchte Trost. Er erzhlte mir
Folgendes: Einst habe er in einem Taschentchlein seine ganze Habschaft in
die Stadt gebracht, habe dann aber wegen seiner Arbeitsamkeit, seines
Fleies und guten Verhaltens eine reiche Partie gemacht und so ein groes
Vermgen erhalten. Er sei jetzt aber ebenso unglcklich, wie er einst als
Geselle glcklich gewesen. Und auf die Frage: Warum haben Sie denn diese
Heirath gemacht? gab er zur Antwort: Ich wollte der Armuth entkommen und
glaubte, ich werde im Besitz von Hab und Gut mein briges Glck auch
bewahren knnen. Jetzt bin ich eines Andern belehrt, kann es aber nicht
mehr ndern. Ich bin unglcklich und werde kaum je mehr mein altes Glck
wieder finden knnen. Gibt es nicht viele, denen es hnlich ergeht? Daran
wird Keiner zweifeln, der sich schon einmal in der Welt recht umgesehen
hat. Darum heit es vorsichtig sein, da man nicht den verkehrten Stand
erwhlt. Jeder suche mit Hlfe Gottes unter Bercksichtigung der
angeborenen Neigungen und Fhigkeiten den richtigen zu finden.

Soll ich aber den Eltern einen guten Rath geben, wie sie den Kindern zur
Erlangung ihres richtigen Berufes behlflich sein knnen, so sage ich
Dieses: Pflanzet in die Herzen eurer Kinder auf's Tiefste die Religion ein;
stellt in eurem Leben den Kindern das Beispiel eines echt christlichen
Wandels vor Augen; machet die Kinder gewandt fr alle Beschftigungen,
wodurch sie ihr Brod verdienen knnen; gewhnet sie an Selbstverlugnung,
an Entsagung, an Entbehrung, ganz besonders aber an Gengsamkeit. Dann ist
zuversichtlich zu hoffen, da die Kinder in den fr sie bestimmten Beruf
eintreten werden.

Es herrscht vielfach die Meinung, man solle nur das allein gut lernen, was
zum knftigen Berufe nothwendig sei, das brige aber bei Seite lassen. Ich
bin ganz anderer Ansicht; denn man erhlt auf diese Weise nur einseitige,
unerfahrene Leute, die in ihrem Berufe lange gar nicht oder nicht
vollstndig zurecht kommen. Zu letzterem ist eine umfassendere Kenntni des
Lebens berhaupt erforderlich. Ich war bis zum 21. Jahre Weber und Arbeiter
in der Landwirthschaft, aber es hat mich noch nie gereut, meine Jugendjahre
mit diesen Beschftigungen zugebracht zu haben. Es ist doch ein groer
Unterschied, ob man von verschiedenen Berufsthtigkeiten blo gelesen und
gehrt, oder diese selbst mitgemacht hat. Ich kenne mehrere Priester, die
auch Landwirthschaft, Gewerbe&c. getrieben haben. Niemand aber wird ihnen
den Vorwurf machen, da Dieses ihre Leistungen im priesterlichen
Berufsleben beeintrchtigt habe. Gewi ist auch, da der, welcher durch
eigene Erfahrung das Berufsleben Anderer gekostet hat, mehr Theilnahme an
deren Schicksal hat und leichter ein guter Rathgeber sein kann, als wenn er
dasselbe nur durch bloes Anschauen kennen gelernt hat. Solche Nebenschulen
sind ein groer Vortheil fr das eigene Berufsleben. Es kann Jemand, wenn
er von Jugend auf nur das fr seinen sptern Beruf Nothwendige erlernt hat,
leicht ein einseitiger Mensch werden.

Gerade so, wie auf den menschlichen Geist, wirkt es auch auf den
menschlichen Krper vortheilhaft, wenn einer nicht ausschlielich das
erlernt, was zu seinem Berufe gehrt. Landwirthschaftliche Beschftigungen,
wie ein groer Theil der Gewerbe wirken gnstig auf Entwickelung und
Vermehrung der Krperkrfte. Ich kenne einen Beamten, der in seinen jungen
Jahren Landwirthschaft getrieben, spter studiert, zwei Jahre mit Theologie
sich beschftigt hat und dann der juristischen Laufbahn sich widmete. Er
wurde mit der Zeit ein allgemein beliebter Beamter, zu dem man gern
gegangen ist. Man wute, er konnte Rath geben; er schtzte auch die
Religion sehr hoch, weil er durch Studium sie genauer kennen gelernt hatte.
Gerade die Vielseitigkeit seines Wissens ist der Grund, da er sich, wie
Wenige, seines Berufes freut.

Eine Hausfrau war als Kind in ein hheres Bildungsinstitut gekommen, hatte
aber recht sichtbar alle Anlagen fr den brgerlichen Stand. Nur mit groer
Mhe lernte sie die Aufgaben im Institut, aber im einfachen huslichen
Leben wurde sie nicht unterwiesen. Sie hat auch wirklich eine Stellung,
entsprechend der Vorbildung, bekommen. Sie fhlt sich aber unglcklich,
eignet sich nicht fr ihre Lebensstellung und wird mithin ihren
Berufspflichten in keiner Weise vollstndig gengen knnen.

Ein Mdchen mit etwas beschrnktem Talent, welches ich selbst kannte,
besa viel Sinn fr Religion und Arbeit. Es htte sich fr einen
gewhnlichen Stand vortrefflich geeignet. Es hat aber mit groer Mhe ein
wenig Franzsisch gelernt, auch etwas Zeichnen, d. h. Striche machen, und
mute auerdem fleiig das Komplimentirbuch studieren und auswendig lernen.
Es hat sich dabei recht mhsam abgeplagt. Vater und Mutter glaubten mit
diesem Kinde recht glcklich zu werden, weil sie viel auf dessen Ausbildung
verwendet hatten. Da es 80,000 Gulden von den Eltern als Aussteuer bekam,
so hat das Mdchen auch einen Brutigam aus einem hheren Stande bekommen.
Ich kenne aber keine unglcklichere Person als diese Frau. Das Eingelernte
half nicht weit, sie konnte es nicht verwerthen, und wo die Anlagen fehlen,
wird nie etwas Tchtiges zu Stande gebracht werden knnen. Ich bin der
berzeugung, sie htte in einem gewhnlichen Stande bei entsprechender
Auswahl ihres Berufes das gerade Gegentheil, nmlich recht glcklich werden
knnen. Mchte man doch niemals bersehen, da der Spatz niemals eine
Nachtigall wird! Diese bedauernswerthe Person ist aber nicht blo
unglcklich fr sich, sondern ein Grund des Schmerzes fr ihre Eltern, fr
Verwandte und Bekannte. Es ist daher auch sehr erklrlich, da ihr
bestndiger Kummer und ihr Elend sie frher, als es sonst geschehen wre,
ins Grab gebracht hat, welches sie einem Leben vorzog, von welchem sie gern
erlst sein wollte. Den Eltern aber mute das besonders groen Schmerz
bereiten, da sie an sich nicht genug die Frage gestellt hatten: In welchen
Beruf taugt unsre Tochter nach Anlage und Fhigkeiten des Krpers und
Geistes?

Ein anderes Mdchen war presthaft und hatte zudem noch einen zu kurzen Fu,
aber ein groes Vermgen. Dieses Mdchen wollte einen Brutigam haben. Die
Eltern waren in dieser Sache die Rathgeber und Auswhler. Es hie: Um so
viel ein Fu krzer ist als der andre, um so viel mehr Kronthaler bekommt
unsere Tochter, so da das fehlende Stck durch Silber ergnzt wird, und
die presthaften Vertiefungen im Krper werden mit Gold ausgefllt. Es kam
auch wirklich ein flotter Brutigam, der Liebe und Treue sicher versprochen
und sie dehalb auch bekommen hat. Nach drei Jahren schon war ihr aber,
bildlich gesprochen, die Haut zu dreivierteln abgezogen, im 4. Jahre gings
an den letzten Theil, und zuletzt war es noch ein Trost fr sie, von diesem
Ehemanne, den die eigenen Eltern ihr angerathen, durch den Tod befreit zu
werden.

Es lassen sich unzhlige Beispiele anfhren, bei denen hnliches, wenn auch
in geringerem Grade, stattgefunden hat. Die Ursache des bels liegt in der
Unerfahrenheit des Kindes und der unglcklichen Leitung und Berathung durch
die Eltern. Wer Augen hat zum Sehen, der schaue nur um sich, und er wird
meine Aussagen hinreichend besttigt finden.

Ist ein groer Theil der Menschen unglcklich, weil sie entweder den
richtigen Beruf nicht gewhlt haben, oder weil die gehrige Vorbereitung
gefehlt hat, so gibt es auch eine groe Anzahl, die sich in ihrer
Jugendzeit in irgend ein Laster verirrt hat und aus diesem Grunde die
Standespflichten nicht erfllt. Wie viele Jnglinge ergeben sich der
Trunksucht! Diese werden spter ihren Berufspflichten auf die Dauer nicht
nachkommen knnen. Es wird fehlen am Wohlstand, am huslichen Frieden, am
rechten Betriebe des Geschftes, kurz, das ganze Berufsleben wird ein
verfehltes sein. Sie werden weder die Pflichten gegen sich, noch die des
bernommenen Berufes gehrig erfllen, und leider treffen die traurigen
Folgen auch die Nachkommen.

Es war mir ein Jngling bekannt, der in seiner Jugendzeit ber alle seines
Gleichen in seinem groen Heimathdorfe durch Talent und Fhigkeiten weit
hervorragte; leider aber hatte er sich das Trinken angewhnt. Anfangs trank
er sich ungefhr alle Monate einen Rausch an, doch seine Leidenschaft
machte immer grere Fortschritte. Er heirathete ein recht vernnftiges
Mdchen, welches hoffte, er werde sein ihr gegebenes Versprechen halten und
von der Trunksucht abstehen. Es war aber das Gegentheil der Fall. Mit
seiner Trunksucht verband sich auch noch die Spielsucht, und nachdem er 16
Jahre unglcklich gewirthschaftet hatte, war er ein Opfer seiner
Leidenschaft geworden. Der Hof kam in fremde Hnde, und der Mutter mit
ihren 6 Kindern blieb nur ein kleines Huschen. Die Mutter mute darben,
die Kinder waren gentigt durch Ausdienen ihr Brod zu verdienen. Jedes
htte leicht ein schnes Heirathsgut bekommen knnen, wenn der Hausvater
arbeitsam und gengsam gewesen wre und, statt zu trinken, die Pflichten
seines Standes erfllt htte. Gibt es nicht viele solcher oder hnlicher
Beispiele in jedem Stande? Was aber ist vielfach Ursache an solchen beln?
Eine unglckliche Jugendschule im Vaterhause. Wie glcklich sind doch
Kinder, welche einen strengen Vater und eine recht strenge Mutter haben,
die gute Wchter und Beschtzer ihrer Kinder sind und durch Wort und
Beispiel sie zum Guten anleiten!

Noch nachtheiliger als Bier und Wein wirkt der _Schnaps_. Wer mchte die
Beispiele alle zusammenzhlen, wo durch das Laster des Schnapstrinkens der
Sufer selbst und seine ganze Familie zu Grunde gerichtet wurden! D'rum
sollen die Eltern ernstlich besorgt sein, von diesem verderblichen Getrnke
die Kinder fern zu halten, damit sie nicht dem Schnapse zum Opfer fallen.
Bei geistigen Getrnken sind folgende Grundstze festzuhalten: Geniee nur
wenig davon, und gewhne dich nie so daran, da du ein Bedrfni darnach
fhlst, sonst bist du schon auf dem verderblichen Wege, von dem du nur
schwer wieder abzubringen bist. Viel besser aber bist du noch daran, wenn
du dich ganz von derartigen Getrnken fern hltst, dann bleibt die Natur
unverdorben und in gutem Stande. Den besten Schutz vor der Trunksucht
gewhrt die Religion; wird diese in Wahrheit hoch geschtzt und lebt man
nach ihren Vorschriften, dann wird dieses Laster gewi nicht Eingang
finden.

Ein schreckliches Laster, in das sich so Viele verirren, ist die _Unzucht_.
Sie rafft viele Opfer dahin und hat fr das Berufsleben die
allertraurigsten Folgen. Auch hier heit es: Was du aussest, das wirst du
ernten. Gegen kein anderes Laster sollen die Eltern ihre Kinder mehr
schtzen, als gegen dieses. Leicht knnen dieselben sich in dieses Laster
verirren, wenn Vater und Mutter kein wachsames Auge haben. Hat sich aber
ein Jngling oder eine Jungfrau demselben einmal hingegeben, so wird
Vater-und Mutter-Wort kaum vermgen, die Unglcklichen noch zurckzuhalten
und zu bessern. Wie vielen Tausenden wird in den schnsten Jahren dieses
Laster schon ein Todtengrber! Am allertraurigsten aber ist es, wenn mit
der Unzucht sich die Trunksucht verbindet. Wer mit zwei Mrdern es zu thun
hat, wie soll der noch entkommen knnen? Glcklich also, wer in der
Lebensschule durch seiner Lehrer Unterricht und Beispiel von solchen
Unholden fern gehalten wird.

Auer diesen zwei angefhrten Lastern knnten noch mehrere andere genannt
werden, die recht verderblich wirken. Fllt es auch nicht so grell in die
Augen, so wirken sie doch im Stillen wie ein verborgener Krebsschaden. Was
aber schtzt vor allen diesen beln? Einzig und allein dieses: die ewige
Bestimmung des Menschen recht erfassen, die Religion gut erlernen und ihr
folgen.

Wre es doch mglich, allen Vtern, allen Mttern, allen Erziehern und
Erzieherinnen zuzurufen: Fasset doch die hohe Wrde und den Werth des
Menschen recht auf, und wollt ihr in euerem Berufe euch und Andere
glcklich machen, so leget eine feste religise Grundlage in die Herzen der
euch anvertrauten Kinder und lehret sie die Tugend ben! Schtzt sie vor
jeglichem Laster dadurch, da ihr sie ihre Religion schtzen lehrt.

In dieser Lebensschule, in der man fr sein knftiges Glck sich
vorbereitet, soll aber, wie fr die Gesundheit des Geistes, so auch fr
krperliche Gesundheit recht gesorgt werden. Wie man in einem bauflligen
Hause nicht gut und sorgenfrei wohnen kann, so ist es auch fr den Geist
eine Plage, wenn er im spteren Berufsleben nicht in einem gesunden Krper
wohnt. Es ist somit fr Eltern und Erzieher eine heilige Pflicht, nach der
Sorge fr den Geist auch dafr Sorge zu tragen, da die ihnen zur Erziehung
bergebenen nicht blo von Lastern frei gehalten und mit Tugenden
geschmckt werden, sondern da bei ihnen die gesunde Seele auch in einem
gesunden Krper wohne. Soll aber dieser krftig und ausdauernd sein, dann
mu er gute, nahrhafte Kost erhalten, und es mu Alles vermieden werden,
was der Natur schdlich sein knnte. Auch das Wasser ist ein vorzgliches
Mittel, um die Gesundheit zu erhalten und zu befestigen, und sollte in
seiner Wirksamkeit fr die Jugend erkannt und fleiig benutzt werden. Ich
bin gar nicht dafr, da Jeder Hydropath werden soll, es ist Dieses gar
nicht nothwendig; aber das Wasser zu bentzen als Reinigungs- und
Strkungs-Mittel des Krpers und vor Allem als Schutzmittel gegen die
Krankheiten, das sollte Niemand verabsumen. Wenn Jemand seinen Rock nie
reinigt, so wird er bald vom Schmutze und Staube verdorben sein; dehalb
ist aber nicht gesagt, da Jeder zwei- oder viermal des Tages seinen Rock
ausstuben und ausbrsten soll. Ich bin der vollsten berzeugung, da der
grere Theil der Menschheit viel gesnder, glcklicher und zufriedener
leben wrde, wenn man eine vernnftige Wasserkur gebrauchen wrde. Wenn die
gegenwrtige Generation nicht noch armseliger werden soll, so mu schon bei
den Kindern angefangen werden. Die Jugend soll nur den Versuch machen, was
das Wasser fr eine Wirkung hat, und recht bald wird sie zur berzeugung
kommen, da Geist und Krper durch dessen Gebrauch in einen bessern Stand
kommen.

Man verwendet im Allgemeinen fr das menschliche Leben recht Vieles und hat
allerlei ntzliche Einrichtungen getroffen. Man hat Armen- und
Krankenhuser, Wasserleitungen, Feuerwehren u. s. w. Aber wo findet man auf
dem Lande eine einfache Einrichtung, damit von Zeit zu Zeit Jeder ein Bad
nehmen knnte? Ich glaube nicht, da in einer Gemeinde ein greres Werk
der Barmherzigkeit fr die Menschheit gebt werden knnte, als wenn einem
jeden Gemeindemitgliede Gelegenheit geboten wrde, hufig ein Bad zu
nehmen. Wenn junge Leute dieses Buch lesen, mgen sie sich diesen Rath
daraus recht merken: Nehmt in jeder Woche ein- oder zweimal ein Halbbad
whrend der Frhlings-, Sommer- und Herbstzeit, aber hchstens eine Minute
lang, und ihr werdet finden, wie wohl das euch thut. Wenn ihr aber die
Sache recht gut machen wollt, so mt ihr vor dem Bade entweder etwas
strenge arbeiten oder gehen, so da ihr in Schwei kommt; je strker der
Schwei, um so besser. Geht dann ins Wasser bis an die Magengegend und
wascht den oberen Krpertheil ab. In lngstens einer Minute mu Alles
fertig sein. Ich will damit nicht nur die Mannspersonen gemeint haben, ich
mchte gerade noch mehr die weibliche Jugend auffordern: Gebrauchet eine
gelinde Wasserkur! Geht ihr z. B. an einem Bache im Sommer vorbei, so
tretet ein paar Minuten in diesen Bach hinein, das hrtet den Krper
ungemein ab. Ist zur Sommerszeit fr die Landleute das mhsame Tagewerk
vollbracht, so mgen sie eine Minute im Wasser stehen, das zieht einen
groen Theil der Mdigkeit aus dem Krper. Ein Halbbad ist noch wirksamer.
Ein Kniegu ist auch sehr heilsam. Macht den Versuch, und die Wahrheit
meiner Worte werdet ihr durch eure eigene Erfahrung besttigt finden.

Eine Dienstmagd kam einst ganz niedergeschlagen zu mir und sagte, da sie
ihren Dienst nicht mehr versehen knne, er sei ihr zu schwer. Im brigen
glaube sie, es fehle ihr nichts; sie sei nur zu schwchlich. Ich rieth ihr,
sie solle jeden Abend vor dem Schlafengehen 1/4-1/2 Stunde lang barfu
gehen und in der Woche 2-3 Halbbder nehmen, wenn sie Gelegenheit habe,
auch ein paar Mal wchentlich bis an die Kniee im Wasser stehen oder
umhergehen. Sie befolgte diesen Rath, und nach 6 Wochen theilte sie mir
mit, sie knne jetzt ihre Arbeit wieder vollkommen verrichten. Ihre
Herrschaft habe ihr auch erlaubt, da sie im Hause Bder nehmen knne.

Ein Bauernknecht beklagte sich bei mir, da er genthigt sei, das Dienen
aufzugeben; er habe schon zweimal die Gliedersucht gehabt und sei seit
dieser Zeit nie mehr zu rechter Kraft gekommen. Was sollte er nun anfangen?
Sein Herr hatte keinen Knecht, wenn er ging, und er selbst wute nicht
wohin. Ich gab ihm den Rath, er solle sich dreimal in der Woche einen Ober-
und Kniegu geben lassen und zweimal in der Woche ein Halbbad nehmen 1/2
Minute lang. In dieser Weise solle er drei Wochen verfahren. Nach diesen
drei Wochen solle er blo 2-3mal in der Woche ein Halbbad nehmen, und wenn
er noch Weiteres thun wolle, so solle er mehrere Tage hindurch tglich eine
Tasse Zinnkrautthee trinken. Dieser Knecht befolgte den Rath, und es war
gar nicht nothwendig, da er seinen Platz verlie, sondern er konnte ihn
bald hinreichend ausfllen. Sein Hausherr hat ihm auch recht gern
Gelegenheit verschafft, seine Bder zu nehmen.

Eine Familie hatte drei Tchter, die auerordentlich schwchlich waren,
aber einen recht guten Willen und herrliche Anlagen hatten. Wie die Eltern
fter dachten, was sie wohl mit ihren Schwchlingen anfangen sollten, so
bangte auch den Tchtern vor dem Gedanken, welchen Beruf sie einst
ergreifen sollten; denn sie fhlten ihre Gebrechlichkeit. Ich gab ihnen den
Rath, jeden Morgen und jeden Abend eine Kraftsuppe zu essen, zur
Mittagszeit eine krftige Hausmannskost zu genieen und in der Woche 3-4
Halbbder zu nehmen, auerdem die oft genannten Abhrtungsmittel zu
gebrauchen. Nach einem halben Jahre stellten sich diese drei Schwestern bei
mir vor und waren beraus glcklich und in heiterster Stimmung. Sie hatten
ein ganz gesundes Aussehen, und die Wasseranwendungen waren ihnen fast zur
Leidenschaft geworden. Wie Viele sollten doch diesen drei Schwestern
nachahmen! Eine von diesen erzhlte mir, sie habe eine Bekannte, die ebenso
elend gewesen sei als sie. Diese habe dieselben Anwendungen gemacht und sei
nun auch gesund und glcklich.

Ein Hausvater brachte mir seinen 16jhrigen Sohn und erzhlte, da dieser
fr die Landwirthschaft zu schwchlich sei; er habe vor acht Jahren eine
Krankheit gehabt, und seit der Zeit sei sein Krper nicht mehr recht fest.
Der Vater fragte mich, ob er nicht studieren solle, damit er spter eine
leichtere Beschftigung haben knne. Ich gab ihm zur Antwort: Lasset
tglich euren Sohn zur Frhlings-, Sommer- und Herbstzeit zehn Minuten im
Wasser gehen, in jeder Woche zwei- bis dreimal einen Obergu nehmen und
ein- oder zweimal in der Woche ein Halbbad. Lat ihn die fnf Wochen lang
so machen. Nach dieser Zeit soll er zwei-bis dreimal Halbbder wchentlich
nehmen. Nach ungefhr zwlf Wochen kam der Vater mit seinem Sohne wieder,
verwundert und hocherfreut ber die groe Vernderung, die mit demselben
vorgegangen war. Der Sohn hatte jetzt Freude und Lust an den Arbeiten,
konnte selbe auch ohne Beschwer verrichten, und er war recht froh, da er
fr die Landwirthschaft brauchbar geworden war.

Wenn mein wohlgemeinter Rath bei der mir stets theuren Jugend Aufnahme
findet, und wenn Eltern und Vorgesetzte dazu beitragen, da er vollzogen
wird, dann bin ich berzeugt, da es mit der Jugend knftig viel besser
gehen wird.


Hhere Schulen.

Der Mensch ist nicht blo fr diese Welt erschaffen. Gott hat ihm ein viel
hheres und besseres Loos beschieden. Er soll nach kurzer Prfungszeit auf
Erden ein ewiges Glck im Himmel genieen. Diese seine Bestimmung mu er
durch Erfllung der gttlichen Gebote und der Pflichten seines Standes zu
erreichen streben. Damit er aber auf dem Wege zu seinem Ziele durch Andere
nicht behindert werde und nicht durch Unkenntni oder aus andern Ursachen
von demselben abirre, ist es nothwendig, da Ordnung und Frieden unter den
Menschen aufrecht erhalten werden und eine stete sichere Leitung derselben
zu ihrem Ziele hin stattfinde. Dieses soll nach Gottes Willen durch den
Staat und die Kirche geschehen. Staat und Kirche haben fr das Wohlergehen
der Menschheit zu sorgen und derselben zur Erreichung ihres Lebenszweckes
behilflich zu sein. Wie nun jedem Menschen von Gott ein Beruf zugewiesen
wird, so sind auch von ihm Diejenigen bestimmt, welche in der Kirche und im
Staate Vorsteher und Leiter sein sollen. Da aber diese eine hhere Schule
durchmachen und mehr verstehen und wissen mssen als Jene, die nach Gottes
Anordnung nur die gewhnlichen Arbeiten verrichten sollen, wird Jedem
einleuchten. Wie ein Knstler die Kunstschule besuchen und viel lernen und
ben mu, bis er in seinem Fache ein Meister wird, so mssen auch die
Leiter und Vorsteher in Kirche und Staat besondere Schulen durchmachen und
recht Vieles lernen, bis sie im Stande sind, ihr Amt zum Glck des Volkes
zu verwalten. Es sind dehalb fr sie hhere Schulen erforderlich, wo sie
sich die nthige wissenschaftliche Ausbildung aneignen, und Lehrer, die
ihnen dieselbe vermitteln knnen. Da aber fr Jene, welchen die Leitung in
Staat und Kirche bergeben werden soll, vor Allem eine solide religise
Grundlage nothwendig ist, wenn sie in segensreicher Weise wirken sollen, so
mssen die Lehrer der knftigen Diener des Staates und der Kirche ihr
vorzglichstes Streben darauf richten, da diese eine solche erhalten.
Letzteres werden sie aber nur dann erreichen, wenn sie selber Religion
besitzen. Nur dann werden sie in einer Weise, die ihren Zglingen zu Herzen
geht, die christlichen Wahrheiten vortragen; nur dann werden sie, was
mindestens ebenso wichtig ist, durch das eigene Beispiel ihren Worten den
erforderlichen Nachdruck verleihen und die ihnen Anvertrauten zum Guten
hinfhren. Nur in dieser Weise werden sie auch die Erwartungen der Eltern
befriedigen, die ihnen ihre Kinder nicht blo zur Ausbildung in der
Wissenschaft, sondern auch zur Erziehung nach den Grundstzen des
christlichen Glaubens bergeben. Wo ist ein Vater oder eine Mutter, die
nicht die Religion als den vorzglichsten Gegenstand betrachtet wissen
wollen, den man ihren Kindern beibringen soll, oder die das Theuerste, was
sie auf Erden haben, einem Manne zur Ausbildung anvertrauen mchten, dem
die Religion eine gleichgiltige Sache ist oder der sie gar verachtet?
Dehalb also sollen alle Lehrer einer hheren Bildungsanstalt von
religiser Gesinnung durchdrungen sein. Wenn dagegen der eine die Religion
liebt, der andere aber gerade das Gegentheil thut, so wird die Jugend nur
in Verwirrung gebracht. Da ferner das Bse viel leichter beim Menschen
Eingang findet als das Gute, so wird der religionslose Lehrer viel mehr
Unheil stiften, als der brave Gutes bewirkt, und mancher Zgling wird in
Folge hievon an seinem Glauben Schiffbruch leiden und dann auch sittlich zu
Grunde gehen. Den jugendlichen Herzen, welche weich sind wie Wachs, wird
eben nur zu leicht durch unchristliche Lehrer anstatt des Bildes Gottes das
Bild des Satans aufgedrckt werden.

Der Lehrer an einer hheren Bildungsanstalt soll jedoch nicht blo
Religion haben und Religion lehren, er soll auch wohl bercksichtigen,
wie die jugendliche Geistes- und Krperkraft beschaffen sei, und darauf
achten, da sich beide gehrig entwickeln. Wie eine Pflanze aus der Erde
hervorsprot und erst allmhlich gro und stark wird, so geschieht es
auch mit dem Menschen. Durch eine richtige Erziehung wird er allmhlich
geistig wie krperlich erstarken; ist dieselbe eine verfehlte, so werden
Geist wie Krper zu Grunde gehen. Es hat somit der Lehrer an einer
hheren Bildungsanstalt fr ein Doppeltes zu sorgen: erstens, da ber
dem Lernen der Leib nicht verkmmere, und zweitens, da sich der Geist in
richtigem Verhltni entwickle. Es soll keine berladung des Geistes das
Wachsthum hindern oder gar eine Verkmmerung der leiblichen Gesundheit
herbeifhren. Nichts ist fr die jungen Leute nothwendiger als Bewegung;
nichts ist nachtheiliger als zu vieles Sitzen beim Arbeiten. Die Pferde,
welche zu viel angebunden bleiben, entwickeln sich nie zur vollen Kraft.
So ist auch fr die Jugend das zu viele und lange Sitzen gefhrlich; es
kann leicht eine Schdigung des Krpers eintreten. Von Jahr zu Jahr
nehmen die Geisteskrfte zu, und dem entsprechend sollen auch die
Unterrichtsgegenstnde gewhlt werden. Wenn man aber den Schulplan
unserer heutigen hheren Bildungsanstalten vergleicht mit dem vor 30 bis
40 Jahren, welch' ein himmelweiter Unterschied ist in der Aufgabe, welche
die Jugend lsen soll! Man hrt allgemein klagen: es werden zu groe
Anforderungen an die Jugend gestellt. Ich bin ganz dafr, da man soviel
lernen soll, als nur mglich ist; aber was hat man denn gewonnen, wenn
man viele Gegenstnde gelernt, aber keinen recht gelernt und berdie
noch seine Gesundheit ruinirt hat? Dadurch wird man gewi nicht befhigt,
seinem zuknftigen Berufe recht zu gengen.

Es ist bereits gesagt, da der erste Gegenstand des Unterrichts auch in der
hheren Schule die _Religion_ sein msse. Was ist ein Mensch ohne Religion?
Aber statt auf den hheren Unterrichtsanstalten hierin weiter gebildet zu
werden, vergit man nur zu oft das, was man frher von derselben gelernt
hatte. Ja noch mehr: viele junge Leute verlieren dort nicht ohne Schuld der
Lehrer ganz und gar ihre frhere religise berzeugung. Was aber werden sie
mit der Zeit ohne den Halt des christlichen Glaubens werden? Die einen
fallen der Trunksucht anheim, andere werden ein Opfer der Unsittlichkeit,
und der grte Theil wird Handlanger bei den Angriffen auf kirchliche und
staatliche Ordnung. Mir ist kein Fall bekannt, da sich ein besonnener
junger Landmann oder ein religiser Geselle das Leben genommen htte.
Leider aber kann man viele Beispiele in den Zeitungen lesen, da Schler
aus den humanistischen Schulen, weil sie ihre Religion verloren hatten,
durch Selbstmord ihr Leben geendet haben. Das sind in der That traurige
Frchte, die diese Schulen gezeitigt haben. Wird die Religion aber als das
Nothwendigste erfat und in die Herzen der Jugend tief eingeprgt, dann ist
hierdurch auch fr den Unterricht in den brigen Gegenstnden viel
gewonnen. Denn es wird dann das Studium derselben als eine Pflicht
aufgefat und dehalb mit Eifer betrieben. Ist aber einmal der Geist durch
Unglauben auf falsche Bahnen gerathen und seiner Bestimmung auf Erden fremd
geworden, so erkennt er es nicht mehr als seine Pflicht, dem Kaiser zu
geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. Von einem
ersprielichen Wirken fr Kirche und Staat kann dann auch nicht mehr bei
ihm die Rede sein; im Gegentheil, er wird alles Mgliche aufbieten, das
niederzureien, was er aufbauen sollte. Das sind die traurigen Folgen eines
verfehlten Unterrichts.

Ein mir bekannter Vater hatte sechs Kinder und erzog sie alle recht
strenge; einen Sohn lie er studieren, weil er Lust und Talent dazu hatte.
Nach Verlauf von fnf Jahren hatte derselbe seinen Glauben wie auch die
Liebe zu seinen Eltern und Geschwistern verloren und der Trgheit und
Trunksucht sich ergeben. Wo aber Bacchus herrscht, ist Venus auch nicht
fern, und um es kurz zu sagen, er ist zum grten Taugenichts geworden.
Seine Geschwister hingegen sind brave Menschen und erfllen die Pflichten
ihres Berufes.

Ich kannte einen jungen Menschen, fr den die Eltern Alles geopfert hatten.
Sie konnten von ihm viel erwarten, weil der Sohn gutes Talent hatte und gut
erzogen war. Auf einmal nderte er aber seine gute Gesinnung und erklrte,
er habe jetzt von seinen Lehrern erfahren, die Religion sei blo fr die
alten Weiber. Er brauche sie nicht mehr. Die Folge war, da er ein
ebensolcher Taugenichts wurde, wie der oben Angefhrte.

In diesem Jahre kamen zu mir drei Mnner und theilten mir mit, da sie sich
in ihrem Berufe hchst unglcklich fhlten. Sie seien durch ihre Lehrer
irre gefhrt worden und htten daher nicht den rechten Beruf erwhlt. Sie
verwnschten ihre Lehrer und bereuten ihre Thorheit. Sie waren geistig
krank, und ihr Seelenleiden hatte auch den Krper krank gemacht.

Ich mchte den vorhergehenden noch folgendes Beispiel beifgen. Es kam zu
mir ein Herr von Stand; seine Gesundheit war ruinirt, er war aber nicht
weniger krank der Seele nach. Als ich nher nach dem Grunde seiner
Krankheit fragte, sprach er sich folgendermaen aus: Ich war ein ehrlicher,
guter Bauernknabe und freute mich mit meinen Geschwistern meiner frohen
Jugendzeit. Auf mein Ansuchen gestatteten meine Eltern, da ich studieren
durfte. Sie haben alle Opfer fr mich gebracht, und meine Geschwister
opferten mit, was sie konnten. Wie ich meine Eltern hoch geehrt, so
schtzte ich auch meine Lehrer. Zwei Studentenjahre aber sind mir zum
Unheil geworden durch zwei Professoren, die in ihren Vorlesungen selten es
sich versagen konnten, ber Religion zu sptteln und sie lcherlich zu
machen. Man hat mich soweit gebracht, da ich die Religion nur hassen und
verabscheuen konnte. Auch zwei Kameraden, welche dieselben Professoren
gehrt hatten, trugen ihr Schrflein dazu bei. Dann habe ich durch 15 Jahre
hindurch die traurigsten Schicksale erlebt. Die Augen sind mir jetzt
aufgegangen, doch sind Geist und Seele zu Grunde gerichtet. Wie ich einst
meine Lehrer ehrte, so kann ich sie jetzt nur verachten und verwnschen;
sie nahmen mir das Heiligste und Theuerste, den Glauben. O da doch nie ein
glaubensloser Mensch auf einen Lehrstuhl kme! Wenn Einer nur fr sich
unglcklich sein und bleiben will, kann man das oft nicht ndern; aber man
sollte einem Solchen keine Gelegenheit bieten, Andere zu verfhren. Ich
komme zu Ihnen, sie sind meine letzte Zuflucht, und stelle die Frage: Kann
mein physisches und seelisches Elend noch gemildert werden, oder mu ich an
demselben zu Grunde gehen? -- Glcklicher Weise war doch noch einige
Naturkraft vorhanden, und wenn der Mensch nur einsieht, da er das Gute
verloren und Verlangen hat, das Verlorene wieder zu finden, dann ist bei
dem Unglcklichen noch nicht alle Hlfe unmglich. Dreimal besuchte mich
dieser Herr, und in Wirklichkeit hat das Wasser das physische Leiden
berwunden, und der Geist wurde auch wieder lebendiger, nachdem der
allseitig zerrttete Krper durch das Wasser wiederhergestellt war.

Wre dieser Fall nur der einzige! Aber wie viele hundert hnliche Flle
knnte ich anfhren, wo man am Glauben bankerott wurde und leiblichem und
geistigem Siechthum anheimfiel und in den schnsten Jahren des Lebens sich
selbst das Grab ffnete. Wenn solche Frchte auf den hheren
Bildungsanstalten reifen, sollte man dann immer noch nicht zur Einsicht
kommen knnen, da man dort vielfltig auf dem Holzwege wandelt? Auer
diesen Beispielen lieen sich noch viele andere fr die traurige Thatsache
anfhren, da junge Leute nicht blo an der Religion, sondern auch an
Krper und Geist Schaden gelitten hatten, wenn sie sechs bis acht Jahre die
hheren Bildungsschulen besucht hatten.

Innerhalb zweier Jahre kam einmal eine groe Anzahl junger Leute zu mir,
die noch am Gymnasium studierten und rathlos die Frage stellten, was sie
anfangen sollten. Sie litten an heftigen Kopfschmerzen, konnten ganze
Nchte hindurch nicht schlafen, und wenn sie ein Buch in die Hand nahmen,
berfiel sie Schwindel. Ihr Gedchtni war auch geschwcht, und die von den
rzten angewandten, vielfach giftigen Mittel hatten die Sache nur noch
schlimmer gemacht. Ist das nicht ein Beweis dafr, da eine beranstrengung
dieser jungen Leute stattgefunden hatte?

Ein Vater brachte seinen Sohn zu mir und theilte mir mit: Mein Sohn hatte
groe Freude am Studieren, klagt aber jetzt am Morgen wie am Abend ber
Kopfweh; man hat ihn dehalb aus der Anstalt entlassen. Er ist recht
fleiig, wie sein Professor selbst gesagt hat. Was fange ich aber jetzt mit
ihm an? Er will auch jetzt noch studieren, trotzdem es nicht geht. Ich gab
dem Vater den Rath, zu allererst dafr zu sorgen, da der Sohn gesund
werde. Dann solle er ihn in eine Anstalt thun, wo minder hohe Anforderungen
gestellt wrden. Das geschah, und jetzt ist der Sohn gesund und setzt seine
Studien mit Vergngen fort.

Ein anderes Mal kam eine Mutter mit ihrem Sohne, der schon vier Jahre
studiert und gute Fortschritte gemacht hatte, aber an krampfhaften Anfllen
litt, hnlich dem Veitstanze. So gut der Junge gewachsen war, so frisch war
auch sein Aussehen. Das bel kam nur daher, da er geistig berladen worden
war, in Folge dessen der Krper, obgleich anscheinend gesund, mit
krampfhaften Aufregungen geplagt wurde.

Ein junger Mann, der auf der Universitt studierte, hatte alle Spuren von
Verfolgungswahn an sich. Er versicherte, da nur durch angestrengtes
Studium diese traurigen Zustnde entstanden seien.

Diese Beispiele sollen nur aus den vielen mir bekannten angefhrt werden.
Die Zahl derselben ist sehr gro. Gar viele junge Leute sind, statt
lebensfroh zu sein, krperlich oder geistig gedrckt und geschwcht in
Folge zu vielen Studierens. Lt man sich aber mit denselben in ein
Gesprch ein, um zu erfahren, wie weit sie denn in der Wissenschaft
vorangeschritten sind, so sieht man, da sie Vielerlei gehrt haben, aber
in keinem Gegenstande recht grndlich zu Hause sind. Es entmuthiget auch
nichts mehr als das berladensein mit Gegenstnden, die man lernen soll,
aber nicht alle lernen kann. Ich bin der festen berzeugung, da ich das
durchaus nicht htte leisten knnen, was die jungen Leute nach dem
gegenwrtigen Schulplan leisten sollen. Und doch kann ich jetzt meine
Lebensaufgabe lsen. Wenn ich auch nicht alles heutigen Tags Geforderte
gelernt habe, konnte ich doch das grndlich lernen, was ich gelernt habe,
so da ich mich selbst weiter ausbilden konnte. Hat es nicht in jedem
Jahrhundert groe Gelehrte gegeben, die beweisen, da der einfache
Schulplan am besten befhigt zum Weiterlernen?

Die Schulen sollen der Jugend Muth machen, und die gelernten Gegenstnde
sollen Wibegierde erwecken und zum Weiterlernen antreiben. Man soll in
ihnen aber nicht durch berladung entmuthigt werden. Auch ist es sicher
peinlich fr die Lehrer, wenn ihr Bemhen, so viele Gegenstnde den
Zglingen beizubringen, fruchtlos bleibt, und wenn sie sehen mssen, da
die Jugend theilnahmlos ist und mit dem besten Willen nicht zu leisten
vermag, was Vorschrift ist.

Ich kannte einen Studierenden, der nicht das beste Talent hatte, aber einen
recht groen Flei und groe Beharrlichkeit, die ihn auch zum Ziele
brachten. Er setzte spter sein Studium weiter fort und erfllt jetzt seine
Berufspflichten gewissenhaft und vollstndig. Niemand wrde glauben, da er
in der Schule sich so htte anstrengen mssen. Er ist Priester und steht
einer groen Pfarrei zur vollsten Zufriedenheit Aller vor. Man kann von ihm
sagen, er lernte in den Schulen so viel, um alle Arbeiten seines Berufes
verrichten und um sich durch fortgesetztes Studium fr denselben immer
tchtiger machen zu knnen. Ist das nicht genug?

Ich sollte einst eine Aufgabe lernen, die ich aber in drei Tagen nicht
gelernt habe. Die Namen von 28 Gebirgen sollte ich wissen, und welche Hhe
sie hatten. Was htte es mir aber gentzt, wenn ich mich auch abgeqult
htte, sie auswendig hersagen zu knnen? Wer Lust hat, die Bergeshhen zu
wissen, der wei ja, in welchen Bchern Dieses zu finden ist, dachte ich,
und dabei lie ich es bewenden. Wenn man auch nicht Alles wei, so ist das
noch kein Unglck; wenn man nur das fr seinen Beruf Erforderliche
versteht. Vieles Wissen, ganz besonders wenn es dabei an der Grndlichkeit
fehlt, blht nur auf und fhrt zur Verachtung Anderer, wobei man aber
fters schlecht fhrt, wie folgendes Beispiel zeigt. Es begegneten einst
zwei Studierende einem gut belesenen Landwirth, der den einen fragte, wer
er sei. Dieser antwortete, er sei der Dichter Schiller. Er fragte den
zweiten Studenten, wer er denn sei, und dieser antwortete in seiner
Weisheit, er sei der Dichter Gthe. Der Landwirth, nicht ohne Mutterwitz,
antwortete rasch: Zu diesen zwei Dichtern gehrt auch noch der Dichter
>Kloppstock<, nahm seinen Stock und gab Jedem einige ber den Rcken.

Lerne Jeder zunchst das, was er fr seinen Beruf nothwendig wissen mu,
aber lerne er Dieses grndlich und bleibe er dabei gesund; dann gehe er
ber zu dem Ntzlichen, und er wird als ein weiser Mann handeln. Vieles
Wissen blht auf, wie bereits bemerkt, und Blhsucht ist eine Krankheit,
die gerne bei Gelehrten und Narren sich einnistet. Mache dir dehalb
Folgendes zum Grundsatz: Ich will Sorge tragen, da ich einen gesunden Leib
und eine gesunde Seele habe und bei meinem Studieren recht vernnftig
verfahre. Thust du Dieses, dann wirst du auch mit gutem Erfolg wirken
knnen. Wenn man aber viel Weltweisheit gelernt und seinen Gott darber
verloren hat, so ist man ein Thor geworden; denn nur dieser spricht in
seinem Herzen: Es gibt keinen Gott.

Bei unserer strengen Schule, die an Geist und Krper so groe Anforderungen
stellt, soll auch durch _Turnen_ dafr gesorgt werden, da die Krperkraft
erhalten bleibe und vermehrt werde, damit so den Studierenden ihre
Gesundheit nicht verloren gehe. Mein Urtheil hierber ist dieses: Wenn das
Turnen im Stande ist, die Gesundheit zu erhalten und die Krfte zu
vermehren, dann ist's recht. Ich bin aber der berzeugung, es kann durch
das Turnen auch dem Krper recht geschadet werden. Wenn nmlich das Turnen
selbst oder die Dauer desselben ber die Krfte hinausgeht, dann wird es
gewi ble Folgen haben. Mir brachte ein Vater seinen Sohn, der seit fnf
Jahren studierte. Der gutmthige junge Mensch erklrte, da er beim Turnen
jedesmal solche Kopfschmerzen bekomme, da er nicht mehr studieren knne,
und er wollte sich daher vom Turnen dispensieren lassen. Dem Studenten
wurde aber nicht geglaubt, und er wurde aufs Neue zum Turnen verurtheilt.
Als sich das Kopfweh wieder einstellte, nahm der Vater seinen Sohn aus
dieser Schule, brachte ihn zu einer anderen Anstalt und machte die
Bedingung, da sein Sohn vom Turnen frei bleiben msse. Jetzt studiert
derselbe ohne Kopfweh weiter. Dem angefhrten knnte ich noch mehrere
Beispiele anreihen, bei denen das Turnen recht bse Folgen gehabt hat. Die
beste Turnbung wre, von Zeit zu Zeit eine krperliche Arbeit zu
verrichten, die nicht blo gelenkig macht, sondern auch durch Heben und
Tragen die Krfte vermehrt.

Ich kannte einen Studenten, der nicht mehr lernen konnte. Auch das Wasser
brachte ihn nicht weiter, als da er auf kurze Zeit das Studium wieder
aufzunehmen vermochte. Ich versprach ihm nur dann Hlfe, wenn er eine Zeit
lang Landarbeit ben wolle. Er that's und verrichtete fnf Monate lang die
Arbeiten eines Bauernknechtes. Dann setzte er seine Studien weiter fort.
Sein Kopfweh und seine Congestionen hatten sich verloren, und er arbeitet
jetzt bereits eifrig in seinem Beruf. Er versicherte mir erst krzlich, er
habe keine Spur mehr von seinem frheren, so unheimlichen Leiden.

Eine vernnftige Arbeit wrde ich allem Turnen weit vorziehen. Damit will
ich aber nicht das Turnen gnzlich verwerfen. Im Gegentheil kann ja auch
durch dasselbe die Krperkraft vermehrt werden, nur sollen die bungen nie
gefhrlich werden oder zu anstrengend sein. Man kann durch Aufheben,
Tragen, verschiedene Krperbewegungen viel Gutes erzielen. Man soll aber
nie vergessen, welch' zarte Organe im menschlichen Krper sind.

Selbst von den vernunftlosen Thieren kann der Mensch lernen, da er seine
Krperkrfte ben, aber diese bung nicht bis zur Erschpfung fortsetzen
soll. Auch die Thiere machen instinktmig gewisse Turnbungen. Es ist
kstlich, einem jungen Paar Hunde oder Katzen zuzusehen, wie sie in die
Hhe hpfen, Seitensprnge machen, kleine Lasten ziehen, sich muthwillig
herumtummeln u. s. w. Es geschieht Die aber regelmig nur auf kurze Zeit,
nie bis zur Ermdung.

Einst machten die Studenten in groer Anzahl in den Ferienzeiten
Fureisen, bestiegen kleine und groe Berge, hatten dabei einen groen
Wechsel in der Luft wie auch in der Kost und hrteten sich so in dieser
Zeit recht gut ab fr das kommende Schuljahr.

Ich kenne einen Priester, der ber 70 Jahre zhlt, welcher jede Ferienzeit
mit Fureisen zugebracht hat. Er hat mir schon oft versichert, da er durch
diese Reisen fr Geist und Krper viel gewonnen habe. Heut' zu Tage scheut
man das Gehen viel zu sehr, und Viele mgen ihre Nachbarn nur mehr mittelst
Wagen oder Eisenbahn besuchen.

Ich mchte eine Turnbung besonders empfehlen, die ich selbst angewendet
habe, und die auch die alleinige Ursache ist, da ich zu meinem Berufe
gekommen bin und jetzt noch lebe. Auch mich hatte das Bestreben, schnell zu
meinem Ziele zu kommen, dazu gebracht, mehr leisten zu wollen, als die
Natur ertragen konnte. Ich wurde bald unfhig, weiter zu studieren. Ein
vorzglicher Arzt besuchte mich in zwei Jahren 195mal und konnte mir nicht
helfen. Da wurde mir das Wasser gleichsam ein rettender Engel, und dieses
mchte ich daher auch Anderen dringend empfehlen. Aber man mu nur recht
vernnftig verfahren bei Anwendung desselben, sonst steigert sich nur das
bel, statt da es gehoben wird. Man hat allerdings auch Badeanstalten, und
die Jugend wird dort im Schwimmen unterrichtet. Man bleibt jedoch
gewhnlich zu lange im Wasser, und das Schwimmen selbst mag wohl einem
krftigen Menschen gut thun, wenn es nicht zu oft geschieht, aber ein
Schwchling vermag es nicht auszuhalten. Das Wasser ist unstreitig das
beste Mittel fr Gymnastik, es krftigt die ganze Natur, bringt das Blut in
geregelten Lauf, erhlt und vermehrt die Krperwrme und gibt den besten
Schutz gegen Klte und Hitze. Ich mu aber nochmals bemerken: Vor Allem nur
mig, wenn eine gute Wirkung erreicht werden soll! Welches mchten aber
wohl fr junge Leute die besten Anwendungen sein? Der Jugend kann nichts
mehr empfohlen werden, als die Abhrtung durch Barfugehen im Garten, im
Freien, auf nassen Steinen und selbst auf dem Zimmerboden. Eine gute
Abhrtung ist es schon, am Abend vor dem Schlafengehen 1/4 Stunde auf dem
Zimmerboden barfu zu gehen. Wie am Abend, so kann es auch in der Frhe
geschehen. Ich bin berzeugt, solche, welche die thun, werden nicht leicht
oder gar nie Fuschwei bekommen, weil der ganze Organismus dadurch
abgehrtet wird und besonders die Fe. Die beste Anwendung auer diesen
bezeichneten Abhrtungsmitteln ist ein Halbbad von der Dauer einer halben
bis hchstens einer Minute. Durch viele Erfahrung bin ich zur berzeugung
gekommen, da die jungen Naturen dadurch viel krftiger und ausdauernder
werden und da so auch ganz besonders auf den Geist gnstig eingewirkt
wird. Es ist fast unglaublich, welche guten Folgen ein solches Halbbad auf
den Krper hat, wenn es lngere Zeit angewendet wird.

Ein junger Priester beklagte sich einst, da ihm das Predigen so schwer
sei; er habe hufig Blutandrang nach dem Kopfe, und diesen fhle er
besonders, wenn er ffentlich auftrete. Nach der Predigt sei er gewhnlich
ganz entkrftet. Ich rieth dem jungen Herrn, er solle 1/4 Stunde vor der
Predigt ein Halbbad nehmen fnf bis sechs Sekunden lang. Nach ungefhr fnf
Jahren versicherte er, da ihm die Befolgung meines Rathes vortrefflich
bekommen sei; er nehme regelmig vor der Predigt ein Halbbad; dann rede er
viel leichter und fhle nachher keine Schwchen.

Einem Studierenden in der dritten Gymnasialklasse, der ber Schmerz und
Eingenommenheit im Kopf sich beklagte, rieth ich, wenn mglich, tglich 1/4
Stunde barfu zu gehen in freier Natur, dann jeden zweiten Tag ein Halbbad
zu nehmen und die lngere Zeit fortzusetzen. Nach drei Monaten war das
Kopfweh verschwunden und sein Geist neugestrkt.

Wenn ich in den Schulen fr Gesundheit des Krpers zu sorgen htte, so
mte Gelegenheit geboten sein, da die jungen Leute Halbbder nehmen
knnten. Wenn sie einen Monat lang dieselben gebraucht und die wohlthtigen
Folgen fr Krper und Geist an sich erfahren haben, so gebrauchen sie gern
solche Strkungsmittel. Wenn also das vernnftige Turnen seine guten
Wirkungen hat und dehalb auch gebt werden soll, so darf das Wasser als
das vorzglichste Gesundheitsmittel nicht ausgeschlossen werden; man soll
es vielmehr recht fleiig anwenden.


Seminarleben.

Ich kenne einen Bauernhof, der vom Pfarrorte eine halbe Stunde entfernt
ist. Dieser wurde bewirthschaftet von einem recht tchtigen Landmann und
seiner vortrefflichen Frau. Der Himmel hatte denselben 12 Kinder gegeben,
und diese wurden auf's Strengste unterrichtet in der hl. Religion, in den
huslichen Arbeiten und in Allem, was fr Bauersleute nothwendig und
ntzlich ist. Die Kinder wuchsen gesund und krftig heran, sie lernten und
arbeiteten fleiig, und so hatten die Eltern an ihren Kindern eine groe
Freude; als dieselben das Alter erreicht hatten, in welchem sie einen
bestimmten Beruf antreten konnten, kam das eine dahin, das andere dorthin,
und in wenigen Jahren waren alle zwlf aufs beste versorgt.

Es wird vielleicht Mancher fragen: Wie kam es doch, da diese Familie so
gesunde und tchtige Kinder hatte? Die Grnde sind folgende: erstens die
freie und gesunde Luft, die auf den menschlichen Krper hchst vortheilhaft
einwirkt und von den Kindern tglich in Flle eingeathmet wurde; dann die
Landarbeit, welche den Krper ungemein krftigt; drittens die einfache
Kost, die alle erforderlichen Nhrstoffe in reichlichem Mae enthielt und
von den Kindern auch gut verwerthet wurde, weil sie krftige Naturen
hatten. Es mu nmlich wohl beachtet werden, da viele Leute freilich eine
gute, krftige Kost essen, aber ihre schwachen Naturen vermgen sie nicht
zu verarbeiten, und dehalb bleibt eine Menge der in derselben enthaltenen
Nhrstoffe unbentzt. berdie blieb jenen Kindern Alles fern, was die
Gesundheit verdirbt, als geistige Getrnke, hitzige Gewrze, Kaffee&c.
Auch wurden sie nicht durch die Kleidung verweichlicht, indem sie nur die
einfache Landestracht erhielten. Ganz besonders aber verdankten sie ihr
Glck der vernnftigen und religisen Erziehung.

Dieses Familienleben, mit seiner Erziehung und seinem Unterricht, ist mir
ein Bild von einem Seminar, in dem ein oder mehrere Vorstnde die Stelle
von Vater und Mutter einnehmen mssen, die fr das geistige und leibliche
Wohl der Zglinge an Eltern Statt zu sorgen und jeden zu seinem Berufsleben
fhig und tchtig heranzubilden haben. Soll dieses Ziel erreicht werden, so
ist das Hauptgewicht natrlich auf die religise Erziehung zu legen. Es ist
etwas sehr Schnes, wenn eine grere Anzahl junger Leute in einem Seminar
mit einander zusammen lebt, lernt und sich bt, und dann spter Alle, der
Eine in diesem, der Andere in jenem Berufe, gemeinsam dahin streben, Gottes
Ehre und das Wohl der Menschen zu befrdern. Das wird aber nur dann zu
erwarten sein, wenn Allen im Seminar die Religion recht tief eingeprgt
wurde. Mchten Die doch die Vorstnde in Erziehungsanstalten recht
bercksichtigen, weil dort, wo die Religion fehlt, alle brigen Kenntnisse
oft mehr Unheil als Nutzen stiften.

Soll der religisen Ausbildung die vorzglichste Sorgfalt zugewendet
werden, so darf doch auch die Sorge fr das krperliche Wohl der Zglinge
keineswegs vernachligt werden, da bei Verkmmerung des Krpers alle
geistige Ausbildung und religise Erziehung desselben fr die menschliche
Gesellschaft ohne Nutzen bleibt. Ich habe einmal in einem Buche gelesen,
ein Vorstand solle kein groer Gelehrter sein und solle auch nicht ganz
gesund sein. Die Grnde dafr sind diese: Ist er ein hochgelehrter Mann, so
gelten bei ihm blo Solche, welche in der Wissenschaft recht weit voran
sind, er will nur Gelehrte heranbilden. Wenn er stets gesund ist, dann hat
er zu wenig Mitleiden und Schonung fr die Krnklichen. Er macht es, wie
einst ein Vorstand mit seinen Untergebenen verfuhr, wenn sie in Krankheit
Hlfe suchten. Gewhnlich sagte er dann zu diesen, sie sollten nur fest
glauben, sie seien nicht krank und sich nichts einbilden.

Will der Vorstand einer Erziehungsanstalt die ihm Anvertrauten bei guter
Gesundheit erhalten, so mu er auf folgende Punkte besonders achten: Nichts
darf zur Last werden, sonst fehlt das Gedeihen, und dehalb werde die
hchste Vorsicht angewendet, da _keine berladung_ auf geistigem Gebiete
das Jugendleben verbittere. Im Sprchwort heit es: Lust und Lieb' zu einem
Ding macht alle Mh' und Arbeit gering. Lust und Liebe zum Studium aber
werden dort nicht zu finden sein, wo beranstrengung stattfindet. Nichts
wirkt auch nachtheiliger auf die Krperkraft und Gesundheit, als die
beranstrengung der Geisteskraft, ganz besonders in der Jugendzeit. In
dieser mu sich der Krper erst zur vollen Kraft und Gestalt entwickeln,
und wie ist Dieses mglich, wenn durch bermige geistige Arbeit die
Organe in ihrer Thtigkeit gehemmt werden!

Es ist ferner nothwendig, da der Krper entsprechend _abgehrtet_ und vor
jeder Verweichlichung bewahrt werde. Was die Kleidung angeht, so ist
bereits in einem frheren Kapitel das Nthige hierber gesagt worden. Dann
mu fr gesunde, _reine Luft_ sowohl in den Studierzimmern, als auch
besonders in den Schlafrumen gesorgt werden. Was frher betreffs der
Lftung der Wohnungen gesagt wurde, ist hier um so wichtiger, je mehr
Personen in denselben Rumen zusammen leben.

Auch _Bewegung_ ist unentbehrlich, um gesund heranzuwachsen und sich gesund
zu erhalten. Da in Erziehungsanstalten die Gelegenheit zu krperlicher
Arbeit fehlt, ist sehr beklagenswerth. Wenn tglich jeder Zgling nur eine
halbe Stunde krperlich arbeiten knnte, so wre Dieses vom grten
Vortheil fr die Gesundheit. Kein Spaziergang ersetzt eine solche Arbeit;
aber es soll hier weder zu viel noch zu wenig geschehen. Wenn junge Leute
nur studieren und jede Anstrengung und Abhrtung des Krpers
vernachligen, so gehen sie regelmig frh zu Grunde. Es gibt in der That
Solche, die aus lauter Vorliebe fr einzelne Fcher weder Warnung noch
Drohung beachten, bis sie sich vollstndig ruiniert haben. Was sind
berdie Menschen, die ausschlielich nur Dieses oder Jenes studiert haben,
fr das Leben werth? Sie werden nie fr irgend einen Beruf tchtig sein.
Die Einseitigkeit wird berall sichtbar werden; sie sind weder selbst
glcklich noch im Stande, Andere glcklich zu machen.

Fr ein Seminar ist nach meinem Urtheil auch eine geeignete Einrichtung zur
Anwendung des _Wassers_ sehr nothwendig, damit die jungen Leute gesund
erhalten bleiben und gut abgehrtet werden. Ich habe einst mit einem
Seminar-Vorsteher ber diese Angelegenheit gesprochen. Dieser war
entschieden dagegen, da in solchen Anstalten Wasser-Anwendungen gemacht
wrden. Dieser Vorsteher wre gern selbst gesund gewesen; er getraute sich
aber nicht, Wasser anzuwenden, aus Furcht, er knne den jungen Leuten
dadurch rgerni geben, und das ganze Seminarleben knne dadurch an seinem
Charakter einben. Die Folge war aber, da ihn der Tod weit eher ereilte,
als es sonst nach menschlicher Berechnung geschehen wre. Ich verlange
keineswegs, da man viel mit Wasseranwendungen sich abmhen soll, ich bin
sogar entschieden dagegen. Wenn man aber fr nthig hlt, Gesicht und Hnde
tglich zu waschen, damit der Schmutz nicht berhand nehme so wird auch
wohl der brige Krper zuweilen einer Reinigung bedrfen. Niemand wird
berdie in Abrede stellen knnen, da Halbbder oder andere Anwendungen
viel dazu beitragen, den Krper gesund und krftig zu machen und so zu
erhalten. Ich mchte daher rathen, da die jungen Leute wenigstens zweimal
wchentlich ein Halbbad nehmen.

Ich kenne einen Professor, der einst an seine Zglinge die Frage stellte:
Wer von euch hat so viel Muth und nimmt ein Halbbad auf eine halbe Minute?
Es war Sptherbst. Einer meldete sich, der glaubte, er knne dadurch unter
seinen Kameraden ein Herkules werden. Er wagte es, und weil er sich gar so
wohl und behaglich fhlte, erklrte er sich bereit, des andern Tages
wieder eins zu nehmen, was auch geschah. Nach diesen zwei Heldenthaten
machte er sich lustig ber die Anderen und nannte sie Feiglinge. Diesen
Spott wollten Manche nicht ertragen und glaubten, solche Herkulesthaten
knnten sie auch verrichten. In kurzer Zeit war die ganze Klasse an die
Halbbder gewhnt; die jungen Leute bewiesen durch ihr gutes Aussehen,
durch ihre Krperkraft und die dadurch auch gestrkte und vermehrte
Geisteskraft, da die Abhrtungen ihnen groen Nutzen gebracht hatten und
dehalb mit Recht verdienen, allgemein empfohlen zu werden.


Seminarkost.

Wie ber gar viele Dinge, so wird auch ber die Kost in den Seminarien ein
sehr verschiedenes Urtheil gefllt. Es wird nur wenige Seminarien geben, in
welchen nicht die Einen mit der Kost zufrieden, die Anderen unzufrieden
sind. Will man in denselben berechtigten Klagen vorbeugen, dann mu man den
Werth und Unwerth der Speisen kennen und die guten und nahrhaften
auswhlen. Man mu aber auch darauf sehen, da die Kost nicht blo
Nhrstoffe enthalte, sondern da die jungen Leute dieselbe auch vertragen
knnen. Nahrhaft mu die Kost sein, weil die jungen Leute wachsen, und man
kann sagen, je nahrhafter, um so besser; sie mu leicht zu vertragen sein,
weil schwchlichen Naturen, besonders bei wenig Bewegung, eine
schwerverdauliche Kost nicht zutrglich ist. Jungen Leuten mchte ich
besonders empfehlen, durchaus keine geistigen Getrnke zu genieen, weil
diese in ihrem Nhrwerthe zu armselig sind und im Krper fr derartige
Getrnke immer grere Neigung erzeugen. Es soll ferner Vorsicht angewendet
werden, da die Kost mglichst wenig Gewrze bekomme und nicht viel Essig
dazu verwendet werde. Durch Gewrze wird das Blut schrfer, und viele Sure
hat auch keine guten Folgen. Der wird am besten genhrt, der die einfachste
und nahrhafteste Kost hat. Es knnte vielleicht Einer die Frage stellen:
welches _Frhstck_ wre wohl am besten fr junge Leute? Ich gebe zur
Antwort: Die Milch wre am besten, weil sie am meisten Nhrstoffe hat.
Allein die Milch ist nicht anzurathen; zum Milchgenu gehrt nothwendiger
Weise krperliche Arbeit und Bewegung, sonst wird sie bald widerstehen und
Sure erzeugen. Der Genu reiner Milch fr junge Studierende ist also nicht
immer zu empfehlen. Giet man aber zur Milch etwas Malzkaffee, so erhlt
man ein vorzgliches Frhstck. Ebenso ist Roggenkaffee, und besonders
Eichelkaffee zu empfehlen, dem ich die erste Note geben mchte. Den aus
eigentlichen Kaffeebohnen bereiteten Kaffee aber wrde ich fr junge Leute
vollstndig verbannen, weil ihm die Nhrstoffe fehlen und er berdie
aufregt und zehrt.

Die bei uns allbekannte und bewhrte Brennsuppe und die leider oft so
verachtete Kraftsuppe, die recht nahrhaft ist und keine Gase bewirkt,
mchte ich ganz besonders wieder hier empfehlen. Freilich mgen die
Kchinnen diese Suppen nicht gern kochen, weil es ihnen zu umstndlich und
mhsam ist. ber diese Personen aber das Regiment zu behaupten, dazu gehrt
groe Entschiedenheit. Die Brodsuppe von Roggen- und Weizen-Brod ist fr
die heranwachsende Jugend auch nur zu empfehlen, aber sie mu recht
sorgfltig gekocht werden. Wie leicht kann mit diesen Suppen ein Wechsel
vorgenommen werden, und gerade der Wechsel in den verschiedenen Nhrmitteln
wirkt so gnstig.

Was den _Mittagstisch_ betrifft, so ist darber bei den Nhrmitteln und
Mahlzeiten recht viel gesagt worden und es soll besonders bei jungen Leuten
darauf gesehen werden, da von der Mehlkost ja nicht ganz abgelassen wird.
Es sind wirklich viele Leute recht armselig daran, wenn sie nur an
Fleischspeisen gewhnt sind und spter keine andere Kost mehr ertragen
knnen, da doch die Mehlkost fr ein gutes Blut so nothwendig ist. Es ist
wirklich zu bedauern, da die einfachen Mehlspeisen von reinem Naturmehl so
wenig in den Seminarien eingefhrt sind, und sicher ist hierfr wieder ein
Hauptgrund der, da das Kochen etwas mhsamer ist und mehr Zeit und Flei
beansprucht. Die Gemse, weil sie wenig Nhrstoffe enthalten und mehr
wsserige, krankhafte Sfte bilden, sollen nicht hufig genossen werden;
doch darf nicht vergessen werden, da sie der Fleischkost beigegeben werden
sollen, wie bereits oben erwhnt wurde.

Zur _Abendmahlzeit_ sollen wiederum nur recht nahrhafte Substanzen gewhlt
werden, aber vor Allem keine schwer verdauliche Kost. Wer solche am Abend
geniet, der wird ber schlechten Schlaf sich oft zu beklagen haben.

Es ist auch nothwendig, da die jungen Leute sowohl betreffs der Kost als
auch ihrer brigen Bedrfnisse an Gengsamkeit und Sparsamkeit gewhnt
werden. Ferner sollen sie angehalten werden, in manchen Stcken sich selbst
zu bedienen. Wer das Arbeiten nie gelernt hat, wird auch ber die Arbeit
schwerlich richtig urtheilen. Wer in seiner Jugendzeit stets bedient worden
ist, dem wird es zur Gewohnheit, sich bedienen zu lassen. Er versteht nur
zu befehlen, welche Dienste ihm geleistet werden sollen. Abgesehen davon,
da derartige Leute hchst einseitig werden und viele Ansprche an Andere
machen, knnen sie auch leicht herzlos werden gegen die, welche ihre
Befehle zu vollziehen haben.

Ich kenne ein Seminar, in welchem der jngste wie der lteste Zgling sein
Bett selbst machen, sein Zimmer selbst fegen, selbst seine Schuhe wichsen
und seine Kleider reinigen mu. Sollten solche Zglinge nicht viel
gewandter in den huslichen Arbeiten werden als andere, denen alles Die
durch Dienstboten besorgt wird? Dazu kommt, da diese Nebenarbeiten von
auerordentlicher Wichtigkeit fr die Gesundheit sind. Oder ist es nicht
zutrglich fr dieselbe, wenn Jemand in der Frhe sein Bett macht, seine
Kleider ausstaubt und brstet, seine Schuhe wichst, das Wasser sich selbst
holt&c.? Eine solche Beschftigung wrde ich einem Spaziergang bei weitem
vorziehen. Zugleich gewhnt man sich an die Besorgung seines eigenen
kleinen Hauswesens und erwirbt sich die Fhigkeit, spter ein greres
leiten zu knnen. Wenn aber der kleine Schulknabe -- am Ende ist er nur ein
Bauernbblein -- schon als ein kleines Herrlein bedient wird, wie gro wird
er sich dann bald dnken! Er wird leicht hohe Anforderungen an Andere
stellen und fr diese eine rechte Last werden. Kommen dann einmal widrige
Schicksale, so wird er sich nicht zu helfen wissen und nur schwer in seine
Lage fgen knnen. Bei dem aber, der gelernt hat, fr sich zu sorgen, wird
das ganz anders sein.


Mdchen-Institute.

Die Mdchen-Institute mchte ich eintheilen in solche, welche sich nur mit
der Erziehung fr das brgerliche Leben abgeben, und in solche, in denen
die weibliche Jugend fr den hheren Stand herangebildet wird. Es gibt
viele Vter und Mtter auf dem Lande, die ihre Tchter in Institute
schicken in der Absicht, da sie lernen und einben, was sie fr ihr
knftiges Berufsleben nothwendig haben. Ganz sicher ist diesen Eltern der
erste und hchste Wunsch, da die Kinder recht religis werden, also nicht
nur Kenntnisse in der Religion sich verschaffen, sondern auch lernen
darnach zu leben. Dann aber wollen sie auch, da sie in dem unterwiesen
werden, was sie fr einen Haushalt gewandt und tchtig macht. Der
Unterricht, den sie im Institut erhalten, soll ein Fortbau dessen sein, was
sie von den Eltern zu Hause erlernt haben, damit sie auf diese Weise durch
grere Gewandtheit und Kenntnisse spterhin das besser leisten knnen, was
der Beruf von ihnen verlangt.

Ist fr die Mdchen die Erlernung der gesammten Hauswirthschaft das
Allerwichtigste, weil zu deren Besorgung das Weib vorzugsweise bestimmt
ist, so wre es gewi grundverkehrt, wenn sie gerade hierin nicht
sorgfltig unterwiesen wrden. Oder wre das nicht thricht, wenn ein
Mdchen sticken, malen und hnliche nicht unumgnglich nthige Fertigkeiten
erlernen wrde, nicht aber flicken, stricken und stopfen oder ein einfaches
Kleidungsstck anfertigen? Das wre in der That ein arger Fehler. Ich
kannte eine junge Person, die zwei Kurse in der Industrie durchgemacht
hatte. Diese sollte auf meinem eigenen Tische ein einfaches Hemd schneiden,
wie es die Landleute tragen. Sie konnte es aber nicht und gab nur in ihrer
Verlegenheit zur Antwort: Ich bin fr feinere und hhere Sachen ausgebildet
worden. Sie war also nicht im Stande, den einfachsten Haushalt fr sich
oder Andere zu besorgen.

Ist ferner eine Erziehung in einem Institut wohl viel werth, wenn die
Zglinge nicht einmal ihr eigenes Bett in der Frhe zurecht machen, auch
ihr Waschwasser nicht selbst ins Schlafzimmer bringen und ihr Zimmer nicht
selbst ausfegen und putzen mssen? Werden solche praktisch unterrichtet?
Gewi nicht. Solche werden weder selbst glcklich werden noch Andere
glcklich machen.

Ich kannte zwei Bauerntchter, die in der besten Absicht in ein Institut
geschickt wurden. Bevor sie hineinkamen, hatten sie ihre Mutter in den
huslichen Arbeiten untersttzt, in denen diese sie unterrichtet hatte,
soweit es ihre Zeit erlaubte. Im Institut muten sie andere Kleider tragen,
aber nicht so einfache, wie zu Hause, sondern noble. Dort wurden sie auch
bedient, im Zeichnen sowie im Sticken unterrichtet und lernten einige
franzsische Phrasen. Als sie dann nach einem Jahre nach Hause kamen,
schmten sie sich, die Arbeiten fortzusetzen, die sie verlassen hatten, und
beide Tchter hatten Hoffart und Eitelkeit recht gut gelernt. Fr das
Hauswesen aber waren sie unbrauchbar. So klagte mir ihr eigener Vater.

Von einer anderen Familie wurde die Tochter in derselben Absicht einem
Institut bergeben. Nachdem sie aber von dort heimgekehrt war, konnte der
Vater seine vornehme Tochter fr seinen Haushalt nicht mehr brauchen, da
sie die vorkommenden Arbeiten nicht mehr besorgen wollte. Da nahm der
energische Mann aber einen Strick und trieb sie zur Arbeit. Hat er daran
nicht vernnftig gehandelt?

Was ist gefhrlicher als Eitelkeit? Sie ist die Fhrerin von der
Einfachheit zur Prunksucht. Wo Eitelkeit ist, da findet sich leicht die
Hoffart ein, und wo diese herrscht, fehlen Bescheidenheit und Gengsamkeit.
Ich halte Institute, in welchen die weiblichen Personen in dieser Weise
erzogen oder vielmehr verzogen werden, fr ein groes bel unserer Zeit.
Gerade durch die Institute sollten die Zglinge zur Einfachheit, zur
Bescheidenheit, zur Demuth und zum Opfersinn angeleitet werden, weil diese
Eigenschaften und Tugenden das Fundament fr ein wahrhaft glckliches Leben
sind. Fr ein nobles Leben sind die jungen Gemther empfnglich genug:
gewi greifen die Mdchen lieber nach Glacehandschuhen als nach dem Besen
oder dem Strickzeug, und es fehlt oft nicht viel, da sie es fr eine
Schande halten, letzteres in die Hand zu nehmen.

Zu beklagen ist es auch, wenn in solchen Instituten Derartiges geschieht,
wie ich es jetzt erzhlen will. Es kam ein Mdchen zu mir und klagte ber
heftiges Kopfweh. Es hatte schon viel gebraucht, konnte aber nicht davon
frei werden. Auf die Bemerkung: Wie es mir scheint, sind Sie geschnrt,
gab es zur Antwort: Ich kam in ein Institut, und wir muten dort alle
einen gut anliegenden Schnrleib tragen; ich mute deren zwei kaufen. Das
Mdchen glaubte nicht, da das Tragen desselben Ursache an seinem bel sein
knne, weil sie am einfachsten unter allen Zglingen gewesen sei. Ich gab
ihm den Rath, es solle sich wieder kleiden, wie es zu Hause bei seinen
Eltern geschehen sei. Dasselbe folgte mir, und nach wenigen Tagen war das
Kopfweh verschwunden. Dieses Beispiel ist aber nicht das einzige seiner
Art, das mir vorgekommen ist; es braucht gar nicht viel, da man durch die
Kleidung die Blutcirculation strt, und die nachtheiligen Folgen bleiben
dann gewi nicht aus.

Mir erzhlte ein Graf, er sei in einem Institute gewesen, wo er neben
seinem Studium die Hauswirthschaft recht gut gelernt habe; er habe sich
sein Bett jeden Morgen selbst zurecht machen, seine Kleider selbst ordnen,
auch seinen Zimmerboden selbst reinigen mssen. Dadurch sei er inne
geworden, wie die Hausarbeiten verrichtet werden mssen. Er sei hierfr
jener Anstalt sehr dankbar und habe das Gelernte recht gut brauchen knnen.
Seine Shne werde er alle gerade dehalb diesem Institut bergeben, weil
man dort fr das Leben unterrichtet werde. Wenn nun ein Graf es fr gut
hlt, seine Shne so unterrichten zu lassen, und ffentlich seine
Anerkennung ber das genannte Verfahren ausspricht, was soll man denn von
einem Institut fr Mdchen sagen, wenn die Zglinge desselben weder ihr
Zimmer zu ordnen, noch anderes Derartiges zu besorgen haben, oder wenn es
sogar vorkommt, wie mir Dies versichert wurde, da dieselben noch angezogen
werden, als wren sie unmndige Kinder? Verfehlt ist es auch, wenn die
jungen Mdchen in den Kchenarbeiten nicht gehrig unterrichtet werden.
Kann man denn wirklich glauben, es sei fr weibliche Personen nicht nthig,
die Besorgung der Kche zu lernen? Mu nicht auf die Unterweisung hierin
ein ganz besonderes Gewicht gelegt werden, wenn die Erziehung eine
vernnftige sein soll? Auch ist Niemand ausgenommen von der Arbeit, und
sollte auch ein Mdchen Aussicht haben, eine gndige Frau zu werden, so
wird es ihm doch nur Ehre machen knnen, auch in der Kche tchtig zu sein.
Wie armselig steht am Ende eine solche da, wenn ihre Kchin wei, sie
versteht nichts von der Kche!

Ich kannte eine Baronin, welche allgemeines Ansehen geno, die alle Tage in
der Kche war, und sogar ihre Mgde im Kochen unterrichtete. Sie stand eben
dehalb in so hohem Ansehen und war so allgemein geliebt. Ich halte dafr,
da, nothwendiger noch als im Lesen und im Schreiben, alle Zglinge in den
huslichen Arbeiten unterrichtet werden mssen. Blo zum Essen und Trinken,
zum Roman lesen und Visiten machen, Unterhaltungen und Gesellschaften
aufsuchen, dazu ist doch frwahr kein Mensch erschaffen. Wie froh bin ich
heute noch, da ich bei Landwirthen und im Handwerk bis zum 21. Lebensjahre
gearbeitet habe! Ich brauche mich dessen nicht zu schmen; geschadet hat's
mir auch nicht, wohl aber unendlich viel gentzt, und ich danke meinem
Schpfer, da er mich diesen Weg gefhrt hat. Jene Institute sollten es in
der That als eine heilige Pflicht ansehen, da, wie in der heiligen
Religion, so auch in den huslichen Arbeiten die Mdchen gehrig
unterrichtet wrden.

Es herrschte einst unter dem Volke der Spruch: Selbst gesponnen, selbst
gemacht ist die beste Landestracht. Das sind schne Worte, und wer ihnen
folgt, kommt berdies billig zu seiner Kleidung. Leider werden sie wenig
mehr beachtet. Wie ein Postbote seine Briefe berallhin trgt, so wandert
auch die stdtische Mode von Ort zu Ort und verdrngt die Landestracht.
Die Kleidung, welche einst so wenig kostete und doch durch ihre
Beschaffenheit der Gesundheit zutrglich war, wird jetzt fr vieles Geld
gekauft und ist noch dazu nicht selten derart, da sie die Gesundheit
schdigt.

Aber was kann es helfen gegen die Mode aufzutreten? Man wird am Ende doch
nur tauben Ohren predigen, obschon man mit Sicherheit nachweisen kann, da
Viele an Kopfweh oder an kalten Fen oder an anderen Gebrechen gerade in
Folge der Kleidung leiden. Ich will daher auch nicht weiter mehr hierber
reden; wem nicht zu rathen ist, dem ist auch nicht zu helfen. Wer es aber
gut mit sich selber meint und sich manches Leid ersparen will, der mge
meinen Worten folgen.

Sollen die Zglinge in den Instituten das Hauswesen grndlich erlernen, so
sollen sie gleichzeitig auch zur Einfachheit in demselben angehalten
werden. Auch sollen sie so erzogen werden, da sie mit dem Stande ihrer
Eltern zufrieden sind, sich nicht desselben schmen und aus Hoffart sich
ber denselben erheben wollen.

Nicht weniger soll auch auf eine geeignete _Kost_ Rcksicht genommen
werden. Wer braucht eine einfachere, nahrhaftere und gesndere Kost als
junge Leute? Nur wenn sie eine solche erhalten, knnen sie gut gedeihen,
sich krftig entwickeln und tchtige, brauchbare Leute fr die Zukunft
werden. Was hilft eine feine Kost, wenn sie den Zgling armselig macht? Was
ntzt ein schnes, nobles Gewand, was Musik und Dichtkunst und die feinsten
Manieren, wenn der ganze Krper voller Gebrechen und Elend ist? Mache man
einmal den Versuch, den Zglingen eine einfache Kost zu geben, wie sie im
Kapitel ber die Nahrungsmittel angegeben ist, unterrichte man sie fleiig
in dem Nothwendigen und Ntzlichen, und Geist und Krper werden sich wohl
dabei fhlen und fhig werden zur Lsung der Lebensaufgabe.


Gesundheitspflege in weiblichen Instituten mittelst Wasseranwendungen.

Das Wasser, wenn es steht oder nur recht langsam sich bewegt, wird bald
trbe, ungeniebar und unbrauchbar. In hnlicher Weise geht es Hunderten,
wenn sie von einem bewegten Leben in der Welt zu einem zurckgezogenen und
abgeschlossenen bergehen. In kurzer Zeit verlieren sie die frische Farbe,
ihre Naturkraft und ihr heiteres, jugendlich frisches Gemth; sie sehen
welk aus und klagen ber verlorene Gesundheit. Es ist wirklich nicht
leicht, wenn eine grere Gesellschaft durch lange Zeit in geschlossenen
Rumen verweilt und arbeitet, alle Mitglieder bei voller Gesundheit zu
erhalten. Daher mu mit rechter Sorgfalt fr eine Lebensweise gesorgt
werden, die das leibliche Wohl befrdert. Es kann das Kleid, die Kost, die
Beschftigung angemessen sein, und doch ist kein Gedeihen da. Worin mag die
Ursache hievon liegen, und wie soll man dem belstand abhelfen? Vor Allem
mu gesorgt werden, da fr die gute Luft keine Clausur gemacht wird; denn
wo jene fehlt, wird auch die beste Gesundheit nach und nach zerstrt
werden. Besonders ist das der Fall, wenn eine Krankheit in einem Gebude
sich eingenistet hat. Ist man da nicht vorsichtig, so kann das eine Opfer
nach dem andern durch Ansteckung fallen. Es ist unglaublich, wie leicht
Kranke und Sterbende ein Denkzeichen ihrer Krankheit hinterlassen, wenn man
nicht darauf bedacht ist, da durch frische Luft die Krankheitsstoffe
verdrngt werden. Ferner sehe man auf einfache Kleidung, ganz besonders
aber auf Verrichtung krperlicher Arbeit und Bewegung.

Auch das Wasser kann als wirksames Mittel zur Erhaltung der Gesundheit, zur
Bewahrung und Vermehrung der Krfte verwendet werden. Dehalb sollte in
jedem Institut ein Raum vorhanden sein, in welchem verschiedene
Wasser-Anwendungen mit leichter Mhe vorgenommen werden knnen. Es soll
aber das Wasser nicht dann erst angewendet werden, wenn Gebrechlichkeit und
Krankheit sich bereits eingestellt haben. Wie man die Thre den Spitzbuben
verschliet, weil man wei, da, sind sie einmal eingebrochen, dann Elend
und Noth herrscht, so sorge man, da die Krankheiten keinen Eingang finden,
vielmehr der Krper gesund und krftig bleibe. Es ist freilich wahr, da
die Gesunden oft nicht gern Wasser anwenden und manche sogar eine recht
groe Wasserscheu haben. Aber ist es denn zu viel verlangt, da ein Zgling
in der Woche zwei- bis dreimal ein Halbbad von einer halben Minute nehmen
soll, wenn dadurch das so edle Gut der Gesundheit erhalten und geschtzt
wird? Soll man dafr nicht gern seine Wasserscheu berwinden? Wem aber
Dieses doch zu viel ist, der soll einfach ruhig hinsitzen und abwarten, bis
er krank und elend wird, dann wird er schon unternehmender werden. Knnen
nicht auch junge Mdchen im Frhjahr, Sommer und Herbst fter einige Zeit
im Garten oder auf nassen Steinen barfu gehen, um sich abzuhrten, das
Blut vom Kopf abzuleiten und Congestionen vorzubeugen? Wem diese Forderung
bertrieben vorkommt, fr den wre es Schade, wenn er gesund bliebe; Diesen
mu vielmehr Schmerz und Krankheit zu der Einsicht bringen, da der Mensch
kleine Opfer fr die Erhaltung seiner Gesundheit nicht scheuen darf. Ich
rathe nicht einmal, da man viel anwenden soll, sondern nur so viel, da
der Krper hinreichend abgehrtet ist, um Klte und Wrme ertragen zu
knnen.

Mir hat eine Dame erzhlt, sie habe mein Buch gelesen, und es haben ihr
besonders die Abhrtungen sehr gut gefallen. Sie habe noch im Sptherbst
Halbbder genommen und sei dadurch whrend des ganzen Winters vor Katarrhen
geschtzt gewesen.

Ein Frulein, welches sechs Jahre in einem Institute Sprachen, Industrie
und verschiedenes Andere, besonders Musik, gelernt hatte, wurde so nervs,
da sie nicht mehr in die Kirche gehen konnte, ohne die grte Qual
auszustehen, weil Gesang und die Musik der Orgel ihr die grten Schmerzen
bereiteten. Die einfachsten Hausarbeiten in einem Privathause und die
angegebenen Abhrtungsmittel haben dieses Frulein in vier Monaten
vollstndig wieder gesund gemacht. Mchte man sich derartige Beispiele doch
recht merken und sich darnach richten!

Ich will diesen noch ein anderes beifgen. Ein Mdchen, welches in einem
Institut ausgebildet war, kam in Begleitung seiner Mutter und zeigte mir
die herrlichsten Zeugnisse. Mit den ihm gegebenen schnen Anlagen hatte es
recht Vieles gelernt, wurde aber so nervs, da es dehalb entlassen wurde,
mithin zu seinem Beruf nicht gelangen konnte. Dazu hatten sich aber noch
Gemthsleiden eingestellt, so da das arme Geschpf mit all' seinem Wissen
doch in der traurigsten Lage war. Die entsprechenden Abhrtungen haben das
beklagenswerthe Mdchen wieder zurecht gebracht. Wre es aber nicht viel
besser gewesen, man htte im Institute durch die erwhnten Abhrtungen
einem solchen Elend und Jammer vorgebeugt?

Wre es mir mglich, vorlufig nur ein einziges Institut zur bung einer
vernnftigen Abhrtung zu bringen, ich bin der berzeugung, da der gute
Erfolg manche andere zur Nachahmung antreiben wrde. Die liebe Jugend wrde
sicherlich schon bereit zum Gebrauch des Wassers sein, wenn nur ihre Lenker
und Leiter selbst zur Einsicht kommen wollten und diese nicht oft gerade
Diejenigen wren, welche die Jugend abhalten, solche Mittel zu gebrauchen,
die ihre Gesundheit erhalten und befestigen und vor einem frhen Verfall
der Krfte schtzen. Ich habe nichts gegen das Turnen, wenn es in
vernnftiger Weise geschieht, bin aber der berzeugung, da die
Wasseranwendungen viel mehr ntzen. Das Turnen vermag allerdings die
Krperwrme zu erhhen. Nichts aber erzeugt schneller und gefahrloser das
richtige Ma der Krperwrme als das Wasser. Das Turnen kann brigens recht
aufgeregt machen, das Wasser entfernt jede Aufregung und bringt Ruhe;
dehalb behaupte ich zuversichtlich: Die Jugend wrde glcklich sein, wenn
ihr Gelegenheit geboten wrde, Wasser anzuwenden, aber auch dafr gesorgt
wrde, da es vernnftig geschieht und nicht das Sprchwort in Geltung
komme: Zu wenig und zu viel verdirbt alles Spiel.


Klosterleben.

In dem Abschnitte ber das Seminarleben habe ich dieses mit dem Leben in
einer Familie verglichen; auch eine klsterliche Genossenschaft gleicht in
manchen Stcken einer Familie. Wie nun in einem groen Hauswesen ein
tchtiger Hausvater nothwendig ist, wie von diesem vorwiegend das Glck
oder Unglck der Familie abhngt, so bedarf auch ein Kloster vor Allem
eines verstndigen Vorstehers, und von ihm hngt vielfach das Wohl und Wehe
der Genossenschaft ab.

Wenn man nur oberflchlich eine solche Klosterfamilie betrachtet, so knnte
man leicht meinen: Diese Leute haben es recht gut; sie haben Wohnung, Kost
und Kleidung, es wird gesorgt fr alle ihre leiblichen Bedrfnisse; es gibt
dort auch nicht allzuviel Arbeit -- kurz: ein solche Leben lt sich
fhren, ohne da man groe Opfer zu bringen hat. Doch schaut man die Sache
genauer an, ist man Augenzeuge davon, welche Anforderungen an Geist und
Krper der Insassen der Klster beiderlei Geschlechtes gestellt werden, so
wird man ein ganz anderes Urtheil fllen mssen. Die meisten Klster
gleichen groen Werksttten, in denen Jeder an dem ihm zugewiesenen Posten
Jahr aus -- Jahr ein schwere Arbeit verrichten mu, wobei obendrein noch
die Zeit fr die Mahlzeit und fr Erholung des Geistes und Krpers sehr
knapp bemessen ist. Bei der strengen Regel mancher Orden ist die Gefahr
einer vorzeitigen Aufreibung der Geistes- und Krperkrfte stets vorhanden.
Hier ist es vor Allem Sache des Vorstehers, dem wohlgemeinten, aber oft zu
groen Eifer seiner Ordensmitglieder Zgel anzulegen und strenge darauf zu
halten, da die richtige Abwechslung zwischen Arbeit und Anstrengung
einerseits und Ruhe und Erholung andrerseits stattfinde, da bei groer
Anstrengung der Geisteskrfte auch dem Krper sein Recht werde, da die
Pflege desselben und damit die Erhaltung der Gesundheit nicht vernachligt
werde.

Eine groe Anzahl von Ordensleuten ist schon zu mir gekommen; sie hatten
durch bermige geistige Thtigkeit ihre Gesundheit ruiniert und sich
schwere Krpergebrechen zugezogen, welche sie zur Erfllung der
Obliegenheiten ihres Berufes theilweise oder ganz unbrauchbar machten. Fast
Alle hatten die Pflege des Krpers mehr oder weniger vernachligt, und das
rcht sich immer. Soll der Geist auf die Dauer krftig und thtig bleiben
knnen, so mu vor Allem seine Wohnung und sein Werkzeug, der Krper,
gesund und krftig erhalten werden. Darum sollten jene Ordensleute, welche
vermge ihrer Regel sich vorwiegend oder ausschlielich geistig zu
beschftigen haben, in ihren freien Stunden, soviel sie knnen, krperliche
Arbeit verrichten; denn nur so kann die Kraft und Gesundheit des Leibes auf
die Dauer erhalten bleiben.

Vielen Orden ist zwar schon durch ihre Regel eine solche Abwechslung
zwischen geistiger und krperlicher Arbeit vorgeschrieben; wo Dieses aber
nicht der Fall ist, da ist es Sache des Vorstehers der einzelnen
Genossenschaft, fr eine solche Abwechslung, sowie fr die Pflege des
Krpers, soweit die nur geschehen kann, zu sorgen. In dieser Beziehung
mchte ich mir hier erlauben, den Vorstehern der Orden beiderlei
Geschlechtes folgende sehr beherzigenswerthe Rathschlge an's Herz zu
legen:

Die Kost sei recht nahrhaft; man vermeide aber vor Allem die scharfen
Gewrze und alle Reizmittel, weil sonst bei geringerer krperlicher
Thtigkeit leicht Krankheiten entstehen. Die Einsiedler haben ein sehr
hohes Alter erreicht, und was war ihre Nahrung? Die einfachste Naturkost,
Gemse ohne alle Wrze und Frchte. -- Auch soll die Kost nicht eine schwer
zu verdauende sein; hier beugt allerdings die Fastenordnung vieler Klster
dem bel vor.

Nicht vorsichtig genug kann man ferner sein bei der Auswahl oder dem Neubau
einer Wohnung fr Klosterleute, da viele derselben sie whrend ihres Lebens
nie wieder verlassen drfen, andre nur selten aus derselben herauskommen.
Das Haus mu vor Allem sonnig und trocken sein; wie Viele werden in der
Blthe ihres Lebens dahingerafft, wo dem nicht Rechnung getragen ist! Wenn
ferner schon in einem gewhnlichen Hause fr tgliche und gengende
Durchlftung aller Wohn- und Schlafzimmer gesorgt werden mu, um wie viel
mehr ist Dieses in einem Kloster geboten! Die Schlafzimmer insbesondere
sollen zu jeder Jahreszeit den ganzen Tag offen gehalten werden, und die
brigen Rume mssen sofort ausgelftet werden, wenn sie nicht von den
Insassen des Klosters bentzt werden.

Was die Kleidung anlangt, so soll man sich nicht zu warm kleiden, weil
sonst der Krper nicht genug abgehrtet wird. Manchen Ordensleuten ist die
Wollkleidung durch die Regel vorgeschrieben. Soweit diese unmittelbar auf
der Haut getragen wird, soll man dafr sorgen, da die Kleider nicht zu
enge an den Krper sich anschlieen, vielmehr die Luft berall Zugang habe,
damit auf diese Weise sich nicht zu viel Wrme entwickle und die Haut
abgehrtet bleibe.

Fr die Ordensleute beiderlei Geschlechtes wre es auch von groer
Bedeutung, eine vernnftige Wasseranwendung zu betreiben, sowohl um die
Natur widerstandsfhiger und krftiger zu machen, als auch um durch das
Belebende und Erfrischende einer solchen Anwendung den Geist in seiner
Thtigkeit zu untersttzen. Dehalb soll, wie fr das Waschwasser gesorgt
wird, so auch eine Gelegenheit geboten sein, das Wohlbefinden des ganzen
Krpers in dieser Weise zu befrdern. Die Gesunden, d. h. Diejenigen, deren
ganzer Krper stets die gehrige Naturwrme hat, die ordentlich schlafen
knnen und einen frischen Geist haben, sollen in der Woche zwei- bis
dreimal ein Halbbad eine halbe bis eine Minute lang nehmen und sich darauf
eine halbe Stunde Bewegung machen, damit sie wieder die volle Wrme
erhalten. Die sollen sie zu jeder Jahreszeit thun, wie im Hochsommer, so
auch zur Winterszeit; dann werden sie die Hitze und Klte gleich gut
ertragen knnen. Ihre Berufspflichten werden ihnen nicht zur Last werden,
sondern, da sie gesund an Geist und Krper bleiben, wird die Erfllung
derselben sie zufrieden, froh und glcklich machen. Wird aber das Genannte
nicht beobachtet, sorgt man weder fr ein trockenes Gebude, noch fr
gesunde Luft, noch fr zweckentsprechende Kleidung und Nahrung, dann kann
freilich in einem solchen Hause leicht eine Schaar von Krankheiten die
Leute peinigen, die Erfllung der Berufspflichten ihnen verbittern oder
diese gar vereiteln, und es rafft der Tod das eine Leben nach dem andern in
den schnsten Jahren dahin.

Zum Belege des Gesagten sollen hier einige Beispiele angefhrt werden,
welche allerdings zum Theil nicht unmittelbar Klosterleute betreffen, aber
mittelbar doch das Leben in manchen Klstern berhren.

Es kam ein Frulein zu mir und erzhlte: Ich bin mit 14 Jahren in ein
Institut gekommen, bin acht Jahre in demselben gewesen, habe mich
ausgebildet fr das Lehrfach, und ich wre jetzt daran, das Berufsleben zu
beginnen. Doch leider, whrend meine Eltern und Geschwister alle gesund
sind, bekam ich vor zwei Jahren ein ganz unbedeutendes Hsteln, das sich
aber jetzt zu einem heftigen Husten ausgebildet hat, dazu habe ich Fieber
und Nachtschweie und kann kaum mehr eine lngere Strecke gehen. Das
Frulein war gut gebaut und stammte von gesunden Eltern; aber es hatte
Jahre lang in geschlossenem Gebude gewohnt, und bei fortwhrender
geistiger Anstrengung war der ganze Krper vernachligt worden, so da er
schlielich dem Siechthum anheimfiel. Mich dauerte die jugendliche Person;
Hlfe war aber keine mehr mglich, und acht Wochen nach ihrem Besuche bei
mir endete sie ihr zeitliches Leben. Ich bin der vollsten berzeugung: wre
dieses Frulein in ihren lndlichen Verhltnissen geblieben, so wre es von
dieser Krankheit verschont geblieben und htte ein hohes Alter erreichen
knnen.

Ein anderes Frulein holte sich Rath bei mir betreffs ihres Berufes. Sie
war schon einige Jahre in einem Institut gewesen, hatte sich in der Musik
und Sprachenkenntni ausgebildet, von Krperarbeit aber und Abhrtung wute
sie nichts. Ich sagte ihr, da sie nothwendig krperliche Arbeiten
verrichten msse. Das Klosterleben sei ihr nicht zutrglich, weil sie im
Kloster blo fr geistige Arbeit werde verwendet werden. Doch wer das
Arbeiten und das Abhrten durch die Arbeit nicht schon in der Jugendzeit
gelernt hat, wird spter sich auch nicht leicht dazu entschlieen. Und so
ging es auch hier. Das Frulein whlte ihren Beruf gem dem, was sie
erlernt hatte, und starb in Folge dessen zweieinviertel Jahre spter an der
Schwindsucht.

Ich kannte eine Bauerntochter, die recht gesund, krftig und arbeitsam war,
dabei besondere Vorliebe frs Klosterleben hatte und den Drang fhlte, in
einen strengen Orden einzutreten, was auch geschah. Welche Umwandlung fand
aber hier statt! Bisher hatte sie immer in der freien Natur gearbeitet und
dadurch die Krfte erhalten und vermehrt. Dazu hatte sie eine einfache,
nahrhafte Landkost genossen. Nun kam sie auf einmal in ein Gebude, wo
wenig auf Lftung gehalten wurde, wo sie wenig Bewegung hatte, und diese
nur im Gebude selbst, und keine Arbeit mehr zur Erhaltung der Kraft. Mute
eine solche Person nicht verkmmern? So geschah es auch, und zwar war sie
schon im dritten Jahre voller Gebrechen, und Niemand wute, was ihr fehlte.
Im vierten Jahre endete sie ihr jugendliches Leben.

Drei Kandidatinnen hatten die Lehrkurse durchgemacht und fragten mich, was
sie jetzt beginnen sollten; denn infolge der fortwhrenden geistigen
Anstrengung war die eine gebrechlicher als die andere. Ich gab ihnen den
Rath, sie sollten, ehe sie in's Lehrfach eintreten wrden, ein Jahr lang
mit landwirthschaftlichen Arbeiten sich beschftigen, damit durch gute
Landluft und entsprechende krperliche Arbeit die Natur abgehrtet werde;
so wrden sie das, was sie an Krperkraft verloren, wieder gewinnen und
spter ihrem Berufe mit frischer, voller Gesundheit nachkommen knnen. Eine
folgte meinem Rath, und sie erfreut sich eines sehr guten Rufes wegen ihrer
vorzglichen Leistungen; die zwei anderen starben, die eine im dritten, die
andere im vierten Jahre nachher. Diese waren aber nicht schlimmer daran
gewesen, als die erste.

Sehr hufig werden fr die Mdchenschulen Lehrerinnen angestellt; die ist
nur zu billigen. Aber es gehrt recht viel dazu, da eine solche Lehrerin
allseitig genge. Es fllt mir schwer, an dieser Stelle mich ffentlich
auszusprechen ber einen offenbaren Mistand, und wenn ich nicht ein Freund
der Wahrheit wre und nicht Theil nhme an den traurigen Schicksalen,
welche oft die Menschen treffen, wrde ich kein Wort sagen. Doch es soll
und mu gesagt sein. Es wird allzuviel fr das Wissenschaftliche gethan,
die Geisteskrfte werden zu viel angestrengt, und so lernen dann in fnf,
sechs oder noch mehr Jahren die jungen Personen erstaunlich viele Dinge;
aber wozu? Meistens knnen sie es gar nicht oder nur kurze Zeit verwenden,
dann sind die Krfte aufgezehrt. Bei dieser Vorbereitung werden gewhnlich
die Krperkrfte gar nicht gebt; der Krper darf blo den Geist von der
einen Stelle zur anderen tragen. Er wird nicht abgehrtet und gestrkt
durch die Arbeit, und so bekommt der Geist eine baufllige Htte, die bald
zusammenbricht. Das Berufsleben ist infolge dessen meist bitter und von
kurzer Dauer. Bei einer solchen Unterrichtsweise ist aber noch ein zweites
Unglck dieses, da die Ausbildung eine einseitige wird, und da die also
ausgebildeten Kandidatinnen des Lehramtes dann mit ihren Schlerinnen
ebenso verfahren, wie mit ihnen verfahren worden ist.

Sollte man dem, was ich im Vorhergehenden gesagt habe, widersprechen und
meinen, die angefhrten Thatsachen htten andere Grnde gehabt, so will ich
meine Behauptung gern zurcknehmen, falls man mir beweist, da ich mich
geirrt habe. Ich will brigens noch bemerken, da die von mir gerathene
Anwendung des Wassers zur Abhrtung des Krpers oder Heilung von Gebrechen,
wie aus zahlreichen mir von solchen Anstalten zugekommenen Briefen deutlich
hervorgeht, recht gute Erfolge gehabt hat. Dehalb soll das Wasser gehrig
benutzt werden zur Krftigung und Erhaltung der Gesundheit. Freilich wird
bei Manchen, die durch geistige Anstrengung geschwcht sind, keine Heilung
mglich sein, wenn nicht krperliche Arbeiten verrichtet werden. Es soll
dehalb in jedem Kloster sowohl zur Anwendung des Wassers, wie zur
Verrichtung krperlicher Arbeiten Gelegenheit geboten werden, wenn dem
Krper die volle Gesundheit gebracht und erhalten werden soll.

Wie in den Frauen-Klstern, so mu auch und noch mehr in den
Mnner-Klstern darauf geachtet werden, da die Lebensweise eine richtige
sei. Ist hier die Wissenschaft meist Hauptgegenstand der Beschftigung, so
soll man darber doch nicht die Sorge fr den Leib vergessen. Der Krper
ist ja Wohnung und Werkzeug des Geistes, mit dem der Gelehrte hauptschlich
arbeiten mu. Was hilft zudem alles Wissen, wenn der Krper zu Grunde
gerichtet ist? Darum mge man auch ernstlich darauf halten, da dem Krper
die nthige Zeit zum Schlafe gegnnt werde. Hat doch der Schpfer durch den
Wechsel von Tag und Nacht die Zeit bestimmt zur Arbeit und zur Ruhe. Wenn
man sich die nthige Nachtruhe entzieht, handelt man gewi weder
vernnftig, noch zu seinem Vortheile.

Ich kannte einen jungen Herrn, der so eifrig und fleiig studierte, da er
in jeder Nacht bis 11, ja 12 Uhr und noch lnger mit den Bchern
beschftigt war. Aber wie lange trieb er es? Nach drei Jahren hatte er so
viel Kopfleiden, so hufige und starke Kongestionen, da er mit 28 Jahren
zu jedem Berufe und zu jeder Arbeit unfhig war. Hat er recht gethan? Was
hatte er gewonnen? Tglichen Jammer und tgliches Leiden und eine trostlose
Zukunft.

Ich kenne einen anderen Herrn, der Abends um 8 Uhr eine Tasse schwarzen
Kaffee trank, damit er seine Studien recht lange in der Nacht fortsetzen
konnte, ohne vom Schlaf belstigt zu werden. Einige Jhrchen ging es recht
gut, weil er eine vorzgliche Gesundheit hatte; aber auf einmal brach die
ganze Naturkraft zusammen, und der Unglckliche wurde unfhig fr jedes
Berufsleben. Geist und Krper waren zerrttet. Es sei also fr die, welche
sich mit der Wissenschaft abgeben, eine Hauptsorge, ihrem Krper die
nthige Zeit zum Schlafe nicht zu entziehen. Ich bin berzeugt, wer ber 9
Uhr am Abend arbeitet, der arbeitet zu seinem Nachtheil. Fr das Gedeihen
des Krpers und des Geistes sind die Ruhestunden vor Mitternacht
entschieden viel werthvoller als die Zeit nach Mitternacht. Nicht minder
fehlen die vorwiegend mit geistiger Arbeit Beschftigten, wenn sie die
Krperkrfte gar nicht durch krperliche Thtigkeit ben. Nehme man einen
starken Bauernknecht und setze ihn ein Vierteljahr an einen Schreibtisch
hin und beschftige ihn ausschlielich mit geistiger Arbeit. Schicke man
ihn dann wieder an seine frhere Arbeit, und es wird sich zeigen, da er
drei Viertel seiner Kraft verloren hat. Wird es einem Studierenden nicht
hnlich gehen, wenn er sich aller krperlichen Anstrengung enthlt? Bei
bestndigem und ausschlielichem Studieren wird der Krper einer Maschine
gleich, die verrostet und verdirbt, weil sie zu wenig gebraucht wird.
Mancher wird wohl sagen: Ich mache tglich meinen Spaziergang, um meinen
Krper bei Krften zu erhalten. -- Ich erwidere hierauf: Das reicht nicht
aus. Der Spaziergang bietet dem Auge Manches zum Sehen, man athmet dabei
eine bessere Luft ein, und die Beine werden angestrengt; der grere Theil
der Organe aber ruht whrend des Spazierganges. (Das Weitere ber diesen
Punkt bietet das Kapitel ber die Bewegung.)

Ich kannte einen Herrn, der viel studierte und nicht viel spazieren ging;
aber jeden Tag spaltete er zweimal eine halbe Stunde Holz oder grub in
seinem Garten; er versicherte mir, er verdanke diesem Mittel seine
anhaltend gute Gesundheit und seine allzeit frische Geisteskraft.

Wenn mancher Leser vielleicht meint, es sei das Gesagte etwas bertrieben,
er fhle sich geistig und krperlich gesund und krftig, trotzdem er nicht
krperlich, aber viel geistig arbeite, so antworte ich ihm: Halte nur eine
kleine Rundschau, und du wirst bald Beispiele in Menge finden, die meine
Worte besttigen. Gar Viele beklagen jetzt die Unvorsichtigkeit, mit der
sie hierin gehandelt haben, ebenso sehr, wie ihr dadurch entstandenes
Elend. Dehalb sage ich zum Schlusse noch einmal: Es soll in jedem Kloster
eine Sttte sein, wo zu krperlichen Arbeiten Gelegenheit geboten ist.
Ebenso soll aber auch die Mglichkeit gegeben sein, die erschpfte Natur
durch Anwendung des Wassers aufzufrischen, zu krftigen und abzuhrten.




Nachtrag zum I. Theile.


1. Vom Rauchen.

Zum Schlusse mchte ich noch einige Bemerkungen ber Rauchen und Schnupfen
machen. Ich bin schon oft gefragt worden, was ich vom Rauchen halte. Meine
Meinung hierber ist diese: Junge Leute, die mit 15 bis 17 Jahren zu
rauchen anfangen, setzen sich im Allgemeinen der Gefahr aus, sich sehr zu
schaden. Erstens wirkt bei einer jungen Natur das Tabakgift (Nicotin) viel
strker und nachtheiliger ein als in spteren Jahren. Zweitens wird das
Rauchen, wenn es frh begonnen wird, leicht zur Leidenschaft. Nicht selten
wird auch die vollkommene Entwicklung dadurch behindert, und Krankheit und
Siechthum knnen leicht bei jungen Leuten entstehen. Es gehrt nicht viel
dazu, da Lungenleiden, Halsgebrechen, Aufgeregtheit in den Nerven,
Herzklopfen und dergleichen entstehen. Solche und hnliche bel sind zwar
leicht herangelockt, doch nicht mhelos wieder zu entfernen. Ist das im
Allgemeinen so, dann ist es noch mehr der Fall, wenn schlechte Stoffe
geraucht werden.

Ich traf einst drei junge Burschen von 15 bis 16 Jahren, welche bla
aussahen wie der Tod. Ich fragte sie, was ihnen fehle. Erst auf dringendes
Fragen bekam ich zur Antwort: Wir lernen das Rauchen und haben soeben eine
Cigarre geraucht. Ich forderte sie dann auf, sie sollten einander ruhig
in's Gesicht schauen und an sich die Frage stellen: Kann das Rauchen gesund
sein, wenn man so schlecht davon aussieht und sich darnach so unbehaglich
fhlt? Das Traurigste aber ist, da man sich das Rauchen leicht dermaen
angewhnt, da man nicht mehr ohne dasselbe sein kann und zum Sklaven des
Tabaks wird. Ziemt sich das fr einen Menschen, bei dem doch die Vernunft
die Herrschaft fhren sollte?

Vielleicht fragst du, ob ich nicht selbst rauche. Ich will darauf ganz der
Wahrheit gem antworten. Bis zum 45. Jahre habe ich nicht geraucht. Da ich
aber die Bienenzucht grndlich erlernen wollte und der Cigarrenrauch ein
vorzgliches Mittel ist, mit den Bienen fertig zu werden, so habe ich das
Rauchen angefangen. Es hat mich groe berwindung gekostet, mich daran zu
gewhnen. Ich rauche auch jetzt noch eine oder zwei Cigarren, wenn ich in
Gesellschaft bin. Rauche ich aber gar nicht, so entbehre ich dehalb
nichts. Mein Urtheil ber das Rauchen geht berhaupt dahin: Wer gar nicht
raucht, thut am besten, weil er seiner Natur keine nachtheiligen Stoffe
zufhrt und zugleich nicht wenig Geld erspart, das er sonst recht gut
verwerthen kann. Wenn aber ein gesunder Mann in einer freien Stunde,
besonders bei einer Unterhaltung, eine Cigarre oder Pfeife raucht, so wird
es ihm nicht schaden. Aber man mge ja nicht zu viel und besonders nicht
whrend der Arbeit rauchen. Denn erstens wird man viel bei der Arbeit
dadurch gestrt, und zweitens kommt es zu theuer. -- Ich fuhr einst auf der
Eisenbahn, und im Laufe des Gesprches sagte Jemand, er habe schon fr mehr
als 3000 Gulden Cigarren geraucht. Alle lachten darber und glaubten, er
wolle uns einen Bren aufbinden. Der Reisende aber gab die Zahl der
Cigarren an, die er in einem Tage rauche, und die Jahre, whrend welcher er
geraucht habe. Nun wurde zusammengerechnet, und es ergab sich, da er
reichlich 4000 Gulden verraucht hatte. -- Wie viel kosten die Cigarren, die
in einem Jahre in einem Lande geraucht werden! Trotz der groen Summe, die
man dafr ausgibt, hat die menschliche Natur nicht den mindesten Nutzen
davon gehabt.


2. Vom Schnupfen.

ber das Schnupfen bemerke ich Folgendes. Da der Schpfer dem Menschen
dehalb eine Nase anerschaffen hat, damit er schnupfen knne oder solle,
glaube ich nicht und bin daher weit davon entfernt, dasselbe fr nothwendig
zu halten. Ich will jedoch das Schnupfen nicht durchaus verwerfen. Wird es
aber so stark betrieben, da man nicht mehr arbeiten kann oder sich nicht
mehr behaglich fhlt, wenn man nicht schnupft, so ist dieses doch nicht
mehr in der Ordnung. berdie findet man bei einem starken Schnupfer sehr
oft keine besondere Sorge fr Reinlichkeit. Der Schnupftabak gelangt auch
bei einem solchen Schnupfer leicht in den Hals, selbst bis in den Magen,
und Gutes wird er nirgends stiften, aber sicher kann er viel Unheil
anrichten. Zudem kostet der Schnupftabak auch nicht wenig Geld. Daher ist
mein Urtheil dieses: Man soll nichts zur Leidenschaft werden lassen, also
auch das Schnupfen nicht. Von Zeit zu Zeit eine Prise nehmen erzeugt ein
kleines Gewitter und leitet aus dem Kopfe durch die Nase Manches aus. Wer
sich aber ganz an das Schnupfen gewhnt hat, darf vorsichtig sein, wenn er
sich dasselbe abgewhnen will, da er die nicht auf einmal thut; denn
durch das oftmalige Schnupfen ist die Natur daran gewhnt, da die
Flssigkeit aus dem Kopfe nur mehr durch Anwendung des Schnupftabaks
ausgeleitet werden kann.


3. Wasseranwendungen im Alter.

Zum Schlu will ich noch die Frage beantworten, ob auch das Greisenalter
Wasseranwendungen machen knne. Wenn ein Haus lange steht und viel
ausgentzt worden ist, wird es nach und nach theilweise oder im Ganzen
baufllig. Dehalb wird aber das Haus nicht gleich eingerissen, sondern die
Schden werden ausgebessert, und so kann es noch eine geraume Zeit stehen
und bewohnt werden. In hnlicher Weise wird auch der Mensch hinfllig und
schwach, wenn das Alter herankommt. Diesem belstande mu man vorzubeugen
und den Verfall der Krfte mglichst zu verhindern suchen. Hierzu dient
ganz besonders wiederum das Wasser. Vom Gebrauch desselben ist kein Alter
ausgeschlossen. Wie schon das kleine Kind dasselbe mit Nutzen gebraucht, so
kann es der Mensch auch im Alter noch mit Vortheil anwenden. Wscht dieser
ja auch seine Hnde und sein Gesicht noch und wird dadurch aufgefrischt und
gekrftigt, warum sollte eine hnliche Wohlthat nicht auch dem brigen
Krper durch das Wasser zu Theil werden knnen?

Ich kenne einen Herrn von 90 Jahren, der ganz gesund an Geist und Krper
ist. Derselbe wscht jeden Tag den ganzen Krper mit kaltem Wasser. -- Es
knnen also auch im hohen Alter noch Abhrtungen vorgenommen werden.
Ganzwaschungen und selbst Halbbder von fnf bis sechs Sekunden werden auch
dem Hochbetagten noch gut bekommen. Nicht blo uerlich, auch innerlich
kann das Wasser recht viel ntzen. Ich mache aber hier ganz besonders
darauf aufmerksam, da man nicht viel auf einmal nehmen soll. Es kann nicht
genug empfohlen werden, vier- bis fnfmal tglich nur einen einzigen Lffel
voll Wasser zu nehmen, oder, wenn man etwas unwohl ist, stndlich einen
Lffel voll.

Man soll aber der Schwche des Alters nicht blo durch Anwendung einer
gelinden Wasserkur zu Hlfe kommen, sondern auch durch eine recht einfache
Kost, die nicht viel Reiz bt, aber recht viele Nhrstoffe enthlt. -- Ich
habe eine groe Anzahl hochbetagter Leute ausgefragt, wie sie gelebt haben,
und gewhnlich hie es: Ich habe nie viel auf Bier und Wein gehalten, lebte
recht mig und geno recht einfache Kost. Viele derselben hatten zum
groen Theil von gekochter Brodsuppe gelebt. Diese ist sehr nahrhaft, kann
genossen werden ohne Zhne, und die Natur, welche whrend des frheren
Lebens an diese Kost gewhnt ist, kann sie auch am leichtesten ertragen.
Ich will noch bemerken, da man auch in spteren Jahren die Natur noch an
Manches gewhnen kann, was ihr frher fremd gewesen ist. Nur mu man
vorsichtig verfahren und die Angewhnung nicht zu rasch vornehmen. Wer z.
B. keinen Teller voll von irgend einer Suppe zu verdauen im Stande ist,
kann oft ein bis zwei Lffel voll leicht ertragen und bekommt auf diese
Weise Nhrstoffe genug fr eine Zeit lang; nach Verlauf derselben nehme er
von Neuem eine solche Portion. -- Was dem Alter gewhnlich abgeht und viele
Gebrechen nach sich zieht, ist der Mangel an gehriger Naturwrme. Diese
aber wird am leichtesten und sichersten vermehrt und erhalten durch
Anwendungen mit Wasser.

Darum mge jeder Mensch von der Wiege bis zum Sarge das Wasser in Ehren
halten, dem Schpfer fr diese Gabe dankbar sein und sie vernnftig
gebrauchen. Dann wird sich der Mensch unter einem besonderen Schutze des
Allerhchsten zur vollsten Kraft und Strke entwickeln und seine Gesundheit
erhalten knnen. Dann wird er vielen Krankheiten und Miseren entgehen, und
viel Elend und Jammer wird aus der ohnehin schon mhevollen Welt verbannt
werden. Dann wird die Last des Lebens erleichtert, und selbst die Gebrechen
des Alters werden ertrglicher gemacht.


4. Der Essig.

Der Essig ist sicher eines der ltesten Hausmittel, durch welches unsere
Vorfahren in hunderten von Fllen sich zu helfen wuten. Ich kann mich
selbst noch erinnern aus meiner Jugendzeit, wie oft Essigwaschungen und
Essigberschlge angewandt wurden. Der Essig hatte aber nicht blo als
Hausmittel eine hohe Bedeutung, sondern wurde und wird heute noch verwendet
zur Zubereitung der Nahrungsmittel; und es ist gut, wenn man wei, welchen
Werth er in jeder Beziehung hat.

Der Essig wurde frher gewhnlich aus Wein bereitet, indem die Weinsure in
Essigsure umgewandelt wurde. Dieser Essig wurde fr den besten gehalten
und war natrlich auch theurer. -- Ein anderer Essig, den gewhnlich das
Landvolk gebrauchte, wurde meistens aus Weibier bereitet. Die Ma solchen
Essigs kostete gewhnlich 3-4 Kreuzer, und es war nicht leicht ein Haus zu
finden, wo man nicht solchen Essig verwendete zu verschiedenen Speisen.

Heutzutage wird aus allen mglichen Sachen Essig hergestellt. Es geht mit
dem Essig, wie mit vielen andern Artikeln; Flschungen bleiben nicht aus.
Wie verschiedene Pflanzen, so werden auch verschiedene Mineralien zur
Essigfabrikation gebraucht. Ich habe vor zwei Jahren ein Rezept gelesen zu
einem recht wohlfeilen und schwachen Essig. Unter Anderm waren 25 Pfund
Vitriol verzeichnet. Um Gottes willen, dachte ich, welch schwachen Essig
wird Dieses geben, und was wird das Vitriol fr eine Wirkung im Krper
haben, und wie wird es dem Magen ergehen, der mit den Speisen fters
solchen Essig aufnehmen mu!

Wie Vitriol, so wird auch oftmals zur Essigbereitung Schwefel- und
Salzsure verwendet. Auch verschiedene Holzgattungen werden dazu gebraucht.
Der Kukuk wei, was heutzutage Alles zur Essigbereitung verwendet wird, und
es ist kein Zweifel, da viele tausend Menschen gerade durch den Essig
nicht blo Nachtheile an ihrer Gesundheit erleiden, sondern die Gesundheit
selbst verlieren, und da ihnen das Leben durch den Essig abgekrzt wird.
Darum sei man doch recht vorsichtig beim Ankauf von Essig. Man wird gar
hufig geflschten Essig einkaufen und hat dann fr sein Geld nur etwas
seiner Gesundheit Schdliches gekauft.

Der beste Essig wre wohl der, welchen die Hausfrau selbst bereitet, und
zwar von Obst oder von sogenanntem Weibier aus Gersten- oder Waizenmalz.

Ich will ein Rezept zur Bereitung eines gesunden Essigs beifgen.

Man nimmt das geringere Obst vom Baume, wenn es auch nicht ganz reif ist,
zerschneidet dieses oder zerstampft es im Mrser, bringt das Ganze in einen
irdenen Hafen oder in ein Glas, giet ein wenig Essig daran, fllt es mit
Wasser auf, berbindet die ffnung mit einem festen Papier und sticht mit
einer Stricknadel mehrere kleine Lcher hinein, da etwas Luft eindringen
kann. Darauf stellt man das Gef an die Sonne oder sonst einen warmen Ort.
Nach 2-4 Tagen rhrt man den Inhalt durcheinander. Ob er frher oder spter
brauchbar wird, kommt auf die Wrme an. Es darf aber das Gef nicht hei
werden. Ist das Aufgegossene ganz hell, so ist die Ghrung vollendet und
der Essig brauchbar. Dieser wird dann abgegossen, und es kann nochmals
Wasser aufgegossen werden. Die pfel, welche gekocht werden, werden
meistens geschlt. Gerade die Schalen haben die meiste Schrfe und
bewirken, in der angegebenen Weise behandelt, den besten Essig.

Will man aus weiem Bier, wie es fr die Arbeiter bereitet wird, Essig
machen, so thut man dieses ebenfalls in ein Gef, verschliet es oben und
stellt es warm. Auch mit diesem Essig kann noch Obst vermischt werden.
Solcher Essig ist nicht theuer und sehr gesund.

Der Essig, bemerkte ich oben, war stets ein gutes Hausmittel und ist es
auch jetzt noch fr den Kenner. Der Essig bt einen groen Reiz. Ein Beweis
dafr ist, da, wenn es Jemand bel wird und man ihm das Gesicht oder die
Lippen damit wscht, er schnell wieder zu sich kommt. Auch auf die Haut bt
er einen groen Reiz, wenn man den ganzen Krper oder einen Theil des
Krpers wscht mit einem Theil Essig und zwei oder drei Theilen Wasser. Der
Essig bt dann einen wohlthuenden Reiz aus, befrdert die Hautthtigkeit
und vermehrt die Krperwrme.

Der Essig wirkt auch zusammenziehend, und dehalb wird er verwendet bei
Geschwulsten, die durch Sto, Schlag und Zerquetschung entstanden sind. Er
hindert die Fulni, dehalb wird oft Fleisch in Essig gebeizt. Damit neue
und ltere Verwundungen nicht rasch in Fulni bergehen sollten, wurden
sie hufig in frheren Zeiten mit Essig ausgewaschen. Die Heilung ging dann
um so rascher vor sich. Das Waschen mit Essig lst ferner das Blut auf,
welches sich durch Schlag, Quetschung&c. gesammelt hat. Zusammengestautes
Blut wird also durch Essig aufgelst und ausgeleitet. -- Essig bewirkt
sogar, da die Gebeine weicher und mrber werden. Die grten Quetschungen
wurden schon oft durch berschlge von Essig geheilt. Wenn bei einem
Beinbruch Geschwulst und Blutunterlaufung stattgefunden hat, leistet der
Essig die besten Dienste. Die Geschwulst lst sich, und das angestaute Blut
wird abgeleitet. Aus dem Gesagten erhellt hinreichend, da sehr viele
Gebrechen des menschlichen Krpers durch Essig gehoben werden knnen.

Wie der Wein und Branntwein nicht zu den Nhrmitteln gehren, so enthlt
auch der Essig keine Nhrstoffe; er bt blo einen Reiz im Innern oder
wirkt zersetzend. Die Speisen, an welche man Essig gethan hat, sind
reizender, als sie es ohne Essig wren. Er wirkt aber auch zerstrend.
Kommt der Essig mit den Speisen in den Magen und empfngt das Blut seine
Nahrung aus den Speisen, so kann die Natur den Essig nicht fernhalten,
sondern er gelangt mit in das Blut wie der Schnaps. Ist nun der Essig im
Stand, bei Quetschungen das Blut aufzulsen, so mu man auch annehmen, da
er wenigstens im Kleinen Strungen bewirkt, wenn er in's Blut gelangt. --
Wenn die beim Essig im Allgemeinen anzunehmen ist, welche Zerstrungen
kann dann erst ein verflschter Essig hervorbringen, besonders wenn scharfe
Mineralsuren zu dessen Bereitung verwendet wurden. So kann Mancher mit dem
suerlich angenehmen Geschmack ein bses bel in sich aufnehmen und sich
selbst ein Zerstrungsmittel whlen. -- In den Sften wirkt Essig
zusammenziehend, mithin kann auch im Innern ein Nachtheil fr die Natur
dadurch entstehen, da die Transspiration geschwcht wird. -- Nach innen
hat also der Essig nur Bedeutung fr den Geschmack. Ich will nicht sagen,
da man nichts Saures essen darf; aber es gibt Leute, denen weder eine
Speise sauer genug noch genug Essig am Salat ist. Da solche Leute sich
sehr schaden, daran ist kein Zweifel, besonders wenn der Essig geflscht
ist. Wem also seine Gesundheit lieb ist, der esse nie stark gesuerte
Sachen und sei recht vorsichtig in der Auswahl des Essigs. Wie man
bermig an das Salz sich gewhnen kann und dann nie genug von demselben
an den Speisen hat, so ist es auch mit dem Essig.

Leute, die recht viel Neigung zum Salz haben und dasselbe gern essen,
bekommen Anlage zur Schwindsucht; gerade so geht es Denen, welche groe
Vorliebe fr Essig haben. Es ist daher zu bedauern, wenn Manche solche
Neigung zum Essig haben, da sie ein Stck Brod in Essig tauchen und
dasselbe lieber essen als ein Stck Fleisch.

Somit verwerfe ich es nicht, an die Kost ein wenig Sure zu bringen, eine
krftige Natur wird hiervon nichts zu frchten haben. Ich warne aber vor
stark gesuerten Speisen und besonders vor dem Essigtrinken. Ich habe
selbst Leute kennen gelernt, die Solches thaten, aber alle sind nicht alt
geworden. Recht sauer essen ist ja doch nur Angewhnung, und der Magen
verlangt das gewi nicht. Dieser wrde sich struben, wenn er knnte, gegen
den ihm aufgebrdeten Essig.


5. Toppen-Kse.

Was der Mensch oft so wenig beachtet, weil's nicht theuer ist und er daran
gewhnt ist, das ist doch oft von groem Werth.

In jedem Haushalte, wo man konomie treibt, ist Toppen-Kse leicht zu
bereiten, der von einem groen Werth ist nicht blo als Nhrmittel, sondern
auch als Heilmittel. Hat Jemand entzndete Augen, sei es infolge von
Erkltung oder Verletzung durch Schlag oder Sto, so lege man ungefhr
einen Lffel voll fein gerhrten Toppen-Kse auf das Auge und darber eine
Binde; auf diese Weise wird in wirksamer Weise die Hitze ausgeleitet, und
die vorgekommenen Strungen werden gehoben werden.

Bekommt Jemand eine Entzndung, sei es Lungen-, Brust-oder
Bauchfell-Entzndung, und mag die Hitze noch so gro sein, der Schmerz mit
der Entzndung fortwhrend zunehmen, so wird doch ein aufgelegtes Pflaster
von fein gerhrtem Toppen-Kse ganz auffallend alles Stechen und Brennen
heben, und recht bald wird die Entzndung gefahrlos sein. Ich kenne kein
Mittel, das bei Entzndungen eine solche auffallende Wirkung hervorbringt,
wie dieses. -- Wie der Toppen-Ks bei Entzndungen die Hitze nimmt, so ist
er auch heilsam bei offenen Geschwren, wo er nicht blo die Hitze
entfernt, sondern auch die kranken Stoffe auszieht. Ich habe schon mehrere
Lupus-Flle kurirt, und kaum hat mir ein Mittel bessere Dienste geleistet,
als das wiederholte Auflegen dieses Toppen-Kses, der auch in einigen
Gegenden Zieger genannt wird. Bei Geschwulsten, die zu Geschwren werden
wollen, zieht er nicht blo die Hitze beim Beginne ganz aus, sondern auch
die kranken Stoffe, welche die Entzndung verursachten, falls er wiederholt
aufgelegt wird, was nothwendig ist, wenn er ganz trocken und steif geworden
ist. Geschwlste, die dem Anscheine nach nicht mehr erweicht werden knnen,
lst dieser Toppen-Kse nach und nach recht gut auf. Es ist also der
Toppen-Kse zur Ausleitung der Hitze und zum Heilen bsartiger Geschwre
ein vorzgliches Hausmittel, das nicht genug empfohlen werden kann. Ganz
besonders wirkt er bei recht giftigen, krebshnlichen Geschwren, wo weder
Salbe, noch sonst etwas wirken will. Soll der Toppen-Ks als Hausmittel
angewendet werden, so mu er gut abgerhrt und mit Toppen-Wasser verdnnt
werden, bis er zur feinsten Salbe geworden ist; je feiner er abgerhrt
wird, um so besser ist es.

Wie viel Gutes kann eine Hausfrau mit diesem einzigen Hausmittel erreichen!
Hat Jemand zu groe Hitze im Kopfe, rthet sich die Stirne vor Hitze, so
werden eine oder zwei Auflagen das bel beseitigen. Ich mchte also den
Hausmttern dieses einfache Hausmittel aufs Wrmste empfehlen.

Es ist der Toppen-Kse aber nicht blo ein Hausmittel, welches uerlich
angewendet werden kann, sondern auch ein vorzgliches Heilmittel im Innern
der Natur. Wenn der Toppen-Kse Hitze aus den ueren Krpertheilen
entfernt, warum sollte er nicht auch die Hitze im Magen fortnehmen, wenn
dieser entzndet ist? Man nehme tglich vier- bis sechsmal einen Lffel
voll Toppen-Kse ein; die Wirkung bleibt gewi nicht aus. Wenn ferner der
Toppen-Kse uere Geschwre heilt und giftige Stoffe aus der Natur leitet,
warum soll er nicht auch Magen-Geschwre heilen knnen, wenn von Zeit zu
Zeit ein Lffel voll genommen wird? Und wenn bei Krebs oder krebsartigen
Geschwren uerlich oft recht Vieles erreicht wird, warum soll er nicht
eine hnliche Wirkung hervorbringen, wenn Magenkrebs sich bilden will? Aber
nicht blo bei Magen-Krankheiten, sondern auch bei Entzndungen anderer
Theile des inneren Krpers wirkt er stets khlend, lsend und heilend und
kann somit auch als inneres Mittel recht gut angewendet werden.

Einen ganz besonders groen Werth hat der Toppen-Kse als Nahrung; er
gehrt zu den besten Nahrungsmitteln, wird leicht verdaut, kann recht gut
ertragen werden und bertrifft in mancher Beziehung die beste Milch. Den
Kindern ist er ein vortreffliches Nahrungsmittel, das vielen anderen
vorzuziehen ist und von ihnen gern gegessen wird. Wie die Kinder reicherer
Eltern von diesen ein Stck Brod und Butter darauf gestrichen bekamen, so
erhielten einst die rmeren Kinder ein Stck schwarzes Brod, auf welches
Toppen-Kse gestrichen war, und das schmeckte ihnen nicht blo recht gut,
sondern sie gediehen auch sehr gut dabei wegen der vielen Nhrstoffe und
der leichten Verdaulichkeit dieser Speise. Es ist ganz sicher, da die
rmeren Kinder viel besser daran gewesen sind als die reichen, weil die
Butter gar keinen Stickstoff hat, der Toppen-Kse aber stickstoffreich ist.
So ein mit Toppen-Kse bestrichenes Stck Brod schmeckt auch denen recht
gut, die schwere Arbeiten haben; ganz besonders ist es denen zu empfehlen,
die im Alter weit vorangeschritten sind, wegen Nahrhaftigkeit, leichter
Verdaulichkeit, und auch weil das Kauen leicht ist. Es kann also dieser fr
Jung und Alt nicht genug empfohlen werden, und es ist nur zu bedauern, da
dieses Nahrungsmittel besonders fr die heranwachsende Jugend nicht mehr
so vielfltig im Gebrauche ist. Besonders sollten es blutarme Menschen oft
genieen. Um den Toppen-Ks recht schmackhaft zu machen, wird er krftig
gerhrt, etwas gute Milch daran gegossen, ein klein wenig Salz, aber ja
nicht viel, hinein gethan und etwas Kmmel- oder Fenchelsamen daran
gerhrt.

Da dieser Toppen-Kse zu recht vielen Mehlspeisen pat, und gerade die
Mehlspeisen dadurch viel krftiger und schmackhafter werden, ist jeder
gewandten Hausfrau wohl bekannt, die nicht in einem vornehmen Pensionat
ausgebildet worden ist.

Das mge ber die Bedeutung des Toppen-Kses gengen.

Die Bereitung des Toppenkses geschieht auf folgende Weise. Man lt se
Milch, je nach der Jahreszeit, ein bis zwei Tage lang stehen. Dieselbe wird
dann dick, und der Rahm liegt oben auf. Dieser Rahm wird dann fortgenommen,
und die Milch in ein irdenes Geschirr oder in ein Blechgeschirr gethan und
auf den warmen Herd gesetzt, bis sie ganz zusammengeronnen ist, und das
sogenannte Toppenwasser sich ausgeschieden hat. Die dicke feste Masse wird
nun herausgenommen und in ein irdenes Sieb gethan, damit das Toppenwasser
vollstndig abluft. Dann bleibt der fertige Toppenkse im Siebe zurck.
Will man denselben als Speise genieen, so empfiehlt es sich, ihn mit Milch
oder Rahm zu mischen.




Zweiter Theil.

Wie kann geheilt werden nach den Regeln meiner Erfahrung?




Asthma.


Ein Herr von Stand gibt an: Ich habe immer schweren Athem, in der Nacht
aber oft solche Athemnoth, da ich recht oft in der Nacht rasch aus dem
Bette springen mu, um Athem zu holen, und wei mir dann nicht zu helfen
auer dadurch, da ich frische Luft einathme. Ich fhle mich auf der Brust
so enge, wie wenn Alles zerplatzen wollte. Appetit habe ich gar keinen, und
was ich esse, vermehrt mir mein Leiden. Schlafen kann ich gar nicht, weil
ich nicht ruhig sein kann. Es frstelt mich auch im Innern recht viel; es
ist mir, als wenn ein Fieber in mir wre und nicht zum Ausbruch kme. Zum
Stuhlgang brauche ich Nachhilfe; was mir die rzte gegeben, schien mir
Anfangs Erleichterung zu bringen, aber bald war Alles wieder beim Alten.
Wenn es noch schlimmer wird, werde ich es nicht mehr lange aushalten. So
geht es schon seit mehreren Wochen, aber immer im Zunehmen.

_Anwendungen:_ Zuerst durch 2 Tage tglich zweimal Ober- und Kniegu, dann
jeden Tag am Morgen einen kurzen Wickel, 11/2 Stunden lang, das Tuch in
heies Wasser getaucht, jeden Nachmittag ein 6faches Tuch in Wasser und
Essig getaucht ganz warm auf Brust und Unterleib legen und mit einer
wollenen Decke umwinden. So acht Tage lang. -- Die _Wirkung_ war: Schon
nach dem ersten Wickel wurde der Urin so trb und dick, wie wenn im Inneren
Geschwre aufgebrochen und Blut und Materie mit dem Urin abgegangen wren.
Es sei noch hierzu bemerkt, da vorher ganz wenig Urin abging. Tag fr Tag
ging mehr und noch dichterer und schmutzigerer Urin ab. Nach 4 Tagen trat
zeitweilig bedeutende Erleichterung im Athmen ein, das innere kalte
Fiebergefhl hatte sehr abgenommen, und der Appetit stellte sich mehr ein.
Vier weitere Tage mit denselben Anwendungen hatten die Athemnoth
vollstndig gehoben, doch blieb der Athem noch etwas schwer. Die weiteren
Anwendungen waren: Jeden Tag einen Obergu und Kniegu, jeden Nachmittag
ein mehrfaches Tuch in heies Wasser und Essig getaucht auf den Oberleib 2
Stunden lang. So 10 Tage lang, und der ganze Organismus war wieder
hergestellt. Wo hat es hier gefehlt? Dieser kranke Herr war von unten bis
oben voll ungesunder Stoffe. Es mute aus dem ganzen Krper der
Krankheitsstoff aufgelst und ausgeleitet werden. Die ersten bergieungen
wirkten schneidend ein auf alle Organe, die Wickel und Auflagen lsten nach
allen Richtungen hin auf; wie jedes Fieberzeichen verschwunden war, war
auch angezeigt, da der Krankheitsstoff sich ausgeschieden hatte, und da
der Athem leicht, der Appetit vorhanden war, erschien auch die Natur als
gereinigt.




Das Auge.


Sind auch alle Theile des Krpers von hoher Bedeutung, so ist doch sicher
das Auge eines von den wichtigsten Theilen. Darum heit es auch im
Sprichwort: Blind ist elend. Wie die Augen im Kopfe ihren Sitz haben, so
kommt auch meistentheils ihre Kraft oder ihre Schwche vom Kopfe her. Wer
einen gesunden krftigen Krper hat, hat auch gewhnlich ein gutes und
krftiges Auge. Hat das Auge groe Schwche, so ruht die Ursache sicher im
Krper, wenn die auch nicht gefhlt wird. Ist das Auge krank, so ist
sicher ein kranker Stoff im Krper Ursache, der das Auge krank gemacht hat.
Wie oft ist Flssigkeit im Krper und im Kopfe, die einen Ausgang durch die
Augenhhle findet und das Auge ungesund macht. Beispiele machen die am
klarsten.


1.

Ein Kind, vier Jahre alt, hat einen angeschwollenen Kopf, ganz entzndete
Augen und kann keinen Augenblick die Tageshelle ertragen. Wie ist die zu
heilen? Das Kind hat ungesundes Blut und ungesunde Sfte, die sich im Kopf
und Krper anstauen. Daher der angeschwollene Kopf. Ist diese ungesunde
Flssigkeit entfernt, der ganze Krper und der Kopf gestrkt und gesund
geworden, dann wird auch das Auge gesund sein und die Tageshelle ertragen
knnen.

_Anwendungen:_ Das Kind soll 1) tglich mit frischem Wasser gewaschen
werden und 2) jeden Tag ein Hemd anbekommen in Wasser getaucht, in welchem
Heublumen gesotten wurden, so 12 Tage lang. Darauf soll das Kind 3) tglich
zweimal gewaschen werden und jeden zweiten Tag das Hemd wie oben anlegen.
So wieder 10 Tage. -- Nach 22 Tagen war das Kind ganz frisch und gesund.
Die Augen waren spiegelhell und hatten ihre volle Sehkraft. Es war weiter
nichts mehr nothwendig, als da das Kind noch einige Zeit hindurch tglich
einmal gewaschen wurde. Die kalten Waschungen schwchten die Hitze und
strkten die ganze Natur. Das Hemd ffnete die Poren und saugte die
schlechten Stoffe auf, und als so die Natur gereinigt war, wurde das ganze
Kind gesund. Mit dem Krpergebrechen verschwand auch das Augenleiden. Die
Augen wurden tglich ausgewaschen mit Wasser, in welchem etwas Aloe
aufgelst wurde. Die Wasser bewirkte Reinigung der Augen von der
Flssigkeit, die aus dem Krper kam.


2.

Anton, neun Jahre alt, hatte durch mehrere Wochen fast bestndig rothe
Augen. Am Morgen, wenn er aufwachte, waren die Augen wie zugeklebt. Erst
nachdem er die Kruste entfernt, konnte er die Augen ffnen. Besonders
schmerzlich waren die Augen nicht. Er hatte viele Mittel gebraucht, sei es,
da etwas ber die Augen gebunden oder dieselben ausgewaschen werden
muten. Ein Arzt hatte ihm tglich dreimal scharfe Tropfen eingetrufelt,
die gebrannt haben wie Feuer. Doch die Augen wurden nicht besser. Es
bildete sich auf jedem Auge eine Wolke, und ein Arzt erklrte, er msse
operirt werden. Weil die Operation von den Eltern gefrchtet wurde, wollten
sie durch das Wasser Hlfe finden, was auch geschah.

Wie klar ist hier, da ungesunde Stoffe sich im Krper gesammelt und einen
Ausweg durch das Auge gefunden haben! Da die Augen nicht auffallend
gerthet waren und nicht so gebrannt haben, liegt daran, da der
Krankheitsstoff nicht so scharf war, wie ja auch ein Unterschied ist
zwischen Wasser und Essig. Was ausgedrungen ist, war zh und verdichtete
sich durch Vertrocknung. Hier ist also wieder nothwendig, auf den ganzen
Krper auflsend und ausleitend einzuwirken.

_Anwendungen:_ 1) Jeden Tag ein Halbbad von frischem Wasser, eine halbe
Minute lang, und den Oberkrper whrend dieser Zeit gut waschen. 2) Tglich
ein Hemd anziehen in Salzwasser getaucht, 11/2 Stunde lang. 3) Tglich
zweimal in jedes Auge eine kleine Messerspitze voll Zucker einblasen oder
auch einstreuen. Der Zucker aber mu nicht gar zu fein gerieben sein und
auf das Auge selbst kommen. -- Nach 14 Tagen waren die Augen gesund, und
der Kranke erklrte, er fhle sich jetzt viel wohler als frher, was das
gute Aussehen auch besttigte.

_Wirkungen:_ Die Halbbder und Waschungen krftigten den Krper, so da die
schlechten Stoffe ausgeleitet wurden. Das Hemd in Salzwasser getaucht bte
groen Reiz auf die Haut und ffnete die Poren, so da alles Krankhafte
nach allen Richtungen einen Ausweg bekommen konnte. Der Zucker enthlt
bekanntlich tzende Kraft; durch das Zucken der Augenlider wurden diese
gleichsam ein Fegwisch und lsten die krankhaften Stoffe auf den Augen los.
Der Zucker lste sich dann auf, und es flo eine weie Masse aus den Augen.
Selbst die Wolken sind auf diese Weise aufgelst und ausgeschieden worden.
Als diese kranken Stoffe alle entfernt waren, was das frische Aussehen
bezeugte, wurden die Augen gereinigt und bekamen die gehrige Helle und
Frische und Kraft wie der Krper selber.


3.

Ein Mdchen, neun Jahre alt, hatte vor zwei Jahren Scharlachfieber. Seit
dieser Zeit ist dasselbe nie mehr recht gesund gewesen. Es bekam fters
entzndete Augen oder einzelne Flecken (Ausschlag) am Krper. Das Kind sah
selten gut aus, wurde von Monat zu Monat schwcher, und besonders fehlte
der Appetit. Kurz, das Kind war durchaus nicht gesund. Auch das Augenlicht
hatte bedeutend abgenommen.

Hier ist sicher das Kind vom Scharlachfieber nicht ganz geheilt worden, und
der Rest, der in der Natur geblieben, verderbte fortwhrend Blut und Sfte.
Der Krankheitsstoff suchte bald da, bald dort einen Ausweg, so auch durch
die Nase; denn diese war bei dem Mdchen fters wund. Hier ist ganz klar,
da noch ein Rest von der Krankheit im Krper haust, der aufgelst und
ausgeleitet werden mu. Erst dann kann das Kind seine volle Gesundheit
wieder erhalten. -- Das Kind wurde tglich mit kaltem Wasser, vermischt mit
etwas Essig, gewaschen. Den einen Tag bekam es ein Halbbad, den andern Tag
ein in warmes Heublumenwasser getauchtes Hemd angelegt. Nach 14 Tagen war
aller Ausschlag verschwunden, die Augen waren ganz hell und das Kind bekam
das frischeste Aussehen. Damit aber die volle Kraft nach und nach eintrete,
mute es noch lngere Zeit in der Woche zwei Halbbder nehmen. Die
Halbbder wirkten strkend, erwrmend, auflsend auf den ganzen Krper. Die
Ganzwaschungen wirkten strkend und reinigend. Das angelegte Hemd saugte
auf. Die Augen wurden whrend der Kur mit Fenchelwasser tglich zwei- bis
dreimal ausgewaschen. Dieses Wasser reinigt und schrft die Sehkraft.


4.

Ein Mann erzhlt: Im vorigen Jahre fiel mir ein Stck Holz an den Kopf auf
der rechten Seite. Ich wurde ganz betubt. Der Kopf wurde wohl geheilt,
aber seit dieser Zeit habe ich immer auf dieser Seite von Zeit zu Zeit
groe Schmerzen, und es fliet auch viel Unreinheit aus dem rechten Auge.
Dieses selbst ist schwach, ich sehe nur ein klein wenig. Auf dem Auge ist
eine trbe Wolke. Ich habe mehrere Augenrzte gehabt, man hat mir viel in
das Auge getrufelt; aber es wurde immer schlimmer statt besser. Zuletzt
hat der Doktor gesagt, das Auge msse operirt werden, aber es sei jetzt
noch zu frh; ich solle mich nach drei Monaten wieder zeigen.

Es werden viele Wunden geheilt, und in einem groen Theil der Geheilten
bleiben doch noch Krankheitsstoffe zurck. Daher kommt es auch, da Narben
von Zeit zu Zeit schmerzen. So ein zurckgebliebener kranker Stoff dehnt
sich immer weiter und weiter aus, wird auch immer giftiger. Dieses ist auch
hier der Fall. Zur Heilung ist also nothwendig, auflsend und ausleitend
einzuwirken und die verletzte Stelle gesund zu machen, was hier durch
folgende Anwendungen geschah:

1) In der Woche einmal einen Kopfdampf. Dieser ffnete die Poren, und durch
den starken Schwei wurde viel ausgeleitet. 2) Der Kranke bekam tglich
einen Obergu. Dieser wirkte strkend auf den obern Krper, und durch die
grere Thtigkeit in diesem trat auch grere Ausscheidung ein; denn die
Natur ist ja bemht, alle schlechten Stoffe abzustoen, wenn es ihr nur
mglich ist. 3) Jeden zweiten Tag, spter jeden vierten Tag ein Halbbad, so
da sich der ganze Krper mehr gehoben fhlte und krftiger wurde; denn es
thut selten gut, blo auf einen Theil des Krpers einzuwirken. Fr die
Augen reichte es aus, dieselben jeden Tag zweimal mit Fenchelwasser
auszuwaschen, welches dieselben reinigte und die Sehkraft vermehrte. Nach
14 Tagen war nicht blo die kranke Stelle gesund; auch der ganze Krper
hatte eine Verbesserung erfahren.


5.

Ein Bauer, 31 Jahre alt, erzhlt: Ich habe im vorigen Jahre eine
Lungenentzndung gehabt und vor zwei Jahren eine Bauchfellentzndung. Ich
bin wohl geheilt worden, habe aber seit dieser Zeit gar so wenig Kraft;
aber noch rger ist mir, da ich fast nicht mehr sehe; wenn es so fort
geht, werde ich noch blind. Alle rzte sagen, den Augen fehle nichts, sie
seien blo recht schwach.

Hier ist Krperschwche auch Ursache der Augenschwche; dehalb mu auch
der ganze Krper gekrftigt werden, die Augen werden alsdann ihre Kraft von
der Krperkraft bekommen.

_Anwendungen:_ Dieser Bauer bekam acht Tage hindurch tglich zwei Obergsse
und zwei Kniegsse. Diese wirkten strkend auf den Oberkrper und die
unteren Theile des Krpers. Nach acht Tagen bekam er tglich ein Halbbad,
das viel strker wirkte auf den ganzen Krper, zudem tglich einen
krftigen Obergu, der wieder strkend wirkte. Die Augen wurden blo mit
dnnem Alaunwasser tglich zweimal ausgewaschen. Dieses wirkte tzend und
reinigend. Nach drei Wochen war der ganze Krper in einen besseren Zustand
gekommen, das Augenlicht hatte in Folge dessen zugenommen, und als der
Kranke noch lngere Zeit wchentlich ein bis zwei Halbbder und einen
Obergu bekam, wurde die Sehkraft wie der ganze Krper in einen gesunden
Zustand versetzt.


Allgemeine Bemerkungen ber Augenschwche und deren Hebung.

Wie der ganze Krper durch das Wasser belebt, gekrftigt und
widerstandsfhig gemacht werden kann, so kann man auch mit Wasser auf das
Auge gnstig einwirken, damit es gestrkt, die Sehkraft erhht und
ausdauernd gemacht werde. Es ist sonderbar, da der ganze Krper im
Allgemeinen seine Pflege findet: man wscht Gesicht und Hnde, nimmt
Fubder&c., nur dem Auge kommt nichts zu. Die Augenlider sind so besorgt,
da womglich nichts in das Auge komme; denn wenn ihm etwas naht, wird
rasch die Thre zum Auge geschlossen. Es ist auch gewhnlich die Meinung,
ins Auge drfe nicht einmal Wasser kommen, und doch ist das Gegentheil der
Fall. Gerade das Wasser hlt das Auge rein und gesund und strkt dasselbe,
damit weder Hitze noch Klte ihm schaden knne. Wie leicht kann dasselbe
angewendet werden! Wscht man sich in der Frhe, wie leicht kann man mit
einer Hand voll Wasser auch die Augen etwas auswaschen! Wie man ein Halbbad
fr den Krper nehmen kann, so kann man ja auch den Augen ein Wasserbad
geben. Man bringt Wasser in ein Geschirr, taucht die Stirne mit offenen
Augen in's Wasser, lt die geffneten Augen anfangs ein bis zwei, dann
drei bis vier Sekunden im frischen Wasser und zwinkert dabei mit den Augen;
auf diese Weise wird mit den Augendeckeln das Auge gereinigt, wie wenn man
mit der Hand das Gesicht wscht. Dieses einfache Augenbad habe ich schon
Vielen gerathen, die ganz schwache und empfindliche Augen hatten, und in
kurzer Zeit wurden die Augen gekrftigt und das Sehvermgen gehoben. In
einer halben Minute ist es geschehen.

Mir hat einst Jemand geklagt, es sei ihm der Rath gegeben worden, tglich
dreimal mit lauwarmem Wasser die Augen auszuwaschen, weil tglich zhe
Flssigkeit aus denselben gekommen sei. Er habe es gethan, aber schon nach
einigen Tagen habe er gemerkt, da die Augen schwcher geworden seien und
die frische Luft nicht mehr ertragen konnten. Wie klar ist dadurch
bewiesen, da auch das Auge wie der Krper durch warmes Wasser nur
schlechter wird!

Somit empfehle ich aufs Dringendste Jedem, der fr gute Augen sorgen will,
die angegebene kleine Mhe nicht zu scheuen und den Augen, dem edelsten
Theil des Krpers, das Waschen und Baden nicht zu entziehen. Ich bin
berzeugt, da viele Tausende kein Augenglas brauchen wrden, wenn sie von
Jugend auf dieses einfache Mittel gebraucht htten. Ich kannte einen Herrn,
der 89 Jahre alt wurde und versicherte, er habe recht fleiig mit frischem
Wasser seine Augen gewaschen. Er konnte mit 89 Jahren noch ohne Augenglas
gut lesen und mute seine Augen sehr viel zum Lesen und Schreiben
gebrauchen. Es geht auch mit den Augen durch's ganze Leben, wie mit dem
Krper. Es gibt Zeiten, wo man eine auffallende Verminderung seiner Krfte
fhlt. Diese Schwche dauert einige Zeit, und die Kraft kehrt wieder. So
erleiden auch die Augen von Zeit zu Zeit eine Schwchung, und wenn man
gleich zum Augenglas greift, gewhnt man das Auge schnell an dieses, die
Schwche bleibt, und das Auge wird nie seine volle Kraft wieder erlangen.
Untersttzt man aber das Auge mit dem angerathenen Mittel, dann wird es
auch sich bald wieder erholen, und die Sehkraft wird sich wieder vollkommen
einstellen.


6.

Es kommt mir ganz sonderbar vor, wie man heut zu Tage von der Jugend an bis
in's hohe Alter so viel Augenglser trgt, -- ein Beweis fr die Schwche
der Leute in unserer Zeit.

Es kommt ein Vater, ungefhr 50 Jahre alt, bringt seinen Sohn mit
gewaltigen Augenglsern und jammert: Mein Sohn sieht fast gar nichts mehr,
die Augen werden von Woche zu Woche schwcher, und er kann kaum noch mit
dem Augenglase den rechten Weg finden. Der Knabe ist auch sonst nie
gesund, hat nie guten Appetit, kann keine krftigen Speisen essen, am
liebsten trinkt er Kaffee. Kraft hat er fast keine. Die Augenglser hat ihm
der Arzt gegeben, damit das Auge geschtzt und geschont werde.

Wo fehlt es hier?

Dieser Knabe ist krperlich verkmmert, wenn auch gut gebaut, hat ganz
wenig Naturwrme, wenig Blut, die Haut ist ganz trocken und sprde, somit:
wie die Augen, so der Krper. Was kann hier helfen?

1) Zu allererst mu die Naturwrme erhht werden, die Unthtigkeit und
Schlaffheit der Organe mu aufgehoben werden, damit der Knabe eine gute
Kost ertrage, bessere Blutbildung eintrete, mit einem Wort die ganze
Maschine in neue Thtigkeit gebracht werde. Die Augenglser mssen entfernt
werden, auf da Licht und Luft die Augen abhrten und strken; sonst
bleiben die Augen den Pflanzen gleich, die unter dem Baum im Schatten
wachsen und nur welk sind, schwach und verkmmert.

2) Tglich mssen die Augen mit Fenchelwasser ausgewaschen werden zwei- bis
dreimal, wodurch sie gereinigt und gestrkt werden. Das Waschen mu aber
nicht blo uerlich geschehen, sondern das Auge selbst mu gewaschen
werden.

3) Tglich mu der Knabe mit ganz kaltem Wasser ganz gewaschen werden.

4) Tglich ein Halbbad nehmen, eine halbe Minute lang, gleichfalls in
kaltem Wasser. --

Nach drei Wochen sah der Knabe schon ganz gut, die Augen krftigten sich
von Tag zu Tag. Das Aussehen wurde frischer, die Krfte nahmen zu, und die
jugendliche Lebendigkeit und Heiterkeit wuchs mit jedem Tage.

_Weitere Anwendungen:_

1) jeden Tag ein Halbbad;

2) in der Woche eine Waschung mit Wasser und Essig;

3) fleiig barfu gehen;

4) Die Augen sollen tglich mit Fenchelwasser einmal gewaschen werden.

In sechs bis sieben Wochen war die ganze Natur und auch das Augenlicht wie
umgewandelt.


7.

Ein Studierender, 21 Jahre alt, erzhlt: Ich bin etwas schwchlich gebaut,
habe zudem noch recht wenig Kraft und nie guten Appetit. Ich bin auch etwas
weichlich erzogen, aber mein grtes Leiden ist, da ich trotz einer
Doppelbrille stets wachsende Abnahme des Augenlichts verspre. Ich frchte,
wenn es noch ein Jahr so fortgeht, knnte ich erblinden. Was dann? Im Elend
leben ohne Beruf. Ich habe die grte Begeisterung fr mein knftiges
Berufsleben und mchte daher gerne Hilfe. Ich habe eine groe Anzahl
Augenrzte zu Rathe gezogen. Es wurde Jahre hindurch viel an den Augen
gethan. Ich habe die schrfsten Gifte bekommen, groe Schmerzen
ausgestanden -- doch Alles ohne Erfolg.

Schaute man den jungen Mann so an, hrte man den Jammer, so drang sich das
Urtheil von selbst auf: die Augen sind wie der Krper und dieser wie die
Augen, beide sind vollstndig verkmmert. Derselbe ist schlecht genhrt
worden, er wurde ganz verweichlicht durch die Kleidung, und durch Meidung
jeder Abhrtung steigerte sich die Verkmmerung. Wie knnen doch oft Eltern
so thricht gegen ihre Kinder handeln!

Zur Heilung geschah Folgendes:

1) Jede Nacht vom Bette aus ganz waschen, damit sich die Naturwrme
steigere, Leben und Thtigkeit eingeleitet werde.

2) Jeden Tag einen Knie- und Obergu, die strkend, belebend und erwrmend
einwirken.

3) Jeden Morgen und Abend eine kleine Portion Kraftsuppe, weil die Natur
eine grere nicht ertragen konnte.

4) Alle geistigen Getrnke wurden strengstens verboten, dafr nahrhafte
Kost empfohlen.

Die Augenglser konnten schon am dritten Tag entfernt werden. Die Augen
konnten schon Helle und Luft ertragen.

In der angegebenen Weise wurde drei Wochen lang angewendet. Dann wurde den
einen Tag Ober- und Schenkelgu, den andern Tag ein Halbbad verordnet. Das
wurde vier Wochen fortgesetzt. Die Augen wurden tglich whrend der ganzen
Kur mit Honigwasser gewaschen zur Reinigung und Strkung. (Eine
Messerspitze voll Honig wird in 1/4 Liter Wasser 3 Minuten lang gesotten.)

Nach sieben Wochen sah der junge Mensch ganz anders aus. Die Augen waren
schon ziemlich krftig. Er glaubte noch nie besser gesehen zu haben. Das
ganze Aussehen war wie umgewandelt. Die erfrischten Geisteskrfte und das
heitere Gemth machten den jungen Menschen lebensfroh. Er sagte
ausdrcklich: Ich habe gar nicht gewut, da einem so wohl werden kann,
wie es mir jetzt ist.

Mchten doch Eltern und Erzieher nicht blo den Geist, sondern auch den
Krper in's Auge fassen! Wie dankbar wrden dann die glcklichen jungen
Leute denselben sein!


8.

Ein Student, 13 Jahre alt, kommt, von seiner Mutter begleitet, wegen
Augenleiden und klagt: Ich habe fast bestndig Kopfschmerzen, selten bin
ich einige Stunden ganz frei davon; je strker die Kopfschmerzen, um so
weher thun mir die Augen. Wie seit Wochen das Kopfleiden zunimmt, nimmt
auch das Augenlicht ab. Ohne Augenglas kann ich gar nicht mehr lesen, und
auch mit dem Augenglas nur kurze Zeit. Wenn es nicht besser wird, mu ich
das Studieren einstellen.

Hier ist sicher zu starker Blutandrang in den Kopf, wodurch ein Druck auf
die Augen ausgebt wird. Wie Hnde und Fe verkmmert sind, und das Blut
mehr in den obern Krper dringt, so wird die Blutarmuth immer grer und
auch die Verkmmerung. Es ist also hier die Aufgabe, das Blut an alle
Theile des Krpers zu leiten, die ganze Natur in hheres Leben und grere
Thtigkeit zu bringen, damit sie krftige Nahrung ertrage und dadurch der
ganze Krper gestrkt werde. Hrt der Drang des Blutes in den Kopf auf und
nimmt die Kraft des Krpers zu, dann werden auch die Augen die gehrige
Sehkraft und Ausdauer bekommen. Auer dem Kopf, der durch den Blutandrang
frisch aussah, war der ganze brige Krper verkmmert. Weil nur an den
Augen kuriert wurde, denen doch nichts fehlte, und nicht am Krper, so
wurde von dem einen Arzte erklrt, es sei allgemeine Augenschwche da, von
dem andern, es werde sich mit der Zeit ein Staar bilden, und von einem
dritten wieder etwas Anderes.

_Anwendungen:_ Der Student mute 1) jeden zweiten Tag ein Hemd anziehen, in
kaltes Salzwasser getaucht, eine Stunde lang, 2) jeden Tag den ganzen
Krper waschen mit Wasser und etwas Essig darin, 3) jeden zweiten Tag ein
Halbbad 1/2 Minute lang nehmen, aber nicht an den Tagen, wo das Hemd
angezogen wurde. Fr die Augen wurde nichts gebraucht. So drei Wochen lang.

Am dritten Tag konnte der Student die Brille ablegen, somit Helle und Luft
schon ertragen. Nach sechs Tagen merkte er schon eine kleine Zunahme der
Sehkraft. Es verbesserte sich der Zustand des ganzen Krpers mehr und mehr.

Nach drei Wochen waren die Augen schon ziemlich gut. Noch besser aber
erging es dem ganzen Krper. Der Appetit wuchs von Tag zu Tag. Der Student
konnte die krftigste Kost ertragen. Aller Trbsinn verschwand, und er
lebte, wie junge Leute leben sollen. Die weiteren Anwendungen waren blo
Halbbder, in der Woche zwei bis vier.

_Wirkung:_ Das Hemd in Salzwasser getaucht ffnete die Poren, entwickelte
mehr Naturwrme und krftigte und vermehrte die Hautthtigkeit. Die
Waschungen wirkten auf den ganzen Krper strkend, anregend, abhrtend; das
Halbbad wirkte in derselben Weise in noch hherem Grade.


9.

Eine Mutter bringt ihre Tochter, 6 Jahre alt; diese hat Augenglser, deren
sich ein altes Mtterchen nicht htte zu schmen gebraucht. Diese Brille
war von einem Augenarzt empfohlen. Das Kind war ganz schwchlich, hatte
gerthete Augen, aufgedunsenen Kopf und ganz schwchliche Hnde und Fe,
mit einem Wort, das Kind war ganz verkmmert. Es bekam tglich zweimal
Kaffee, auch Bier, und der Arzt habe befohlen, man solle dem Kind tglich
starken Wein in kleinen Portionen geben.

Hier ist das Kind mit schwchlicher Anlage noch verkmmert zum grten
Elend durch die unglckliche Nhrweise. Da heit es: entweder -- oder: zu
Grunde gehen oder eine andere Lebensweise fhren. Die Mutter weinte
bitterlich, ob dieser Mittheilung und glaubte das schwache Kind knne keine
andere Nahrung ertragen, und sie knne nicht so unbarmherzig sein und dem
Kinde etwas versagen, wozu es Neigung habe, und demselben etwas aufdringen,
wozu es nicht Lust habe und woran es nicht gewhnt sei. Doch es war nicht
zu ndern. Das Kind mute 8 Tage hindurch tglich zweimal mit kaltem Wasser
und etwas Essig daran gewaschen werden, tglich wo mglich im Freien barfu
gehen, jeden zweiten Tag ein Halbbad nehmen und tglich zweimal Kraftsuppe
essen. Jede krftige Kost war auerdem erlaubt. An den Tagen, wo das
Halbbad genommen wurde, durfte nur eine Waschung geschehen.

Nach wenigen Tagen hatte das Kind den besten Appetit, a seine Kraftsuppe
ganz gern, auch andere gute Kost. Das Augenglas konnte das Kind die ersten
zwei Tage nicht entbehren. Am vierten Tag wurde es entfernt. Nach drei
Tagen bekam das Kind den einen Tag ein Halbbad, den anderen Tag zwei
Waschungen des ganzen Krpers mit Wasser und Essig. Die Augen wurden jeden
Tag zweimal mit schwachem Alaunwasser ausgewaschen. (Eine Messerspitze voll
Alaun wird in 1/4 Liter warmen Wassers aufgelst.) Es mssen aber nicht
blo die Augenlider gewaschen werden, sondern es mu das Wasser auf das
Auge selbst kommen.

Nach sechs Wochen war die Hauptkur zu Ende. Das Augenlicht war schon
ziemlich gut. Das Auge konnte Helle und Luft gut ertragen. Wie der ganze
Krper gesnder wurde, so verbesserte sich auch das Auge mehr und mehr.
Somit ist auch hier wahr: Ein gesunder Krper hat auch ein gesundes Auge.
Fehlt es an den Augen, so fehlt es auch am Krper.




Bauchfellentzndung, Folgen derselben.


1.

Ein Bauernsohn, 21 Jahre alt, hatte zweimal in einem Jahr
Bauchfellentzndung; er wurde zwar geheilt, wie er glaubte, hatte aber von
Zeit zu Zeit Beschwerden im Wassermachen und gewhnlich bedeutende
Schmerzen, besonders bei ungnstiger Witterung oder wenn er keine
entsprechende Kost fr seinen geschwchten Unterleib bekam. Jede schwere
Kost brachte ihm Schmerzen, besonders fehlte gehrige Stuhlentleerung. Das
ganze Aussehen sagte: der Mensch ist krank.

Was heilt diesen Rest von der Krankheit, der selbst eine Krankheit ist?

Hier ist sicher anzunehmen, da die kranken Stoffe von der Entzndung nicht
alle ausgeschieden sind, da der ganze Unterleib recht geschwcht ist und
groe Unthtigkeit herrscht. Dieses zu heben, diente folgende Anwendung:

1) In der ersten Woche drei kurze Wickel, das Tuch in Wasser getaucht, in
welchem Haberstroh 1/2 Stunde lang gesotten wurde.

2) Jeden Tag ein Sitzbad eine Minute in kaltem Wasser.

3) Den ganzen Krper tglich waschen mit kaltem Wasser und etwas Essig
daran.

4) Jeden Morgen und Abend Kraftsuppe; am Mittag recht nahrhafte, aber
leicht verdauliche Kost; vom Frhstck bis Mittag jede Stunde einen Lffel
voll Milch; von Mittag bis Abends alle Stunde einen Lffel voll frisches
Wasser.

In 14 Tagen war dieser Kranke gesund, und weiter war nichts mehr nothwendig
als ein bis zwei Halbbder.

_Die Wickel_ lsten die faulen Stoffe auf und reinigten die Natur. Die
_Ganzwaschung_ belebte und strkte den ganzen Organismus. Die _Milch_
bewirkte Vermehrung des Blutes. _Wasser_ sorgte fr den Stuhlgang. Die
_Halbbder_ am Schlu vollendeten die Heilung und verhalfen zur vollen
Krperkraft.


2.

Ein Vater erzhlt: Mein Sohn, 13 Jahre alt, hatte Bauchfellentzndung. Von
dieser befreit, wie der Arzt sagte, hatte er 20 Wochen hindurch so viele
Schmerzen am ganzen Leibe, da er immer im Bett liegen mute. Er hat oft
solche Unterleibsschmerzen, da er schreit, da man es beim Nachbar hren
kann. Anfangs waren die Schmerzen mehr im Unterleib, von da ist nach und
nach der Schmerz in alle Glieder gekommen. Jetzt klagt er besonders ber
Schmerz unter den Ngeln. Er kann nicht sterben und gedeiht doch auch
nicht. Er hat recht viel eingenommen, aber Alles war umsonst.

Fr diesen Fall folgende _Anwendungen_:

1) Den einen Tag ein Hemd anziehen in Wasser getaucht, in welchem Heublumen
gesotten wurden. Dasselbe ist warm anzuziehen, und der Knabe dann in eine
Wolldecke einzuwickeln und 11/2 Stunden lang darin zu belassen.

2) Den andern Tag angeschwellte Heublumen in einem Tuch warm auf den
Unterleib binden und 1 bis 11/2 Stunden darauf zu lassen. So 12 Tage lang.
Nach diesen 12 Tagen in der Woche zweimal Heublumen auf den Leib binden und
in der beschriebenen Weise einmal ganz waschen und einmal ein Hemd
anziehen, wie oben angegeben.

In vier Wochen war der Knabe vollstndig geheilt.

In diesem Falle waren durch die Unterleibsentzndung die Sfte aufgezehrt,
und weil der Knabe nicht genhrt werden konnte, ist die ganze kleine
Maschine vollstndig verkmmert.

_Wirkungen:_ Die Heublumen brachten Wrme in den Unterleib, entfernten die
Hitze, krftigten die inneren Theile und strkten den ganzen Unterleib.
Alle Theile des Krpers aber wurden erweicht und gestrkt durch das Hemd.
Die Waschungen bewirkten Krftigung, gleiche Naturwrme und geregelten
Blutlauf. Hiernach wurde gebraucht in der einen Stunde ein Lffel Milch, in
der anderen Stunde ein Lffel Wasser, in welches ein Tropfen Wermuthtinktur
gemischt war. Die letzten Anwendungen waren nur gelinde Fortsetzung der
ersteren.




Beinfra.


Da von Zeit zu Zeit am Krper Geschwre entstehen, aufbrechen und
vereitern, ist Jedem bekannt, und wenn sie einen gnstigen Verlauf nehmen
und sich rasch entwickeln, wird viel ungesunder Stoff ausgeleitet, und die
ganze Natur wird um so gesnder. Die Natur hat dann, wie man sagt, sich
selbst geholfen und die Lumpen hinausgeworfen. Es scheidet sich aber nicht
immer aller Krankheitsstoff aus. Es kann das Blut verunreinigt sein, ebenso
die Sfte, und es entwickelt sich doch keine Ausscheidung. Ist so ein
Krankheitsstoff tief im Innern bis auf dem Knochen, dann greift er selbst
diesen an, macht ihn morsch und greift um sich, so da oft mehrere kleine
Knochenstcke herauskommen. Ich kannte eine Person, welche lngere Zeit
Zahngeschwr hatte. Weil es nicht aufgebrochen ist, hat dieser ungesunde
Stoff das Kieferbein zerfressen, und die Unglckliche mute sterben. Wie
dieser Kieferknochen zerfressen wurde, so geht es auch mit anderen
Gebeinen; es bleibt auch nicht bei einer Stelle des Krpers, sondern wie
Geschwre an mehreren Stellen sich bilden knnen, so kann auch der Beinfra
an zwei oder drei Stellen sich bilden.


1.

Ich kannte eine Dienstmagd, die den Fu bertreten und verstaucht hatte.
Man hielt es fr eine Kleinigkeit. Sie hat auch noch einige Tage
gearbeitet. Die Fuknochen und Gelenke entzndeten sich. Der Knochen wurde
angefressen, -- der Fu wurde abgenommen, aber an einer anderen Stelle
begann der Beinfra aufs Neue, und das Mdchen mute endlich nach vielen
Leiden sterben. Kommt man frh genug zu Hlfe, so ist der Beinfra leicht
zu heilen. Hrter geht es, wenn das Blut schon lnger verdorben ist und
schlechtes Blut sich gebildet hat; dann ist das Blut unverbesserlich und
der Beinfra unheilbar.

Mir wurde ein Mdchen gebracht, das vom Knie bis zum Knchel an einem Fu
vier Lcher hatte, und zwar schon seit zwei Jahren. Aus jeder ffnung sind
schon Knochensplitter gekommen. Das Kind hat viele Mittel angewendet, aber
vergebens.

Wie kann hier geholfen werden? Allererst mu fr gesunde, leicht
verdauliche Nahrung gesorgt werden, damit das Blut verbessert wird.

1) Tglich sechs bis acht Wachholderbeeren wirken gnstig auf den Magen.

2) Tglich dreimal eine kleine Tasse Thee von Spitzwegerich, Salbei und
Wermuth; sie reinigen das Blut und dienen zur Verdauung.

3) Den einen Tag den Krper ganz waschen bewirkt eine bessere Naturwrme
und strkt. Noch wirksamer ist die Einwirkung, wenn

4) tglich ein Obergu und Kniegu, oder ein Halbbad genommen wird.

Was die schadhaften Stellen betrifft, so wirkt ganz besonders gnstig das
Zinnkraut durch berschlge und Aufschlge von angebrhtem oder gekochtem
Zinnkraut selbst.

Es ist auffallend, wie schnell sich auf diese Anwendungen die Gesichtsfarbe
nderte, guter Appetit kam und die Wunden anfingen zu heilen. In vier
Wochen war der bezeichnete Beinfra vollstndig geheilt.


2.

Anna, 33 Jahre alt, hat durch Zugluft einen starken Rheumatismus auf der
linken Schulter bekommen. Sie hat verschiedene Einreibungen gebraucht und
wegen unertrglicher Schmerzen auch schmerzstillende Einspritzungen. Von
der Schulter hat sich der Schmerz auch in den Schenkel verbreitet, der
unter den Knieen stark geschwollen und brennend roth ist; es flo tglich
immer reichlicher eine brennende Flssigkeit heraus. Alles, was sie
gebrauchte, war umsonst.

Hier wurde die Transspiration vollends gestrt. Die Entzndung hat kranke
Stoffe gebildet. Das Blut wurde verdorben, und jetzt hat sich der kranke
Stoff einen Ausweg gebildet.

Zur _Heilung_ Folgendes:

1) In der Woche zwei Wickel von unter den Armen ganz hinunter, in Wasser
getaucht, in welchem Haberstroh gesotten wurde. Diese warmen Wickel ffnen
die Poren, lsen die Geschwulst auf und leiten die Krankheitsstoffe aus.

2) In der Woche zweimal ein Hemd anziehen, ebenfalls in warmes
Haberstrohwasser getaucht, bewirkt im Oberkrper, was der Wickel im
Unterkrper.

3) Jeden Tag einen Obergu und Schenkelgu. Diese Anwendungen krftigen die
Natur, hrten sie ab und lsen nach innen die Krankheitsstoffe auf. So drei
Wochen lang. Dann

4) in der Woche drei Halbbder und drei Obergsse und in jeder zweiten
Nacht eine Ganzwaschung mit kaltem Wasser. Diese erhlt und vermehrt die
Naturwrme, die Bder krftigen den Krper.

So 14 Tage lang, und die Cur war beendet. Der Erfolg war, da die
Geschwulst verschwunden.

_Nach innen_ bekam die Kranke alle Tage eine Tasse Thee von sechs grnen
Holderblttern, klein zerschnitten und 10 Minuten lang gesotten, die nimmt
alle innere Hitze und bewirkt Stuhlgang, wirkt auch reinigend auf die
Nieren.


3.

Johann bekommt unter heftigen Schmerzen eine groe Geschwulst am Arm. Es
entwickelte sich aber nicht ein Geschwr, sondern die Geschwulst war recht
schmerzlich und ganz hart. rzte hatten mehrere Monate lang Verschiedenes
angewendet. Es wurde auch von zwei Seiten eine ffnung gemacht und etwas
eingegossen, er wei nicht was. Der Arm wurde immer schlimmer, und nach
vielen Wochen kam der Beinfra zum Vorschein. Es gingen einzelne
Knochensplitter heraus, und weil die Verschlimmerung immer zunahm, wollte
der Kranke andere Mittel gebrauchen und nahm die Zuflucht zum Wasser. Das
ganze Aussehen sagte, dieser Mensch habe nicht blo einen kranken Arm,
sondern sei berhaupt krank, sei blutarm, habe kein gutes Blut und keine
guten Sfte. Mache man zuerst den Krper gesund, und dann wird der Arm auch
gesunden!

1) Jeden Tag wurde der ganze Krper gewaschen, dadurch die Natur erfrischt,
gekrftigt, und es begann wieder die erforderliche Transspiration.

2) Der Kranke nahm jeden Tag ein Halbbad. Dieses wirkte strkend und
auflsend (die kranken Stoffe), brachte Appetit und gutes Aussehen.

_Nach innen_ wurde gebraucht:

1) Tglich drei kleine Tassen Thee von Salbei zur Verbesserung der Sfte,
etwas Wermuth zu besserer Verdauung und Wachholderbeeren zur Krftigung
des Magens und zur Reinigung der Nieren.

2) Die Hand wurde alle Tage vier Stunden lang eingewickelt in angeschwellte
Heublumen. Nach zwei Stunden wurde der Wickel erneuert, jedesmal angenehm
warm.

3) ber Nacht wurde ein Lappen ber den Schaden gebunden, in Wasser
getaucht, in welchem Zinnkraut gesotten worden war.

Nach wenigen Tagen nderte sich das ganze Aussehen, das Geschwr lste sich
auf, der Beinfra hrte auf, und der Arm wurde wieder gesund.

Bemerkt sei noch, da nach drei Tagen der Arm tglich einmal und spter
zweimal in kaltes Wasser getaucht wurde, zwei bis vier Minuten lang.


4.

Ein Mdchen, 23 Jahre alt, bekam eine Geschwulst unterhalb der Waden, recht
hei und schmerzhaft, ganz hart. Da sie Anfangs sich nicht viel daraus
gemacht und spter erst Hlfe gesucht hatte, war das Bein schon
angegriffen. Viele Wochen lang gebrauchte sie vergebens verschiedene
Mittel. Sie las mein Buch, wendete Heublumenwickel an, legte auf die Wunde
Zinnkraut, nahm Ganzwaschungen und spter Halbbder und machte sich
innerhalb vier Wochen gesund.


5.

Ein Hausvater, 56 Jahre alt, hatte etwas enge Stiefel. Die Zehen thaten ihm
wehe. Doch konnte er in seinem Geschft fortarbeiten, dehalb schenkte er
diesem Schaden wenig Beachtung. Nach einiger Zeit entzndete sich die erste
und zweite Zehe am rechten Fu. Er machte sich noch nicht viel daraus.
Endlich konnte er nicht mehr gehen und beobachtete jetzt mehr Schonung.
Eine Zehe war stark entzndet, die andere war am Zusammenbrechen. Der Arzt
entfernte beide Zehen und glaubte geheilt zu haben. Doch es liefen immer
braune Stoffe heraus, ein Beweis, da der Beinfra schon tiefer
eingedrungen. Sonst war der Mann gesund. Als er sich verloren glaubte und
ihm auch nicht viel Besserung bereitet werden konnte, nahm er seine
Zuflucht zum Wasser. Es wurden:

1) tglich beide Fe bis an die Waden in angeschwellte Heublumen zwei
Stunden lang eingewickelt und mit einer Wolldecke gut zugedeckt. Nach den
ersten zwei Stunden wurden die Heublumen wieder in's warme Wasser getaucht
und der Umschlag erneuert. Sonst wurde

2) der ganze Krper tglich mit kaltem Wasser gewaschen.

3) Whrend der Nacht wurde ein Tuch in Zinnkrautabsud getaucht und der Fu
bis ber den Knchel gut eingewickelt, whrend derselben Nacht wurde der
Umschlag erneuert.

Wie am ganzen Leib die Waschung krftigend und ausscheidend wirkte, so
wirkten in viel hherem Grade die Einwickelungen an den Fen. In wenigen
Tagen war alle Gefahr beseitigt und in vier Wochen der Beinfra geheilt. Es
kamen noch einige kleine Splitterchen heraus. Bemerkt mu noch werden, da
der kranke Fu tglich mit zwei Giekannen voll kalten Wassers abgegossen
wurde; diese einschneidende Klte trennte den kranken Stoff vom Bein, und
so ward auch eine gnzliche Heilung erzielt. Nach innen wurde tglich eine
Tasse Thee getrunken von Schafgarbe, Johanniskraut und Spitzwegerich.
Dieser Thee wirkte auf Reinigung des Blutes.


6.

Ein Kind von neun Jahren hatte schon lngere Zeit einen geschwollenen
Finger, der ganz hei war, aber nicht besonders schmerzte. Nach einiger
Zeit entzndete er sich heftiger, und es flo ein wenig braune Flssigkeit
heraus. Dieses dauerte einige Tage, dann lste sich das erste Glied zur
Hlfte ab -- also _Beinfra_.

_Anwendung:_

1) Zinnkraut wurde abgesotten und die Hand eine halbe Stunde in diesem
warmen Zinnkraut gebadet. Dann wurde

2) der Finger und die Hand eingewickelt mit einem Tuch, eingetaucht in
Zinnkrautabsud;

3) zweimal whrend des Tages die Hand in das klteste Wasser getaucht, 5
Minuten lang, und gleich wieder eingebunden;

4) tglich der ganze Krper gewaschen.

In 12 Tagen war der Finger geheilt, und zwar so, da derselbe ganz
brauchbar wurde.

Die Ganzwaschung wirkte auf den ganzen Krper, das Zinnkraut heilend und
ausleitend, das kalte Handbad lste die krankhaften Stoffe auf.


7.

Ein Mdchen, 18 Jahre alt, hatte hufig Ausschlge am Krper, bald da, bald
dort, und es flo fters tzende Flssigkeit aus. Es trat eine Geschwulst
auf oberhalb des Knies, welche sich entzndete. Das Mdchen verbarg den
Schaden, so lang es gehen konnte. Die Geschwulst entzndete sich auf's
heftigste, brach von selber auf, und es kamen zwei Knochensplitter heraus,
also _Beinfra_.

_Anwendung:_ 1) Der ganze Schenkel bis unter die Kniee wurde tglich in
Heublumenabsud 8 Stunden, je vier am Morgen und am Nachmittag, warm
eingewickelt; nach je 2 Stunden wurde der Umschlag erneuert.

2) ber das Geschwr selbst wurde bestndig ein Fleck, in Zinnkrautwasser
getaucht, gelegt, alle zwei Stunden frisch eingetaucht. Die Geschwulst
lste sich nach und nach auf, bis der Fu ganz normal war.

3) Jeden Tag wurde die Kranke ganz eingewickelt, das Tuch in Heublumenabsud
getaucht. Dieser Wickel war hier nothwendig, weil durch den vielen
Ausschlag der Beweis gegeben war, da viel kranker Stoff im Blut war, der
dadurch ausgeleitet wurde. In 12 Tagen war die Heilung vollendet.

Wie der Wickel die ganze Natur reinigte, so leiteten die brigen Wickel die
kranke Masse aus. So wurde dieses Mdchen, Dank ihrem Schpfer, dem Wasser
und Zinnkraut, vollstndig gesund.


8.

Ein Mdchen, das stets frisch und gesund ausgesehen, bekam am dritten
Finger der rechten Hand den sogenannten Wurm. Der Finger war dreimal so
dick, als er htte sein sollen, und schmerzte sehr. Der Arm that ihm wehe
bis unter die Schulter; es war ohne allen Appetit und am ganzen Krper
glhend hei. Nach 10 Tagen brach der Finger auf, und es flo mehrere Tage
lang ziemlich viel Eiter heraus. Endlich lste sich das erste Glied ganz
ab; es war vom Beinfra zerfressen.

_Anwendung:_ 1) Tglich mute das Mdchen ein Hemd anziehen, in warmen
Heublumenabsud getaucht, 11/2 Stunden lang.

2) Tglich wurde die Hand und der Arm bis zum Ellenbogen 6 Stunden lang in
angeschwellte Heublumen recht warm eingewickelt, und dieses nach je 2
Stunden erneuert. Diese Heublumen zogen wie ein Zugpflaster aus dem Arm und
Hand alle Schrfe.

3) Die Hand wurde zweimal whrend des Tages mit einer Giekanne voll kalten
Wassers bergossen. Dieses zog die Hand zusammen und lste die ungesunden
Stoffe auf. Die Wunde heilte wieder zu, der Finger war gesund, nur das
erste Glied fehlte.




Bettnssen.


Ein Kind von 10 Jahren konnte das Wasser nicht halten. Es befolgte den
Rath: Erstens tglich zweimal im Wasser gehen bis an die Knie 2 bis 5
Minuten lang. Zweitens jeden Tag einen Obergu. In 12 Tagen war das Mdchen
von diesem bel befreit. Um die volle Kraft zu erlangen, wurden in der
Woche 2 bis 3 Halbbder genommen.




Blasenkatarrh.


Jakob hatte sich vor drei Jahren erkltet und bekam Blasenkatarrh; er hatte
lngere Zeit rzte gebraucht, viel eingenommen und mute auf Anordnung des
Arztes wollene Beinkleider tragen, anfangs eines, spter zwei; dadurch kam
er in eine Lage, da bei jeder Kleinigkeit, z. B. wenn ein Gewitter
entstand oder bei trockenem Wind, sein Leiden sich steigerte; er war somit
vor bestndiger Erkltung gar nie sicher.

Ist hier eine groe Verweichlichung und dadurch groe Empfindlichkeit und
Schwche eingetreten, so sind die zur Abhrtung, Krftigung und
Ausscheidung der faulen Stoffe geeigneten Anwendungen nothwendig.

Oberkrper und Extremitten werden zuerst abgehrtet und gekrftigt durch
Obergu und Schenkelgu, tglich zweimal.

_Nach innen_ wird reinigend eingewirkt, indem drei Tage hindurch alle
Stunden ein Lffel voll Zinnkraut und Wachholderthee eingenommen wird. So
vier Tage lang.

Abhrtung und Krftigung wird jetzt auch am ganzen Krper erzielt durch:

1) tglich einen Rckengu, ein Sitzbad;

2) jeden zweiten Tag noch ein Halbbad dazu, 1/2 Min. lang;

3) tglich eine Tasse Thee von Wermuth, Zinnkraut und Schafgarbe in drei
Portionen.

Nach drei Wochen war der Kranke gesund. Er bekam eine gleiche Naturwrme,
allgemeine Naturkraft und durch die Abhrtung eine Widerstandskraft gegen
alle schdlichen Einflsse.

Hier ist anzuwenden der Grundsatz: die Kraft dringt immer auf die schwachen
Theile und verdrngt die Schwche, wie die Verweichlichung der Abhrtung
weichen mu.




Blut.


Wichtigkeit einer geregelten Blutcirculation im menschlichen Krper.

Bei der menschlichen Natur ist das Wichtigste, um gesund und ausdauernd zu
sein, da der Blutumlauf im ganzen Krper in Ordnung ist. Man kann sagen:
der wird wohl zu den Glcklichsten gehren, bei dem keine Blutstrungen
stattfinden. Es wird aber auch kein Unglck fr den Menschen geben, das
grer sein kann, als wenn der Blutlauf in groe Unordnung gerth. Vom
Blute _lebt_, wie der ganze Krper, so auch jeder einzelne Theil desselben.
Darum mu das Blut nach allen Richtungen hin dringen, und die geschieht
durch kleine Canle, Adern genannt, auf da jedes, auch das kleinste
Krpertheilchen seine Nahrung bekomme. Das Blut _erwrmt_ auch den Krper,
und wo Blut fehlt, tritt Klte ein. Wo Mangel an Wrme, dort fehlt es an
Blut. Die Wrme sagt uns, wo das Blut ist, und wie viel man Blut hat. Wo
die Wrme fehlt, fehlt also Blut, und daher kommen dann die grten
Strungen. Es gibt Leute mit so schwachen Fen, da diese den Krper nicht
mehr tragen. Fragen wir solche Leute, ob die Fe warm seien, dann heit es
gewhnlich: Meistens kalt, selten warm. Also mssen die Fe Hunger
leiden, sie werden nicht gehrig genhrt. Es kommt oft vor, da eine Hand
oder ein Fu anfngt zu schwinden, wie man sagt. Woher kommt Die? Der Arm
bekommt fast kein Blut mehr. Er mu aushungern. Es kann eine Ader verstopft
sein, das Blut kann also nicht mehr hinaus in den Arm oder Fu. Darum,
lieber Leser, wirst du es auch fr wichtig halten und Sorge dafr tragen,
da dein Blut den besten Lauf habe, berall hindringe und alle Krpertheile
gut nhre. Wenn in einem Wirthshaus recht viele ordentliche Leute sitzen,
gut essen und krftig trinken, dann geht es recht geweckt und lebendig zu;
wenn aber recht viele Lumpen bei einander sitzen, dann geht wohl Alles
darunter und darber, und ein ordentlicher Mensch mchte die Flucht
ergreifen. Ganz hnlich kann auch das Blut, das einem Wanderer gleich ist,
an einzelnen Stellen des Krpers sich anhufen, erzeugt eine groe Wrme,
auch Hitze, und es geht dann an dieser Stelle ziemlich bewegt zu. Es kann
aber auch das Blut eine solche Aufregung bewirken, da man meint, es mchte
den menschlichen Krper zertrmmern, und da Nachtheile entstehen fr Geist
und Krper. Man denke nur an einen Gemthsleidenden oder einen
Tobschtigen, von welchen Krankheiten die Ursache oft in Blutstrungen zu
suchen ist. Wie aber in dem angefhrten Groen, so ist es auch im Kleinen
bis zum kleinsten derchen. Die allerkleinste Blutstauung, und sollten es
auch nur wenige Tropfen sein, kann Entzndung und Anschwellung verursachen,
macht viel Hitze und Schmerz, und es tritt keine Ruhe ein, bis es
ausgeschieden ist entweder durch Zertheilung (durch Schwitzen) oder durch
ein kleines Geschwrchen.

Wenn das Blut sich an verschiedenen Stellen anstaut, so wird es nicht
besser, sondern schlechter, ebenso wie das Quellwasser am frischesten ist,
whrend es fliet, aber schlecht wird, sobald ein Theil davon liegen
bleibt. So wird auch durch die Blutanstauung das Blut verschlechtert, und
dieselbe mag auch fters mit Ursache sein, wenn bei mancher Kleinigkeit
gerne Blutvergiftung eintritt. Bei Blutanstauungen kann einer lange Zeit
gesund sein oder wenigstens sich fr gesund halten. Aber regelmig haben
sie doch nicht gute, meistens die schlimmsten Folgen. Ganz sicher haben die
meisten Schlaganflle ihre Ursache in den Blutstauungen. Wem also an seiner
Gesundheit liegt, wer sein Leben lieb hat und lang leben will, der mu
sorgen, da er einen recht geregelten, gleichmigen Blutlauf habe. Dann
bleibt das Blut im besten Zustand, der ganze Krper wird gleichmig
genhrt, und es ist auch fr den Geist das grte Glck, der gerade durch
Blutanstauungen und Blutarmuth am meisten zu leiden hat. Hiefr ist das
Wasser das sicherste und beste Heilmittel. Eine gute Mhle geht zu Grunde,
wenn nicht die Kraft des Wassers Alles in gutem Gang erhlt. So wird auch
das Wasser das einzige Mittel sein, das solche bel zu heben im Stande ist
und den traurigsten Folgen vorzubeugen vermag. Beispiele werden die Sache
noch klarer machen.




Blutarmuth.


1.

Martha kommt zu mir und jammert: Ich habe so viele Kopfschmerzen und
solche Hitze im Kopf, da ich oft meine, der Kopf zerplatze mir, habe aber
bestndig kalte Fe, und auch meine Hnde sind selten warm; wenn ich mich
noch so gut ankleide, friere ich doch, bin ohne Kraft und Lebenslust,
obgleich erst 24 Jahre alt.

Martha hat zu viel Blut im Kopf. rzte haben schon Blutegel gesetzt, um
Blut herauszulassen. Martha aber ist hchst blutarm, und die besten
Krpertheile sind viel zu wenig genhrt. Das Blut mu aus dem Kopf in die
Fe und Hnde und in den ganzen Krper geleitet werden, die unthtige
Maschine mu in Gang kommen; dann wird der Appetit schon kommen, die
Verdauung sich bessern und die Blutarmuth sich heben. Und Die geschieht,
wie folgt:

1) tglich einmal im Wasser gehen 2 bis 5 Minuten lang,

2) tglich einmal einen Kniegu, noch besser einen Schenkelgu,

3) jede Nacht vom Bett aus ganz waschen, nicht abtrocknen, gleich wieder
in's Bett,

4) jeden Morgen und Abend eine Kraftsuppe,

5) vom Frhstck bis Mittag jede Stunde einen Lffel voll Milch; von Mittag
bis Abend alle Stunden einen Lffel voll Wasser. So 10 bis 12 Tage lang.
Weiterhin

6) den einen Tag einen Obergu und Kniegu, den andern Tag ein Halbbad 1/2
Minute lang, den dritten Tag ein Sitzbad. So 14 Tage lang.

Hier ist berflu des Blutes im Kopf, und in Hnden und Fen Blutarmuth,
was die vorherrschende Klte beweist; das Blut mu dehalb nach allen
Richtungen hin geleitet werden. Dieses bewirken _Ober- und Kniegsse_.

_Die Kraftsuppe und Milch_ bewirken eine bessere Blutbildung, _das Wasser_
weichen Stuhlgang; _die Halbbder_ im Wechsel mit den _Gssen_ krftigen
den ganzen Krper. -- In fnf Wochen war diese Kranke hergestellt.

Zur weiteren Erholung reichen aus in der Woche zwei Ober-und Schenkelgsse
und ein Halbbad, spter nur das Halbbad in der Woche ein- bis zweimal.


2.

Ein Mdchen, 19 Jahre alt, hat Drcken auf der Brust und viel Kopfleiden.
Hnde und Fe sind kalt; Appetit ganz wenig, das Aussehen feurig, Schlaf
ganz wenig.

Hier hlt sich das Blut mehr auf der Brust und im Kopf auf. Die brigen
Theile des Krpers sind blutarm.

1) Tglich zweimal im Wasser gehen und zweimal die Hnde zwei Minuten lang
in's Wasser legen, leitet das Blut vom Herzen und Kopf nach aussen.

2) In der Nacht eine Ganzwaschung mit Wasser und Essig, bringt mehr Wrme
und vertheilt das Blut gleichmig. So acht Tage lang. Dann

3) jeden Tag ein Halbbad und jeden zweiten Tag ein Obergu und Wassergehen
bewirkt Krftigung und erhlt das Blut in Ordnung. -- Nach vier Wochen war
die Heilung erzielt.


3.

Ein Student ward unfhig, weiter zu studiren, und wurde dehalb aus der
Schule entlassen. Frher hatte derselbe ganz gute Fortschritte gemacht und
Liebe zum Studium gezeigt. Darum war seine Entlassung um so auffallender
und schmerzlicher. Die rzte wuten keine Hlfe. Der Junge sah recht krank
und abgemagert aus, war zu matt schon zum Gehen, ohne Appetit. Die Haut war
so trocken, da, wenn man mit der Hand fest ber den Arm streifte, der
Staub davon flog. Mir kam es vor, als ob man diesen Menschen in der freien
Luft austrocknen wollte. Auffallend waren die Augen, weil die Augendeckel
gefllt waren wie bei Wasserschtigen. Auch die Wangen waren im Verhltni
zu andern Gesichtstheilen zu voll.

Dieser Student hat fast kein Blut mehr und nur dnnes; der Herzschlag ist
kaum vernehmbar. Die Haut ist so eingetrocknet, weil keine Sfte vorhanden
sind und die innere Thtigkeit bereits eingestellt ist.

Dieser Knabe bekommt:

1) Tglich einen Obergu und Kniegu, und zwar am Morgen und Nachmittag,
vier Tage lang.

Spter: 2) Jeden Tag ein Halbbad, drei bis vier Sekunden lang.

3) Tglich einen Obergu. Endlich

4) die meiste Zeit des Tages Barfugehen.

_Der Wein_, den die rzte streng befohlen, wurde ihm verboten, ebenso das
Bier; dafr durfte er _Milch in kleineren Portionen_ nehmen, so viel er
wollte, und gute Hausmannskost genieen.

In drei Wochen war der Junge hergestellt; er bekam eine ungewhnliche
Heiterkeit, hpfte und sprang. Auch die Lust, seine Studien fortzusetzen,
lebte wieder in ihm auf. -- Zur Nachkur brauchte derselbe nur noch

1) in der Woche drei bis fnf Halbbder zu nehmen,

2) Abhrtungen zu ben durch Barfugehen&c. und bei einfacher Kost zu
bleiben.

_Der Ober- und Knie-Gu_ trieben die Maschine in Gang, weichten die
vertrocknete Haut auf und regten die Transpiration an. Die _Hausmannskost_
brachte gutes Blut, und so ward die junge Maschine wieder hergestellt.


4.

Eine Mutter bringt drei Tchter, Bertha, Aloisia und Martha, alle drei
krank. Die lteste Tochter, 14 Jahre alt, sieht bla aus, fast wie der Tod,
und ist so mager, als ob sie fast nichts zu essen bekomme. Wie die
Jugendfarbe verschwunden ist, so auch alle Heiterkeit; sie ist ohne Kraft
und ohne Appetit. Am liebsten trinkt sie Kaffee, etwas Bier und ein wenig
Wein, was ihr besonders vom Arzt verordnet wurde, um Blut zu bekommen. --
Sie trgt auf dem Leib Wollkleider, ist berhaupt weichlich angezogen und
doch voll Frost. -- Die Mutter selbst ist ziemlich gro und stark, auf dem
Lande erzogen und hat sich in einer Stadt verheirathet.

Wo fehlt es hier? Die Nahrung reicht zur Entwicklung des Krpers nicht aus.
Die hitzigen Getrnke erzeugen scharfes Blut. Die Wollkleidung
verweichlicht die Natur und macht diese jedem Elend zugnglich. Der Kaffee,
welcher als ein Abfhrmittel zu betrachten ist, geht halbverdaut mit Milch
und Brod aus dem Magen; wie kann da ein Kind gedeihen, wenn ihm so
schonungslos die Nahrung entzogen wird? Wein gibt gar kein Blut; er ist
blo ein Feuer im Krper.

Bertha soll gebrauchen:

1) Jede Nacht vom Bett aus ganz waschen, dann wieder ins Bett.

2) Jeden Tag drei- bis viermal Barfugehen, eine halbe Stunde lang. (Es war
nmlich Frhlingszeit.)

3) Jeden zweiten Tag ein Halbbad.

So 14 Tage lang, dann

1) In der Woche zweimal in der Nacht waschen mit Wasser und Essig;

2) in der Woche zweimal ein Halbbad;

3) in der Woche zweimal ein Obergu und Kniegu;

4) tglich Barfugehen.

Nach weitern 14 Tagen

1) in der Woche zwei bis drei Halbbder,

2) in der Woche zweimal Obergu und Schenkelgu.

_Die Kost_ betreffend, mute die Kranke jeden Morgen und Abend Kraftsuppe
essen; vom Frhstck an bis Mittag jede Stunde einen Lffel Milch, von
Mittag bis Abend jede Stunde einen Lffel frischen Wassers trinken. Das
Mittag- und Abendessen war gewhnliche Hausmannskost.

_Die Kleidung_ mute gendert werden; statt des Wollhemdes ein leinenes
Hemd; im brigen eine einfache Kleidung, Hals und Kopf ziemlich frei.

In sechs Wochen war Bertha wie umgewandelt, bekam eine krftige Stimme,
frisches Aussehen, und die einfache Kost schmeckte ihr vorzglich.

_Die Ganzwaschungen_ bewirkten Belebung, Krftigung und Abhrtung des
ganzen Krpers. _Das Halbbad_ vermehrte die Krftigung und machte den
Krper widerstandsfhiger gegen Erkltung und Verweichlichung. _Das
Barfugehen_ bewirkte Abhrtung und Ableitung des Blutes vom Kopf in die
uern Theile und wirkte besonders auf ein heiteres Gemth und vorzglich
auf die Sprachorgane. (Durch Barfugehen allein schon kann man seine Stimme
um Vieles verbessern.) _Die Kraftsuppe_ wollte Anfangs nicht munden, weil
die Natur an Derartiges nicht gewhnt war. Mit der Zeit gewhnte sich
dieselbe jedoch so daran, da die Kraftsuppe eine Lieblingsspeise wurde.
_Der Lffel voll Milch_ nach dem Frhstck ist ganz besonders gnstig zur
Blutbildung. Recht schwache Leute knnen nicht viel Milch essen. Dieselbe
stockt oder wird sauer im Magen. Ein Lffel voll dagegen wird ertragen und
gibt Nahrung. _Der Lffel voll Wasser_ wirkt gnstig auf geregelten
Stuhlgang, nimmt alle innere Hitze und verdnnt die Sfte zur Verdauung.
Alle Stunden nur ein Lffel voll Wasser ist besser als ein Glas voll.

hnlich wie Bertha wurden auch die brigen Schwestern behandelt. Nun aber
die Frage: Warum sind die Tchter einer krftigen und gesunden Mutter so
armselig? Die Mutter ist auf dem Lande geboren, geno nur einfache
lndliche Kost ohne starke Gewrze und geistige Getrnke; sie wurde
gekrftigt durch schwere Landarbeit, trug lndliche Kleidung und geno
frische Luft. Weil sie talentvoll und fr's Hauswesen gut herangebildet
war, wurde sie, deren groe Aussteuer besonders anzog, fr ein
Stadtgeschft aufgesucht, dem sie auch gut vorstand. Nun nderte sich aber
die ganze Lebensweise: in der Frh und Mittags den besten Kaffee, das beste
Bier und theuren Wein -- statt Wasser und Milch. Statt einfacher lndlicher
Mehlspeisen -- einen feinen Tisch. So wurde die Natur, statt erhalten, nur
verkmmert durch den Wechsel der Kleidung, der Speisen und Getrnke und der
Luft, und das muten die armen Kinder ben.


5.

Ein Frulein, 18 Jahre alt, ziemlich gro, gut gewachsen, aber so
schwchlich, da sie nur kurze Strecken gehen kann, klagt ber
zeitweiliges starkes Kopfweh, Kltegefhl, Mangel an Appetit. Kaffee sage
ihr noch am besten zu, weniger Bier und Wein.

Hier ist groe Blutarmuth vorherrschend, die Krfte sind heruntergekommen,
groe Unthtigkeit ist im ganzen Krper, eine kleine Mhle ohne treibendes
Wasser; sonst sind die Organe gesund.

Die _Anwendungen_ sind folgende: 1) Jeden Tag zweimal Obergu und zweimal
Kniegu, so sechs Tage hindurch; dann 2) tglich einen Obergu und Kniegu
und tglich ein Halbbad, natrlich auch tglich Barfugehen. Diese
Anwendungen 10 Tage lang. 3) Dazu diese 10 Tage tglich Rckengu und
Halbbad.

Nach innen: tglich dreimal, jedesmal 2 Lffel voll, Wermuththee; tglich
6-8 Wachholderbeeren; gewhnliche Hausmannskost essen.

Wirkungen: Die Ober- und Kniegsse wirken auf Krftigung des ganzen
Krpers. Der Wermuththee bewirkt gute Verdauung. Die Wachholderbeeren
krftigen den Magen. Die Halbbder heben die Krfte noch mehr und vermehren
auch die Naturwrme.

Nach sechs Wochen schaute die Person ganz blhend aus und war vollkommen
gesund. Im Anfang der Kur wurde das Mdchen allerdings vier Tage hindurch
auerordentlich geschwcht, doch lie die Schwche bald nach. Das Kopfweh
kehrte fters wieder, aber immer schwcher und nicht andauernd; besonders
traten fters Verstopfungen ein. Die Kranke bekam aber hiergegen nichts
weiter als jede Stunde einen Lffel voll Wasser.


6.

Ein Mdchen, 19 Jahre alt, erzhlt: Ich habe vor dreiviertel Jahren so
stark aus der Nase geblutet, da man glaubte, ich wrde sterben. Das Bluten
habe ich seitdem nur von Zeit zu Zeit und immer nur wenig; gewhnlich habe
ich, bevor das Bluten kommt, starkes Kopfweh. Frher war ich ganz gesund,
jetzt bin ich armselig und gebrechlich, kraftlos, leicht frstelnd und
appetitlos. Auch kann ich wenig ertragen, bin leicht migestimmt und zum
Weinen geneigt.

Durch das Bluten ist Blutarmuth eingetreten; wenn auch das Blut rasch
wieder ersetzt wurde, so ist dasselbe doch nur schwach und dnn. Dehalb
fehlt dem Krper die gehrige Wrme, die gehrige Ernhrung und somit auch
die volle Kraft.

_Anwendungen:_

1) Tglich zweimal ein Kniegu oder ein Schenkelgu und eine halbe Stunde
Barfugehen.

2) Jeden zweiten Tag einen Obergu.

3) In der Woche zwei bis drei Halbbder.

4) Wo mglich vom Frhstck bis Mittag stndlich einen Lffel voll Milch,
von Mittag bis Abend 5 Lffel voll Wermuththee. Im brigen einfache,
nahrhafte Kost.

Dieses Mdchen hat durch den Blutverlust sich eine groe Schwche
zugezogen. Blut bildet sich schnell, und in ganz kurzer Zeit ist das
verlorene Blut wieder ersetzt; aber das neue Blut ist nur schwach und kann
nur nach und nach zu gutem Blut werden, oft gar nicht mehr. Bei jedem
Blutverlust geht Blutbildungs_stoff_ verloren, und je fter Blutverlust
eintritt, um so geringer und schwcher wird der Blutbildungsstoff. Dehalb
mu vor Allem auf Krftigung des Krpers durch recht _gute Nahrung_ gewirkt
werden. _Der Kniegu_ leitet das Blut in die Fe, damit diese nicht
blutleer werden: dehalb der Kniegu so oft. _Der Obergu_ strkt und
krftigt den Oberkrper und bewirkt Thtigkeit im Athmen&c. Das _Halbbad_
wirkt strkend und erwrmend auf den ganzen Krper, es macht den welken
Krper krftig. Die _Milch_ in kleinen Portionen ist vorzglich zur
Blutvermehrung. _Der Wermuththee_ dient zur Verbesserung der Magensfte,
damit die Kost leichter verdaut werden kann.

Diese Anwendungen, fnf Wochen fortgesetzt, hatten die besten Folgen. Es
war weiter nichts mehr nothwendig, als den Krper zu untersttzen durch
drei bis fnf Halbbder in der Woche.


7.

Ein Bauernsohn, 23 Jahre alt, macht folgende Angaben: Vor zwei Jahren habe
ich eine Magenblutung gehabt, bei der ich nahezu zwei Liter Blut verlor.
Seit dieser Zeit bin ich so kraftlos, da ich fast gar nichts arbeiten
kann. Appetit habe ich hchst selten und nur zu solchen Sachen, welche mir
keine Kraft geben. Man hat mir schon oft gesagt, ich werde wohl noch die
Auszehrung bekommen.

Hier ist sicher die _Blutarmuth_ das Hauptleiden; alle andern Gebrechen
rhren davon her; die Schwche der Organe und deren geringe Thtigkeit
lassen wohl keine Blutbildung zu. Es ist eine Mhle, auf die wieder Wasser
gelangen mu.

1) Der Kranke soll jeden Tag einen Obergu und einen Kniegu nehmen, damit
in die obern und untern Theile Leben und Kraft komme.

2) Jede Nacht ein Sitzbad, eine Minute lang. So drei Tage.

3) Tglich Obergu und Schenkelgu.

4) Jeden zweiten Tag ein Halbbad, eine halbe Minute lang.

5) In der Woche zweimal Ober- und Unteraufschlger, drei Viertel-Stunden
lang.

_Nach innen:_ 1) Tglich dreimal, jedesmal zwei Lffel voll, Wermuththee, 8
Tage lang. Dann 2) zehn Wachholderbeeren zerstoen, mit etwas Zinnkraut, 10
Minuten lang gesotten, in drei Portionen trinken.

Zum Frhstck und am Abend eine gut verkochte Brodsuppe. Sonst eine recht
einfache Kost weder Kaffee noch Bier oder Wein.

In sechs Wochen war der Kranke vollstndig genesen. Krftiges, gutes
Aussehen und Appetit und recht heiteres Gemth stellten sich ein. Wie die
Gsse auf Ober- und Unterkrper wirken, so wirkt das Sitzbad strkend auf
den Unterkrper. Der Thee wirkt auf den Magen und krftigt die innern
Krpertheile.


8.

Ein armer Taglhnerssohn bekam so starkes Nasenbluten, da man befrchtete,
er mchte sich verbluten. Was angewendet wurde, hat zwar das Blut gestillt;
aber es blieb eine groe Schwche zurck, und so oft der junge Mensch etwas
aufgeregt wurde, zeigten sich Spuren von Nasenbluten.

Hier ist wieder der Beweis, wie sich das Blut unverhltnimig im obern
Stock aufhalten kann, und wie dann der ganze Krper herunterkommt, wenn er
nicht gehrig genhrt wird. Dehalb ist auch wieder die erste Einwirkung,
das Blut abwrts zu leiten und den ganzen Krper zu krftigen, was geschah
durch folgende Anwendungen:

1) der Obergu, der tglich vorgenommen ward, mute den ganzen obern Stock
krftigen,

2) der Schenkelgu, wieder alle Tage, das Blut abwrts leiten;

3) jeden zweiten Tag ein Halbbad krftigte und belebte den ganzen Krper.

4) Tglich mute der Kranke Absud von Zinnkraut durch die Nase so
hinaufziehen, da wenigstens ein Theil beim Mund herauskam.

Zinnkraut zieht zusammen, strkt und reinigt; die Kost war einfache
Naturkost, und es trat bald groer Appetit ein. Nach vier Wochen hatte der
Kranke nur den Wunsch, da es so bleiben mchte.


9.

Eine Hausmutter, 48 Jahre alt, hatte so heftige Blutflsse, da man
innerhalb vier Jahren fters das Ende erwartete. Alles, was sie angewendet,
half nichts, die vielen Medizinen so wenig, wie der Gebrauch vieler Bder.
Wenn auch die Blutungen geheilt wurden, so traten sie in Blde wieder ein.
Die Frau suchte zuletzt, was sie am meisten gescheut, beim _Wasser_ Hlfe.
Das so sehr geschwchte Weib nahm

1) den ersten Tag einen Unter-, den andern Tag einen Ober-Aufschlger,
jeden dreiviertel Stunden lang mit ganz kaltem Wasser.

2) Nach innen tglich viermal, jedesmal drei Lffel voll, Zinnkrautthee.
Statt Bier und Wein, was sie vorher viel trinken sollte, um, wie man sagte,
Blut und Kraft zu bekommen, geno sie Milch in ganz kleinen Portionen;
sonst einfache Hausmannskost.

Nach 14 Tagen bekam sie den ersten Tag Obergu und Schenkelgu, den andern
ein Halbbad. In sechs Wochen war die Frau gesund.


10.

Ein Priester, 56 Jahre alt, klagt ber starken Blutandrang gegen den Kopf;
er merke recht gut, wie das Blut aufwrts dringe, einen starken Druck auf
das Gehirn be und zeitweilig Schwindel verursache. Die Geisteskrfte
nehmen immer mehr ab, besonders das Gedchtni, und das ganze Gemth habe
sehr gelitten. Wenn er auch die Fe noch so warm zu halten sich bemhe, so
seien sie doch regelmig kalt. Der Schlaf sei gut, aber er strke nicht.

Hier ist sicher der Andrang des Blutes nicht der Beweis, da Blutreichthum
vorhanden, der Puls deutet vielmehr auf _Blutarmuth_, ebenso die kalten
Fe. Bemerkt mu noch werden, da die Fe auffallend dnn waren im
Vergleich zum ganzen Krper. Um einem Schlaganfall vorzubeugen, war es
nothwendig, folgende Anwendungen vorzunehmen:

1) Das Wassergehen, tglich drei bis fnf Minuten, leitete das Blut abwrts
und vermehrte die Blutwrme.

2) Ein tglicher Obergu erfrischte, belebte und krftigte den Oberkrper.

3) Tglich ein Sitzbad leitete wieder das Blut abwrts.

4) Jeden zweiten Tag ein Rckengu strkte den ganzen Krper.

Nach _innen_: Tglich eine Tasse Thee von Schafgarbe, Johanniskraut und
Wachholderbeeren bewirkte gute Verdauung und Ausscheidung verdorbener
Stoffe.

Nach 14 Tagen begann die zweite Kur:

1) jeden Tag einen Obergu und Schenkelgu,

2) jeden zweiten Tag ein Halbbad.

Der Erfolg war, da nach sechs Wochen der ganze Krper umgewandelt war;
alle Steifheit war entfernt, ein guter Appetit vorhanden und die
Geisteskrfte wieder in Ordnung. Die Angst vor Schlaganfall war beseitigt,
und das Berufsleben wurde auf's neue fortgesetzt.


11.

Ein Mdchen, 22 Jahre alt, hat solch starken Blutandrang nach dem Kopf, da
sie oft fast besinnungslos wird. Sie hat fast immer mehr oder weniger
heftige Kopfschmerzen, hat bestndig kalte Fe und von Zeit zu Zeit solche
Leibschmerzen, da sie gewhnlich sechs bis acht Tage im Bette liegen mu.
Sie hat eine schne Summe Geld an rzte und Apotheker ausgegeben, aber das
Leiden blieb.

In diesem Falle ist klar, da die _Blutarmuth_ gro ist und das Blut zu
sehr in den Kopf dringt. Daher die allseitigen Schmerzen, bald da, bald
dort. Dieses bel wird am leichtesten dadurch gehoben, da die ganze
menschliche Maschine aus dieser Schwche herauskomme und gestrkt werde.

1) Tglich einmal ein Schenkelgu und einmal ein Kniegu.

2) Jeden Tag ein Obergu.

3) Jede zweite Nacht ein Sitzbad.

4) Jeden Morgen und Abend statt des bisherigen Kaffees eine Kraftsuppe.

5) Tglich dreimal, jedesmal zwei Lffel voll, Wermuththee.

So drei Wochen lang. Dann weiter:

1) Tglich ein Halbbad und Obergu.

2) Tglich eine Tasse Thee von Johanniskraut, Schafgarbe und Salbei.

Nach sechs Wochen war diese Kranke geheilt, der ganze Krper hatte seine
Naturwrme, die groen Schmerzen waren verschwunden, die Kraftsuppe war
lieb gewonnen. Die Natur konnte wieder krftige Kost ertragen. Mit einem
Wort: die Kranke war gesund.

Die groe Verweichlichung wurde gehoben durch die Begieungen, wodurch auch
der ganze Krper gestrkt wurde. Das Blut wurde abgeleitet von oben nach
unten; und wie sich Appetit einstellte durch Wermuth, konnte auch bessere
Kost ertragen werden. Die Bder strkten den Gesammtkrper, und so wurden
diese verschiedenen Krankheitszustnde entfernt und das trbselige Leben in
ein frhliches umgewandelt.




Blutbrechen (durch Hustenreiz).


1.

Vor 21/2 Jahren, so klagt ein Leidender, hatte ich Blutbrechen, bin
drei Wochen lang im Bette gelegen und habe viel gehustet. Seit dieser Zeit
habe ich von Zeit zu Zeit Husten, fter Fieber und Schwei. Die rzte
nannten mein Leiden Lungenkatarrh. Der letzte Arzt gab mir Creosot-Pillen
und sagte, wenn diese nicht helfen, werde mir kaum mehr zu helfen sein.
Auch diese haben nichts geholfen. Jetzt mchte ich es mit Wasser
versuchen.

Dieser Kranke bekam 1) jeden Tag zweimal Obergu und zweimal Kniegu, 2)
tglich eine Tasse Thee von zwei Messerspitzen +foenum graecum+ und einer
Messerspitze Fenchel. Vier Wochen machte dieser Kranke mit diesen
Anwendungen fort. Er mute viel Schleim ausspeien, durch Urin ging viel
ungesunder Stoff ab, und so wurde er wieder gesund.

Weil hier eine allgemeine Verschleimung stattfand, die inneren Theile aber
noch nicht zu sehr angegriffen waren, wurden durch die Gieungen die Organe
gestrkt, der Schleim gelst, die Naturwrme erhht. Durch den Thee wurde
das Innere gereinigt, und so kam die Maschine wieder in den rechten
Zustand.


2.

Ein Mann, 27 Jahre alt, erzhlt: Ich habe seit mehreren Jahren Husten;
derselbe thut mir nicht besonders weh, ist nur mehr lstig. Vor drei Jahren
hatte ich _Blutbrechen_ und bin zwei Monate lang recht krank gewesen. Vor
einem Jahre hatte ich wieder _Blutbrechen_ und vor 14 Tagen wieder, aber
nur ganz wenig. Ich konnte meinem Beruf immer vorstehen; aber jetzt will es
nicht mehr recht gehen. Wenn ich nur so weit hergestellt wrde, da ich
mein Hauswesen besorgen knnte; ich wollte mich dann gerne schonen.

Hier ist das Blutbrechen sicher durch krampfhaften Hustenreiz verursacht.
Die Lunge ist noch nicht besonders angegriffen, knnte aber auch bald
unterliegen. Dehalb mu auf Krftigung nach innen und auen gewirkt
werden.

_Nach innen_ ist am besten: 1) Tglich eine Tasse Thee von Zinnkraut und
Wachholderbeeren (zehn Wachholderbeeren werden etwas zerquetscht, und
einiges Zinnkraut mit diesen Beeren zehn Minuten lang gesotten) in drei
Portionen. 2) Ist recht gut, whrend des Tages zweimal einen halben Lffel
voll feines l (Salat- oder Provencerl) einzunehmen. 3) Die Kost sei ganz
gewhnlich und einfach mit wenig oder keinem Bier und Wein.

_Nach auen:_ 1) Hier ist der Obergu ganz am Platz. Dehalb tglich
einmal, auch zweimal. 2) Jeden zweiten Tag ein Sitzbad, eine Minute lang.
3) Tglich Wassergehen oder Kniegu. So vier Wochen lang. Die weitern
Anwendungen sind Obergu und Kniegu im Wechsel mit Halbbad, d. h. den
einen Tag Ober- und Kniegu, den andern ein Halbbad, eine halbe Minute
lang; am dritten Tag aber aussetzen.

_Wachholderbeeren und Zinnkraut_ bewirken Zusammenziehung der Blutgefe,
sie reinigen und strken. _Die Obergsse_ krftigen und lsen den Schleim
ab. Die Krftigung am brigen Krper geschieht durch den _Kniegu_; das
_Sitzbad_ wirkt gegen Krampfhusten und strkend auf den Unterleib.

Nach sieben Wochen erfreute sich dieser Kranke seiner vollen Gesundheit und
erklrte sich bereit, in jeder Woche ein oder zwei Halbbder zur Erhaltung
seiner Gesundheit zu nehmen.




Blutbrechen (aus dem Magen).


Ein Bursche, 26 Jahre alt, erzhlt: Ich habe im vorigen Jahre ziemlich
starkes _Blutbrechen_ gehabt und mehr als einen Liter Blut gebrochen; seit
dieser Zeit bin ich nie mehr recht zur Kraft gekommen. Vor 12 Tagen habe
ich in derselben Weise Blut gebrochen, zwar nicht mehr so viel, aber ich
glaube, es kommt nach allen Vorzeichen bald wieder so Etwas.

Ist die Blutung wirklich aus dem Magen, worber kein Zweifel bestehen kann,
so mu dagegen gewirkt werden nach innen und auen. Dehalb: 1) Acht Tage
lang jede Stunde zwei Lffel voll Wermuththee oder auch Mistelthee trinken.
2) Nach diesen acht Tagen jeden Tag eine Tasse solchen Thee's auf Morgen,
Mittag und Abend vertheilt. 3) Eine krftige einfache Nahrung, wenig oder
kein Bier und Wein.

_Von auen:_ 1) In der Woche zweimal einen Ober- und zweimal einen
Unteraufschlger, jeden dreiviertel Stunden lang.

2) In der Woche zwei Halbbder und einmal einen Obergu und einen Kniegu.

Nach sechs Wochen war der Kranke vollstndig geheilt. Um knftigem bel
vorzubeugen, ist es gut, in der Woche eine Tasse solchen Thee's und ein
Halbbad zu nehmen.

_Zinnkrautthee_ wirkt zusammenziehend, reinigend und krftigend. _Ober- und
Unteraufschlger_ wirken strkend auf den Leib; der _Obergu_ und das
_Halbbad_ ebenfalls strkend auf den ganzen Krper.




Blutstauungen.


1.

Eine Hausfrau, 52 Jahre alt, erzhlt: Seit vier Jahren werde ich ganz
auffallend stark. Ich glaube oft mit Grund frchten zu mssen, mich treffe
in Blde ein Schlag. Auch hat der Arzt gesagt, zweimal habe eine Berhrung
von Schlag stattgefunden. Mir steigt von Zeit zu Zeit auf der linken Seite
das Blut so stark in den Kopf, da mir ganz schwindlig wird und ich kaum
mehr wei, was ich thue. Ich habe dann solche Hitze im Kopfe, da mir der
Schwei von der Stirne rinnt. Darauf geht aber alles Blut und alle Hitze
vom Kopf in den Unterleib, und nicht selten schiet es mir in den linken
Fu wie ein Pfeil, und ich bin dann arbeitsunfhig. Dagegen ist mir der
rechte Fu und die ganze Seite immer kalt, und ich kann oft zwei bis drei
Stunden im Bette liegen, ohne erwrmt zu werden. Was ich dagegen gebraucht
habe, hat mir hchstens eine Linderung auf kurze Zeit gebracht, immer blieb
das alte bel. Wenn ich den Schmerz recht im Unterleib habe, habe ich
starken Reiz zum Erbrechen, zum wirklichen Erbrechen kommt es jedoch
selten. Wenn ich nicht bald Hlfe bekomme, bin ich verloren und mchte doch
noch recht gern auf lngere Zeit mein Hauswesen leiten.

_Anwendungen:_ 1) In der Woche zweimal 11/2 bis 2 Stunden lang einen
Wickel von unter den Armen ganz hinunter, das Tuch in warmes Wasser
getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden. 2) Jede Woche 11/2 Stunden
lang zwei kurze Wickel, ebenfalls in warmes Heublumenwasser getaucht. 3)
Jede Woche zwei- bis dreimal den ganzen Krper waschen, am besten Nachts
vom Bette aus und dann gleich wieder ins Bett. An das Wasser den vierten
Theil Essig zu mischen. 4) Tglich eine Tasse Thee trinken von zehn
zerstoenen Wachholderbeeren und Zinnkraut, zehn Minuten lang gesotten.
Derselbe ist in drei Portionen whrend des Tages zu trinken.

Nach drei Wochen erzhlte die Frau: Mir ging es recht gut, mein
aufgetriebener Leib ist ganz zusammengefallen, das Blut stieg mir nie mehr
so in den Kopf; ich habe seit dieser Zeit nur selten Kopfschmerzen gehabt,
und diese waren nicht stark. Meine Fe sind warm, und ich freue mich,
wieder meine Berufsarbeiten verrichten zu knnen. Nun die Frage: Wo hat es
hier gefehlt? Antwort: Vor Allem am geregelten Blutlauf. Weil die rechte
Seite kalt war, ist auf Blutlaufstrung zu schlieen und auf Anstauungen im
Unterleib. Daher Schmerzen bald im Kopf, bald im Unterleib u. s. w. Die
Anwendungen wirkten wie folgt: Die Wickel lsten die Anstauungen im
Unterleib auf und verschafften dem Blute geregelten Gang. Die Waschungen
belebten und krftigten die ganze Natur, der Thee reinigte den Magen und
die Nieren, und was sich dort Verlegenes und Ungesundes aufhielt, wurde
entfernt. Um die Natur in dieser Ordnung zu erhalten, ist nothwendig, in
der Woche zwei Halbbder, einen Obergu und Kniegu und zweimal eine Tasse
genannten Thee's zu nehmen.


2.

Ein Mdchen von 38 Jahren suchte Hlfe fr folgende Leiden. Von Zeit zu
Zeit, so sagte es, wird mir ein Fu ganz unempfindlich und kraftlos, ich
bekomme dann oberhalb des Kniees eine ziemlich groe Geschwulst, die bald
kleiner, bald grer wird. Im Halse bekomme ich fters ein Geschwr, das
gewhnlich aufbricht. Gerade so kommt mir zeitweilig Blut aus der Nase ohne
jegliche Veranlassung. Dann werde ich seit einigen Monaten auffallend
stark. Ich habe einen schweren Athem und fhle mich meistens recht
kraftlos. Was soll ich thun?

_Anwendungen:_ 1) Jeden Tag einen Obergu und Schenkelgu. 2) Jeden zweiten
Tag einen kurzen Wickel zu nehmen. So 12 Tage lang. Darnach in der Woche
drei Halbbder und zwei Obergsse. Diese Anwendungen, vier Wochen
gebraucht, machten die Unglckliche gesund. Willst du, lieber Leser,
erfahren, wie hier die Anwendungen wirkten, so wisse: Hier waren
Blutanstauungen vorhanden. Die Geschwulst oberhalb des Kniees enthielt eine
solche Blutstauung, und es war viel Blut durch Erweiterung der Adern dort
vorhanden. Das zeitweilige Geschwr und das Nasenbluten kamen gleichfalls
von Blutstauung her. Das Blut mute somit besser in Gang gebracht werden.
Die Wickel lsten auf, die Gieungen brachten das Blut in Gang und strkten
die Gefe, wie auch die ganze Natur, hinderten zugleich durch Krftigung,
da sich neue Blutstauungen bilden konnten.


3.

Vor acht Monaten, so erzhlte Jemand, befiel mich ein heftiger, mit
starkem Fieber verbundener Gelenkrheumatismus, der ein Glied nach dem
andern ergriff. Zu dessen Heilung wurde viel Salicylpulver von den rzten
angewendet. Auf diese Anwendungen bekam ich hufig starken Schwei. Nach
einigen Wochen trat eine Entzndung der groen Venen des rechten Beines ein
mit Blutandrang nach den Lungen, welche Erscheinungen vom Arzte als uerst
gefhrlich bezeichnet wurden. Bei Beobachtung uerster Ruhe und hoher Lage
des Beines wurde das dickangeschwollene Bein nach drei bis vier Wochen
allmlig etwas dnner, und es begann, wie der Arzt sagte, das Blut sich
wieder zu vertheilen. Nach Monaten konnte ich wieder mittelst eines Stockes
mhsam gehen; weil aber eine weitere Besserung nicht mehr eingetreten,
mchte ich Hlfe beim Wasser suchen.

Die Anwendungen waren folgende: Jeden Morgen ein Schenkel- und Obergu,
jeden Nachmittag ein Rckengu, am Abend Kniegu; so eine Woche lang. In
der zweiten Woche jeden Morgen ein Obergu und Wassergehen, jeden
Nachmittag ein Halbbad. Jeden zweiten Tag statt Obergu in der Frhe ein
Rckengu. Nachdem so 14 Tage fortgemacht war, hatte sich aller
Rheumatismus verloren, die Geschwulst ebenfalls, und der ganze Krper war
im besten Zustand.

Hier waren nach dem Rheumatismus mehrere Blutanstauungen geblieben, die
sich da und dort gebildet hatten und einen Schmerz verursachten, wie wenn
einer den Hexenschu bekommt. Die genannten Anwendungen zusammen hoben
smmtliche Blutanstauungen, indem sie theils auf einzelne Theile des
Krpers, theils auf den ganzen Krper einwirkten. Die Obergsse hoben die
Anstauungen auf den Schultern und in den Armen, die Schenkelgsse die in
den Beinen, der Rckengu und das Halbbad hoben die Stauungen im ganzen
Krper und krftigten denselben.


4.

Ein Herr, circa 48 Jahre alt, hatte oft Kopfschmerzen, so da er glaubte,
er werde wahnsinnig. Alle rzte hielten es fr Blutandrang zum Kopf. Weil
er keine Hlfe weder durch Medikamente noch Bder gefunden hatte, suchte er
Hlfe durch Wasser. Bei den ersten Anwendungen zeigte sich alsbald, da
eine Seite lange nicht dieselbe Wrme hatte, wie die andere, auch nicht die
gleiche Kraft wie die andere, und es stellte sich dann wirklich heraus, da
Blutanstauungen vorhanden waren und das Blut nicht gleichmig in alle
Theile des Krpers dringen konnte.

Wer mchte aber diese Anstauungen immer finden? Sie knnen auf den
Schultern sein, im Unterleib, in den Gelenken. Man knnte vielleicht sagen:
man mu auf's gerathewohl hin einwirken. Das mgen Andere sagen; der
Hydropath sagt: Ich treibe alle Lumpen aus dem Krper, seien sie, wo sie
wollen. Das vermag eben das Wasser, wie es sich auch an diesem Kranken
bewiesen hat.

1) Tglich bekam der Kranke zwei krftige Obergsse, ebenso zwei krftige
Schenkelgsse; so vier Tage lang.

2) Dann jeden Tag einen Rckengu und ein Halbbad.

Nach 14 Tagen war der gestrte Puls in Ordnung gebracht, das Kopfweh
beseitigt, alle Unbehaglichkeit entfernt.


5.

Ein Frulein hatte besondere Freude am Tanzen und auch die Gelegenheit dazu
fleiig bentzt; sie hatte sich auch ziemlich nach der Mode gekleidet und
ihren Leib stark geschnrt. Die Strafe blieb nicht aus. Sie bekam solchen
Blutandrang in den Kopf, da sie die grlichsten Schmerzen litt; die Fe
waren meistens kalt; sie wurde dabei so blutleer, da die kleinste
Beschftigung fr sie zu lstig war. Es ist unbegreiflich, wie man eine
Lustbarkeit so eifrig ben mag, da die Gesundheit dabei zu Grunde geht.
Viele Tausende werden an ihrem Sterbetag inne geworden sein, da vom
Schpfer fr sie noch eine Reihe von Jahren bestimmt war. Die Leidenschaft
aber hatte sie verblendet. Es ist fast unglaublich, wie man Lust zur
Schnrsucht bekommen kann, wenn man an die vielen Todesflle denkt, die in
Folge davon bekannt geworden sind. Und wenn auch nicht immer Todesflle
dehalb eintreten, so verkmmert sie doch den menschlichen Krper. Was man
eben gar nicht bedenkt, ist, da das Blut gar oft den natrlichen Gang
nicht mehr einhalten kann, und dehalb durch die Blutstauungen viele
Gebrechen eintreten knnen.

Kehren wir zu dieser unglcklichen Person zurck. Sie wurde geheilt 1)
durch die Entfernung der Schnrgurten, 2) durch Anwendung des Wassers, und
zwar Obergu und Kniegu den einen Tag, den andern Tag Halbbad. Wie die
einen Anwendungen belebend einwirken und die Natur in Thtigkeit bringen,
so strken die Bder die ganze Natur.


6.

Ein Herr von Stand hatte Jahre hindurch am linken Oberschenkel von Zeit zu
Zeit Schmerzen, die nicht besonders lstig waren; da aber der linke Fu
nicht recht war, merkte er gut. Man glaubte, es sei Rheumatismus und hatte
noch mehrere Ursachen angegeben, woher dieses Leiden kommen knne. Der Herr
war ziemlich korpulent, im brigen hatte er in seinem Leben nie eine
Medizin eingenommen. Er zhlte 60 Jahre und konnte mit Leichtigkeit seinen
Berufspflichten nachkommen. Eines Tages, kurz nachdem er sein
Berufsgeschft vollendet, traf ihn ein Schlaganfall mit Lhmung der einen
Krperhlfte; er erholte sich inde wieder vollstndig. Mit diesem
Schlaganfall verschwand auch das kleinste Unbehagen in dem leidenden Fu,
und dadurch war auch der klarste Beweis gegeben, da in demselben nichts
Anderes als eine _Blutstauung_ war. Nachdem der Schlag geheilt und durch
die Kur das Blut in den rechten Gang geleitet war, hat sich auch das
Fubel nicht mehr eingestellt.

Wenn solche Flle fter vorkommen, so soll man so ein allerdings leicht
ertrgliches Unbehagen ja nicht gleichgltig hinnehmen. Denn Blutstauungen
knnen die belsten Folgen haben. Es kam mir noch ein zweiter Fall vor, wie
der beschriebene.

Der betreffende Herr wurde mit folgenden Anwendungen geheilt:

1) Jede Nacht, oder wenigstens jede zweite Nacht vom Bett ganz waschen,
damit eine gleiche Wrme im ganzen Krper erzielt, der Blutlauf angeregt
und der Schlaffheit vorgebeugt werde.

2) In der Woche zwei Halbbder; durch diese wurde der ganze Krper gestrkt
und abgehrtet, und so war das bel in kurzer Zeit gehoben.


7.

Ein Mdchen, 23 Jahre alt, ist durch starken Regen durchnt worden und kam
in einen groen Frost. Es mute einige Wochen im Bette zubringen und bekam
heftigen Blutandrang in den Kopf, dadurch bestndige Kopfschmerzen, so da
es oft fast besinnungslos wurde. Immer hatte es kalte Fe, keinen Appetit
und Schmerzen im Unterleib oder auf der Brust. Die weitere Folge war, da
Gemthsleiden eintrat und Kleinmuth und Verzagtheit statt Heiterkeit und
Frhlichkeit. Es suchte mehrfach rztliche Hlfe, aber gnzlich ohne
Erfolg.

Folgende Anwendungen wurden gemacht: 1) Tglich eine Tasse Thee von
Johanniskraut in drei Portionen. 2) Jeden Abend ein warmes Fubad mit Asche
und Salz. 3) Jede Nacht vom Bett aus ganz waschen und ohne abzutrocknen
wieder ins Bett. So 14 Tage lang. Dann jeden Tag einen Kniegu, jeden
zweiten Tag einen Obergu, jeden dritten Tag eine Tasse Thee von Schafgarbe
und etwas Wermuth. So drei Wochen lang. Nach fnf Wochen war das Mdchen
gesund. Das Kopfweh war verschwunden, der Blutlauf wieder in Ordnung, die
Unterleibsschmerzen waren weg. Das Mdchen fhlte wieder eine heitere
Stimmung.

_Wirkungen:_ Die Fubder leiteten das Blut vom Kopf abwrts und brachten
dadurch den Fen Wrme. Die Waschungen brachten das Blut in geregelten
Umlauf. Der Thee von Johanniskraut regelte aufs Beste die Strungen im
Blutlauf. Der Kniegu und Obergu krftigten wie die Natur, so auch den
Blutlauf. Die Ganzwaschungen brachten gleichmige Wrme und Krftigung.
Der Thee von Schafgarbe und Wermuth bewirkte gute Verdauung und
Verbesserung der Sfte.


8.

Vor sechs Jahren, so erzhlt Jemand, habe ich durch einen Sturz einen
Fall erlitten; so da man glaubte, ich sei verloren. Seit dieser Zeit habe
ich auf einer Seite ganz wenig Kraft, oft will mich mein Fu gar nicht
tragen. Ich merke, da die Schwche immer mehr die ganze Seite einnimmt. Es
bleibt mir an dieser Seite der Fu oft die ganze Nacht kalt. -- Der
Unglcksfall hat hier sicher eine starke Strung im Blutlauf bewirkt, die
gehoben werden mu. Der Kranke mu dazu:

1) Jede Nacht vom Bett aus sich ganz waschen, aber nur vier Tage lang, dann
jeden dritten Tag. Die bewirkt Anregung des Blutlaufes, Vermehrung der
Wrme und Krftigung.

2) Die ersten vier Tage ein Obergu und Schenkelgu; Die wirkt strkend
und erzeugt eine krftigere Vertheilung des Blutes.

Nach acht Tagen

3) Jeden Tag ein Rckengu und Halbbad. Diese bewirken die strkste
Vertheilung des Blutes und krftigen den Krper.

Nach vier Wochen hatte der Krper eine allgemeine gleiche Wrme, mithin war
der Blutlauf in Ordnung. Die schwache Seite war um Vieles gekrftigt. Um
die volle Kraft und Vermehrung des Blutes zu erlangen, reichten in der
Woche zwei Obergsse und Schenkelgsse und ein- bis zweimal ein Halbbad
aus. Dazu war nothwendig gesunde krftige Kost.




Blutvergiftung.


Wer das gesundeste Blut hat, hat auch die besten Aussichten, gesund zu
bleiben und das Leben lang zu fristen. Je krankhafter das Blut wird, um so
gebrechlicher wird auch der Krper, und um so mehr werden sich dann
schadhafte Stellen bilden. Herrscht heutzutage allgemein Klage ber groe
Blutarmuth, so wird ebenso hufig auch geklagt ber Blutvergiftung, die
viele Menschenleben dahinrafft. Es ist sonderbar, da die Blutvergiftung
vor 40 bis 50 Jahren so selten vorkam, dagegen heutzutage so oft. An der
Lebensweise fehlt es unstreitig. Besonders gebe ich eine groe Schuld der
Kleidung, die im Vergleich zu frher groentheils verndert ist; gerade so
auch den kraftlosen Nhrmitteln, die einst viel besser waren, wie
beschrieben ist im Kapitel von der Nahrung. Manche Leute erschrecken schon,
wenn sie einen kleinen Schnitt am Finger bekommen, weil so viele Flle
vorkommen, in denen eine kleine Verletzung den Tod gebracht. Das beste
Mittel gegen Blutvergiftung ist sicher eine recht vernnftige Lebensweise,
eine einfache, gute, nahrhafte Kost und einfache, gesunde Kleidung; ferner
da man, wie man tglich Gesicht und Hnde wscht, so in der Woche ein oder
zwei Halbbder nimmt. Sicher wrde dann das Blut viel besser werden und die
Vergiftung nicht so zu frchten sein. Ist aber wirklich Gefahr vorhanden,
so soll schleunigst Hlfe gebracht werden.


1.

Ein Mdchen, 19 Jahre alt, bekam oberhalb an der Hand hinter den Fingern
eine Geschwulst. Es glaubte nur ein kleines Geschwr zu bekommen, durch das
sich krankhafte Stoffe ausscheiden. Diese Geschwulst dauerte mehrere Tage,
reifte nicht zum Aufbrechen und fing an, blau und schwarz zu werden. Der
Appetit verschwand, der Schmerz verbreitete sich nicht blo ber die ganze
Hand, sondern auch ber den ganzen Oberkrper. Der Arzt erklrte, es sei
Blutvergiftung, und es werde schwer Hlfe zu bringen sein.

Auf folgende Weise wurde Hilfe gebracht: Es wurden erstens Heublumen
angeschwellt und die Hand in dieselben eingewickelt, so warm, als es die
Hand ertragen konnte. So wurde acht Stunden fortgemacht, aber nach je zwei
Stunden wurden die Wickel erneuert. Nach zwei Stunden hatte der grte
Schmerz nachgelassen. Nach sechs Stunden war am ganzen Arm der Schmerz
verschwunden und die Gefahr beseitigt.

Zur weiteren Ausheilung hatte das Mdchen zwei Tage lang jeden Tag zweimal
ein Hemd angezogen, in heies Salzwasser getaucht, und sich dann in eine
Decke eingewickelt.


2.

Ein Bauer bekam whrend der Arbeit, er wute nicht wie, einen kleinen
Splitter in den Finger. Weil es ihm nicht besonders weh gethan, hatte es
ihn nicht weiter bekmmert. Nach vier Tagen fing die ganze Hand zu
schwellen an, verursachte fast unausstehliche Schmerzen, und die ziemlich
groe Geschwulst fing an ganz blau zu werden. Da, wo der Schmerz begonnen,
wurde geffnet, und es wurde nur ein ganz kleiner Holzsplitter gefunden.
Das Blut war ganz schwarz und dick, und es war kein Zweifel, da
Blutvergiftung eingetreten.

Der Arm wurde schleunigst in heie Heublumen eingewickelt und die Hand in
warmes Heublumenwasser gesteckt, so hei als es der Kranke ertragen konnte.
In zwei Stunden lie der Schmerz nach. Nach sechs Stunden brach die
Geschwulst zusammen. Zwei Tage hindurch wurde der Arm zwei Stunden lang in
warme Heublumen gewickelt und so die Blutvergiftung gehoben.


3.

Ein Knabe mit 10 Jahren, der meistens leidend war und ein krankes, blasses
Aussehen hatte, scherzte etwas unzart mit einer Katze. Diese verwundete ihn
mit einer Kralle. Der Knabe machte sich nichts daraus. Nach zwei Tagen
schwoll die Hand, besonders der Finger gewaltig auf. Die Hand wurde blau,
der Finger schwarz. Jetzt wute man, da es Blutvergiftung sei.

Dem Knaben wurde schnell ein Hemd angezogen, in Heublumenabsud getaucht,
und die Hand sechs Stunden lang in Heublumen gewickelt, was nach je zwei
Stunden erneuert wurde. Die blaue Farbe verschwand; die Hand wurde roth,
und nach und nach auch der Finger wieder gesund. Der Knabe wurde 14 Tage
lang tglich zweimal mit Wasser und Essig kalt gewaschen, bekam guten
Appetit, gutes Aussehen, und somit war die Natur wie das Blut von dem
ungesunden Stoff gereinigt. Der Knabe lebte frisch auf. Wrden so schlecht
aussehende Kinder mit ihrer Todtenfarbe durch Hemde und Waschungen
behandelt, so wrden viele Kinder von ihrem Elend befreit werden.




Blutverlust, Folgen desselben.


1.

Ein Hausvater, 32 Jahre alt, erzhlt: Vor 15 Jahren fiel mir ein groes
Messer auf den rechten Fu neben den Knchel. Ich erlitt eine solche
Verblutung, da ich uerst schwach wurde und mehrere Wochen im Bett liegen
mute. Seit dieser Zeit bin ich nie mehr gesund. Die ganze Seite ist
geschwcht und hat nur wenig und keine ausdauernde Kraft. Das rgste ist
das Kopfweh auf der rechten Seite. Gewhnlich ist mein Kopf glhend hei.
Die Schmerzen im Rckgrat sind hufig so arg, da ich unfhig zum Arbeiten
bin. Der ganze Fu ist im Sommer und Winter kalt, nur selten auf kurze Zeit
etwas erwrmt. Wenn ich nicht besser werde, bleibe ich unbrauchbar fr
jeden Beruf.

Wie mu dieser Fall aufgefat werden? Da dieser Mann auf einmal zu viel
Blut verloren hat, so sind sicher die Adern zusammengefallen und, weil sie
keine Nachhilfe bekommen haben, eingeschrumpft. Da in Folge dessen die neue
Blutbildung zu schwach war, so wurde seine rechte Seite zu wenig genhrt;
daher die Schwche und Klte. Der Schmerz im Kopf kommt theils vom Mangel
an Blut im ganzen Krper, theils aus berflle des Blutes im Kopfe, weil
zeitweilig bei Blutarmen alles Blut dem Kopfe zustrmt.

Wie kann hier geholfen werden? Durch Herstellung richtiger Naturwrme,
ferner durch gute Kost zur Blutbildung, endlich durch allgemeine
Krftigung, damit die schwchere Seite der anderen gleichkomme und durch
richtige Circulation des Blutes auch allgemeine Kraft erzielt werde.

Folgende _Anwendungen_ bewirken Die:

1) Tglich zweimal Obergu und zweimal Kniegu.

2) Den einen Tag ein Rckengu, den anderen Tag ein Halbbad, zudem fleiig
Barfugehen im Freien und auf nassen Steinen. _Nach innen:_ Wermuth- und
Wachholderbeerthee tglich eine Tasse trinken.

_Die Wirkung:_ Mit jedem Tag vermehrte sich eine allgemeine Naturwrme am
ganzen Krper, und die Klte schwand. Am fnften Tag bekam er, wie er
behauptete, nach vielen Monaten wieder am rechten Fu ein warmes Knie. Nach
sieben Tagen war eine gleiche Blutcirculation hergestellt, auch eine
gleiche Wrme, und ein auerordentlicher Appetit; der Kopfschmerz war
beseitigt, und guter Humor trat ein. Die weiteren _Anwendungen_: In der
Woche drei Halbbder und drei Obergsse, und von Zeit zu Zeit Barfugehen.


2.

Drei Jahre hindurch, erzhlte eine Frau, bin ich nie mehr gesund. Ich
habe einmal einen recht starken Blutverlust erlitten. In der Brust habe ich
oft eine solche Hitze und so arges Drcken, da ich meine, sie zerspringe
mir. Dann dringt mir oft das Blut stark in den Kopf und verursacht arge
Kopfschmerzen. Wenn Dieses kommt, habe ich eiskalte Fe, auch fhle ich
dann eine groe Klte im Unterleib.

Hier ist Blutarmuth fr den einen Theil deutlich dargestellt, ebenso
Ansammlung des Blutes auf der Brust und im Kopfe. Die besten _Anwendungen_
sind:

1) Jeden zweiten Tag ein vierfaches Tuch in Wasser und 1/3 Essig getaucht,
ganz warm auf den Unterleib binden, vier Tage lang; Die leitet das Blut
durch Bildung erhhter Wrme in den Unterleib.

2) Den einen Tag ein Halbbad, den anderen Tag einen Ober- und Kniegu. Das
Halbbad wirkt strkend und erwrmend; dasselbe bewirken Ober- und Kniegu.

3) _Nach innen:_ Tglich eine Tasse Thee von Schafgarbe, Salbei und Wermuth
in drei Portionen; wirkt auf gute Verdauung, gesundes Blut und frische
Sfte. In fnf Wochen war die Kranke gesund.




Brustfellentzndung, Folgen derselben.


Eine Hausmutter klagt: Vor einem Jahr habe ich Brustfellentzndung gehabt,
dazu kam noch Bauchfellentzndung. Ich bin jetzt nur noch zu leichteren
Arbeiten fhig und nie ohne Brust- und Leibschmerzen. Mein Krper ist
meistens aufgedunsen; zeitweilig habe ich starkes Abweichen, dann kommt
wieder Verstopfung; ich habe schon viel gebraucht, aber ohne Erfolg.

Hier ist sicher groe Schwche noch von der Krankheit her vorhanden. Die
Natur ist vom Krankheitsstoff nicht gereinigt; dehalb sind einzelne Theile
im Krper verkmmert, und wirkliche Gesundheit wird nur eintreten, wenn
alles Schadhafte entfernt und die Natur wieder gekrftigt ist, die
geschieht durch folgende _Anwendungen_:

1) In der Woche zwei kurze Wickel, das Tuch in Wasser getaucht, in welchem
Haberstroh gesotten wurde.

2) In der Woche zweimal Ober- und Unteraufschlger ganz kalt, 3/4 Stunden
lang.

3) In der Woche zweimal einen Obergu.

4) Jeden Tag einen Kniegu oder Wassergehen. So 12 Tage lang. Dann:

1) Jeden zweiten Tag ein Halbbad.

2) In der Woche dreimal Obergu und Schenkelgu.

_Nach innen:_ 1) Tglich eine Tasse Thee von Schafgarbe, Johanniskraut und
etwas Wermuth, in drei Portionen getrunken.

2) Tglich sechs bis acht Wachholderbeeren essen.

3) Morgens und Abends eine Kraftsuppe, im brigen krftige, einfache Kost.
Nach sechs Wochen war diese Person vollstndig hergestellt.

Die Wirkung der _Anwendungen_ ist folgende:

Der _kurze Wickel_ lst die Krankheitsstoffe auf und saugt sie aus. _Ober-
und Unteraufschlger_ wirken auflsend und strkend. Dasselbe bewirkt
_Obergu und Kniegu_ am obern und untern Krper; _Schafgarbe und
Johanniskraut_ wirken auf Regelung des Blutlaufes und Verbesserung der
Sfte; _Wermuth_ dient dem Magen. _Wachholderbeeren_ verbessern den Magen,
strken und leiten die Gase aus und wirken besonders gnstig auf die
Nieren.




Brustleiden.


Ich habe, klagt ein Patient, drei Jahre hindurch ein schweres
Brustleiden, recht oft Athemnoth, besonders in der Nacht. Der Stuhlgang ist
sehr hart, und ich fhle mich oft recht bel. Hufig stt mir Luft aus dem
Magen auf. Dann wird es etwas leichter.

_Anwendungen:_ 1) Jeden Morgen einen Schenkelgu, zwei Stunden spter einen
Obergu, Nachmittags 2 Uhr Rckengu, Abends 5 Uhr Wassergehen. 2) Tglich
eine Tasse Thee trinken von Schafgarbe, Johanniskraut und Zinnkraut. In
drei Wochen war der Kranke durch diese Anwendungen gesund.

Der Hauptsitz der Krankheit lag im Unterleib. Von da drangen die Blhungen
nach oben und bten einen Druck auf die Organe im Oberkrper. Obergu und
Kniegu wirkten strkend auf den Krper, der Rckengu wirkte krftig auf
den Leib und leitete die Gase ab. Das Wassergehen wirkte ebenfalls
strkend, besonders auf die Nieren. Der Thee wirkte im Inneren reinigend,
besonders auf die Nieren.




Emphysem.


Ein Herr, 57 Jahre alt, klagt: Ich leide an schwerem Athem, manchmal ist
das Athmen so beschwerlich, da ich gar nicht mehr gehen kann. Wenn es noch
ein halbes Jahr so fortgeht, kann ich es nicht mehr aushalten. Ich bin wohl
ziemlich korpulent, aber doch nicht auffallend. Meine Beschftigung bringt
vieles Schreiben mit sich. Die _Anwendungen_ sind folgende:

1) Tglich zweimal einen Obergu.

2) Jeden Tag einen Kniegu und einen Schenkelgu.

3) Jeden zweiten Tag ein Sitzbad statt des Kniegusses.

4) Tglich zweimal, jedesmal 50 Tropfen von Wachholderbeer-, Hagebutten-
und Wermuth-Ansatz unter einander gemischt, in 12 bis 15 Lffeln voll
Wasser trinken, innerhalb einer halben Stunde. Vier Wochen lang wurde so
angewendet, und der Kranke war gesund.

Die Lunge war stark verschleimt. Im Unterleibe waren viele Gase,
Unthtigkeit und Schwche. Durch die Gieungen wurde die Schlaffheit
beseitigt, grere Thtigkeit bewirkt, Schleim abgelst und ausgeschieden.
Die Sitzbder wirkten strkend auf den Unterleib und leiteten die Gase aus.
Die Tropfen wirkten reinigend, leiteten die Gase ab und verbesserten die
Verdauung. Weiter war nichts mehr nothwendig, als zeitweilig ein Obergu
und Kniegu, ein Sitzbad und Halbbad, ungefhr jeden zweiten oder dritten
Tag eine dieser Anwendungen.




Entzndungen, ungeheilte.


Die Angabe eines Kranken lautet: Vor sieben Monaten trat Nierenaffektion
und Lungenentzndung auf der rechten Seite ein. Nach lngerer Zeit ging es
mit den bezeichneten beln besser. Wo die Lungenentzndung begonnen hatte,
blieb inde ein groer Schmerz, der manchmal auch geringer wurde, aber nie
lange ausblieb. Zu diesem Schmerz kamen noch eine groe Ermdung und neue
Schmerzen im Kreuz, fters auch ein vorbergehendes Frsteln. Es entstanden
auch auf dem Rcken und im Kreuz einige kleine Geschwre, durch die es mir
aber nicht leichter wurde, und so bin ich fr meinen Beruf unfhig.

_Anwendungen:_ 1) Jede Nacht den ganzen Krper waschen und ohne
abzutrocknen wieder ins Bett. Jeden Morgen einen Schenkelgu, jeden
Nachmittag einen Rckengu. Tglich einmal Wassergehen. So 14 Tage lang.
Darauf tglich ein Halbbad und einen Obergu, jeden zweiten Tag noch
auerdem einen Rckengu. Diese verschiedenen Anwendungen wurden vier
Wochen hindurch gebraucht und der Kranke hatte guten Appetit, guten Schlaf,
war heiter, und die Krfte waren wieder hergestellt. Alle Schmerzen waren
beseitigt.

Wo hat es hier gefehlt? Wo es schmerzte, waren die kranken Stoffe nicht
ausgeschieden, und in diesem Schwche-Zustande bildeten sich auch
Blutanstauungen. Den Beweis gibt das fieberhafte Frsteln des Krpers. Die
Anwendungen wirkten auf folgende Weise. Die Nachtwaschungen vermehrten die
Naturwrme und befrderten die Transspiration. Die Aufgieungen leiteten
die krankhaften Stoffe aus dem oberen Krper und den Nieren aus. Die
Halbbder strkten die ganze Natur.




Epilepsie.


1.

Es gibt eine frchterliche Krankheit, die den Menschen recht unglcklich
macht, Fallsucht oder Epilepsie genannt. Hat diese Krankheit einmal sich
vollstndig ausgebildet, so scheitert jedes Heilmittel. Es kommt aber recht
oft vor, besonders unter jungen Leuten, da hnliche krankhafte Zustnde
glauben machen, es sei hier die Fallsucht. In solchen Fllen ist meistens
Hlfe mglich, manchmal sogar ziemlich rasch, mitunter aber geht es recht
langsam.

Eine Beamtenfamilie bringt einen Knaben, der zwei Jahre hindurch, Anfangs
nach lngeren Fristen, spter in einem Tag oft sechs-, acht- und zehnmal
einen Anfall bekam; er fing gewhnlich mit einem Schrei an, und wie im Flug
war er von den Krmpfen erfat. Der Anfall dauerte 2 bis 10 und mehr
Minuten. Zur Heilung wurde Folgendes gethan:

1) Weil Frhlingszeit war, ging der Knabe meistentheils barfu.

2) Wurde er jeden Tag mit Wasser und Essig gewaschen.

3) Nach einigen Tagen ging der Junge tglich drei- bis viermal im Wasser
bis ber die Waden, 3 bis 5 Minuten lang. Die Waschungen wurden
fortgesetzt.

4) Nach 3 Wochen bekam er Halbbder, machte Fupartieen, und weil viel
Leben eingetreten, so trieb der Junge, wie den jungen Leuten zusteht, eine
ordentliche Gymnastik. Die Anflle wurden immer schwcher und krzer und
hrten zuletzt ganz auf.

Unstreitig sind konomische Arbeiten fr solche Kinder das Beste, weil
dadurch der ganze Krper gekrftigt und abgehrtet wird. Vor Allem aber
sollten solche Leute recht einfache Kost bekommen, wie sie die Landleute
haben, und weder Bier noch Wein trinken. Kaffee liee ich solchen auch
nicht geben, dafr die einfache Kost unserer Vorfahren: Brennsuppe oder
Brodsuppe, oder die im Buche bezeichnete Kraftsuppe.


2.

Ein Mdchen, 13 Jahre alt, hatte Anflle hnlich der Epilepsie, regelmig
nur in der Nacht. Das Kind wird dann ganz starr, stt unartikulirte Laute
aus, ist ganz bewutlos; nach 3 bis 5 Minuten verliert sich das Ganze
wieder. Es knnen einige Tage vorbergehen, bis ein Anfall kommt; oft aber
kommen zwei bis vier Anflle in einer Nacht. Seit diesen Anfllen hat das
Kind den rechten Humor nicht mehr, sondern eine traurige, dstere Stimmung,
und die Kraft ist dem Alter nicht entsprechend. Das Kind bekommt tglich
zweimal Kaffee. Es hat wenig Appetit, mag insbesondere keine krftige Kost,
besonders keine Milch, dagegen liebt es Braunbier. Hnde und Fe sind
meistens kalt. Dieses Kind ist weder recht genhrt, noch gesund und bedarf
einer grndlichen Kur; diese besteht 1) in guter Nahrung, 2) in Krftigung
des Krpers und 3) in Vermehrung der Naturwrme.

Dazu verhelfen folgende _Anwendungen_:

1) Tglich fleiig barfugehen, um den ganzen Krper abzuhrten.

2) Tglich zweimal bei warmer Temperatur im Wasser gehen.

3) Jede Nacht oder in der Frhe beim Aufstehen den ganzen Krper waschen
mit Wasser und Essig, damit die Kraft vermehrt und gleiche Wrme und
Transspiration erzielt werde.

4) Jeden Tag, wenn die Witterung warm, ein Halbbad; ist die Witterung khl,
jeden zweiten Tag ein Halbbad.

Der Kaffee mu vermieden werden, dafr jeden Morgen und Abend Kraftsuppe.
Weder Bier noch Wein darf das Kind genieen; dafr krftige einfache
Hausmannskost. -- Recht bald hatte das Kind das Barfugehen liebgewonnen
und fhlte Erleichterung im Kopf. Die Waschungen brachten ihm neues Leben
und viel Wrme. Am liebsten nahm es das Halbbad, weil es Strkung fhlte.
Die ungewohnte Kost war bald gewhnt, es trat groer Hunger ein, und dem
Hunger ist gut kochen. In sechs Wochen hatte es sich herausgestellt, da
das Kind eine verkehrte Lebensweise gefhrt hatte; aber Anwendung des
Wassers und geeignete Kost hatten es vollstndig hergestellt.

Wenn doch nur die Jugend an eine recht einfache und nahrhafte Kost gewhnt
wrde! Ich mchte bei diesem Beispiel jedem Vater und jeder Mutter zurufen:
Nhret doch eure Kinder mit guter Kost und haltet fern Alles, was die
Kinder verweichlicht!


3.

Ein Bauernsohn, 26 Jahre alt, erzhlt: Seit einem Jahr habe ich, wie
andere Leute sagen, fters Anflle, so da ich besinnungslos dastehe, zu
zittern anfange, ganz bewutlos bin und dann in 1/2 bis 1 Minute wieder
zurecht komme. Manchmal, aber nicht oft, sinke ich auch auf den Boden. Dann
soll es 4 bis 5 Minuten andauern, bis ich wieder ganz recht bin. Ich war
schon bei drei rzten. Einer hat mir Laxir verordnet, ein anderer
Mineralwasser und ein dritter Etwas zum Einnehmen gegeben. Es ist aber doch
Alles ganz gleich geblieben. Meine Kraft hat abgenommen, und ich bin von
Zeit zu Zeit schwermthig. Frher hat mich Alles gefreut, jetzt ist mir oft
Alles verleidet. Gibt's fr mich noch eine Hlfe? Ich trage auch wollene
Kleider, die mir der Arzt angerathen; aber anstatt mich warm zu fhlen,
fhle ich mich immer kalt.

Hier hat wieder die Verweichlichung ihr Unwesen getrieben, und der Krper
ist nicht genhrt, wie er es sein sollte. Dehalb ist auch die gehrige
Kraft nicht vorhanden, und da lt sich nimmer gut leben. Somit ist eine
grndliche Kur nthig.

1) Tglich fter, weil Sommerszeit, barfugehen im Freien, je lnger desto
besser.

2) Tglich einen Obergu und Schenkelgu.

3) Tglich ein Halbbad.

4) Morgens und Abends Kraftsuppe und recht krftige Kost; geistige Getrnke
sind zu meiden.

Arbeit entsprechend der Naturkraft. In sechs Wochen erklrte der Geheilte:
Jetzt lebe ich wieder und freue mich meines Daseins. Mein Beruf ist mir
nicht mehr lstig, nachdem ich meinem Elend entkommen bin. Wie verkehrt
bleibt doch der Mensch! Wenn doch eine solche Sprache die Jugend
rechtzeitig hren und auffassen wrde!




Fettsucht.


Ein Herr, 54 Jahre alt, ein halber Riese, ist ungewhnlich stark, recht gut
gebaut und jammert: Ich wei fast nicht mehr zu athmen, eine Treppe kann
ich kaum besteigen, Appetit htte ich, wenn ich aber esse, wird der Athem
noch schwerer. Die Fe sind stark geschwollen und sind mir bleischwer. Die
rzte sagen, ich htte hochgradige Herzverfettung. Was man mir eingegeben
und die vorgeschriebene Dit hat mir nichts geholfen. Wenn mir keine andere
Hlfe gebracht wird, bin ich nahe beim Gottesacker. Was ist hier zu thun?

Die ganze Natur in ihrem schwammigen und schlaffen Zustand ist zuerst zu
krftigen und dann zusammenzuziehen, damit alle berflssige Korpulenz
beseitigt, die innern Organe des Krpers mehr geschmeidig gemacht und in
eine gnstige und bequeme Lage gebracht werden.

Wie geschieht Dieses?

Zuerst mu

1) der Oberkrper in Angriff genommen, beim untern Theil des Krpers
schwcher eingewirkt werden, bis der ganze Krper an Kraft gewonnen hat.

2) Am besten wre wohl der Obergu, und zwar durch sechs Tage steigernd
anzuwenden. Doch der Kranke kann sich nicht bcken. Dafr wird tglich
zweimal der Oberkrper blo gewaschen, da die Hautporen geffnet werden,
um die Transspiration zu vermehren. Es wird dann fortgefahren mit den
Rckengssen, und der Kranke erhlt eine Woche lang tglich zwei
Rckengsse, gesteigert von vier bis acht Kannen voll Wasser.

3) Tglich werden zwei Schenkelgsse vorgenommen, um die untern Theile des
Krpers zu krftigen.

In der dritten Woche kam den ersten Tag ein Halbbad, den andern ein
Rckengu und dann jeden Tag ein kurzer Wickel von 11/2 Stunden zur
Anwendung.

Wie das Halbbad und der Rckengu strkend wirkten, so bewirkte der kurze
Wickel in Bezug auf die innern Organe, da alles berflssig Angehufte
ausgeleitet wurde, theils durch Auflsen und Aufsaugen, theils durch Urin
und Stuhlgang.

Nach innen wurden Mittel gebraucht zur Ausleitung der schlechten Stoffe und
zur Verbesserung der Verdauung. Anfangs Wermuth-, Salbei- und Rosmarinthee;
spter Zinnkraut-, Wachholder-und Dornschlehblthenthee. Beide Sorten
wirkten gnstig. Der Kranke blieb bei seinen bisherigen Speisen und
Getrnken, kurz bei der alten Lebensweise.

Ich halte es fr sehr gewagt, sogar fr sehr gefhrlich, eine angewohnte,
durch Jahre gebte Lebensweise zu ndern, um mit einigen wenigen
Nahrungsmitteln den Krper hungrig abzufttern.

Wie die Organe des Krpers zahlreich sind und jedes Organ des Krpers
anderen Zwecken dient und andere Nahrung braucht, so ist auch
Mannigfaltigkeit in den Nahrungsmitteln nicht zu verwerfen, im Gegentheil
nur zu empfehlen.

Das ist allerdings anzurathen, da solche Leute sich einen kleinen Abbruch
thun, weil man doch in der Regel mehr it und trinkt, als zum
Lebensunterhalt nothwendig ist.




Frhgeburt (durch Schnren).


Eine Hausmutter klagt: Ich habe drei Frhgeburten gehabt, und der Arzt hat
erklrt, ich sei selber schuld, weil ich meinen Leib zu sehr geschnrt
habe; jetzt schwebt mir die Unrecht und die Strafe dafr stets vor Augen.
Unglcklich bin ich und meine Familie, und was kann mir noch je zum Glck
verhelfen?

Um die Unglckliche nicht trostlos zu entlassen, gab ich ihr den Rath, sie
solle die Kleidung nur mehr locker am Leibe tragen und in jeder Woche drei-
bis fnfmal ein Halbbad nehmen. Die geschah, und der Erfolg war, da sie
nach einem Jahr ganz glcklich entbunden wurde.




Fuflechten.


Ein Taglhner zeigte mir seinen rechten Fu, der von den Kncheln an bis an
die Knie mit solch' dicken Schuppen behangen war, da jeden Tag eine Masse
solcher sich abschlten. Der ganze Fu hatte ein schauerliches Aussehen:
roth, blau und theilweise ganz schwarz. Auch am Krper hatte er zwei
ziemlich groe Flecken. Der arme Arbeiter mute viel ausstehen bei seiner
Arbeit, und zudem hatte er in der Nacht keine Ruhe, konnte oft stundenlang
nicht schlafen und hatte ein so frchterliches Beien, da er sich wund
kratzte und sein Bett in der Frhe blutbefleckt war. Das Fubel hatte er
schon fnf Jahre, und wie sein vterliches Vermgen, so auch Alles, was er
verdiente, zur Heilung seines Fues verwendet. Was fr ihn das Drckendste
war, war Dieses, da er keine Hilfe gefunden und auch keine Aussicht auf
solche hatte, da das Brodverdienen aufgehrt und das Betteln ihn so
furchtbar schwer ankam, zumal er noch in guten Jahren stand. Dieser Knecht
versprach, jede, auch die hrteste Anwendung bereitwilligst vorzunehmen,
wenn nur Hilfe mglich sei. Hier ist sicher das Blut durch und durch
verdorben, weil er guten Appetit hatte und auch die Kraft nicht gefehlt
htte; somit mu auch einzig auf das Blut eingewirkt und den Flechten keine
weitere Obacht gegeben werden. Ist das Blut gut, die Sfte gut, dann
gesundet auch der ganze Krper, und die Flechten schwinden von selbst.
Tglich bekam der Kranke einen Obergu, durch den bewirkt wurde, da der
Oberkrper sich krftigte, die schlechten Stoffe sich ausschieden und auch
die inneren Organe sich besserten. Tglich zweimal bekam der Kranke einen
Schenkelgu. Diese Gsse entfernten rasch alle Hitze, bewirkten
Ausscheidungen der schlechten Sfte und Krftigung der welkwerdenden Beine.
Jeden zweiten Tag bekam er ein Halbbad; dieses wirkte auf den Krper, was
der Kniegu auf die Fe. Nach jenem bekam der Kranke weies Knochenpulver,
tglich eine Messerspitze voll. Nach drei Wochen konnte dieser Arbeiter
aufs Neue seinem Berufe nachkommen. Anfangs wurden die Flechten noch viel
strker, die Ausscheidungen mithin bedeutend grer, der beiende Schmerz
aber war schon nach ein paar Tagen verschwunden, nach dem vierten und
fnften Tage war die Schwrze und Blue beseitigt, und eine bessere
Hautfarbe stellte sich ein. Freilich schaudert man zurck, wenn es heit:
bei einem solchen Fue kaltes Wasser anwenden, weil vor nichts mehr, auch
von den meisten rzten, gewarnt wird. Ich kann aber hoch und theuer
versichern, da der Kranke nichts mehr rhmen konnte, als das Wohlthun
dieser kalten Wasseranwendungen.




Fuleiden.


1.

Ein Herr aus Unterfranken kam so armselig, da er nicht selbst aus dem
Wagen steigen konnte; mhsam und langsam schleppte er sich mit zwei Stcken
fort. Er erzhlte: Vor sechs Jahren berfiel mich ein Schmerz in meinem
rechten Fu. Das Knie war etwas geschwollen, der Schmerz steigerte sich von
Woche zu Woche; die Kraft in demselben lie auch nach, und es mir kam vor,
als ob der ganze Fu absterbe. Wenn ich in der Nacht aufwachte und mit dem
linken Fu an den rechten kam, so war er eiskalt und schien mir wie todt zu
sein. Ich habe einen berhmten Arzt in einer Hauptstadt aufgesucht; es
wurde Verschiedenes gerathen und angewendet: Gift und nicht Gift; ich habe
mehrere rzte berathen, und einer elektrisirte meinen Fu 70 mal, doch
Alles vergebens. Auch der rechte Arm und die ganze rechte Seite wurde
schwcher, und ich hatte keine andere Aussicht mehr, als da die ganze
Seite lahm wrde. Ich bin erst 29 Jahre alt. Wo fehlte es wohl hier? Ganz
einfach: Es staute sich das Blut an im Schenkel und im Knie, der
regelmige Blutumlauf war gestrt. Es drang nicht mehr so viel Blut in den
Fu, als nthig war, zuletzt fast keines mehr, dehalb auch keine Wrme,
und so mute natrlich der ganze Fu verkmmern. Mit der Zeit stellten sich
auf dieser Seite weitere Strungen im Blutlauf ein, und das bel
vergrerte sich. Die Aufgabe der Heilung besteht also darin, da der
rechte Blutumlauf wieder hergestellt wird, da alle Theile des Krpers
gleichmig genhrt und erwrmt werden und somit auch der ganze Leib
gleichmig gekrftigt werde. Zu diesem Zweck folgende Behandlung: 1) jeden
Tag zwei Obergsse und zwei Schenkelgsse; 2) jeden Tag zweimal im nassen
Grase barfu gehen, weil es Frhling war; 3) jeden Tag eine Tasse Thee von
Wachholderbeeren und Wermuth, in drei Portionen getrunken (Morgens,
Mittags, Abends). Die Wirkung war ganz auffallend: nach 16 Tagen war aller
Schmerz verschwunden, der Blutlauf vollstndig hergestellt, und der
Wiedergenesene wanderte mit Jubel umher wie andere Gesunde. Bei der Kur hob
er ganz besonders hervor, da er gemerkt habe, wie nach dem zweiten
Schenkelgu das Blut von oben nach unten in den Fu gedrungen sei und
denselben ganz rasch erwrmt habe.

Die Schenkelgsse bewirkten, da das Blut in einen raschen Gang kam und die
Anstauungen des Blutes beseitigt wurden. Die Obergsse bewirkten Dasselbe
im obern Krper, wo auch der Arm schon geschwcht, weil nicht hinlnglich
genhrt war, whrend die brigen Theile des Krpers gesund waren. Der Thee
aber bewirkte eine gute Verdauung, und so trat eine rasche Krftigung des
ganzen Krpers ein.


2.

Ein Hausvater erzhlt: Ich habe schon drei Jahre lang einen offenen Fu,
der aber nur von Zeit zu Zeit offen ist und vorbergehend wieder zuheilt.
Anfangs machte ich mir nicht viel daraus, aber jetzt ist er mir so
beschwerlich, da ich berzeugt bin, in kurzer Zeit meinem Beruf nicht mehr
nachkommen zu knnen. Der Mann sah ziemlich gut aus, war auch gut genhrt;
doch hatte er eingestanden, da er etwas mehr Bier getrunken habe als
nothwendig gewesen wre, und meinte, dadurch knnte auch sein Blut etwas
verdorben worden sein. Auf jeden Fall ist hier das Blut nicht am besten,
und viele flssige Stoffe im Krper haben im Fu einen Ausweg gefunden. Wie
diese flssigen Stoffe sich _vermehrten_, so hat das Blut _abgenommen_ an
Gte und Menge, was besonders gern bei Trinkern geschieht. Die ganze Natur
ist mehr schwammig und welk als krftig und ausdauernd. Zur Heilung ist
nothwendig, da der ganze Krper gekrftigt und das Schwammige verdrngt
werde. Die vielen wsserigen Stoffe mssen aus dem Krper ausgeleitet, und
durch krftige Nahrung mu gesundes Blut bereitet werden. Wie kann Die
geschehen? 1) In der Woche zweimal den spanischen Mantel anziehen, in
kaltes Wasser getaucht, 11/2 Stunden lang; 2) jeden Tag einen Obergu und
Schenkelgu; 3) jeden dritten Tag ein Halbbad, eine halbe bis eine Minute
lang. So zehn Tage lang. Dann jeden Tag ein Halbbad, eine halbe Minute, und
jeden Tag einen krftigen Obergu. Nach innen wurde tglich eine Tasse Thee
aus Zinnkraut, zehn zerstoenen Wachholderbeeren und etwas Wermuth, zehn
Minuten lang gesotten, in tglich drei Portionen genommen. In vier Wochen
war der ganze Krper wie umgewandelt: das Aussehen war ganz frisch, der
ganze Krper geschmeidig, der Appetit sehr gut, der Ausflu aus dem Fue
ohne Bedeutung, und um den Krper noch mehr zu krftigen und jedem Rckfall
vorzubeugen, brauchte der Wiedergenesene blo in der Woche zwei bis vier
Halbbder zu nehmen und jedes berma von Bier zu meiden.

Die _Wirkung_ der Anwendungen: Der spanische Mantel ffnete die Poren, da
die bermige Flssigkeit nach allen Richtungen ausgeleitet wurde und
nicht mehr in den Fu dringen konnte. Die Gsse wie die Bder trieben die
ganze Natur zusammen und krftigten sie, so da sie von selbst die
schlechten Stoffe auszuscheiden vermochte. Der Thee diente zur Reinigung
und Verbesserung des Blutes und zu guter Verdauung. Dem Kranken ist whrend
der Kur ganz besonders aufgefallen, da so auerordentlich viel Urin
abging, besonders nach den Gssen.




Fuschwei.


1.

Ein junger Herr, 18 Jahre alt, klagt sein Elend: Von Jugend auf hatte ich
bestndig starken Fuschwei. Man machte sich nichts daraus, weil ich im
Ganzen gesund, wenn auch immer etwas schwchlich war. Vor zwei Jahren hrte
der Fuschwei von selbst auf, und von da an stellte sich bald schwaches
Kopfweh ein. Dasselbe steigerte sich so sehr, da ich meine Studien nicht
weiter fortsetzen konnte; weil ich nun bei rzten keine Hilfe gefunden,
mchte ich den Versuch machen mit der Wasserkur.

Wie ist dieser Fall zu beurtheilen, und wie kann geholfen werden? Von
Jugend auf hatte das Kind keine guten Sfte, mithin auch kein gutes Blut.
Da sich durch die Jahre der ganze Zustand immer mehr verschlimmerte, ist
begreiflich. Es mssen somit die schlechten Sfte ausgeleitet und besseres
Blut bereitet werden. Dazu ist hauptschlich nthig, da der ganze Krper
und alle seine Theile gekrftigt werden. Der Student bekommt 1) jeden Tag
zweimal einen Obergu und zweimal einen Kniegu, 2) tglich sechs bis acht
Wachholderbeeren zu essen. So acht Tage lang; dann 3) jeden Tag ein Halbbad
und tglich zweimal einen Obergu; die Wachholderbeerenkur wird fortgesetzt
in gleicher Weise. In drei Wochen war das ganze Aussehen frisch und gesund,
die abgestandene graue Gesichtsfarbe verschwunden, das Kopfweh hatte
gnzlich aufgehrt. Whrend der Kur hat der Student besonders geklagt ber
den schlechten Geschmack, den er immer im Gaumen habe. Er sei so schlecht
und belriechend wie der Fuschwei gewesen; er hat auch recht viel
ekelhaften Schleim ausspucken mssen -- ein Beweis, da die faulen Stoffe
aufgelst und ausgeleitet wurden. Um den jungen Krper zu festigen und vor
dem alten bel zu bewahren, war weiter nothwendig, in der Woche drei, und
spter zwei Halbbder zu nehmen, was auch die beste Wirkung hervorgebracht
hat. Die Aufgieungen krftigten den ganzen Krper und brachten mehr Wrme,
so da durch die Poren alles Schlechte ausstrmen konnte. Die
Wachholderbeeren bewirkten eine bessere Verdauung, Verbesserung des Blutes
und der Sfte, und so wurde mit Hilfe des noch krftiger wirkenden
Halbbades die verlorene Gesundheit wieder hergestellt. Anstatt der
Wachholderbeeren htten in diesem Fall auch ausgereicht tglich eine Tasse
Thee aus einer Mischung von Wermuth, Salbei und Fenchel.


2.

Ein Hausvater, 48 Jahre alt, erzhlt: Ich bin schon mehrere Wochen, ja
Monate nicht mehr gesund, habe hufig Schwindel, fhle bald Enge in der
Brust, bald ist der Unterleib so aufgetrieben, da all' meine Kraft wie
verschwindet. fters Appetitlosigkeit und manchmal wieder auf einige Zeit
groer Hunger; kurz ich wei nicht, wo es mir fehlt. Frher hatte ich
mehrere Jahre lang starken Fuschwei. Dieser ist ausgeblieben, und ich
glaube, da dort mein bel angefangen hat. Was ist hier zu thun?

Es ist kein Zweifel, da der _Fuschwei_ die Ursache der Krankheit ist
und sich im Innern an verschiedenen Stellen Anstauungen gebildet haben;
dehalb ist zuerst die Natur zu untersttzen, da sie krftiger wird und
die faulen Stoffe auszustoen beginnt; ebenso mu auf das Innere gewirkt
werden. Dehalb

1) tglich einen Obergu und Schenkelgu,

2) den einen Tag einen Rckengu, den anderen ein Halbbad und

3) jeden Tag zweimal jedesmal vier Minuten lang im Wasser gehen.

_Nach innen:_ Tglich eine Tasse Thee von Schafgarbe, Salbei und
Johanniskraut in drei Portionen zur Verbesserung des Blutes. So 14 Tage
lang.

Diese Anwendungen wirkten sehr gnstig, aller Schwindel war beseitigt, der
Appetit gut. Nach 12 Tagen ist der alte Fuschwei wieder eingetreten,
obwohl der Kranke tglich barfu im Gras gegangen ist.

Wieder ein Beweis, wie krank zurckgetretener Fuschwei machen kann;
welche Macht aber andererseits das Wasser auf den Krper ausbt bei
entsprechender Anwendung. Zur Winterszeit htte die Kur natrlich anders
beschaffen sein mssen. Zur weiteren Krftigung reichten aus in der Woche
zwei bis drei Halbbder und die eine oder andere Abhrtung.


3.

Ein Beamter litt an lstigem Fuschwei, der ihm durch eine Verkltung
ausblieb. Schon nach wenigen Tagen fhlte er den Unterleib stark
aufgetrieben; auch auf der Brust wurde es ihm eng, im Kopf fhlte er
Schwindel und Eingenommenheit.

Dieser Fall, weil es Winterszeit ist, kann geheilt werden, wie folgt:

1) In der Woche zweimal den spanischen Mantel, durch den die faulen Stoffe
aufgelst und aufgesaugt werden.

2) Zweimal in der Woche eine Ganzwaschung vom Bett aus, dann wieder in's
Bett, zur krftigen Transspiration und Widerstandsfhigmachung der Haut.

3) In der Woche ein Halbbad von einer halben Minute, wodurch der ganze
Krper gekrftigt und auf gute Transspiration hingewirkt wird.

In drei Wochen war der Kranke vollstndig gesund, und es stellte sich
whrend der Kur wieder schwacher Fuschwei ein.

Weil aber der Fuschwei auch eine Krankheit genannt werden kann, so ist
auch diese zu heben, und zwar durch folgende Anwendungen:

1) In der Woche einmal den kurzen Wickel und

2) zwei- bis dreimal in der Woche ein Halbbad von einer Minute.




Gehrleiden.


1.

Sind die Augen wohl der wichtigste Theil am Krper, so haben die Ohren
nicht viel weniger Werth. Ist Blindheit Elend, so Taubheit Armseligkeit.
Das beweisen am klarsten die Taubstummen, welche wohl die Sprachorgane
haben, aber nicht sprechen knnen, weil sie nicht hren, und dehalb auch
ein Beweis, da das Sprechen erlernt werden mu. Angeborene Gehrlosigkeit
kommt nicht gar oft vor, dagegen aber verlieren gar Viele ihr Gehr durch
Krankheit. Wie viele Kinder habe ich kennen gelernt, die durch
Scharlachfieber oder durch einen anderen Ausschlag oder Blattern ihr Gehr
vollstndig verloren haben! Dieser einzige Grund wrde Jedem zur Pflicht
machen, solche Krankheiten durch's Wasser zu heilen. Denn ich kann nicht
glauben, da, wenn das Wasser vernnftig angewendet wird bei solchen
Krankheiten, das Gehr verloren gehen kann. Aber nicht blo bei Kindern,
auch bei Erwachsenen kommt es so hufig vor, da durch dieselben
Krankheiten das Gehr theilweise oder ganz verloren geht. Ich bin der
berzeugung, da Keiner, der durch meine Wasserkur von seiner Krankheit
geheilt worden, sein Gehr einbt. Wohl aber kamen mir schon Beispiele
vor, da durch starke Sturzbder in Wasseranstalten Schwerhrigkeit oder
gar Verlust des Gehres eingetreten war.

Das Gehr kann aber geschwcht werden oder verloren gehen durch Fallen,
Schlagen&c., was zu den Unglcksfllen gerechnet werden mu. Da fr
Schwerhrigkeit, ja sogar bei Gehrlosigkeit am besten mit Wasser
eingewirkt werden kann, haben mir viele Beispiele getreu nachgewiesen. Weil
gerade das Wasser alle Verhrtungen auflst, die schwachen Organe krftigt,
die starren elastisch macht, kurz jeden kranken Stoff in jedem Theile des
Krpers auflst, ausleitet und strkend einwirkt, ebendehalb ist eine
Heilung mglich und so wird sie auch nicht ausbleiben.

Anna ist 9 Jahre alt, hat vor zwei Jahren Scharlachfieber gehabt, man hielt
das Kind fr verloren. Es wurde zwar wieder gesund, aber das Gehr war so
schwach, da es nur mhsam einige laute Tne vernehmen konnte. Weil das
Wasser unschdlich ist, wenn es recht angewendet wird, so wurde der Versuch
mit Wasser gemacht. Nach 14tgiger Anwendung merkte man eine ganz kleine
Besserung, und nach sechs ferneren Wochen konnte das Mdchen so ziemlich
mit Jedem sprechen, der deutlich redete.

Die Anwendungen waren theils auf den Krper, theils auf das Gehr. Hat das
Gehr gelitten durch dieses Fieber, so darf man annehmen, da auch andere
Theile des Krpers mehr oder weniger Schaden gelitten haben, und dehalb
ist es auch nothwendig, auf den ganzen Krper einzuwirken. Solche
Krankheiten lassen gern Strungen im Blutlauf zurck, die wieder durch das
Wasser am leichtesten gehoben werden. Und da solche Krankheiten auf
lngere Zeit, oft auf Jahre, Schwchen zurcklassen, braucht nicht auf's
Neue nachgewiesen zu werden. Also ist das Beste, auf den ganzen Krper
einzuwirken und denselben auf einen besseren Gesundheitszustand zu bringen.
Dieses geschah: Erstens wurde tglich der ganze Krper gewaschen mit Wasser
und etwas Essig, hchstens eine Minute lang, ohne zu reiben oder
abzutrocknen. Durch diese Anwendung kam der Blutlauf in bessere Ordnung,
und die Blutstauungen wurden gehoben. Zweitens bekam das Kind tglich einen
Obergu mit Ohrengu. Der Obergu wurde gemacht wie gewhnlich, nebenbei
aber wurden ganz besonders die Stellen hinter den Ohren und berhaupt um
die Ohren herum krftig begossen. Durch das wiederholte Aufgieen wurden
alle Verhrtungen aufgelst, und waren Blutstauungen vorhanden, so wurden
diese beseitigt; nebenzu wurden auch diese Theile gestrkt durch die Klte
des Wassers und so vor- und nachher die Ursachen beseitigt, die das Kind
hinderten, zu hren.

Weil die rzte erklrten, es fehle am Ohre nicht, wurde den einen Tag in
das eine, den anderen Tag in das andere Ohr ungefhr drei bis fnf Tropfen
ses Mandell eingegossen. Dieses l nimmt alle innere Hitze, macht die
inneren Theile weich und geschmeidig und hat mit einem Worte eine recht
gute Wirkung.


2.

Ein Knabe mit 15 Jahren erzhlt: Ich bin vor zwei Jahren ziemlich hoch vom
Dachboden gefallen, und seit dieser Zeit nimmt von Woche zu Woche mein
Gehr ab. Ich habe schon sehr viel dafr gebraucht; aber mein Doktor hat
jetzt gesagt, ich solle es nur gehen lassen, es helfe nichts. Hinter dem
Ohre war eine kleine Erhhung, die schlieen lie, es knnte sich hier eine
Anstauung gebildet haben. Bemerkt sei noch, da das Gehr zeitweise besser,
dann wieder schlechter war. Weil der Kranke durch einen Fall sein
Gehrleiden bekommen, so ist anzunehmen, da der brige Theil des Krpers
gesund ist und dehalb keiner Einwirkung bedarf. Doch die Sache verhlt
sich anders. Die Einwirkung auf den ganzen Krper bt auch eine Wirkung auf
den leidenden Theil aus; wie leicht kann eine Blutstauung sich gebildet
haben, die, wenn sie auch hinter dem Ohre ist, am leichtesten gehoben wird
durch eine allgemeine Einwirkung auf den Blutlauf. Und geradeso ist es mit
der Ausdnstung des ganzen Krpers und des einzelnen leidenden Theiles.
Mithin sind auch hier Anwendungen auf den ganzen Krper wirksam frs Gehr:
Erstens in der Woche zweimal eine kalte Ganzwaschung; zweitens einmal ein
Halbbad. Diese Anwendungen strken den ganzen Krper und bringen auch eine
allgemeine grere Thtigkeit. Auf das Gehr wird tglich zweimal
eingewirkt: einmal durch Wickel um den Hals und zugleich um die Stellen
hinter dem Ohre, zwei Stunden lang, nach der ersten Stunde aber den Wickel
frisch eintauchen; das Eintauchen ist nothwendig, damit sich nicht zu viel
Hitze entwickelt und am Ende das Blut noch mehr hinleitet. Auer der
Auflsung durch den Wickel ist noch eine Kraft nothwendig zum zertheilen,
die angehuften Stoffe zu zerstren, da sie ausgeleitet werden knnen,
wozu hauptschlich die schwcheren oder strkeren Gieungen taugen, die
jeden Tag ein-, auch zweimal vorgenommen wurden. In das Ohr selbst wurde
ein Absud von Hollunderblttern gegossen, welcher khlt und auflst, und so
wurde nach fnf Wochen das Gehr so ziemlich wieder hergestellt.


3.

Ein Mann, 40 Jahre alt, klagt, da seit drei Monaten sein Gehr von Woche
zu Woche abnehme, und wenn es noch ein Viertel-Jahr so fortgehe, werde er
gar nichts mehr hren. Er habe sich im Winter bei groer Klte dieses bel
zugezogen. Er habe nach dieser Erkltung ein heftiges Fieber bekommen und
starkes Kopfweh; er wre jetzt aber von Allem geheilt mit Ausnahme seines
Gehres. Bei der Abnahme des Gehres sei auch noch besonders lstig ein
fortwhrendes Ohrensausen.

Rhrt die Abnahme des Gehres von Erkltung her, so sind sicher die Folgen
der Erkltung nicht nur im Gehr, sondern auch im Kopf, vielleicht noch
weiter ausgedehnt, wenn auch die Folgen nicht gefhlt werden. Mithin soll
die Einwirkung auf den Krper, Kopf und Gehr gehen. Somit mute der
Leidende Folgendes thun:

Erstens tglich einmal bis ber die Waden im Wasser gehen; Dieses wirkt
krftigend, abhrtend und auflsend. Gerade dieses Gehen im Wasser wirkt
hufig sehr gnstig auf das Gehr. Zweitens tglich zweimal krftigen
Obergu, und nebenzu eine Giekanne voll Wasser auf die Umgebung des Ohres
zu gieen. Drittens tglich einmal ses Mandell in beide Ohren thun;
dieses wirkt khlend, auflsend und strkend. Die Begieungen mit Wasser
wirken auflsend auf alle Anstauungen und Verhrtungen. Nach 14 Tagen war
das Gehr bereits wieder hergestellt. Weiterhin war nichts mehr nothwendig,
als jeden dritten oder vierten Tag ein krftiger Obergu mit Ohrengu und
wchentlich zweimal ein Halbbad, welches die ganze Natur krftig und gesund
erhielt.


4.

Ein Dienstmdchen hrte so schlecht, da nur selten eine krftige Stimme
fr sie vernehmbar war. Dieses Ohrenleiden hatte sie seit fnf Jahren, und
es hatte sich seither immer gesteigert. Das Mdchen wurde viel magnetisirt,
elektrisirt und hatte alle mglichen Mittel gebraucht, doch vergebens. Es
war ihr auch die Versicherung von rzten gegeben worden, es helfe gar
nichts mehr.

Ich wollte dem armen Dienstmdchen, das sonst ein ganz frisches, gesundes
und krftiges Aussehen hatte, doch zu Hilfe kommen.

Ich urtheilte, da das krftige Mdchen Blutanstauungen im Kopf und auch im
Krper haben werde, und diese Stauungen auch die Ursache der Gehrlosigkeit
seien. Das Wasser wurde in folgender Weise angewendet: Tglich zwei-, auch
dreimal Obergu, besonders stark um die Ohren herum; tglich eine Anwendung
auf den ganzen Krper abwechselnd mit Halbbad, Rckengu oder Schenkelgu.
14 Tage lang merkte man keine Spur von Besserung. Dem Dienstmdchen blieb
ihr frisches Aussehen, ihre Kraft; nur schien sie magerer zu werden. In der
dritten Woche wurde der Obergu verstrkt, tglich drei- bis viermal
vorgenommen, zudem tglich vier Tropfen in die Ohren. In dieser Woche
verbesserte sich das Gehr, und nach drei ferneren Wochen hatte das Mdchen
ihr Gehr wieder erlangt und ging mit Freuden in ihren Dienst. Dieser
Erfolg ist mir ein Beweis, da die Gehrlosigkeit nur eine scheinbare war,
und ich kann nicht zweifeln, da in den meisten derartigen Fllen das
Gehr wieder zu erlangen sei; aber es gehrt Muth und Ausdauer dazu.


5.

Eine Hausfrau, 50 Jahre alt, klagt, da sie seit einem halben Jahre eine
starke Abnahme ihres Gehres merke. Sie knne nur mit wenigen Leuten noch
reden. Seit das Gehr abnehme, habe sie immer einen recht eingenommenen
Kopf, hufig auch Schwindel. Manchmal, wenn das Kopfweh besser sei, habe
sie recht starkes Drcken auf der Brust. Das Aussehen war frisch, die
Gesichtsfarbe ziemlich roth.

Hier ist sicher starker Blutandrang in den Kopf, und die Aufgedunsenheit
des ganzen Kopfes brachte mich auf den Gedanken, da Anstauungen vorhanden
seien. Dieser Hausfrau wurde Anleitung gegeben, sie solle jede Woche zwei
Kopfdmpfe nehmen, jeden 20 Minuten lang, jeden Tag einmal, fters auch
zweimal einen krftigen Obergu mit Ohrengu, jeden zweiten Tag ein Halbbad
oder statt dessen in der Nacht eine Ganzwaschung vom Bett aus; ferner
tglich eine Tasse Thee von Johanniskraut, Schafgarbe und Zinnkraut. Diese
Anwendungen bewirkten, da nach drei Wochen das Gehr nahezu hergestellt
war, und noch eine zeitweilige, halb so oft erfolgende Fortsetzung dieser
Anwendung stellte das Gehr vollkommen wieder her. Sie fhlte sich aber
nicht weniger glcklich ber den Gesundheitszustand des ganzen Krpers,
der, wie sie behauptete, um Vieles sich gebessert habe.


6.

Ein Dienstknecht kam in starke Zugluft, zog sich einen heftigen
Rheumatismus zu, und verlor dadurch das Gehr fast ganz. Hier heit es:
Entferne die Folgen der Zugluft und dann ist auch das Gehr wie die brigen
Theile des Krpers wieder in Ordnung. Zweimal in der Woche einen Kopfdampf,
Nachts eine Ganzwaschung, und in 12 Tagen war Alles beseitigt. Als der
Rheumatismus verschwunden, war auch das Gehr wieder hergestellt.




Geschwre.


Ein Knabe von fnf Jahren hat am Kopf drei Geschwre, die zwar nicht offen,
aber ganz hart sind; an der rechten Hand ein groes Geschwr, fast eigro;
am Fu ein offenes Geschwr, aus dem tglich ungesunde Stoffe auslaufen.
Das ganze Aussehen ist selbstverstndlich erbarmungswrdig. Der Appetit
ist sehr schlecht, wie auch der Humor.

Da dieses Kind schlechtes Blut und schlechte Sfte hat, ist klar. Die
Geschwre sind der Beweis, da die Natur nichts mehr recht ausscheidet. Es
mssen somit die Geschwre aufgelst und alle schdlichen Stoffe aus dem
Krper ausgeleitet werden.

Die besten Anwendungen sind folgende:

1) tglich ein Heublumenbad, auf folgende Weise bereitet: Heublumen werden
mit siedendem Wasser begossen und ordentlich zugedeckt. Wenn das Wasser auf
30-32 Grad Celsius abgekhlt ist, soll das Kind 15-18 Minuten lang
hineingesetzt werden. Nach dieser Zeit soll es aus dem Bad genommen und
sofort mit kaltem Wasser rasch abgewaschen werden;

2) tglich eine Ganzwaschung mit kaltem Wasser;

3) tglich zweimal eine Kraftsuppe und tglich zwei Pfefferkrner, die
ganz, also unzerbissen, geschluckt werden. -- Im brigen einfache krftige
Kost.

Nach zehn Tagen soll das Kind

1) an jedem dritten Tag eingewickelt werden in Absud von Haberstroh;

2) den einen Tag gewaschen, den andern in kaltes Wasser getaucht werden, 2
Sekunden lang.

_Das Heublumenbad_ lst die Verhrtungen am krftigsten auf. Je mehr
Heublumen im Bad, desto besser. _Die Waschungen_ krftigen und beleben.
_Die Kraftsuppe_ gibt viel und gutes Blut. _Die Pfefferkrner_ erwrmen den
Magen. Das Ganze brachte in seiner Gesammtwirkung den armen Schelm dahin,
da er lebensfroh, wie andere Kinder, herumhpfte.




Geschwulst (am Knie).


1.

Ein Expeditor bringt seine Bertha, ein Mdchen von neun Jahren, und
erzhlt: Vor zwei Jahren bekam dieses Kind ein geschwollenes Knie. Ich
lie alsbald den Arzt kommen und dieser behandelte das Knie durch lngere
Zeit ohne Erfolg. Ich mute das Kind in die Hauptstadt in eine Klinik thun,
und dort wurde ein Schnitt auf der linken Seite am Knie gemacht. Nach sechs
Wochen bekam ich das Kind zurck mit einem Gypsverband. Nach vier Wochen
wurde der Gypsverband abgenommen, und das Kind konnte nicht einmal den Fu
auf den Boden setzen. Nach einiger Zeit wurde ein zweiter Schnitt an der
rechten Seite des Knies gemacht, und man trstete mich, der Fu werde
wieder recht. Doch es kam das Gegentheil. Das Knie wurde immer noch dicker,
noch schmerzlicher und vom Knie auf- und abwrts magerte der Fu so ab, da
er kaum mehr den dritten Theil der angemessenen Dicke hatte. Das Traurigste
aber war, da das Kind gar nicht auf dem Fue stehen konnte. So armselig
der Fu war, so krank war auch das Aussehen, und besonders hatte das arme
Kind gar keinen Appetit mehr.

_Anwendungen:_ Das Kind wurde tglich einmal mit Wasser und Essig
gewaschen, aber nicht abgetrocknet. 2) Tglich zweimal, jedesmal vier
Stunden lang, mit angeschwellten Heublumen umwunden, ganz warm. Nach zwei
Stunden wurden die Heublumen wieder in's Wasser gethan und von neuem
aufgelegt. 3) Nach innen bekam es vier bis sechs Wachholderbeeren tglich
und wo mglich vom Frhstck bis Mittag einen Lffel voll Milch. Nach nicht
ganz vier Wochen sah das Mdchen ganz frisch und gesund aus und hatte guten
Appetit; der Fu war wohl noch steif, doch konnte ihn das Kind schon
einwrts biegen und so gehen, da man kaum sehen konnte, da ein Fu etwas
steif war. Das kranke Knie selber war noch etwas dicker als das andere.

Weitere Anwendungen: 1) tglich Knie und Schenkel zweimal mit kaltem Wasser
bergieen; 2) jeden Tag einmal einen Heublumenwickel, zwei Stunden lang,
wie oben angegeben; 3) ber Nacht mit einem Lappen das Knie umwinden,
welcher mit weichem +foenum graecum+ berstrichen ist; 4) die
Wachholderbeeren werden weiter gebraucht. Nach weiteren drei Wochen war die
Kur vorbei und der Fu vollstndig geheilt.

Wo hat es hier gefehlt? Die Kniegeschwulst hinderte, da gengend Blut in
den Unterschenkel kam, somit wurde dieser nicht mehr genhrt und magerte
ab, zumal er nicht in Bewegung kam und berdie verkmmert war durch den
ungeregelten Blutlauf und die vielen Schmerzen des brigen Krpers. Die
Heublumen lsten die Geschwulst auf. Die Waschungen bewirkten Krftigung
und einen geregelten Blutlauf. Der Knie- und Schenkelgu bewirkten
Krftigung, Zusammenziehung und gleichen Blutlauf. Die weiteren Anwendungen
sind in der Woche eine Waschung und zwei Halbbder.

Die Wachholderbeeren bewirkten gute Verdauung, Reinigung und Ausleitung
durch Urin.


2.

Ein Vater theilt mit: Mein Sohn, acht Jahre alt, hat an einem Fue
oberhalb des Knies eine Geschwulst. Das Knie wird von Woche zu Woche
dicker. Das Knie selbst thut nicht weh, schmerzlich aber ist die Geschwulst
oberhalb des Knies. Es ist so fest anzufhlen, wie ein harter Knochen. Der
Fu unterhalb desselben ist bedeutend dnner und thut manchmal recht weh.
Gehen kann der Knabe noch, aber das Bein nur wenig biegen.

_Anwendungen:_ Der Knabe soll 1) tglich zweimal, jedesmal zwei Stunden
lang, um das Knie und den geschwollenen Oberschenkel warme Heublumen
winden. Dabei soll er im Bett liegen. 2) Jede Nacht gekochtes +foenum
graecum+ um das Knie winden, dicht um die Geschwulst. So drei Wochen
fortmachen. Nach diesen drei Wochen: 1) tglich zweimal Wasser auf das
kranke Knie und den Schenkel gieen; 2) tglich einmal zwei Stunden lang
Heublumen herumbinden, wie oben; 3) in der Nacht +foenum graecum+
herumbinden, wie oben. So drei Wochen lang. Nach sechs Wochen war der Fu
wieder ganz in Ordnung.

_Wirkungen:_ Die Heublumen weichten auf und sogen aus. Das +foenum graecum+
wirkte in derselben Weise, nur noch strker, auf die Knochengeschwulst. Die
Gieungen bewirkten besseren Blutlauf und Krftigung des Fues. Das Wasser
auf Knie und Schenkel bewirkte Krftigung und Erwrmung.

Die Ursache dieses Leidens war Anstauung des Blutes, das nicht mehr gehrig
durch die Kniegeschwulst in den unteren Fu dringen konnte. Es entstand
dehalb im Schenkel eine Geschwulst. Wie die Kniegeschwulst nachgelassen,
konnte das Blut wieder gehrig in das untere Bein dringen, und so kam das
ganze Bein wieder in Ordnung.




Gichtleiden.


1.

Der Krankheitsbericht einer gndigen Frau lautete folgendermaen: Ich
leide schon seit vielen Jahren unsgliche Schmerzen durch Gicht. Oft habe
ich schon mehrere Wochen lang im Bette gelegen und habe mir in meinen
Schmerzen gewnscht, da ich sterben knnte. Eine groe Anzahl rzte haben
mit mir viel versucht. Ich verbrauchte schon eine groe Summe Geldes,
besuchte mehrere Bder und habe die schrfsten Sachen zum Einnehmen
bekommen. Ich habe schon lngst alle Hoffnung auf Besserung aufgegeben und
htte keinen Versuch mehr gemacht, wenn nicht ein durch die Wasserkur
Geheilter mich dazu beredet htte und meine Steifheit mir nicht die
Aussicht geben wrde, da ich in kurzer Zeit nicht mehr werde gehen knnen.
Wie ich gewissenhaft alle Vorschriften der rzte erfllte, so frchte ich
auch durchaus das kalte Wasser nicht. Wenn selbst eine Klte von acht bis
zehn Grad herrscht, so will ich bereitwillig die kltesten Anwendungen
aushalten.

14 Tage hindurch wurden bei einer Temperatur von acht bis elf Grad folgende
Anwendungen gemacht: Jeden Morgen im Wasser gehen oder Kniegu, zwei
Stunden spter ein Obergu, jeden Nachmittag ein Halbbad, eine halbe bis
eine Minute lang, und jeden Abend ein Schenkelgu. Mitunter wurde auch ein
Sitzbad genommen, eine Minute lang. Die Wirkung war, da diese Frau nach 14
Tagen erklrte: Mir fehlt gar nichts mehr; ich fhle mich so wohl und
glcklich, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Hatte ich frher immer Frost,
so bin ich jetzt durch und durch warm. Ich habe den besten Appetit und
schlafe die ganze Nacht.

Wie wirkten hier die Anwendungen?

Die Anwendungen an den Fen leiteten das Blut in diese, verschafften ihnen
Naturwrme und Kraft. Die Obergsse bewirkten Dasselbe im obern Krper. Die
Halbbder verfolgten alle inneren verlegenen Stoffe, schafften sie fort,
strkten den ganzen Krper und bewirkten eine allgemeine Naturwrme. Die
Sitzbder wirkten besonders strkend auf die Nieren und Unterleibs-Organe.


2.

Ein Bauernbursche, 24 Jahre alt, sucht Hlfe und erzhlt: Meine Hnde
haben groe Beulen, die ganz fest sind. Sie thun meistens recht weh,
besonders zur Nachtzeit; die Kniee, besonders das rechte, sind stark
geschwollen, so da ich ganz steif bin. Ich kann mich oft gar nicht bcken,
besonders stark ist der Schmerz bei Witterungswechsel. Was ich bisher
gethan durch Einreiben, Einschmieren und Einnehmen, war ohne Erfolg. Der
Kranke sah auch wirklich recht leidend aus.

Folgende Anwendungen wurden vorgeschrieben: 1) In der Woche zwei warme
Bder 37-40 Grad Celsius von gesottenem Haberstroh mit drei Wechseln und
zwar jedesmal 10 Minuten lang in das warme und eine halbe bis eine Minute
in's kalte Wasser, so dreimal, statt dessen manchmal eine Ganzabwaschung;
2) in der Woche zweimal ein Hemd anziehen, ebenfalls in warmes
Haberstrohwasser getaucht, 11/2 bis 2 Stunden lang; 3) die Geschwlste an
Hnden und Fen wurden tglich zwei bis vier Stunden lang in angeschwellte
Heublumen eingewickelt. Nach zwei Stunden aber muten die Heublumen
erneuert werden. Zum Einnehmen bekam der Kranke tglich eine Tasse Thee von
12 zerstoenen Wachholderbeeren und etwas Wermuth, zehn Minuten lang
gesotten und in kleinen Portionen, whrend des Tages zu trinken. Nach 16
Tagen zeigte sich der Kranke, die Geschwlste waren bereits niedergegangen,
die Steifheit hatte aufgehrt, das Aussehen war wie umgewandelt. Dieser
Kranke bekam dann weiter folgende Anwendungen: 1) In der Woche einmal ein
in Haberstrohwasser getauchtes Hemd anziehen, und 11/2 Stunden lang in
demselben bleiben; 2) in der Woche einen Unterwickel von den Armen ganz
hinunter, 11/2 Stunden lang, in Haberstrohwasser getaucht; 3) die
Wachholderbeerkur. Nach 14 Tagen erklrte sich der Kranke fr ganz gesund
und bekam als weiteren Rath, in der Woche zwei Halbbder zu nehmen, um die
ganze Natur zu krftigen.

Die _Wirkung_ der Anwendungen ist diese: Die _warmen Bder_ greifen am
tiefsten ein zur Auflsung der Giftstoffe; der _Wechsel_ zwischen warm und
kalt ist nothwendig, damit die Hitze nicht zu gro und die Natur nicht zu
sehr verweichlicht wird, wirkt aber besonders strkend auf die Natur. Die
_Hemde_ wirken langsam auflsend und nebenzu ausleitend. Was die Bder auf
den ganzen Krper wirkten, das erreichten bei der Geschwulst in erhhtem
Mae die angeschwellten _Heublumen_. Der _Thee_ that das Seinige im Innern
zur Auflsung und Reinigung. Die zweiten Anwendungen waren eine gelinde
Fortsetzung der ersten.


3.

Von weiter Ferne kommt ein Schmiedmeister, 31 Jahre alt, und erzhlt: Ich
bin gnzlich arbeitsunfhig, bin recht arm und kann fr meine Familie den
Unterhalt nicht verdienen. Meine Schultern sind zeitweilig geschwollen,
auch die Kniee; dann habe ich auch Schmerzen am ganzen Leibe, da ich
Nchte hindurch nicht schlafen kann; Appetit selten. So leide ich vier
Jahre, und es steigerte sich bis jetzt das bel so, da ich nichts mehr
thun kann. Ich mute Bder besuchen; die rzte haben mir viel zum Einnehmen
verschrieben, ich habe aber keine Hilfe gefunden.

Hier ist Gichtleiden und Rheumatismus ganz sicher. Zur Heilung folgende
Anwendung: 1) Acht Tage lang tglich zwei Obergsse und zwei Schenkelgsse,
mit tglich zunehmender Strke; 2) jeden dritten Tag ein Halbbad, eine
halbe Minute lang; 3) tglich eine Tasse Thee von Zinnkraut,
Wachholderbeeren und etwas Wermuth. Nach acht Tagen weitere Anwendungen: 1)
Jeden Tag ein Halbbad, eine Minute lang; 2) jeden Tag einen Rckengu und
starken Obergu. Nach 14 Tagen war der Schmiedmeister soweit hergestellt,
da aller Rheumatismus verschwunden, jede Geschwulst beseitigt, guter
Schlaf und Appetit eingetreten war und der Mann gesund und Gott dankend zu
den Seinigen zurckkehrte.

Die _Obergsse_ und _Schenkelgsse_ wirkten erwrmend, krftigend auf den
Krper und verdrngten den Rheumatismus; ebenso lsten diese Gsse die
vagirenden Geschwlste. Die _Halbbder_ wirkten strkend auf den ganzen
Krper, und der eingenommene _Thee_ entfernte im Innern alle ungesunden
Stoffe. Um noch mehr Kraft zu erhalten und die Natur vor Rckfall zu
schtzen, reichten zwei bis drei Halbbder in der Woche aus.


4.

Eine Frau, 42 Jahre alt, hatte viele Jahre hindurch Gichtleiden und, wie
sie erzhlte, Unsgliches ausgestanden; aber Alles, was sie gebraucht, habe
ihr nicht geholfen. Ganze Nchte, ja Wochen hindurch habe sie nicht eine
Stunde ordentlich geschlafen. Geschwlste hatten sich nie gebildet.

Diese Frau bekam 1) Innerhalb drei Wochen jeden Tag Ober- und Kniegu; 2)
dreimal in der Woche ein Halbbad und zweimal in der Woche Ganzwaschung.
Eingenommen hatte sie tglich eine Tasse Thee in drei Portionen von
Johanniskraut und Schafgarbe mit ein wenig Wermuth. Nach drei Wochen hatte
sie mehr als guten Appetit, konnte jede Nacht sieben bis acht Stunden
schlafen, und alle Schmerzen waren verschwunden.

Hier war die Gicht mehr in den Muskeln als in den Gelenken; dehalb wurde
strkend auf den ganzen Krper eingewirkt durch die _Gieungen_. Diese
bewirkten grere Wrme und somit auch grere Ausdnstung. Sie wurden noch
untersttzt durch die _Waschungen_, die ebenfalls erwrmend und krftigend
wirkten. Der _Thee_ wirkte auf gute Sfte und ganz besonders auf Regelung
des Blutlaufes, woran es auch fehlte.


5.

Eine Wittwe bekam alle vier Wochen ein so schmerzliches Kopfweh, da sie
wahnsinnig zu werden frchtete und gewhnlich zwei bis vier Tage im Bette
liegen mute. Sie hatte frher an Gicht gelitten; die Gicht ruhte jetzt im
Krper und brach nicht in der frheren Weise aus; um so gebrechlicher und
berufsunfhiger hatte sie die ganze Person gemacht.

Hier ist angezeigt, da eine allgemeine Auflsung der Gicht und alles
dessen, was sich damit verbunden hat, eingeleitet und da der ganze Krper
innen und auen gereinigt werde. Denn gerade bei Gicht und den mit ihr
verbundenen Anstauungen ist nicht blo das Blut verdorben, sondern das Blut
wird in seinem Gange gestrt. Die besten Anwendungen fr diesen Fall sind:

1) jeden Tag mu der ganze Krper gewaschen werden mit Wasser und etwas
Essig, da die unterbrochene Ausdnstung sich wieder einstellt;

2) mu der ganze Krper in der Woche dreimal gewickelt werden; das Tuch in
Haberstrohwasser getaucht. -- So 14 Tage lang; dann kommen die Halbbder
jeden Nachmittag und der Obergu jeden Morgen. Diese wirken auflsend und
ausleitend.

Nach innen wirkt am besten Thee von Schlehblthen mit Hollunderblthen,
tglich zwei Tassen in kleinen Portionen zu trinken. Nach drei Wochen war
die Krankheit geheilt und die Hausfrau wieder gesund.




Gliederkrankheit.


Ein Mdchen von 14 Jahren hat die Gliederkrankheit; die Fe und Schultern
waren geschwollen, auch die Hnde. Es war auch voll Fieberhitze und tglich
lngere Zeit im strksten Schwei, hatte zudem keinen Appetit und Schlaf.

_Anwendungen:_ 1) Jeden Tag ein Hemd anziehen, in warmen Heublumenabsud
getaucht; 2) jeden Tag ganz waschen, und wenn die Hitze gro ist, zweimal;
3) jeden zweiten Tag Ober- und Kniegu; 4) tglich eine Tasse Thee von
Schafgarbe, Hollunderblthen und Wachholderbeeren. In drei Wochen war die
Kur vorber. Das _Hemd_ bewirkte Auflsung und Ausleitung, die _Waschungen_
Krftigung, der _Thee_ Reinigung in den Nieren; berdie wirkte letzterer
Schwei treibend.

Weitere Anwendungen: in der Woche zwei Halbbder und die Wachholderbeerkur.




Gliedersucht.


Ein Mdchen, 27 Jahre alt, hatte schon fnfmal Gliedersucht, jedesmal mute
sie acht bis zehn Wochen im Bette liegen und groe Schmerzen ausstehen;
dabei war aller Appetit und Schlaf verschwunden.

Die Anwendungen waren folgende: 1) In der Woche zweimal von unter den Armen
ganz hinunter einwickeln, das Tuch in Wasser getaucht, in dem Haferstroh
eine halbe Stunde lang gesotten wurde, 11/2 bis 2 Stunden darin liegen. 2)
Zweimal in der Woche ein Hemd anziehen, ebenfalls in warmes
Haferstrohwasser getaucht, 11/2 Stunden lang; 3) zweimal in der Woche den
ganzen Krper mit Wasser und Essig waschen vom Bett aus und dann wieder
in's Bett; 4) tglich eine Tasse Thee trinken von Johanniskraut, Salbei und
Wermuth. Diese Kur dauerte vier Wochen. Dann war die ganze Natur im besten
Zustand, die volle Kraft, guter Appetit und Schlaf vorhanden. Fr weiter
wird gut sein in der Woche ein Hemd anziehen, in warmes Haferstrohwasser
getaucht, und ein Halbbad in kaltem Wasser. Nach sechs Wochen kann auch das
Hemd wegbleiben und sind nur mehr ein oder zwei Halbbder in der Woche zu
nehmen.

_Wirkungen:_ Das _Hemd_ und die _Wickel_ bewirkten Auflsung, die
_Waschung_ Krftigung. Der _Thee_ wirkt auf Regelung des Blutlaufes und
gute Verdauung.

Die weiteren Anwendungen schtzen die Natur vor Rckkfllen und erhalten
den Krper in seiner Kraft.




Halsleiden.


1.

Ein Beamter brachte seinen Sohn, der nicht reden konnte. Er war 14 Jahre
alt und mute das Studieren einstellen. Der Vater erzhlt wie folgt: Vor
11/2 Jahren wurde mein Sohn heiser, bekam krampfhafte Zustnde im Gesicht
und Mund, so da er zuletzt stumm wurde. Ein Arzt elektrisirte ihn lngere
Zeit hindurch ohne jeglichen Erfolg; er erklrte, es mten die Mandeln
ausgeschnitten werden, sonst komme die Sprache nie wieder. Siebenmal wurden
die Mandeln ausgeschnitten oder, besser gesagt, herausgerissen. Es war
wahrhaft ein Martyrium. Jedesmal wurde mir der Trost gemacht, nach der
Operation werde die Sprache pltzlich eintreten, doch niemals trat sie ein.
Da erklrte der Arzt, es liege noch eine Mandel tiefer, und es msse
nochmals eine Operation vorgenommen werden, die aber erst nach einigen
Wochen vorgenommen werden knne, weil sich der Knabe mehr erholen msse, da
die Operation ihn schwach gemacht habe. Ich dankte schlielich fr Alles,
bezahlte meine Schuld und gab zu verstehen, da ich anderswo Hilfe suche.
Nun wurden Versuche mit Wasser gemacht.

1) Tglich bekam der Student zweimal einen Obergu;

2) tglich einmal ein Halbbad, und

3) ging er jeden Tag den greren Theil der Zeit barfu.

Nach drei Wochen besuchte der Beamte seinen Sohn, der von der Ankunft
seines Vaters wute und ihm entgegen ging. Mit heller Stimme grte der
Sohn seinen Vater. Die Stimme des Sohnes und das Aussehen desselben
brachten dem Vater die Thrnen in die Augen. Er fand den Sohn ganz frisch
und gesund, und an der Stimme war keine Spur von Gebrechen, im Gegentheil,
sie war klarer und strker als je.

Hier war also keine Spur von Mandeln, die beseitigt werden muten. Sicher
hat der Knabe sich eine kleine Erkltung in Kopf und Hals zugezogen und war
sein Leiden weiter nichts als rheumatischer Krampf. _Die Obergsse_
strkten den ganzen Oberkrper, mithin auch die Sprachorgane. _Die
Halbbder_ krftigten den ganzen Krper; das _Barfugehen_ befestigte und
hrtete das Nervensystem ab, und somit war das bel nicht blo gehoben,
sondern auch der ganze Krper in einem besseren Zustand als vorher.

Bei dieser Gelegenheit mu ich wieder ausrufen: Wenn doch die Jugend an
Abhrtung gewhnt wrde! Wie viel Elend wrde beseitigt bleiben!

Der Junge selbst bemerkte: So lange ich lebe, werde ich von Zeit zu Zeit
barfugehen.


2.

Ein Frulein, 21 Jahre alt, wurde heiser und verlor die Stimme, so da sie
keinen deutlichen Ton mehr geben konnte. Ein herbeigerufener Arzt
verordnete Inhalieren. So wurde sechs Wochen inhaliert, doch ohne Erfolg.
Ein zweiter Arzt hat wieder lngere Zeit hindurch ausgepinselt und nebenbei
auch elektrisirt; aber die Stimme kam nicht. So wurde 3/4 Jahre fortgemacht
ohne jeglichen Erfolg. Aus dieser Noth sollte wieder das Wasser helfen.

Fnf Tage hindurch bekam das Mdchen tglich zweimal, auch dreimal einen
Obergu und einen Schenkelgu, und zweimal mute es im Wasser gehen. -- Am
fnften Tag kam, whrend der Obergu angewendet wurde, pltzlich die
Stimme, aber nur auf eine Viertelstunde, und blieb bis zum sechsten Tage
aus. Whrend des Obergusses am sechsten Tag bekam sie die Stimme wieder,
und diese blieb ohne Unterbrechung, so da das Frulein mit heller Stimme
singen konnte, ohne den geringsten Nachtheil zu fhlen. -- Nach sechs
Wochen bekam ich Nachricht, da das bel vollstndig beseitigt sei.




Harnbeschwerden.


1.

Ein Mann, 50 Jahre alt, erzhlt, er habe groe Beschwerden mit dem
Wasserlassen; manchmal stehe es recht lang an, und dann kommen auch wieder
Zeiten, wo er tglich recht oft Wasserlassen msse. Schmerzen habe er nicht
besonders viel, auer wenn Harnverhaltung eintrete.

Hier ist sicher Naturschwche vorhanden, auf welche die khle Luft wie die
Wrme nachtheilig einwirken kann. Es ist der ganze Krper zu krftigen, mit
groer Vorsicht auch fr allgemeine Naturwrme zu sorgen. In diesem Fall
ist am besten:

Zweimal jeden Tag ein Obergu, einmal ein Kniegu und am Abend ein warmes
Fubad mit Asche und Salz, 14 Minuten lang. So drei Tage lang; dann tglich
Obergu und Schenkelgu und jeden zweiten Tag ein Halbbad, eine halbe
Minute lang.

_Nach innen_ ist am besten: Tglich eine Tasse Thee, in kleinen Portionen,
von 12 Wachholderbeeren, zerstoen und mit etwas Zinnkraut, 10 Minuten lang
gesotten. -- Nach 12 Tagen war dieser Kranke gesund. -- Um dem bel fr die
Zukunft vorzubeugen, ist Kniegu und Halbbad, jedes in der Woche zweimal,
das beste Mittel.


2.

Ein Mann bringt vor: Ich bin 46 Jahre alt und habe seit zwei Jahren,
nachdem ich mich einmal vernt und erkltet habe, Harnbeschwerden. Sobald
ich mich ein wenig erklte, ist die bel da, und ich bekomme dann groe
Schmerzen. Wenn die Witterung recht warm ist, dann ist es manchmal ziemlich
gut.

Hier mu gesorgt werden, da eine hhere Naturwrme erreicht wird, da
aller Krankheitsstoff, der sich angesetzt, aufgelst und entfernt wird, und
da die Harnorgane, die dadurch gelitten haben, gestrkt werden.

Die Anwendungen sind folgende:

1) Jeden Tag zwei Obergsse und zwei Schenkelgsse.

2) Den einen Tag ein warmes Sitzbad mit angeschwellten Heublumen und
gesottenem Haferstroh 12-15 Minuten, den andern Tag ein kaltes Sitzbad,
eine Minute lang.

So acht bis zehn Tage lang. Dann:

1) Jeden Tag einen Obergu und ein Halbbad. Dazu gehrt aber noch

2) fleiig barfu gehen.

Nach drei Wochen war der Kranke gesund, und um die Natur noch weiter zu
strken, war nothwendig:

In der Woche ein Sitzbad, eine Minute lang, kalt, und zwei Halbbder.

Whrend der ganzen Kur hat der Kranke tglich eine Tasse Thee von
Zinnkraut, Dornschlehblthen und Wachholderbeeren, zehn Minuten lang
gesotten, in drei Portionen whrend des Tages getrunken.

_Die Obergsse, Knie- und Schenkelgsse_ wirken strkend und erwrmend,
rtteln das Krankhafte auf und beseitigen es. Das _kalte Sitzbad_ greift
strkend und auflsend ein; das _warme Sitzbad_ untersttzt die schwache
Naturwrme, damit nicht die Klte den Sieg bekomme. Der Thee von
_Dornschlehblthen_ ist schwach harntreibend, reinigend, besonders mit
_Zinnkraut_ verbunden, und in gleicher Weise auch die _Wachholderbeeren_,
die noch besonders den Magen zu guter Verdauung strken.


3.

Ein Mdchen, 22 Jahre alt, hat sich whrend eines Gewitters ganz durchnt,
bald darauf ein starkes Fieber bekommen und kann nur unter groen Schmerzen
Wasser machen. Weil dieses bel noch nicht lange dauert und durch die
Verkltung eine Entzndung eingeleitet wurde, so kann leicht rasche Hilfe
gebracht werden, indem schnell eine knstliche Wrme der unterlegenen
Naturwrme zu Hilfe kommt und auf diese Weise die Klte verdrngt.

Die Kranke sitze ungesumt auf einen Leibstuhl, in welchem ein Gef mit
heiem Wasser ist, in welches ein paar Hnde voll Heublumen geworfen sind.
Der aufsteigende Dampf kommt auf den bloen, von oben gut bedeckten Leib,
und innerhalb 18-20 Minuten wird der Unterleib oder auch der ganze Leib
schon in Schwei sein. Die Kranke lege sich gleich darauf in's Bett, und
wird dieselbe noch einige Zeit in gelindem Schweie sein.

_Nach innen_ nehme sie eine Tasse warmen Thee von Schafgarbe und Zinnkraut
oder Johanniskraut. Durch diese Anwendung wird die Naturwrme stark
untersttzt, die Klte wird verdrngt. Im Innern wird ebenfalls durch den
warmen Thee die eingedrungene Klte verdrngt und die Harnausscheidung
ermglicht. -- Nach 6-8 Stunden soll die Kranke sich ganz waschen mit
kaltem Wasser. Dadurch wird wieder eine gleichmige Naturwrme hergestellt
und von der Natur der aufgeregte Zustand entfernt.

Sollte eine einmalige Waschung nicht ausreichen, so kann den Tag darauf
noch eine zweite vorgenommen, zudem sollen tglich 6-8 Wachholderbeeren
gegessen werden.




Hautausschlge und Geschwre (Masern, Scharlach&c.).


1.

Kaum hat der Frhling an den Bumen die Bltter in herrlichem Grn
hervorgebracht, so sieht man auch schon an einem greren Theile der Bume
einzelne Blttchen, die gelb werden und abstehen, mithin schon jung krank
geworden sind. Die Ursachen mgen verschieden sein, besonders wenn an einem
Bumchen alle Bltter verwelken. hnlich ist es auch in der menschlichen
Natur. Die Kinder bekommen oft schon in den ersten Wochen, Monaten oder
Jahren, wenn sie auch vorher gesund und krftig sind, einem Baume im
Frhling gleich, gerthete Flecken; man bezeichnet sie mit den Namen
Masern, Scharlach, Nesseln, Flechten. Diese Kinderkrankheiten rauben in
jedem Jahre Tausenden das Leben; ich bin jedoch der berzeugung, da, wenn
eine Mutter recht vorsichtig ist, kein Kind sterben wird, falls es sonst
gesunde Organe hat. Man findet diese Krankheiten aber nicht blo bei den
Kindern, sondern auch gerne bei den Erwachsenen, selbst bei den krftigsten
Naturen; die Grnde mgen verschieden sein. Eine ungesunde _Kost_ wird
nicht das beste Blut geben, ebenso ungesunde _Luft_ in den Schlafzimmern,
vor Allem aber zu groe _Verweichlichung_, die Schlaffheit bewirkt, und wo
diese einmal Eingang gefunden hat, wird schwer mehr das Ungesunde
ausgeschieden werden, und der Gesundheitszustand wird abnehmen. Beispiele
machen Die klar.

Eine Mutter merkt, da ihr zweijhriges Kind keine Ruhe hat, weint und
schreit. Sie fhlt, da die Kindesnatur eine ungewhnliche Hitze hat. Sie
merkt auf einmal, da das Kind auf dem Rcken kleine Flecken (Ausschlag)
bekommt. Sie hat das Zeichen, da Ungesundes im Krper ist und aus
demselben herausschaut, wie man zum Fenster hinausschaut. Die Mutter sume
nicht, dem Kinde ein Hemd anzulegen, in warmes Wasser getaucht, in das
etwas Salz geworfen ist, wickle es in eine Decke und lege es ins Bett; das
Kind wird bald schlafen. Beim Aufwachen soll das Hemd abgenommen werden,
und sie wird sehen, da sich viele Flecken schon gebildet haben und somit
kranker Stoff ausgeschieden ist. Wenn sie nach einigen Stunden merkt, da
das Kind wieder Fieber hat, so wasche sie dasselbe, aber nur ganz kurz,
ohne abzutrocknen, mit frischem Wasser. So kann sie es im Tage zwei- oder
dreimal thun, je nachdem die Hitze grer oder geringer ist. Auch das Hemd
kann jeden Tag angelegt werden. Nach 3-4 Tagen wird das Kind von diesem
ungesunden Stoffe gereinigt sein und wieder gedeihen.


2.

Max, sechs Jahre alt, bekommt heftiges Fieber und Kopfschmerzen, kann nicht
essen und hat groen Durst. Man befrchtet, es sei Scharlach, welcher
gerade im Orte herrscht. Weil der Knabe doch nicht auf sein kann, so soll
man ihn jede Stunde, wenn der Krper viel Hitze hat, ganz waschen und so
1-2 Tage fortmachen, bis die Hitze nachlt; kommt sie aber wieder, dann
soll er aufs Neue gewaschen werden. Kommt dann Scharlach heraus, so ist
Die ganz recht; nur fleiig fortwaschen. Kommt aber kein wirklicher
Scharlachflecken heraus, so ist der Krankheitsstoff durch die Poren bereits
ausgeleitet. In beiden Fllen ist geholfen.


3.

Ein Mdchen, acht Jahre alt, klagt, ihm thue Alles am Krper recht wehe, es
knne nicht mehr gehen und stehen und habe am rechten Fue zwei groe rothe
Flecken, die stark brennen. -- Es sind hier ungesunde Stoffe vorhanden. Das
Kind soll tglich einigemal ganz gewaschen werden, oder es soll ihm
einigemal in der Woche ein nasses, grob-leinenes Hemd angezogen werden, in
welchem es, gut eingewickelt, 11/2 Stunden lang im Bett bleibt. Es soll
der ganze Krper behandelt werden; je mehr Flecken sich zeigen, um so
rascher folgt die Heilung. Nur nicht Angst haben, da bei den Ausschlgen
die Waschung schade. Der Beweis hiefr ist ja gegeben dadurch, da durch
die Anwendungen der Ausschlag hervorgelockt wird.


4.

Ein Mdchen, 26 Jahre alt, erzhlt: Vor zwei Jahren habe ich mich einmal
stark vernt und groes Fieber bekommen. Seit dieser Zeit bin ich nie mehr
gesund. Es fehlt mir der Appetit und Schlaf; ich bin so kraftlos, da ich
nur kleine Hausarbeiten verrichten kann; besonders habe ich alle vier
Wochen viele Krmpfe und bestndig Ausschlag, bald auf dem Rcken, dann an
den Schenkeln oder andern Theilen des Krpers. Wenn der Ausschlag stark
heraus ist, dann ist mir am wohlsten; wenn er bereits verschwunden ist, am
schlimmsten.

Diese Person hat sich also verdorben, und die ganze Natur hat eine groe
Strung erlitten. Sie hat ihre geregelte Transspiration verloren, und es
hat sich dann Ungesundes im Krper gebildet, das bald da, bald dort einen
Ausweg sucht. Dieser ungesunde Stoff mu ausgeleitet, die Unordnung im Blut
beseitigt, die ganze Natur mehr belebt und gestrkt werden. Die kann
geschehen durch folgende Anwendungen:

1) Jeden zweiten Tag eine Ganzwaschung mit Wasser und Salz darin. Dadurch
wird die Krperwrme erhht und eine gleiche Ausdnstung befrdert.

2) Jeden dritten Tag einen kurzen Wickel, der die kranken Stoffe auflst
und aussaugt, das Tuch in Heublumenwasser getaucht.

3) Jeden dritten Tag einen Obergu und Schenkelgu zur Krftigung und zu
grerer Thtigkeit in allen Theilen.

4) Jeden zweiten Tag ein Halbbad; Die wirkt strkend und ausscheidend auf
die ganze Natur.

_Nach innen:_ 1) Tglich eine Messerspitze voll weien Pulvers zur
Krftigung der Natur, 2) tglich eine Tasse Thee von Johanniskraut, Salbei
und Wermuth. Die wirkt auf guten Magen, gute Sfte und Regelung des
Blutes.

In vier Wochen war der ganze Krper in der Ordnung. Zur weiteren
Befestigung und Erhaltung der Gesundheit in der Woche 2-3 Halbbder. So
armselig diese Person beim Beginn der Kur sich gefhlt, so glcklich war
sie nachher.


5.

Eine arme Frau zeigte mir ihre Hand, die ganz scharlachroth war. Ein
bestndiger Ausflu aus der Hand hatte die Haut gleichsam zerfressen. Sie
bat um Hilfe; sie habe das Leiden seit sechs Wochen, und was sie gethan
habe, sei ohne gnstige Wirkung geblieben. Der Schaden greife immer weiter
um sich. Der Anfang sei ein kleiner Rothlauf gewesen, und sie habe
geglaubt, das habe nicht viel Bedeutung. Ich rieth, tglich zweimal
Folgendes anzuwenden: Angeschwellte Heublumen werden um die Hand gebunden,
da der ganze Schaden berall mit Heublumen bedeckt ist. Die Heublumen
sollen nicht hei, sondern angenehm warm sein; zwei Stunden mssen
dieselben liegen bleiben. Anfangs wurde der Schaden noch rger; nach sechs
Tagen besserte sich die Hand, und in 12 Tagen war sie wieder geheilt.
Dieses Weib war frher gesund und hatte nie solchen Ausschlag gehabt, und
dehalb war es nur ein recht vergifteter Rothlauf. Daher hat auch eine
rasche Ausleitung eine baldige Heilung zur Folge gehabt.


6.

Ein Herr erzhlt: Ich habe einen Ausschlag auf dem Kopf unter den Haaren,
besonders aber unter meinem starken Bart, degleichen auf der Schulter. Im
Gaumen und Rachen empfinde ich oft brennende Schmerzen. Vier rzte habe ich
gebraucht; es wurden viele Salben eingerieben, mit verschiedenen Wassern
wurde mein Kopf gewaschen, auch Mineralwasser habe ich gebraucht, aber
Alles vergebens. Der ganze Zustand wird eher schlimmer als besser. Wie kann
ich von diesem bel frei werden?

Antwort: 1) Jede Woche zwei Kopfdmpfe, 20 Minuten lang, darauf krftig
abwaschen. 2) In jeder Nacht den ganzen Krper waschen. 3) Tglich eine
Tasse Thee von Zinnkraut und 10-12 Wachholderbeeren, 10 Minuten lang
gesotten, in drei Portionen trinken. So drei Wochen lang. Dieser Ausschlag
kommt von Ungesundheit im ganzen Krper. Durch Dampf werden die Poren
geffnet, die Ungesundheit aufgelst und ausgeleitet. Die Waschungen
strken den Krper zur Ausscheidung. Der Thee wirkt reinigend und
auflsend.




Hfte, verschobene.


Mir wurde ein Mdchen aus einer groen Stadt gebracht, zehn Jahre alt; das
Gesicht deutete auf die Blthe des Lebens. Doch jeder Fu hatte eine eigene
Maschine, in die er fest eingeschnallt war. Ein Fu war ungefhr fnf
Centimeter krzer als der andere; zudem stack auch der Oberleib in einer
eigenen Maschine, die rechte Hfte war ganz verschoben. Es ging dabei an
zwei Krcken und war auch mit diesen nicht im Stande, eine lngere Strecke
zu gehen. ber vier Monate schleppte sich das arme Kind mit diesen drei
Maschinen herum, nachdem alle mglichen Versuche vorausgegangen waren.
Durch die Maschinen sollten die Fe in Ordnung gebracht und das Rckgrat
durch die Einzwngung steif werden. -- So weit half die Wissenschaft!

Ich machte nun einen Versuch, lie alle drei Maschinen entfernen und das
Kind auf eine feste Matratze legen. Soweit es leicht mglich war, wurde die
Ausbiegung an den Hften eingeschoben, was in drei Sekunden gelang. Die
Fe wurden neben einander gelegt, und so wurde das in Ordnung gelegte Kind
mit einem Tuche umwunden, von unter den Armen bis an die Kniee; das Tuch,
das auf dem Leib lag, wurde in Heublumenwasser getaucht. Dieser Wickel
dauerte tglich zwei Stunden.

Tglich bekam das Kind dreimal einen Schenkelgu mit zwei Gieern voll
frischen Wassers. Nachdem so fnf Tage fortgemacht worden, konnte das Kind
schon gerade stehen; auch der Rcken blieb gerade.

Die Anwendungen wurden weiter fortgesetzt, und nach 14 Tagen konnte das
Kind langsam, allein und ganz gerade gehen, natrlich nur krzere Strecken.

Nach drei Wochen hatte das Kind schon bedeutende Fortschritte gemacht. Es
ging so gerade wie andere Kinder. Beide Fe waren gleich lang, und auer
einer weitern Erholung fehlte ihm nichts mehr. Die volle Kraft erreichte
das Kind nach sechs Wochen.

Das Auffallende dabei war, da das Kind gut genhrt war, ganz ungewhnlich
frisch und gesund aussah, kurz ein stattliches Kind war. Am ganzen Krper
konnte man nichts Unrechtes finden, blo das linke Knie war etwas
angeschwollen, schmerzhaft und steif. Dieser Fu wurde aber fr den
gesunden gehalten, weil er der lngere war. Ich fhrte zwei rzte zu diesem
Kinde, um ihr Urtheil zu hren. Der eine sagte: Hier hat die Wissenschaft
kein Wort; sie konnte dehalb wohl Maschinen anlegen, aber das Kind nicht
heilen; der andere erklrte: Hier kann die Wissenschaft nichts thun.

Ich beurtheilte die Sache so: Das Kind hat am Knie des linken Fues, wo der
Schmerz und die Steifheit war, einen kranken Stoff, sei es durch
ausgetretenes Blut oder durch Reibung oder Schlag, bekommen. Durch eine
innere dadurch entstandene Entzndung litt auch der Knochen; somit gab
dieser Fu nach, und die weichen Gebeine verschoben sich, wie wenn ein
schwacher Balken seine Last nicht zu tragen vermag. Das Kind mute somit
durch die Ruhe und rechte Haltung, sowie durch die Anwendungen gekrftigt,
aber auch der Krankheitsstoff aus dem Knie ausgeleitet werden, was in der
That geschehen ist dadurch, da das Knie tglich 2-4 Stunden mit
angeschwellten Heublumen umwunden wurde.




Kinderkrankheiten (einige).


1.

Eine Mutter erzhlte: Ich habe einen Knaben, der gesund und frisch zur
Welt gekommen war und sechs Wochen hindurch gedieh. Nachher aber bekam er
einen aufgedunsenen Krper, konnte nicht mehr gut schlafen, weinte viel und
blieb jetzt zehn Wochen fast immer gleich.

Was hat hier gefehlt? Dieses Kind hat zu frh zu schwere Nahrung bekommen,
welche nicht ertragen und gehrig verwerthet werden konnte. Es fllte sich
dehalb der Krper zu stark, es entwickelten sich zu viele Gase, und so
mute die kleine Maschine in ihren Funktionen erliegen.

Dieser Knabe soll:

1) tglich mit kaltem Wasser ganz und flchtig gewaschen, aber nicht
abgetrocknet werden,

2) in der Woche zweimal und spter einmal ganz eingewickelt werden von
unter den Armen hinunter. So vier Wochen lang; dann soll er blo jeden Tag
einmal mit kaltem Wasser gewaschen werden,

3) tglich Eichelkaffee mit Milch in kleinen Portionen bekommen und
allmlig an die einfachste Kost gewhnt werden.

Nachdem diese Anwendungen acht Wochen hindurch gebraucht wurden, war der
Knabe frisch und gesund.

_Der Eichelkaffee_ mit Milch gibt dem Kind krftige Nahrung, die Gasfabrik
hrt somit auf, und es wird dem Kind leichter und wohler. Durch die
_Waschungen_ wird die Natur gekrftigt und so die verlorne Gesundheit
wieder hergestellt. Die _Wickel_ wirken auf den Krper auflsend und
strkend.


2.

Ein Kind, 3/4 Jahre alt, hat ganz trbe, angeschwollene Augen mit stark
angelaufenen Lidern. Es kann unmglich in die Helle sehen. Der ganze Kopf
scheint viel zu gro, ist ganz aufgedunsen. Die Gesichtsfarbe ist
todtenbla, der Leib um die Hfte viel zu dick, Hnde und Fe sind ganz
abgemagert. Die meiste Zeit weint und jammert das Kind.

Dieses Kind hat unreines Blut und ist dehalb sehr geschwcht. Die Nahrung
erzeugte kein gutes Blut, somit entstand allseitige Anstauung, und konnten
die Extremitten nicht gehrig genhrt werden.

Das Kind soll:

1) tglich, nur eine Minute lang, in ein warmes Bad von 30 Grad Celsius,
gleich darauf, nur 2-3 Secunden lang, in's kalte Wasser getaucht werden,

2) tglich einmal mit Wasser und Essig abgewaschen und unabgetrocknet
wieder in's Bett gelegt werden,

3) jeden zweiten Tag und nach acht Tagen jeden dritten Tag eine Stunde lang
in ein Tuch gewickelt werden, das vorher eingetaucht wurde in warmes
Wasser, in welchem Heublumen oder Haberstroh gesotten worden,

4) tglich dreimal, jedesmal 4-5 Lffel voll schwarzen Malzkaffee, mit
Zucker oder besser Honig verst, trinken. -- Die brige Kost soll ganz
einfach sein, ohne alles Geistige und Gewrz.

In vier Wochen war das Kind gesund und krftig. Das wiederhergestellte Kind
soll fr weiter:

5) tglich kalt und rasch abgewaschen, aber nicht abgetrocknet werden; oder
noch besser, den einen Tag kalt gewaschen, den andern kalt gebadet, drei
Secunden lang, aber immer nur Hnde und Fe abgetrocknet werden.

_Das warme Bad_ erhht die Naturwrme des Kindes, damit das kalte Wasser
besser wirken kann, da sonst die Naturwrme zu schwach wre. Der
_Malzkaffee_ reinigt die Natur im Innern und erzeugt gute Stoffe fr das
Blut. _Der Wickel_ zieht durch die Poren alle faulen Stoffe aus.


3.

Ein Kind, 5 Jahre alt, ist mehr als zur Hlfte blind, hat rechts und links
am Hals Drsenerhhungen wie eine Welschnu; der Krper ist ganz
ungewhnlich dick und aufgelaufen. Es hat keinen Appetit, nimmt fast keine
Nahrung, am liebsten noch Bier und Wein.

Dieses Kind hatte von Geburt an krankhaftes Blut, oder letzteres wurde
durch verkehrte Nahrung krankhaft gemacht. In Folge dessen fehlte die
gehrige Ausdnstung; es entstand allseitige Anstauung im Kopf, Hals und
Leib und dadurch ungeregelter Blutlauf.

Zur Heilung Folgendes: Das Kind soll:

1) tglich in Heublumen eingewickelt werden, warm -- eine Stunde lang;

2) tglich mit ganz kaltem Wasser recht schnell abgewaschen werden;

3) tglich 3-5 Mal 4-5 Lffel voll Milch bekommen, in welcher etwas
gemahlener Fenchel gesotten wurde. -- So zwlf Tage lang.

Nach 12 Tagen soll der Wickel nur jeden dritten Tag, die Waschung aber
tglich zweimal vorgenommen werden. Ist dann das Kind ganz gesund, so soll
es tglich kalt gewaschen werden oder 4-5 Secunden lang ein kaltes Bad
bekommen.

_Die Kost_ soll recht einfach und nahrhaft sein und nur in kleinen
Portionen, aber fters gereicht werden.

_Der Heublumenwickel_ wird alles berflssige auflsen und aufsaugen. _Das
kalte Wasser_ wird die Natur strken und die Naturwrme vermehren. _Die
Milch_ gibt gute Nahrung, _der Fenchel_ krftigt den Magen und leitet die
Gase aus.


4.

Eine Mutter bringt ihre neunjhrige Tochter und erzhlt: Meine Tochter hat
schon mehrere Wochen den sogenannten blauen Husten. Wenn der Husten
anfngt, steigert er sich und wird so heftig, da sie ganz blau wird, und
man glaubt, sie msse ersticken. Dann hat sie fter geschwollene Hnde und
Fe. Der Herr Doktor hat gesagt, sie habe Nierenkatarrh. Alles, was
angewendet wurde, hat nichts geholfen, wenigstens bleibt es immer beim
Alten. Es ist kein Appetit und kein Schlaf da. Was ist doch anzufangen?

Folgendes: 1) Viermal in der Woche soll das Kind bis unter die Arme ganz
eingewickelt werden. Das hiezu gebrauchte Tuch mu in warmes Wasser
getaucht werden, in welchem Heublumen gesotten wurden. 2) Zweimal in der
Woche ein Vollbad nehmen, so warm, wie von der Sonne im Sommer erwrmt,
also ungefhr 19 Grad Celsius 1/2-1 Minute lang. 3) Tglich dreimal je 4-6
Lffel Thee trinken von Johanniskraut, Schafgarbe und Brennesseln. In 14
Tagen war das Kind geheilt. Der Husten war verschwunden, Arme und Fe frei
von Geschwulst, und der Urin war in der Ordnung. Zur Krftigung und
Erhaltung der Gesundheit mute das Mdchen noch einige Zeit in der Woche
1-2 Halbbder nehmen, 1/2 Minute lang.

Die Anwendungen wirkten, wie folgt. Die _Wickel_ lsten auf und leiteten
alle ungesunden Stoffe, alle Hitze und Entzndung aus und dmpften jeden
Reiz zum Husten. Die _Bder_ krftigten den ganzen Krper und die Natur.
Der _Thee_ wirkte im Inneren auf Ableitung aller verlegenen, schlechten
Stoffe, und so wurde das arme Mdchen wieder gesund.




Kopfleiden.


1.

Augustin, 52 Jahre alt, klagt ber Folgendes: Durch 12 Jahre habe ich
immer Kopfleiden. Anfangs machte ich mir nicht viel daraus, es steigerte
sich aber so, da ich berufsunfhig bin. Ich fhle bestndig schmerzlichen
Druck oben auf dem Kopfe; frher hatte ich keinen Schwindel, und jetzt
steigert er sich von Monat zu Monat. Ich mu oft aufmerken, da ich auf dem
Wege zurecht komme. Mein Unterleib ist auch nicht in Ordnung, ist
regelmig stark aufgetrieben, und selten sind meine Fe warm. Mein
Gewicht betrgt 206 Pfund. Gelebt habe ich ordentlich; denn wenn ich mich
im Essen und Trinken nicht sehr in Acht genommen, so wre ich schon lngst
arbeitsunfhig. Wer kann mir helfen? Ich werde jeder Anordnung Folge
leisten. Ich habe schon mehrere rzte gehabt, bin allen Anordnungen
nachgekommen, habe aber nie Hilfe, hchstens auf kurze Zeit Linderung
bekommen.

Die Anwendungen sind folgende: Tglich einmal Kniegu und barfu im Wasser
gehen. Jeden Morgen einen Obergu, jeden Nachmittag einen Rckengu. So 12
Tage lang. Die Fe waren in Folge dieser Anwendungen fast immer warm, der
Druck auf den Kopf hat zum grten Theil nachgelassen. Der Schlaf, der
vorher sehr schlecht war, stellte sich immer mehr ein. Durch Urin hat sich
tglich recht viel kranker Stoff ausgeschieden. Das Aussehen war wie
umgewandelt.

Die weiteren Anwendungen waren: Jeden Morgen einen Schenkelgu und Obergu,
jeden Nachmittag ein Halbbad. So 14 Tage hindurch. Whrend dieser Kur wurde
zur Auflsung, Reinigung und Ausleitung nach innen im Wechsel gebraucht:
Wermuthextract, dann ferner Extracte von Zinnkraut, Hagebutten und
Wachholderbeeren. Augustin erklrte dann: Mein Kopfweh ist weg, meine
Fe sind ganz warm, Appetit und Schlaf gut. Das Gewicht hat um einige
Pfund sich vermindert; der Umfang aber ist um Vieles kleiner geworden.

Was hat hier gefehlt? Das Blut drang zu sehr in den Kopf, daher die kalten
Fe und Hnde, wo nur theilweise mehr Blut war. Im Unterleib waren grere
Anstauungen, die viel Gase bewirkten.

Die Kniegsse leiteten das Blut abwrts. Die Obergsse krftigten den
Oberkrper und preten die schwammige Natur zusammen. Die Schenkelgsse
setzten fort, was der Kniegu begonnen. Die Halbbder krftigten den ganzen
Krper und brachten mit dem Rckengu den ganzen Blutlauf in grere
Thtigkeit. Die Mittel nach innen wirkten auflsend, reinigend und
bewirkten gute Verdauung. Auf diese Weise waren die belstnde beseitigt,
und der Krper mute gesund werden.


2.

Margaretha, 28 Jahre alt, erzhlt: Ich bin nie ohne Kopfschmerzen, blo
sind sie den einen Tag etwas gelinder als den andern. Hufig sind sie so
stark, da ich schon oft gedacht habe, ich werde noch wahnsinnig. Meine
Hnde und Fe sind regelmig kalt, und alle vier Wochen habe ich
regelmig Kopf- und Leibschmerzen, so da ich gewhnlich vier bis fnf
Tage im Bett liegen mu. Sonst wrde mir nichts fehlen.

_Anwendungen:_ 1) Jeden Tag zweimal im Wasser gehen bis an die Kniee; 2)
jeden Tag zweimal Obergu, jeden zweiten Tag ein Sitzbad. So acht Tage
lang. Nach diesen acht Tagen jeden Morgen Knie- und Obergu, jeden
Nachmittag Halbbad. Nach 14 Tagen war der Kopfschmerz gnzlich beseitigt,
die Fe und Hnde hatten die volle Wrme. Der Appetit war gut, und der
verlorene Schlaf hatte sich wieder eingestellt. _Nach innen_ wurde
angewendet acht Tage lang tglich eine Tasse Thee von Johanniskraut und
Schafgarbe, in der folgenden Woche von Johanniskraut und Wermuth. Wie
wirkte hier die Anwendung? Ganz einfach: Knie- und Obergu wirkten strkend
auf den Oberleib und leiteten das Blut in die Fe. Die Halbbder brachten
mehr Thtigkeit in den Krper und strkten den ganzen Krper. Das Sitzbad
wirkte besonders strkend auf den Unterleib. Der Thee in den ersten acht
Tagen bewirkte Regelung des Blutlaufes und der Thee in der zweiten Woche
noch nebenbei gute Verdauung. Hier war die Hauptkrankheit Strung im
Blutlauf.


3.

Ein Herr aus der Stadt, 58 Jahre alt, bringt vor: Ich habe seit mehreren
Jahren Kopfleiden. Durch sechs Jahre hat es immer zugenommen. Zeitweilig
war es kaum merkbar, dann wieder recht heftig. Seit zwei Jahren hat es gar
nicht mehr aufgehrt. Dazu kam noch Schwindel, der Anfangs auch nur gelinde
war; aber jetzt mu ich aufmerken, da ich auf dem Wege zurecht komme.
Zweimal bin ich schon umgefallen, und man glaubte, es werde ein
vollstndiger Schlag mich getroffen haben. Der Arzt aber sagte, es sei noch
kein schwerer Schlag, aber doch sei Blut im Gehirn ausgetreten. Nachdem ich
drei Tage geschlafen, wurde es wieder ordentlich. Kopfweh wre jetzt
manchmal nicht so stark, wenn nur nicht der Schwindel so arg wre. Ich habe
fters Medizin gebraucht, auch mehrere rzte gehabt, aber es blieb beim
Alten. Mein letzter Arzt verordnete mir Karlsbader Salz, das ich tglich
nehme. Ich fhle jedoch keine Besserung. Jetzt mchte ich versuchen, mit
Wasser mich zu heilen; welche Anwendungen soll ich gebrauchen? Bemerkt sei
noch, da ich sehr stark aufgetrieben bin, und meine Fe fast immer kalt
sind. Appetit wre da, wenn ich nicht so voll wre. Esse ich nach Appetit,
dann wird mir gar so bang.

_Anwendungen:_ 1) In der Woche drei kurze Wickel, jeden 11/2 Stunden lang,
in kaltes Wasser getaucht. 2) Jeden Tag einen Obergu und Kniegu, jede
Nacht vom Bette aus ganz waschen und dann wieder ins Bett. 3) Tglich eine
Tasse Thee trinken von 12 Wachholderbeeren und etwas Zinnkraut, 10 Minuten
lang gesotten und in drei Portionen, trinken. So 14 Tage lang. Dann: 1) den
einen Tag Ober- und Kniegu, den anderen Tag ein Halbbad eine halbe Minute
lang; 3) jeden zweiten Tag eine Tasse Thee von Zinnkraut und Wermuth, in
drei Portionen getrunken. Die wieder 14 Tage lang. Der Kranke war nach
vier Wochen soweit hergestellt, da Kopfweh und Schwindel verschwunden, der
Appetit gut und, weil alle Gase beseitigt, auch der Unterleib in Ordnung
war. Weiter war nur noch nothwendig in der Woche ein kurzer Wickel und ein
Halbbad.

Die _Wirkungen der Anwendungen_ waren wie folgt: Die Wickel leiteten die
Gase aus und reinigten den Unterleib von schadhaften Stoffen. Der Ober- und
Kniegu bewirkten Strkung, grere Erwrmung und geregelten Blutumlauf.
Der Thee reinigte im Inneren, besonders in den Nieren und Gedrmen.


4.

Ein Herr, 36 Jahre alt, erzhlt: Ich habe bestndig Kopfweh, sehr hufig
Augenweh; eine Flssigkeit strmt oft aus den Augen, die recht brennt. Der
Schmerz kommt auch fter in die Ohren, Schlaf habe ich vor Schmerz oft die
ganze Nacht nicht. Die Fe sind immer eiskalt. So lebe ich schon Jahre
hindurch in Noth und Elend und habe keinen Erlser gefunden.

Folgende _Anwendungen_ halfen in 14 Tagen (es war Frhlingszeit): 1) Der
Leidende ging jeden Tag zweimal, jedesmal eine halbe Stunde barfu auf
einer Wiese oder auch im Thau; 2) bekam er jeden Tag zweimal einen Ober-
und Kniegu; 3) jeden zweiten Tag ein Sitzbad eine Minute lang im kalten
Wasser. Nach 14 Tagen war der Kranke gesund. Hier waren die Hauptfehler der
Blutandrang in den Kopf, da der Kranke den Hals und Kopf viel zu warm
gehalten und dadurch das Blut mehr in den Kopf geleitet hatte.

_Erklrung der Wirkungen:_ Nichts verweichlicht die Fe mehr, als wenn sie
recht kalt sind, fast ohne Blut und dehalb nur sprlich genhrt werden.
Das Gehen auf nassem Boden bewirkte Abhrtung und leitete das Blut vom
Kopfe ab. Noch strker wirkte der Obergu, abhrtend, zusammenziehend,
strkend. Die Sitzbder wirkten strkend und erwrmend auf den Unterleib.
So wurde in kurzer Zeit das bel gehoben. Um fr den ganzen Krper Kraft zu
gewinnen und die Gesundheit zu bewahren, wurde jede Woche ein Halbbad, ein
Ober- und Kniegu verordnet.


5.

Anna erzhlt: Ich habe bestndiges Kopfleiden und bin immer voll
Schnupfen. Meine Fe sind selten warm, oft die halbe Nacht eiskalt. So
leide ich zwei Jahre, und Alles, was ich angewendet habe, hat mir nicht
geholfen. Seit einigen Wochen habe ich solche Schwermuth, da mir Alles
entleidet ist. Was ich schon angewendet habe, hat mir keine Hilfe gebracht.
Was ist zu thun?

1) In der Woche zwei kurze Wickel, jeden 11/2 Stunden lang; 2) den einen
Tag einen Obergu und Kniegu; 3) den andern Tag ein Halbbad. Nach drei
Wochen war die Kranke geheilt. Eingenommen hat sie tglich eine Tasse Thee
von Johanniskraut und Schafgarbe.

Die _Anwendungen_ wirkten wie folgt:

Weil hier zu starker Blutandrang zum Kopf war und dehalb durch kalte Luft
viel Schnupfen sich eingestellt hatte, weil ferner der innere Krper
verschleimt war, wurden die Wickel genommen, die auflsten und ausleiteten.
Durch Obergu und Kniegu wurde aufgelst, der Krper gekrftigt und durch
das Halbbad allgemeine Krftigung des ganzen Krpers erzielt. Der Thee
bewirkte Auflsung im Inneren und eine geregelte Circulation des Blutes,
was besonders durch das Johanniskraut erzielt wird.




Krmpfe.


Wie hufig kommt es doch vor, da Leute in jungen Jahren wie im hohen Alter
mit Krmpfen behaftet sind und bei jeder Kleinigkeit in Krmpfe verfallen!
Eine groe Freude ist im Stand, die Krmpfe zu wecken, rgerni, Verdru,
Widerwillen, Abneigung gegen Jemand oder Etwas, Widerspruch des Eigensinnes
und alle mglichen Kleinigkeiten knnen solche Menschen in die grte
Aufregung bringen und Krmpfe erzeugen. Was ist in solchen Anfllen zu
thun?

Sind die Krmpfe auf der Brust, so da die Personen oft nicht mehr reden
knnen, so tauche man ein vierfaches Tuch in Wasser und Essig und lege es
auf den Unterleib; nach einer Stunde frisch eintauchen. Ist der Kranke
recht kalt, dann wird das Tuch in heies Wasser mit Essig getaucht; hat er
groe Hitze, dann in kaltes Wasser mit Essig. Durch diese Anwendung tritt
gewhnlich alle Ruhe am ganzen Krper ein, und der Krampf hrt auf. Hrt er
aber in zwei Stunden nicht auf, dann mu die bezeichnete Anwendung noch
fortgesetzt werden. -- Haben die Krmpfe aufgehrt, dann knnen
Ganzwaschungen vorgenommen werden mit Wasser und Essig, und zwar zwei- bis
dreimal innerhalb eines Tages. Wie die warme Auflage eine allgemeine Wrme
bewirkt, so bewirkt auch die Ganzwaschung mit Wasser und Essig die
Erhaltung und Vermehrung der Naturwrme und bringt den Blutlauf in gehrige
Ordnung, was am nothwendigsten zur Heilung ist. -- Noch besser thut man,
wenn man zu den Waschungen tglich einmal ein Hemd anlegt, in Wasser und
Essig getaucht. -- Nach innen taugt am besten Anserinenthee, in Wasser oder
Milch gesotten so warm, als der Kranke die Milch trinken kann. Auf diese
Weise knnen krankhafte Zustnde leicht gehoben werden. Die Krmpfe kommen
doch regelmig bei schwchlichen Naturen vor, bei Blutarmen, und sind eine
Qual fr viele Tausende -- wieder ein Beweis, wie nothwendig fr Abhrtung
und gute Nahrung gesorgt werden soll, um solche Krmpfe zu verhten.

Darum kann nicht genug ermahnt werden, der Jugend eine gute Kost zu geben
und alles Geistige zu entziehen. Mit welchem Material ein Haus gebaut ist,
so steht es da zur Ausdauer oder zum Einsturz. So nothwendig die Nahrung
ist und so viel auf sie ankommt, gerade so nothwendig sind die Abhrtungen.
Die Weichlinge werden verschwinden, wenn die Abhrtungen Fortschritte
machen und gute Kost mit Abhrtung vereinigt wird. Wie viel Klagen, wie
viel Jammer und Unzufriedenheit knnte leicht verhtet werden!




Leberleiden.


Ein Fremdling erzhlt: Ich komme bei 200 Stunden weit her. Ich habe eine
solche Enge auf der Brust, da ich oft recht groe Athemnoth habe. Mein
Unterleib ist oft so aufgetrieben, da ich glaube, ich msse zerplatzen.
Ich habe keine Ruhe bei Tag und Nacht. Wie mein Aussehen gelb ist, so
sagten auch mehrere rzte, ich sei brust- und leberkrank, und in den Nieren
fehle es ebenfalls. Ich war schon in Karlsbad, habe auch andere Bder
besucht, aber immer ohne Erfolg. Ich habe 27 heie Bder genommen. Diese
aber haben mir am meisten geschadet. Denn seit dieser Zeit bin ich um und
um voll Rheumatismus. Wenn mir das Wasser keine Hilfe bringt, bin ich gewi
verloren.

Die _Anwendungen_ waren folgende:

1) Tglich zwei Obergsse, ein Rckengu und ein Schenkelgu. So drei Tage
hindurch.

Diese Anwendungen krftigten den ganzen Krper, damit um so leichter alle
inneren Zustnde gebessert werden konnten unter Beihilfe der Natur.

Die weiteren _Anwendungen_:

2) Tglich einen Obergu;

3) tglich ein Halbbad;

4) tglich einen Rckengu.

So acht Tage lang. Die weiteren _Anwendungen_:

Dreimal tglich nach einander einen kurzen Wickel 11/2 Stunden lang, das
Tuch in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten wurden, dazu noch
tglich ein Halbbad und Rckengu. Die Wirkung war, da bei den ersten
Anwendungen auffallend viel Urin abging; spter kam viel Gries und Stein
und so viel Unrath und Schleim im Urin, da der Kranke glaubte, er knne
nicht mehr gesund werden, wenn so viel Unrath in seinem Krper sei.
Bemerkt sei hier, da der Kranke tglich eine Tasse Thee eingenommen hat,
im Anfang von Schleeblthen, Schafgarbe und Johanniskraut; spter wurde
Zinnkrautthee mit Wachholderbeeren und Wegtrittkraut getrunken. Dieser Thee
hat die vielen Steine und den Gries ausgetrieben. In der dritten Abtheilung
bekam der Kranke einen Thee von Schafgarbe, Salbei und Bitterklee zu guter
Verdauung und Verbesserung des Blutes. Die ganze Kur dauerte sechs Wochen,
und mit folgenden Worten verlie der Kranke mein Zimmer: Mein Kopf ist
leichter als je; in meiner Brust fhle ich nichts mehr. Mein Unterleib ist
ganz in Ordnung, habe besten Appetit und Schlaf und freue mich, so
glcklich in meine Heimath zurckkehren zu knnen.




Lungenleiden (angehende Schwindsucht, Katarrh, Emphysem,
Verschleimung&c.&c.).


1.

Ein Frulein, 19 Jahre alt, erzhlt: Mir sind schon drei Geschwister an
der Schwindsucht gestorben, und ich habe Sorge, da ich dieser Krankheit
auch zum Opfer falle. Ich huste zwar nicht, aber ich bin doch oft so mde,
da ich fast keine Arbeit verrichten kann. Auch mein Gemthszustand ist
recht gedrckt. Selten habe ich Appetit und bin mit wenig ganz gesttigt;
krftige Kost kann ich nicht ertragen. Wenn ich keine Hilfe bekomme, werde
ich sicher schwindschtig.

Aus dieser Erzhlung geht klar hervor, da dieser Krper nicht heranwchst,
um stark und krftig zu werden, sondern schon whrend des Wachsens zu
schwinden beginnt, und wenn kein Einhalt geschieht, tritt Siechthum ein,
und das Wort Schwindsucht ist am rechten Platz.

Hier mu dahin gewirkt werden, da der ganze Krper gekrftigt wird, und
zwar im ueren und Inneren. Ein solch schwchlicher Krper ist nicht im
Stand, das Gute aus der Nahrung zu ziehen. Dehalb ist eine innere und
uere Einwirkung auf den ganzen Krper nothwendig.

_Anwendungen:_ _Nach auen:_ 1) Tglich zweimal einen Obergu, mit einer
Kanne voll Wasser beginnen und nach und nach steigen bis zu fnf und sechs
Kannen;

2) tglich einmal im Wasser gehen 1 bis 3 Minuten lang;

3) jede zweite Nacht ein Sitzbad, 1 Minute lang.

_Nach innen:_ Jeden Morgen und jeden Abend eine Kraftsuppe, nur wenig
gesalzen, jeden Mittag eine einfache nahrhafte Kost, vorherrschend
Mehlspeise von einfachem Naturmehl. Whrend des Tages, wenn guter Appetit
vorhanden, etwas Milch, aber nicht viel und einfaches Brod dazu. So 14 Tage
bis drei Wochen lang. Dann

1) Jeden Tag ein Halbbad, 1/2 Minute lang; 2) jeden Morgen im Wasser gehen
bis an die Knie, 3 Minuten lang; 3) tglich zweimal einen Obergu. Zur
vlligen Ausheilung war nothwendig, da einige Zeit hindurch wchentlich
noch zwei bis vier Halbbder genommen wurden.

Der _Kniegu_ und das Wassergehen beleben, krftigen und beseitigen die
faulen Stoffe. Die _Obergsse_ krftigen und strken ebenso den ganzen
Oberkrper. Das _Sitzbad_ wirkt krftigend auf den Unterleib, das _Halbbad_
auf den ganzen Krper. Nach sechs Wochen war diese Natur so umgewandelt,
da alle Zeichen der Schwindsucht verschwunden, Lust zum Leben und zur
Arbeit eingetreten und sicher die Natur vor Siechthum geschtzt war. Da
die Bder lngere Zeit fortgesetzt werden, in der Woche zwei bis vier, ist
nothwendig.


2.

Ein Mdchen, 23 Jahre alt, erzhlt: Ich bin immer so mde, da ich fast
nichts mehr arbeiten kann. Voriges Jahr hatte ich vier Wochen lang einen
ziemlich starken Husten, aber ohne Auswurf. Jetzt huste ich nicht, aber auf
der linken Seite habe ich immer Schmerzen, bald schwcher, bald strker.
Appetit habe ich keinen, auer zu sauren und stark gesalzenen Sachen. Milch
kann ich gar nicht nehmen. Im vorigen Jahr starb mein Bruder und vor sechs
Jahren meine Schwester an der Schwindsucht. Bin ich auch verloren? Ich
frchte es.

Da hier die Schwindsucht begonnen hat, daran ist kein Zweifel, aber
heilbar ist sie noch durch folgende _Anwendungen_:

1) In der Woche zwei kurze Wickel, in Wasser getaucht, in welchem
Fichtenreiser gesotten wurden; warm umgelegt eine Stunde lang;

2) jeden Tag einen Obergu, einmal im Wasser gehen, 1 bis 4 Minuten, und
einmal Kniegu. So 14 Tage lang.

Nach diesen 14 Tagen 1) in der Woche zwei Ober- und zwei Unteraufschlger,
jeden 3/4 Stunden lang;

2) in der Woche drei Halbbder, tglich einmal im Wasser gehen und einen
Obergu. So drei bis vier Wochen lang. Die Kranke soll tglich zweimal
Kraftsuppe essen, alles Saure oder stark Gesalzene mu vermieden werden.
Die einfachste Hausmannskost ist die beste. Tglich soll sie die
Wachholderbeerkur gebrauchen, jeden Abend Salbeithee mit Wermuth vermischt,
vier Lffel voll nehmen.

Salbei und Wermuth bereiten dem Blut die besten Stoffe und sind Hauptmittel
gegen Fulni. Leute, die Neigung zu solcher Krankheit haben, sollen
fleiig Salbei und Wermuth gebrauchen, aber immer nur in kleinen Portionen.


3.

Martha erzhlt: Ich habe schon mehrere Wochen, wie die rzte sagen, einen
Lungenspitzenkatarrh; ein Arzt hat gesagt, bei mir sei zu frchten, da
Lungenschwindsucht eintrete. Ich huste viel, besonders zur Nachtzeit, und
habe rechts und links auf den Schultern Schmerzen. Ich mu viel ausspucken,
aber meistens nur Schleim. Der Appetit ist schlecht. Die Fe sind
bestndig kalt, die Kraft ist sehr gering; manchmal habe ich auch etwas
Fieber. Ich habe immer Verstopfung, ohne Nachhilfe durch Pillen bekomme ich
nie Stuhlgang.

Diese Zeichen sind wirklich Vorboten, da die Schwindsucht eintreten kann;
doch kann diese regelmig beseitigt werden durch folgende _Anwendungen_:

1) Tglich zweimal Obergu und zweimal Kniegu;

2) jede Woche zweimal ein Sitzbad, 1 Minute lang;

3) jede Stunde von Mittag bis Abend einen Elffel voll Wasser. Jeden Tag
sechs bis acht Wachholderbeeren essen. So 10 bis 12 Tage lang.

Weitere _Anwendungen_:

1) Tglich einen Obergu mit drei bis fnf Kannen voll;

2) den einen Tag ein Halbbad, den anderen Tag einen Schenkelgu;

3) tglich im Wasser gehen oder auch barfu im Freien. Zum Frhstck eine
Kraftsuppe, berhaupt eine nahrhafte Kost genieen.

Die Obergsse mssen fortgesetzt werden, bis der Schmerz vollstndig
aufgehrt, und die Halbbder ebenfalls, bis aller Schmerz beseitigt ist, in
der Woche zwei- bis dreimal. -- In sechs Wochen waren alle bedenklichen
Zeichen beseitigt, und zur weiteren Krftigung reichten aus in der Woche
einmal ein Halbbad und zweimal ein Obergu und Schenkelgu.

Die _Obergsse_ lsen Schleim ab, heben die Entzndung und krftigen die
welken Organe. Die _Kniegsse_ leiten das zu sehr nach oben dringende Blut
abwrts und krftigen. Die _Halbbder_ wirken strkend und belebend. Die
_Wachholderbeeren_ untersttzen den Magen im Verdauen und _Verbessern der
Sfte_. _Der Lffel voll Wasser_ hebt die Verstopfung meistens schon in
wenigen Tagen.


4.

Ein Bursche, 24 Jahre alt, klagt: Ich habe gewaltige Verschleimung auf der
Brust, mu alle Tage recht viel Schleim ausspucken und bin nie ohne Schmerz
auf der Brust, hab' schon recht viel eingenommen, und doch ist es nie
besser geworden. Krzlich hat mir der Arzt gesagt, es setze sich nach und
nach die Schwindsucht an, was mir auch einleuchtet. Denn ich mu oft recht
hart athmen, und meine Kraft hat viel nachgelassen. Ich kann nur noch
leichte Arbeiten verrichten, habe auch gar keinen Muth mehr. Appetit wre
schon da; aber wenn ich esse, thut es mir weh.

Sind hier auch alle Zeichen der Schwindsucht, so wurde doch der eben
Geschilderte vollstndig geheilt auf folgende Weise:

1) Tglich erhielt er einen Obergu und Brustgu (man legt sich nmlich auf
den Rcken und lt die Brust begieen);

2) in der Woche zweimal nach einander einen Ober- und Unteraufschlger,
jeden 3/4 Stunden lang;

3) jeden Tag einmal im Wasser gehen 2 bis 4 Minuten;

4) tglich eine Tasse Thee trinken in drei Portionen von gekochtem +foenum
graecum+.

Zum Frhstck eine Tasse Milch, in welcher ein Kaffeelffel voll gemahlener
Fenchel 3 Minuten lang gesotten wurde, ebenso am Abend. Die Kost sei die
bisherige, wenn nur recht nahrhaft und einfach.

Nach vier Wochen war dieser Kranke geheilt. Es reichten fr weiters in der
Woche zwei bis drei Halbbder aus.

Die _Obergsse_ bewirkten Krftigung des Krpers und Abstoung der
Schleimmasse; der _Thee_ wirkte auflsend und reinigend, der _Ober- und
Unteraufschlger_ wirkten krftigend und auflsend. Die _mit Fenchel_
gekochte _Milch_ lste den Schleim auf und strkte den Magen.


5.

Ein Mann, 33 Jahre alt, klagt seine Noth: Ich hatte vor zwei Jahren eine
starke Lungenentzndung. Man hielt mich fr verloren. Seit dieser Zeit bin
ich nie ohne Husten, der mitunter recht stark auftritt. Ich habe bestndig
Katarrh; auf der rechten Seite habe ich oft groe Schmerzen. Der Arzt hat
gesagt, es werde mit der Zeit von selbst vergehen, es sei Lungenemphysem.
Es nimmt aber mehr zu als ab; ich habe nie ordentlichen Appetit; die Kraft
fehlt mir ganz, und wenn ich nur leichte Arbeiten verrichte, bin ich gleich
im Schwei. Alle Medikamente haben nach der Lungenentzndung nicht mehr
gewirkt.

Hier ist sicher noch ein Rest von der Lungenentzndung, und wo die
Lungenentzndung am strksten, ist auch der schadhafte Rest geblieben. Hier
mu Krftigung und Ausscheidung des kranken Stoffes erfolgen.

_Anwendungen:_ 1) Tglich zweimal Obergu und zweimal Kniegu,

2) jeden Tag ein Sitzbad.

So sechs Tage lang. Dann

1) zweimal den Obergu um ein bis zwei Giekannen vermehrt;

2) tglich einmal einen Schenkelgu und einmal ein Halbbad. So drei Wochen
lang.

_Nach innen:_ Jeden Morgen und Abend eine Tasse Milch trinken, mit etwas
Honig und Fenchel gesotten.

Ferner jeden Tag eine Tasse Thee trinken von +foenum graecum+ in kleinen
Portionen; im brigen gute krftige Kost, aber keine geistigen Getrnke.

Nach sieben Wochen war der Kranke vollstndig gesund und bekam als Nachkur
in der Woche zwei bis drei Halbbder, einen Obergu und einen Kniegu.

Die _Obergsse_ wirken auflsend auf alle ungesunden Stoffe in der Brust
und Lunge, zugleich den Oberkrper strkend. Dasselbe bewirken _Kniegu_
und _Schenkelgu_. Was diese Anwendungen im Einzelnen wirken, bewirkt das
_Halbbad_ im Ganzen. Die _Milch_ gibt gute Nahrung, verbessert den Magen
und wirkt zugleich gegen den Husten. +Foenum graecum+ nimmt die innere
Hitze, lst die innere Verschleimung auf und leitet aus. Auf diese Weise
kommt der ganze Organismus wieder in den richtigen Zustand.


6.

Ein Bauernsohn, 26 Jahre alt, gibt an: Ich habe schon mehr als ein halbes
Jahr starken Husten und mu recht viel Schleim ausspucken. Die Leute sagen,
ich habe die Lungensucht, und der Arzt glaubt, es stehe mit mir nicht am
besten. Die Gesichtszge waren allerdings etwas gebrochen, und das
Aussehen krankhaft.

In diesem Falle wird die Brust und berhaupt der ganze obere Krper vom
Schleim gereinigt werden mssen, dann wird auch die Gesundheit eintreten.
Der Kranke erhielt folgende Anwendungen:

1) Jeden Tag zweimal Obergu, einmal Wassergehen und einmal Kniegu;

2) am dritten Tag einen Rckengu und Halbbad;

3) am fnften Tag ein Vollbad.

Darauf erklrte der Kranke, er fhle sich so wohl und gut wie nie. Er habe
eine Masse Schleim ausspucken mssen, und jetzt sei Alles beseitigt.

Der _Obergu_ untersttzt die Natur, allen Unrath aus Luftrhre, Lunge und
Brust hinaus zu werfen, was auch geschah. Die _Gsse auf die Kniee_ muten
verhten, da das Blut nicht zu viel dem Oberkrper zustrmte; dieselben
Anwendungen sollten auch bewirken, da die Fe mehr belebt und gekrftigt
wurden. _Rckengu_, _Halbbad_ und _Vollbad_ strken den ganzen Krper und
befrdern die Ausscheidung der im Unterleib etwa befindlichen ungesunden
Stoffe.


7.

Ein Kandidat sieht nicht gut aus, klagt ber Schmerz auf der linken Brust,
oben. Die rzte erklren es als Lungenspitzenkatarrh und Emphysem, er sei
blutarm und schwchlich.

Hier sind drei Punkte zu beobachten: 1) Der leidende Theil auf der Brust,
2) die Blutarmuth und 3) allgemeine Schwche.

Allererst mu auf den leidenden Theil eingewirkt werden zur Krftigung
desselben, und zur Ausscheidung des sich da aufhaltenden kranken Stoffes.
Die geschieht durch den Obergu, der den ganzen oberen Krper krftigt,
eine grere Thtigkeit in alle Theile des Oberkrpers bringt und zugleich
auf krftige Ausscheidung und Schleimabsonderung wirkt; dehalb sechs Tage
jeden Tag zweimal _Obergu_, der von Tag zu Tag etwas gesteigert wird.

Da aber der ganze Krper an Schwche leidet und diese gehoben werden mu,
so ist die zweite Anwendung auf die Fe durch den _Schenkelgu_ tglich,
aber nur einmal, weil hier blo Schwche vorhanden. -- Nach sechs Tagen
hatte sich die Brust bedeutend erholt und auch der untere Krper schon
gewonnen. Dehalb wird auf den Krper fortgesetzt eingewirkt zur Besserung
des _Oberkrpers_ durch den Obergu, darum tglich _einen Obergu_. Die
Einwirkung auf den _ganzen_ Krper zur allgemeinen Belebung geschieht durch
den Rckengu und Kniegu; dehalb tglich ein _Rckengu_ und _Kniegu_,
bei warmer Witterung auch zweimal. Der Kniegu wirkt besonders zur
Ableitung des Blutes und Befrderung des Stuhlganges. So 12 Tage lang.

Auf den obern Krper wird noch krftiger eingewirkt durch _Obergu_ und
_Brustgu_, damit dieser seine vollste Kraft erhlt, nirgends mehr
Krankhaftes sich ansetzen kann und er so widerstandsfhig wird gegen
Rckflle.

Um den Leib zu strken und zu grerer Thtigkeit zu bringen, wird den
einen Tag _Rckengu_, den andern das _Halbbad_ angewendet. Wie die erste
Anwendung vorzglich auf das Rckgrat wirkt und die Maschine in Gang
bringt, so bewirkt das Halbbad eine allgemeine Krftigung des ganzen
Krpers.

Mit diesen Anwendungen, einige Tage hindurch, wurde die Brust gereinigt und
der ganze Krper zu voller Kraft gebracht; die Maschine restaurirt, guter
Appetit und Schlaf erreicht, der Husten entfernt.

Zur weiteren allgemeinen Krftigung reichten aus in der Woche zwei bis vier
Halbbder.

Zur Auflsung und Ausleitung der kranken Stoffe gibt es hier eine groe
Anzahl von Mitteln: 1) Veilchenbltter in Milch gesotten, tglich zwei
kleine Tassen; 2) +foenum graecum+, gesotten, ist vorzglich zur Reinigung
der verschleimten Brust.


8.

Klara erzhlt: Vor einem halben Jahre wurde ich von einem pltzlichen
Blutbrechen befallen; dasselbe wiederholte sich nach je drei bis vier
Wochen. Ich mute viel husten, konnte gar nicht mehr schlafen, hatte keinen
Appetit, dagegen starken Auswurf, meistens Heiserkeit, oft groe Athemnoth
und auf der linken Seite heftiges Stechen. Verschiedene rzte erklrten
bereinstimmend, ich habe Lungenspitzenkatarrh, und mein linker
Lungenflgel sei angegriffen.

Die _Anwendungen_ bei diesem Leiden waren folgende: 1) Jeden Tag zwei
Obergsse, Schenkelgu und Kniegu; so acht Tage lang; 2) dann tglich zwei
Obergsse, einen Schenkelgu und ein Halbbad, so wieder zehn Tage; 3)
tglich zwei Halbbder, zwei Obergsse; so vierzehn Tage. Die ganze Kur
dauerte nicht ganz vier Wochen.

Der Husten war verschwunden und der Appetit vollstndig hergestellt; der
Schlaf war vorzglich. Whrend der Kur hatte sich viel mehr Schleim
abgelst als vorher; endlich verschwand er gnzlich, wie auch alles Stechen
in der Seite aufhrte; kurz, die Kranke erklrte, es fehle ihr gar nichts
mehr.

Was hat hier gefehlt? Diese Person war ganz verschleimt; der Schleim lste
sich massenhaft ab, und darauf hrte auch das Stechen auf der Seite bald
auf, und es war gerade die hchste Zeit, um der Schwindsucht oder
Lungenkrankheit vorzubeugen.

Die Obergsse lsten alle Verschleimungen in der Brust, Luftrhre&c. auf
und strkten den oberen Krper. Die Schenkelgsse strkten die unteren
Krpertheile und bewirkten eine grere Wrme in diesen. Der Kniegu
bewirkte Dasselbe in geringerem Mae; vor Allem aber leiteten beiderlei
Gsse das Blut ab von oben nach unten. Die Halbbder wirkten strkend und
abhrtend auf den ganzen Krper. -- Als innerliches Mittel wurde tglich
eine Tasse Thee in drei Portionen getrunken; derselbe war bereitet aus
Johanniskraut und Schafgarbe. Diese Arznei bewirkte, da die
Schleimauflsung leichter vor sich ging, und wirkte auch auf Verbesserung
des Blutes ein.




Magenleiden.

(Abweichen = Diarrhe, Verstopfung, Aufstoen, Verdauungsleiden&c.&c.).


Unter den unzhligen Leiden, die in der Menschheit herrschen, wird
besonders viel geklagt ber den Magen, Magenbeschwerden, Magenleiden. Ich
bin aber der berzeugung, da es lange nicht so viel Magenleiden gibt, als
man Klagen fhrt ber Magengebrechen, und da ein groer Theil der
geklagten Leiden nur von den Einwirkungen auf den Magen herkommt. Freilich
wre es auch kein Wunder, wenn alle mglichen Magenleiden aufgezhlt werden
knnten, wenn man bedenkt, wie man mit dem Magen umgeht und was der Magen
aufnehmen mu. Bald wird er belstigt durch Mangel, man gibt ihm nichts;
noch mehr aber durch berfllung, Fra und Vllerei. Wie viel mu er
aufnehmen, was dem Gaumen behagt, dem Magen aber schadet! Wird Hilfe
gesucht fr Magenleiden oder andere Gebrechen, wie viel mu der Magen Gift
aufnehmen, was ihm nur schadet!


1.

Ein Mdchen, 20 Jahre alt, fhrt Klage ber ihren Magen. Ich habe viel
Luftaufstoen und Brennen im Magen; mein Magen verdaut nicht. Ich habe
bestndig kalte Fe, viel Kopfleiden, bin auch ganz matt und unfhig, viel
zu arbeiten. So leide ich schon nahezu vier Jahre.

Hier ist sicher gar kein Magenleiden vorhanden, was die gesunde Zunge
besttigt, die doch der Spiegel des Magens ist. Die ganze Natur ist
verweichlicht, blutarm, vllig unthtig. Bringe man hier den Krper in
Ordnung, dann wird auch das Magenleiden verschwunden sein.

1) Wird das Wassergehen warme und krftigere Fe schaffen.

2) Der Oberkrper werde tglich bergossen, und er wird aufwachen von
seiner Schlfrigkeit und krftiger werden.

3) Jeden zweiten Tag ein Sitzbad wird den Unterleib strken.

4) Nach innen werden tglich zweimal, jedesmal drei Lffel voll, Salbei-
und Wermuththee die Magensfte untersttzen.

So 14 Tage lang. Dann

1) in der Woche einmal ein Ober- und Unteraufschlger. Diese wirken
strkend auf den kranken Theil.

2) Jeden zweiten Tag ein Halbbad wirkt wieder strkend und belebend auf den
ganzen Krper.


2.

Ein Hausvater, 33 Jahre alt, erzhlt sein Magenleiden. Seit fnf Jahren
habe ich immer _Magenleiden_, recht oft heftiges Brennen, Aufstoen, viel
Sure, mu oft alle Kost erbrechen. Ich wei meinem Beruf nicht
nachzukommen, mu oft Stunden lang im Bett liegen, bis endlich starkes
Erbrechen kommt. Dieses Leiden habe ich mir zugezogen zur Winterszeit, wo
ich mich oft erkltete. Der Mann ist sehr mager, das ganze Aussehen
leidend.

Hier ist mit Sicherheit anzunehmen, da die Naturwrme der oftmaligen
Erkltung unterlegen ist und dehalb im Innern Strungen eingetreten, und
es ist dem Gesundheitszustand ergangen, wie wenn eine Mauer einen Ri
bekommt, der Jahre hindurch besteht, bis endlich ein Baumeister ihn
ausbessert. Ist also der Ursprung in Erkltung zu suchen, so wird am besten
sein, der frostigen Natur entgegen zu kommen mit Wrme, dehalb

1) in der Woche zweimal, auch dreimal angeschwellte Heublumen auf den
Unterleib binden, ganz warm 11/2 Stunden lang. Diese Wrme thut der Natur
wohl. Die Heublumen wirken gnstig auf die Haut, und die Natur vermag dann
auch, so gekrftigt, wieder zum Bessern zu kommen.

2) Tglich den ganzen Krper mit Wasser und Essig zweimal waschen; Die
bewirkt Belebung und grere Thtigkeit.

3) Zweimal in der Woche ein Hemd anziehen, in heies Salzwasser getaucht,
11/2 Stunden lang, bewirkt Erhhung der Naturwrme, reizt die Haut zu
grerer Thtigkeit, so da der in der Natur vorhandene krankhafte Stoff
auf die Oberflche dringt und aufgesaugt wird.

_Nach innen_ wirkt am besten recht einfache Kost, wenig oder gar nicht
gewrzt, auch schwach gesalzen. Tglich dreimal zwei Lffel voll
Wermuththee. Von Morgens bis Mittag stndlich ein Lffel voll Milch; von
Mittag bis Abend stndlich ein Lffel voll Wasser wegen des Stuhlganges.

Nach 14 Tagen hatte der Kranke guten Appetit, guten Schlaf und gesunde
Farbe.

Die zweite Kur erhielt folgende Anwendungen:

1) Jeden Tag ein Obergu und Kniegu;

2) jeden zweiten Tag ein Halbbad, eine halbe Minute lang;

3) jede Woche drei Sitzbder, eine Minute lang.

Alle diese Anwendungen wirkten strkend, erwrmend und brachten alle Theile
des Krpers in Thtigkeit. Nach sechs Wochen war der Kranke gesund.


3.

Eine Hausmutter, 36 Jahre alt, erzhlt: Ich habe einen ganz schlechten
Magen. Was ich esse, bekommt mir nicht gut; ich habe immer dnnflssigen
Stuhlgang. Ich htte guten Appetit; aber es ist kein Gedeihen. Es thut mir
oft Alles am ganzen Krper wehe; ich verrichte nur noch zur Noth meine
Hausarbeit; mehr kann ich nicht mehr thun.

Hier hat sicher die Klte die Herrschaft gewonnen durch wiederholten Kampf
mit der Wrme; dadurch ist auch eine Schwche eingetreten, und weil nichts
gehrig verdaut worden ist, sind auch die Magensfte verdorben.
Heruntergekommen ist die Kche und was gekocht wird. Das deutet auch die
abgestorbene Farbe und der Gesammteindruck der Lebensmdigkeit an. -- Hier
mu man es machen, wie in einem Zimmer, in dem man friert, nmlich zuerst
einheizen. Diese Kranke bekam dazu

1) acht Tage lang jeden zweiten, dann jeden dritten Tag einen kurzen warmen
Wickel, das Tuch in heies Wasser getaucht, in welchem Haberstroh gesotten
wurde, 11/2 Stunden lang aufgelegt; dadurch wurde die Naturwrme erhht
und der Unterleib gekrftigt.

2) Jeden zweiten Tag wurde ein vierfaches Tuch, in halb Wasser und Essig
getaucht, auf den Unterleib gebunden, 11/2 Stunden lang; Die wirkte
wieder erwrmend und krftigend.

_Nach innen:_

1) Jeden Tag zu vier verschiedenen Zeiten je ein Pfefferkorn verschlucken,
ohne es zu zerbeien; diese bewirken innere Wrme, sind ein kleines Feuer
fr den Magen und wirken mehr auf die genossene Kost.

2) Tglich zweimal Kraftsuppe und sonst nahrhafte Kost.

Nach 14 Tagen hat sich das Abweichen gehoben, die Speisen wurden gut
verdaut, und ein frisches Aussehen war der klarste Beweis der Genesung. Nun
folgten

1) Obergu und Schenkelgu den einen Tag,

2) den andern Tag das Halbbad,

3) krftige Kost und Wachholderbeerkur, und die Kranke dankte ihrem
Schpfer und den Hausmitteln.


4.

Ein armer Taglhner, 42 Jahre alt, klagt: Schon zehn Jahre habe ich
_Magenleiden_. Ich habe freilich einfache Kost, viele Arbeit, mu mich viel
plagen; aber noch rger ist mein Magenleiden. Jetzt will's gar nicht mehr
gehen. Ich habe gar nie Stuhlgang, ohne die strkste Medizin zu nehmen,
habe oft grliche Schmerzen und Auftreibung im Unterleib; wenn recht viel
Luft nach oben abgeht, habe ich eine Zeit lang Erleichterung. Ich mag
essen, was ich will, es thut nicht gut. Ich habe recht viel eingenommen von
verschiedenen rzten, aber selten Hilfe bekommen und immer nur auf kurze
Zeit.

Hier hat unstreitig sich durch was immer fr eine Veranlassung
Krankheitsstoff gebildet, hchst wahrscheinlich durch schwache innere
Entzndung, die nicht gehoben wurde. Es mu somit auf die vorherrschende
Hitze eingewirkt, die Schwche und Unthtigkeit gehoben und das rechte
Verhltni zwischen Klte und Wrme wieder hergestellt werden. Dehalb

1) in der Woche zwei Ober- und Unteraufschlger. Diese nehmen die
berflssige Hitze und verhelfen zur gehrigen Naturwrme.

2) Tglich ein Obergu und Kniegu. Diese wirken ebenfalls auf eine
einheitliche Wrme am Ober- und Unterkrper, zugleich neues Leben und Kraft
bringend.

So 14 Tage lang, und der Zustand hatte sich wesentlich gebessert.

_Nach innen_ bekam der Kranke

1) zweimal im Tag Kraftsuppe;

2) alle Stunde einen Lffel voll Wasser zur Regelung des Stuhlganges;

3) tglich dreimal jedesmal drei Wachholderbeeren zur Verbesserung des
Magens.

Die weitern Anwendungen sind:

1) In der Woche dreimal ein Sitzbad,

2) den einen Tag ein Obergu und Kniegu, den andern Tag ein Halbbad.

In vier Wochen war die Kur zu Ende, und der Kranke konnte seinem Beruf
wieder nachkommen. Fr lngere Zeit jedoch mute derselbe in der Woche zwei
bis drei Halbbder nehmen und die Wachholderbeerkur fortsetzen.


5.

Eine Wittwe, 54 Jahre alt, leidet seit einigen Jahren an
_Magenbeschwerden_, sieht recht gebrochen aus, hat wenig Blut, ist ganz
mager und kraftlos, hat wenig Appetit und bestndig Druck auf den Magen.
Die Naturwrme ist sehr heruntergekommen. Die Frau ist ganz in Wolle
gekleidet und dennoch friert sie fast immer.

Hier ist 1) eine groe Verzrtelung durch zu warme Kleidung; 2) weil die
gehrige Naturwrme nicht vorhanden, herrscht auch groe Unthtigkeit;
mithin steht die ganze Maschine nicht in der richtigen Thtigkeit, was die
Haut beweist, die ganz trocken ist, als ob sie nur auf dem Krper aufliege,
aber nicht angewachsen sei. -- Allererst mu bei der Heilung Wrme, Leben
und Thtigkeit gebracht werden. Das wird geschehen durch Folgendes:

1) In der Woche zweimal ein Hemd anziehen, in heies Salzwasser getaucht,
11/2 Stunden lang; die bringt Wrme, ffnet die Poren und befrdert die
Hautthtigkeit;

2) zweimal in der Woche von unter den Armen ganz hinunter den Krper
einwickeln, ebenfalls in heies Salzwasser getaucht, 11/2 Stunden lang;
das bringt dieselbe Wirkung im Unterleib, wie das Hemd im Oberkrper;

3) tglich eine Waschung vom Bett aus mit Wasser und Essig, dann wieder
in's Bett.

_Nach innen:_ 1) eine gute einfache Kost, besonders Morgens und Abends
Kraftsuppe;

2) tglich sechs bis acht Wachholderbeeren und am Morgen und Abend vier
Lffel voll Thee von Salbei, Wermuth und Johanniskraut. Diese Mittel
bewirken eine Besserung im Magen. -- So 12 Tage lang.

Der ganze Zustand hat sich in dieser Zeit in jeder Beziehung gebessert.

Die weiteren _Anwendungen_ sind:

1) Tglich Obergu und Schenkelgu;

2) jeden zweiten Tag ein Sitzbad, eine Minute lang;

3) in der Woche zwei Halbbder.

Das Sitzbad bewirkt Krftigung und Wrme im Unterleib, das Halbbad
Krftigung des ganzen Krpers. Nach innen blieben die Wachholderbeeren und
der Thee.

Nach fnf Wochen war die Haut wieder gut anliegend; der ganze Krper hatte
gleiche Wrme. Das Aussehen war frisch und gesund, die ganze Natur wie
umgewandelt.

Zur weiteren Befestigung reichte aus: in der Woche zwei bis drei Halbbder,
die das grte Wohlbehagen bewirkten, spter ein bis zwei Halbbder.


6.

Eine Hausfrau klagt: Ich leide, wie die rzte sagen, an _Magengeschwren_,
was glaubhaft ist, weil im Gesicht sich auch mehrere grere Spuren von
Ausschlag zeigen. Auch zeigen sich von Zeit zu Zeit grere Flecken am
ganzen Krper mit gewaltigem Beien und Brennen, so da ich meine, ich
msse alle Haut herunterkratzen. Wenn auch das Gesicht gerthet, so bin ich
doch recht abgemagert.

Hier herrscht sicher Unreinigkeit im Blut, mithin auch Unreinigkeit in den
Sften. In diesem Falle mu auf Reinigung des Blutes und der Sfte gewirkt
werden, sowie auf Reinigung und grere Thtigkeit der Haut. Dieser Zustand
kann geheilt werden wie folgt:

1) Jede Nacht den ganzen Krper waschen mit Wasser und Essig;

2) jeden Tag ein vierfaches Tuch in Wasser getaucht, in welchem Heublumen
gesotten wurden, auf den Unterleib binden, 11/2 Stunden lang, leitet
Krankheitsstoffe aus und verbessert den ganzen Unterleib.

_Nach innen:_ 1) Tglich eine Tasse Thee von Zinnkraut, 10 bis 12
Wachholderbeeren zerstoen, 10 Minuten lang gesotten, in drei Portionen
trinken;

2) zum Frhstck Kraftsuppe und bis Mittag alle Stunden einen Lffel voll
Milch; von Mittag bis Abend stndlich einen Lffel voll Wasser zur Regelung
des Stuhles, der bisher nie mehr eingetreten ohne gewaltsame Mittel.

Diese 14tgigen Anwendungen hatten in jeder Beziehung den besten Erfolg.
Die weiteren Verordnungen waren:

1) Jeden Tag einen Obergu und Schenkelgu;

2) jeden dritten Tag ein Halbbad.

Nach fnf Wochen war die Person mit ihrem Befinden sehr zufrieden, nur
sollte sie mehr Kraft bekommen. Diese kam auch, nachdem sie sich in der
Woche zweimal in der Nacht gewaschen und drei Halbbder genommen, drei
Wochen lang. Fr weiter reichten aus in der Woche zwei bis drei Halbbder.

Der Ausschlag am Krper und Gesicht ist erloschen, die Haut, wie die
Genesene behauptet, rein, der Stuhlgang sei in Ordnung und der Urin, der
immer roth gewesen, sei jetzt wie bei einem gesunden Menschen.


7.

Ein Knecht sagt: Ich habe vor vier Wochen Etwas gegessen, das mir zu
schwer im Magen liegen blieb; seit dieser Zeit hab ich keinen Appetit, Ekel
fast vor jeder Speise, von Zeit zu Zeit Blhungen und Aufgetriebensein,
habe hufig Kopfweh und oft auch Fieber. Ich glaube, mein Magen ist
verdorben, woran auch nicht zu zweifeln ist. Dehalb soll der Kranke

1) vier Tage nach einander tglich angeschwellte Heublumen warm auf Magen
und Unterleib legen, mit einem Tuch gut aufbinden;

2) tglich einen Thee trinken von Tausendguldenkraut, Salbei und
Wachholderbeeren. Nach vier Tagen waren die Beschwerden verschwunden; der
Knecht konnte seinen Dienst wieder versehen.


8.

Ich habe in der Hitze ziemlich viel kaltes Wasser getrunken und bald
darauf einen groen Schmerz empfunden; ich kann nun nichts mehr essen, es
ekelt mir vor jeder Speise, habe auch hufig Fieber. _Anwendungen:_

1) Vier Tage nach einander einen kurzen Wickel, welcher die durch das kalte
Wasser gebildete Klte verdrngt und die Natur in grere Thtigkeit
bringt;

2) tglich eine Tasse Thee, in drei Portionen getrunken, von Wermuth und
Tausendguldenkraut. Der Schaden war in vier Tagen gut gemacht. Um den
Magen noch mehr zu strken, waren die Wachholderbeeren das beste Mittel.


9.

Ich habe Schweinefleisch gegessen mit Speck, und zwar, da ich sehr hungrig
war, zu rasch. Jetzt stot mir immer das Fleisch auf, als ob es noch im
Magen sei, obwohl es schon sechs Tage ist. Wenn ich mich nur erbrechen
knnte! -- Erbrechen ist nicht nothwendig. Es reicht aus

1) vier bis fnf Tage jede Nacht ganz waschen und

2) tglich zwei Tassen Thee trinken am Morgen und Abend von
Brennesselwurzeln. Diese leiten die kranken Stoffe aus und bringen der
Natur Ruhe.


10.

Es kommt im menschlichen Leben oft vor, da durch groen Schrecken, Angst
oder Furcht ein starker Durchfall eintritt und im Organismus groe
Strungen hervorgebracht werden. Weil diese Revolution im Magen und Darm
beginnt und durch den ganzen Organismus wandert, so verliert nicht blo die
Natur viel, sondern die Organe werden auch geschwcht. It dann der von der
Diarrhe Befallene seine gewhnliche Kost, so tritt meistentheils rasch die
hrteste Verstopfung ein. Weil die Gedrme zu sehr angegriffen sind, tritt
nachher Erschlaffung derselben ein. Ein anderes bel: Durch den Durchfall
ist auch ein groer Theil der Magensfte mitgewandert und somit die
Verdauung mangelhaft. Dadurch entstehen viele Gase, welche groe
Beschwerden verursachen. Wie diese _groe_ Revolution, so gibt es auch
viele _kleinere_ durch kalte Speisen, Getrnke, Einathmen zu kalter Luft.
Wer knnte aufzhlen alle die verschiedenen Schdlichkeiten dieser Art, die
dann Durchfall bewirken und der Natur recht nachtheilig sind, weil sie den
natrlichen Gang so sehr stren!

So erzhlt ein Herr: Vor 25 Jahren hatte ich einmal einen recht groen
Verdru. Es stellte sich ganz kurz heftiges Abweichen ein; gleich darauf
starke Verstopfung. Seit dieser Zeit nehme ich jeden Abend Abfhrmittel,
weil ich sonst keinen Stuhlgang habe. Seit 22 Jahren fhle ich beim Gehen
Stiche in der Brust und andere Beschwerden.

Was hat hier also dieser Verdru angerichtet? Allzu schnell entleerte die
Natur zu viel Magensfte. Dadurch traten die Anstauungen ein, weil die
gehrige Verdauung nicht stattgefunden. Diese Anstauung wirkte nach
verschiedenen Richtungen bald strker, bald schwcher.

Dazu kommen die vielen Abfhrmittel, die doch in der Regel zu stark
angreifen, die Organe schwchen und zu ihrer Funktion immer unthtiger
machen. Die Folge mute nothwendig sein, da der ganze Krper im
Allgemeinen weit zurckkam und einzelne Theile schadhaft wurden. Die zu
heben, dazu dienten folgende Anwendungen:

1) Jede Nacht eine Ganzwaschung; diese bewirkte und vermehrte Wrme und
Thtigkeit.

2) In der Woche zwei bis drei Halbbder; diese wirkten krftigend auf den
ganzen Krper und erhhten die Naturwrme.

3) In jeder Stunde ein Lffel voll Wasser nebst guter Kost bewirkten
Vermehrung der Magensfte und gute Verdauung, so da der ganze Krper
genhrt wurde.

4) Tglich sechs bis acht Wachholderbeeren bewirkten eine rasche
Verbesserung des Magens, und so reichten fnf Wochen aus zur allgemeinen
Kur. Zur vollstndigen Krftigung war ausreichend in der Woche zweimal ein
Halbbad oder einmal ein Obergu und Kniegu und ein- oder zweimal ein
Halbbad.


11.

Zwei Kinder gingen in die Erdbeeren. Eines von diesen hatte im Walde etwas
Unrechtes genossen, bekam dadurch Erbrechen und Durchfall, starkes Fieber,
Frost im Wechsel mit groer Hitze. Dem Kind schwand aller Appetit und die
Kraft, das ganze Aussehen war krankhaft.

Wie kann hier Hilfe gebracht werden?

1) Dreimal in der Woche ein zweifaches Tuch, in halb Wasser und Essig
getaucht, auf den Unterleib binden, 11/2 Stunden lang. Diese Auflagen
strkten, lsten auf und leiteten aus.

2) Tglich den Krper zweimal waschen mit Wasser und Essig. Die bewirkte
neues Leben, brachte alle Organe in grere Thtigkeit und frderte die
Transspiration.

3) Jeden Tag dreimal, jedesmal zwei Lffel voll, Wermuththee bewirkte gute
Verdauung, leitete aber besonders Giftstoffe aus.

4) Wo mglich jede Stunde einen Lffel voll Milch als gute Nahrung und zur
Ausscheidung des Giftes.

In wenigen Tagen wurde das kranke Kind gesund.


12.

Eine Dienstmagd, welche durch einen Regen ganz durchnt und verkltet war,
wurde von einem Durchfall und Fieber berfallen, so da die Speisen, wie
sie dieselben gegessen, wieder abgingen; sie war nicht im Stand, auer dem
Bett zu sein; bald groe Hitze, dann wieder groe Klte, auch heftige
Kopfschmerzen. Was ist hier zu thun? Die Klte hat im Magen die Herrschaft
bekommen, und so ging es dem Magen wie einer Hausmutter, der whrend des
Kochens Wasser in's Feuer geschttet wird; wie da das Kochen eingestellt
wird, so hrt auch die Magenkocherei auf, wenn die Wrme verdrngt ist und
dann mu natrlich Durchfall entstehen. Das beste Mittel ist hier

1) einen warmen kurzen Wickel, in Heublumenwasser getaucht, eine Stunde
lang. Dadurch wird die zu niedere Naturwrme erhht und so die Klte schon
theilweise verdrngt.

2) Dreimal tglich eine Tasse ganz warme Milch, in welcher Fenchel gesotten
wurde. Die Milch bringt gute Nahrung, und der Fenchel erwrmt und strkt.

3) Zur Ausgleichung der Krperwrme und zur allgemeinen Thtigkeit tglich
einmal den ganzen Krper waschen.

So war die Kranke bald gesund.


13.

Einem Knaben, 16 Jahre alt, wurde ohne alle Vorbereitung die Nachricht
gebracht, seine Mutter sei gestorben. Er brach zusammen, bekam heftige
Leibschmerzen und Durchfall, was lngere Zeit dauerte, ohne besonders
bercksichtigt zu werden. Der Knabe wurde allmhlig gemthsleidend und
traurig, arbeitete nicht mehr und hielt sich fr ganz verloren fr Zeit und
Ewigkeit.

Der groe Schrecken hatte nicht blo den Knaben erschttert, sondern durch
den Durchfall, der nicht gehoben wurde, bekam die Natur nichts mehr zur
Krftigung, und mithin kam sie sehr herunter. Das Gemthsleiden war Folge
der Schwche. Bei der Behandlung mute also auf Krftigung des ganzen
Krpers hingearbeitet werden. Der Knabe mute

1) tglich zweimal, jedesmal 6 Minuten lang, bis an die Kniee im Wasser
gehen, und

2) tglich einen Obergu nehmen.

_Nach innen:_

1) Zur guten Kost tglich drei Pfefferkrner verschlucken, die den Magen
erwrmen;

2) tglich zweimal Kraftsuppe mit guter Kost;

3) tglich eine Tasse Thee von Wermuth und Salbei (in drei Portionen), in
halb Wein, halb Wasser gesotten; die bewirkt innere Wrme, und gute
Verdauung, und so war nach drei Wochen der trostlose Junge wieder gesund.


14.

Ein Hausvater, 29 Jahre alt, leidet seit drei Jahren an Diarrhe, tglich
drei- bis viermal. Derselbe wei keine Ursache, auer, wenn er mehr
Flssiges it, ist auch der Durchfall strker, sonst ist es gleich,
welcherlei Speisen er geniet. Das Aussehen deutet auf Schwche und
Mdigkeit, wie auch alle gesunde Farbe erloschen ist. Die Gemthsstimmung
ist mehr traurig als heiter, die Krfte haben sehr abgenommen, der Appetit
ist nicht schlecht, aber es fehlt am rechten Geschmack.

Hier ist vorherrschend groe Schwche wie nach einer Krankheit, in der sich
Krankheitsstoffe lnger im Krper aufhielten und diese Schwche bewirkten;
mithin ist auf dreifache Weise einzuwirken:

1) in der Woche drei Sitzbder strken den Unterleib;

2) zwei Halbbder, eine halbe Minute, in der Woche wirken strkend auf den
ganzen Leib;

3) jeden zweiten Tag ein zweifaches Tuch, in halb Wasser, halb Essig
getaucht, 11/2 Stunden lang, wirkt strkend auf den Unterleib.

_Nach innen:_ 1) eine krftige Hausmannskost; 2) tglich drei kleine Tassen
Thee von Schafgarbe, Johanniskraut und Wermuth, welche gute Sfte und gute
Verdauung bewirken.

Nach drei Wochen war die Krankheit beseitigt, das Aussehen frisch, die
Verdauung gut, der Appetit gro.

Fr weiter war gut: In der Woche ein bis zwei Sitzbder und zwei Halbbder.


15.

Ein Mann, 36 Jahre alt, erzhlt: Ich habe schon seit vier Jahren mit
Abweichen zu thun. Ich mag essen, was ich will, ich bekomme doch Durchfall,
meistens mit groen Schmerzen -- ganz ohne Schmerzen geht es nie ab. Wenn
ich auch drei bis vier Tage Ruhe habe, dann tritt das bel nur um so
heftiger auf, habe auch recht viele Gase im Leib. Wenn diese nicht gehen,
dann ist der Schmerz um so rger. Es ist fast gleich, welche Kost ich
geniee; manchmal glaubte ich die rechte Speise getroffen zu haben; doch
bald ist wieder der alte Zustand da. Gebraucht habe ich schon Vieles von
rzten und Anderen; kleine Linderungen bekam ich, aber keine Hilfe.

Folgende _Anwendungen_ wurden verordnet: 1) Jeden Tag ein Obergu und
Kniegu; 2) jeden dritten Tag ein Halbbad; 3) jeden vierten Tag ein
zweifaches Tuch, in halb Wasser und halb Essig getaucht, warm auf den
Unterleib binden, 11/2 Stunden lang. So 14 Tage. Zum Einnehmen tglich
sechs bis acht Wachholderbeeren, auch 14 Tage hindurch. Das Abweichen hrte
vollstndig auf, der Appetit wurde gut, die Schmerzen verschwanden, und der
Kranke fhlte sich gesund. Die weiteren Anwendungen waren: zweimal in der
Woche ein Halbbad und die Wachholderbeerkur, mit vier Beeren anfangen,
tglich eins mehr bis 15, und dann wieder abwrts.

_Wirkungen:_ Der Obergu und Kniegu brachten mehr Wrme und Kraft fr den
ganzen Krper; der Essig auf den Unterleib bewirkte Wrme und Krftigung im
Unterleib; das Halbbad wirkte strkend auf den ganzen Leib und vermehrt
zugleich die Naturwrme; die Wachholderbeeren wirkten reinigend und
strkend auf Magen und Gedrme. Die weiteren Anwendungen untersttzten
durch lngere Zeit die Natur, damit das bel nicht wiederkehre.


16.

Seit drei Jahren, erzhlt ein Mann, habe ich tglich vier- bis sechsmal
Stuhlgang, oft auch acht- bis zehnmal in einem Tage. Ich mag essen, was ich
will, es ist nicht anders, und es bangt mir jedesmal, so oft ich esse, vor
den Schmerzen, die wieder eintreten werden. Mich friert fast immer, und je
rger die Klte, um so hufiger das Abweichen. rzte habe ich weit und
breit viele aufgesucht, Hilfe nie gefunden. Wenn es noch lnger so
fortgeht, dann werde ich nicht mehr lange leben. Ich bin auch ganz
kraftlos. Was ist zu thun?

1) Acht Tage hindurch tglich angeschwellte Heublumen in einem Tuch ganz
warm auf den Unterleib binden, 11/2 Stunden lang. 2) Jeden Tag einen Ober-
und Kniegu. 3) Jeden Tag zweimal eine kleine Tasse ganz warme Milch
trinken, in welcher Fenchel zehn Minuten lang gesotten wurde. Zudem tglich
zweimal, jedesmal vier Lffel voll, Wermuththee trinken. So 14 Tage
hindurch. Nach 14 Tagen den einen Tag einen Obergu und Kniegu, den andern
Tag ein Halbbad. Die Milch wurde beibehalten, und statt Thee wurden
tglich sechs bis acht Wachholderbeeren gegessen. So wieder 14 Tage. Der
Zustand nderte sich so sehr, da der Kranke alle Speisen genieen konnte,
tglich den gehrigen Stuhlgang hatte und erklrte, er sei jetzt ganz
gesund. Die weiteren Anwendungen waren in der Woche zweimal Obergu und
Kniegu und einmal ein Halbbad, eine halbe Minute lang.

Hier hatte die Klte die Herrschaft, so da die volle Naturwrme nicht
aufkommen konnte. Es war groe Blutarmuth vorhanden, wie es auch nicht
anders sein konnte. Die Heublumen bewirkten eine knstliche Wrme, die sich
ber den ganzen Krper verbreitete. Die schlechten Stoffe wurden
aufgesaugt. Ober- und Kniegu bewirkten am Krper, was die Heublumen am
Unterleib bezweckten. Die Milch gab gute Nahrung, der Fenchel erwrmte und
krftigte den Magen, und auf diese Weise wurde die volle Naturwrme wieder
hergestellt. In der zweiten Abtheilung bewirkten die Gsse eine Fortsetzung
der frheren Wirkung, und die Wachholderbeeren verbesserten im Innern. Das
Halbbad wirkte in derselben Weise wie die Gsse, besonders aber auf den
Unterleib. So wurde der ganze Organismus von allen ungesunden Stoffen
befreit, erwrmt und gekrftigt und dadurch auch die Gesundheit wieder
erlangt.


17.

Eine Person, 26 Jahre alt, klagt: Ich habe ein schweres Magenleiden; es
geht kein Tag vorbei, an welchem ich nicht schmerzliches Drcken und
Brennen im Magen habe. Es stoen mir viele Gase aus dem Magen herauf, und
dann nimmt der Schmerz zu, bis ich mich recht erbrechen mu; es kommt
Wasser, Schleim und endlich die Kost. So leide ich schon drei Jahre, habe
alles Mgliche gethan, aber nur mit geringer oder gar keiner Hilfe. Meine
Kraft ist fast verschwunden, Appetit ist keiner da.

Diese Kranke mute Folgendes anwenden: 1) Durch acht Tage jeden Tag ein
vierfaches Tuch, in halb Wasser und halb Essig getaucht, warm auf den
Unterleib binden; 2) jede zweite Nacht ein Sitzbad, eine Minute lang; 3)
jeden Tag einen Ober- und Kniegu; 4) die eine Stunde einen Lffel voll
Wasser, die andere einen Lffel voll Milch. So drei Wochen fortmachen. Nach
drei Wochen 1) tglich Ober- und Kniegu; 2) jeden dritten Tag ein Halbbad,
in der Woche zweimal ein Sitzbad und jeden Tag zweimal, jedesmal drei
Lffel voll, Thee trinken von Wermuth und Fenchel. So wieder drei Wochen.
Nach sechs Wochen reichten aus in der Woche einmal Obergu und einmal
Halbbad.

Hier herrschten die Gase, dann geschwchte Naturwrme. Die Aufschlge
bewirkten Wrme und Krftigung. Dasselbe bewirkten Ober- und Kniegu. Milch
und Wasser bewirkten gute Verdauung und Stuhlgang und gaben auch
hinreichende Nhrstoffe, und so wurde diese Kranke in sechs Wochen gesund.


18.

Ein Herr, 48 Jahre alt, bringt Folgendes vor: Ich habe einen schwachen
Magen, der besonders nur wenig Flssigkeit ertragen kann. Die vielen Gase,
welche sich sammeln, ben fortwhrend einen Druck auf die Brust, besonders
auf das Herz aus. Meistens habe ich schweren Athem und uerst langsame
Verdauung, und in Folge dessen herrscht hufig trbe Stimmung. Geh ich zu
einem Arzt, so erhalte ich Salze, die stark abfhren, und bald kommt das
alte Leiden wieder. Ich habe recht viel gebraucht, aber nur wenig Hilfe
bekommen. Was soll ich thun?

_Anwendungen:_ 1) Zweimal in der Woche angeschwellte Heublumen warm auf den
Unterleib und die Magengegend binden, eine Stunde lang. 2) Jede zweite
Nacht ein Sitzbad nehmen von kaltem Wasser, eine Minute lang. 3) Dreimal in
der Woche den ganzen Krper mit kaltem Wasser waschen, woran etwas Salz
gemischt ist. 4) Tglich eine Tasse Thee trinken von Wermuth, Salbei und
Minze. Der Thee ist in drei Portionen whrend des Tages zu nehmen.

Wie wirken diese Anwendungen? Die Heublumen erwrmen den Krper und leiten
Gase fort, ziehen schlechte Stoffe aus und strken den Unterleib. Die
Waschungen bringen eine gleiche Transspiration, befrdern den Blutlauf und
krftigen den ganzen Krper. Der Thee wirkt auf gute Verdauung, lst die
krankhaften Stoffe auf und fhrt sie aus. Zur weiteren Krftigung ist noch
gut, in der Woche zwei Sitzbder zu nehmen, ein- oder zweimal sich zu
waschen und eine Tasse des genannten Thee's in drei Portionen zu trinken.


19.

Eine Hausfrau beklagte sich bei mir ber Magenleiden. Ich habe, so sagte
sie, stets bittern Geschmack im Munde, bald strker, bald schwcher, mu
viel Wasser erbrechen, welches ganz sauer und bitter ist, hufig auch
Alles, was ich gegessen habe. Manchmal habe ich Kopfschmerzen, da ich
ganz schwindlig bin. Bestndig sind meine Fe kalt, in der Nacht werden
sie oft erst in fnf bis sechs Stunden warm. Der Stuhlgang ist immer zu
hart und unregelmig. Was kann hier helfen?

_Anwendungen:_ 1) Jeden dritten Tag soll ein kurzer Wickel genommen werden,
der in warmes Heublumenwasser getaucht wurde. 2) Jeden Tag ist Obergu und
Kniegu zu nehmen. 3) Tglich ist eine Tasse Thee von Wermuth und Zinnkraut
in drei Portionen zu trinken. Derselbe mu sechs Minuten gesotten werden.

Die _Wirkung_ dieser Anwendungen ist folgende: Die warmen Wickel bringen
dem Leibe Wrme zur Auflsung und Ausscheidung der verlegenen Stoffe. Ober-
und Kniegu bringen dem ganzen Krper Wrme und Kraft. Der Thee reinigt im
Innern und bringt gute Verdauung. Die genannten Anwendungen sind 14 Tage zu
machen; darauf ist die Wachholderbeerkur zu gebrauchen und jede Woche zwei-
bis dreimal ein Halbbad zu nehmen. Die Wachholderbeeren verbessern den
Magen. Die Halbbder krftigen die Natur und erhalten die Naturwrme.


20.

Ein Bursche mit 16 Jahren kommt zu mir und sieht recht armselig und
heruntergekommen aus. Er ist ziemlich entkrftet und bittet um Hilfe. Er
habe schon mehrere rzte gehabt, aber keine Hilfe bekommen. Er habe nichts,
als was er verdiene. Alles, was er esse, bekomme ihm nicht gut. Bestndig
habe er Druck auf den Magen. Wenn er stark gebrochen habe, werde es ihm
wohler. Wrme fhle er wenig, fast immer empfinde er Frost. Er fragt, was
zu thun sei, da er wieder sein Brod verdienen knne.

1) Jeden Morgen und Abend den Unterleib krftig mit Essig und etwas Wasser
daran einreiben. 2) Tglich einen halben Lffel voll gutes Salatl
einnehmen. 3) Tglich zweimal, jedesmal fnf bis sechs Lffel voll,
Wermuth- und Salbeithee einnehmen. 4) In der Nacht vom Bett aus ganz
waschen mit Wasser und Essig und dann gleich wieder in's Bett gehen. So 14
Tage lang; nach diesen 14 Tagen dieselben Mittel halb so oft gebrauchen.
Nach vier Wochen zeigte sich dieser Bursche wieder; sein Aussehen war
frisch, er hatte Appetit und hinreichende Naturwrme und konnte wieder sein
Brod verdienen.

Die Einreibungen mit Essig und Wasser bewirkten Wrme und Thtigkeit im
Unterleib, nicht weniger die Waschungen Dasselbe im ganzen Krper. Das l,
wenn es die Natur ertrgt, lindert die Magenbeschwerden. Der Thee von
Wermuth und Salbei verbessert die Sfte und die Verdauung.


21.

Eine Frauensperson erzhlt: Ich bin 32 Jahre alt. Seit einigen Jahren habe
ich fast immer Magenleiden, fters Erbrechen und belkeiten. Seit fnf
Wochen liege ich immer im Bette an Lungen- und Magenkatarrh. Ich bin so
kraftlos, da ich schon mehrere Monate gar keine Arbeit mehr verrichten
kann.

_Anwendungen:_ 1) Jeden zweiten Tag ein vierfaches Tuch auf den Unterleib
binden, in Wasser und Essig getaucht, in der ersten Zeit warm, spter kalt.
2) Jede zweite Nacht vom Bette aus ganz waschen und wieder in's Bett. 3)
Zum Frhstck eine Kraftsuppe. Bis Mittag jede Stunde einen Lffel Milch.
Nachmittags bis Abends jede Stunde einen Lffel Wasser. 4) Jede zweite
Nacht ein Sitzbad.

Innerlich: Wachholderbeerkur.

_Wirkungen:_ Hier ist groe Blutarmuth, somit auch groe Schwche, dann
schlechte Verdauung vorhanden. Das Essigtuch wirkt strkend auf den
Unterleib und verbessert den Magen. Die Waschungen beleben, strken und
bewirken bessere Transspiration. Die Kraftsuppe bringt gute Nahrung, und
Dasselbe thun die kleinen Portionen Milch. Der Lffel voll Wasser wirkt
gnstig auf den _Stuhlgang_.


22.

Mehr als zwei Jahre, erzhlt eine Hausfrau, habe ich fast bestndig
Magenleiden. Ich habe starkes Drcken und oft starkes Brennen im Magen. Oft
ist der ganze Unterleib recht kalt, die Fe wollen gar nicht warm werden.
Im Bette sind sie oft vier bis fnf Stunden ganz kalt. Appetit habe ich
nie, und krftige Kost kann ich gar keine essen. Ich nehme hchstens ein
wenig Kaffee, der mir noch am besten thut. Ich bin auch oft recht verstimmt
und verzagt.

_Anwendungen:_ 1) In der Woche viermal angeschwellte Heublumen warm auf den
Unterleib binden, 11/2 Stunden lang. 2) Jeden Tag einmal ein Kniegu. 3)
Jeden zweiten Tag ein Obergu. So 14 Tage lang. Dann 1) tglich ein
Schenkelgu und Obergu. 2) Jeden Morgen und jeden Abend den Unterleib mit
Wasser und Essig waschen. 3) In der Woche zweimal einen kurzen Wickel eine
Stunde lang umlegen, in warmes Heublumen-Wasser getaucht. So wieder 14
Tage. Als Kost 1) jeden Morgen und Abend eine Kraftsuppe von Milch oder
Fleischsuppe gekocht; 2) einfache Hausmannskost am Mittag. _Nach innen_
wurde gebraucht: jeden Tag in drei Theile getheilt, eine Tasse Thee von
Wermuth, Fenchel und Wachholderbeeren, alles Dieses mit einander 10 Minuten
lang gesotten. Nach vier Wochen war das Drcken verschwunden, Appetit hatte
sich eingestellt, und das ganze Aussehen war wie umgewandelt.

Die _Wirkung_ der Anwendungen war folgende: Durch die Blutarmuth war der
ganze Krper, besonders aber der Unterleib mehr kalt als warm, mithin auch
keine rechte Verdauung. Wo man kein Feuer hat, kann man nicht kochen. Die
warmen Heublumen bewirkten Wrme und Krftigung des Unterleibes. Der Wickel
wirkte noch strker in dieser Weise. Der Kniegu leitete das Blut abwrts
und vermehrte die Naturwrme. Der Obergu bewirkte Krftigung und
Thtigkeit des Krpers. Der Schenkelgu bewirkte unten, was der Obergu
oben: Wrme und Krftigung; das Waschen mit Wasser und Essig bewirkte
Strkung, Erwrmung und wirkte auf Stuhlgang; der kurze Wickel wirkte auf
den ganzen Leib, was die Heublumen auf den Unterleib. Der Thee bewirkte
Verdauung, gute Sfte und Krftigung.


23.

Ein Mann erzhlt Folgendes: Ich bin krank und habe schon drei rzte
gehabt. Der erste sagte, ich sei Leber leidend; der zweite, ich habe einen
Herzfehler; der dritte, man knne noch nicht genau bestimmen, wo der
Hauptfehler sei. Ich habe guten Appetit, bekomme aber, wenn ich gegessen
habe, Schmerzen im Magen. Es wird gewaltig unruhig im Unterleib, und wenn
es lngere Zeit recht unruhig war, kommt Herzklopfen. Meine Hnde und Fe
sind immer kalt, von Woche zu Woche werde ich magerer und kraftloser. Ich
bin Schreinermeister und kann schon zwei Jahre lang meinem Geschfte nicht
mehr nachkommen. Wenn ich nur eine halbe Stunde eine kleine Arbeit
verrichte, bin ich schon ganz mde.

_Anwendungen:_ 1) Jeden Morgen einen Kniegu, eine Minute lang; 2) jeden
Nachmittag einen Obergu; 3) dreimal in der Woche angeschwellte Heublumen
warm auf den Unterleib binden und 11/2 Stunden lang liegen lassen; 4)
jeden Tag eine Tasse Thee trinken von 12 zerstoenen Wachholderbeeren und
etwas Zinnkraut, welche 10 Minuten lang gesotten wurden. So 14 Tage lang.
Nach deren Verlauf: 1) Jeden zweiten Tag ein Halbbad; 2) jeden Tag einmal
im Wasser gehen; 3) jeden Morgen und Abend den Unterleib mit einer
Mischung, halb aus Wasser, halb aus Essig bestehend, krftig einwaschen.
Von dem oben bezeichneten Thee jeden dritten Tag eine Tasse trinken. Nach
vier Wochen war der Schreinermeister wieder hergestellt. Was hat nun diesem
gefehlt? Der Magen hat wohl aufgenommen, aber nicht gut verdaut. Es
entwickelten sich dadurch recht viele Gase. Diese bten einen Druck auf die
Organe im Oberkrper; dadurch entstand Herzklopfen, und weil die
Blutbildung nachgelassen hatte und die Klte vorherrschend wurde, mute die
Kraft verschwinden. Obergu und Kniegu leiteten das Blut in die ueren
Theile und belebten und krftigten die ganze Natur. Der Thee reinigte den
Unterleib von Gasen und verlegenen, krankhaften Stoffen. Die Halbbder
strkten die ganze Natur. Die aufgelegten Heublumen saugten die schlechten
Stoffe aus und sorgten, da nicht mehr so viele Gase sich anhuften. Auf
diese Weise wurde die ganze Natur wieder in Ordnung gebracht. Weil aber die
Erholung nur nach und nach vor sich geht, mute der Mann noch einige Zeit
ein oder zwei Halbbder nehmen und, um einen guten Magen zu bekommen, die
Wachholderbeerenkur gebrauchen.


24.

Ein Bauer theilte mir ber seinen Zustand Folgendes mit: Seit fnf Jahren
habe ich Magenleiden, bestndiges Brennen im Magen und Druck auf denselben.
Ich knnte Alles essen, und doch thut mir nichts gut; seit einem Jahre ist
es viel rger als frher. Ich habe auch keine Kraft mehr, mu mich hufig
erbrechen, und bis nicht mein Magen ganz leer ist, bekomme ich keine Ruhe.
Bier darf ich gar nicht trinken, gleich stt mir Sure auf. Ich habe fast
bestndig kalte Fe, und die Schmerzen im Magen lassen mir keinen Schlaf.
rzte habe ich mehrere gebraucht, bekam auch von Zeit zu Zeit Linderung,
aber nur fr kurze Zeit. Bald war das alte Leiden wieder da.

_Anwendungen:_ 1) In der Woche dreimal einen kurzen, warmen Wickel, 11/2
Stunden lang; derselbe ist in Wasser zu tauchen, in welchem Haferstroh 1/2
Stunde lang gesotten wurde. 2) Jeden Morgen im Wasser gehen drei Minuten
lang. 3) Jeden Nachmittag einen Obergu nehmen. 4) Tglich dreimal
Wermuththee einnehmen, jedesmal drei Lffel.

Die Anwendungen wirkten wie folgt: Die Wickel entfernten die Gase im
Unterleib, die einen Druck auf den Magen bten, in Folge dessen Brechreiz
entstand. Die Nieren wurden gereinigt und alle krankhaften Stoffe
ausgeleitet, was auch der schmutzige Urin bewies. Der Wermuththee bewirkte
gute Verdauung. Hier war das Hauptbel mehr im Darm als im Magen; denn
sobald die Gase entfernt waren, hrte das Erbrechen auf. Wassergehen hrtet
ab, leitet das Blut in die Fe und entwickelt Wrme. Der Obergu wirkte
strkend und belebend. In drei Wochen war der Kranke gesund, und zur
weiteren Erholung reichte es aus, da er zweimal in der Woche ein Halbbad
nahm.


25.

Ein Herr erzhlt: Ich bin 9-10 Jahre von bestndigen, bald strkeren, bald
schwcheren Magenleiden belstigt. Saures kann ich gar nicht essen. Satt
darf ich mich nie essen. Auerdem habe ich schon lngere Zeit dann und wann
in der Frhe Husten, wobei ziemlich viel Schleim abgeht, mit welchem fters
etwas Blut vermischt ist. Meine Nerven sind sehr geschwcht; jede
Kleinigkeit kann mich aufs hchste aufregen. Ich schlafe nur mit
Unterbrechungen. Dehalb habe ich schon zehn Jahre hindurch mehr ab- als
zugenommen. Meistens fhle ich eine gedrckte Stimmung. Was ist in meiner
Lage zu thun?

Antwort. Die besten _Anwendungen_ werden folgende sein: 1) Jeden Tag einen
Obergu und Kniegu. 2) Den einen Tag ein doppelt genommenes und in eine
Mischung von halb Wasser und halb Essig getauchtes Tuch auf den Unterleib
binden. 3) Den andern Tag in der Nacht ein Sitzbad nehmen. So zehn Tage
fortmachen. Nach diesen zehn Tagen: 1) In der Woche drei Halbbder eine
halbe bis hchstens eine Minute lang. 2) In der Woche einen Obergu und
Kniegu. 3) Die Wachholderbeerkur anwenden; es wird mit vier Beeren
angefangen, tglich eine mehr genommen, bis man auf 15 gekommen ist; dann
geht es in gleicher Weise wieder abwrts.

In vier Wochen war der Kranke vollstndig hergestellt und bekam den
weiteren Rath, in der Woche ein bis zwei Halbbder zu nehmen und zeitweilig
auch die Wachholderbeerkur zu gebrauchen.

Wie _wirkten_ die Anwendungen?

Der Obergu und Kniegu wirkten strkend auf Ober- und Unterkrper; das
Sitzbad wirkte ebenso auf den Unterleib und entfernte alle bermige Hitze
in demselben. Das aufgelegte Tuch wirkte gnstig auf den Magen. Die
Wachholderbeeren wirkten im Innern. Die Halbbder wirkten noch strker auf
Krftigung des ganzen Krpers. Die weiter angerathenen Anwendungen
untersttzten die Erhaltung und schtzten vor Rckfall.




Marasmus.


Es kommt ein Mann, 62 Jahre alt, ziemlich gut gebaut, doch deutet das ganze
Aussehen auf Nachla der Natur. Der Mann sieht viel lter aus, als er ist;
die Farbe ist gelb und abgestanden; er mu viel zu hufig und dehalb immer
zu wenig Wasser lassen, hat wenig Naturwrme. Der erste Blick sagt, hier
liegt Marasmus vor. Was kann dieser Mann noch thun?

1) Jeden Tag den ganzen Krper waschen mit Wasser und einem Viertheil
Essig.

2) Jeden Tag ein kaltes Sitzbad, eine Minute lang.

3) Jeden dritten Tag einen Ober- und einen Unteraufschlger, jeden 3/4
Stunden lang, von ganz kaltem Wasser.

So 14 Tage lang. Dann:

1) In jeder Woche drei Halbbder, 1/2 Minute lang.

2) Jede Woche zwei Rckengsse und ein Sitzbad.

In vier Wochen war der ganze Organismus wie neu restauriert, die Farbe
frisch und gesund. Die Harnbeschwerden waren entfernt, der Appetit war gut,
und es war weiter nichts mehr nothwendig als in der Woche zwei Halbbder.

Whrend der ganzen Kur hat der Kranke tglich eine Tasse Thee von Salbei,
Wermuth und Zinnkraut getrunken in drei Theilen, Wermuth zur Verbesserung
des Magens und Zinnkraut zur Reinigung von schlechten Stoffen im Innern.




Nervenleiden.


Ein junger Professor klagt ber Hmorrhoiden, nervse Aufregung im Kopf,
argen Fuschwei, hat hochrothe Lippen und Ohren.

Hier ist der Oberkrper durch viele geistige Anstrengung sehr aufgeregt,
der untere Krper durch die sitzende Lebensweise erschlafft. Es mu also
der aufgeregte Oberkrper beruhigt, der erschlaffte Unterkrper dagegen
angeregt und belebt werden.

Darum: 1) Tglich zweimal Obergu (zur Beruhigung des Oberkrpers) und
Schenkelgu (zur Belebung des Unterkrpers), drei Tage lang.

Ist so das Gleichgewicht zwischen Ober- und Unterkrper hergestellt, so
wird auf Krftigung des _ganzen_ Krpers gewirkt durch

2) Obergu, Rckengu und Schenkelgu.

Nach 8 bis 10 Tagen wird diese Einwirkung auf den _ganzen_ Krper
potenziert durch

3) Halbbad und Rckengu, acht Tage lang.

Nun wird wieder auf die einzelnen Theile eingewirkt zur weiteren Krftigung
a) des Oberkrpers durch Obergu, b) des Unterkrpers durch Kniegu und
Wassergehen, c) des Unterleibes durch Sitzbad; darum

4) Obergu, Kniegu, Wassergehen;

5) Sitzbad.




Nierenleiden.


Ein Brger erzhlt: Ich habe hufig Blut im Urin und meistens beim
Wassermachen wenn nicht groe, so doch einige Schmerzen, in der
Nierengegend bestndig Schmerzen, manchmal recht groe. Von Zeit zu Zeit
ist mein Unterleib voll Krmpfe; der Stuhlgang ist meistens hart.

Hier fehlt es sicher in den Nieren. Allem Anschein nach viel Verschleimung
und zeitweilig kleine Geschwre in den Harnorganen, was ein Arzt auch
gesagt haben soll.

Folgende _Anwendungen_ haben das bel innerhalb drei Wochen gehoben:

1) In der Woche dreimal einen kurzen Wickel, in Heublumenwasser getaucht,
warm 11/2 Stunden lang;

2) in der Woche zwei warme Sitzbder, 12 Minuten lang, und ein kaltes, 1
Minute lang, aber nicht beide an _einem_ Tage;

3) tglich den ganzen Krper kalt waschen.

_Nach innen:_ Thee von Schafgarbe, Johanniskraut und Zinnkraut. Nach 14
Tagen war die Kur beendet, und spter in der Woche zwei Halbbder
krftigten die ganze Natur.

Die _Heublumen_ lsen auf und leiten aus; Dasselbe thut das warme
_Sitzbad_. Das _kalte_ hindert zu groe Verweichlichung. Schafgarben,
Zinnkraut und Johanniskraut wirken reinigend und strkend, die _Halbbder_
machen einen guten Schlu.




Rheumatische und verwandte Leiden.


Was kommt heutzutag hufiger vor als Rheumatismus? Vor 40 bis 50 Jahren
kamen selten solche Zustnde vor, und heutzutage tausendfach in allen
Stnden; selbst die Landleute, die frher vor solchen Zustnden durch ihre
schweren Arbeiten, ihren Schwei geschtzt waren, sind jetzt zahllos damit
geplagt und oft zu ihrem Beruf ganz unfhig gemacht. Sicher haben diese
bel ihre Hauptursache in der groen Verweichlichung, der man zum Opfer
gefallen ist. -- Hier heit es: Was einem Herkules wohlthut, zerreit einen
Schneider. Vor diesem frchterlichen allgemeinen bel schtzt nur eine
vernnftige Abhrtung und eine vernnftige Kleidung des menschlichen
Krpers, damit der Krper nicht durch die Kleidung zu einer
Treibhauspflanze werde.

Ich hatte einst einen Blumenstock in meinem Zimmer. Als er in der schnsten
Blthe und die Temperatur etwas kalt war, blieb zufllig das Fenster offen.
Am Morgen bemerkte ich bald, da einige Bltter, die dem offenen Fenster am
nchsten waren, welke Flecken bekamen, die mit der Zeit etwas gebrunt
wurden, und das Blatt hatte dabei so gelitten, da es krankhaft blieb. Ich
dachte, diese Bltter am kalten Fenster haben einen Rheumatismus bekommen,
der so tief in's Blatt eingedrungen und Zerstrungen angerichtet hat, da
das Blatt krank bleibt. Gerade so geht es beim menschlichen Krper. Wenn an
irgend einer Stelle des Krpers eine kalte Luft durch die Poren eindringt,
wie wenn Wasser in ein Tuch eindringt, die Poren schliet und zusammenzieht
durch die Klte, so kann keine Ausdnstung mehr heraus, und so tritt eine
grere oder kleinere Entzndung ein, die strend und zerstrend einwirkt.
Durch die Entzndung entstehen krankhafte Stoffe, die sich nach und nach
immer weiter ausdehnen und tiefer eindringen selbst bis zu den Knochen und
Gelenken, daher Gelenk-Rheumatismus.

Geheilt kann ein solcher Zustand nur werden, wenn der angerichtete Schaden
nach und nach beseitigt wird; und ist von auen der Schaden nach innen
gedrungen, so mu von auen nach innen auf die Ausleitung eingewirkt
werden. Man mu es machen, wie wenn ein Tropfen Tinte auf weie Leinwand
kommt, nmlich auswaschen.

Der Rheumatismus kann eine solche Herrschaft ber den Krper bekommen und
solche Zerstrungen anrichten, da der Schaden nicht mehr ausgeheilt werden
kann. Da man hier so giftige Sachen nimmt zum Einreiben, kann ich nicht
begreifen. Wenn schon die Luft schadhaft einwirkt, wie nachtheilig mu erst
ein Gift durch die Poren wirken!


1.

So kommt zu mir ein junger Bursche, 24 Jahre alt, und klagt, er knne sein
Brod nicht mehr verdienen, er habe Gelenkrheumatismus bald im einen Fu,
bald im andern, bald in diesem, bald in jenem Theil des Krpers; er msse
oft Tage lang im Bett zubringen, es seien schon alle mglichen Mittel
angewendet worden, Salben, Gifte und Doppelgifte. Nichts habe das bel
gehoben.

Fr solche Zustnde passen folgende _Anwendungen_:

In der Woche 1) zweimal den spanischen Mantel;

2) zweimal in der Nacht ganz waschen und

3) zweimal ein Halbbad.

So drei Wochen lang. Nach dieser Zeit war aller Rheumatismus verschwunden,
und es fehlte nur noch eine vollstndige Erholung und weitere Abhrtung,
wozu ausreichte in der Woche zweimal ein Halbbad.

Die _Wirkung_ der Anwendungen: Der _spanische Mantel_ lst und leitet aus
alle zerstrbaren zurckgebliebenen krankhaften Stoffe, reinigt somit die
Natur. Die Waschungen und Halbbder krftigen die Natur, da sie
widerstandsfhiger wird, und krftigen alle geschwchten,
heruntergekommenen Theile. Der _spanische Mantel_ wird hier dehalb
angewendet, weil der Krper krftige Muskulatur hat.


2.

Ein Schlosser leidet seit Jahren an Gelenkrheumatismus; er hatte schon viel
gebraucht, aber keine Hilfe gefunden, lag oft mehrere Wochen im Bett, litt
unsgliche Schmerzen und hatte hufig betubende Mittel zur Stillung dieser
Schmerzen genommen. Das Aussehen war fast todtenbla, die Zge ganz
eingefallen -- ein wahrer Leidensmann!

Die ersten Anwendungen waren _Obergu_ und _Schenkelgu_. Auf diese
schwollen beide Fe, besonders an den Knieen, so stark an, da er die
frchterlichsten Schmerzen bekam. Er wurde eingewickelt von unter den Armen
ganz hinunter in angeschwellte _Heublumen_, zwei Stunden lang. Noch am
selben Tag bekam er _Schenkelgu_. In wenigen Stunden war der Schmerz fast
ganz beseitigt. Auf wiederholte _Obergsse_ waren Arme und Schultern
ebenfalls angeschwollen, und auch hier wurde warmer Heublumenwickel
vorgenommen. So wurde vier Tage fortgemacht, tglich Wickel und tglich
Ober- und Schenkelgu. Die Anschwellungen hrten auf, die Schmerzen
verschwanden, als ob nie solche dagewesen wren. Nachher bekam er 14 Tage
hindurch tglich _Obergu und Schenkelgu_ und in der zweiten Hlfte des
Tages ein _Halbbad_. Er fhlte sich so gesund und krftig und wunderte sich
nur, wie diese einfachen Mittel und wohlfeilen Medicamente eine solche
Wirkung hervorbringen konnten.

Die _Heublumen_ lsten die Krankheitsstoffe auf und sogen sie aus. Die
_Gsse_ und das _Halbbad_ krftigten, bewirkten einen gleichen Blutlauf,
gleichmige Naturwrme, und so kam die ganze Maschine wieder in den
rechten Gang, und der gute Appetit und Schlaf ist der klarste Beweis seiner
Gesundheit. Fr weiter brauchte der nun Geheilte jede Woche zwei bis drei
Halbbder.


3.

Ein Landmann mit 50 Jahren hat schreckliche Schmerzen in den Kniegelenken,
Hften und Kncheln, ist vollstndig arbeitsunfhig und mu die meiste Zeit
im Bett zubringen; er leidet an diesem bel mehr als zwei Jahre, hat viel
gebraucht, und doch geht es stets schlimmer statt besser. Die Schmerzen
rauben Appetit und Schlaf.

Hier hat der Rheumatismus harte Geschwlste gebildet, die aufgelst,
ausgeleitet werden mssen, und erst dann kann Gesundheit und Kraft wieder
einkehren.

1) Acht Tage hindurch bekam der Kranke tglich einen _Wickel_, von unter
den Armen ganz hinunter, von Heublumenabsud;

2) jeden Tag zweimal eine Ganzwaschung mit Wasser und Essig ohne
Abtrocknung;

3) _Nach innen_ tglich dreimal drei Lffel voll Wermuththee.

Wie die _Wickel_ alle krankhaften Stoffe auflsten, so brachten die
Waschungen eine Steigerung der Wrme, Krftigung und gleichmige
Transspiration im Krper.

In 14 Tagen konnte der Hausvater wieder an sein Geschft.


4.

Eine Hausfrau hatte mehrere Monate hindurch Rheumatismus auf den Schultern,
in den Armen und auch hufig in der Brust; wie sie sagte, hatte sie viel
eingerieben und eingeschmiert, Heilung aber nicht gefunden. Wenn die
Witterung schlecht war, mute sie oft einige Tage das Bett hten. Es wurde
ihr befohlen, Wollhemden zu tragen. Sie erklrte, seit dieser Zeit sei der
Schmerz noch ausgedehnter.

Wie ist diesem bel abzuhelfen? Wie knnen diese rheumatischen Stoffe am
leichtesten ausgeleitet und die ganze Natur wieder hergestellt werden?

1) In der Woche dreimal ein Hemd anziehen, in Heublumenwasser getaucht.
Die wird alles Schadhafte auflsen und ausleiten. Durch diese Anwendung
allein wrden die leidenden Stellen und der Krper noch weichlicher werden;
dehalb ist nothwendig,

2) da jeden Tag ein Obergu und Kniegu vorgenommen werde, und weil nach
12 Tagen das bel beseitigt war, so wurden zur allgemeinen Krftigung des
Krpers, und um denselben widerstandsfhiger zu machen, in der Woche drei
und spter zwei, endlich ein Halbbad genommen.


5.

Ein Lehrer wurde auf ein halbes Jahr pensionirt, weil er berufsunfhig
geworden war durch Rheumatismus. Er hatte ein etwas feuchtes Schlafzimmer,
wo ein Theil der Mauer mehr schwarz als wei ist; er war auch ngstlich,
fleiig zu lften, und so zog er sich einen recht peinlichen Zustand zu.
Frher war er angeblich immer gesund gewesen. Es wird wohl kaum etwas diese
Krankheit leichter und nachhaltiger verursachen, als eine feuchte Wohnung.

Das Allererste zur Heilung ist eine trockene Wohnung; 2) eine allgemeine
Einwirkung und 3) eine Verbesserung des Blutes.

Folgende _Anwendungen_ wurden gemacht:

1) In der Woche zwei- bis dreimal der spanische Mantel, der auflst, auch
alles Schadhafte ausleitet;

2) Halbbder, welche die Natur abhrten und krftigen;

3) _nach innen_ eine krftige Kost und tglich eine Tasse Thee von Wermuth,
Salbei und Wachholderbeeren in drei Portionen.

Nach drei Wochen war das bel beseitigt, und der Kranke hat zur weitern
Krftigung in der Woche zwei bis drei Halbbder genommen und statt des
Thee's die Wachholderbeerkur gebraucht.


6.

Eine Frau hatte einen geschwollenen Fu von oben bis an das Knie, und 11/2
Jahre hindurch fast verzweiflungsvolle Schmerzen, hatte viel gebraucht und
schon mehrere Bder besucht. Doch der Zustand verschlimmerte sich, so da
sie an der Krcke gehen mute. Dieser Fu wurde nicht blo fr rheumatisch,
sondern auch fr gichtleidend erklrt. Sie fhlte auch bereits im andern
Fu Schmerzen; wie sie sagte, habe es mit dem kranken Fue gerade so
begonnen.

Geheilt kann dieser Fu werden durch Auflsung und Ausleitung dessen, was
sich in demselben Krankhaftes gesammelt hat.

1) In der Woche, 11/2 Stunden lang, zwei Heublumenwickel, die auflsend
nicht blo auf den Fu, sondern auf den ganzen Unterleib wirken;

2) jeden Tag soll der Fu eingewickelt werden, und zwar wieder mit
angeschwellten Heublumen, die auf den bloen Fu gebunden werden sollen,
vier Stunden lang; aber nach zwei Stunden mssen die Heublumen erneuert
oder in Heublumenwasser getaucht werden.

Vom dritten Tage an bekam die Kranke

3) tglich einen Obergu und Schenkelgu;

4) der stark leidende Fu wurde tglich zweimal bergossen. -- So 14 Tage
lang. Dann

5) wurde den einen Tag ein Halbbad, den andern ein Rckengu vorgenommen.
In der vierten Woche endete die Kur. Die _Wickel_ lsten auf, die
_Gieungen und Bder_ hrteten ab und strkten, und so haben Heublumen und
Wasser diese Unglckliche gerettet.


7.

Eine Frau, circa 40 Jahre alt, klagt ber groe Schmerzen im Genick, die
sich oft ber den halben Kopf ausdehnten, auch ber die Schultern. Der
Nacken sei oft ganz steif, so da sie den Kopf nicht nach rechts und links
drehen knne; es sei so ziemlich wie ein Starrkrampf; sie habe viel
angewendet, aber ohne Erfolg.

Hier mu diese Steifheit und Anschwellung gerade so behandelt werden, wie
eine Geschwulst von Gelenkrheumatismus.

Dehalb werden 1) tglich zwei bis vier, oder auch sechs Stunden Heublumen
bergeschlagen, aber je nach zwei Stunden die Heublumen wieder in warmes
Heublumenwasser getaucht, oder frische genommen. -- Ferner

2) mssen tglich ein oder zwei Obergsse von kaltem Wasser angewendet
werden. Es ist aber auch nothwendig,

3) da tglich entweder eine Ganzwaschung oder ein Halbbad, eine Minute
lang, genommen werde.

Nach 14 Tagen war das bel beseitigt. Die _Heublumen_ machten die Steifheit
weich und leiteten die Krankheitsstoffe aus. Die _Gieungen_ strkten und
hrteten ab. Die _Waschungen oder Halbbder_ regelten den Blutlauf und
bewirkten gleichmige Naturwrme.


8.

Ein junger Bursche, 19 Jahre alt, hatte den Kopf ganz auf die Seite
verdreht, weil auf einer Seite der Hals stark angeschwollen und ganz steif
war. Er konnte sich nicht aufwrts, nicht rechts und links wenden. Diese
rheumatische Geschwulst war ziemlich gro und drang nach innen, so da er
nur mit Mhe ganz weiche Kost hinunterschlucken konnte. Selbst das Sprechen
ging hart und that ihm weh.

Weil hier die Geschwulst nach innen und auen sich ausgebildet, so ist am
besten:

1) der Junge nimmt einen Kopfdampf von Heublumen, athmet den Dampf
sorgfltig ein, aber nicht gar zu hei. Nach 18 bis 20 Minuten endet der
Dampf, und der ganze Nacken wird fest bergossen mit ein oder zwei Kannen
kalten Wassers;

2) jeden Tag soll der Hals 4 bis 6 Stunden umwickelt werden, das Tuch in
Heublumenwasser getaucht, nach je zwei Stunden frisch eingetaucht, aber ja
nicht zu hei;

3) zudem soll tglich noch ein Obergu genommen werden.


9.

Eine Hausfrau, 42 Jahre alt, erzhlt: Seit zwei Jahren bin ich so von
Katarrh und Rheumatismus geplagt, da ich keinen Tag im Jahre wei, an dem
es mir behaglich war. Wenn ich schon glaube, mein Katarrh lse sich, komme
aber nur in die Nhe des Fensters, so habe ich schon wieder einen Katarrh;
und wenn ich die Wohnstube verlasse und im Hause herumgehe, so mu ich bald
wieder einen Ruheplatz suchen vor lauter Schmerzen, bald in den Schenkeln,
bald auf den Schultern; kurz berallhin wandert der Rheumatismus. Tag und
Nacht habe ich keine Ruhe vor Schmerzen. Ich bin um und um zwei- und
dreifach mit Wolle gekleidet; der Arzt hat es so befohlen. Seit dieser Zeit
ist mein Rheumatismus ber den ganzen Krper gekommen, frher war er blo
auf den Schultern. Das Weib sah wirklich wie ein Marterbild aus, sie
weinte und jammerte.

Was ist hier zu thun? Hier gibt es wenig zum Auflsen und Ausleiten; das
arme Geschpf ist ganz ausgemergelt; mithin ist Abhrtung und Krftigung
einzuleiten zu einer geregelten Transspiration, die ganz unterbrochen ist;
somit

1) allererst den Krper in gleiche Wrme und Transspiration bringen _durch
Waschungen_ und zwar am besten vom Bett aus und gleich wieder in's Bett. --
So drei Tage hindurch. Dann

2) jeden Morgen einen _Kniegu_, am Nachmittag einen schwachen _Obergu_
und in der Nacht ein _Sitzbad_, eine halbe Minute lang.

So 10 bis 12 Tage lang. Nach je drei bis vier Tagen eines von diesen vielen
wollenen Kleidungsstcken ablegen. Nach einigen Tagen kann

3) der _Schenkelgu_ jeden Morgen, am Nachmittag der _Obergu_ mit drei bis
vier Kannen gegeben werden; das Wollhemd wurde entfernt und dafr ein
Linnenhemd angezogen.

Die weiteren _Anwendungen_ waren ein Halbbad und Obergu in der Woche zwei-
bis dreimal, und wie die ganz normale Kleidung am Krper angewhnt wurde,
bekam die nun Genesene in der Woche drei Halbbder. Es gingen acht Wochen
vorbei, bis die Kranke wieder gesund und berufsfhig war.


10.

Ein Herr von Stand berichtet: Entweder mu ich meinen Beruf aufgeben oder
anders werden. Ich trage ein Jgerhemd und Jgerunterhosen erster Qualitt,
eine Leibbinde, auf dem untern Kreuze zwei Katzenblge und ber dieser
Kleidung nochmal eine dicke feste Wollkleidung, kann gar nicht mehr in der
freien Luft mich aufhalten, und wenn ich nur von einem Zimmer in's andere
gehe, erneuern sich meine Schmerzen. Sonst war ich immer gesund und
krftig, wie ich auch gut gebaut bin. Mein Elend hat begonnen mit einem
hartnckigen Katarrh, dem sich nach und nach Rheumatismus allseitig
angeschlossen.

Das Aussehen war nicht bel und machte den Eindruck, da hier noch eine
ordentliche Naturkraft vorhanden sei. Nur die Verweichlichung ist hier zur
Herrschaft gekommen.

Ganz entschlossen war der gute Herr, sich diese lstigen Gste austreiben
zu lassen, und ging dehalb mit Freude an die Obergsse, Schenkelgsse,
Wassergehen, Halbbder, und den Schlu machten einige Vollbder. In fnf
Wochen ging dieser Herr mit Freude an seine bereits verlassene
Berufsthtigkeit, wo er rstig arbeitet und seinem Schpfer Lob fr das
Wasser spendet.


11.

Eine Frau hatte zwei Jahre Ischias und mehr als ein Jahr ziemlich stark
geschwollene Fe; der Appetit war sehr gut, das Aussehen ganz frisch, auch
der Schlaf war gut, wenn nicht durch Ischias gehindert.

Weil hier Geschwlste vorhanden sind und ziemliche Corpulenz, ist
Ausleitung und Abhrtung angezeigt.

1) In der Woche drei Fudmpfe, 18-20 Minuten lang, und gleich darauf einen
schwachen und nach und nach einen strkeren Schenkelgu.

2) In der Woche zwei Kopfdmpfe mit folgendem Obergu.

3) 14 Tage spter Halbbder im Wechsel mit Obergu und Schenkelgu. So 14
Tage lang.

Als weitere Anwendungen, um den Krper in volle Kraft und Gesundheit zu
bringen, in der Woche 2-3 Halbbder. In sechs Wochen war dieser Kranke
gesund.


12.

Ein Knabe, 12 Jahre alt, hatte Ischias und immer etwas Schmerzen,
zeitweilig recht starke, die Fe zu Zeiten angelaufen; er bekam das bel
durch Vernssung und Erkltung. -- Dieser Knabe wurde den ersten Tag in ein
Tuch gewickelt, das in warmes Haferstrohwasser getaucht war; den zweiten
Tag bekam er ein Halbbad, eine halbe Minute lang. So 12 Tage lang, und der
Kranke war gesund.


13.

Ein Mann, ungefhr 36 Jahre alt, klagt ber folgende Leiden: Meine Arme
und Fe sind voll Rheumatismus; ich kann oft gar nicht gehen. Manchmal mu
ich Tage lang im Bett liegen. Ich habe meistens schweren Athem, oft groe
Athemnoth, fast zum Ersticken; manchmal habe ich auch so starke
Kongestionen, da ich schon oft dachte, mich treffe der Schlag. Ich lebe
sehr einfach und trinke wenig. Mein Beruf bindet mich an mein Stehpult.

Dieser Kranke hat in Folge von Mangel an Bewegung Blutstauungen bekommen.

_Anwendungen:_ 1) Jeden Morgen einen Schenkelgu und zwei Stunden spter
einen Obergu. 2) Jeden Nachmittag einen Rckengu, jeden Abend im Wasser
gehen. In 14 Tagen war der Kranke vollstndig hergestellt.

Du wirst, lieber Leser, fragen: Wie haben hier diese Anwendungen
gewirkt? Die Obergsse brachten das Blut in starke Bewegung, und dasselbe
vertheilte sich wiederum in die Adern. Gerade so leiteten die Schenkelgsse
das Blut abwrts. Die Anstauungen wurden dadurch aufgehoben. Was der
Wasserstrom fr die Mhle ist, das war der Rckengu fr den ganzen Rcken.
Dieser Kranke wurde schon in so kurzer Zeit gesund, weil er gute Organe
hatte und nur durch sein ruhiges Berufsleben sich solche bel zugezogen
hatte. Wre dieser Kranke schwchlich gewesen, so htten auch die
Anwendungen schwcher vorgenommen werden mssen.


14.

Bei einem andern Leidenden lautete der Krankheitsbericht folgendermaen:
Ein halbes Jahr leide ich an Gelenkrheumatismus, und weil ich nie
besonders krftig war, bin ich sehr heruntergekommen. Ich habe groe
Schmerzen in den Fen, die oft bis in die Oberschenkel dringen, manchmal
auch bis herauf in die rechte und linke Seite, zuweilen selbst in die
Schultern. Wenn die Schmerzen arg sind, kann ich nichts mehr essen. Ich
habe schon viel eingenommen, habe auch mehrere rzte gehabt und mehrere
Salben zum Einreiben gebraucht. Auch mit Kampherspiritus und
Franzbranntwein habe ich mich eingerieben. Bei Allem, was ich versuchte,
habe ich das Geld umsonst ausgegeben; mir blieb das alte bel.

Dieser Kranke hat sich sein Leiden durch Erkltung zugezogen, und weil er
schwchlich gebaut ist, hat seine Kraft frher nachgelassen.

_Anwendungen:_ 1) Zweimal in der Woche einen Wickel, unter den Armen
anfangend bis ganz hinunter, 11/2 Stunden lang. Das Tuch ist in Wasser zu
tauchen, in welchem Heublumen gesotten wurden; 2) viermal in der Woche
einen Obergu und Kniegu.

In dieser Weise ist 14 Tage fortzufahren.

Dann jeden Tag ein Halbbad und jeden zweiten Tag einen Obergu. So wieder
14 Tage lang.

_Wirkung:_ Die warmen Wickel untersttzten die schwache Naturwrme und
leiteten alle schlechten Stoffe aus durch Auflsen und Ausziehen. Die Ober-
und Kniegsse strkten die Natur, vermehrten die Naturwrme und regelten
den Blutlauf. Angerathen wurde ferner die Wachholderbeerkur; diese wirkte
reinigend auf die Nieren, wie auch strkend auf den Magen, und der
Wermuththee, den er tglich trank, untersttzte die Magensfte. So war der
Kranke in vier Wochen gesund. Um mglichst krftig zu werden, ist noch gut
fr ihn, in der Woche ein oder zwei Halbbder zu nehmen.


15.

Rheumatismus mit Gicht.

So nannten es die rzte, die mich kurieren wollten. Ich leide an groer
Mdigkeit, besonders an den Fen, die mir oft recht wehe thun; besonders
brennen mich die Fusohlen, so da ich oft nicht mehr zu gehen wei. Mein
Gaumen ist so trocken, da ich bestndig Durst habe. Schlaf habe ich hufig
gar nicht. Ich bin oft recht mimuthig und unfhig zum Arbeiten. Hufig
hatte ich frher Schwei, jetzt nicht mehr. Alle diese Gebrechen machen
mich recht gemthsleidend. Ich habe mehrere Bder besucht, auch Arzneien
genommen, aber ohne wesentlichen Erfolg.

Der Kranke bekam folgende Anwendungen:

1) In der Woche zweimal den spanischen Mantel, in Wasser getaucht, in
welchem Haferstroh gesotten wurde. Er verblieb darin 11/2 Stunden.
Derselbe wurde warm angelegt.

2) Den einen Tag einen Obergu und Kniegu, den andern Tag ein Halbbad, den
dritten Tag einen Rckengu.

So drei Wochen fort. Der Kranke bekam dann guten Schlaf, guten Appetit, ein
heiteres Gemth und neue Lust zum Leben. Eingenommen hatte er tglich
zweimal, jedesmal 30 Tropfen Tinktur von Wachholderbeeren, Hagebutten und
Wermuth. Zweimal innerhalb vier Wochen eine Tasse Whlhuber, in drei
Portionen ber Tag zu nehmen.

_Wirkungen:_ Der spanische Mantel lste auf, die Gieungen strkten und
schieden die Krankheitsstoffe aus, die Tropfen schafften im Innern Ordnung,
indem sie auf Nieren und Verdauung wirkten. Der Whlhuber leitete verlegene
schlechte Stoffe aus.




Rckenmarkschwindsucht.


Eine Mannsperson von 32 Jahren kommt mit zwei Stcken, wei kaum zu gehen
und erzhlt: Ich habe seit vier Jahren viel zu leiden und kann nur mit
grter Noth an zwei Krcken mich eine kurze Strecke weiter bewegen. Drei
rzte erklrten einstimmig, ich habe Rckenmarkschwindsucht, mir sei nicht
mehr zu helfen. Ich habe vielerlei gebraucht, bin auch von den rzten in
mehrere Bder geschickt worden. Wo ich aber hingekommen bin, wurde es
immer nur schlimmer statt besser. Wenn mir das Wasser, auf welches ich
allein noch mein Vertrauen setze, nicht hilft, dann kommt es mit mir zum
Sterben.

Das Aussehen dieses Mannes war wie sein Gang; dieser war allerdings wie der
eines Rckenmarkschwindschtigen.

Der Kranke wurde folgendermaen behandelt:

1) Zuerst bekam er tglich einen Obergu und zweimal einen Schenkelgu,
tglich auch wurde ihm der Rcken mit halb Wasser und halb Essig gut
eingewaschen; so geschah es zehn Tage lang.

2) Dann wurden ihm tglich zwei Obergsse gegeben, einmal mute er im
Wasser gehen, einmal bekam er einen Schenkelgu. So wieder zehn Tage lang.

3) Tglich einen Rckengu und ein Halbbad eine halbe Minute lang. So
wieder 10 Tage. -- Auf diese Anwendungen konnte der Kranke recht gut gehen.
Die Krperstellung wie der Gang waren in Ordnung. Schlaf und Appetit
stellten sich ein, und der Kranke bekam als weitere Anwendungen den einen
Tag Obergu und Schenkelgu, den andern Tag ein Halbbad. Nach drei Wochen
wurden diese Anwendungen nur mehr halb so oft vorgenommen. Die vollstndige
Gesundheit trat bald darauf ein.

Die Wirkung der einzelnen Anwendungen war wie folgt: 1) Die Obergsse
krftigten und erwrmten den obern Krper, besonders das Rckgrat; in
derselben Weise wirkten die Schenkelgsse auf den Unterkrper. Die Wasser-
und Essigwaschungen bewirkten Wrme und Krftigung des ganzen Rckens. 3)
Der Rckengu wirkte strkend auf das ganze Rckgrat. Die Halbbder wirkten
auf den ganzen Krper gerade so, wie die einzelnen Anwendungen auf einzelne
Theile des Krpers gewirkt hatten.

So erlangte im Zeitraume von ungefhr 6-8 Wochen dieser Unglckliche seine
volle Gesundheit.




Schlaganfall.


1.

Ein Herr litt durch lngere Zeit an zeitweiligem Schwindel, war 63 Jahre
alt, und wer ein Kenner der Krankheiten ist, konnte recht gut schlieen,
ein Schlaganfall wrde nicht zu ferne mehr sein. Eines Tages redete dieser
Herr etwas aufgeregt; sein Benehmen war etwas hastig, und whrend der
Arbeit fing er auf einmal an mit wechselnder Stimme unverstndlich zu
sprechen, lief hin und her und brach endlich zusammen. Was ist in diesem
Falle schleunigst zu thun?

Ist rasch ganz warmes Wasser vorhanden, so sollen die Fe so schnell wie
mglich bis ber die Waden in dieses Wasser gebracht werden. Es darf 37-44
Grad Celsius Wrme haben. Dieses warme Wasser vermehrt ganz auerordentlich
schnell die Naturwrme, das Blut wird rasch vom Kopf abwrts geleitet und
dadurch rasch dem wirklichen Schlag vorgebeugt.

In diesem Wasser kann der Kranke 12-14 Minuten bleiben. Im Bett wird er
sich bald wieder erholen. Sobald man aber merkt, da die Fe kalt werden,
und der Blutandrang nach oben sich vermehrt, mu das Fubad wiederholt
angewendet werden. -- Es knnen auch die Hnde so schnell als mglich ins
warme Wasser gebracht und dadurch das Blut vom Gehirn abgeleitet werden.
Auch ein 8-10fach zusammengefaltetes Tuch, in heies Wasser und Essig
getaucht und auf den Unterleib gelegt, leitet ganz rasch das Blut aus dem
Kopf und der Brust in den Unterleib.

Ist auf diese Weise einem wirklichen Schlaganfall vorgebeugt, so soll der
Kranke tglich 2-3mal im Bett mit Wasser abgewaschen werden. Durch diese
einfache Anwendung wird der normale Zustand wieder hergestellt, und um die
Natur zu krftigen und in der gehrigen Thtigkeit zu erhalten, ist das
Beste, in der Woche 2-3 Halbbder im frischen Wasser zu nehmen.


2.

Ein Hausvater hat Holz gesgt; da bricht er auf einmal zusammen, ein Fu
und ein Arm sind ganz lahm, die Sprache ist verschwunden. Was ist eilig zu
thun?

Ungesumt den Kranken in's Bett legen, den Rcken krftig reiben, ebenso
die Fe, bis man warmes Wasser hat, und dann rasch ein Tuch auf den
Unterleib gelegt. Wenn aber nicht rasch warmes Wasser zu bekommen ist,
sollen Fusohlen und Fe so krftig wie mglich gebrstet werden, da
durch die erhhte Wrme das Blut abwrts geleitet wird. Auch der Rcken
kann gerieben und dadurch das Blut abwrts geleitet werden. Ist das volle
Bewutsein wieder da, oder noch besser gesagt, ist die volle Naturwrme
wieder hergestellt, dann geht die Sache bald zum Bessern, und es kann dann
durch Waschungen das Blut wieder in den gehrigen Gang gebracht werden.
Auf diese Weise werden bald alle Folgen des Anfalls verschwunden sein.

Ein vom Schlag Berhrter wrde am schnellsten vor den schlimmsten Folgen
bewahrt werden, wenn ihm so rasch als mglich ein Obergu gegeben wrde und
2-3 Stunden spter ein Kniegu. Das Blut wird durch erstere Anwendung
zurckgedrngt, durch die zweite nach unten geleitet.


3.

Johann, 49 Jahre alt, bekommt einen Schlaganfall; ein Arm, ein Fu und die
ganze Seite sind ohne Empfindung und ohne Wrme; der Mund ist schief, die
Sprache kaum vernehmbar und stotternd. -- Nach vier Wochen begann er die
Wasserkur, weil ihm keine weitere Hlfe gebracht werden konnte.

1) Tag fr Tag bekam dieser Kranke einen Obergu, einen Knie- oder
Schenkelgu, wenn es auch noch so mhsam herging, diese anzuwenden.

2) Tglich einmal, und weil er krftig war, auch zweimal Ganzwaschung mit
Wasser und Essig.

Nach wenigen Tagen bekam der Kranke Gefhl in dem lahmen Fu und in der
Seite. Bald darauf traten in diesem gelhmten Fue zeitweilig heftige
Schmerzen ein als Vorboten der Genesung.

Erst drei Wochen spter bekam der lahme Arm Gefhl, und auch hier traten
bedeutende Schmerzen ein, die dem Kranken als Vorboten der Heilung sehr
willkommen waren.

So wurde vier Wochen fortgemacht; dann wurden Vollgsse angewendet, tglich
1-2mal, die tgliche Waschung mit Wasser und Essig fortgesetzt. Von Tag zu
Tag verbesserte sich der ganze Zustand, die Sprache wurde deutlicher, und
in vier Wochen ging er mit Hilfe eines festen Stockes ganz glcklich, an
Geist und Krper gestrkt, seine Wege.

Nach sechs Wochen weiterer Anwendung waren alle Folgen des Schlaganfalls
beseitigt.

Die Waschungen bewirkten eine fortwhrende Vermehrung der Naturwrme und
der Transspiration, und waren immer wieder Neubelebung des ganzen
Organismus. Die Gieungen wirkten belebend und strkend auf den ganzen
Krper und befrderten einen krftigen Umlauf des Blutes. Durch die starken
Gieungen wurde auch die ganze Maschine krftig erschttert und trat eine
allgemeine Thtigkeit im ganzen Organismus ein. Bemerkt sei noch, da alle
diese Anwendungen in genannter Reihenfolge dem Kranken nie lstig waren,
sondern als eine groe Wohlthat von ihm betrachtet wurden.


4.

Ein 74jhriger Hausvater bekommt gewaltigen Schwindel; das Reden will nicht
mehr recht auf einander gehen. So geht er einige Tage umher, und man
befrchtet einen Schlaganfall. Endlich legte er sich von der Arbeit in's
Bett, es ist ihm nicht mehr gut; er fngt an hart zu athmen, gibt keinen
Laut mehr von sich, und es war den Angehrigen klar, der alte Mann wird vom
Schlage getroffen. Der gute Rath, mit Wasser und Essig die Fe rasch und
krftig zu waschen und zu reiben, dieselbe in eine Wolldecke einzuwinden
und die nach einer Stunde zu wiederholen, brachte diesen bejahrten Mann
wieder zum Bewutsein. Auch die etwas stotternde Stimme besserte sich
wieder, und nach fnf Stunden fragte er, was mit ihm geschehen sei, da er
von allem nichts wisse.

Tglich 1-2mal mit Wasser und Essig gewaschen im Bett hat den Alten wieder
zur Arbeit fhig gemacht.




Scrophulse Zustnde.


1.

Eine Frau, fnfundvierzig Jahre alt, hatte oberhalb des Halsringes in Folge
einer Operation eine Wunde, mehr als einen Finger lang, die nicht zuheilte.
Eine zweite Wunde hatte sie am rechten Arme oberhalb des Ellbogens. Es
wurde auch an dieser Stelle ein Geschwr aufgeschnitten. Eine dritte offene
Wunde, die ebenfalls nicht heilen wollte, war am rechten Bein, oberhalb des
Knie's. Diese Kranke hatte wenig Appetit und, wie sie sagte, keinen guten
Magen. Sie sah recht eingefallen und gelb aus und war ohne alle
Lebensfrische. Der Gemthszustand war sehr gedrckt, weil sie mehrere rzte
Jahre hindurch gehabt und von keinem Hilfe gefunden hatte; in Folge dessen
hatte sie ihre letzte Zuflucht zum Wasser genommen.

Hier war ganz klar, was fehlte. Drsen wurden ausgeschnitten am Halse, und
die brigen ffnungen kamen ebenfalls von Drsenanschwellungen her. Die
Frau war durch und durch scrophuls, obschon sie ziemlich gro und gut
gebaut war:

Die _Anwendungen_ waren folgende: 1) Jeden Tag einen Obergu, einen
Schenkelgu und eine Ganzwaschung zur Nachtzeit, acht Tage lang. 2)
Obergu, Rckengu, Schenkelgu, in jeder Woche einen kurzen Wickel, so
vierzehn Tage lang. 3) Tglich zwei Obergsse und zwei Halbbder. -- Nach
innen wurden dreierlei Thee angewendet: a) +Foenum graecum+ mit etwas
Wermuth, b) Salbei, Johanniskraut und Schafgarbe, c) Huflattich,
Spitzwegerich und Tausendguldenkraut.

In vier Wochen war diese Person vollstndig geheilt. Die Wunden eiterten
aus und heilten von selber zu. Auf die Wunden selbst kam nichts als etwas
Baumwolle. Die Kranke mute viel Schleim ausspucken, und so gesundete die
Natur im Innern.

Die Kost war einfache Hausmannskost.

_Wirkungen:_

a) +Foenum graecum+ mit Wermuth wirkt auflsend und den Magen strkend. --
b) Salbei verbessert die Sfte und wirkt reinigend; Johanniskraut wirkt
gnstig auf Verbesserung des Blutes und Blutumlaufes; Schafgarbe wirkt auf
gute Sfte und lsend. c) Huflattich wirkt reinigend, aufsaugend;
Spitzwegerich ebenso; Tausendguldenkraut wirkt gnstig auf die stete
Verdauung und Krftigung des Magens.

Die Obergsse strkten den obern Krper und reinigten die einzelnen Theile
von allem ungesunden Stoff. Die Schenkelgsse bewirkten in der untern
Krperhlfte, was die Gsse oben ausrichteten. Die Ganzwaschung zur
Nachtzeit bewirkte eine krftige Ausdnstung und steigerte die Naturwrme.
Der kurze Wickel wirkte auflsend und aufsaugend. Der Rckengu wirkte
strkend auf die Wirbelsule. Die Halbbder machten den Schlu zur
allgemeinen Krftigung und neuen Thtigkeit; so wurde die Person geheilt
und alle kranken Stoffe nach dem allgemeinen Grundsatze beseitigt: die
kranken Stoffe auflsen, ausleiten und die Natur strken.


2.

Ein Knabe von 9 Jahren wurde hergebracht in folgendem Zustande: Das
erbarmungswrdige Kind hatte drei Lcher mit groer Beule im Fu, zwei
Lcher im Ober- und Unterarm, aus denen viel Unrath geflossen war. Der Hals
war steif und etwas angelaufen. Das Aussehen war bla und theilweise
glnzend wie Porzellan, Appetit zu mehr ungesunden als krftigen Speisen.
Er konnte nur mit Noth kleine Strecken gehen und war von Kindheit an nie
recht gesund; aber je lter, um so armseliger wurde er. Seine Geschwister
waren gesund, und die Mutter behauptet, das Leiden habe begonnen nach der
Impfung.

Bei diesem Kinde wurde Folgendes angewendet:

1) In der Woche dreimal ein Hemd anziehen, in Wasser getaucht, in welchem
Haferstroh gesotten wurde, warm anzulegen, 11/2 bis 2 Stunden lang.

2) Jeden Tag eine Ganzwaschung mit kaltem Wasser und etwas Essig daran
gemischt, aber erst vier bis fnf Stunden nach der Anwendung unter 1).

3) Die Beulen mit Wunden wurden jeden Tag mit angeschwellten Heublumen
umwunden, zwei Stunden lang.

_Nhrweise:_ Jeden Morgen bekam der kranke Knabe Malzkaffee mit Milch, in
welchem Fenchel gesotten wurde. Jeden Nachmittag mute er eine altgebackene
Semmel essen, jeden Abend eine Kraftsuppe, den einen Tag mit Milch gekocht,
den andern Tag mit Fleischbrhe, am Mittag ganz gewhnliche, recht
nahrhafte Hausmannskost. Derselbe durfte kein Bier, keinen Wein, auch nicht
Bohnenkaffee trinken. So wurde vier Wochen fortgemacht. Die ffnungen waren
bis auf eine geheilt. So schwer es den Jungen ankam, sich mit dieser Kost
zu begngen, so sah er doch gut genhrt aus. Die Naturwrme hatte viel
zugenommen. Das Kind wurde auch heiter und krftiger.

Weitere Anwendungen: Tglich ein Halbbad, eine halbe Minute lang, und
whrend desselben den obern Krper waschen. Jeden Tag wurde auch der Krper
mit Wasser und Essig gewaschen. Jeden Morgen bekam er krftige Brodsuppe.
Am Abend Kraftsuppe mit einer einfachen nahrhaften Nebenspeise. Jeden Tag
mute er auch sechs Wachholderbeeren essen. Diese Anwendungen wurden wieder
vier Wochen fortgesetzt. Der ganze Zustand hatte sich so wesentlich
gebessert, da der Knabe tglich die Schule besuchen konnte, und wie der
Krper sich erholte, so gewannen auch die Geisteskrfte. Alle Geschwre
waren geheilt. Weiter war nichts mehr nothwendig als bei gesunder,
einfacher, nahrhafter Kost zu bleiben und jeden Tag oder jeden zweiten Tag
ein Halbbad zu nehmen.

Der in der Natur angesammelte Krankheitsstoff bildete sich zu Geschwren
und kam sicher vom schlechten Blute her, das auch nicht anders sein konnte,
weil der Knabe nur solche Speisen geno, die nur wenig und schlechtes Blut
hervorbrachten. Der Knabe trank am liebsten Bier, auch Wein, nahm gerne
se Speisen und natrlich Kaffee. Die umgetauschte Nahrung brachte anderes
und besseres Blut, mithin auch bessere Ernhrung des ganzen Krpers. Die
Einwicklungen lsten alle Anstauungen und schieden die krankhaften Stoffe
aus, die Waschungen und Halbbder krftigten und erwrmten den Krper und
brachten ihn in grere Thtigkeit. Dieser Knabe ist ein Bild davon, was
verkehrte Ernhrungsweise fr traurige Folgen hat.




Steinleiden (Griesleiden).


1.

Ein Vater erzhlt: Mein Sohn hat groe Schmerzen in der Blase; mehrere
rzte erklrten, der Knabe habe einen groen Stein in der Blase, der nur
durch eine schwierige und gefhrliche Operation zu entfernen sei. Dieser
Knabe bekam 1) tglich dreimal eine kleine Tasse Thee von Wachholderbeeren
und Zinnkraut; 2) tglich wurde auf die schmerzende Stelle ein vierfach
zusammengelegtes, in Zinnkrautabsud getauchtes Tuch warm aufgelegt und mit
einer Wolldecke umhllt.

Auch das Zinnkraut selbst wurde tglich auf lngere Zeit auf die
schmerzende Stelle gelegt. Nach 14 Tagen lste sich der Stein in Stcke
auf, und in kleinen Theilen ging er ab. Der Knabe wurde munter, fhlte
keine Schmerzen mehr und dankte Gott fr die gewordene Hilfe.


2.

Ein Mann, 40 Jahre alt, erzhlt: Ich leide seit vielen Jahren an Gries und
Stein; ich habe bei rzten und Nichtrzten Hlfe gesucht, und wenn ich auch
Erleichterung fand, merkte ich immer, da ich nicht geheilt war. Ich bin
oft unfhig zum Arbeiten. Jetzt habe ich es wie noch nie; ich mchte
aufschreien beim Urinieren, und es geht doch nicht recht. Dieser Kranke
gebrauchte: 1) zehn Tage hindurch tglich ein warmes Bad mit 35-38 Grad
Celsius von Wasser, in welchem Haferstroh gesotten wurde, eine halbe Stunde
lang; am Schlusse des Bades wurde nur einen Augenblick ein Halbbad
genommen, und der obere Theil des Krpers gewaschen. 2) Tglich trank der
Kranke drei Tassen Thee von Wachholderbeeren, Hagebutten und Zinnkraut.
Schon am zweiten Tage kam viel Gries heraus. Jeden Tag vermehrte sich
Dieses, und in zehn Tagen waren alle Schmerzen beseitigt. Der Kranke
brauchte blo noch jede Woche ein solches Bad zu nehmen und jeden zweiten
oder dritten Tag eine Tasse Thee zu trinken.




Typhus.


Der Typhus entsteht gern durch Erkltungen, ganz besonders aber, wenn die
Wohnungen keine gute Luft haben oder die Mauern des Hauses feucht sind und
die Wohnung nicht fleiig gelftet wird, sodann auch, wenn die Mauern
schadhafte Stellen haben, wo durch Feuchtigkeit sich Mrtel ablst, und die
Luft so schlecht ist, da durch das Einathmen das Blut verdorben wird, so
da Entzndungen entstehen und sich Geschwre bilden. Besonders nachtheilig
ist es, wenn in den Husern ein feuchter Untergrund ist oder Gruben in oder
am Hause sind, die schlechte Ausdnstungen haben, welche die Luft
verpesten, ebenso wenn das Trinkwasser schlecht und verdorben ist. -- Wie
die Mediziner kurieren, darnach habe ich mich wenig erkundigt. Da Typhus
mit _Wasser_ zu heilen ist, davon bin ich vollstndig berzeugt. Ich habe
von Stdten gehrt, wo man den Typhus durch Bder kuriert. Mir haben selbst
vom Typhus Geheilte erzhlt, da sie in einem Tage wiederholt 5-10-15
Minuten in ein kaltes Vollbad muten. Ich habe die berzeugung, da gerade
der Typhus recht leicht und einfach zu heilen ist und leichter und bequemer
als auf diese Weise; denn einen Schwerkranken tglich 3-6mal so lange ins
Wasser thun ist hart und macht die Krankenpflege recht beschwerlich.


1.

Ein Typhuskranker, der schon zwlf Tage am Typhus darniederlag, und dessen
Zustand recht bedenklich geworden war, wurde:

1) zweimal des Tages im Bett gewaschen, was eine schwchliche
Krankenpflegerin leicht besorgen konnte;

2) wurde ein grobes sechsfaches Tuch ins klteste Wasser getaucht, auf
Brust und Unterleib gelegt, und dieses so oft gewechselt, als die Hitze
einen hhern Grad erreichte. Gemessen wurde die Wrme nicht; blo wenn der
Kranke sich recht bange fhlte und das Aussehen groe Hitze verrieth, wurde
das Tuch weggenommen, wieder ins klteste Wasser eingetaucht und auf's Neue
aufgelegt. So konnte diese Wiederholung in einem Tage sechsmal und fter
vorgenommen werden mssen. War die Hitze nicht mehr gro, so wurde mit den
berschlgen ausgesetzt. Bei diesem Typhuskranken, der so groe Hitze
hatte, da der Gaumen ganz ausgetrocknet, die Zunge voller Blasen und so
steif war, da er nicht reden konnte, wurde in kurzen Fristen 1-2 Lffel
voll Absud von +foenum graecum+ gegeben, welches die Hitze nahm und die
wunde Zunge und den Hals heilte. In zehn Tagen war der Kranke vollstndig
von allem Fieber frei, und die Erholung stellte sich rasch ein.

Bemerkt sei noch, da dieser Kranke jeden Tag zweimal einen Elffel voll
Salatl eingenommen hat, um die innere Hitze zu dmmen. Ungewhnlich rasch
hat er sich erholt, ohne da ein Nachtheil zurckgeblieben wre. Man knnte
auch den Typhuskranken blo durch Waschungen kurieren, wenn der Kranke so
oft gewaschen wird, als es ihm recht bange wird durch die steigende Hitze.
Das bezeichnete Beispiel gibt uns zugleich Anleitung, wie leicht man dieser
Krankheit vorbeugen knne, wenn die ersten Anfnge von Typhus sich zeigen.

Die Waschungen leiteten durch die Poren das Krankhafte am ganzen Krper
aus. Die berschlge leiteten die Hitze ab, und so wurde der kranke Stoff
sobald wie mglich beseitigt. Noch rascher wird die Heilung vor sich gehen,
wenn der Kranke, statt einer Auflage auf den Leib, jeden Tag zweimal auf
ein dick zusammengelegtes Tuch, ins klteste Wasser getaucht, liegt, aber
nie lnger als hchstens eine Stunde lang.

Wo es durchfhrbar ist, sind _kurze_, nur 1/2-1 Minute whrende kalte Bder
bei Typhus zu gebrauchen.


2.

Ein 29jhriger Mann erzhlt: Ich hatte den Typhus. Man hielt mich fr
verloren. Als ich mich geheilt glaubte, bekam ich schweres Nierenleiden,
wie die rzte sagten. In der Nierengegend habe ich Schmerzen, auch
Blasenleiden; der Arzt nennt es chronischen Blasenkatarrh. Ich bin dehalb
nie ohne Schmerzen; manchmal ist es nicht zum Aushalten. So leide ich seit
zwei Jahren ohne Hilfe. Appetit ganz schlecht; Schlaf wre da, wenn die
Schmerzen mich nicht wecken wrden.

Hier heit es: 1) Suche die von einer schweren Krankheit zurckgebliebenen
Reste aufzulsen und auszuleiten. 2) Strke die geschwchten Theile des
Krpers und bringe den ganzen Krper zu grerer Kraft und Thtigkeit.

Diese Aufgaben lsen folgende _Anwendungen_:

1) In der ersten Woche drei kurze Wickel, das Tuch in Wasser getaucht, in
welchem Haferstroh gesotten wurde. Wie Haferstrohwasser selbst die
Giftknoten auflst, so lst es durch den Wickel auch die zurckgebliebenen
kranken Stoffe auf.

2) Tglich einen Obergu, um den oberen Krper zu krftigen, damit auch die
inneren Theile des Oberkrpers in einen bessern Zustand kommen.

3) Jeden Tag eine Woche hindurch einen Schenkelgu zur Krftigung und
Anregung, um die kranken Stoffe abzuleiten.

Diese Anwendungen wirkten sehr gnstig, Tag fr Tag wurde das Aussehen
besser. Zeitweilig kamen die Schmerzen ziemlich stark wieder, aber ohne
lange Dauer.

Nach ca. zehn Tagen kamen:

4) In der Woche vier Halbbder, und einmal noch ein kurzer Wickel. Die
Halbbder bewirkten allgemeine Krftigung, und der kurze Wickel war thtig,
die kranken Stoffe vollends aufzulsen und auszuleiten.

5) Ein Obergu wurde nur mehr jeden zweiten Tag genommen und reichte aus
fr den Oberkrper.

So war der Kranke in 3-4 Wochen vollstndig hergestellt. Zur weiteren
Ausheilung reichten aus in der Woche 2-3 Halbbder.




Unterleibsleiden (Entzndung, Krmpfe, Schwche&c.&c.).


1.

Ein Mann bringt vor: Ich habe zweimal innerhalb zwei Jahren
Unterleibsentzndung gehabt, und seit dieser Zeit bin ich zu meinem Berufe
nahezu unfhig; ich habe fast immer Unterleibsschmerzen, Verstopfung,
Appetitlosigkeit. Wenn ich glaube, ich htte zu etwas Lust, so wird es mir
bald wieder zum Ekel. Der Schlaf ist unruhig, so da ich in der Frhe mder
bin als am Abend; fast bestndig herrscht Hitze im Magen.

Hier hat diese Entzndung eine groe Schwche zurckgelassen; die
entzndeten Theile sind noch nicht vollstndig gereinigt und gekrftigt.
Folgende _Anwendungen_ werden den Krper in Ordnung bringen:

1) Tglich angeschwellte Heublumen warm in einem Tuch auf den Unterleib
binden, 11/2 Stunden lang.

2) Jede Nacht vom Bett aus den ganzen Krper waschen mit kaltem Wasser und
Essig, nicht abtrocknen und gleich wieder in's Bett.

3) Tglich eine Tasse Thee trinken von Zinnkraut, Wachholderbeeren und
etwas Wermuth.

So acht Tage lang. Darauf:

1) Den einen Tag ein Sitzbad, den andern ein Halbbad, eine halbe Minute
lang.

2) Jeden zweiten Tag einen Obergu und Kniegu; den Thee fortsetzen.

So 14 Tage lang. Als Nachkur reichten aus in der Woche 2-4 Halbbder. Nach
vier Wochen war der ganze Krper in der Ordnung, guter Appetit und Schlaf
und gute Verdauung vorhanden.

Die aufgebundenen _Heublumen_ leiteten aus und strkten den Unterleib. Die
_Sitzbder_ wirkten strkend auf den Unterleib, die _Halbbder_ auf den
ganzen Leib. Die _Ganzwaschungen_ ffneten die Poren und strkten den
ganzen Organismus. _Zinnkraut_ wirkte reinigend, _Wachholderbeeren_ auf
Urinausscheidung, _Wermuth_ wirkte gnstig auf den Magen.


2.

Ein Bauernknecht klagt: Ich habe mich beim Fuhrwerk so stark erkltet,
da, wie ich ins Bett kam, Schttelfrost sich einstellte. Ich habe nicht
blo groe Schmerzen im Unterleib, ich kann auch kein Wasser lassen. Vor
lauter Schmerzen kann ich mich nicht ruhig im Bett halten.

Hier ist nach Erkltung eine Entzndung im Anzuge. Den Beweis gibt der
Wechsel zwischen Frost und Hitze.

Fr diesen Fall folgende _Anwendungen_:

1) Angeschwellte Heublumen warm, wie es der Kranke ertragen kann, auf den
Unterleib binden, ordentlich zudecken, 11/2 Stunden lang.

So den Tag zweimal. Nebenbei soll

2) Der Krper zweimal des Tages gewaschen werden mit Wasser und etwas
Essig. Statt zweimaliger Ganzwaschung knnte auch der spanische Mantel
einmal angezogen werden.

Die Entzndung ist entstanden durch die Herrschaft, welche die Klte
gewonnen hat, die Naturwrme ist erlegen; dehalb mu die Naturwrme durch
knstliche Wrme untersttzt werden. Diese wird erreicht durch die warme
Auflage. Das _Waschen_ oder der _spanische Mantel_ leitet nach auen, hebt
die Fieberhitze und gleicht die Klte mit der Wrme im ganzen Krper aus.
Untersttzt werden die Anwendungen, wenn der Kranke jede Stunde, bis die
Entzndung gehoben ist, _zwei Lffel voll Thee_ von Zinnkraut trinkt zum
Harnausscheiden und gegen innere Hitze. Bei Entzndung wrde gnstig
wirken: zweimal im Tag ein Lffel voll Salat- oder Provencerl. Auf diese
Weise war innerhalb drei Tagen das bel beseitigt.


3.

Ein Mdchen, 24 Jahre alt, leidet Monate hindurch an Unterleibs- und
Blasenkrmpfen und mitunter an Schmerzen, da sie laut schreit. Das Wasser
wurde schon oft auf knstliche Weise abgeleitet; der Krper ist oft stark
aufgetrieben; hufig bestehen Schmerzen in den Nieren. Ein Arzt habe
gesagt, ihr ganzer Unterleib sei zerrttet.

Was hilft hier? Hier mu alle verlegene Waare aufgelst, ausgesaugt und
ausgeleitet werden, was am besten geschieht, wenn von unter den Armen bis
an die Knie ein Wickel angelegt wird, in Heublumenwasser getaucht, warm;
aber auch die Heublumen sollen auf den bloen Leib, besonders auf die
schmerzhaften Stellen kommen, so da der ganze Unterleib in Heublumen
gewickelt ist, 11/2 bis 2 Stunden, er mu aber ganz gut eingewickelt sein.
Dieser Wickel kann drei Tage nach einander genommen werden, dann jeden
dritten oder vierten Tag.

Nebenbei mu aber die Natur gestrkt werden durch eine tgliche Waschung
mit Wasser, vermischt mit Essig, und tglich einem Halbbad, eine halbe
Minute lang.

_Nach innen_ soll Thee von +foenum graecum+ und Fenchel angewendet werden,
jeden Tag eine Tasse in drei Portionen. -- Hatten die _Wickel_ die Aufgabe,
aufzulsen und auszuleiten, so muten die _kalten Waschungen_ bewirken, da
der Krper nicht zu sehr verweichlicht wurde, und da er in gleichmige
Ausdnstung kam. Der _Thee_ bewirkte Auflsung und Ausleitung im Innern,
der _Fenchel_ besonders Verbesserung des Magens.

Nach 14 Tagen war die Person ziemlich hergestellt, und folgende Anwendungen
muten dem Krper Kraft und Ausdauer bringen und erhalten: 1) zwei Bder in
der Woche, 2) jeden zweiten Tag ein Sitzbad und 3) tglich eine Tasse Thee
von Wermuth und Zinnkraut.


4.

Ein Mdchen, 28 Jahre alt, erzhlt: Ich bin seit einem halben Jahre krank.
Mein Zustand wird immer schlimmer. Ein Arzt, der mich untersuchte, hat
erklrt, ich habe mehrere Gewchse im Unterleib, die nur durch Operation
beseitigt werden knnen. Davor habe ich so Angst, da ich mich nicht dazu
entschlieen kann, und mchte mit Wasserkur Heilung versuchen.

Ich gab der Kranken folgenden Rath:

1) In jeder Woche viermal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht, in
welchem Heublumen gesotten wurden.

2) Jeden Tag einen Obergu und Schenkelgu.

3) Jeden dritten Tag ein Halbbad.

4) Tglich eine Tasse Thee von Johanniskraut, Fenchel und Schafgarbe.

So wurde 14 Tage fortgemacht, und die Wirkung war folgende: Durch Urin ging
eine Masse Verschleimung ab. Zweimal bekam sie heftige Durchflle. Der
ganze Unterleib nahm wieder seinen normalen Zustand an. Appetit, der ganz
fehlte, hatte sich eingestellt, ebenso der Schlaf.

Weitere Anwendungen:

Tglich zweimal ein Halbbad und tglich einen Obergu. Die Halbbder
strkten den ganzen Krper; der Obergu den obern Theil des Krpers. Nach
14 Tagen war das ganze bel beseitigt.


5.

Ein Frulein, 28 Jahre alt, erzhlt unter Thrnen: Ich habe so viele und
verschiedene Unterleibsleiden, und kein Arzt kann mir helfen. Bald hab' ich
groe Schmerzen an der rechten, bald an der linken Seite. Bald ist der
ganze Unterleib so voll Schmerzen, da ich nicht eine Viertelstunde in der
Nacht schlafen kann. Recht oft rcken diese Schmerzen vom Unterleib in die
Brust, und dann wei ich, da sie auch bald in den Kopf kommen; dann aber
mchte mir der Kopf zerspringen vor Schmerzen. Ich habe mehrere rzte
gehabt, von denen jeder ein anderes Leiden fand. Nur darin stimmten sie
berein, da meine Unterleibsorgane zu sehr eingeengt seien. Ich habe
leider die Unsitte nachgeahmt, mich stark zu schnren. Zweimal bin ich
schon operiert worden, geholfen hat es nicht. Jetzt soll ich mich nochmals
operieren lassen, wozu ich gar keine Lust mehr habe. Es seien, wie die
rzte sagen, Verwachsungen eingetreten, und jetzt leide ich an deren
Folgen.

Um dieser Unglcklichen Hlfe zu bringen, wurde Folgendes angewendet:

1) In der Woche dreimal kurze Wickel, das Tuch in Heublumenwasser getaucht,
11/2 Stunden lang, und zwar warm.

2) In der Woche dreimal ein Halbbad, 1/2 Minute lang.

3) Einmal in der Woche einen Obergu und einen Schenkelgu.

Die Wickel lsten ziemlich stark auf, machten die Organe weicher und
krftigten den Unterleib. Die Halbbder bewirkten Strkung und eine bessere
Thtigkeit im Blutlauf. Nach vierzehn Tagen fhlte sich die Kranke um
Vieles besser. Es hatte sich viel Urin ausgeschieden, der Stuhl kam in
Ordnung, und die Gesichtsfarbe hatte sich vollstndig gendert.

Weitere Anwendungen waren:

In der Woche viermal ein Halbbad, einmal einen kurzen Wickel und zweimal
einen Obergu und einen Schenkelgu.

Diese Anwendungen haben die Unglckliche gesund gemacht. Sie konnte wieder
arbeiten, hatte nur hie und da geringe Schmerzen und konnte ihrem Berufe
wieder nachkommen. -- Ein trauriges Bild unserer Zeit! Wie viele Tausende
folgen heutzutage der verkehrten Mode! Sie ruhen nicht, bis der Krper zu
Grunde gerichtet ist. Die Eltern sollten strenge darber wachen, da ihre
Kinder nicht diesem verkehrten Modegeist huldigen.


6.

Ein Mdchen, 21 Jahre alt, klagt ber heftige Kopfschmerzen, starken
Blutandrang nach dem Kopfe, viel Leibschmerzen, fast immer ganz kalte Fe,
keinen Appetit und keinen Schlaf, unfhig zu jedem Beruf. Medikamente hat
sie viel geschluckt, aber Alles ohne Hilfe. Das Mdchen hat sich ziemlich
stark _geschnrt_, obschon sie Die nicht gestehen wollte. Anfangs nahm
auch die Mutter die Tochter noch in Schutz. Endlich kommt der kaltbltige
Vater, der mir Glauben schenkte und der Tochter befahl, entweder freiwillig
entsprechende Kleider anzuziehen oder den Stock. -- -- Die Mittel war auch
die beste Anwendung. Durch das Schnren war ein geregelter Blutlauf
unmglich. Das Blut, das in die Fe drang, kam nicht mehr recht zum Herzen
zurck, und gerade so ungeregelt war der Blutlauf im oberen Krper. Als der
Leib wieder im natrlichen Zustande war, trat auch geregelter Blutlauf ein,
und dazu verhalf noch tglich ein Halbbad. In wenigen Tagen war das Mdchen
wieder gesund.


7.

Eine vornehme Dame erzhlt: Ich leide unsglich, bald im Kopf, bald in der
Brust, die grten Schmerzen aber sind im Unterleib. Ich mchte oft
verzweifeln vor Schmerzen, und nie ist mir Hilfe geworden. Der Stuhlgang
geht so hart, da ich oft 3-4 starke Laxire einnehmen mu, um solchen zu
bekommen. Es kann acht bis zwlf Tage anstehen, bis ich mit allen Mitteln
noch Stuhlgang hervorbringe.

Ich deutete der halbverzweifelten Frau an, da an diesem Leiden
hauptschlich ihre Kleidung Ursache sei; denn sie trug so viele Kleider um
ihren Leib, da auf ihrem hintern Hcker ein Affe recht gut htte Platz
nehmen knnen. Mu diese Kleidung nicht eine ungewhnliche Hitze
entwickeln? Diese Hitze zieht das Blut in den Leib und bewirkt eine groe
Vertrocknung in den Eingeweiden. Die arme Frau wollte das freilich nicht
glauben, und weil ich ihr einen anderen Rath nicht geben konnte als den,
sich recht einfach zu kleiden und nebenbei auch auf den Krper einzuwirken,
da die Hitze entfernt, das Blut in gleichmigen Gang und der ganze Krper
wieder in Ordnung gebracht werde, fgte sie sich endlich.

Die _Anwendungen_ waren:

1) In jeder Nacht vom Bett aus ganz waschen. Dadurch wurde gleichmige
Wrme erzielt, die Natur in geregelte Thtigkeit und das Blut in normalen
Gang gebracht.

2) Jeden zweiten Tag ein Halbbad. Dieses bewirkte eine Krftigung des
ganzen Krpers und hob alle innere Hitze auf.

_Nach innen_ wurde acht Tage lang tglich eine Tasse Thee genommen von
+foenum graecum+ und Fenchel, um die innere Hitze zu dmmen und den Magen
zu verbessern.

Spter wurde Thee verwendet von Wermuth, Salbei und Bitterklee.

In sechs Wochen war die Kranke so ziemlich hergestellt. Was aber noch
besonders erwhnt werden mu, ist, da sie whrend der ganzen Kur alle
Stunden einen Lffel voll Wasser eingenommen hat. Sie selbst hat zuletzt
eingestanden, sie sei jetzt berzeugt, da die Modekleidung ihr Elend
herbeigefhrt habe.

Ich kann hoch und theuer versichern, da zu mir eine groe Anzahl solcher
Unglcklichen gekommen sind, bei denen diese Modekleidung die erste Ursache
ihrer Leiden war, da diese Kleidung allzuviel Strungen im Blutlauf
verursacht.


8.

Eine Frau aus hherem Stand klagt, da sie unsglich leide an Hmorrhoiden.
Sie habe die grten Blutstauungen nicht nur unterhalb der Fe, sondern
auch an den Schenkeln, und selbst am untern Rcken habe sie sogenannte
Krampfadern. Es sei ihr oft zum Wahnsinnigwerden. Die ganze Woche habe sie
keine heitere Stunde. Ihrer Umgebung sei sie zur grten Last, sie sei oft
so aufgeregt, da ihre Umgebung ihr ausweichen msse. Sie trage zwei
wollene Beinkleider, und ber den Unterleib trage sie ebenfalls, der Mode
folgend, drei- bis vierfache Kleidung. Bei diesem bel sei auch solche
Stuhlverhaltung, da sie oft fnf bis sechs Klystiere nehmen msse, bis
eine Wirkung eintrete.

Leider ist bei diesem Beispiel wieder die Kleidung die erste Ursache des
bels, durch welche so viele Wrme entwickelt wird; ebenso wird durch das
feste Binden der Kleider der Blutlauf gehemmt. Wer im Blutlauf Hemmungen
verursacht, bereitet sich selbst sein Elend. Die _Anwendungen_ waren
folgende:

1) Tglich eine Ganzwaschung, durch die eine gleichmige Naturwrme
erzielt und die Schlaffheit beseitigt wurde;

2) tglich ein Obergu und Schenkelgu, um das Blut in grere Thtigkeit
zu bringen;

3) jeden zweiten Tag ein Halbbad und

4) tglich im nassen Gras oder auf nassem Boden zweimal barfu gehen, je
lnger desto besser. Wie die Bder die ganze Natur krftigten, die Hitze
entfernten und weiterer Hitze vorbeugten, so wurde auch fast jeden Tag ein
berflssiges Kleidungsstck abgelegt. Als nach vier Wochen die Kur zu Ende
war, fhlte sich die Kranke recht glcklich. Ein groer Theil der
Blutstauungen war verschwunden, das Blut circulierte regelmig; als Gewinn
hatte sie zur Gesundheit einen groen Vorrath von berzhligen
Kleidungsstcken. Sie fhlte sich auch recht behaglich, ohne den gewaltigen
Hinterlader einhergehen zu knnen.




Veitstanz und hnliche Krankheiten.


1.

Ein Mdchen fhlte sich unwohl, ging in's Bett und fing bald an, die Augen
zu verdrehen, den Kopf zu schtteln, wurde mit den Hnden unruhig, als ob
sie das Bett zerreien wollte, und es kam in den ganzen Krper eine solche
Unruhe, da die Patientin, obwohl erst 16 Jahre alt, fast nicht gebndigt
werden konnte. Sie hatte eine gute Freundin, die von diesem Unwohlsein
hrte und die Kranke ungesumt besuchte. Diese Freundin trifft ihre
Kamerdin gerade in der hchsten Aufregung, sinkt zusammen, wird
geistesabwesend und macht Alles nach, wie sie bei dieser es gesehen. Fast
pltzlich ist also diese Krankheit auch bei diesem Mdchen ausgebrochen.

Mit welchem Namen dieser Zustand zu bezeichnen ist, lasse ich dahingestellt
-- Krmpfe oder Veitstanz? Aber das ist wahr: Angst, Furcht und Mitleid
bringen in einem Kind ganz rasch, wie ein Erbtheil diese Zustnde hervor.
Dieses gibt uns auch den Beweis, da hier groe Schwachheit zu Grund liegt,
und wie leicht an Schwchlinge alle bel kommen. Wieder ein Beweis, wie auf
Abhrtung und Krftigung des Krpers Gewicht gelegt werden soll, und wie
sehr Eltern fehlen, wenn sie nicht sorgen, da durch gute Kost ihre Kinder
krftig und ausdauernd werden.

Die beiden Mdchen wurden geheilt durch folgende _Anwendungen_:

1) Wurde ein Hemd angelegt, in Salzwasser getaucht. Dieses bewltigte jede
Aufregung;

2) eine Ganzwaschung mit Wasser und Essig bewirkte mehrstndigen Schlaf;

3) ein Kniegu leitete das Blut vom Kopf ab.

Diese Anwendungen innerhalb zweier Tage brachten vollstndige Ruhe hervor.
Sobald aber die Aufregung entfernt war, fhlten beide Kranke sich ganz matt
-- ein gutes Zeichen. Tglich ein Halbbad, ein Obergu und Kniegu
krftigten und strkten die Natur und brachten groen Appetit. Die
Kraftkost schmeckte bald angenehm, und in sechs Wochen waren die zwei
Mdchen ganz gesund und glcklich, vermieden aber auch die armselige, wenig
nhrende Modekost.


2.

Ein Vater bringt einen 10jhrigen Knaben. Die Zge des Knaben sind ganz
eingefallen; aller Muth ist verschwunden, der ganze Krper mehr frostig als
warm, Hnde und Kopf sind immer etwas unruhig; die Haut ist trocken,
Appetit wenig; Kraft fehlt. Der Knabe hat alle Anfnge zu krampfhaften
Zustnden, Veitstanz genannt.

Dieser Junge hat nicht genug Blut. Er gleicht einem Wagen, der nicht
geschmiert ist. Wie es dort berall pfeift und zischt, so zuckt und zappelt
es hier berall im ganzen Krper. Es sind nicht genug Sfte und Fette im
Krper.

Dieser Knabe soll dehalb:

1) Alle Tage gewaschen werden mit Wasser und Essig;

2) mglichst viel barfu gehen;

3) recht einfache Kost, kein Bier, keinen Kaffee und keinen Wein, dagegen
Kraftsuppe und einfache Kost, mehr von Mehl als von Fleisch genieen;

4) jeden Tag zweimal einen halben Lffel voll Salat- oder Provencerl
einnehmen;

5) dann einen Tag zwei Messerspitzen voll Knochenmehl, den andern Tag
zweimal jedesmal drei Lffel voll Wermuththee nehmen. Fehlt das
Knochenmehl, so dienen sechs bis acht Wachholderbeeren als Ersatz.

_Die Ganzwaschungen_ bewirken ffnung der Poren und dadurch Transspiration
und Krftigung. _Der Essig_ insbesondere wirkt auf Wrmebildung bei solch
kalter jugendlicher Natur. _Das Barfugehen_ wirkt strkend und abhrtend,
macht widerstandsfhig. Ist die Maschine dadurch in Gang gebracht, dann
wird auch die einfache Kost besser verwerthet. _Das Knochenmehl_ dient zur
Verdauung und Untersttzung des Knochenwachsthums, wie _der Wermuththee_
zur Verdauung durch Vermehrung der Sfte dient.


3.

Ein Mdchen, 13 Jahre alt, wird gegen seine Eltern widerspnstig, trotzig
und zeigt eine eigene Unruhe durch Bewegung der Hnde, Verdrehung der
Augen, Heftigkeit und wieder Zusammengebrochensein und Tiefsinn. Das Kind
hat den Veitstanz. Nachdem rztliche Mittel nicht gewirkt, soll das bel
durch Wasser gehoben werden.

Da in solchen Krpern eine groe Unordnung herrscht in der Circulation des
Blutes, ebenso eine ungleiche Wrme am ganzen Krper und Wechsel in der
Kraft, lt sich leicht denken. Hier heit es: Willst du so einen Kranken
gesund machen, so bringe zuerst den gestrten Blutlauf in Ordnung, dann
wird auch der Krper bald die gehrige Wrme bekommen. Ist dieser in
Ordnung, wird guter Appetit eintreten, und man braucht blo der Natur gute
Kost zu geben, so wird ein sicheres Gedeihen nicht ausbleiben.

1) Die gehrige Wrme wird kommen, wenn der Krper vom Bett aus ganz
gewaschen wird, dann wieder in's Bett;

2) das Blut wird in besseren Gang kommen, wenn tglich ein Obergu und
Schenkelgu vorgenommen wird;

3) die Krftigung und Erwrmung des ganzen Krpers wird ein tgliches
Halbbad bringen;

4) gutes Blut und gute Naturkraft bringt recht einfache nahrhafte Kost:
theils Kraftsuppe, theils andere krftige Nahrung und das Vermeiden
geistiger Getrnke.

Diese Kranke hat die bezeichnete Kur sechs Wochen angewendet und die
vollstndige Gesundheit erhalten.




Verkehrte Ernhrungsart (Folgen derselben).


1.

Eine Mutter bringt ihren achtjhrigen Sohn. Der arme Knabe sieht traurig
d'rein, ohne Muth, ohne Leben, ohne Freude, ohne Gedeihen. Auf die Frage,
wie dieser Knabe genhrt werde, lautete die Antwort: In der Frhe bekommt
er Kaffee, am Abend ebenfalls, am Mittag ganz wenig Fleisch, etwas Gemse
und ein Glschen Bier. Er mag weder Suppe noch Milch oder sonst eine
Hausmannskost. Er wchst nicht recht, hat oft ganz rothe, entzndete Augen
und klagt auch hufig ber Kopfweh. Dieser Knabe ist zu wenig genhrt. Was
derselbe geniet in der Frhe und am Abend, geht mehr oder weniger nicht
ausgentzt ab, und die arme Natur hat blo den Reiz des Kaffees. Das Glas
Bier zur Mittagszeit enthlt fast keinen Stickstoff, thut dem armen Kinde
wohl, aber nhrt nicht hinlnglich. Wie wird eine so schwache Natur, bei so
armen Sften, das Fleisch verdauen knnen!

Der Knabe mute Folgendes gebrauchen: Von Morgen bis Mittag jede Stunde
einen Lffel voll Milch; zum Frhstck etwas Brodsuppe, wenn auch nur fnf
bis sechs Lffel voll. Zum Mittagessen eine nahrhafte Hausmannskost, nicht
hitzig, und wenn auch Fleisch, so doch wenigstens ein recht nahrhaftes
Gemse, als Erbsenbrei, Bohnen u. s. w., dazu. Ferner von Mittag bis Abend
jede zweite Stunde einen Lffel voll Wasser und noch besser halb Wasser und
halb Milch zusammengemischt trinken. Zum Abendessen eine Kraftsuppe.

_Anwendungen:_ Tglich einmal den ganzen Krper mit Wasser, mit etwas Essig
vermischt, waschen. Jeden dritten Tag soll das Kind ein Hemd anziehen, in
warmes Wasser und etwas Essig eingetaucht, und dann, in eine Decke gut
eingewickelt, in's Bett gelegt werden. Nach drei Wochen hatte sich der
Junge an die Kost gewhnt, die Farbe war gendert, und der Knabe wurde
heiter und munter. Was untersttzte die Anwendungen? Die Milch brachte
viele Nhrstoffe, einen Lffel voll konnte der Junge ertragen. Die
Morgensuppe und Abendsuppe brachten ihm auch gute Nahrung. Auch die
Mittagskost diente zur Krftigung und gab reichliche Nahrung. Der Lffel
voll Wasser und Milch wirkte khlend und nhrend und vermehrte die
Magensfte.

_Wirkung_ der Anwendungen: Das Waschen bewirkte Krftigung, brachte Leben
und Thtigkeit. Das Hemd leitete die krankhaften Stoffe aus dem Krper,
ffnete die Poren und untersttzte und bewirkte gleichmige
Transspiration. Nach drei Wochen ertrug der Junge jeden Morgen und jeden
Abend eine Kraftsuppe, die er auch bekam; whrend des Tages schmeckte ihm
recht gut ein krftiges Hausbrod. Die Mittagskost durfte einfache
Hausmannskost sein. Den einen Tag mute er ganz gewaschen werden, den
andern Tag bekam er ein Halbbad, eine halbe Minute lang. Sechs Wochen in
dieser Lebensweise machten den Knaben wie umgewandelt. Geist und Krper
waren so, wie es bei einem Knaben von acht Jahren sein soll.


2.

Eine Mutter, 36 Jahre alt, erzhlt Folgendes: Ich bin recht kraftlos, habe
ganz wenig Schlaf; am Morgen bin ich mder als am Abend. Ich habe hufig
Unterleibsleiden, Drcken auf den Magen. Kaffee kann ich gar nicht nehmen,
krftige Kost auch nicht. Nur das Bier schmeckt mir. Ein Glas Bier macht
mich munter und nimmt mir meine belkeiten. Wenigstens viermal mu ich
einen Schoppen Bier trinken, sonst wrde das Gehen aufhren. An's Bier
wurde ich von Jugend auf gewhnt, hatte aber gar nie einen ordentlichen
Appetit zum Essen wie andere Leute. Ich lebte somit meistentheils vom Bier,
habe es jedoch nie unmig getrunken.

Hier wurde der Krper mit stickstoffarmen Nhrstoffen ernhrt. Dehalb kam
auch der Krper nie zu seiner vollen Kraft. Und wie einzelne Theile des
Krpers mehr verkmmert waren, so fehlte auch dem allgemeinen Organismus
Kraft und Wohlbefinden. Die Aufgabe ist also, die Nahrung zu wechseln, und
zwar recht vernnftig. Man beginne mit kleinen Portionen und whle
besonders recht wenig fette Nhrstoffe. Dehalb zum Frhstck eine kleine
Portion Kraftsuppe und zwar mit Milch gekocht. Am Abend Kraftsuppe in
Fleischbrhe oder Wasser gekocht, Mittags etwas Fleisch und Gemse von
Hlsenfrchten. Whrend des Tages, wenn Appetit vorhanden, eine recht
kleine Portion Milch und Brod oder blo Wasser und Brod.

_Wasseranwendungen:_ In der Woche dreimal ganz waschen und zwei- bis
dreimal ein Halbbad. Um die Verdauung zu strken, ist noch gut, tglich
zwei- oder dreimal, jedesmal zwei bis drei Lffel voll, Thee von Wermuth
und Salbei zu nehmen. Diese Nhrmittel bringen insgesammt gute und
reichliche Nhrstoffe. Das Halbbad wirkt strkend, die Waschungen bewirken
gleiche Transspiration und sind strkend. Der Thee dient zur guten
Verdauung und Besserung der Sfte. Innerhalb sechs Wochen war die Kranke
vollstndig gesund, und wenn es auch noch an ausdauernder Kraft fehlte, so
war diese recht leicht zu erreichen durch vernnftige Lebensweise.




Verschleimung (allgemeine).


Eine Dienstmagd, circa 42 Jahre alt, fhlte groe Mattigkeit und
Abgeschlagenheit. Das ganze Aussehen ist krankhaft, die Zge mehr
eingebrochen, die Backen welk; der Athem ist schwer, sie mu viel ghnen
und hufig Schleim ausspucken. Die Berufspflicht, die ihr sonst die grte
Freude war, fllt ihr schwer. Der Leib ist stark aufgedunsen, die Fe
schwer wie Blei, recht mhsam zum Gehen; kurz, nicht krank, wie man glaubt,
und doch recht leidend. Was ist hier zu thun?

In der Verlegenheit und Furcht, krank zu werden, hat die Kranke eine
Portion Wachholderbeerthee getrunken, der ihr auch in Blde eine Masse
Wasser ableitete, wodurch groe Erleichterung eingetreten. Durch diesen
Thee ist auch die Anleitung gegeben, was geschehen soll.

1) In der Woche dreimal einen kurzen Wickel, 11/2 Stunden lang;

2) jede Nacht vom Bett aus ganz waschen mit Wasser und etwas Essig.

Wie die Wickel aufgelst und aufgesaugt haben, so haben die Waschungen auf
den ganzen Krper gewirkt, da durch die Poren recht viel ausgeleitet
wurde.

Nach 14 Tagen war das ganze Aussehen und Befinden wie umgewandelt. Urin
wurde recht viel abgeleitet. Es kam auch in der Nacht einigemal starker
Schwei, der sehr gnstig wirkte; es trat Appetit ein und ruhiger Schlaf;
die Krfte zum Arbeiten stellten sich schnell wieder ein. Um aber die Natur
noch weiter zu befestigen und vor Rckfall zu schtzen, soll in der Woche
zwei- bis dreimal ein Halbbad, eine halbe Minute lang, genommen werden.




Verwundungen und Vergiftungen.


Wie oft kommt es doch in einem Haushalte vor, da bei der grten Vorsicht
Verwundungen eintreten! Dabei gerth nicht blo der Verwundete, sondern
auch seine Umgebung in grte Verlegenheit. Es sind allerdings unter dem
Volke manche Mittel bekannt, die schnell Hilfe bringen. Oft aber werden
Heilmittel gewhlt, welche diesen Namen nicht verdienen, da sie nicht die
gewnschte Hilfe bringen. Ich mchte hier einige Mittel empfehlen.

Hufig wchst in unserer Gegend, gewhnlich am Saume des Waldes, auch im
Wald, eine gelbe Blume mit starkem Geruch; sie fhrt den Namen Arnica.
Diese Pflanze verdient an die erste Stelle der Heilmittel bei Verwundungen
gesetzt zu werden. Aus dieser Pflanze wird eine Tinktur bereitet --
Arnicatinktur. Dieselbe wird bereitet, indem man die an schattigem Ort
getrockneten Blumen in ein Glas bringt, das Glas mit Spiritus fllt, zwei
bis sechs Tage stehen lt -- und die Arnicatinktur ist fertig. -- Man kann
dazu auch die Wurzel nehmen; hufig nimmt man auch die Wurzel allein. Diese
Tinktur kann lange aufbewahrt bleiben. Sie ist in jeder Apotheke zu haben.

Diese Tinktur halte ich fr das erste Heilmittel bei Verwundungen und kann
sie dehalb nicht genug empfehlen. Es sollte keine Familie sein, wo nicht
eine solche Tinktur in Bereitschaft ist, damit im Falle einer Verwundung
schnell Hilfe gebracht werden kann. Wie sie angewendet werden soll, wird in
Beispielen gezeigt.


1.

Ein Mdchen, 14 Jahre alt, bringt den dritten Finger der rechten Hand in
eine Maschine. Der Finger wurde frmlich aufgeschlitzt und gespalten, so
da man an zwei Stellen das Bein gut sehen konnte; es war nicht genau zu
bestimmen, ob etwa das Bein einen Bruch erlitten. Nach der gewhnlichen
alten Methode wollte der Chirurg die zerrissenen Theile mit Pflastern
zusammenheften und den Finger seinem Schicksal berlassen. Er glaubte, der
Finger sei verloren. Auf meinen Rath that er Folgendes. Die ganze Wunde
wurde mit Wasser, in das etwas Tinktur gegossen wurde, sorgfltig
ausgewaschen, da kein Unrath mehr zu finden war. Eine Binde aus Linnen,
einen Finger breit, wurde in etwas verdnnte Arnicatinktur getaucht.
Nachdem so der Finger gereinigt war, wurden die zerrissenen Stcklein
soweit als mglich in die rechte Lage gebracht, mit dieser Binde umwunden,
nicht zu fest, aber doch so, da alle Theile gut auf ihrem Platz gehalten
waren. ber diese Binde wurde noch Baumwollwatte, in etwas verdnnte
Arnica-Tinktur getaucht, gewunden und ber das Ganze nochmals eine Binde
gewickelt. In wenigen Minuten war der Schmerz verschwunden. Nach drei Tagen
wurde nachgeschaut, und zum Erstaunen wuchs Alles zusammen. Es wurde die
Binde nicht abgenommen, sondern Arnica auf dieselbe gegossen und mit
getrnkter Wollwatte umwunden. Nach 12 Tagen war der ganze Finger geheilt.
-- Ich wei kein Mittel, das so rasch, schn und schmerzlos diese Wirkung
htte.


2.

Ein Fuhrknecht ist von einem bissigen Pferd am Arm erfat und ein groer
Fetzen vom Arm losgerissen worden, so da das Fleisch weghing. Die Blutung
war stark. Die Wunde wurde nun schleunigst ausgewaschen mit Wasser, an
welches Arnicatinktur gegossen wurde; hernach wurden die zerrissenen Theile
soviel wie mglich geordnet, da sie an die richtige Stelle zu liegen
kamen. Weiter wurde Wollwatte in etwas verdnnte Tinktur getaucht und auf's
Sorgfltigste berbunden, so da nicht die geringste Luft an die Verwundung
dringen konnte. Es stellte sich kein Fieber ein; der Schmerz verschwand
rasch; das losgerissene Fleisch wuchs wieder zusammen, und die Verwundung
verheilte, so da sie kaum noch sichtbare Narben zeigte. Nach je zwei Tagen
wurde auf die Wollwatte Tinktur gegossen, die auf die Wunde drang. Welches
Mittel htte mehr geleistet?


3.

Ein Knabe, 15 Jahre alt, wurde von einem recht bissigen Hund in den Waden
gebissen, soweit die Zhne eindringen konnten. So gro der Schmerz war, so
gro war die Angst, der Bi mchte die schlimmsten Folgen haben. Weil
Arnicatinktur im Haus war, wurde schnell die Wunde auf's Sorgfltigste mit
verdnnter Arnicatinktur ausgewaschen und das in der Wunde befindliche Blut
soweit als mglich ausgepret; die Wunde wurde dann geschlossen, ein
Lappen in verdnnte Arnicatinktur getaucht, aufgelegt und gut berbunden.
Aller Schmerz verschwand, und in wenigen Tagen war die Wunde ohne Fieber
vollstndig geheilt. -- Man frchtet nichts mehr, und mit Recht, als den
Hundsbi; dehalb kann nicht genug gemahnt werden, da solche Wunden
ausgewaschen und ausgepret werden. Wenn eine Wunde blutet, wird sie nicht
so leicht gefhrlich; wenn aber kein Blut kommen will, dringt leicht der
schdliche Stoff in die Wunde und in's Blut.


4.

Ein Maurergeselle fiel vom Gerst und erlitt am rechten Schenkel eine
solche Quetschung, da er auf dem Fu nicht mehr stehen konnte. Nach
genauer Untersuchung stellte sich heraus, da die Knochen noch in der
Ordnung und nur starke Quetschungen vorhanden seien. Gewhnlich werden in
solchen Fllen kalte Umschlge gemacht, damit keine zu groe Hitze die
Herrschaft bekomme, sondern durch die berschlge Alles vertheilt werde.
Ich lobe Dieses und empfehle es; aber noch viel schneller und grer ist
die Wirkung, wenn die verwundete Stelle zuvor mit Arnicatinktur
eingewaschen wird. Am allerbesten ist die Wirkung, wenn man einen Lappen,
in verdnnte Arnicatinktur getaucht, auflegt und darber noch einen kalten
Umschlag thut. Die Wirkung ist rascher und sicherer. Den unteren Lappen
lasse man liegen, der obere wird hufig gewechselt, stets wieder in kaltes
Wasser mit Arnica eingetaucht.


5.

Karl hat Holz gemacht. Es entwischte ihm die Axt, flog auf den Fu, und er
bekam eine groe Wunde. Der Arzt wurde schnell gerufen; was er aber
angewendet, war nicht im Stande, die Blutung zu stillen. Ein Nachbar kannte
die Arnicatinktur. Dieser wusch die Wunde schnell damit aus, schlo
dieselbe und band Wollwatte, in Arnicatinktur getaucht, darauf. Bis der
Verband angelegt war, hrte auch die Blutung auf. Anfangs wurde jeden Tag
Tinktur aufgegossen, und in wenigen Tagen war die groe Wunde geheilt.


6.

Ein Handlanger fiel vom zweiten Gerst auf das erste und von da auf den
Boden und blutete aus dem Mund, so da er ungefhr einen Liter Blut verlor.
Der Kopf war ganz zerschmettert; auf der linken Seite war die Haut
stellenweise ganz abgestreift. Anfangs war der Gefallene besinnungslos.
Was wird hier am besten helfen? So schnell wie mglich wurde Zinnkrautthee,
jede Minute zwei bis drei Lffel voll, gegeben. Innerhalb 20 Minuten hrte
die Blutung auf.

Die Quetschung am Kopf wurde schleunigst zuerst mit reinem Wasser so
ausgewaschen, da aller Schmutz herauskam. Dann wurde etwas verdnnte
Arnicatinktur eingerieben und endlich Wollwatte, in solche Tinktur
getaucht, aufgebunden. Wie das Bluten schnell aufgehrt, so wurde auch der
Kopf schmerzfrei. Der Mann bekam wieder die Besinnung innerhalb eines
Tages. Jeden Tag wurde auf's Neue die schadhafte Stelle gewaschen mit
Arnicawasser, und in wenigen Tagen war das ganze Unglck beseitigt.


7.

Ein Mdchen war beim Dnger-Aufladen durch einen Fehltritt auf den
Misthacken getreten und hatte sich am Vorderfu so verwundet, da die
Spitze oben herausschaute.

Was ist hier zu thun? Schleunigst wurde diese Verwundung ausgewaschen mit
Wasser; dann wurde verdnnte Arnica-Tinktur in die Wunde gegossen, dieselbe
gut ausgewaschen und ausgepret. Als die Wunde ganz rein und keine Spur
mehr von Unrath zu finden war, wurde Wollwatte in verdnnte Tinktur
getaucht, gut berbunden, jeden Tag neue Tinktur aufgegossen, und in vier
Tagen war die Wunde zugeheilt.


8.

Viele Landleute kennen den Spitzwegerich als Heilmittel bei Verwundungen;
derselbe kann auch auf's Wrmste empfohlen werden. Ich habe mich oft
berzeugt, wie in den schwierigsten Verwundungen Spitzwegerich ganz
glcklich heilte.

Einem Taglhner fiel eine Sense auf den Arm und verursachte eine solche
Wunde, da er einen Finger htte hineinlegen knnen. Schnell wurde die
Wunde ausgewaschen, einige Spitzwegerichbltter etwas geknetet und der Saft
in die Wunde gepret. Die Wunde wurde dann gut zugepret und
Spitzwegerichbltter aufgelegt. So heilte sie rasch zusammen. Tglich
einmal wurde auf die Binde Spitzwegerichsaft gegossen, so da er bis zur
Wunde eindrang. -- Den Saft bereitet man auf folgende Weise: Die frischen
Bltter werden in einem Mrser zerstoen, auch mit einem Wiegenmesser
gewiegt, dann in einen Lappen gebracht und ausgepret. Wenn man aber nur
wenig braucht, nimmt man sechs bis acht Bltter, knetet sie mit den
Fingern und pret diesen Saft auf die Wunde.




Vollbad, unfreiwilliges (Verhalten nach demselben).


Ein Mdchen ging ber das Eis. Das Eis brach, und das Mdchen sank bis ber
die Brust in's Wasser. Seine Schwester sieht es, eilt hinzu und will die
Schwester retten. Auch sie bricht durch das Eis und sinkt bis an den Hals
in's Wasser. Glcklicher Weise war ein Mann in der Nhe und rettete beide
Mdchen. Sie waren beide 8 bis 12 Minuten im Wasser. Was soll in solchem
Falle geschehen? Ein Hydropath befahl, die Kinder sollen eilends in ein
warmes Zimmer gebracht und schnell ausgekleidet werden, dann trockene
Kleider anziehen und im warmen Zimmer so lang hin- und hergehen, bis sie
vollstndig erwrmt seien. Zudem soll ihnen schnell eine warme Tasse Thee
zum Trinken geboten werden, der sie im Inneren erwrme. Hat dieser
Hydropath recht gethan? Ganz gewi und viel besser, als wenn sie in ein
warmes Bett gebracht worden wren. Denn durch das Gehen wurde das Blut in
Thtigkeit erhalten, und dadurch entwickelte sich rasch Naturwrme. Was den
Thee betrifft, so kann Wermuththee oder Camillenthee gewhlt werden oder
auch eine Tasse warme Milch, die besonders gut wre, wenn etwas Kmmel oder
Fenchel in derselben gesotten wrde. Sie ist so warm als mglich zu
trinken.




Wassersucht (Haut-&c. Wassersucht).


Es ist wunderbar, wie der menschliche Organismus Speise und Getrnke
aufnimmt, Speisen und Getrnke unter einander vermischt, zersetzte Stoffe
sammelt, um leben und bestehen zu knnen. Geht Flssigkeit, welche die
Natur nicht braucht, durch jeden Athemzug ab, auch durch Urin und besonders
durch Ausdnstung am ganzen Krper, Transspiration genannt, so kommt es
doch recht hufig vor, da irgend ein Theil des Krpers krankhaft wird und
das Ausgentzte nicht ausgeschieden wird, weder durch Urin noch durch
Ausdnstung. Es sammelt sich alsdann im inneren Krper diese Flssigkeit,
huft sich gewaltig an, findet keinen Ausgang, und es entsteht eine
Krankheit, die _Wassersucht_ genannt wird. So eine Ansammlung kann, wie im
Unterleib, so auch im Oberkrper, vor Allem im Herzbeutel vor sich gehen,
so da man die eine die Bauch-, die andere die Brust- beziehungsweise
Herzwassersucht nennt. Wird diese Ansammlung von Wasser bald beobachtet,
und ist der Theil des Krpers, von dem sie ausgeht, auch ziemlich gut, so
kann dieser kranke Theil noch gesund gemacht werden. Das schon gesammelte
Wasser kann ausgeleitet und so die Wassersucht noch geheilt werden. Ist
Die aber nicht mehr der Fall, so steht frher oder spter, je nachdem der
kranke Theil mehr oder weniger unbrauchbar wird, der sichere Tod in
Aussicht. Sammelt sich aber im Herzbeutel Wasser, so wird dieser nach und
nach gefllt, und das Wasser hindert den weiteren Herzschlag; es tritt der
Tod ein. Die Bauchwassersucht nimmt einen lngeren Verlauf, weil sich in
der Bauchhhle viel Wasser aufhalten kann. Beim Beginn, oder so lang das
Organ nicht zu sehr krankhaft ist, ist die Wassersucht leicht zu heilen,
spter um so schwerer, oft geradezu gar nicht. Es kann sich aber auch
zwischen Haut und Fleisch Wasser sammeln, wenn die Poren _ganz_ geschlossen
sind und keine Ausscheidung mehr stattfindet, und so die Hautwassersucht
sich entwickeln; auch diese kann, wenn nicht frhzeitig Hilfe gebracht
wird, leicht den Tod herbeifhren. Nun zur Heilung!


1.

Der kleine Andreas, 11 Jahre alt, hatte das Scharlachfieber, dabei eine
frchterliche Hitze, aber recht gesunde innere Theile, und so nahm das
Scharlachfieber einen glcklichen Verlauf. Man glaubte, das Kind sei schon
ganz gerettet. Auf einmal schwellen diesem Knaben die Fe, Hnde, der Kopf
und der ganze Leib, so da die Haut am ganzen Krper glnzt. Die
Anschwellung geht sehr rasch, und weil die Haut wie Porzellan zu sein
scheint, so ist klar, da keine Flssigkeit mehr ausgeschwitzt wird. Hilft
man nicht und gibt man blo nach innen ein, so wird das Kindesleben bald
aufhren. Zieht man aber, wie der Andreas, ein in Salzwasser getauchtes
Hemd an, das bis ber die Fe hinunterreicht, und umwickelt es mit einer
Wolldecke, so werden die Poren rasch geffnet, und schnell wird die
Flssigkeit in die Poren eilen. Das Tuch saugt das Wasser auf, und dem
armen Andreas wird es gleich leichter. Thut man Die an einem Tag zwei- bis
dreimal, jedesmal 1 bis 11/2 Stunden, so wird das gesammelte Wasser bald
ausgeleitet sein. Zudem wird das Kind noch tglich ein- bis zweimal mit
Wasser und Essig gewaschen, nicht abgetrocknet und nachher im Bett liegen
gelassen; so wird die ganze Natur gekrftigt; dem Kind wird es immer
leichter und wohler. Nach einigen Tagen ist es gerettet. Man kann dem Kind
auch noch alle ein bis zwei Stunden einen Elffel voll Thee geben von
gesottenem Zinnkraut und Wachholderbeeren; so wird gesorgt, da im Inneren
sich weiter kein Wasser mehr sammelt, und was sich schon gesammelt hat,
wird durch Urin oder Stuhl ausgeleitet. Man kann dann noch einige Zeit
hindurch tglich, dann jeden dritten Tag eine Waschung vornehmen oder ein
kurzes Bad geben; hiedurch erholt sich die Natur um so schneller.


2.

Bertha hatte Diphtherie und lag einige Tage in der Brennhitze da. Man hatte
lange Zweifel an ihrem Aufkommen. Doch Bertha berstand die Diphtherie;
aber auf einmal kommt die _Wassersucht_, und ungemein rasch schwillt das
Kind an. Es bekam nun zweimal im Tag ein Hemd in Salzwasser getaucht, 11/2
Stunden lang, und wurde tglich 5 Sekunden in's Wasser getaucht; zum
Einnehmen tglich eine Tasse Thee von Holderblthen, wovon sie jede Stunde
zwei Lffel voll nahm. Bertha fing gewaltig zu schwitzen an, und in kurzer
Zeit war die Wassersucht verschwunden.


3.

Crescentia, 42 Jahre alt, merkt, da sie immer voller wird und an Hnden
und Fen die Haut glnzt. Es schwillt nicht blo der ganze Krper, sie
bekommt auch schweren Athem und viel Hitze. Der Arzt erklrt: Hier ist
_Hautwassersucht_. Die angewendeten Mittel haben keine Hilfe gebracht; sie
wird fr verloren erklrt. Nun bekommt sie:

1) Jeden Tag ein Hemd, in Wasser getaucht, in welchem Heublumen gesotten
wurden, auf 11/2 Stunden; die Poren werden dadurch geffnet;

2) jeden Tag noch einen Wickel von unter den Armen ganz hinunter. Auch
dieser Wickel wirkte besonders gnstig;

3) tglich zwei Tassen Thee von Hollunderblthen, Zinnkraut und
Wachholderbeeren; sie fngt zu schwitzen an, es geht sehr viel Wasser ab,
und innerhalb sechs Tagen ist alle Geschwulst verschwunden, und die Kranke
wurde wieder gesund.

Gewhnlich ist bei der Wassersucht groer Durst. Je mehr aber der
Wasserschtige trinkt und das Wasser sich im Innern erwrmt, um so grer
wird die Hitze. Dehalb ist nothwendig, nur recht wenig Wasser zu trinken.
Den argen Durst kann der Kranke am besten stillen, wenn er von Zeit zu Zeit
blo einen Lffel voll Wasser einnimmt. Hitzige Getrnke haben keinen
Werth, sind vielmehr schdlich, weil zur Hitze wieder Hitze kommt und die
Natur doch nicht gekrftigt wird, was hauptschlich bei den Wasserschtigen
fehlt.


4.

Anton fhlt sich Wochen hindurch immer recht mde und zu schwach zum
Arbeiten. Man wei nicht recht, was fehlt; er fhlt sich an allen Theilen
krank. Sein Leib wird voller, die Fe schwellen auch an; es geht wenig
Wasser ab, der Durst steigert sich; der Arzt sagt, es trete die
_Bauchwassersucht_ ein.

Diesem Kranken wurde empfohlen:

1) Jeden Tag zwei Halbbder zu nehmen;

2) Thee zu trinken aus Wachholdersprossen, eine halbe Stunde gesotten;

3) jeden Tag den spanischen Mantel umzulegen; das Wasser geht durch die
geffneten Poren, sowie durch Urin und Stuhl ab. In 12 Tagen war der
normale Zustand wieder hergestellt.


5.

Theresia ist seit lngerer Zeit leberleidend, hat viel eingenommen, Alles
vergebens. Auf einmal wird erklrt, es kommt die _Wassersucht_. Ungesumt
bekommt dieselbe:

1) Angeschwellte Heublumen, warm auf den ganzen Unterleib gelegt;

2) starken Thee von Zinnkraut;

3) tglich 15 bis 20 Wachholderbeeren.

Wie im Innern die Leber noch einer Verbesserung zugnglich ist und diese
wieder in brauchbaren Zustand gerth, so wird auch das angesammelte Wasser
ausgeschieden. Theresia ist nach einigen Tagen gerettet. Sie gebraucht den
Thee noch lnger und nimmt tglich Anfangs zwei, spter ein Halbbad und
kommt wieder zu ihrer frheren Kraft.


6.

Augustin hat lngere Zeit Nierenleiden. Die Mittel wollen nicht helfen. Es
beginnt die _Wassersucht_. Die letzte Zuflucht ist das Wasser. Er nimmt:

1) Tglich zwei Halbbder, eine Minute lang;

2) tglich einen krftigen Heublumenwickel;

3) hat er auch ein ganzes Krblein voll Heublumen miteingewickelt, die
besonders auf die Nierengegend gebunden werden;

4) er trinkt fleiig Thee von Schafgarbe, Wachholderbeeren und Zinnkraut im
Wechsel mit Wermuththee.

In wenigen Tagen ist das Wasser ausgeleitet, und Augustin ist gerettet. Er
gebraucht lngere Zeit in der Woche drei Sitzbder und zwei Halbbder, die
hauptschlich auf Krftigung des Unterleibes und der Nieren wirken.


7.

Maria wei gar keine Ursache, warum sie seit lngerer Zeit ihre Krfte
verliert und ein ungewhnlicher Durst sie fortwhrend plagt. 1) Sie trinkt
jeden Tag drei Glser Rosmarinwein, nimmt 2) jeden zweiten Tag einen kurzen
Wickel, 11/2 Stunden lang, und die _Wassersucht_ verschwand.


8.

Michael hatte Jahre hindurch starken Husten und ungemein viel
Schleimauswurf. Alle Medicamente waren ohne Erfolg. Auf einmal merkt er,
da die Fe stark anschwellen. Man glaubt, er sei verloren. Das
Lungenleiden hat schon groe Fortschritte gemacht; jetzt noch die
_Wassersucht_ dazu! Michael bekommt

1) tglich zwei krftige Obergsse und wird

2) tglich von unter den Armen ganz hinunter eingewickelt, 11/2 Stunden
lang.

Der Oberkrper wird dadurch gekrftigt; es geht eine Masse Schleim ab; der
Urin wird recht schmutzig und ist dick. Die Geschwulst fllt zusammen, und
in 14 Tagen ist der Kranke gerettet. Lunge und Brust wurden gereinigt und
gekrftigt, und dadurch war auch die Ursache der Wassersucht beseitigt.


9.

Joseph hat recht viel Bier getrunken, mehr als gesund war, dadurch eine
ordentliche Hypotheke (= Korpulenz) zusammengebracht; er bekommt schweren
Athem und verliert seine Kraft, so da er kaum zu gehen vermag. Er merkt
auf einmal, da ihm die Schuhe zu klein werden, und da er am ganzen Krper
viel zu rasch auseinander geht. Der Arzt erklrt, das Blut werde zu Wasser,
es sei Blutzersetzung und die _Wassersucht_ da. So sehr er frher das
Wasser scheute, sucht er dasselbe jetzt als seinen Lebensretter. Er lt
sich

1) jeden Tag zweimal einwickeln, das Tuch in Salzwasser getaucht. Dadurch
fngt er frchterlich zu schwitzen an;

2) nimmt er jeden Tag zwei Halbbder, und nach 12 Tagen war die Wassersucht
gehoben.

_Nach innen_ gebrauchte er tglich zwei Tassen Wermuth-und Salbeithee und
a tglich 12 bis 18 Wachholderbeeren, die ihm gute Verdauung und einen
besseren Magen brachten und die ungesunden Stoffe ausleiteten. Er
gebrauchte noch lngere Zeit in der Woche drei Halbbder, mied das Bier, a
einfache Hausmannskost und erkannte das Wasser als seinen Retter.


10.

Eine Hausfrau jammert: Mir sieht Niemand eine Krankheit an, und ich werde
oft ausgelacht, wenn ich klage. Ich habe keine besondere Kost und bin so
stark, trinke auch kein Bier, habe nur einfache Hausmannskost; meine Fe
sind so angeschwollen, da ich oft nicht mehr gehen kann. Mein Unterleib
ist so aufgetrieben, da ich schon lnger mit Grund die Wassersucht
frchte. Frische Luft und Klte kann ich gar nicht ertragen. Wenn ich an
die frische Luft komme, bin ich um und um voller Rheumatismen.

Hier hat sicher die _widernatrliche Kleidung_ das Ihrige gethan. Dehalb
war nothwendig, den Krper von allen Anstauungen zu reinigen und nebenbei
die Natur abzuhrten.

Die Kranke bekam dehalb:

1) jeden Tag eine Ganzwaschung, um gleichmige Transspiration einzuleiten;

2) in der Woche viermal einen Wickel von unter den Armen ganz hinunter, das
Tuch in Heublumenwasser getaucht, um die angeschwollenen Fe und den
geschwollenen Leib zu verdrngen;

3) in der Woche zwei Halbbder, um den ganzen Krper zusammenzutreiben. --
So drei Wochen lang.

Die berflssige Kleidung wurde nach und nach entfernt, und die
Unglckliche lebte wieder neu auf.


11.

Ein Missionr, der in seinem strengen Beruf ziemlich korpulent geworden,
weil er wenig Bewegung hatte, whrend die Sprachorgane viel angestrengt
waren, bekam so angeschwollene Fe, da sie von unten auf wie Porzellan
glnzten und, wenn man den Finger eindrckte, Vertiefungen zurcklieen wie
bei Wasserschtigen. Der Leib war viel zu stark, der Athem recht schwer,
und so war er unfhig fr seinen Beruf. Derselbe war ca. 52 Jahre alt.

Hier ist offenbar neben zu groer Anstrengung auch zu wenig Bewegung die
Ursache der Korpulenz und der anfangenden Wassersucht. Die Aufgabe ist
also, den schlaffen Krper zu wecken und zu krftigen, damit gleichmige
Transspiration eintrete und mit der Krftigung des Krpers die faulen
Stoffe abgestoen werden.

Wer hier gleich Wasser abtreiben wollte, wrde die Schlaffheit, anstatt
sie zu heben, noch mehr befrdern. Also nicht Wasser abtreiben, sondern den
Krper erst krftigen.

Dehalb folgende _Anwendungen_:

1) Acht Tage lang tglich zweimal einen Obergu, der tglich etwas
verstrkt wurde. -- Diese Obergsse krftigten alle Theile des Oberkrpers
und bewirkten eine allgemeine Thtigkeit. Das Aussehen frischte sich
dadurch auf, und das Weiterbilden schlimmer Stoffe hrte auf. Schon am
dritten Tag nahmen die Fe etwas ab, und der Urinabgang nahm zu.

2) Tglich wurden einmal die Schenkel begossen, um auch hier zu beginnen
mit Krftigung der geschwchten Theile und Zusammenziehung der Haut und
innern Gefe. So acht Tage lang. Dann

3) kamen die Rckengsse tglich zweimal, dazu noch ein Obergu und Wasser
auf die Knie gieen.

Der Obergu bewirkte eine fortgesetzte Strkung des Oberkrpers; die
Rckengsse bewirkten Dasselbe auf den ganzen Krper, und es trat bei dem
Kranken groe Behaglichkeit ein, der Urin war geregelt, der Appetit nahm
zu; an den Fen konnte man sehen, da die Zufuhr von Wasser dorthin
abgenommen hatte. In der dritten Woche hatte die Naturkraft schon groe
Fortschritte gemacht. Die Natur war dem bel gegenber widerstandsfhig
geworden. Jetzt war auch die Zeit gekommen, den Krper von der schlimmen
Ansammlung zu reinigen. Es wurde dehalb in der Woche

1) zweimal ein Wickel von unter den Armen ganz hinunter vorgenommen,

2) wchentlich zweimal ein kurzer Wickel, 11/2 Stunden lang. Der kurze
Wickel lste und saugte auf von unter den Armen bis an die Knie. Der
vorhergehende Wickel bewirkte Dasselbe am ganzen Leib. -- Weil der obere
Krper schon gekrftigt und der Abflu nach unten nur noch gering war,
wurde die angeschwemmte Masse rasch beseitigt, und der Kranke fhlte sich
von Tag zu Tag behaglicher.

Um die uern Anwendungen auch von innen zu untersttzen, wurde tglich
eine Tasse Thee von Zinnkraut und Wachholderbeeren genommen, welcher den
Krper reinigte und gute Verdauung bewirkte. So war der Kranke in vier
Wochen hergestellt.

Zur weiteren Krftigung und Erholung wurde neben gesunder einfacher Kost
zeitweilig ein Halb- oder Vollbad genommen.




Zerrttung des Krpers durch schlechten Lebenswandel.


1.

Ein junger Mensch, dessen Aussehen bla und bleifarbig war, klagte: Ich
habe nicht gut gelebt, mir sehr geschadet und meinen Eltern und
Geschwistern recht viel Leid verursacht. Ich wurde oft gewarnt; aber mir
ging es wie dem Trinker, der gute Vorstze macht und sie wieder bricht. Ich
habe keinen Muth mehr und keine Freude. Meine Geistes- und Krperkraft ist
grtentheils verschwunden. Ich habe schon mehrere rzte gebraucht, fhle
aber keine Besserung. Mein Schlaf ist nicht gut; zum ordentlichen Essen, um
Kraft zu bekommen, fehlt mir der Appetit. Ich bin in Folge meiner
Unsittlichkeit einem Siechen gleich, der bald am Rande des Grabes ist. Kann
hier noch Hlfe gebracht werden?

_Anwendungen:_ Tglich einen Obergu und tglich zweimal ruhig im Wasser
stehen bis an und ber die Knie, jedesmal eine Minute lang. So eine Woche
lang. Dann den einen Tag Schenkelgu und Obergu, den andern Tag ein
Halbbad und tglich eine Viertelstunde auf nassen Steinen gehen. So 14 Tage
lang. Nach innen tglich zweimal eine Messerspitze voll weies Pulver und
zweimal, jedesmal 15 Tropfen von Wermuth, Tausendguldenkraut und
Johanniskraut in 8-10 Lffeln voll Wasser innerhalb einer halben Stunde
trinken.

_Wirkungen:_ Das Wassergehen bewirkte Krftigung im Unterleib, wie die
Obergsse auf den Oberkrper strkend wirkten. Die Halbbder wirkten
strkend auf den ganzen Krper, die Tropfen wirkten nach innen ebenfalls
strkend. Nach den drei Wochen reichten zur vlligen Herstellung in der
Woche drei Halbbder aus.


2.

Ein Studierender erzhlt: Ich bin 20 Jahre alt und war bis 16 Jahre ganz
gesund; ich habe aber ein Leben gefhrt, durch das ich mich vollstndig zu
Grunde gerichtet habe. Ich kann nicht mehr denken; mein Gedchtni ist
nicht mehr halb so gut wie frher; ich bin stets zu groer
Niedergeschlagenheit geneigt. Mein Augenlicht hat um die Hlfte abgenommen.
Vor jedem kleinen Gerusch erschrecke ich. Kurz, so jung ich bin, so elend
bin ich auch. Zwei rzte haben Versuche gemacht, mein bel zu heben; doch
vergebens. Meine Verdauung ist nicht gut. Ich trage ein trauriges Elend in
meinen schnsten Jahren.

Hier ist das Nervensystem aufs Tiefste angegriffen, und das Blut ist
verderbt. Daher ist nothwendig, da allererst auf Vermehrung der Naturwrme
und Krftigung des Krpers eingewirkt werde, da eine gute Verdauung und
gute Nahrung erneutes Blut und neue Nahrung fr den Krper bringe.

Die _Anwendungen_ sind folgende: 1) Jeden Tag zweimal im Wasser stehen bis
an die Kniee, 1-3 Minuten lang. 2) Jeden Tag einmal, und wenn es die
Naturkraft gestattet, zweimal Obergu. 3) Jeden Tag eine Tasse Thee trinken
von Johanniskraut, Salbei und Wermuth in drei Portionen. 4) Wo mglich jede
Stunde einen Lffel voll Milch einnehmen, in welcher gemahlener Fenchel
drei Minuten lang gesotten wurde; zudem tglich noch 5-8 Wachholderbeeren
essen. So 14 Tage fortmachen; dann folgende Anwendungen:

1) In der Woche dreimal ein Halbbad, eine halbe Minute lang. 2) Viermal in
der Woche drei Minuten lang im Wasser gehen bis an die Kniee. 3) Tglich
den Unterleib mit halb Wasser und halb Essig einreiben. 4) Das Einnehmen
der Milch und der Wachholderbeeren fortsetzen. So wieder 14 Tage.

Innerhalb dieser vier Wochen hat sich der ganze Zustand recht gut gemacht.
Das Augenlicht besserte sich, die Kraft gewann wieder, und neues Leben trat
ein. Die vorgeschriebene Kost whrend der ganzen Kur war hauptschlich
Kraftsuppe von schwarzem und weiem Brod, abwechselnd in Milch oder
Fleischbrhe oder Wasser gekocht.

Die weiteren Anwendungen waren Halbbder und Abhrtungen. So gesundete der
Unglckliche nach und nach innerhalb mehrerer Wochen, so da er seinen
Studien obliegen konnte.

Das Stehen im Wasser, wie die Obergsse wirkten erwrmend und krftigend.
Die Milch, stndlich ein Lffel voll, war zur Vermehrung des Blutes, die
Wachholderbeeren bewirkten gute Verdauung und Krftigung der innern Organe.


3.

Ein Studierender der hheren Schule sucht Hilfe fr seine Leiden, die er
mit folgenden Worten erzhlt: Ich bin auf der Hochschule in eine
unglckliche Gesellschaft gerathen und habe durch Trunksucht und ein
anderes Laster meine Natur so zu Grunde gerichtet, da ich zweifle, ob ich
noch dem Siechthum entgehen kann. In der Nacht habe ich die schrecklichsten
Traumbilder, worauf ich dann aufwache und am ganzen Krper zittere. Ich
habe weder Lust noch Freude zum Studium; denn sobald ich studieren will,
bekomme ich Kopfschmerzen zum schwindlig werden. Hufig habe ich
Frostfieber; mein Unterleib ist stark aufgetrieben. Fe und Hnde sind
meistens kalt. Mein Magen ist ganz schlecht. Was ist zu thun, um dem
Siechthum zu entkommen?

1) Tglich wenigstens dreimal barfu auf dem feuchten Boden gehen, jedesmal
15-20 Minuten lang. (Zur Winterszeit mte es in einer Waschkche auf
nassen Steinen geschehen.) 2) Tglich zwei Obergsse. 3) Jeden zweiten Tag
ein zweifaches Tuch, in halb Wasser und Essig getaucht, auf den Unterleib
binden 11/2 Stunden lang, nach 3/4 Stunden nochmal frisch eintauchen, wie
es im Buche angegeben ist. 4) Tglich eine Messerspitze voll Kreidemehl
einnehmen und eine Tasse Thee von Johanniskraut, Fenchel und Wermuth in 3
Portionen, kalt oder warm. So 3 Wochen lang.

Zur Kost wurde gerathen Kraftsuppe und einfache Hausmannskost. Verboten
wurden geistige Getrnke. Nach 3 Wochen hat sich der ganze Zustand
gebessert. Weitere Anwendungen zur Erlangung voller Gesundheit waren: In
der Woche 3 Sitzbder zur Krftigung des Unterleibs und 3 Halbbder 1/2-1
Minute lang.

Das Gehen auf nassem Boden entzog die bermige Hitze, strkte und leitete
vom Kopfe ab. Die Obergsse wirkten strkend und belebend, der Thee
verbesserte die Sfte und bewirkte bessere Verdauung, ebenso das
Kreidemehl.




Anhang.


1. ber Arnica (+Arnica montana+, Wohlverleih).

Ich fragte einst einen Arzt, was er auf die Kruter als Heilmittel halte.
Er gab mir zur Antwort: _Gar nichts_. Ich stellte die zweite Frage, ob er
auch glaube, da die Arnica doch eine Wirkung habe. Dann gab er die
Antwort: Gerade auch diese ist nichts, sie ist aus der Medizin gestrichen,
obwohl man gerade mit dieser den grten Schwindel treibt. Diese uerung
brachte mich zu einem ruhigen Nachdenken; denn gewhnlich ist das, was man
am allergeringsten achtet, das Beste. Vor ungefhr einem Jahre bekam ich
einen Brief von einem Arzte, der anfragte, warum ich doch fr die Arnica
nichts geschrieben habe, es sei doch in der Heilkunde diese Pflanze von so
auerordentlicher Wichtigkeit; er ersuchte mich, ich mchte sie doch, wenn
ich die Wirkung nicht genau kenne, prfen und dann in meinem Buche
empfehlen, wie sie es verdiene. Er legte sogar ein Broschrchen bei,
welches handelte von den groen Wirkungen der Arnica. Ich habe die Wirkung
derselben wohl gekannt, aber doch habe ich ihr auf Die hin eine grere
Aufmerksamkeit zugewendet und sie recht vielmal geprft -- dabei aber
gefunden, da man sie, wie ihr Stengel gelb ist wie Gold, so auch die
goldene Blume heien drfte. Wie sie aber frher einen anderen Namen
getragen, der ihr auch jetzt beigefgt wird, so ist ihre Wirkung auch in
diesem Beinamen enthalten: Wohlverleih (Wohlverleiher). Gewhnlich wird sie
gebraucht als Tinktur, die man bereitet, wie folgt: Gesammelte, getrocknete
Blumen werden in ein Glas gebracht, mit gutem Branntwein oder noch besser
mit Spiritus aufgegossen, halb Blumen, halb Spiritus oder Branntwein. Man
lt das Ganze zwei bis vier Tage stehen, und die Tinktur ist fertig. Am
wirksamsten sind die Blumen, die Wurzeln sind etwas schwcher, noch
schwcher die Bltter und Stengel. Diese Blume wchst am ppigsten in den
Bergen, aber auch im Schwabenlande kommt sie vor, gewhnlich am Rande einer
Waldung oder im Walde, wo Holz abgetrieben wurde. Ihr Geruch ist ziemlich
stark. Die Arnica-Tinktur wirkt besonders gnstig bei Verwundungen, und es
sollte wirklich keine Familie geben, die nicht ein Glschen Arnica-Tinktur
in Vorrath hat.

Ein Mdchen schnitt sich so stark in den Finger, da der Finger zur Hlfte
abgeschnitten war. Man konnte das Bein gut sehen. Ungesumt wurde die Wunde
mit Wasser, in das etliche Tropfen Arnica-Tinktur gemischt waren, gut
ausgewaschen, damit nicht der geringste Unrath in der Wunde blieb. Die
Wunde wurde gut zusammengefgt und mit einer leinenen Binde, in
Arnica-Tinktur getaucht, gut zusammengebunden. ber diese Wunde, also auf
den ersten Verband, wurde Baumwolle, auch in Arnica-Tinktur getaucht,
aufgelegt und eingebunden. Aller Schmerz verschwand pltzlich. Den Tag
darauf wurde die Wunde nur so weit geffnet, da man einige Tropfen Tinktur
auf die Wunde gieen konnte, und weil nicht der geringste Schmerz
vorhanden, blieb die Wunde fnf Tage zugebunden. Als die Binde weggenommen,
war Alles vollstndig verheilt.

Bei Verwundungen ist unstreitig die Arnica das allereinfachste und
wirksamste Mittel. Allererst wird die Wunde auf's Sorgfltigste
ausgewaschen mit Wasser, in welches Arnica-Tinktur gemischt ist, auf ein
Viertel Liter Wasser einen Lffel Tinktur. Ist die Wunde auf's
sorgfltigste ausgewaschen, dann wird sie auf's genaueste zusammengefgt,
da sie geschlossen ist, doch so, da die zerrissenen Theile mglichst in
die rechte Lage kommen; dann wird das Ganze mit einer leinenen Binde
zugebunden. Auf diesen Verband wird Baumwolle, in Tinktur getaucht,
aufgelegt und eingebunden oder vielleicht zweimal Baumwolle auf die
zusammengefgte Wunde gelegt und eingewunden, wie sie sich eben am
leichtesten schlieen und verbinden lt. Wie der Schmerz fast
augenblicklich aufhrt, so tritt auch kein Schmerz mehr ein; so gelinde
geht die Heilung vor sich. Bei kleinen Verwundungen reicht das einmalige
Verbinden schon aus. Bei groen Verwundungen mte nachgesehen werden, ob
sich kein Eiter bilde, der dann ausgewaschen werden mte, worauf auf's
Neue eingetauchte Wolle aufgebunden wrde. Wie diese angefhrte Verwundung,
so wurde eine grere Zahl Verwundungen mit gleich raschen, schmerzlosen
Erfolgen geheilt.

Die Arnica ist nicht blo bei Verwundungen, sondern auch bei Quetschungen
gut. Es wurden einem Pferd am hinteren Fu von einem andern Pferd in's
dicke Fleisch mehrere Striemen geschlagen, so da selbes keinen Augenblick
auf diesem Fu mehr stehen konnte; es hatte mehrere tiefe Lcher von den
Griffen der Eisen, natrlich auch starke Blutungen, so da ich glaubte, es
sei am besten, das ohnehin ziemlich bejahrte Pferd dem Abdecker zu geben.
Es war mir aber eine gnstige Gelegenheit, die Arnica bei diesem Pferde zu
prfen, und so wurde die zerschlagene Flche mit Arnica-Tinktur, zur Hlfte
mit Wasser vermischt, krftig eingewaschen. Tglich zweimal wurde dieses
Einwaschen erneuert, und ich konnte nicht begreifen, wie keine Eiterung
eingetreten, und wie unglaublich schnell die Heilung vor sich ging. Das
Pferd wurde nach wenigen Tagen wieder so gesund und krftig, wie es vorher
war; die Wunden verheilten ganz schnell, so da nichts mehr zu sehen war,
und auch die tiefeingedrungenen Quetschungen wurden vollstndig gehoben.
Dieses Pferd, welches ich fr verloren hielt, war nach 12 Tagen wieder
hergestellt. Arnica heilt also nicht blo Wunden zu, sondern zertheilt auch
das durch Schlag und Sto unterlaufene Blut.

Jakob litt sehr lange an Kreuzschmerzen; er that viel, um sie zu entfernen,
doch vergebens. Er hatte auf dem Rcken von Zeit zu Zeit das Gefhl, als
wolle ein Ausschlag herauskommen; ein solcher kam jedoch nie zum Vorschein,
die Natur war zu schwach. Er nahm Arnica-Tinktur und rieb damit den Rcken
in einem Tage dreimal fest ein. Der Schmerz wurde dadurch bald gelindert,
und nach drei Tagen zeigte sich auf dem ganzen Rcken ein starker
Ausschlag, der innerhalb vier Tagen verheilte, so da nun aller Schmerz
verschwand. Wieder ein Beweis, wie Arnica kranke Stoffe zertheilt, so da
die Natur dann im Stande ist, sie auszuscheiden.

Eine Dienstmagd fiel ziemlich hoch von der Heubhne herab und zerquetschte
sich einen Schenkel so stark, da er mit Blut unterlaufen war und groe
Schmerzen verursachte. Arnica-Kruter wurden mit halb Wasser und Essig
gesotten, zehn Minuten lang, ein doppeltes Handtuch wurde in diesen Absud
getaucht und die zerquetschte Stelle damit belegt; nach je zwei Stunden
wurde das Tuch wiederholt eingetaucht und die Auflage somit erneuert. Wie
der Schmerz sogleich abgenommen hat, so wurde das angestaute Blut recht
bald zersetzt und durch die Poren ausgeleitet. Wenn Essig schon Blut
zersetzt, Arnica zersetzt und heilt, so kann ja doch dieser berschlag nur
eine zweifache Wirkung haben, mithin auch einen rascheren Erfolg.

Eine Grfin fiel ber eine Treppe und hatte sich durch den Fall zwei
ziemlich groe blaue Flecken zugezogen, die recht schmerzlich waren. Es
wurde ihr gerathen, sie solle Arnica-Kruter oder -Blumen in Wein sieden,
berschlge auf die zerquetschten Stellen machen und die nach je zwei bis
vier Stunden wiederholen. Wie der Schmerz sogleich nachgelassen, so
verschwanden auch die blauen Flecken, und in ganz kurzer Zeit war die
Heilung vollkommen. Man kann also mit Wasser und Essig oder Wein die Arnica
anwenden, berall wird sie gute Dienste leisten. Man kann aber auch blo
Wasser dazu nehmen und sieden, eine Viertelstunde lang; die Wirkung bleibt
nicht aus, ist jedoch viel schwcher.

Ein Mdchen, ber 20 Jahre alt, bekam einen Wespenstich. Der Schmerz des
Stiches war ziemlich stark und der Arm sehr angeschwollen. Die entzndete
Stelle wurde ganz brennend roth, und man befrchtete sogar, es knnte eine
Blutvergiftung eintreten. Arnica-Tinktur wurde mit vier Theilen Wasser
vermischt, auf die geschwollene Stelle ein Tuch, das in diese Mischung
getaucht war, gelegt, nach je zwei Stunden erneuert, und so war in ganz
kurzer Zeit diese bedenkliche Geschwulst beseitigt.

Man nimmt gewhnlich zum Reinigen alter Wunden Carbol-Sure, verdnnt sie
mit Wasser und wscht die Schden damit aus. Arnica-Tinktur, verdnnt mit
Wasser, leistet dieselben Dienste und ist doch kein scharfes Gift wie
Carbol-Sure.

Wie in diesen angefhrten Fllen die Arnica, uerlich gebraucht, den
besten Erfolg bringt, mithin recht oft in solchen und hnlichen Fllen
angewendet werden kann, gerade so kann sie auch innerlich mit dem besten
Erfolg angewendet werden. Heilt die Arnica uerlich Geschwre, entfernt
sie ungesunde giftartige Stoffe, warum soll sie nicht im Innern
Magengeschwre heilen knnen und auch heilend auf andere Geschwre im
Krper zu wirken vermgen? Natrlich mu die Arnica-Tinktur stark verdnnt
werden. So hatte Isidor viele Monate einen kranken Magen, und die rzte
behaupteten, es seien Magen-Entzndungen und Magen-Geschwre, weil alle
Mittel nicht wirkten; er nahm tglich 50 bis 60 Tropfen Arnica-Tinktur in
1/4 Liter Wasser gemischt und die whrend des Tages in ganz kleinen
Portionen ein, versprte recht bald eine gute Wirkung, war vorsichtig mit
der Wahl der Speisen, und der kranke Magen wurde in kurzer Zeit gesund.
Wenn die Arnica bei uerlichen Quetschungen das unterlaufene Blut zersetzt
und ausleitet, warum soll Arnica im Innern nicht auch Blutanstauungen
auflsen helfen, die durch Sto, Schlag oder auf irgend eine Weise
veranlat wurden? Mithin ist sie in solchen Fllen ein gutes Mittel nach
innen. Ist Arnica uerlich strkend, warum soll nicht auch durch dieselbe
nach innen strkend eingewirkt werden knnen? Aber ja nur in verdnnter
Weise! Heilt die Arnica Wunden auen fast wunderbar, warum soll durch
dieselbe nicht auch im Innern eine Wirkung erzielt werden? Ich bin dem
Arzte dankbar, der mich darauf aufmerksam machte. Ihre Wirkungen sind
erprobt, wehalb ich diesen von den Medizinern verstoenen Menschenfreund
nicht genug empfehlen kann.


2. Blutarmuth.

Ein Gastwirth erzhlt: Ich habe seit mehreren Monaten eine zunehmende
Schwche in den Beinen bekommen. Ich vermag oft fast gar nicht mehr,
lngere Zeit zu gehen, die Fe schwellen mir, besonders der rechte, steif
an. Sie gehen dann wohl etwas nieder, aber vollstndig niemals. Ich habe
ein gewaltiges Brennen in den Fen. Auf der Rckseite, oberhalb der
Schenkel, habe ich stets Schmerzen, oft recht groe. Das Athmen geht mir
oft sehr schwer. Appetit ist wohl da, aber nicht besonders; geht's noch
lnger so fort, dann kann ich meinem Berufe nicht mehr nachkommen. Seit
einiger Zeit trinke ich wenig Bier, vielleicht zwei Glas tglich, mu aber
gestehen, da ich frher 8 bis 10 Glas, mitunter auch noch mehr getrunken
habe.

Hier hat sicher das Bier als Hauptnahrung dieses bel zur Folge gehabt. Der
Kranke ist blutarm und noch dazu sehr blutschwach. In den Nieren liegt
allem Anscheine nach eine Masse ungesunder Stoffe. Der schwere Athem und
der ungeregelte Herzschlag beweisen Blutarmuth, ebenso die groe Abnahme
der Krfte. Hier ist allererst nothwendig, den Oberkrper und dessen innere
Organe in einen besseren Zustand zu bringen, sodann den Unterleib in
Verbindung mit den Fen. Weiter mu eine gute Kost ein besseres Blut
bereiten. So mu die Natur verbessert und alle Theile des Krpers mssen
in grere Thtigkeit gebracht werden. Die krankhaften Stoffe mssen
entfernt und durch bessere Nahrung mu besseres und mehr Blut verschafft
werden. Zu diesem Zwecke mu der Kranke jede Nacht den ganzen Krper mit
Wasser und etwas Essig daran waschen. Dadurch wird der ganze Krper
gestrkt. Die Poren werden geffnet, damit die krankhaften Sfte einen
Ausweg bekommen. Dann bekommt der Kranke tglich einen Ober-und einen
Schenkelgu. Der Obergu wirkt krftigend auf den ganzen Oberkrper und
bringt alle inneren Theile in grere Thtigkeit. Das Athmen, wie der
Blutlauf wird dadurch mehr angeregt und so die ganze obere Maschine in
grere Thtigkeit gebracht. Die Schenkelgsse wirken auf Krftigung des
unteren Leibes, ziehen die Muskeln mehr zusammen, hindern dadurch das
Anschwellen der Fe, bringen mehr Leben und Thtigkeit in alle Theile und
wirken zugleich auf den Unterleib, so da ein geregelter Stuhlgang
eintritt, der Urin fleiig abgeht und die begonnene Geschwulst am
Unterleibe mit der Geschwulst der Fe abnimmt. Diese Anwendungen wurden 12
Tage gebraucht. Die Fe wurden dadurch viel dnner, der Athem leichter.
Die Kraft hat ziemlich zugenommen; kurz, der Kranke fhlte bedeutende
Besserung. Nach diesen 12 Tagen folgten nachstehende Anwendungen:

Tglich ein starker Obergu und ein Halbbad; der verstrkte Obergu wirkt
wieder krftigend ein, scheidet alle krankhaften Stoffe aus und bringt die
inneren Organe in grere Thtigkeit. Das Halbbad wirkt auf den ganzen
Krper ein. Es ist doppelt wichtig, wenn durch die vorausgehenden
Anwendungen alle Organe in Ordnung gekommen sind. Diese Anwendungen, drei
Wochen so fortgesetzt, haben den Unglcklichen wieder in die beste Lage
gebracht. Die Kraft ist wiedergekehrt, der Athem leicht, die Geschwulst
entfernt, der Appetit und Schlaf gut. Es ist nur noch nothwendig in der
Woche drei- bis viermal ein Halbbad, um die Gesundheit zu erhalten.

_Nach innen_ wurde gebraucht Anfangs tglich eine Tasse Thee von Zinnkraut
und Wachholderbeeren zur Ausleitung durch den Urin und zur Reinigung des
Magens; spter Wermuththee, tglich eine Tasse, zur Verbesserung der Sfte
und zur Untersttzung der Verdauung.

Eine Frau erzhlt: Ich bin 34 Jahre alt; mein jngstes Kind ist acht
Wochen alt. Ich bin so schwach, da ich oft, besonders in der Frhe, nicht
mehr zu gehen vermag. Mein Kopf ist so eingenommen, da ich oft ganz
schwindlig bin. Ich habe fast gar keinen Appetit und bin unfhig, meinem
Berufe nachzukommen. Ich habe in der Frhe guten Kaffee, Nachmittags auch,
manchmal selbst am Abend. Ich trinke Bier und recht guten Wein, den mir der
Arzt besonders empfohlen hat. Dessenungeachtet werde ich jeden Tag
armseliger.

Wo fehlt es hier, und was ist zu thun? Hier ist Blutarmuth vorhanden,
herrhrend von schlechter Nahrung. Der Kaffee hat wenig Stickstoff noch
auch andere Nhrstoffe und geht dehalb unverdaut mit Milch und Brod aus
dem Magen; also hat die arme Frau in ihrem Berufe fr den Krper keine
Nahrung. Am Mittag treibt der Kaffee die Nhrstoffe, soviel er vermag, aus
dem Magen, und die Natur ist dadurch wieder stiefmtterlich behandelt. Bier
gibt wohl Nahrung, aber nur wenig und enthlt keinen Stickstoff, gibt also
weder viel, noch gutes Blut. Der Wein enthlt ebenfalls keine Nhrstoffe.
Und somit ist die arme Frau verkmmert dem Leibe nach und muthlos dem
Geiste nach. Was hilft hier? Allererst mu die schlfrige, geschwchte
Natur geweckt, angeregt und wieder in Thtigkeit gebracht werden. Dieses
geschieht, wenn sie tglich einen Obergu und Schenkelgu nimmt. Wie der
Obergu alle oberen Theile des Krpers krftigt und in grere Thtigkeit
bringt, so leitet der Schenkelgu das Blut in die Fe und krftigt
zugleich die unteren Theile des Krpers. Durch die tgliche Waschung des
ganzen Krpers werden die bezeichneten Einwirkungen mit einander verbunden
und so der ganze Krper gekrftigt und die menschliche Maschine in
Thtigkeit gebracht. Die Kranke mu, nach innen wirkend, tglich des
Morgens und des Abends Kraftsuppe essen, des Mittags eine gesunde krftige
Mittagskost, Bier und Wein meiden, besonders aber den Kaffee.

Nach drei Wochen war diese Kranke krperlich vollstndig gesund. Die
Kraftsuppe konnte sie recht gut essen; auch andere Speisen, die sie sonst
nicht essen konnte, schmeckten ihr gut. Die Kraft hatte auerordentlich
gewonnen, und besonders war die Naturwrme sehr vermehrt und somit Alles
vorhanden, um wieder vollstndig gesund zu werden. Nachdem diese Kranke
drei Tage lang tglich einen Obergu und einen Schenkelgu erhalten hatte,
bekam sie jeden Tag ein Halbbad, einen Rckengu und einen Obergu, und in
kurzer Zeit erfreute sie sich der besten Gesundheit. Fr weiter zu sorgen,
ist noch gut, in der Woche ein bis drei Halbbder zu nehmen, jedes
hchstens eine halbe Minute lang.


3. Die Gicht.

Es ist ein groes Glck, wenn in einer zahlreichen Familie eine ganz
entsprechende Kche vorhanden ist, und wenn eine tchtige Hausfrau, die das
Kochen gut versteht und Alles hat, was fr die Kost erforderlich ist, darin
waltet; wenn, sage ich, eine so geordnete Kche vorhanden ist, geht es
allen Bewohnern des Hauses recht gut. Sie werden alle ohne Ausnahme gut
genhrt und dadurch auch gut erhalten sein, und fr die Krfte und
Gesundheit der Einzelnen ist am allerbesten gesorgt. Wenn aber eine Kche
nicht gut ist, die Kchin das Kochen nicht versteht und auch die
Lebensmittel nicht viel nutz sind, dann wird es den Hausbewohnern nicht
gerade am besten ergehen. Sie wrden weder gut genhrt sein noch die volle
Kraft besitzen, und es wrden viele Klagen entstehen, bei dem Einen ber
dieses, bei dem Anderen ber ein anderes Krperleiden.

Dieses Bild taugt mir ganz gut fr die Gichtleidenden. Allererst trgt bei
diesen Leidenden ganz sicher die Schuld, da der Magen nicht im besten
Zustand ist; es fehlt also an einer guten Kche. Die Kost wird in einem
solchen Magen fr die Natur nicht hinreichend _verarbeitet_, oder man kann
auch sagen: _gekocht_. Es geht, wie wenn die Hausmutter kocht, aber dazu
kein gutes Brennmaterial hat und so ein _Durcheinander_ zusammenbringt, wo
alle Kost nur theilweise aufgelst wird und nicht die reinen Nhrstoffe von
der Natur aufgenommen werden knnen, somit recht viele blutlose oder
schdliche Stoffe in die Natur kommen. Die ist ganz besonders der Fall,
wenn solche Nhrstoffe in den Magen kommen, die schon an und fr sich nicht
zu den besten gehren -- Nhrstoffe, zu denen gerade Gichtleidende Vorliebe
haben. Viele Gewrze verderben den Magen; starke Weine verbessern den Magen
auch nicht. Viel Salz und berhaupt die feinere ppige Kost scheint die
Magenkche zu verderben. Was die Natur braucht, kommt allererst vom Magen
ausgeschieden in's Blut; vom Blute aber wird die ganze Natur genhrt. Wenn
nun das Blut recht viele nichtstaugende, ja sogar ungesunde Stoffe aufnimmt
und mit diesem die Natur genhrt wird, dann darf man sich nicht wundern,
wenn an verschiedenen Stellen des Leibes sich solche Stoffe lagern, die im
Magen nicht genug gekocht wurden, im Krper dehalb liegen blieben und sich
mehr oder weniger an einzelnen Stellen anhufen und verhrten. Die Nahrung
hat somit statt Muskelbildung -- Fleischmasse -- Wulste gebildet, die nach
und nach verhrten. Mir kommt so ein Gichtleidender vor wie eine Wiese, wo
die Maulwrfe auf der Oberflche lauter Maulwurfshgel bilden. Je lnger
solche Anstauungen im Krper sind, um so hrter werden sie, und um so
schwerer werden sie auch geheilt; gewhnlich aber werden dieselben nicht
geheilt. Solche Anstauungen entznden sich von Zeit zu Zeit im Inneren,
gerade wie sich oft an der Oberflche der Haut Geschwre bilden und durch
diese der Krankheitsstoff aus dem menschlichen Krper einen Ausweg findet.
Bei den Gichtanstauungen ist aber eine solche Ausscheidung nicht vorhanden.
Sie entznden sich, bringen groe, oft fast unausstehliche Schmerzen, und
dieser innere Brand verkohlt gleichsam die Anstauungen, gleichwie man aus
Holz Kohle brennt. Hat eine solche Entzndung die Gichtanstauung zersetzt,
dann wird die zersetzte Gichtmasse ausgeschwitzt. Meistens wird jedoch nur
ein Theil der Gichtanstauung ausgeleitet; die groe Masse oder doch ein
Theil derselben bleibt regelmig im Krper stecken, und somit, weil weder
in der Kche noch in der Kost eine nderung getroffen wird, wiederholt sich
das alte Trauerspiel. Zuerst der Genu der nicht entsprechenden Speisen,
durch welche die Anstauungen entstehen, dann die Entzndung und das
Aushalten der Schmerzen oft Wochen und Monate lang, dann die theilweise
Ausschwitzung, und so -- Drama zu Drama. Mir haben drei rzte versichert,
Heilmittel fr die Gicht gebe es nicht, so lehre die Wissenschaft. Ich
jedoch versichere: Wie man die Maulwurfshgel auf einer Wiese beseitigen
kann, so kann man auch die Gicht heilen, d. h. die Gichtknoten auflsen.
Es geht, mitunter sogar leicht, wenn nmlich die Gicht noch nicht zu alt
ist, in den meisten Fllen aber recht schwer. Gichtknoten sind doch keine
Knochen und dehalb noch immer auflsbar. Werden bei diesen groen Leiden
die Schmerzen blo genommen durch Gifte, so werden die Leiden wohl
gemildert, aber Heilung ist nicht mglich. Habe ich eine gute Kche als
Beispiel genommen, so wiederhole ich, da zu einer guten Kche vor allen
Dingen nothwendig ist ein gutes Material, aus denen die Speisen bereitet
werden. Fr den Magen mu gesorgt werden, da er gut verdaue, und fr die
Natur, da sie gehrig transspiriere, die schlechten Stoffe ausscheide. Auf
diese Weise mu die Natur vor Rckfllen beschtzt werden. Zur Heilung ist
aber nothwendig: 1) Aufweichung, Auflsung des Giftstoffes; 2) die
aufgelsten Giftstoffe ausleiten; 3) keine Schlaffheit in der Natur
aufkommen lassen, nmlich dafr sorgen, da die ganze Maschine in voller
Thtigkeit arbeite, um das Nutzlose zu entfernen. Auf diese Grundstze
gesttzt, knnen die Gichtkranken geheilt werden.

Ein Priester ist vor 20 Jahren zwlf Wochen lang an der Gicht mit
unsglichen Schmerzen gelegen; die rzte haben ihn auch sorgfltigst
gewarnt vor Vernssung und frischer Luft. Es frchtet auch keine Klasse von
Kranken das Wasser und dessen Anwendungen mehr als die Gichtleidenden,
theils weil sie sich schon verdorben haben durch irgend eine Vernssung,
sodann aber auch, weil sie viel zu viel gewarnt werden vor diesem einzigen
Heilmittel. Dieser Priester glaubte, es knne ihm nicht schlechter gehen
bei den Wasseranwendungen, und hatte sich entschlossen, ganz entsprechend
seiner Gicht, auch die strksten Anwendungen vorzunehmen. Nach sechs Wochen
war er geheilt, empfindet keine Spur mehr von dieser Krankheit und ist bis
jetzt ganz gesund geblieben. Dieses ist doch gewi ein Beweis von der
Heilbarkeit der Gicht.

Die Auflsung des Giftstoffes mu geschehen: 1) durch Waschungen mit
Wasser; 2) durch Wickel; 3) durch Aufgieungen; 4) durch Bder. Wer das
Wasser in allen diesen Wirkungen wirklich versteht, der heilt auch den
Gichtkranken. Man mu aber nicht vergessen, da ein Krper, in welchem die
Gicht viele Jahre die Herrschaft gefhrt und den armen Menschen Jahre
hindurch geqult hat, in wenigen Tagen geheilt sein kann. Wie die Heilung
vor sich geht, und wie die Anwendungen aufeinander folgen, ist bei
einzelnen Fllen dargestellt. Ich behaupte also: Gibt es nach dem Urtheile
der rzte kein Heilmittel fr die Gicht, so ist und bleibt das Wasser ein
Heilmittel fr dieselbe. Wer Ohren hat zu hren, der hre!


4. Etwas ber die Kraftsuppe.

Ich bin der berzeugung: wenn die Kraftsuppe erkannt und bentzt wird, kann
man eine Anzahl unglcklicher Menschen beglcken. Gerade die Kraftsuppe ist
nicht blo wegen ihrer auerordentlich guten Nhrstoffe zu empfehlen,
sondern auch weil sie sehr wohlfeil und leicht zu bereiten ist.

Ein Herr von Stand, der diese Kraftsuppe kennen gelernt hatte, kaufte bei
einem Bauern zwei groe schwarze Laibe Brod. (Das schwarze Brod ist
bekanntlich nur von Roggenmehl bereitet und wird fr die Landleute genau
eingemahlen, so da nur wenig Kleie zurckbleibt und mithin aller Nhrstoff
des Roggens ausgenutzt wird.) Diese zwei Laibe Brod lie der Herr in kleine
Schnittchen schneiden und auf eine blecherne Platte bringen, welche auf den
heien Herd gestellt wurde, um das Brod soviel als mglich auszutrocknen.
So recht hart getrocknet wurde es, in einem Mrser zerstoen, zu einem
groben Pulver. Wollte er eine Kraftsuppe, so rhrte er zwei bis drei Lffel
voll von diesem Brodpulver in siedende Fleischbrhe, that ganz wenig oder
gar kein Gewrz, eben so nur wenig Salz daran. In zwei Minuten war die
Suppe fertig. Sie schmeckt vorzglich, gibt sehr gute Nahrung und bewirkt
keine oder doch nicht viel Gase. -- Statt Fleischbrhe hat der Herr fters
Milch genommen und, wenn diese im Sieden war, das Brodmehl eingerhrt. Nach
zwei Minuten war auch diese Suppe fertig. Diese hat noch einen groen
Vorzug vor der mit Fleischbrhe bereiteten, weil ja die Milch die meisten
Nhrstoffe hat.

Hatte der Herr gerade keine Milch und keine Fleischbrhe, so lie er Wasser
sieden und ins siedende Wasser dieses Brodmehl einrhren. Es kamen dann
etwas Gewrze und Rindschmalz dazu, und auch diese Suppe verdient den Namen
Kraftsuppe.

Eines Tages, in der Kirchweihwoche, kommt dieser Herr in ein Haus, wo die
Buerin Brod aus Spelz gebacken hatte, der dem Waizen hnlich ist. (Auch
dieses Getreide wird bei den Landleuten mglichst genau eingemahlen.) Er
kaufte sich zwei solcher Brode und verfuhr wie beim schwarzen Brod. Er
mischte dann das gewonnene Brodmehl mit dem frher genannten durcheinander
und lie sich von dieser Mischung die Kraftsuppe machen, wie vorhin
beschrieben ist. So bekam er sechserlei verschiedene Suppen, die auch
selbst in ihrer Kraft verschieden sind. Der Wechsel mit denselben ist sehr
gut, damit die Suppe nicht so leicht widersteht.

Diese Kraftsuppe ist ganz vorzglich fr recht _schwache Kinder_, weil sie
leicht verdaulich und recht nahrhaft ist und keine Gase bewirkt. Sie ist
auch der schwachen _heranwachsenden Jugend_ zu empfehlen, um die Blutarmuth
zu heben, durch welche der Krper sehr leidet.

Diese Kraftsuppe ist ferner gut _fr die Kranken_, weil sie der
heruntergekommenen Natur viel Nhrstoff bringt. Endlich ist sie besonders
dem _hohen Alter_ zu empfehlen. Wenn die Zhne fehlen, um die festen
Speisen gut zerkauen zu knnen, so soll man sich an diese Suppe halten. Es
sollte keine Familie geben, wo die Kraftsuppe nicht eingefhrt ist. Ich
habe sie einst einem hohen Beamten gerathen, der mir spter versicherte, er
kenne keine gesndere und nahrhaftere Suppe.


5. Von der Wirkung des Wassers.

1. Waschungen.

Wenn der Frhling kommt, der Tag lnger wird, die Sonnenstrahlen wirksamer
werden und die ganze Atmosphre dadurch erwrmt wird, bringen die
Hausfrauen ihre den Winter hindurch verfertigte rohe Leinwand in die
Bleiche oder spannen dieselbe in ihren Grten aus, um allen Rohstoff aus
der Leinwand zu bringen und eine weie Leinwand zu bekommen. Diese
ausgespannte rohe Leinwand wird tglich drei- bis fnfmal mit Wasser
durchnt; dieses Wasser lst die Rohstoffe in der Leinwand auf, und Licht
und Sonnenwrme oder berhaupt jede warme Temperatur zieht das aufgegossene
und von der Leinwand aufgenommene Wasser aus, und weil das Wasser Rohstoffe
auflst, werden diese auch mit dem Wasser ausgeleitet. Wenn man so einige
Zeit diese Leinwand fleiig nt, verschwindet recht sichtbar Tag fr Tag
die graue Farbe, und die weie Farbe tritt immer krftiger hervor, bis
endlich die Leinwand vollstndig wei gebleicht ist.

Wenn Jemand stirbt, werden gewhnlich Bettzeug und Kleider allererst
gewaschen und dann auf die Bleiche gebracht. Man ist der berzeugung, da
durch das Begieen und die Sonnenwrme jeder Schmutz und jeder
eingedrungene Krankheitsstoff am allersichersten und einfachsten aufgelst
und ausgeleitet wird. Ganz besonders hlt man viel darauf, da Krankheiten,
die erblich sind, nur auf diese Weise ausgeleitet werden und solche Wsche
dann erst wieder verwendbar sei, ohne Gefahr zu laufen, von einer Krankheit
angesteckt zu werden. Dasselbe Verfahren wird ja auch gebt Tag fr Tag in
der Wsche.

Das Gesagte ist ein getreues Bild von der Wirkung des Wassers. Wenn ein
Krper gewaschen und ordentlich bedeckt wird, wenn das Wasser durch die
Poren eingedrungen ist und, so weit es eingedrungen, auch rohe,
unbrauchbare, ausgentzte Stoffe auflst und durch die entwickelte hhere
Wrme ausleitet, so kann ein Kranker durch fteres Waschen und durch
wiederholte Vermehrung der Wrme immer tiefer in die Natur einwirken,
auflsen und ausleiten, und es geht der Natur wie der rohen Leinwand: sie
wird immer freier von krankhaften Stoffen und dadurch auch gesnder, und
man kann sagen: wie die rauheste und roheste Leinwand nach und nach ganz
rein gewaschen werden kann durch Begieung und Sonnenwrme, so kann auch
die grte Krankheit durch Waschen, verbunden mit erforderlicher Wrme,
ausgeheilt werden.

Diese einfache Anwendung des Wassers durch Waschungen pat am allerbesten
fr die _Kinder_. Welches Kind kann nicht gewaschen werden? Wie wird durch
das Waschen mit kaltem Wasser das Kind in eine hhere Wrme gebracht und
durch diese auch die schdlichen oder ausgentzten Stoffe ausgeleitet! Die
Hausfrauen nehmen zu ihrer Bleiche nur kaltes Wasser; es ist wirksamer, und
so wirkt auch das kalte Wasser mehr in der Natur des Menschen als das
warme; es ist dehalb recht zu empfehlen, da die Hausmtter bei ihren
Kindern, wenn sie gesund und krftig sein sollen, recht frh anfangen, mit
kaltem Wasser die Kinder abzuwaschen, aber nicht abreiben und am Schlu
nicht abtrocknen, weil das Nicht-Abtrocknen viel mehr Wrme entwickelt und
dehalb auch eine krftigere Ausleitung erreicht wird, gerade wie die
Hausfrau beim Bleichen ihre Leinwand auch ohne auszuwinden der Wrme
aussetzt, damit durch das langsame Ausstrmen mglichst viel Rohstoff
ausgeleitet wird.

Wie fr die Kinder, so pat das Waschen fr _schwache Leute_, die wenig
Naturwrme haben, dehalb vor einem kalten Bad zurckschaudern und selbes
nicht leicht aushalten wrden. Eine Waschung am ganzen Krper kann Jeder
gerade so leicht ertragen, wie er es ertrgt, da er sein Gesicht tglich
mit kaltem Wasser wscht und davon weder krank wird noch stirbt. Durch
diese einfache Waschung, beharrlich fortgesetzt, knnen die grten
Krankheiten ausgewaschen werden, gerade wie die feinste Leinwand durch
Wasser und Sonnenwrme gebleicht wird. Wie oft fehlt schwchlichen Leuten
die volle Naturwrme, der Kopf ist hei, die Fe sind eiskalt. Wird der
ganze Krper schnell gewaschen, ordentlich, aber nicht zu stark zugedeckt,
so bringt die ganz rasch eine recht angenehme, ber den ganzen Krper sich
verbreitende Wrme, aber wohlgemerkt nur, wenn der gewaschene Krper nicht
abgetrocknet wird. Das Wasser auf dem Krper entwickelt einen angenehmen,
warmen Dunst, der gerade alles Krankhafte aus dem Krper herauslockt und
eine gleichmige Wrme ber den ganzen Krper verbreitet. Wird der Krper
abgetrocknet und abgerieben, so wird diese Wrme nicht eintreten, somit
auch nicht die gute Wirkung.

Wie fr schwache Leute in jedem Alter die Waschungen taugen zur Vermehrung
der Naturwrme und zur Reinigung der Natur von krankhaften Stoffen, so ist
selbst _fr das hohe und hchste Alter_ eine Waschung mit kaltem Wasser von
einer hchst gnstigen Wirkung. Gerade den Alten fehlt gewhnlich die
Naturwrme; diese wird durch die Kalt-Waschung vermehrt. Es fehlt auch
gewhnlich den Hochbetagten die Transspiration, weil im hohen Alter keine
erhhte Thtigkeit mehr vorhanden ist. Durch Waschen aber wird die Wrme
vermehrt, so auch die Transspiration erhht und dehalb die getrocknete
Haut bei geringster Thtigkeit wieder angeregt. Dem hohen Alter fehlt
gewhnlich eine geregelte Blutcirculation; das Wasser aber befrdert auch
diese und leitet das Blut nach allen Richtungen hin. Wenn Marasmus,
Altersschwche gewhnlich an den Extremitten zunchst fhlbar wird, weil
dorthin kein Blut mehr kommt und der Tod dort am allerehesten Eingang
findet, so wird durch das Waschen mit kaltem Wasser das Blut fortwhrend in
die uersten Theile geleitet und dadurch auch das Lebensalter mglichst
ausgedehnt.

Es ist also das Waschen mit kaltem Wasser ein Mittel fr die _Kinder_, um
sie gesund und frisch zu erhalten oder gesund und frisch zu machen; es ist
ein sicheres Hilfsmittel fr alle _Schwchlinge_, die grere Anwendungen
nicht ertragen knnen, sowie fr alle _Schwerkranken_; denn wie jedem
Kranken Gesicht und Hnde gewaschen werden knnen, so kann dem
Schwerkranken -- freilich rasch und mit aller Vorsicht, nur zu seinem
Nutzen der ganze Krper gewaschen werden, und zwar mit denselben Wirkungen,
wie oben bezeichnet, wovon keine schdlich sein kann; es geschehe aber ohne
Reibungen und ohne Abtrocknung.

Gerade so ist es auch von groem Werthe fr das _hchste Alter_. Das
Schicksal der Hochbetagten wre durch die Waschungen sicher stets ein
ertrglicheres, und alle Lebensmhseligkeiten wren leichter hinzunehmen.
Die Waschungen wirken nicht auf den Krper allein, sondern ganz besonders
auf den Geist. Ist der Krper die Htte des Geistes, so darf man doch auch
annehmen, da es dem Geiste viel leichter und wohler ist, wenn seine Htte
fleiig gereinigt, krankhafte Stoffe ferngehalten oder ausgeleitet werden.
Vergleiche man ein recht armseliges, durch Kost und Kleidung
verweichlichtes Kind mit einem durch Waschungen abgehrteten Kinde, das
frisch aussieht, hpfend springt und den herrlichsten Appetit fr jede Kost
entwickelt. Wie bei dem Kinde, so ist es in jedem Alter.

Viele hundert und tausend Gemthsleiden, Niedergeschlagenheit,
Gedrcktheit, halbe Verzweiflung, Muthlosigkeit, Verstimmung wrden nicht
stattfinden, wenn man durch das frische Wasser die Htte des Geistes
fleiig subern wrde. Scheue und frchte niemand die Waschungen mit kaltem
Wasser, suche im Gegentheil Jeder bei diesem einfachen Mittel seine Hilfe.

Man glaube ja nicht, da man alle Tage sich fter waschen oder immer am
Brunnen und bei der Badewanne sein msse, wie der Lump bei seinem Bierkruge
oder Weinglas; es reicht ja aus, wenn man den Krper ein- bis dreimal in
der Woche wscht, was lngstens in einer Minute geschehen ist, und selbst
wie man in der Frhe Gesicht und Hnde wscht, so kann man ja auch in einer
halben Minute den ganzen Krper waschen, und man erreicht schon dadurch
Vieles, oft auch Alles. Die Waschungen der Kranken werden bestimmt bei den
Krankheitsfllen. Es hat somit das Waschen des Krpers in allen Beziehungen
das Dreifache meines Systems: kranke Stoffe auflsen, die aufgelsten
ausleiten und die Natur strken.


2. Wickelungen.

Wenn die Hausmtter ihre rohe Leinwand bleichen, wie oben gesagt wurde, so
machen sie von Zeit zu Zeit eine Lauge. Es wird siedendes Wasser ber Asche
gegossen, und weil das siedende Wasser zersetzt, gibt es eine tzende
Lauge. Man legt die Tcher mehrere Stunden in diese Lauge, damit dadurch
die rohesten Stoffe, die das Wasser nicht leicht oder nur langsam
aufzulsen vermag, rascher aufgelst werden. Nachher kommt die Leinwand
wieder an die Sonnenwrme, damit das durch die Lauge Aufgelste nicht blo
ausgewaschen, sondern durch die Wrme ausgeleitet wird. Die Hausfrauen
machen es ja bei der Wsche auch so. Die eine macht sich eine Lauge aus
Asche, eine andere nimmt Soda oder andere scharfe Mittel, und dadurch
erreichen sie schnell, was durch das Wasser nur recht hart und langsam
gehen wrde, vielleicht auch gar nicht. Dieses Verfahren ist wieder ein
Bild fr den Hydropathen. Denken wir uns recht in einen kranken Krper
hinein. Er hat ganz kalte Fe, also fast kein Blut darin, aber einen ganz
heien Kopf, also zu viel Blut, oder er hat einen Druck auf das Herz, weil
dorthin alles Blut strmt; somit ist das Blut nicht richtig vertheilt; es
sind Anstauungen vorhanden. Es knnen aber kleine oder grere
Blutanstauungen an allen Theilen des Krpers sein; es kann beim Blutlauf
gehen, wie wenn ein Bchlein durch's Thal luft. Da kommen die Kinder hin
und hufen Steine im Bchlein auf; dann gibt es einen kleinen Weiher, eine
Anstauung, und das Wasser ist dadurch in seinem Laufe gestrt, sucht rechts
und links einen Ausweg; das Bchlein fliet nur mehr sprlich, zeitweilig
gar nicht. Das Wasser aber hat sich Nebenauswege gesucht, hlt sich dort
auf und findet sogar eine bleibende Niederlage. Geradeso geht es beim
Blutlauf; es kann das Blut in vielen Theilen des Krpers einen Ausweg
gefunden haben, kann im Kopf sich anstauen oder auf dem Rcken, mit einem
Worte, es kann berall eine Anstauung stattfinden, und dehalb knnen die
Strungen des Blutlaufes vielfach vorhanden sein. Das Blut, das Nebenwege
gefunden hat, wird theilweise ausgeschwitzt, theilweise wird es eine
festere Masse, wie man es ja auch beim Fleisch, das wir essen, oft sehen
kann, da Blutanstauungen in den Muskeln eine grnliche, feste Masse
bilden. Es knnen sich einzelne Muskeln auerordentlich erweitern und wie
Geschwlste sich anhufen. Nehmen wir z. B. einen dicken Hals oder Kropf;
solche Anhufungen im Kleinen oder Greren kann es viele am ganzen Krper
geben. Durch diese Anstauungen wird natrlich der Blutlauf gewaltig
beeintrchtiget und gestrt. Wie oft berfllt einen ganz gesunden Menschen
ein Schlaganfall! Es kann irgendwo eine Blutstrung sein, so da das Blut
seinen Weg nicht gehen kann; es dringt dann gewaltsam dem Kopfe zu, und in
dem Augenblick ist der Schlaganfall da. Wie das Blut dem Kopfe zudringen
kann, so kann es auch dem Herzen zueilen, und der Herzschlag ist
eingetreten. Wer will eine Medizin bestimmen, die solche Strungen,
Anstauungen, Geschwlste auflst und durch die Auflsung dem Blut wieder
den rechten Weg zeigt? Der eine Arzt spornt die Herzthtigkeit stark an,
der andere dagegen bannt sie durch irgend ein Mittel. Dadurch aber sind die
Blutstrungen nicht gehoben, sondern, wie ich glaube, eher noch
untersttzt, weil gerade der Blutlauf dadurch schwcher geht oder der Trieb
auf die Stauungen noch strker wird. Frher hat man Blut herausgelassen,
damit der arme Kranke mit weniger Blut auch zurecht kme auf kurze Fristen.
Jetzt nennt man ein solches Verfahren die grte Thorheit, frher hingegen
war es hohe Wissenschaft. Ich kannte eine schwchliche Person; dieser wurde
vierhundertmal zu Ader gelassen, weil sie blutarm war, bis endlich das Blut
zu Wasser geworden und dem Elend ein Ende gemacht war. Um Blutanstauungen
und andere Anstauungen zu heben und dem Blute wieder den rechten Weg zu
bahnen, hat der Hydropath gnstige Mittel, wovon ein hauptschliches der
_Wickel_ ist. Die Wickel knnen eingeteilt werden in Kopfwickel,
Halswickel, kurze Wickel, ganze Wickel, Fuwickel u. s. w. Diese Wickel
werden angewendet, wo irgendwo eine Anstauung sich bildet. Wenn ein Kind
von einer Biene gestochen wird und die Stelle stark anschwillt, so nimmt es
ein Tchlein, taucht's ins Wasser ein, umbindet es und wiederholt die
fters. Das Kind hat Verstndni genug, um einzusehen, da die wiederholte
Einwickelung die Geschwulst wegnimmt. Wenn eine solche Wirkung beim
Handwickel sichtbar ist und auch angewendet wird, warum sollen nicht Wickel
auf den ganzen Krper oder auf einzelne Theile, wo Anstauungen sind,
angewendet werden zur Auflsung, zur Ausleitung und zur Wiederherstellung
des normalen Zustandes. Ein Arzt, der einige geheilte Gichtkranke gesehen
und gesprochen, sagte: Nun haben wir auch ein Mittel; bisher hatten wir
keines, mit dem man die Gicht wirklich heilen kann. Nimmt die Hausfrau zum
Bleichen ihrer Leinwand von Zeit zu Zeit eine Lauge, und nimmt man beim
Waschen Soda, so kann man auch bei den Wickeln zu dem Wasser auflsenden
Stoff mischen. Ein Absud von Haferstroh lst ganz vorzglich den Gichtstoff
auf; die Heublumen geben auch eine Lauge, die bei manchen Leuten das
Haferstroh-Wasser bertrifft. Wie Gichtanstauungen aufgelst werden, so
knnen auch Blutstauungen und andere Anstauungen gehoben werden, und wer
Kenntni von den Anstauungen hat, der wendet den Wickel auch an den
einzelnen Theilen, wo sie vorhanden sind, an und plagt nicht den ganzen
Krper. Wenn einer einen gewaltigen Bauch herumtrgt und hat in diesem
allerlei Anstauungen, so wre es gewi eine Thorheit, die Fe
einzuwickeln, weil fast kein Blut mehr heruntergekommen ist. Ich behaupte:
Wer gesund machen will, der soll die hchste Aufmerksamkeit dem Blutlaufe
zuwenden. Kommt er mit diesem zurecht, dann wird er auch den ganzen Krper
zurecht bringen, wenn berhaupt gesundes Blut vorhanden ist. Wie diese
Wickel angewendet werden, ist bei den Krankheiten hinlnglich
auseinandergesetzt.


3. Gsse.

Wenn ein Bedienter seinem Herrn die Kleider reinigt, so nimmt er nicht
Wasser zum Waschen, sondern ein Meerrohr, und erst dann eine Brste. Er
klopft mit dem Meerrohr die Kleider fest aus, damit aller tief
eingedrungene Staub und Schmutz losgeklopft wird und so nach und nach auf
die Oberflche kommt; erst dann nimmt er eine weiche Brste und brstet
noch auf der Oberflche ab, was nicht durch die Luft davongegangen ist.
Wenn also sich Staub oder Schmutz gar zu tief eingenistet hat und gleichsam
zu einer Staubkruste geworden ist, so wird auf obige Weise jede
Staubanstauung zerstrt. Auf diese Weise wird der Rock rein gemacht, und
bei aller Klopferei wird doch der Rock am schonendsten behandelt. Wie er
den Rock behandelt, so macht er es auch den Beinkleidern und anderen
Wollkleidern.

Dieses einfache praktische Bild zeigt uns das Verfahren bei der
Wasserheilkunde. Wenn man die Anstauungen, die unzhlig sein knnen,
kleinere, mittlere und grere, die in einem Krper herrschen, sehen
knnte, so wrde man staunen ob der vielen Gebrechen und sich fragen: Wie
kann ich wohl alle beseitigen? Den Einen hat ein Schlag getroffen, eine
Blutstauung ist schuldig; er kann auch nicht gesund werden, weil die
Blutstauungen noch vorhanden sind. Ein Anderer hat einen halb lahmen Fu;
derselbe ist viel dnner, ist nicht gehrig genhrt, dehalb verkmmert; es
ist eine Blutstauung im Leibe, die keine Medizin aufzulsen vermag. Ein
Dritter hat ein frchterliches Kopfweh; es ist im Kopfe eine Blutstauung;
wieder ein Anderer hat den Hexenschu; es ist ihm eine Masse Blut
eingedrungen. So und hnlich klagen Unzhlige. Fr solche Zustnde hat
gewhnlich die Medizin keine Hilfsmittel; meine Wasserheilkunde hat hiefr
einen groen Vorrath, schwchere und strkere, fr Kinder und Erwachsene,
auch die Hochbetagten nicht ausgenommen, hnlich dem Kleiderputzer, der
auch zwei oder drei strkere und schwchere Rohre hat. Es ist ganz
unglaublich, was die Gsse mit Wasser vermgen. So sieht man fters
Beispiele von Heilungen, die Manchem fast unglaublich scheinen, weil fr
solche Leiden sonst keine Mittel vorhanden sind. Ein Mdchen war daran,
sich aus der Nase todt zu bluten, so heftig drang das Blut dem Kopfe und
der Nase zu; eine Gartengiekanne voll Wasser auf Nacken und Kopf machte
der Blutung augenblicklich ein Ende.

Die verschiedenen Gieungen knnen eingetheilt werden in: Halsgieungen,
Obergsse, weil sie den oberen Theil des Krpers betreffen, in Armgieungen
(wenn z. B. eine Blutanstauung sich am Arme gebildet hat, die durch andere
Mittel nicht entfernt werden kann, so treiben eine oder zwei Kannen Wasser,
fter wiederholt, solche Anstauungen weg) und Rckengu, der den ganzen
Rcken erfat und auf alle Anstauungen einwirkt, sie mgen von Blut oder
Sften herkommen. Wenn der Blutlauf zu schlaff und unthtig ist, ist der
Rckengu einer Geiel gleich, die das faule Pferd treibt. Wie leicht
knnen Anstauungen des Blutes, wie im Rcken der Hexenschu, im Schenkel
vorkommen? Wer will das eingedrungene Blut, das stille steht, nicht
vorwrts und rckwrts kann, weil zu schlaff, in Bewegung bringen? Beim
Rckengu heit es, das Blut gehe seine Wege, damit es in allen Adern an
Ort und Stelle komme und das ausgentzte Blut nicht an verschiedenen
Stellen herumlungere, sondern wieder zum Herzen zurckkomme. Wie viel haben
endlich die Fe zu leiden durch Klte, durch Wrme, durch Tragen, durch
Gehen? Es ist kein Wunder, wenn verschiedene Stauungen von Blut und
dergleichen vorkommen; die Schenkel- und Kniegsse bewirken hier, was der
Rckengu auf dem Rcken erreicht. Es schwellen Jemandem die Knie auf; sie
werden ganz entzndet, die Schmerzen sind gro. Wer will leugnen, da sich
da viel Blut angelagert habe und der Blutlauf oft die einzige Ursache ist!
Der Kniegu klopft und klopft wiederholt und abermal, bis auch diese
Stauung gehoben ist. So knnen oft die grten Geschwlste mit den
empfindlichsten Schmerzen einfach durch Gieungen gehoben werden, wenn man
es versteht, kunstfertig die Gsse anzuwenden, wie der Bediente den Rock
auszuklopfen wei. -- Christian hat nach Aussage der rzte Lungenemphysem,
herrhrend von einer vorausgegangenen Lungenentzndung. Hier ist doch klar,
da bei der Heilung viel Schleim zurckgeblieben ist, der noch an den
inneren Organen angeklebt hngt und nicht weiter gebracht werden kann.
Sechs Obergsse und Brustgsse haben Alles losgemacht; eine Masse Schleim
hat sich gelst, und der Kranke athmet jetzt ganz gesund. Freilich knnte
Mancher sagen, man lt ber den Krper eine Douche, einen Regenstrom. Ich
aber verwerfe Dieses, weil solch ein Regen der Natur zu viel Wrme entzieht
und auch die schuldlosesten Theile mihandelt. Es kommt mir vor, wie wenn
der Kleiderputzer einen groen Ruthenstrauch nimmt und auf die Kleider, die
er zu putzen hat, insgesammt einhaut. Wer das Gieen versteht, ist ein
Knstler in der Heilkunde. Wer es nicht glaubt oder verachtet, der geht in
seiner Verlegenheit von dannen und wei dem Kranken nicht zu helfen. Die
Verschiedenheit der Gsse und ihre Anwendungen sind in einzelnen Beispielen
auseinandergesetzt.


4. Bder.

Wie es verschiedene Arten zu gieen gibt, durch die man auf einzelne
Theile, wie auf den ganzen Krper einwirkt, so gibt es auch verschiedene
Bder, die wieder auf einzelne kranke Stellen, wie auch auf den ganzen Leib
wirken. Wie hufig nehmen die Leute beim Kopfweh ein warmes Fubad mit
Asche und Salz, leiten das Blut aus dem Kopfe abwrts und entfernen auf
diese Weise ihren Kopfschmerz. Wie es Fubder gibt, so knnen auch Knie-
und Schenkelbder, Halbbder und ganze Bder genommen werden, warme und
kalte. Die Wirkung geht dann wieder auf einzelne Theile des Krpers oder
auf den ganzen Krper, je nachdem es der Zustand erfordert. Die warmen
Bder werden nur gewhlt, wo die Wrme fehlt und dehalb die Natur
untersttzt wird, oder wenn bei Verhrtungen wie Gicht und hnlichen
Leiden krftige Auflsungen eintreten mssen, da man mit strkeren kalten
Anwendungen weiter einwirken kann, was wiederum in den einzelnen Beispielen
hinreichend auseinandergesetzt ist. Es sind da verschiedene Gattungen von
Bdern bezeichnet: Fubder, Kniebder, Schenkelbder, Ganzbder,
Handbder, Augenbder u. s. w. Die genauere Anleitung bei der Anwendung
geben wiederum die einzelnen Flle.

[Illustration: FINIS]




Nachwort.


In dem Buche Meine Wasserkur habe ich die Bemerkung gemacht, ich werde
seinerzeit ein eigenes Bchlein schreiben ber Erziehung. Seitdem sich die
Wasserkur allgemein verbreitet hat, habe ich eine groe Anzahl Briefe
bekommen mit der Anfrage, wann denn dieses neue Buch endlich erscheinen
werde. Mit dem besten Willen fand ich nicht Zeit dazu, wollte aber doch
mein Versprechen halten. Ich habe mich dehalb stundenweise eingesperrt, um
doch einige Zeit dem Bchlein schenken zu knnen. Nun ist es fertig und
soll, gleich der Wasserkur, hinausgehen in die Welt. Schon weil mir die
Zeit fehlte, konnte ich das Buch nicht bearbeiten, wie man es vielleicht
erwartete. Ich wollte auch kein wissenschaftliches Werk schreiben und mache
nicht im Geringsten Anspruch auf Wissenschaft und Gelehrsamkeit; im
Gegentheil, ich mchte, wie ein einfacher Landpfarrer seinem Volke eine
praktische Predigt hlt, die allgemein verstndlich und ntzlich ist, so
auch in diesem Buche in der einfachsten, populrsten Weise zu den Leuten
reden. Und was ich mein Leben hindurch mittels Beobachtung und Erfahrung
gewonnen habe, das mchte ich allen Lesern dieses Buches zuwenden, indem
ich ihnen zurufe: So sollt ihr leben!

Wie eine Predigt, wenn sie scharfe Wahrheiten enthlt, gar oft unlieb
aufgenommen wird, so mag auch, was ich in diesem Buche aufgestellt habe,
von mancher Seite nicht die beste Aufnahme finden. Doch das verschlgt
nichts; denn wie in einer Predigt selten alle Zuhrer die offene Wahrheit
ertragen, so geht es auch mit den praktischen Lebenswahrheiten. Am
allerbesten ist's, man mache den Versuch, und es wird sich schon
herausstellen, wer Recht oder Unrecht hat.

In meiner Wasserkur, welche seitdem allseitig die Runde gemacht, habe ich
bereits den Wunsch ausgesprochen, es mchten sich Fachmnner um die
Wasserkur annehmen, damit ich von dieser Last befreit werde, da ich doch in
der Seelsorge Arbeit genug habe. Wenn man es auch nicht glauben will, so
ist es doch wahr, da ich fr das medizinische Fach weder Studium gemacht
noch auch mich leidenschaftlich in dasselbe vertieft habe. Wie die Noth
mich selbst zum Wasser gefhrt, so hat mich das Mitleid mit den Kranken,
Leidenden und allseitig Verlassenen dabei bleiben lassen; ich kann jedoch
nichts sehnlicher wnschen, als da man mir diese Last abnehme. Ein Arzt,
den ich empfohlen, hat bereits im Jordanbad mit dieser Heilmethode
begonnen; er fhlt sich recht zufrieden damit, und die leidende Menschheit
ist froh, wenn sie auf diese einfache Weise geheilt wird. -- Ein zweiter
Arzt, der in Wrishofen den Betrieb der Wasserkur kennen gelernt und sechs
Wochen hindurch eingebt hat, that die uerung: Es ist wider alles
Erwarten, wie das Wasser in dieser einfachen Weise wirkt. Derselbe hat
bereits eine kleine Heilanstalt gegrndet, und die Kurgste befinden sich
recht wohl bei diesen Wasseranwendungen. -- Ein dritter Arzt, Herr
Sanittsrath Dr. Bilfinger, war auch hier, hat mit groer Aufmerksamkeit
die ganze Sache durchschaut, innerhalb mehrerer Tage die ganze Methode
liebgewonnen und fngt nun bereits an, in dieser Weise den leidenden
Menschen behilflich zu sein. Auf die Frage, wie ihm diese Methode gefalle,
gab er zur Antwort: Mich berzeugen die Geheilten von Stuttgart, die krank
fortgingen und geheilt zurckkehrten. Diese waren auch die Veranlassung fr
mich, der Wasserheilmethode nher zu treten, und jetzt bin ich hchst
berrascht ber die Einfachheit und Wirksamkeit der Anwendungen. Ich werde
das Mglichste thun, dieser Methode Geltung zu verschaffen. -- Herr Dr.
Bernhuber, der Badearzt in Wrishofen war, ist nach Rosenheim gezogen.
Dieser besonders durch Operationen berhmte Arzt hat es fters
ausgesprochen: Wenn die Beispiele von Geheilten nicht vorlgen, knnte ich
es nicht glauben, da das Wasser solche Wirkungen hervorzubringen im Stande
wre. Gerade fr Rosenheim wollte man einen Arzt, der nach dieser Methode
kurierte, und hat fr den kommenden Arzt diese Bedingungen gestellt. -- Wie
die Genannten, so hat auch in Neu-Ulm der praktische Arzt Dr. Klotz durch
mehr als sechs Wochen diese Methode kennen gelernt und eingebt und am
Schlusse gesagt: Mich freut jetzt die Medizin auf's Neue, weil ich gelernt
habe, Krankheiten zu heilen, an deren Heilung man sonst verzweifelte. Auch
dieser Arzt hat bereits mit der Wasserkur begonnen und bei einem krzlich
mir gemachten Besuche sich ausgesprochen, es gehe ihm recht gut, und er
habe auf diese Weise schon Mehrere geheilt, die er sonst nicht htte heilen
knnen. -- So hat auch der praktische Arzt Herr Dr. Schlichte, derzeit in
Biberach, diese Methode mit regem Interesse kennen gelernt und eingebt.
-- Auch in Prag (in Bhmen) ist Professor Jezek bereit, Hilfesuchenden nach
dieser Heilmethode Rath und Anweisung zu ertheilen.

Es gereicht mir zu groer Freude, da diese edlen Mnner so eifrig das
aufsuchten, was sie zum Nutzen der Menschheit fr dienlich erachteten, und
ich htte nur _einen_ Wunsch, es mchten mehrere junge Fachmnner sich
vorerst genau mit dieser Methode befassen, bis sie zur berzeugung
gelangen, da das Wasser, in dieser einfachen Weise angewendet, ein
vorzgliches Heilmittel ist. Ich will ja nicht als der Entdecker der
Thatsache gelten, da das Wasser ein Heilmittel ist; _ich suchte nur den
Wasserstrom in der gelindesten Weise fr die menschliche Natur zu
verwenden_. Ich besitze mehrere Briefe, in denen ich von den Schreibern
derselben angegangen wurde, doch dahin zu wirken, da fr ihre Stadt und
Gegend ein Arzt komme, der meine Methode gut gelernt und eingebt habe. Es
thut mir wirklich wehe, da ich solchen gutmeinenden Leuten nicht grndlich
unterrichtete rzte schicken kann.

Sollte irgend ein junger Arzt, der noch nicht eine gesicherte Stellung hat,
die er ungern verliee, diese Zeilen lesen, so mchte ich ihm zurufen:
Lernen Sie dieses einfache Verfahren! Sie werden der Menschheit ntzen und
sich auch eine ergiebige Erwerbsquelle verschaffen. Ich kann Jeden hoch
und theuer versichern: Ich will mich gar nicht durch mein Werk gro machen,
will mich auch durchaus nicht ber einen Fachmann stellen; im Gegentheil,
ich habe vor jedem Stande, der recht verwaltet wird, eine hohe Achtung.
Aber das ist und bleibt wahr, da Keiner _auslernt_. Tag fr Tag durch's
ganze Leben mssen wir in die Schule der Erfahrung gehen, und selbst am
Sterbetage wird man noch nicht ausgelernt haben.

Freilich heit es: Man stirbt auch bei der Wasserkur; man hat Diesen oder
Jenen nicht mehr retten knnen; oder: Es ist mit der Wasserkur gar noch
schlimmer geworden. Darauf antworte ich kurz: Fr den Tod ist kein Kraut
gewachsen; sterben mu Jeder. Sodann kommen, wie ich mich hundertmal
berzeugte, zur Kur oft Solche, die keine Hilfe mehr gefunden haben und von
allen rzten schon aufgegeben waren. Oder es kamen Solche, auf die der Tod
schon seine Hand gelegt, und die das unruhige Verlangen fortgefhrt, gesund
zu werden. So kam zu mir ein Kranker von weiter Ferne; er war, von der
Reise ganz erschpft, gar nicht mehr im Stande, seine Krankheit zu
erzhlen. Er mute eilig in's Bett, hatte hochgradige Lungensucht. Von
Wasseranwendungen war keine Rede. Nach neun Tagen starb er, und da hie es
bei Manchen: Die Wasserkur hat ihn umgebracht. Ein Herr aus weiter Ferne
kam in Begleitung, weil er nicht allein reisen konnte, mit einem solchen
Herzleiden, da er trotz aller Mhe nicht eine Treppe besteigen konnte.
Zwei einzige Male hat er sich blo im Zimmer gewaschen, und whrend er in
der grten Heiterkeit und Frhlichkeit im Garten verweilte, sank er um,
vom Herzschlag getroffen, und starb. Natrlich mute das unschuldige
Wasser seinen Tod verschuldet haben. Doch wer denken gelernt hat, setzt
sich ber Derartiges hinweg. Allerdings kann bei dem Einen oder Andern die
Wasserkur Nachtheile gebracht haben und bringt sie auch; aber sicher nur
dann, _wenn nicht in der rechten Weise die Anwendungen gewhlt oder
vorgenommen werden_. Einer von den oben genannten rzten sagte: Die
Anwendungen sind so delikat und wirksam, da die Auswahl nicht leicht ist,
wenn man nicht eingehend die ganze Wirksamkeit des Wassers kennen gelernt
und dessen Anwendungen eingebt hat. Und dehalb habe ich in vorliegendem
Buche nicht blo die Krankheitsflle mit den betreffenden Anwendungen
bezeichnet, sondern auch jedesmal dazu bemerkt, was die einzelnen
Anwendungen wirken, damit nicht die geringste Unklarheit betreffs der
verschiedenen Anwendungen brig bleibe, und warne ich nochmals eindringlich
vor jeder bertreibung, Unvorsichtigkeit und Unberlegtheit. Bei so genauer
Beschreibung der Krankheiten und Anwendungen ist es Jedem bei der gehrigen
Vorsicht leicht ermglicht, das ihn Betreffende selbst auszuwhlen. Ich
bemerke das, weil es mir unmglich ist, eigens zu antworten.

Und so gehe nun auch du, lieber Rathgeber, gleich der Wasserkur hinaus in
die Welt und predige Tag fr Tag, was du auf der Stirne trgst: So sollt
ihr leben! Wirst du gehrt und hat deine Predigt Erfolg, gut dann; --
wirst du nicht beachtet oder gar verunglimpft, so ertrage auch dieses; denn
Migeschick ist ja fast Aller Loos. Gehe aber nicht ohne die Weihe der
Religion; sondern, gleich dem Kinde, das von Vater und Mutter gesegnet, die
Heimath verlt, so gehe auch du mit dem Segen des Himmels! Und dein
Verfasser wird tglich von Gott erflehen, da sein Segen dein bestndiger
Begleiter und Fhrer sei.

    _Wrishofen_ am Feste der hl. Kirchenpatronin Justina,
          26. September 1889.

                                      Der Verfasser.




Alphabetisches Register.


  A.

  Abendtisch 91
  Abhrtung 11, 143, 156
      "     der Fe 21 ff.
      "     der Hnde 13, 14
      "     gegen Hitze 27 ff.
      "     der Kinder 102, 103, 107, 119
  Abweichen 269
  pfel 70
  Alkohol 75
  Alter, Wasseranwendungen im 166, 341, 346
  Arbeit 29
    "    geistige 36
    "    krperliche 39
    "    Anleitung des Kindes zur 112
  Arbeitszimmer 47
  Arnica 335
  Asthma 177
  Aufstoen 269
  Auge 5, 178 ff.
  Augenkrankheiten 178 ff.
  Augenlicht, Schwchung desselben 5, 6
  Augenschwche, Hebung der 182 ff.
  Ausbildung, im Kleidermachen 153
      "       im Kochen 153
      "       vielseitige 127 ff.
  Ausschlge der Haut 218 ff.
  Auszugsmehl 64


  B.

  Bder 42, 353
    "   warme 103, 353
  Barfugehen 22, 106 ff.
  Bauchfellentzndung 188
  Baumwollkleidung 16
  Beamte 36
  Beinbruch 169
  Beinkleider 19
       "      leinene 20
  Beispiel in der Erziehung 114
  Bekleidung, gleichmige 25
      "       der Kinder 104 ff.
  Belladonna 74
  Bergarbeiter 32
  Beruf 111
    "   Schule desselben 125
    "   Wahl desselben 125 ff.
    "   unglcklicher 128
  Besorgung der Kche 123
  Bett 51
   "   des Kranken 56
  Bettflaschen 49
  Bettnssen 196
  Bewegung 29, 109
  Bier 72, 339
  Bierflschung 72
  Bildung, religise, der Jugend 137
  Blasenkatarrh 196
  Blut 9, 197 ff.
   "   Andrang desselben 16
   "   -Armuth, Ursache der 22, 80, 86, 92, 105, 207, 211, 339 ff.
   "   -Armuth, Heilung der 198, 340
  Blutanstauungen 210 ff., 337, 349, 350
  Blutbrechen 208 ff.
  Blutcirculation 197, 341
  Blutflu 206
  Blutvergiftungen 216, 338
  Blutverlust 218
  Blutzersetzung 22
  Bohnen 63
  Branntwein 75
  Brennsuppe 85
  Bright'sches Nierenleiden 73
  Brillen 5
  Brustfellentzndung 219
  Brustleiden 220
  Butter 70, 87


  C.

  Carbolsure 338
  Chokolade 81
  Cirkulation des Blutes 197, 341


  D.

  Diarrhe 269
  Dinkel 65
  Douche 353
  Drsen 106
  Durchfall 271, 276
  Durst 77, 92


  E.

  Eichelkaffee 82, 100
  Eier 68
  Einfachheit in der Erziehung 123
  Eltern, Berufswahl der Kinder 125 ff.
     "    Pflichten im Allgemeinen 97
     "        "     im Besondern 99
     "    Pflicht der Unterweisung 112
     "    Sorge derselben fr krperliche Gesundheit 131
     "    Wachsamkeit derselben ber Fortschritte der Kinder 119
  Emphysem 221, 262
  Entzndung, Heilung der 171, 309
       "      ungeheilte 221
  Epilepsie 222
  Erbsen 62, 90
  Erdpfel 67
  Ernhrung der Kinder 99
      "     verkehrte 318
  Erziehung 96
      "     Beispiel in der 114
      "     Einfachheit in der 123
  Essen 84
    "   Ma im 94
    "   fteres 96
  Essig 89, 167 ff.


  F.

  Fabrikarbeit 32
  Fette 70
  Fettsucht 224
  Fische 63
  Fleischkost 59, 63
  Fleischsuppe 89
  Frauen, Gesundheit der 24
  Frchte 60
     "    Schlen der 70
  Frhgeburt 226
  Frhstck 85
  Fe 21 ff.
    "   Krampfadern an denselben 24
    "   Schwei der 23, 229
    "   kalte 16
    "   Schutz derselben gegen Klte 21
  Fuflechten 226
  Fuleiden 227
  Fureisen 143


  G.

  Gehrleiden 232
  Geistige beranstrengung 34 ff., 139 ff., 146, 162
  Gemse 68
  Gerste 66, 91
  Gerstenkaffee 81
  Geschwre, Heilung der 171, 236, 248 ff.
  Geschwulst 169, 171, 237
      "      Heilung der 169, 171, 237
  Gesundheit der Frauen 24
      "      Mittel zur Erhaltung der 43
      "      Sorge fr krperliche 131
      "      erstes Erforderni der 9
  Gesundheitskaffee 81
  Gesundheitspflege in Klstern 159
  Getrnke 71
     "     hitzige 101
  Getreide 64
  Getreidekaffee 81
  Gewerbetreibende 30
  Gewrze 89, 90, 92
  Gichtleiden 239, 299, 342 ff.
       "      im Allgemeinen 342 ff.
  Gliederkrankheit 243
  Gliedersucht 243
  Griesleiden 303
  Gsse 351 ff.


  H.

  Hmorrhoiden 25
  Hnde, Abhrtung der 13, 14
  Hafer 66
  Haferkost 66
  Halbbad 144, 147 u.a.m.
  Hals 10, 23
   "   dicker 25, 348
   "   Krankheiten desselben 11
   "   Umhllung desselben 10 ff.
  Halsleiden 244
  Halstuch 25
  Handschuhe 13
  Harnbeschwerden 246
  Hauswirthschaft, Erlernung der 151
  Hautausschlge 248 ff.
  Hautpflege 18
      "      der Kinder 102
  Hebung der Augenschwche 182 ff.
  Heizung 49
  Hemdkragen 26
  Hemd, leinenes 15
    "   Nacht- 54
    "   wollenes 16
  Herzthtigkeit 35
  Hitze 171
    "   Schutz gegen 26 ff.
  Hhere Schulen 134 ff.
  Honig 87
  Hosen 19
    "   leinene 20
  Hfte, verschobene 251
  Hlsenfrchte 62
  Hysterie 17


  I, J.

  Institute fr Mdchen 150 ff.
  Jugend, religise Bildung der 137
     "    Schule der heranwachsenden 120


  K.

  Klte, Abhrtung gegen 27 ff.
    "    Beziehung derselben zur Gesundheit 8
    "    Schutz gegen 9
  Kse 62
  Kse, Toppen- 171
    "      "    Bereitung desselben 173
  Kaffee 78
    "    Schaden desselben 79
    "    zum Frhstck 86
  Kartoffeln 67
  Katarrh, Ursache desselben 10, 12, 48, 53, 54
     "     Heilung desselben 262 ff.
  Kind, Abhrtung desselben 102, 103, 107, 119
    "   Bekleidung desselben 104
    "       "          "     im Winter 15
    "   Berufswahl desselben 125 ff.
    "   Ernhrung desselben 29
    "   erste Schule desselben 111
    "   Hautpflege desselben 102
    "   Krankheiten desselben 253
    "   Speisung des kleinen K. 100
    "   Stillen desselben 99
    "   beranstrengung desselben 116 ff.
    "   Wachsamkeit ber Fortschritte desselben 119
    "   zweite Schule desselben 115
  Kleidermachen, Ausbildung im 153
  Kleidermoden 24
  Kleidung 9
      "    baumwollene 16
      "    wollene 16 ff.
  Kleie 64
  Kleienbrod 64, 65
  Klosterleben 157 ff.
  Kniegeschwulst 237
  Kochen, Ausbildung im 153
  Kopfbedeckung 10, 12
  Kopfleiden 256
  Korn 65
  Kost, Hafer- 66
    "   im Seminar 148 ff.
  Krftigung, krperliche, durch Wasser 132 ff.
  Krmpfe 260, 309
  Kraftsuppe 344 ff.
  Kragen 26
  Krampfadern 25
  Krankenbett 56
  Krankenstube 55
  Krankenzimmer 55
        "       Lftung im 55
  Krebsgeschwre 171
  Kche, Besorgung der 123


  L.

  Lebenswandel, Zerrttung durch schlechten 332
  Leberleiden 261
  Lehrfach 37
  Leinwand 16
     "     feine, Nachtheile derselben 17
     "     grobe, Vortheile derselben 18
  Licht 3 ff.
    "   Einflu desselben auf die Gesundheit 3 ff.
    "   knstliches 5
  Linsen 63
  Lftung 46
  Luft, Beziehung derselben zur Gesundheit 6, 7
    "   reine 7
    "   Sorge fr frische 107
  Lungengymnastik 39, 40
  Lungenleiden 262
  Lungenspitzenkatarrh 264, 267


  M.

  Mdchen-Institute 150 ff.
     "        "     Wasseranwendungen in denselben 155
  Magenbeschwerden 273
  Magenbluten 204, 207
  Magengeschwre 274
  Magenleiden 269
       "      Heilung von 269
  Mais 65
  Malzkaffee 81, 100
  Marasmus 288, 348
  Masern 248
  Ma, im Essen 94
  Mehlspeisen 65
  Milch 61
  Mineralwasser 83
  Mittagsmahl 88
  Moden 16, 153, 154
    "   unsinnige 24


  N.

  Nachthaube 54
  Nachthemd 54
  Nachtluft 56
  Nahrungsmittel 56 ff.
        "        stickstoffarme 64
        "        stickstofffreie 70
        "        stickstoffreiche 61
  Nahrung, Sorge der Eltern fr 99
  Nasenbluten 203, 205
  Nsse 214
  Naturwrme, Wichtigkeit der 9, 21, 347 ff.
  Nervenleiden 288
  Nierenleiden 289
        "      Bright'sches 73


  O.

  Oberbett 52
  Obst 69, 90
   "   gedrrtes 70
  Obstwein 76
  le 71
  Ofen im Schlafzimmer 49
  Ohrenleiden 232
  Ordensleute, Gesundheitsreg. fr 159


  P.

  Pflanzenkost 59
  Pflege der Religion 112, 120, 131, 135 ff., 145
  Podagra 23
  Pulswrmer 14


  Q.

  Quetschungen 169, 337


  R.

  Rauchen 164
  Religion, Pflege der 112, 120, 131, 135 ff., 145
  Rheumatische Leiden 16, 290, 342 ff.
  Rheumatismus 16
  Rindfleisch 90
  Roggen 65
  Roggenbrod 66
  Rckenmarkschwindsucht 299
  Ruhe 29 ff.


  S.

  Salz 82
  Salzftterung 82
  Saucen 90
  Sauerkraut 88
  Schlen der Frchte 70
  Schafwolle 21
  Scharlach 248
  Schlafen bei offenem Fenster 50
  Schlafzimmer 46, 49
       "       frische Luft im 107
  Schlaganfall, Heilung desselben 304
        "       Ursache desselben 73, 343
  Schmalz 71
  Schnaps 75, 86, 130
  Schnren 24
     "     Folgen desselben 213, 226
  Schnupfen 165
  Schuhe 22
  Schule der heranwachsenden Jugend 120
    "    erste des Kindes 111
    "    hhere 134 ff.
    "    und Beruf des Kindes 111
    "    zweite des Kindes 115
  Schutz der Fe 21 ff.
    "    gegen Hitze 26
    "    gegen Klte 9
  Schwche 309
  Schwei der Fe, Heilung desselben 229
     "     "    "   Ursache desselben 23
  Schwindsucht 262
       "       Rckenmark- 299
  Scrophulse Zustnde 300
  Seminarkost 148 ff.
  Seminarleben 144 ff.
  Shawl 11
  Sonnenlicht 3 ff.
  Sorge fr krperliche Gesundheit 131
  Spazierengehen 37
  Speisen 33
     "    hitzige 101
     "    saure 170
  Spelt 65
  Steinobst 70
  Stein- und Griesleiden 303
  Stickstoff 58
  Stiefel 22
  Stillen der Kinder 99
  Strumpfbnder 25, 54
  Studierende 34
  Suppe 85


  T.

  Temperatur im Krankenzimmer 55
  Thee 81
  Tollkirsche 74
  Toppenkse 171
      "      Bereitung desselben 173
  Tournre 25
  Trinken 77
     "    beim Essen 92 ff.
  Trunksucht 129
  Tugendschule 120
  Turnen 141
  Typhus 307


  U.

  beranstrengung der Kinder 116 ff.
         "         Ursachen der geistigen 139 ff., 146, 162
  bertreibung der Wasseranwendungen 43, 349
  Umhllung des Halses 10 ff.
  Unterbrod 87
  Unterhosen 16, 105
      "      leinene 20
  Unterkleider 15
  Unterleibsleiden 309
  Unterweisung, Pflicht der elterlichen 112
  Unzucht 130


  V.

  Vegetabilien 59
       "       Vortheile der 60
  Veitstanz 315
  Verdauungsleiden 269
  Verflschungen des Kaffees 81
  Vergiftungen 321
  Verschleimung 262
        "       allgemeine 320
  Verweichlichung, Ursache der 11, 12, 17, 24 ff.
  Verwundungen 321, 336
  Vielwisserei 141
  Vollbad, unfreiwilliges 325
  Vortheile der groben Leinwand 18


  W.

  Wachsamkeit der Eltern ber Fortschritte der Kinder 119
  Wrme, Beziehung derselben zur Gesundheit 8
    "    Natur-, Wichtigkeit der 9, 21
  Wahl des Berufes 125
  Waschungen 346 ff.
  Wasseranwendungen 32, 41 ff., 143 ff.
          "         im Alter 347 ff.
          "         bertreibung der 43, 349
          "         in Mdcheninstituten 155
          "         Krftigung durch 131, 147, 159, 166 ff.
  Wasser, kaltes 28
     "      "    als Mittel zur Erhaltung der Krfte 41 ff.
     "      "    Wirkung desselben 346 ff.
  Wassersucht 325
  Wassertrinken 72, 77
  Wein 74
  Weizen 65
  Wespenstich 338
  Wickel 345
  Wickelungen 349 ff.
  Winterkleidung 15
  Wohlverleih 335
  Wohnung 45
  Wohnzimmer 46
  Wolldecken 52
  Wollkleidung 16 ff., 106
       "       Nachtheile der 11, 12
       "       Verweichlichung durch 12, 17
  Wurzeln 69


  Z.

  Zerrttung durch schlechten Lebenswandel 332
  Zersetzung des Blutes 22
  Ziegenmilch 62
  Zimmergymnastik 40
  Zimmerwrme 47
  Zustnde, scrophulse 300
  Zwischenmahlzeit 87


[Illustration: Druck von J. Ksel in Kempten]




Anmerkungen zur Transkription

Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten, offensichtliche
Druckfehler wurden korrigiert. Unterschiedliche Schreibweisen, wie
Hilfe/Hlfe, Waizen/Weizen, wurden beibehalten, wenn beide mehrfach im Text
vorkamen, andernfalls wurde die nur einmal verwendete Schreibweise
gendert. Die Temperaturangaben wurden von Raumur in Celsius
umgerechnet, nach der Formel: Celsius = Raumur * 1,25, wobei auf ganze
Zahlen auf- bzw. abgerundet wurde.

  Seite XII: Blutverlust, Folgen derselben wurde gendert in
             Blutverlust, Folgen desselben
  Seite 11: Wollshwal wurde gendert in Wollshawl,
            Shwal wurde gendert in Shawl
  Seite 14: Mode-Diener und -Dienerinen wurde gendert in
            Mode-Diener und -Dienerinnen
  Seite 68: von Gelehrten anfhren, welch wurde gendert in
            von Gelehrten anfhren, welche
  Seite 76: welch die Menschen bereiten wurde gendert in
            welche die Menschen bereiten
  Seite 80: schon mancher junge Mann geklagt habt wurde gendert in
            schon mancher junge Mann geklagt hat
  Seite 88: bei denen die Mehlspeisen genieen wurde gendert in
            bei denen, die Mehlspeisen genieen
  Seite 89: Wenn ein solcher Mittagstisch wie der wurde gendert in
            Wenn ein solcher Mittagstisch wieder
  Seite 103: Mtter und Kinderpflegerinen wurde gendert in
             Mtter und Kinderpflegerinnen
  Seite 134: der Mensch ist nicht blos wurde gendert in
             der Mensch ist nicht blo߫
  Seite 136: Sitzen beim Arbeiten? wurde gendert in
             Sitzen beim Arbeiten.
  Seite 162: der so eifrig und fleiig studieret wurde gendert in
             der so eifrig und fleiig studierte
  Seite 166: Nicht blo usserlich wurde gendert in
             Nicht blo uerlich
  Seite 215: soer zhlt Jemand wurde gendert in so erzhlt Jemand
  Seite 218: Blutverlust, Folgen derselben wurde gendert in
             Blutverlust, Folgen desselben
  Seite 222: baarfu߫ wurde gendert in barfu߫
  Seite 229: da so auerordentlich viel Urin abging sei wurde gendert
          in da so auerordentlich viel Urin abging
  Seite 234: so ist anzunehmen, das wurde gendert in
             so ist anzunehmen, da߫
  Seite 252: der Rckgrat wurde gendert in das Rckgrat
  Seite 256: Hagenbutten wurde gendert in Hagebutten
  Seite 260: wurden die Wickel gegenommen wurde gendert in
             wurden die Wickel genommen
  Seite 262: Schleeblthen, Scharfgarbe wurde gendert in
             Schleeblthen, Schafgarbe
  Seite 363: Skrophulse Zustnde wurde gendert in
             Scrophulse Zustnde





End of the Project Gutenberg EBook of So sollt ihr leben!, by Sebastian Kneipp

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SO SOLLT IHR LEBEN! ***

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Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
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For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
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Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
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array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
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The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
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where we have not received written confirmation of compliance.  To
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particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
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against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
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Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
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works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


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