The Project Gutenberg EBook of Peterchens Mondfahrt, by Gerdt von Bassewitz

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Title: Peterchens Mondfahrt
       Ein Mrchenspiel

Author: Gerdt von Bassewitz

Release Date: February 7, 2010 [EBook #31204]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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                              Peterchens
                               Mondfahrt

                           Ein Mrchenspiel
                                  von
                          Gerdt von Bassewitz


                  Ernst Rowohlt Verlag, Leipzig 1912



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Knigstrae 10 ermchtigt.

Copyright 1912 by Ernst Rowohlt Verlag, Leipzig.


Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig




Gestalten im Mrchen:


Die Mutter
Peterchen } die Kinder
Anneliese }
Minna, das Dienstmdchen

Der Maikfer
Das Sandmnnchen
Peterchens Sternchen
Annelieses Sternchen
Drittes Sternchen
Viertes Sternchen
Fnftes Sternchen
Die Nachtfee
Das Taumariechen
Der Donnermann
Die Blitzhexe
Die Wolkenfrau
Der Sturmriese
Die Windliese
Der Regenfritz
Der Wassermann
Der Hagelhans
Der Eismax
Frau Holle
Der Milchstraenmann
Die Sonne
Die Morgenrte
Die Abendrte
Der Morgenstern
Der Abendstern
Der Weihnachtsmann
Das Pfefferkuchenmnnchen
Der Mann im Mond


_Ort:_

Im Schlafzimmer der Kinder und auf dem Monde.


_Zeit:_

In einer Mainacht, wenn die Kinder schlafen.




1. Bild.


Peterchens und Annelieses Schlafzimmer. In der Ecke links ein groes
Bett mit bunten Vorhngen. Vorn links ein Spielzeugschrank, eine
Puppenstube und ein Schaukelpferd. In der Mitte des Zimmers ein breiter,
niedriger Kindertisch. Rechts vorn eine Tr hinter geblmten Vorhngen.
Neben der Tr ein Kleiderschrnkchen, Badewanne, Waschtischchen mit zwei
Schsselchen und eine bunte Kommode mit Bilderbchern darauf. Im
Hintergrunde breites Fenster mit Vorhngen und Blumen.

Es ist Abend. Peterchen und Anneliese werden von Minna zu Bett gebracht.

_Peterchen_

(am Waschtisch, im Nachthemdchen, wscht sich mit einem groen Schwamm).

_Anneliese_

(sitzt auf dem Bettchen, ebenso im Nachthemdchen, und flicht sich ihr
Zpfchen fr die Nacht).

_Minna_

(macht das Fenster zu)

So, nun machen wir das Fenster zu,
Und dann hat die liebe Seele Ruh.
Der Mond kommt gerade ber die Wiese.

(dreht sich herum)

Seid ihr fertig, Peterchen? Anneliese?
Hurtig, hurtig ins Bettchen hinein;
Wenn die Mutter kommt, mu Ordnung sein!

(Sie nimmt Peterchen den Schwamm fort und trocknet ihm mit einem groen
Handtuch das Gesicht ab).

_Peterchen_

Au, Minna! meine Nase bricht ab!

_Minna_

Papperlapapp! -- Papperlapapp!

_Peterchen_

Au, jetzt hast du mein Ohr geziept!

_Minna_

Was das nicht alles fr Sachen gibt,
Wenn man den Buben abtrocknen will!

_Peterchen_

(unter den Falten des groen Tuches)

Ja, aber ...

_Minna_

             Papperlapapp! -- sei still!

_Anneliese_

Minna, mein Zpfchen ist fertig -- -- so?

(zeigt das Zpfchen).

_Minna_

Schn! -- Schnell ins Bettchen, du kleiner Floh!

_Anneliese_

(huscht ins Bett)

Ach ja, jetzt will ich mal recht schn schlafen
Und will trumen von kleinen, weien Schafen.

_Peterchen_

Anneliese trumt immer von Schafen,
Und ich viel lieber von Pferden und Grafen
Und von Prinzen und von Soldaten
Und von Bonbons und Kuchen und Braten
Und von ...

_Minna_

(kmmt ihn)

            Ja, ja, du kleiner Mann;
Von allem, was man essen kann.

_Peterchen_

(entrstet)

Minna, einen Grafen it man doch nicht!

_Minna_

(hrt nicht)

So, nun ist er sauber, der Wicht. --
Schnell, schnell ins Bettchen!

(legt Kamm und Brste fort).

_Peterchen_

(steht und rhrt sich nicht).

_Minna_

(dreht sich herum)

                               Nun? hrst du nicht?

_Peterchen_

Guck mal den Mond da auf der Wiese!
Guck mal den Mond, guck, Anneliese;
Er sieht aus wie ein gelbes Gesicht ...

_Minna_

(schiebt ihn zum Bett)

Ja, ja, nun geh nur ...

_Peterchen_

                        Nein, siehst du nicht
Minna? -- Kennst du den Mann im Mond,
Der dort oben zur Strafe wohnt,
Auf dem Rcken ein Bndel Ruten?

_Minna_

Will Er wohl, will Er sich endlich sputen!

(Sie hat ihn bis ans Bett gebracht.)

_Peterchen_

Halt, Minna! da fliegt was in der Stube ...

_Minna_

(hebt ihn ins Bett)

Ins Bettchen, ins Bettchen, kleiner Bube!

_Peterchen_

Minna, ein Maikfer, ein ganz dicker!

_Minna_

(legt ihn an Annelieses Seite)

Unsinn, schlaf jetzt, mach du deinen Nicker! --
So, nun ruf' ich die Mutter. -- Schlaft schn!

(Sie geht hinaus.)

_Peterchen_

(leise)

Anneliese, ich hab' ihn gesehen!
Ganz dick ist er herumgebrumst,
Dicht an mir ist er vorbeigesumst.

_Anneliese_

Peterchen, ob uns der was tut?

_Peterchen_

Nein, Anneliese, Maikfer sind gut.
Die tun einem nichts, die brummen nur.

(setzt sich im Bett auf)

Ich hab' keine Angst, nicht eine Spur!

_Anneliese_

So ein klein bichen hab' ich doch Angst ...

_Peterchen_

(khn)

Weit du, Anneliese, wenn du dich bangst,
Dann mach' ich ihn mit dem Pantoffel kaputt.

_Anneliese_

Nein Peter, nicht -- er ist ja gut!
Nicht totmachen, la' ihn nur leben.
Wir wollen ihm lieber Zucker geben;
Ich habe noch in der Puppenstube.

_Peterchen_

Der it keinen Zucker, ich glaube es kaum;
Die Maikfer sitzen oben im Baum,
Die essen Kastanien.

_Anneliese_

                     Ja, das kann sein.

_Peterchen_

Wie kam der blo hier in die Stube herein?

_Anneliese_

Vielleicht hat er sich auf dem Weg verirrt
Und ist aus Versehen hereingeschwirrt
Und frchtet sich nun, so ganz allein,
Ohne seine Frau und seine Kinderlein.

_Peterchen_

(berlegen)

Aber, Anneliese, ein Maikferpapa,
Der bangt sich doch nicht nach der Maikfermama;
Der fliegt nur so des Abends spazieren
Und guckt in die Fenster und in die Tren,
Ob's da fr ihn was zu holen gibt.

_Anneliese_

Dann ist er jetzt ganz gewi betrbt;
Er hat doch bei uns nichts gefunden, und
Minna hat ihn doch eingespunnt.

_Peterchen_

(nachdenklich)

Nun, man knnte ihn ja befrei'n;
Aber, wo mag er jetzt nur sein?
Ich glaube, er sitzt an dem Vorhang da ...

(springt aus dem Bett.)

Husch, husch! -- Wo bist du, Maikferpapa?

(Die Mutter kommt herein.)

_Mutter_

(droht)

Aber, Peterchen, sieh mal an! --

_Peterchen_

Mutti, da sitzt ein Maikfer dran,
Ein ganz dicker, den lassen wir fliegen ...

_Mutter_

(sieht nach)

Unsinn! -- Ihr sollt jetzt im Bettchen liegen
Und schlafen und an gar nichts denken.
Wer schlft, dem will ich was Schnes schenken;
Fnf pfelchen fr jedes Kind,
Wenn beide hbsch ausgeschlafen sind.

(Sie stellt zwei kleine, bunte Krbchen mit pfeln auf den Tisch.)

_Peterchen_

Ei, Mutti, Mutti, ich danke schn!

(hngt sich ihr an den Hals -- besichtigt dann die pfel.)

_Mutter_

(fhrt ihn zum Bett.)

Erst schlafen, morgen frh besehen!

_Peterchen_

Anneliese, pfel, zwei Krbchen voll!

_Anneliese_

(legt der Mutter die rmchen um den Hals.)

Danke schn, Muttchen!

_Mutter_

(kt sie)

                       Mein kleiner Troll!

(legt Peterchen ins Bett, deckt beide Kinder zu.)

So, es ist schon furchtbar spt. --
Nun sprecht noch schnell euer Nachtgebet!

_Anneliese_

(faltet die Hnde.)

Ich bin noch klein, mein Herz ist rein,
Soll niemand drin wohnen, als Jesus allein. -- Amen.

_Peterchen_

(faltet die Hnde.)

Lieber Herr Jesus, mach mich fromm,
Da ich in den Himmel komm'. -- Amen.

_Mutter_

(kt beide.)

_Peterchen_

Mutti, meinen Hampelmann!

_Anneliese_

Und meine Puppe, bitte, bitte!

_Mutter_

(holt beides.)

So, hier zwischen euch in die Mitte.

_Peterchen_

Mutti, nun sing noch, eh' wir schlafen!

_Mutter_

(setzt sich am Bett.)

Was denn? vom Prinzen, vom Schfchen, vom Grafen?

_Peterchen_

Nein, vom Maikfer mu es sein!

_Mutter_

Also, das Lied vom Maikferlein:

(Sie beginnt.)

    War einst ein kleines Kferlein,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Hatte zwei braune Flgelein,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Und sechs Beinchen hatte es auch
    Unter seinem schwarzweien Bauch,
    Summ -- Summ -- Summ.

    Sa auf einem grnen Baum,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Trumte einen schnen Traum,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Trumte von Sonne, Mond und Sternen
    Und von fremden Lnderfernen,
    Summ -- Summ -- Summ.

    Als der dunkle Abend kam,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Kferlein sein Rnzel nahm,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Wollt' auf die weite Reise gehn
    Und die groe Welt beseh'n,
    Summ -- Summ -- Summ.

    Flog ber einen breiten Bach,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Verlor ein kleines Beinchen, ach --
    Summ -- Summ -- Summ,
    Reiste nur noch mit fnf Beinen,
    Tat so bitterlich drum weinen,
    Summ -- Summ -- Summ.

    Flog es nach dem Mond geschwind,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Kam ein groer Wirbelwind,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Brach ein Flgelchen entzwei,
    Ach, das gab ein gro' Geschrei --
    Summ -- Summ -- Summ.

    Fiel in einen tiefen Wald,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Starb an seinem Kummer bald,
    Summ -- Summ -- Summ,
    Mu die Reis' ein Ende haben,
    Sandmnnchen hat's eingegraben,
    Summ -- Summ -- Summ.

    (Refr.) Mu die Reis' ein Ende haben,
    Sandmnnchen hat's eingegraben,
    Summ -- Summ -- Summ.

(Whrend des Gesanges der Mutter ist es allmhlich dunkel im Zimmer
geworden. Sie wiederholt die letzten Zeilen leise, whrend schon die
Melodie von einer Geige aufgenommen wird. -- Die Mutter schweigt, und
die Geige spielt weiter. Es wird allmhlich heller im Zimmer, aber es
ist ein anderes, etwas bluliches Licht. Die Mutter ist verschwunden.
Statt ihrer sieht man einen groen Maikfer mit bergeschlagenen
Unterbeinchen auf dem Tische sitzen. Er spielt auf einer kleinen,
silbernen Geige. Eines seiner mittleren Beinchen fehlt. Nach einer
kleinen Zeit setzt er die Geige ab).

_Maikfer_

Ja, so starb er, der kleine Kerl. Warum war er auch so vorwitzig und
wollte nach dem Mond fliegen? Das ist nichts fr so kleine Maikfer,
dazu mu man schon ein groer Maikfer sein. -- Ach ja, ich wei nicht,
mir kommen immer die Trnen in die Augen, wenn ich die Geschichte hre;
sie ist auch zu rhrend. (Er holt ein groes, grnes Blatt hervor und
wischt sich die Augen.) Und dann fllt mir auch immer mein eines
Beinchen ein, das mir fehlt; und das ist noch viel trauriger. (Er wischt
sich wieder die Augen.) Ich mchte aber doch wissen, wo ich hier
eigentlich bin? Kam da eben so mir nichts, dir nichts hereingebrumst,
und der kleine Junge hat mich natrlich gleich bemerkt; beinahe htte
mich auch die dicke Minna totgequetscht; -- na, das war 'ne Angst!
(Wischt sich die Stirn.) Und dann sagt die dumme Person immer:
Papperlapapp, papperlapapp, kein Maikfer ist da! Als ob ich nicht ein
ganz dicker wre, einer von den allerdicksten! -- Darauf ist meine Frau
immer so stolz gewesen, die gute Seele. Ein Huhn hat sie neulich
gefressen; sie ruhe sanft! -- (Er wischt sich die Augen.) Aber, das kann
alles nichts mehr ntzen; ich bin eben Witwer geworden und habe ihr zu
Ehren jetzt schwarze Beine statt rote. Frher sagten die Jungens, ich
sei ein Knig; jetzt sagen sie Schuster zu mir. Aber das ist eine
Dummheit; ich trage Trauer -- so ist es! (Er geht im Zimmer mit komisch
gravittischen Schritten umher.) Hm, hm, -- Puppenstube, Schaukelpferd
-- na ja -- und pfel -- hm, hm, die mag ich nicht. Ich esse lieber
Salat, Lindensalat oder so was dergleichen. (dreht sich herum.) Scheint
aber nicht hier zu sein. brigens sind die Kinder recht ordentlich.
Gegen das Peterchen habe ich eigentlich etwas; er wollte mich mit seinem
Pantoffel kaputt machen. -- Wo ist denn eigentlich der Pantoffel? -- (am
Bett) Aha, da haben wir ihn! (Er nimmt ein kleines, rotes Pantffelchen
auf.) So, so -- (schlgt damit auf den Tisch, als wolle er eine Fliege
klatschen) schwupp, weg war ich! -- Na, das wr' 'ne schne Geschichte
gewesen! (Er wirft das Pantffelchen an seinen Platz.) Dummes Peterchen!
-- Die kleine Anneliese ist besser, die hat mir das Leben gerettet. Aber
Zucker wollte sie mir geben -- Zucker?? (schttelt sich komisch) Puh!!
Na, da htt' ich schne Bauchschmerzen gekriegt! Ein Maikfer und
Zucker! -- (Er fngt an, unbndig zu lachen und komisch hin und her zu
torkeln.) Als ob ich 'ne Ameise wre! Nein, ist das komisch, nein, ist
das lcherlich! So eine kleine, dumme Anneliese! -- ha ha ha! -- (Er
fllt pltzlich versehentlich und liegt auf dem Rcken.) Hoppla!! -- O,
das ist eine fatale Situation! -- Ja, das durfte mir eigentlich nicht
passieren! (Er angelt mit seinen fnf Beinen in der Luft.) Das ist eine
sehr peinliche Lage fr einen wohlsituierten Maikfer wie mich. Gut, da
mich keiner sieht. -- Aber, was soll man tun? Totstellen, ntzt nichts.
Die Kinder rufen, nein, die lachen mich aus. Peterchen ist sowieso nicht
auf den Mund gefallen. Bis morgen frh liegen bleiben? Dann tritt mich
die Minna mit ihren groen Latschen tot. -- O, das ist 'ne unangenehme
Geschichte! Aber, ich wei schon, es kommt vom Lachen. -- Na, da wollen
wir noch mal 'ne tchtige Anstrengung machen, ob wir uns selber -- hoch
-- rappeln -- knnen! -- (Er kreiselt sich whrend der letzten Worte
schnell herum -- dann erschpft:) Nein, so geht's nicht. Bei dem
Karussellfahren wird man auerdem schwindlig. -- Halt, ich sehe Rettung!
Da ist ein Tischbein (greift mit dem Vorderbeinchen darnach.) So, nun
geht's! -- Hopp -- hopp -- hoppla! -- (Er kugelt sich herum, kommt auf
die Beine und steht auf.) Uff, das war 'ne Arbeit! -- (Er wischt sich
mit dem Blatt den Schwei.) So, wahrscheinlich hat mein schner, brauner
Rock nun wieder Flecken. Aber schlielich, meine Frau ist tot, und da
ist es zu ertragen. Die wute immer gleich, wenn ich mal auf den Rcken
gefallen war, und dann schimpfte sie: Na, du alter Torkelfritze, hast
dir wieder einen ber den Durst genehmigt? Unanstndigkeiten!
Unanstndigkeiten! -- -- Ach ja, das Huhn hat sie gefressen. Schade
drum. Sie hielt auf gutes Benehmen. -- (Er reckt die Beine energisch.)
So, jetzt mu ich mal sehen, ob ich noch fliegen kann. (Er stellt sich
in Positur, entfaltet die Flgel, ein lautes Summen beginnt, und er
fliegt ein paar Meter ber den Boden hin.) Famos, famos, es geht noch!
(Er lt sich wieder zur Erde herab.) -- Aber eingesperrt haben sie mich
hier. Das Fenster ist zu; dagegen fliegen ntzt nichts; so dumm bin ich
auch nicht mehr; das machen blo die kleinen Kferhosenmtze; es gibt
scheuliche Kopfschmerzen. Also, man mu sich, so gut es geht, die Zeit
vertreiben. Ich werde mir mal ein lustiges Liedchen spielen. (Er nimmt
die Geige, spielt eine Tanzmelodie, singt dazu und springt in grotesken
Stzen im Zimmer umher.)

    Eins, zwei, drei -- eins, zwei, drei,
    Fiel eine Biene in den Brei;
    Plumsdibums,
    Dideldumdei!
    Alle Kfer sitzen drum herum,
    Lachen sich schief,
    Lachen sich krumm,
    Brumm, brumm!

    Vier, fnf, sechs -- vier, fnf, sechs,
    Macht eine Fliege einen Klecks,
    Putschpitschpatsch,
    Klickklackklecks!
    Pfui, ruft jeder rechte Kfermann,
    Seht sie an,
    Was sie kann,
    Heran, heran!

(Peterchen und Anneliese stecken die Kpfe aus den Vorhngen ihres
Bettchens und sehen ihm halb erstaunt, halb belustigt zu.)

    Sieben, acht, neun -- sieben, acht, neun,
    Tanzen alle kleinen Kferlein!
    Ringelreih,
    Dideldudeldei,
    Um die dicke Linde mit Gesumm,
    Rechts herum,
    Links herum,
    Brumm, brumm!

(Die Kinder lachen hell auf und klatschen in die Hnde.)

_Maikfer_

(hlt inne, sieht sie an.)

Nanu? Was gibt es denn da zu lachen? -- Das ist ein ganz bekannter
Maikfertanz!

_Peterchen_

Ja, der ist sehr komisch!

_Maikfer_

So, meinst du? -- Ihr braucht mich aber deshalb nicht auszulachen!

_Anneliese_

Nein, Herr Maikfer, das haben wir auch gar nicht so gemeint. Wir bitten
schn um Entschuldigung.

_Maikfer_

Nun also, da ist mir's recht. -- Aber, sagt mal, warum habt ihr mich
denn hier eingesperrt?

_Peterchen_

Das waren wir nicht!

_Anneliese_

Das war Minna, Herr Maikfer!

_Maikfer_

Na ja, die ist auch so eine dumme Trine und wei nicht, was sich gehrt.
Wenn Besuch da ist, dann schliet man ihn doch nicht ein!

_Peterchen_

Ja, ich hab' es ihr gleich gesagt, da du da wrst; aber die Minna,
nein, die ist auch wirklich zu dumm!

_Maikfer_

(tritt ans Bett.)

Hre mal, Peterchen, eigentlich bin ich gar nicht gut auf dich zu
sprechen. Du hast mich da vorhin mit deinem Pantffelchen kaputt machen
wollen!

_Peterchen_

(etwas verlegen)

Ach, weit du, das hab' ich man blo so gesagt; getan htt' ich es
sicher nicht!

_Maikfer_

So, so, man blo so gesagt?!

_Peterchen_

(schnell)

Weil Anneliese solche Angst hatte.

_Anneliese_

Jetzt hab' ich aber gar keine Angst mehr, Herr Maikfer, nicht ein
bichen!

_Maikfer_

Gut. -- Aber sagt mal, wie komm' ich denn hier heraus? Die Nacht ist
sehr schn, und ich hab' keine Lust, hier eingesperrt zu bleiben.

_Anneliese_

(huscht aus dem Bettchen zum Fenster.)

Hier, Herr Maikfer, aus dem Fenster. Soll ich dir aufmachen?

_Peterchen_

(springt ebenfalls aus dem Bett -- energisch:)

Nein, Anneliese, nicht aufmachen! -- Bitte, Herr Maikfer, bleib doch
noch ein bichen bei uns und erzhl' uns was aus deinem Maikferland!
Nachher lassen wir dich auch heraus.

_Maikfer_

Nun ja, man knnte das wohl tun; aber da ist jetzt nicht viel zu
erzhlen; es steht schlecht um die Maikfer; es werden viele
totgeschlagen, und wenn ich an meine liebe Frau denke, die von einem
Huhn gefressen wurde --

_Anneliese_

O, das tut uns aber leid!

_Peterchen_

War das unser Huhn? Da rei' ich ihm dafr mal gleich ein paar
Schwanzfedern aus. Ich glaube, das tut mchtig weh!

_Maikfer_

Ja, liebes Peterchen, ich wei es nicht genau, welches Huhn es war, und
das ist das Schlimme dabei.

_Peterchen_

(nachdenklich)

Na, weit du, das ist allerdings schlimm. Allen Hhnern kann ich die
Schwanzfedern nicht ausreien; ich glaube, da bekme ich doch Prgel.

_Maikfer_

Dann wollen wir es lieber lassen, Peterchen, und ich will meine Frau im
stillen beweinen.

(Er wischt sich die Augen mit dem Blatt.)

_Anneliese_

(mitleidig)

Herr Maikfer, willst du etwas Zucker haben? In der Puppenstube ist
welcher.

_Maikfer_

(Kratzfu)

Danke schn, danke verbindlichst, Anneliese; aber mein Magen vertrgt
das Zuckerige nicht.

_Anneliese_

(aufrichtig)

Ach, da tust du mir aber wirklich leid.

_Maikfer_

(Kratzfu)

O bitte, bitte, keine Ursache.

_Anneliese_

Aber vielleicht it du einen Apfel?

_Maikfer_

Danke verbindlichst, nur Salat, frischen Salat von Linde oder Kastanie.

_Anneliese_

Ja, den haben wir leider nicht.

_Peterchen_

Na, ich kann ja schnell mal auf die dicke Kastanie klettern.

_Maikfer_

(Kratzfu)

Bitte, bemhe dich nicht, ich kann ja fliegen.

_Beide_

(bewundernd)

Ach ja, das ist wahr.

_Peterchen_

(neugierig)

Sag' mal, wo hast du denn deine silberne Geige her?

_Maikfer_

O, das ist ein altes Familienerbstck; denn eigentlich spielen die
Maikfer nur den Brummba, oder hchstens die Pauke. Aber mein
Urgrovater, er hie Sumsemann, der wohnte nahe bei einer groen Wiese
und war mit einer Grille befreundet, Zirpedirp hie sie, das steht hier
auf der Geige eingraviert; und von der Grille bekam er die Geige
geschenkt, weil er ihr einmal das Leben gerettet hatte, als sie zu hoch
auf einen Baum gestiegen war und einen Schwindelanfall bekam. Und
seitdem spielen wir Sumsemanns die Violine statt der Bageige. Das
rgert zwar die anderen Maikfer; sie meinen, es sei geschmacklos, und
die Sumsemanns seien ein entartetes Geschlecht; aber wir finden das
vornehmer, weil es etwas Besonderes ist. Man mu auf das
Auergewhnliche halten.

_Anneliese_

Ja, das ist auch wahr.

_Peterchen_

Na, und warum hast du denn nur fnf Beinchen? Das ist wohl auch etwas
Auergewhnliches?

_Maikfer_

(mit einem tiefen Seufzer)

Ach! -- --

_Peterchen_

O Herr Sumsemann, ich wollte dich nicht beleidigen, entschuldige, bitte!

_Maikfer_

(wie vorher)

Ach! -- --

_Anneliese_

(mitleidig)

Ist es so schrecklich, Herr Sumsemann?

_Maikfer_

Ja, es ist sehr schrecklich.

_Beide_

Das tut uns aber leid.

_Maikfer_

Ja, es ist der groe Fluch, der auf uns Sumsemnnern liegt, und das ist
eine traurige Geschichte.

_Peterchen_

Wenn es eine Geschichte ist, dann mut du sie uns erzhlen.

_Maikfer_

Nun ja, wenn ihr sie hren wollt.

(Er setzt sich auf den Tisch. Die Kinder schleppen zwei Schemelchen
herbei und sitzen andchtig nebeneinander vor ihm.)

_Maikfer_

Alle Sumsemnner haben seit vielen hundert Jahren nur fnf Beinchen.
Jetzt ist das Geschlecht ausgestorben bis auf mich. Ich bin der letzte
Fnfbeinige. Das sechste Beinchen aber, das ist auf dem ..... Mond.

_Die Kinder_

Ach!! --

_Maikfer_

Ja, wie ist es da hinaufgekommen? so denkt ihr, und das ist es eben.

Vor vielen hundert Jahren war es, als der erste Maikfer Sumsemann sich
gerade verheiratet hatte und des Sonntags abends im Wald mit seiner Frau
spazieren flog. Sie hatten viel gegessen und ruhten sich ein wenig auf
einem Birkenzweiglein aus, und da sie sehr mit sich selbst beschftigt
waren, denn sie waren jung verheiratet, merkten sie nicht, wie ein bser
schwarzer Mann, ein Holzdieb, kam; der schwang pltzlich seine Axt und
hieb die Birke um; und so schrecklich schlug er zu, da er dem
Urgrovater Sumsemann ein Beinchen mit abschlug. -- Frchterlich war es!
-- Und sie fielen auf den Rcken und wurden ohnmchtig vor Angst. Nach
einiger Zeit aber kamen sie zu sich von einem hellen Schein, der um sie
leuchtete. Da stand eine schne Fee vor ihnen im Walde und sagte: Der
bse Mann ist bestraft fr seinen Waldfrevel am Sonntag. Ich bin die Fee
der Nacht und habe es vom Monde aus gesehen. Zur Strafe ist er nun mit
dem Holz, das er umgeschlagen hat, auf den hchsten Mondberg verbannt.
Dort mu er bleiben in alle Ewigkeit, Bume abhauen und Ruten
schleppen.

Aber der Urgrovater schrie und sagte: Wo ist mein Beinchen, wo ist
mein Beinchen, wo ist mein kleines sechstes Beinchen? Da erschrak die
Fee. Ach, sagte sie, das tut mir sehr leid; es ist wohl an der Birke
hngen geblieben und nun mit auf den Mond gekommen. O, o, mein
Beinchen, mein kleines sechstes Beinchen! schrie mein Urgrovater, und
seine kleine Frau weinte schrecklich, denn sie wute, da nun alle ihre
Kinder nur fnf Beinchen haben wrden -- und das war schlimm.

Und als die Fee den groen Jammer sah, hatte sie Mitleid und sagte: Ein
Mensch ist zwar sehr viel mehr als ein Maikfer, und deshalb kann ich
die Strafe fr den bsen Menschen nicht aufheben; aber ich will
erlauben, da gute Menschen, wenn ihr sie findet, euch das Beinchen
wiederbringen knnen. Wenn ihr zwei Kinder findet, die niemals ein
Tierchen qulten, dann drft ihr auf den Mond mit ihnen und das Beinchen
wieder holen.

Da waren sie etwas getrstet. Aber sie fanden keine Kinder, und ihre
Kinder und Enkel auch nicht, so viel sie auch suchten. Immer wurden die
Sumsemnner, die Fnfbeinigen, totgeschlagen, wenn sie des Nachts in die
Stuben kamen, um die Kinder zu bitten; oft von den rohen und
unverstndigen Dienstmdchen, oft auch von den Kindern selbst. Ach, das
ist schrecklich, das ist der Fluch der Familie! Und nun bin ich der
Letzte des berhmten Geschlechtes und wre doch auch fast totgeschlagen
worden vorhin vom Peterchen. (Er wischt sich mit dem Blatt die Trnen.)

_Peterchen_

(zu Trnen gerhrt)

Ach, lieber Maikfer, das tut mir jetzt so leid; aber ich habe noch
niemals ein Tierchen geqult, ganz gewi nicht.

_Anneliese_

Nein, und ich auch nicht; und nun weine nicht, lieber Maikfer, wir
meinen es sehr gut mit dir. (Sie streichelt ihn.)

_Peterchen_

(streichelt ihn auch.)

Ja, und wir wrden dir dein Beinchen schon wieder besorgen, aber, weit
du, auf dem Mond? Der ist sehr weit, und da mu man fliegen knnen, und
das knnen wir leider nicht.

_Anneliese_

Nein, das knnen wir nicht; dann fallen wir 'runter vom Mond und gehen
kaputt.

_Maikfer_

(pltzlich lebendig)

O, wenn ihr wollt, wenn ihr wollt, dann geht das alles, ihr lieben
Kinderchen. -- Fliegen? Pah, das ist gar nicht so schlimm, wenn man
wei, wie es gemacht wird. Das bring' ich euch sehr schnell bei.

_Die Kinder_

(erstaunt)

Ja? --

_Maikfer_

Ganz gewi, wir knnen es hier gleich lernen.

_Peterchen_

Na, das ist aber mal herrlich -- fliegen? -- famos!

Anneliese, jetzt surren wir durch die Luft!

_Anneliese_

(klatscht in die Hndchen)

Mitten durch! --

(Der Maikfer nimmt seine Geige.)

_Maikfer_

Also, nun pat mal auf, ich spiele eine ganz bestimmte Melodie, und nur
zu dieser Melodie knnt ihr fliegen. Ich werd's euch jetzt vormachen.

(Er setzt die Geige an und macht zu der Melodie Maikfer, fliege ein
paar seltsame, groteske Sprungschritte im Kreise um den Tisch. Dazu
singt er:)

    Rechtes Bein -- linkes Bein,
    Rechtes Bein -- linkes Bein,
    Rechtes Bein -- linkes Bein,
    Und dann kommt das Flgelein,
    Summ -- Summ -- Summ!

(Er entfaltet die Flgel, das Summen ertnt, und so fliegt er, weiter
geigend, zwei- bis dreimal um den Tisch herum. Die Kinder jubeln laut
auf und klatschen in die Hnde.)

_Maikfer_

(lt sich zur Erde)

So, nun sollt ihr's versuchen. Stellt euch mal hintereinander auf. Erst
Peterchen, dann Anneliese. Und nun geht es um den Tisch herum. --

(Er stellt sich mitten auf den Tisch.)

Aufgepat!

(Er setzt die Geige an)

    Rechtes Bein -- linkes Bein,
    Rechtes Bein -- linkes Bein,
    Rechtes Bein -- usw....

(Die Kinder hpfen in ihren Nachthemdchen komisch possierlich und sehr
ernsthaft um den Tisch. Der Maikfer singt und spielt.)

    Und dann kommt das Flgelein,
    Summ -- Summ -- Summ!

(Bei Summ fliegen die Kinder in die Hhe und einmal in possierlicher
Haltung um den Tisch. Kaum haben sie sich von der Erde erhoben, so
lachen sie laut auf, klatschen in die Hnde und fallen -- bums -- auf
die Nase. Sie stehen sehr erstaunt auf.)

_Maikfer_

Ja, klatschen drft ihr nicht; dann geht's nicht; das ist eine uerst
ernsthafte Angelegenheit.

_Peterchen_

Na, ich bin schn hingepurzelt!

_Anneliese_

Und ich bin auch hingepurzelt.

_Maikfer_

Also, da versuchen wir die Geschichte noch einmal. -- Aufgepat!

(Die Kinder stellen sich auf.)

_Maikfer_

(spielt und singt)

    Rechtes Bein -- linkes Bein,
    Rechtes Bein -- usw....

(Sie fliegen bei Summ wieder auf, breiten diesmal die rmchen aus und
segeln so sehr schn zweimal um den Tisch. Beim zweiten Male aber hlt
es Anneliese nicht mehr aus.)

_Anneliese_

(klatscht in die Hndchen und ruft)

O, jetzt kann ich es aber!

(Bums, da liegen sie beide wieder auf der Nase.)

_Maikfer_

Ja, siehst du, kleine Anneliese, da liegt ihr schon wieder. In die
Hndchen klatschen drft ihr nicht; dann geht's gleich pardauz!

_Peterchen_

(reibt sich das Bein -- vorwurfsvoll)

Das war mal 'nen ordentliches Pardauz.

_Anneliese_

(ganz klein)

Ach, es war so schn, Herr Sumsemann; und da klatschten meine Hndchen
ganz von selbst. Aber ich will's jetzt nicht wieder tun. -- Nochmal,
Herr Sumsemann, bitte, ja? --

_Maikfer_

(setzt sich in Positur)

Also los. Aufgepat!

(Er spielt und singt)

    Rechtes Bein -- linkes Bein,
    Rechtes Bein -- usw.

(Die Kinder fliegen jetzt mehrere Male um den Tisch und lachen zuletzt
aus vollem Halse vor Freude, ohne jedoch die ausgestreckten rmchen zu
bewegen. Der Maikfer lt sein Spiel leise verklingen, und sie gleiten
sanft zur Erde.)

_Maikfer_

So, nun knnt ihr's.

_Peterchen_

(jubelnd)

Ach, das war mal famos! Es hat richtig gebrumst bei mir, wie ich
geflogen bin.

_Anneliese_

Ja, und bei mir hat es auch gebrumst.

_Maikfer_

Natrlich, das gehrt zum Fliegen.

_Peterchen_

Und nun fliegen wir nach dem Mond?

_Maikfer_

Das tun wir.

(Er stellt sich zu ihnen neben den Tisch.)

Jetzt pat auf; ich fliege vorweg, dann Peterchen, dann Anneliese. -- --
Halt! da fllt mir etwas ein; wir haben eine weite Reise vor und mssen
Proviant mitnehmen. Habt ihr etwas da?

_Die Kinder_

Ja, pfel von Muttchen.

_Maikfer_

Schn, dann nehmt sie, jedes ein Krbchen.

(Die Kinder nehmen ein jedes sein Krbchen.)

_Maikfer_

So, nun aufgestellt! -- Fertig?

_Anneliese_

Herr Sumsemann?

_Maikfer_

Was ist denn los?

_Anneliese_

Darf ich meine Puppe mitnehmen?

_Peterchen_

Und ich meinen Hampelmann?

_Maikfer_

Na, eigentlich beschwert uns das unntig; aber man kann nicht wissen,
wozu es gut ist. Holt schnell!

(Die Kinder springen zum Bett, holen Puppe und Hampelmann. Peterchen
grtet sich auerdem sein kleines Holzschwert ums Hemdchen.)

_Maikfer_

So, nun Puppe in die rechte Hand, pfelkrbchen in die linke, beide
rmchen ausgebreitet -- aufgepat!

(Er spielt, und sie springen hintereinander um den Tisch.)

    Rechtes Bein -- linkes Bein,
    Rechtes Bein -- usw.

(Sie fliegen auf und dreimal um den Tisch. Whrend sie um den Tisch
fliegen, ffnet sich die Wand im Hintergrunde des Zimmers, und man sieht
den Vollmond gelb und rund ber einer schnen, nchtlichen Wiese liegen.
Nach dem dritten Umfliegen wendet sich der Maikfer zum Hintergrunde,
und sie fliegen hinaus, ber die Wiese, immer weiter, auf den Mond zu.
Die Melodie verklingt leise in der Ferne.)

Vorhang.

Ende des ersten Aufzuges.




2. Bild.


Sternenwiese auf dem Mond. Eine weite, schneeweie Flche, mit vielen
kleinen, weien Pyramidenhgelchen bestanden. Auf jedem dieser kleinen
Hgelchen sitzt ein kleines Mdchen in silbernem Kleid mit silbernem
Haar. Alle haben auf den Knien groe Strahlenkronen von Silber, an denen
sie emsig mit goldenen Lppchen putzen. Im Vordergrunde steht rechts
eine groe silberne Pauke und links ein silbernes Fernrohr; an dieses
angelehnt ein groes Pustrohr. Im Hintergrunde ist ein weier Stall. Vom
Himmel herab hngt ein silberner Glockenstrang. Zwischen Pauke und
Fernrohr wandert das Sandmnnchen steifbeinig auf und nieder. Es hat ein
rotes, lustiges Gesicht, kugelrunde, groe Augen, mit denen es immerfort
zwinkert, eine spitze, lange Nase und ein spitzes Buchlein. Auf dem
Kopfe sitzt ihm eine seltsame Zipfelmtze. Es hat einen himmelblauen
Schlafrock an und himmelblaue Pantoffel. Schlafrock und Pantoffel sind
mit kleinen, weien Sternchen bestickt. In den Hnden, die es meistens
gravittisch auf dem Rcken verschrnkt hat, hlt es einen groen
Paukenstock. ber diesem allen spannt sich ein schwarzer Himmel ohne
irgendwelche Sterne. Auf der Wiese herrscht magisches, blulich-weies
Leuchten, das vom Boden auszugehen scheint. Als der Vorhang sich teilt,
geht ein silbernes Lachen von den vielen kleinen Sternenmdchen ber die
Wiese.

_Sandmnnchen_

Was lacht ihr denn so, ihr dummen Dinger?
Guckt mir lieber auf eure Finger!
Sonst gibt's wieder blinde Flecken am Himmel,
Grnspan am Mond, auf der Milchstrae Schimmel!
Es kommt jetzt bald der Onkel Komet,
Und wenn da nicht alles am Schnrchen geht,
Frit er von euch gleich ein Dutzend zur Strafe,
Rips -- raps -- rups, wie der Wolf die Schafe!
Also, jetzt wird mir flott geschruppt
Und nicht gelacht oder sterngeschnuppt!

(haut auf die Pauke.)

_Drittes Sternchen_

Sandmnnchen, mein Strahl hat 'nen Fleck!

_Sandmnnchen_

Putze nur tchtig, dann geht er weg!

_Drittes Sternchen_

Ach, mein Kind ist nicht artig gewesen.

_Sandmnnchen_

Gut, dann nimm mal den Scheuerbesen!

(Das Sternchen holt eine Brste hervor und scheuert.)

_Viertes Sternchen_

Sandmnnchen, mein Strahl hat 'ne Scharte!

_Sandmnnchen_

Ei, da nimm nur den Schleifstein, warte!

_Viertes Sternchen_

Ach, mein Kind hat Kuchen stibitzt!

_Sandmnnchen_

So, dann schleife nur, bis du schwitzt!

(Das Sternchen schleift seinen Strahl auf einem kleinen Schleifstein.)

_Fnftes Sternchen_

Sandmnnchen, mein Strahl ist verbogen!

_Sandmnnchen_

So, dann hat dein Kind wohl gelogen?

_Fnftes Sternchen_

Ja, ich glaube, schon wieder einmal.

_Sandmnnchen_

Hier ist der Hammer, klopfe den Strahl!

(Das Sternchen klopft mit dem Hmmerchen.)

_Sandmnnchen_

Ja, wenn die Kinder doch artig wren!
Wissen gar nicht, wie sie uns hier
Auf der Mondwiese das Leben erschweren. --
Wir mssen putzen und klopfen und schaben,
Wenn sie ihr Sternchen bekleckert haben.

(zum Publikum)

Himmel Bomben und tausend Granaten,
Seid mir ja artig -- das will ich euch raten!

(Es rollt frchterlich mit den Augen, schnaubt sich und haut auf die
Pauke.)

So, jetzt wird wieder ein Lied gesungen,
Damit die kleinen Mdchen und Jungen,
Die auf der Erde im Bettchen liegen,
Im Traum was Nettes zu hren kriegen.

(Die Sternchen singen gemeinsam, whrend das Sandmnnchen mit dem
Paukenstock den Takt schlgt.)

Singe, singe, sing', die Sternelein
Sitzen alle rings im Reih'n,
Putzen ihre Zicke-Zacken fein,
Mssen blitze-blinke-sauber sein --
Bums! (Das Sandmnnchen haut auf die Pauke.)

Husche, husche, husche, in der Nacht,
Wenn die Welt sich dunkel macht,
Finke-funkeln alle, welche Pracht,
Und der ganze Himmel blitzt und lacht --
Bums!

Surre, surre, surre, schlft das Kind,
Summ, summ geht der Wind.
Silbersand aus Sandmanns Sckchen rinnt,
Siebenhunderttausend Sternlein sind --
Bums!

_Sandmnnchen_

(sieht auf eine riesengroe Taschenuhr, die es mit vieler
Umstndlichkeit aus dem Schlafrock praktiziert)

Hallo, die Sonne ist untergegangen
Auf der Erde, (es lauscht) die Abendglocken klangen; --
Seid ihr fertig mit eurer Putzerei?

_Die Sternchen_

Ja, Sandmnnchen, ja!

_Sandmnnchen_

            Dann eins, zwei, drei,
Die Strahlen auf, ich ziehe die Bimmel,
Und jedes huscht auf sein Pltzchen am Himmel!

(Alle Sternchen setzen ihre Strahlenkronen auf und erheben sich. Jedes
holt ein kleines Spiegelchen hervor und ordnet sich die silbernen
Locken. Alsdann zieht das Sandmnnchen an dem Glockenstrang, und es
ertnt ein Klingen wie von tausend silbernen Glckchen aus der Hhe.)

_Sandmnnchen_

(lutet).

_Die Sternchen_

(singen)

    Auf der Erde ist Frieden,
    Auf der Erde ist Ruh,
    Alle Kinderlein schlafen,
    Haben die uglein zu.

    Alle Tierlein auf dem Felde,
    Alle Vglein im Wald,
    Alle Fischlein im Wasser
    Trumen nun bald.

    Hoch am Himmel, im Schweigen
    Der heiligen Nacht,
    Halten viel tausend Sternlein
    Treu ihre Wacht.

    Silberglckchen, die luten,
    Und Silberlicht rinnt,
    Und die Sternlein, die singen, --
    S trumt das Kind.

(Alle Sternchen verschwinden mit einem Schlage. Im gleichen Augenblick
ist der bis dahin schwarze Himmel tiefsammetblau und von Sternen
berst. Das Sandmnnchen lutet noch eine kleine Zeit und hrt dann
auf.)

_Sandmnnchen_

So, nun mu ich noch mal sehen,
Ob sie auch alle richtig stehen!

(geht ans Fernrohr, richtet es und sucht den Himmel ab.)

Ihr da, ihr beiden, ihr steht mir zu dicht!

(Zwei Sternchen rcken voneinander fort.)

Und du da, du Kleiner, das geht so nicht;
Du mut ein klein wenig hher stehen,
Sonst kann man dich von der Erde nicht sehen!

(Das Sternchen rckt.)

Hallo -- was ist denn das fr ein Klumpen?
Wollt ihr wohl auseinander, ihr Lumpen!

(Ein Haufen Sternchen stiebt auseinander.)

Die haben sich immer was zu erzhlen;
Na, wartet nur, das knnte mir fehlen!

(Es lt das Fernrohr.)

So, nun scheinen sie richtig zu stehen. --
Da will ich mal nach den Mondschfchen sehen,
Die mssen mir auch auf die Himmelsweide!

(wischt sich den Schwei.)

Ach ja, man hat schon so seine Freude!
Ist eines von den schwierigsten Dingen,
So einen Himmel in Ordnung zu bringen.

(Es geht zum Stall im Hintergrund und macht die Tr auf.)

Heraus, heraus auf die Himmelswiese!
Es gibt wieder herrliches Schnuppengemse!

(Es strzen etwa ein Dutzend kleine, weie Schfchen heraus, nach Art
der Kinderschfchen auf kleinen Rollbrettchen. Sie rollen quer ber die
Szene und verschwinden rechts. Gleich darauf zieht eine Kette silberner
Lmmerwlkchen von rechts am Himmel auf.)

Die htten, was sie brauchen; und nun
Mu ich noch das Wichtigste tun.
Alles soll hbsch nach der Reihe gehen;
Jetzt will ich nach Sckchen und Pustrohr sehen.
Mu den Kindern noch in die ugelein
Meinen silbernen Schlafsand streu'n,
Damit sie hbsch stille im Bettchen liegen
Und ordentlich rote Bckchen kriegen.

(Es nimmt das Pustrohr, fllt es aus dem Sckchen, geht nach dem
Hintergrund und blst viermal einen silbernen, leuchtenden Staub in die
Luft. Alsdann kommt es nach vorn und sieht noch einmal ber den ganzen
Himmel hin.)

So, nun ist Ordnung fr diese Nacht!

(selbstzufrieden mit den Augen rollend.)

Sandmnnchen hat's wieder gut gemacht. --
Ich denke, es wre jetzt ganz schn,
Auf der Milchstrae ein wenig spazieren zu gehen.

(Es dreht sich herum und zieht seine Uhr.)

Um zwlf Uhr bin ich zum Kaffee geladen
Bei der Nachtfee. -- Nun, da kann es nichts schaden,
Wenn ich mir noch etwas Bewegung verschaffe.
Er ist berhaupt viel zu stark, der Kaffee,
Den die Nachtfee braut; kann ihn gar nicht vertragen
Und kriege immer das Kullern im Magen.

(reibt sich mit komischem Fratzenschneiden den Magen.)

Und die Sahne, die ist auch viel zu dnn;
Weshalb ich bestimmt der Ansicht bin,
Es ist eine Krankheit unter den Himmelskhen,
Und man mte den Wendekreistierarzt bemhen.

(schwenkt herum.)

Na also, ich geh' mal zum Milchstraenmann,
Ob mir der darber was sagen kann.

(wirft noch einen Blick auf den Himmel.)

Hbsch ist mein Himmel, so blank und fein,
Kein Knigsmantel kann sauberer sein.

(Es stutzt pltzlich und legt die Hand ber die Augen.)

Potz tausend Granaten, was ist denn das? --

(Es starrt auf eine Stelle am Himmel und strzt dann zum Fernrohr.)

Da mu ich doch gleich mal durch's groe Glas! --

(visiert die Stelle mit dem Fernrohr an.)

Nanu -- das ist ja -- seh' ich denn recht?

(wischt sich heftig seine kleinen, kugelrunden ugelchen und guckt
wieder.)

Wahrhaftig! -- Na, der Spa ist nicht schlecht!
Da kommt ja ein richtiger Maikfer an,
Und zwei Kinderchen fliegen hinterdran?

(richtet sich auf, starrt staunend in die Luft und putzt sich immer
wieder die Augen.)

Guck an, man hat doch schon viel erlebt;
Aber sowas?... Kommen da angeschwebt,
Als wr's so ein Sonntagnachmittagsvergngen,
Schwupp, von der Erde zum Mond zu fliegen.
Man mu es im Mondkalender buchen! --
Neugierig bin ich, was sie hier suchen.
Will mal erst tchtig die Pauke schlagen
Und sie anbrllen und grimmig ausfragen.

(Es schwingt den Paukenstock, schlgt dreimal wuchtig auf die Pauke und
schneidet eine frchterliche Grimasse.)

Bum, bum, bum -- hier ist der Mond!
Rausgeschmissen wird, wer hier nicht wohnt!

(Der Maikfer, Peterchen und Anneliese erscheinen von rechts.)

_Maikfer_

Guten Abend, Herr Sandmann. Sie wollen gtigst entschuldigen ...

_Sandmnnchen_

Was, was, was, entschuldigen? Er ist ein Maikfer, Er gehrt auf die
dicke Kastanie und nicht auf den Mond! Was will Er hier? (schlgt auf
die Pauke.) Ich werde mal gleich ein paar Sternraketen gegen ihn
abschieen, da ihm der Bauch platzt!

_Anneliese_

Ach nein, Herr Sandmnnchen; bitte nicht schieen, bitte nicht bse
sein; da hast du auch einen Apfel; sei gut!

(Sie hlt ihm im ausgestreckten Hndchen einen Apfel hin.)

_Sandmnnchen_

(schon etwas begtigt)

Nanu? -- Was ist denn das fr ein kouragiertes, kleines
Frauenzimmerchen? Einen Apfel willst du mir schenken? Das ist allerdings
'ne Seltenheit auf dem Mond. Hier wchst so etwas nicht. Nur auf der
Weihnachtswiese, da wachsen die vergoldeten pfel, aber davon kann man
leider nichts haben. -- Gib mal her!

(nimmt den Apfel und beit hinein. Mit beiden Backen schmausend.)

Hm, das schmeckt groartig; so was hab' ich noch nie gegessen; sehr
schn, sehr schn! (Schon sehr begtigt.) Aber, nun sagt mal, ihr
Hemdenmtze ihr; was wollt ihr denn hier oben? Ihr sollt doch schlafen!

_Peterchen_

(tritt vor)

Herr Sandmnnchen, wir sind auf einer Abenteuerfahrt. Wir sind
ausgezogen, um dem armen Maikfer Sumsemann hier sein Beinchen
zurckzuerobern.

_Sandmnnchen_

Hoho! Du bist ja ein sehr khner, kleiner Mann! -- -- Gib mir mal auch
einen Apfel!

_Peterchen_

Ja, den geb' ich dir gerne. Aber dann sag' uns auch, wo das Beinchen
ist.

(Er gibt dem Sandmnnchen einen Apfel, das Sandmnnchen schmaust.)

_Sandmnnchen_

Schmeckt prchtig, schmeckt prchtig! Ja, und nun wartet mal! Wie heit
der Maikfer doch? -- Sumsemann? -- Sagtest du nicht Sumsemann?

_Maikfer_

(Kratzfu)

Sumsemann, zu dienen, Herr Sandmann!

_Sandmnnchen_

(tippt sich auf die Stirn.)

Ja, da fllt mir etwas ein!... Sumsemann, Sumsemann? Den Namen hab' ich
doch schon gehrt?... Aha, jetzt wei ich es wieder! Du bist der
Maikfer, dessen sechstes Beinchen hier auf dem Berg beim Mann im Monde
ist?

_Maikfer_

(Kratzfu)

Ganz richtig, Herr Sandmann!

_Sandmnnchen_

O ja, o ja, deine Geschichte kenne ich; sie ist traurig, sie ist sehr
traurig. Die Nachtfee hat sie uns einmal auf dem Kaffeeklatsch erzhlt;
wir waren alle sehr gerhrt. (starrt ihn an.) Kreuz Himmelsziege und
Mondsalat; und da hast du tatschlich zwei artige Kinderchen entdeckt,
die dir helfen wollen? Na, da hast du aber Glck; das heit, wir wollen
erst mal sehen, ob die Kinder auch immer artig waren. (zu den Kindern)
Wie heit ihr beide?

_Peterchen_

Ich heie Peterchen!

_Anneliese_

Ich heie Anneliese!

_Sandmnnchen_

(zieht an dem Glockenstrang, und das Luten der vielen Glckchen ertnt.
Darauf hlt es die Hnde an den Mund und ruft zum Himmel hinauf:)

Die Sternchen von Peterchen und Anneliese sollen mal schnell
herunterkommen!

(Zwei Sternchen fallen vom Himmel, und gleich darauf stehen zwei
liebliche Sternenmdchen auf der Wiese und strecken nach den Kindern die
Arme aus. Die Kinder laufen jubelnd zu den Sternchen und schmiegen sich
an sie.)

_Peterchens Sternchen_

Peterchen! mein Peterchen!

_Annelieses Sternchen_

Meine kleine Anneliese!

_Sandmnnchen_

Na, nun mal keine unntige Rhrung;
Die Sache ist ernst, es geht um die Fhrung!

(streng.)

Peterchens Sternchen, gib genauen Bericht;
War Peterchen artig, oder war er es nicht?

_Peterchens Sternchen_

(kt Peterchen)

Mein kleiner Junge war artig und brav,
Immer, immer, im Wachen und im Schlaf.

_Sandmnnchen_

Und du, kleines Sternchen, gib mal Bescheid!
War Anneliese artig zu jeder Zeit?

_Annelieses Sternchen_

(kt Anneliese)

Mein kleines Mdchen ist immer lieb gewesen;
Von keiner Unart wei ich, von keinem Bsen.

_Maikfer_

(schreit)

Hurra, hurra, das ist mal ein Glck!
Jetzt krieg' ich gewi mein Beinchen zurck!

(Er ist so wild umhergesprungen vor Vergngen, da er abermals auf den
Rcken gefallen ist.)

O -- das ist sehr fatal -- entschuldigen Sie, meine Herrschaften!

_Sandmnnchen_

(komisch erschreckt)

Nanu? -- Was macht denn der? Was ist denn das fr 'ne neumodische Art,
sich zu benehmen?

_Maikfer_

Ach, mir war die Freude so in die Glieder gefahren!

_Sandmnnchen_

Und da mu er gleich alle Glieder von sich strecken?

(Peterchen und Anneliese eilen ihm zu Hilfe, und er kommt wieder auf die
Beine.)

_Peterchen_

Herr Sandmnnchen, dafr kann er nicht; es passiert ihm aus Versehen.
Ich kenne das von den Maikfern. Und er hat auch nur fnf Beinchen, da
kann er sich nicht so schnell rappeln.

_Sandmnnchen_

(streichelt die Kinder.)

Na ja, ich sehe jetzt, da ihr gute Kinder seid und will euch helfen.
Also, nun nehmt mal zuerst von euren Sternchen Abschied!

(Peterchen und Anneliese umarmen ihre Sternchen.)

_Peterchen_

Leb' wohl, mein liebes Sternchen, ich danke dir schn!

_Anneliese_

Leb' wohl, mein liebes Sternchen, auf Wiedersehen!

_Die Sternchen_

Ade, ihr lieben Kinderchen, verget uns nicht!
Wir gren und wir winken euch mit silbernem Licht!

(Sie huschen fort und tauchen im gleichen Augenblick am Himmel als
Lichtpnktchen auf. Die Kinder starren ihnen nach.)

_Peterchen_

Husch, sind sie fort! -- Guck Anneliese,
Da stehen sie wieder auf der Himmelswiese!

_Sandmnnchen_

So, nun kommt mal her, Kinderchen; jetzt wollen wir beraten, wie wir es
am besten anfangen. Die Geschichte ist nmlich gar nicht so einfach,
denn der Mondmann ist sehr bse.

_Peterchen_

(mutig)

O, den hau' ich schon mit meinem Schwert!

_Sandmnnchen_

(lchelt)

Na ja, du mutiger, kleiner Mann, das glaube ich dir schon; aber so mir
nichts, dir nichts, geht die Sache denn doch nicht; es mu schon ein
wenig vorbereitet werden, und da kommt mir eben ein groartiger Gedanke.

(zieht die Uhr.)

Jetzt ist es halb zwlf; um zwlf Uhr bin ich bei der Nachtfee zum
Kaffeeklatsch geladen; mein Mondschlitten mu gleich hier sein. Also, da
will ich euch mal etwas sagen: Ihr steigt jetzt alle drei mit ein, und
wir fahren zu Vieren zur Nachtfee aufs Schlo. Dort sind noch viele
andere Leute eingeladen; mit denen wollen wir gemeinsam beraten, wie es
am besten zu machen ist.

_Peterchen_

Das ist famos -- da freue ich mich drauf!

_Maikfer_

(Kratzfu)

Verbindlichsten Dank, Herr Sandmann!

_Sandmnnchen_

Seht ihr, da kommt auch schon mein Schlitten!

(Ein schneeweier Schlitten, von sechs silbernen Nachtfaltern gezogen,
fhrt vor.)

_Sandmnnchen_

Einsteigen, einsteigen, wir haben keine Zeit,
Der Weg ist weit, der Weg ist weit!

(Alle steigen ein -- Sandmnnchen setzt sich auf den Bock.)

_Sandmnnchen_

(knallt mit der Peitsche)

Hui, hallo, auf, wie der Wind!
Wie der Blitz gefahren, geschwind, geschwind!

(Sie fahren davon.)

Vorhang.

Ende des zweiten Aufzuges.




3. Bild.


(Groer Saal im Schlo der Nachtfee. Eine blaue Kuppelhalle, in die von
oben die Sterne hereinsehen. Rechts und links weite Eingnge vor
schwarzem Hintergrunde. Der Boden der Halle ist silbergrau. In der Mitte
des Raumes steht eine silberne Treppenpyramide mit einem Thron. Der
Thron leuchtet von innen. Rechts und links von dem Thron zwei Tafeln aus
blassem Marmor, auf denen silberne Tassen und silberne Teller stehen.
Bei jedem Gedeck steht ein silberner Stuhl. Auf dem Thron sitzt die
Nachtfee, in einem tiefblauen Mantel, der mit Sternen bestickt ist. Sie
hat ein blasses, edles Antlitz. In ihrem tiefschwarzen Haar trgt sie
eine silberne Mondsichel als Krone. In der Halle herrscht bluliche
Dmmerung. Aus der Hhe ertnt eine se Harfenmusik, zu deren Melodie
an dem Fries der Halle entlang eine Kette reigentanzender Sternenmdchen
ununterbrochen hinzieht. Es sieht aus, als kmen die Mdchen vom Himmel
herein, zgen durch den Raum und wieder in die Tiefe der Nacht hinaus.
Eine Glocke schlgt aus der Hhe mit zwlf tiefen Schlgen.)

_Nachtfee_

Mitternacht! -- Die Welt schlief ein;
Frieden, Frieden soll ber ihr sein!

(Ein ferner Chor nimmt den Ruf auf und singt immer leiser, immer
ferner.)

Frieden, Frieden soll ber ihr sein,

(Der Chor verklingt.)

_Nachtfee_

Nun kommen wohl bald meine Gste an,
Ich hre schon den Donnermann.

(Man hrt fernen Donner, strker und strker. Pltzlich gibt es einen
gewaltigen Krach, und auf einer groen Pauke kommt von rechts der
Donnermann hereingeritten. Er hlt vor dem Thron der Fee und steigt ab.
Eine riesige Gestalt, dick und ungeschlacht, mit rotem, borstigem Bart
und roten Haaren. Er hat ein schwarzledernes Wams an und hohe
Kanonenstiefel.)

_Donnermann_

(macht vor der Nachtfee eine Verbeugung.)

Zum Donnerwetter, da bin ich gekommen;
Habe mir keine Zeit genommen;
Bin gleich, weil du mich geladen hast,
Auf meiner Pauke hierher gerast.
Mein Weib, die Blitzhexe, lt dir sagen,
Sie htte noch schnell mal wo einzuschlagen
Und kme dann hinterher geritten;
Derweil zu gren lt sie bitten!
Potz -- Himmel -- Bomben -- Donnerwetter,
Unterwegs berholt' ich meinen Vetter,
Den Hagelhans, er mu gleich kommen,
Hat ein graues Wolkenschiff genommen,
Hat ein Loch an der Mondsichel ins Segel geschnitten,
Lt derweil durch mich um Entschuldigung bitten.
Potz -- Krach -- Blitz -- Donner -- Bombenschlag --
Ich bin hier und sage dir guten Tag!

(Es donnert, und er verneigt sich.)

_Nachtfee_

Ich danke dir fr deinen Gru, mein Lieber;
Setz' dich nur dort an die Ecke herber,
Und ich bitte dich, mach' ein freundlich Gesicht
Und erschreck' mir meine Sternenkinder nicht!

_Donnermann_

(nimmt Platz)

Potz Bomben, ich will's versuchen, schne Frau;
Doch entwischt mir ein Donner, nimm's nicht so genau.

_Nachtfee_

(verbindlich)

Bitte, bitte, ich lege darauf kein Gewicht,
So ein klein wenig schadet ja nicht. --
Ah, die Windliese kommt, sie ist sehr schnell
Und immer mit den Ersten zur Stell'.

(Ein Windsausen geht durch die Luft, und die Windliese kommt von rechts
auf einem Besen hereingeritten. Sie hat ein rotbckiges, dickes Gesicht;
blondes, wirr um den Kopf stehendes Haar und ein graublaues
Schleierkleid. Whrend sie spricht, suselt ein leiser Wind; wenn
mglich flattern ihre Schleier.)

_Windliese_

(macht einen Knicks)

Hui -- hui -- Sumsiselsei!
Komm' schnell auf meinem Besen herbei,
Hab' tausend Meilen zurckgelegt,
Bin ber Wiesen und Wlder gefegt,
Hab' an allen Tren und Fenstern gerttelt,
Hunderttausend Kirschen von den Bumen geschttelt.
Haha -- hoho -- huhu -- sieh sieh --
Die Windliese ist hie, die Windliese ist hie!

(Sie knickst noch einmal.)

_Nachtfee_

(begrt sie)

Freut mich sehr, da Sie zu meinem Kaffee kamen
Und sich die Zeit bei ihren Geschften nahmen.
Ich habe noch eine Reihe von Gsten geladen,
Es gibt Kaffee, Schokolade und Mondscheinfladen.
Der Donnermann ist auch gekommen
Und hat zur Linken Platz genommen.

(Sie begren sich.)

_Donnermann_

Potz Knatter, freut mich, Base Wind,
Da Sie so schnell gekommen sind.
Wo ist denn aber mein Freund, Ihr Mann,
Der Sturmriese? Kommt er noch hinterdran?

_Windliese_

(knickst und suselt)

Mein Mann hat noch auf dem Meere zu tun,
Wirft noch ein paar groe Mastbume um;
Es dauert nicht lange, bald ist er hier.
Eh' ich abgereist bin, sagte er mir:
Bgele mir auch die Windhose gut
Und meinen neuen Wirbelwetterhut!
Er brllte dann noch etwas von Gren
An seinen Freund, den Donnerriesen ...

_Donnermann_

(verneigt sich)

Danke, danke, war mir immer ein groes Vergngen,
Mit dem Sturmriesen ber die Erde zu fliegen.

_Windliese_

(knickst und kreiselt unter fortwhrendem Suseln zu ihrem Platz.)

_Nachtfee_

Ich merke schon, die Luft wird grau;
Jetzt kommt wohl die dicke Wolkenfrau.

(Es kommt von rechts eine dicke, grauhaarige, pausbckige Frau herein,
in eine mchtige, graue Krinoline und eine dunkelblaue Bluse mit groen
Ballonrmeln gekleidet. An rmelenden, Hals und Rocksaum sehen weie
Kanten hervor. Sie hat gemtliche, langsame Bewegungen und eine weiche,
tiefe Stimme.)

_Wolkenfrau_

(mit Verneigung)

Guten Tag, Frau Nachtfee,
Wie geht's auf dem Mond?
Ich finde, da es sich immer noch lohnt,
Sie zum Kaffee in ihrem Schlo zu besuchen;
Sie haben ausgezeichneten Fladenkuchen.

_Nachtfee_

Liebe Wolkenbase, ich freue mich sehr,
Setzen Sie sich nur hierher!
Sie finden schon Freunde, (mit Handbewegung)
                          den Donnermann
Und die Windliese ...

(Die beiden erheben sich und begren die Angekommene.)

_Wolkenfrau_

(knickst)

                    Ah, das nehm' ich mir an!
Zwei so angenehme, sympathische Leute;
Es ist mir eine besondere Freude!
Ich hoffe nur, da die Sonne, das Biest,
Nicht etwa auch geladen ist;
Hat mir neulich wieder durch's Kleid gebrochen
Und mich mit ihren Strahlen zerstochen.

_Nachtfee_

Die Sonne kommt auch, es war an der Zeit;
Das verlangt die Sitte und Hflichkeit.
Ich habe sie aber so gesetzt,
Da sie die Base nicht weiter verletzt;
Mir ist ja die alte Feindschaft bekannt.

_Wolkenfrau_

(verneigt sich)

Sehr liebenswrdig, sehr charmant!

_Nachtfee_

Bitte, nehmen sie Platz beim Donnermann!

_Wolkenfrau_

(setzt sich dort)

Nicht angenehmer man sitzen kann!

(Es wetterleuchtet im Raum.)

_Nachtfee_

Die Blitzhexe kommt, man merkt sie schon ...

(Der Donnermann springt auf und donnert.)

_Nachtfee_

Oh bitte, bitte, mehr Distinktion!
Sie drfen Ihre Liebe hier nicht so zeigen;
Hbsch sittsam sein, abwarten und schweigen!

(Der Donnermann setzt sich verlegen.)

_Donnermann_

Potz Donner, Verzeihung, es ist mir entwischt!
Wenn ich merke, da mein Blitzweib irgendwo zischt,
Dann kriege ich immer den Donnerdrang ...

(Ein greller Blitz zuckt auf, die Blitzhexe saust von rechts auf einem
toten Baumast herein. Sie hat ein schwefelgelbes Kleid an, ein gelbes,
spitzes Hexengesicht, lange, gelbe Krallenfinger und eine starr nach
hinten in die Luft stehende, lohrote Haarfahne. Als sie hereinspringt,
fhrt der Donnermann von seinem Sitz und begrt sie mit einem
schmetternden Donnerschlag.)

_Donnermann_

(brllt und umarmt die Blitzhexe)

Mein Weib, mein geliebter Schwefelgestank!

_Blitzhexe_

(schrill)

Bin hie -- gr di! -- Sirrrr -- sirrrr -- krakecks!

(Sie wendet sich zur Nachtfee.)

Sirrrr -- sirrrr -- liebe Base -- da ist der Blitz!
Zerschlug nur noch schnell eine Kirchturmspitz',
Hatte Auftrag, mut' ihn erledigen schnell;
Sirrrr -- sirrrr -- krakacks, -- bin zur Stell'!

(Wenn sie Sirr -- Sirr sagt, blitzt es.)

_Nachtfee_

Liebe Blitzhexe, es ist mir sehr angenehm,
Ich hoffe, Sie machen es sich bequem;
Doch bitte ich, etwas weniger Schwefelduft.

(Sie hlt sich die Nase zu. Der Donnermann brllt vor Lachen.)

Sie verderben mir sonst die gute Luft.

_Blitzhexe_

(knickst)

Gewi, gewi, wei auch, was sich schickt,
Wird eben der Schwefelfaden abgezwickt.
Sirrr -- will mich beherrschen, hoffe, es glckt;
Wenn's mich auch drngt und zwackt und jckt,
Den kstlichen Feuerduft zu verbreiten;
Sirrr -- sirrr -- das sind ja nur Kleinigkeiten!

_Nachtfee_

Bitte, bitte, (mit Wendung zu den anderen)
              Windliese und Wolkenfrau
Nehmen's damit wohl nicht genau;
Aber es kommen noch andere Gste
Zu meinem heutigen, schnen Feste:
Das Taumariechen, der Milchstraenmann,
Die man nicht gut beschwefeln kann.
Verzeihen Sie also meine Bitte,
Und nehmen Sie Platz, liebe Base Blitz,
Ich glaube, es kommt schon der Regenfritz.

(Die Blitzhexe knickst und springt in Zickzacklinien zu ihrem Platz. Man
hrt Regenrauschen und auf einem groen Regenschirm kommt von rechts der
Regenfritz herein. Eine fadendnne, lange Gestalt in schlechtsitzendem,
grauem berrock, zu kurz geratenen, grauen Hosen, grauem Zylinder und
ausgetretenen Zugstiefeln. Langes, strhnig hngendes, verwaschen
blondes Haar; eine rote, spitze Schnupfennase und Triefaugen. Er hat
eine lig fltende, melancholische Greinstimme. Er trieft von Wasser. Wo
er steht, bilden sich sofort Pftzen.)

_Regenfritz_

Drppel -- tp -- tp -- liebe Fee der Nacht,
Sie haben mir gtige Einladung gemacht.

(Er verbeugt sich.)

Ich bin gerne gekommen -- tp -- top -- t -- ti,
War ein weiter Ritt auf dem Parapluie.
Hab' zwar im Mai meist wenig zu tun,
Hin und wider mal drppeln, meist mu ich ruh'n;
Hab's aber eben noch gerade erreicht
Und fnfzig neue Kleider milde durchgeweicht,
An siebzehn Stellen sanft durch die Decke geregnet,
Tische, Sthle und Betten mit Pftzen gesegnet,
Zwlf Landpartien freundlich berieselt,
Zweihundert Kinderchen haben's mit Schnupfen benieselt,
Dreizehn Handwerksburschen, bis aufs Hemd,
Habe ich liebevoll durchgeschwemmt. --
Nun ja, man mu eben zufrieden sein,
Der Mai ist trocken, die Arbeit nur klein.

_Nachtfee_

Es freut mich, mein Herr Regenfritz.
Hier linker Hand ist jetzt Sein Sitz;
Aber sage Er nur, was fngt Er an,
Hat Er gar nichts Gutes auf Erden getan?
Treibt er da unten denn nur noch Possen?

_Regenfritz_

O nein, Frau Nachtfee, ich hab' auch begossen
Einige Felder und einige Wiesen
Und einige Grten mit Obst und Gemsen.
Jedoch nach dem lieben Monat April
Ist im Mai die Zeit langweilig und still.
Da nehm' ich dann tp -- tp -- die Regenspritze
Und mache meine unschuldigen Witze.
Ich gehe dabei nicht so strmisch zu Werke
Wie die anderen, die ich hier bemerke;
Ich mache das sanft und lasse mir Zeit,
Bei vieler Milde und Grndlichkeit.

_Nachtfee_

Gewi, ich wei, ohne Donnern und Blitzen --
Nur riesele Er, bitte, hier keine Pftzen!

(Die bereits Angekommenen machen ein Freudengetse.)

_Regenfritz_

(indem er sich zu ihnen setzt)

Sie brauchen gar nicht so grob zu lachen
Und sich ber mich lustig zu machen;
Heute ist der und morgen ist jener in Mode,
Und ein jeder von uns hat seine Methode.

_Nachtfee_

Der Sturmriese kommt, ich hre ihn heulen.

(Lautes Brausen ertnt. Der Sturmriese springt herein; eine gewaltige
Gestalt, die grte von allen. Der Sturmriese trgt keinerlei Gewandung,
sondern ist mit schwarzem, zottigem Fell behaart, hat einen mchtigen,
schwarzen Bart, ebensolches Haar und trgt ein paar gewaltige, schwarze
Flgel an den Schultern. In der Faust hlt er einen abgerissenen
Eichenast.)

_Sturmriese_

Puh! -- Da bin ich! -- Komme vom Ozean,
Schnallte meine schnellsten Flgel an!
Bin wie der Teufel durch die Luft gesaust,
Durch Gebirg und Urwald herangebraust!
Lie auf dem Flug mir keine Zeit,
Weil Ihre Einladung mich furchtbar freut!
Habe nicht Wind- noch Wasserhose angezogen,
Sie mssen verzeihen, bin so geflogen! (Er verneigt sich.)

_Nachtfee_

Lieber Sturmriese, es ist mir ein groes Vergngen,
Da Sie meinetwegen so eilig fliegen;
Doch mu ich sagen, es wre schn,
Sie etwas mehr bekleidet zu seh'n.
Bitte, setzen Sie sich hinter die Wolkenfrau,
Die nimmt es damit nicht so genau.

_Sturmriese_

Danke, danke! (setzt sich dort.)

_Wolkenfrau_

(ngstlich)

              Nicht zu nahe setzen,
Und mir nicht wieder das Kleid zerfetzen,
Wie neulich, das war sehr ungezogen!

_Sturmriese_

Hu -- hu -- das war nur ein harmloses Spielen!

_Wolkenfrau_

Ich liebe es nicht, das Kleiderzerwhlen!

_Nachtfee_

Es wird khl, die Eisgeschwister kommen an,
Drauen trommelt der Hagelmann.

(Man hrt ferne Trommelwirbel, die sich schnell nhern. Der Hagelhans
kommt herein, ein groer Mann, mit glattem, blau geschminktem Gesicht,
in enganliegender Uniform von silbergrauer Farbe mit blauer Stickerei.
Silbergraue Gamaschen und blaue Brenmtze. An den Stiefeln trgt er
groe Radsporen und eine groe, silberne Trommel am Grtel, auf der er
Wirbel schlgt.)

_Hagelhans_

(schlgt die Hacken zusammen)

Klirrrrr -- der Hagelhans ist zur Stelle;
Hat viel zu tun in der Mittagshelle;
Mu in den heien Frhlingstagen
Die Ehre des Winters zu Ansehn tragen;
Tut's gern, ist ihm eine dienstliche Pflicht,
Kennt Mitleid mit Blumen und Saaten nicht,
Zerschmettert all' den albernen Kram,
Wo er ihm in die Marschroute kam;
Schiet mit tausend Flinten zu gleicher Zeit, (schlgt einen Wirbel.)
Trifft sicher, ist gegen alles gefeit;
Kennt kein sanft suselndes Betragen,
Hat immer alles kurz und klein geschlagen;
Ist grndlich in seinem Dienstrevier,
Nachts hat er Urlaub -- jetzt ist er hier!

(grt militrisch.)

_Nachtfee_

Es freut mich der Besuch des gestrengen Herrn.
Ich habe zwar seine Arbeit nicht gern;
Doch ist sie wohl zu manchem gut,
Vornehmlich gegen den bermut.
Bitte, nehmen Sie Platz, dort ist Ihr Sitz,
Neben dem Donnermann und der Base Blitz.
Ich glaube, zu unserer groen Freude
Ist Ihre liebe Schwester schon nah,
Frau Holle ...

(Frau Holle kommt in einem Wirbel von Flocken herein. Sie sieht aus wie
ein groes, weies Bett; hat ein gutmtiges, gertetes Gesicht unter
schlohweiem Haar und unter jedem Arm ein Bettkissen, aus dem, wenn sie
darauf drckt, Flockenkaskaden aufsprhen.)

_Frau Holle_

(verneigt sich)

Frau Holle ist da! Frau Holle ist da!
Hab's beinah' verschlafen, ja ja, ja ja!
Halte schon meine Sommerruhe
Im hohen Norden. Meine Bettentruhe
Ist sorgsam vor der Sonne verschlossen;
Sie hat impertinent mit Strahlen geschossen;
Ich mute tief ins Eisschlo fliehen,
Um mich nicht zu verbrhen, ja ja, zu verbrhen.
Hab' geschlafen, wie sieben Murmeltiere, --
Weckt ein Sternchen mich und brachte mir Ihre
Einladung zu dem groen Empfang; --
Besten Dank, liebe Base, besten Dank, besten Dank!

_Nachtfee_

Liebe Base Holle, es freut mich sehr.
Ich hoffe, es ward ihnen nicht zu schwer
Das Aufsteh'n, und denke Sie zu entschdigen. --
Bitte, bitte, lassen Sie sich nicht ntigen!
Schlagsahne wird es in Menge geben,
Ich wei, Sie essen sie gern fr ihr Leben.

_Frau Holle_

O kstlich, kstlich, Schlagsahne auf Eis;
Es gibt nichts Besseres, ich wei, ich wei! --
Ein schnes Fest, das mu man sagen;
Da kann man nicht klagen, gewi nicht klagen.
Als Dank spendier' ich deinem Feste zum Glanz
Nachher meinen neuen Flockenwirbeltanz.

_Nachtfee_

Sehr liebenswrdig; ist mir eine Freude!
Bitte, setzen Sie sich an jener Seite!

(Frau Holle setzt sich. Durch die Tr tritt der Eismax. Groe, schlanke
Gestalt mit spiegelblanker Glatze und grnem, starr aufgebrstetem
Schnauzbart. Er trgt ein Monokel. Seine glasgrne Uniform ist mit
silbernen Eisblumen bestickt. Er trgt weie Lackstiefel mit silbernen
Klingsporen. Sein Benehmen ist militrisch. Er schlgt die Sporen
zusammen und grt.)

_Eismax_

Jndigste Nachtfee, melde jehorsamst zur Stelle!
Jereist mit jletscherhafter Schnelle.
Zwar fr mich unjewhnliche Zeit;
Aber doch eisbrenmig jefreut!
Wo alle sich zum Empfang einstellen,
Darf Eismax selbstverstndlich nich fehlen.
Bitte erjebenst, eines nur:
Etwas jekhlte Temperatur!
Und die Sonne, das jreuliche Weib,
Mir nich so nahe uff 'n Leib.
Kann die Person durchaus nich vertragen,
Krieje Triefaugen und weichen Kragen,
Janzer Anzug schlgt Jammerfalten,
Kann Monokel nich mehr halten.
Sonst vor Frauen stets jute Fijur,
Nur vor Sonne nich 'ne Spur;
Verdirbt mir Laune und jeden Spa,
Wei auch jarnich, bin ejal na.
Unausstehlich! Na, berhaupt,
Denke, da mir das jeder jlaubt!

_Nachtfee_

Bitte, Herr Eismax, ich wei Sie zu schtzen
Und werde Sie khl und luftig setzen.

_Eismax_

Danke erjebenst, bin sehr bejlckt,
Habe Eisblumenstruchen jepflckt,
Um anjemessen zu bejren;
Lege jehorsamst zu Ihren Fen.

(legt den Strau auf die Thronstufen.)

_Nachtfee_

Danke sehr, danke, Herr Leutnant,
Sehr liebenswrdig, sehr galant. --
Bitte dort drben am linken Tisch,
Jene Seite ist khl und frisch.

(Der Eismax klirrt mit den Sporen und setzt sich. Herein kommt der
Wassermann. Eine fette Gestalt, pausbackig, mit Schilfhaar, Froschmaul
und -augen, Flofingern und -zehen und grasgrner Haut. Er trgt einen
grnwei gesprenkelten Badeanzug und in jeder Hand einen groen
Schwamm.)

_Wassermann_

Putsch -- patsch -- blubber -- quax! -- Putsch -- patsch!
                    blubber -- quax!
Guten Tax allerseits -- guten Tax -- guten Tax!
War 'ne weite, beschwerliche Fahrt -- noaaaaaa!
Bin aber blubber -- blubber -- trotzdem da.

(verneigt sich.)

Bin gefahren -- uax -- auf dem Muschelschiff,
Vom Grunde des Meeres -- uax -- wo ich schlief.
Meine Seejungfern tanzten am Ufer Reigen,
Spielten Schlickversteckens und Blasensteigen;
Haben mir in einer groen Blase
Die Einladung gebracht, Frau Base.
War mir -- blubber -- blubber -- sehr schmeichelhaft,
Hab' mir neue -- uax -- Wasserhosen angeschafft;
Aber ich bitte, (drckt sich ber dem Kopf einen Schwamm aus)
                vor allen Dingen,
Mich -- uax -- uax -- wsserig unterzubringen.
In der Luft -- uax -- ist es unangenehm. (drckt sich den andern Schwamm
ber dem Kopf aus.)

_Nachtfee_

Machen Sie sich's nur recht bequem,
Bitte, ich habe auch daran gedacht
Und es Ihnen so schn als mglich gemacht.
Dort steht Ihre silberne Badewanne,
Ein Sternenmdchen soll mit der Kanne
Begieen.

_Wassermann_

    Uax -- das ist angenehm!

(steigt in die Badewanne.)

Ist mir -- uax -- ein lieber Platz!

(Ein Sternenmdchen kommt mit einer Giekanne.)

Fang' nur gleich an, du kleiner Fratz!

(Das Sternenmdchen begiet ihn, und er stt ein wohliges Grunzen aus.)

_Nachtfee_

Die Sonne naht sich, ich fhle ihr Licht.
Meine lieben Gste, krnken Sie nicht
Die Knigin, sie ist mir an Wrde gleich
Und ehrt mit ihrem Besuch mein Reich.
Sie kommt mit ihren Tchtern und Shnen,
Wir mssen uns an sie gewhnen
Fr einige Stunden, bei Kaffee und Kuchen;
Es bleibt ja bei Hflichkeitsbesuchen.

(Man hrt eine ferne, rauschende Melodie. Goldiges Licht fliet in den
Raum. Von links tritt die Sonne ein; ihr zur Rechten und Linken ihre
beiden Tchter, Morgen- und Abendrte, hinter ihr die beiden Shne, der
Morgen- und der Abendstern. Die Sonne trgt ein goldenes Kleid und eine
silberne Strahlenkrone. Sie hat ein edles Gesicht und weies Lockenhaar.
Ihre Tchter tragen rosige Schleier und purpurrote Krnze auf goldenen
Locken; die Shne gehen in silbernen Rstungen. Beim Eintritt der Sonne
erhebt sich die Nachtfee und mit ihr alle bereits Angekommenen. Der
Eismax, die Wolkenfrau und Frau Holle drcken sich mit abwehrenden
Gesten mglichst weit. Der Eismax sucht sich mit komischer Steifheit
hinter die Wolkenfrau zu verstecken. Donnermann, Hagelhans, Windliese,
Sturmriese, Blitzhexe und der Wassermann verneigen sich. Die Nachtfee
steigt vom Thron und geht der Sonne entgegen.)

_Nachtfee_

Ich gre die Hohe, die den Tag regiert,
Und, da Ihr Weg Sie zu mir gefhrt,
Soll Sie wissen, da ich glcklich bin; --
Willkommen mir, Schwester, Knigin!

(Sie umarmen sich. Whrend der Umarmung wird es abwechselnd hell und
dunkel im Raum.)

Auch deine Kinder an deiner Seite
Sehe ich mit herzinniger Freude;
Morgen- und Abendrte, die Sen,
Sumen den Himmel zu meinen Fen.

(Sie kt die beiden.)

Und deiner Shne strahlendes Paar,
Morgen- und Abendstern, schmckt mir das Haar,
Wenn ich der Erde nahe und scheide; --
Ich dank' ihnen innig,

(schttelt die Hnde der beiden.)

                       ich liebe sie beide.

_Sonne_

Du schne Schwester, du stille Nacht,
Der Gru meiner Liebe sei dir gebracht.
Sind unsere Reiche auch ewig geschieden;
Mein ist die Arbeit -- dein ist der Frieden;
Schlingen wir doch um die Guten und Bsen
Den _einen_ Reigen und segnen die Wesen,
Die auf der wundertiefen Welt
Liebe in prunkendes Leben gestellt.
Gern kam ich, Schwester, zu deinem Feste;

(mit einer Neigung zu den anderen.)

Gre auch deine anderen Gste,
Stand in Verbindung mit manchem von ihnen,
Mute mich oft ihrer Krfte bedienen
In der mh'reichen Monde Flucht;
Freue mich, da sie dich auch besucht.

(Die Sonne nimmt mit ihren Kindern an der Tafel zur Rechten der Nachtfee
Platz. Die Nachtfee kehrt auf ihren Thron zurck. Das Taumariechen tritt
von links ein. Ein ses, blasses, dunkelhaariges Mdchen in
mattsilbernem, kurzem Gazekleid ber nachtblauem Grund. Auf ihrer Stirn
ein silbernes Krnchen, an ihren nackten Armen und Fen klingen
silberne Reifen, von ihrem Grtel hngen blasse Perlenschnre. Sie trgt
eine kleine, silberne Trinkschale. Bei ihrem Eintritt klingen leise
Harfentne in der Luft, wie fallende Tropfen. Sie tritt vor den Thron
und kniet dort.)

_Das Taumariechen_

Liebe Mutter, ich habe fr diese Nacht
Deinem Willen gehorsam mein Werk vollbracht;
Alle drstenden Grser und Blten erquickt,
Alle schlafenden Wlder mit Perlen geschmckt;
Hing in Grten viel Kettlein an Zweig und Baum,
Gab den grnen Bschen den Tropfensaum;
Fllte mit segnender Frische die Luft,
Strich auf Bltter und Frchte den silbernen Duft;
Hab' alle bunten Wiesen leise gekhlt,
Mit den Nebeln ber dem See gespielt,
Hab' der Morgenrte das Land geschmckt
Und alle Wesen im Traum erquickt. --
Kss' mich nun, Mutter, mein Werk ward schn,
Und la mich in deine Augen seh'n.

_Nachtfee_

(breitet ihre Arme aus)

Mein holdes, mein silberfiges Kind!

(Sie schliet ihre Tochter, die zu ihr hinaufeilt, in die Arme und kt
ihren Scheitel.)

Wo deine segnenden Hnde sind,
Du reine Weihe der stillen Nchte,
Ich wei es, wird allem Drsten Glck,
Da atmet alle Schnheit leise,
Lieblicher noch durch deine Weise;
Und kehrst du in meine Tiefe zurck
Nach so viel holdem Liebesregen,
Segne ich dich zu neuem Segen,
Du Friedense, du leises Glck.

(Das Taumariechen setzt sich auf den Stufen des Thrones zu den Fen der
Nachtfee. Von links kommt der Milchstraenmann herein. Er hat eine
hellblaue Bluse an, weie, weite Hosen, die in niederen Schaftstiefeln
stecken und eine blaue Ballonmtze auf dem Kopf. Mtze, Bluse und
Stiefel sind ber und ber mit Silbersternchen best. Eine groe
Suglingsflasche und eine Milchklingel hat er unter dem Arm. Er ist sehr
erregt und tritt, ohne die Anwesenden zu beachten, vor den Thron.)

_Nachtfee_

Nun, Milchstraenmann, was hast du zu sagen?

_Milchstraenmann_

Frau Nachtfee, ich mu mich bitter beklagen! --
Die Gesellschaft, die du geladen hast,
Ist mir derart ber die Milchstrae gerast,
Da sie mir das Pflaster beschdigt haben
Und die Meilensteine, die Bume, den Graben!
Das ist ein Benehmen, unerhrt! --

(Unruhe an der linken Tafel.)

Jawohl, ich hab' mich zu recht beschwert!
Der Sturmriese kommt da mit Saus und Summ
Und wirft mir drei schne Milchbume um ...

(Der Sturmriese steht auf.)

_Sturmriese_

Nu nu, hu hu, das ist doch nicht schlimm?

_Milchstraenmann_

Jawohl, du Tlpel, es macht mir Grimm!
Und die Wolkenfrau hat meine Meilensteine
Undeutlich gemacht!

_Wolkenfrau_

                    Nun aber, so eine
Sache ist doch nicht der Rede wert.

_Milchstraenmann_

Was, was? Das ist ganz unerhrt!
Wenn mal ein Komet geflogen kommt,
So kann er nicht lesen, wie weit es gewesen! --
Dann beschwer' ich mich ber den Regenfritzen;
Er macht mir die Strae voller Pftzen
Und hat mir die schne Milch verwssert ...

_Regenfritz_

Tp -- tp -- dadurch wird doch die Milch verbessert!

_Milchstraenmann_

Davon versteht er keine Spur
Mit seiner triefigen Drppelnatur!

_Regenfritz_

Der kleine Br hat mich aber gebissen,
Tp -- tp und mir meine Hosen zerrissen!

_Milchstraenmann_

Ist Ihm ganz recht, kann ich nur sagen! --
Und dann mu ich ber den Donnermann klagen;
Er hat sich furchtbar schlecht betragen,
Hat bldsinnig gebummst und gedonnerkracht
Und die Himmelsziegen mir scheu gemacht!

_Donnermann_

(verlegen)

Das ist mir ganz aus Versehen passiert.

_Milchstraenmann_

Ja ja, Er hat sich aufgefhrt,
Da man die Angst und die Bange bekam;
Und nun erst sein Weib, wie die sich benahm?
Kam immer so zickzack dahergeschlenkert
Und hat mir die ganze Allee verstnkert!
Ist das ein anstndiges Ehepaar? --

_Blitzhexe_

Sirrrrr -- sirrrrr -- ist ja alles garnicht wahr!

_Milchstraenmann_

Was? Noch viel mehr habt ihr angerichtet!
Der Hagelhans hat mir die Wiese vernichtet,
Wo die jungen Mondklber gewhnlich grasen.

_Hagelhans_

Ach wo, das war nur ein Tennisrasen!

_Milchstraenmann_

Was Tennis? -- Er ist ein Grobian!
Was geht ihn die Mondklberwiese an?
Und der Wassermann kam da angeplantscht,
Hat mir alle Grben bergepantscht!

_Wassermann_

Uax -- Grben sind doch fr Wasser gemacht,
Das hab' ich mir -- uax -- dabei gedacht.
Ich dachte -- noaaaaa -- es macht dir Vergngen?

_Milchstraenmann_

(wtend)

Da kann man ja das Ltt kriegen;
Was so ein watsch'liger Wassermann
Sich bei dem Unsinn denken kann! --
Meine Grben sind fr den Nebel bestimmt,
Den der Frhwind von den Feldern nimmt.
Seh' mir nur einer die Dsigkeit!

_Wassermann_

(gemtlich)

Uax -- uax -- noaaaa -- das tut mir leid!

_Milchstraenmann_

Frau Holle hat ein Stck Strae verweht,
Der Eismax hat der Jungfrau den Kopf verdreht.

_Eismax_

Kann nischt dafr, da alberne Ziegen
Mir immer jleich zu Fen liegen;
Bin innerlich berhaupt sehr khl,
Wei jarnich, was das Mchen will?

_Milchstraenmann_

Er mu sich eben bescheidener fhren
Und nicht so mit den Sporen klirren!

_Eismax_

Stramme Haltung, mein Element,
Wei jeder, der den Eismax kennt!

_Milchstraenmann_

Das ist mir gleich, ihr seid alle schlecht,
Und ich bitte die Nachtfee um mein Recht!

_Nachtfee_

Liebe Gste, der Milchmann hat sich beschwert,
Und Sie haben seine Klagen gehrt;
Sie drfen den Braven mir nicht verletzen
Und mssen ihm den Schaden ersetzen.

_Alle_

Natrlich, natrlich, es tut uns leid;
Wir sind dazu sehr gern bereit.

_Nachtfee_

Lieber Milchmann, nun habe die Freundlichkeit
Und sieh' doch, wo das Sandmnnchen bleibt.
Ich hatte es auch fr heute geladen,
Es it so gerne die Mondscheinfladen.
Hoffentlich hat es das nicht vergessen!

(Der Milchstraenmann geht hinaus.)

Fr meine anderen Gste indessen
Soll jetzt die Musik und der Tanz beginnen.

(Sie hebt winkend die Hand, eine Schar weigekleideter Knaben kommt
herein, die silberne Kannen und Platten mit Kuchen tragen. Sie schenken
den Gsten ein, whrend leise Musik ertnt. Eine Schar lieblicher
Sternenmdchen tanzt Reigen im Vordergrunde. Pltzlich kommt der
Milchstraenmann wieder herein. Er lacht und kann sich vor Vergngen
kaum halten.)

_Milchstraenmann_

Ho ho, ha ha -- na sowas, ha ha!
Sowas war berhaupt noch nicht da!
Hi -- hi -- ha -- ha --

_Nachtfee_

                        Aber Milchstraenmann,
Was fehlt Ihm denn? Was fngt Er an?
Das ist ja ein ganz tolles Betragen!

_Milchstraenmann_

Nu -- nu -- hi -- hi -- das mu ich sagen!
Entschuldigen die Herrschaften, aber ha -- ha --
Na, sowas war berhaupt noch nicht da!

_Nachtfee_

Nun also, wir sind sehr gespannt, lieber Mann.

_Milchstraenmann_

Jawohl -- sie kommen schon selber an!
Das Sandmnnchen, hi hi, es ist verrckt;
Ich glaube, es hat den Mondstich gekriegt!
Es hat auf seinem Wagen, ha ha --
Nu sehen Sie doch, -- da sind sie ja!

(Das Sandmnnchen kommt gravittisch herein, an der rechten und linken
Hand die beiden Kinder, hinter ihm der Maikfer. Bei ihrem Hereinkommen
erhebt sich am Tisch zur Linken der Fee ein gewaltiges Freudengetse;
der Donnermann donnert, die Blitzhexe blitzt, der Hagelhans trommelt,
der Wassermann kriecht halb aus der Badewanne und patschelt sich den
Bauch vor Vergngen. Der Eismax klemmt das Monokel ein und stt ein
schnarrendes Gelchter aus. Die Nachtfee erhebt sich und streckt die
Hand aus. Es wird still.)

_Nachtfee_

Sandmnnchen, du bist spt gekommen,
Und ich sehe, du hast da mitgenommen
Zwei Menschlein und ein Kfertier.
Warum tatest du das, und was sollen sie hier?

_Sandmnnchen_

(mit Verneigung)

Hochwerte Nachtfee, ich mu dir sagen,
Seltsames hat sich zugetragen;
Etwas ganz Neues auf dem Mond,
Seit ihn das Sternenvolk bewohnt.
Ich hatte grad' meine Arbeit verrichtet,
Die Sterne noch etwas ausgerichtet,
Da sah ich urpltzlich am heiteren Himmel,
Nicht weit von meiner Sternenbimmel,
Wie ganz vergnglich diese Drei
Kamen durch die Luft herbei.
Ich fiel vor Erstaunen fast auf die Nase,
Lief schnell nach dem groen Guckeglase,
Da waren sie aber schon angekommen
Und hatten mich aufs Korn genommen.
Erst hab' ich sie furchtbar angekracht,
Das hat aber gar keinen Eindruck gemacht;
Dann hab' ich sie mal ausgefragt,
Und da hat mir das Peterchen gesagt ...

(Es schiebt das Peterchen vor.)

Ich glaube, er wird es dir selber sagen;
Man braucht ihn garnicht lange zu fragen.
Hr', Peterchen, gib der Nachtfee Bescheid,
Warum ihr zum Monde geflogen seid!

_Peterchen_

(mutig)

Du mut nicht bse sein, liebe Fee der Nacht,
Anneliese und ich haben die Reise gemacht,
Weil wir dem Maikfer sein Beinchen wollen;
Das mu man vom Mond herunterholen.
Und der Mondmann hat es ihm abgehackt,
Und es ist auf dem Mondberg eingepackt.
Und die Sumsemanns haben nur fnf Beine,
Und das ist schrecklich, und ich meine,
Der Mondmann hat das Beinchen gestohlen,
Und darum mu man es wiederholen.

_Nachtfee_

Vor viel' hundert Jahren ist das gescheh'n,
Es ist richtig, und ich mu gesteh'n,
Da ich sehr erfreut und verwundert bin,
Da nun doch zwei Kinder es wagen wollen,
Das Beinchen vom Mondberg herunterzuholen.

_Peterchen_

Liebe Nachtfee, wir frchten uns nicht eine Spur!

_Nachtfee_

Ich glaube dir schon, liebes Peterchen, nur
Liegt der Mondberg sehr, sehr weit von hier,
Im uersten, dunkelsten Nachtrevier.
Dorthin ist uerst gefhrliche Fahrt;
Doch, wenn ihr immer artig wart ...

_Sandmnnchen_

(fllt ein)

Sie waren's, ich hab' ihre Sternchen gefragt,
Die haben sehr gnstig ausgesagt.

_Nachtfee_

Nun, dann ist es gut und kann euch gelingen,
Den bsen Mondmann zu bezwingen;
Doch mssen wir erst die Elemente befragen
Was sie zu eurer Reise sagen. (Sie wendet sich an den Donnermann.)
Wie denkt darber der Donnermann?

_Donnermann_

(steht auf und kommt nher, stellt sich breitbeinig vor die Kinder,
rollt frchterlich mit den Augen. Anneliese fat Peterchen etwas
ngstlich am Zipfel des Hemdchens. Peterchen legt den Arm um sie und
sieht den Donnermann furchtlos an.)

_Donnermann_

Potz Knatter -- Knblein, er will was wagen?
Kann er denn einen krftigen Donner vertragen?

_Peterchen_

Herr Donnermann, ich hab' gar keine Angst!

_Donnermann_

So? Wollen mal sehen, ob du dich bangst! --
Blitzweib, komm' her ...

_Blitzhexe_

(springt neben ihn)

                         Sirrrrr -- --

_Donnermann_

                                       Schlag mal ein!
Achtung, geladen!...

(Es wird pltzlich pechfinster.)

                     Feuer hinein!...

(Ein greller Blitz zuckt, dem ein schmetternder Schlag folgt, der
langhin nachrollt. Es wird ganz allmhlich wieder heller. Man sieht
Peterchen und Anneliese eng umschlungen, aber tapfer aufrecht; neben
ihnen liegt der Maikfer auf dem Rcken.)

_Peterchen_

(laut)

Das war noch gar nichts, mach's ruhig nochmal!

_Donnermann_

(lacht laut)

Potz Knatter, das ist ja ein prchtiger Junge,
Der wird mal Artilleriegeneral! --
Aber hre doch, was ist denn blo
Mit deinem fnfbeinigen Maikfer los?

(Er lacht unbndig, die anderen stimmen ein.)

_Peterchen_

(hilft dem Maikfer auf die Beine)

Ach, Herr Donnermann, das ist nicht schlimm,
Er wohnt auf dem Baum, und da ist es ihm
Nicht angenehm, wenn es donnert und blitzt,
Weil er doch immer drauen sitzt;
Und wenn es einschlgt, frchtet er sich.

_Maikfer_

(zu Peterchen)

Ich danke, ja, das war frchterlich!

_Donnermann_

So so! -- Aber du? Nu guck mal an;
Du gefllst mir, du tapferer, kleiner Mann! --
Also, wie es auch immer sei,
Wir stehen dir auf deiner Reise bei,
Mein Blitzweib und ich, das nimm nur an!

_Anneliese_

(gibt ihm einen Apfel)

Wir danken dir schn, lieber Donnermann.

_Donnermann_

(nimmt den Apfel)

Potz Krach, ein Apfel? Nett von der Kleinen;
Da gib meinem Blitzweib auch gleich einen!

_Peterchen_

(gibt der Blitzhexe einen Apfel)

Hier hast du ihn!

_Blitzhexe_

                  Sirrrr, ich danke sehr!
Komm, Donnermann, setz' dich wieder her!

(Sie zieht den Donnermann zu seinem Platze.)

_Donnermann_

Potztausend Granaten, der Junge ist prchtig!

(Zum Publikum.)

Da alle Jungen so wren, das mcht' ich!

_Nachtfee_

So, Peterchen, das war sehr schn.
Nun aber mssen wir weiter sehen
Und wollen den Wassermann befragen;
Vielleicht hat er noch etwas zu sagen.

_Peterchen_

Erlaubst du es, lieber Wassermann,
Da ich das Beinchen holen kann?

_Wassermann_

Uax -- ich finde nichts dabei,
Wei ja, er ist nicht wasserscheu;
Hat seinen Schwamm und seine Wanne
Und seine uax -- uax -- Wasserkanne;
Putzt sich die Zhne, hat Seife und Schrubber
Und plantscht gern Wasser, blubber, blubber.
Er hat auch beim Baden nie gefehlt,
Das haben die Wassernixen erzhlt.
Noaaaa -- wie ist es, kann er schwimmen?

_Peterchen_

Wie'n Frosch!

_Wassermann_

              Uax, so will ich bestimmen,
Da von den Meergeistern ihn keiner strt,
Wenn er uax -- uax -- zu dem Mondberg fhrt.

_Anneliese_

(gibt ihm einen Apfel)

Danke schn, lieber dicker Wassermann!

_Wassermann_

(nimmt den Apfel)

Uax, einen Apfel, das nehm' ich an.

(zu dem Sternenmdchen.)

Du, Mdchen, begie' mich noch einmal,
Die Luft ist sehr trocken in dem Lokal.

(Das Mdchen begiet ihn, und er rutscht in seine Wanne zurck.)

_Nachtfee_

Haben Wasser und Feuer nichts zu klagen,
So mssen wir jetzt die Luft befragen;
Hat der Sturmriese uns noch etwas zu sagen?

(Der Sturmriese springt auf, hebt die Keule, es wird abermals finster,
und ein heulender Sturm fegt daher. Man hrt das Krachen und Splittern
niederbrechender Bume und das Rollen der Hageltrommel. Dann wird es
still und allmhlich wieder heller. Der Sturmriese steht vor den Kindern
mit gesenkter Keule. Der Maikfer liegt wieder auf dem Rcken.)

_Sturmriese_

Ho ho, sie stehen noch kerzengrade!
Ich hab' sie nicht umgeblasen, schade;
Und bin doch gewaltig dahergefegt;
Blo den Maikfer habe ich umgelegt.

_Peterchen_

(hilft dem Maikfer auf die Beine.)

_Sturmriese_

(lacht)

Kraft ist in dem Jungen, das ist wahr!
Wenn man stark ist, frchtet man keine Gefahr!
Will ihm helfen auf seinem Reiseritte!

_Peterchen_

Dank', lieber Windmann, ein Apfel? -- bitte?

_Sturmriese_

(nimmt den Apfel)

Hab' viel so Dinger von Bumen gebrochen
Und nicht einmal daran gerochen;
Aber so, aus einer Kinderhand -- --
Das nehm' ich, das wre ungalant.

(Er kehrt auf seinen Platz zurck.)

_Nachtfee_

Feuer, Wasser und Luft sind jetzt gefragt
Und haben euch Hilfe zugesagt;
Die Erde schlft unter dem Himmelsraum
In meiner Hut, und ihren Traum,
Der heilig ist, darf ich nicht stren;
Doch wenn ihr sie ruft, so wird sie euch hren. --
Und nun kommt her, ihr kleinen Wesen

(Sie breitet die Arme aus.)

Und lat euch kssen ...

(Sie kt beide Kinder, die zu ihr auf den Thron kommen.)

                         Vor allem Bsen
Will ich euch hten, soweit ich vermag. --
Eure Fahrt mu schnell sein, denn, naht der Tag,
Und es trifft auf dem Mond euch sein erster Blick,
So findet ihr nie mehr zur Erde zurck. --
Ihr sollt auf dem groen Bren reiten,
Und das Sandmnnchen soll euch begleiten.

_Milchstraenmann_

Frau Nachtfee, der Br hat heut' grne Augen,
Da wird er fr den Ritt nicht taugen;
Er hat schrecklich an seiner Kette gerissen
Und mich beim Fttern beinahe gebissen.

_Nachtfee_

Er ist der Schnellste, hol' ihn herein;
Man wird ihn zhmen, denn es mu sein.

(Der Milchstraenmann geht kopfschttelnd ab.)

Hr', Sandmnnchen, auf der Weihnachtswiese,
Da macht ihr halt, und Anneliese
Und Peterchen sehen sich das mal an
Und begren den guten Weihnachtsmann.
Dann aber geht's weiter in groer Schnelle,
Bis nah' an den Mondberg, an jene Stelle,
Wo die silberne Riesenkanone steht.
Versuch' es, Sandmnnchen, und wenn es geht,
So lade sie in den Kanonenlauf
Und schiee sie auf den Mondberg hinauf.
Dort mssen sie dann selber sehen,
Wie sie ihr Abenteuer bestehen.

_Sandmnnchen_

(Kratzfu)

Ich werde sie fhren, ganz genau
Nach deiner Weisung, edle Frau!

(Er wendet sich.)

Dort kommt auch schon der Milchstraenmann
Und bringt uns den groen Bren an.

(Der Milchstraenmann tritt in den linken Eingang, an einer Kette einen
groen, weien Bren, der nach Art der Kinder-Petzbren auf einem mit
Rollen versehenen Brett luft. Der Br bleibt in der Tr stehen, klappt
mit dem Rachen und starrt mit grn leuchtenden Augen in die
Versammlung.)

_Milchstraenmann_

Er ist furchtbar bse heute, der Br!

_Nachtfee_

Den Kindern wird es gewi nicht schwer,
Ihn zu besnftigen.

_Sandmnnchen_

(zu den Kindern)

                    Hrt mal her:
Wenn er bse ist, hat er grne Augen,
Und wird er gut, so bekommt er rote;
Dann macht er Mnnchen und gibt die Pfote,
Man kann mit ihm Reiter und Pferdchen spielen
Und ihm ganz ruhig im Fellchen whlen. --
Gebt ihm einen Apfel, wir wollen mal seh'n,
Ich glaube, dann wird die Geschichte geh'n.

(Peterchen und Anneliese gehen zu dem Bren. Der Br starrt sie mit
grnen Augen an, klappt mit dem Rachen und stt ein frchterliches
Gebrll aus. Peterchen nimmt einen Apfel, stellt sich auf die Zehen,
zielt und wirft ihn in den offenen Rachen. Der Br verschluckt den
Apfel, bekommt fr einen Augenblick rote Augen, dann aber wieder grne,
dann rote, dann grne und so fort, whrend er abwechselnd brllt und
brummt.)

_Sandmnnchen_

Seht ihr, was so ein Apfel tut!
Halb ist er schon gezhmt und gut.
Nun gebt ihm schnell noch einen zweiten,
Dann pat mal auf, dann knnt ihr ihn reiten.

(Anneliese versucht, einen Apfel auf den Zehenspitzen hinaufzureichen;
da sie aber zu klein ist, nimmt Peterchen ihr den Apfel ab und wirft
ihn, wie vorher, dem Bren in den Schlund. Augenblicklich schliet der
den Rachen, brummt gemtlich und hat dauernd rote Augen. Allgemeines
Gelchter.)

_Sandmnnchen_

Seht ihr, was hab' ich euch gesagt?
Nur immer frisch drauf los gewagt!

_Peterchen_

(khn zum Bren)

Petz, gib mal Pftchen!

(Der Br gibt ihm die ungefge Pfote.)

                        Nun mach' mal schn!

(Der Br richtet sich steif auf den Hinterbeinen auf und klappt dann
wieder zurck.)

_Milchstraenmann_

(mit Kennermiene)

Ich glaube, Frau Nachtfee, jetzt wird es geh'n!

_Nachtfee_

Dann schnell, und keine Zeit verloren!

(Ein Sternenmdchen bringt eine kleine Leiter, und sie steigen auf.)

Sandmnnchen lenkt ihn bei den Ohren,
Peterchen, Anneliese dann,
Und ganz zuletzt der Maikfermann.

(Sie sitzen.)

_Nachtfee_

Sitzt ihr jetzt sicher?

_Die Reiter_

                        Wir sitzen gut!

_Nachtfee_

Dann reitet von dannen und seid in Hut!
Lebt wohl! Lebt wohl! -- (Sie winkt.)

_Sandmnnchen_

                         Hopp, Petz! -- He -- he! --

(Der Br rollt mit seinen Reitern schnell hinaus.)

_Alle_

(winken)

Glck auf die Reise! -- Ade -- ade! --

Vorhang.

Ende des dritten Aufzuges.




4. Bild.

Die Weihnachtswiese.


(Im Hintergrunde eine dichte Hecke von kleinen Weihnachtsbumchen, deren
jedes ein Sternchen an der Spitze trgt. In der Mitte dieses kleinen
Waldes steht eine winzige, goldene Wiege, in der ein Kindchen mit
silbernem Krnchen schlft. Vorn rechts steht ein silberner Baum mit
vergoldeten pfeln und Nssen, links ein goldener Baum mit Pfefferkuchen
und Brezeln. Der Mittelgrund ist in zwei Hlften geteilt. Auf der
rechten Seite wachsen aus der Erde wie Spargel Soldaten, Pferdchen,
Nuknacker, Hampelmnner, Petze usw.; auf der linken Seite Puppen in
allen Gren und Formen. Teils gucken diese Spielsachen nur erst mit dem
Kopfe aus der Erde hervor, teils sind sie halb, teils ganz
herausgewachsen. Neben der Wiege im Hintergrunde sitzt der
Weihnachtsmann in Pantoffeln, Pelzmtze und Pelzrock, die Pfeife im
Munde und wiegt das Christkindchen. Im Vordergrunde springt das
Pfefferkuchenmnnchen mit grotesken Sprngen herum und begiet die
Puppen, Soldaten und Weihnachtsbumchen. Es hat einen kaffeebraunen
Anzug an mit groen, blauen Zuckerknpfen und auf Bauch und Rcken je
ein groes, goldenes Pflaster. Es herrscht eine goldmatte Dmmerung.)

_Weihnachtsmann_

(wiegt leise die Wiege und singt dazu:)

Stille Nacht -- heilige Nacht -- (den ersten Vers.)

(dann zum Pfefferkuchenmnnchen.)

Nun, Printenmnnchen, wchst alles fleiig?
Sind die Weihnachtsbumchen schn im Reisig?
Und steht es gut mit der Spielzeugsaat?

_Pfefferkuchenmnnchen_

Brillant in dem Jahre, es ist ein Staat!

_Weihnachtsmann_

Wird also 'ne gute Ernte werden?

_Pfefferkuchenmnnchen_

Ein bissel noch fehlt's bei den Hottepferden
Und bei den Hampelmnnern, allein,
Die Soldaten, die werden extrafein;
Und nun im Puppengarten gar,
Da ist das Wachstum ganz wunderbar!

_Weihnachtsmann_

Mssen in dem Jahre auch reichlich haben;
Es gibt viel artige Mdchen und Knaben!

_Pfefferkuchenmnnchen_

Allermeist genug fr alle artigen Kinder;
Bonbons und Printen fr die Leckermnder
Und was sonst Wnsche gemeldet werden,
Von Luftballons bis zu Schaukelpferden;
Soviel als sie immer haben wollen.

_Weihnachtsmann_

Man mte sich bald mal die Liste holen
Vom Sandmnnchen ... ach, da fllt mir ein,
Es mu doch jetzt die Stunde sein,
Da Peterchen und Anneliese
Herkommen nach der Weihnachtswiese!
Sie reiten hier auf dem Bren vorber,
Das Sandmnnchen bringt sie zum Mondberg hinber;
Die Nachtfee hat mir das sagen lassen. --
Also, wenn sie uns jetzt besuchen,
Pflck' du ihnen Nsse und Pfefferkuchen.
Sind artige Kinder, alle beide,
Machen ihrem Mtterchen Freude.

(Er wiegt weiter.)

_Pfefferkuchenmnnchen_

Wird gemacht, wird gemacht, mit grtem Vergngen! --
Jetzt mssen die Weihnachtsbumchen was kriegen!

(Er begiet die Bumchen und singt dazu, whrend der Weihnachtsmann
wieder wiegt:)

O Tannebaum, o Tannebaum -- (den ersten Vers.)

(Ein Sausen wird in der Luft hrbar.)

_Weihnachtsmann_

(steht auf)

Es summt und surrt, es brummt und braust,

(weist nach rechts in die Luft)

Ich glaube, dort kommen sie angesaust.
Sie reiten mit gewaltiger Schnelle!...

(Das Sausen reit ab; von rechts rollt der Br mit seinen Reitern
heran.)

_Sandmnnchen_

Hallo, hallo, wir sind zur Stelle!

_Weihnachtsmann_

Ei, ei, das ist mir eine Freude!
Guten Tag, ihr lieben Kinderchen beide,
Und Sandmnnchen und Maikfermann.
Kommt nur herunter und seht euch an,
Was alles wchst auf der Weihnachtswiese!

(Er stellt eine Leiter an, und sie klettern herunter.)

Guten Tag, Peterchen, (gibt Peterchen die Hand.)
                      guten Tag, Anneliese!
                              (gibt Anneliese die Hand.)
Ja, ja, ich kenn' euch, wit ihr's nicht mehr?
Ich kenne euch gut, noch von Weihnachten her!

_Peterchen_

Ach ja, ich wei, es war furchtbar fein,
Du kamst ganz leis' in die Stube hinein,
Ganz voll von Schnee waren deine Fe,
Und ein groer Sack voll pfel und Nsse,
Der hing ber deinen Rcken und Bauch,
Und Pelzhandschuhe, die hattest du auch,
Und einen gromchtigen, goldenen Stock,
Ja, und einen ganz grnen, dicken Rock.
Und Anneliese hat sich versteckt,
Und nachher hab' ich sie so geneckt,
Weil du gar nicht bse gewesen bist
Und was erzhlt hast vom heiligen Christ
Und unser Weihnachtsbumchen gebracht hast
Und Nsse und pfel und weil du gelacht hast
Und uns gelobt, weil wir ganz allein
Unsern Spruch gesagt haben, ja, das war fein!

_Weihnachtsmann_

Nun, siehst du, da sind wir ja beide gut Freund.

(zu Anneliese)

Und warum hat Anneliese geweint?

_Anneliese_

(zutraulich)

Ach, weit du, damals war ich noch klein;
Jetzt frcht' ich mich gar nicht mehr, o nein,
Auch nicht ein bichen, weil wir dich besuchen,
Und ... hier ist so vieler Pfefferkuchen!

_Weihnachtsmann_

(lacht)

Ja ja, hier ist es wunderschn! --
Und nun kommt, nun wollen wir alles besehen!

(Er nimmt die Kinder an der Hand und fhrt sie umher. Inzwischen pflckt
das Pfefferkuchenmnnchen zwei Pakete mit Pfefferkuchen vom Baum.)

Seht ihr, hier wachsen die Soldaten;
Wenn sie reif sind, nehme ich einen Spaten
Und grabe sie jeden aus seinem Beet
Mit einem Stck Rasen, da er steht. --
Hier wachsen die Petze, die Pferde und Hasen;
Wenn sie grer sind, fangen sie an zu grasen
Und laufen immer lustig im Kreise
Und quietschen, jedes auf seine Weise.

_Anneliese_

Ach, das ist lustig!

_Peterchen_

                     Das ist mal schn!

_Weihnachtsmann_

Ja, es ist drollig anzusehn;
So ausgelassen sind die Rangen,
Und schlielich werden sie eingefangen. --
Und hier ist die Bilderbcherwiese,
Die wachsen da lustig wie Gemse. --
Dies ist das Trompeten- und Trommelbeet,
Wenn sie reif sind, werden sie abgemht. --
Dort an den Struchern wachsen Bonbons,
Die Schilfkeulen werden Zeppelin-Ballons. --
Und hier, seht -- hier ist der Puppengarten.

_Anneliese_

(schlgt staunend in die Hndchen)

Ach ja!! --

_Weihnachtsmann_

             Die mu man pflegen und warten
Und sehr behutsam putzen und hten.
Erst sehen sie aus wie ganz kleine Blten,
Gelb und grn und rot und blau,
Und man wei es noch nicht ganz genau,
Wie sie werden, man kann es noch nicht sehen;
Dann wachsen Gesichterchen ...

_Anneliese_

(klatscht in die Hndchen)

                               Ach, ist das schn!

_Weihnachtsmann_

Ja, und schlielich, wenn sie reifen,
Wachsen die Haare, die Schhchen, die Schleifen.
Und ganz zuletzt, wenn alles geglckt,
Werden sie vorsichtig abgepflckt.

(Die Kinder stehen ganz versunken.)

_Peterchen_

Ach ja, nun wei man doch, wie es geht.

_Anneliese_

Wie so ein liebes Pppchen entsteht.

_Weihnachtsmann_

Und hier und dort wachsen Weihnachtsbumchen;
Um die ganze Wiese luft so ein Sumchen
Von kleinen, greren und ganz groen,
Und sie werden mit Zuckerwasser begossen. --
Das alles tut der Printenmann.

_Die Kinder_

(staunend)

Und sieht sich dabei so lecker an!

_Pfefferkuchenmnnchen_

(mit komischen Bcklingen)

Natrlich, natrlich, viel gibt's zu tun,
Immer geschftig, kein' Zeit zu ruhn!
Vom vielen Arbeiten und Mhn
Kommt's, da ich Weihnacht so mrbe bin,
Da ich so gebrunt und lecker aussehe
Und so schnick schnack auf der Zunge zergehe!

(Er macht einen grotesken Sprung.)

_Peterchen_

(nachdenklich)

Ja, aber, Printenmnnchen, das heit,
Tut es nicht weh, wenn man von dir abbeit?

_Pfefferkuchenmnnchen_

Oh, wenn ich erlaubt bin, dann kitzelt es mich,
Und dann freue ich mich frchterlich;
Aber, wenn ich verboten bin, oh jeh,
Dann tut das Abbeien furchtbar weh.

_Weihnachtsmann_

Ja ja, wenn die Kinder das nur wten,
Sie lieen von ihren Naschgelsten. -- --
Und nun kommt her und seht es liegen
Das Christkindchen in seiner Wiegen.
Es schlft, um sich das Herz zu strken
Zu allen seinen Liebeswerken.
Derweil mu ich es wiegen und warten
Hier oben im stillen Weihnachtsgarten;
Und wenn unsere Stunde gekommen ist,
In der Winterszeit, zum heiligen Christ,
Dann weck' ich es ganz leise, leise,
Und wir machen uns auf die weite Reise
Durch Nacht und Wlder, durch Schnee und Wind,
Dorthin, wo artige Kinder sind.

(Die beiden Kinder falten die Hndchen und knien andchtig an der Wiege
nieder. Von fernen Harfen und Geigen ertnt die Melodie: O, du
frhliche ... Whrend der Musik glhen an den Bumchen um die Wiege
Lichter auf. Als das Lied verklungen ist, stehen die Kinder auf, und der
Weihnachtsmann steckt ihnen je ein Pfefferkuchenpaketchen in das
Krbchen.)

_Weihnachtsmann_

Das ist fr die Reise, schmeckt wunderschn! --
Bleibt brav, und Weihnacht auf Wiedersehen!

_Sandmnnchen_

Kommt schnell, es ist Zeit, kommt schnell, es ist Zeit,
Der Weg ist noch weit, der Weg ist noch weit!

(Die Kinder eilen zu dem Bren, erklettern ihn auf dem Leiterchen und
nehmen hintereinander Platz.)

_Sandmnnchen_

Hopp, Petz, jetzt geht's zur Kanone, hopp hopp!
Nun lauf' deinen allerschnellsten Galopp!

(Der Br rollt schnell fort. Ein lautes Sausen beginnt.)

Vorhang.


_Verwandlung._

(Das Sausen tnt fort und der Vorhang teilt sich wieder. Man erblickt
den Bren im Mittelgrunde; auf dessen Rcken das Sandmnnchen, die
Kinder und den Maikfer, eng umschlungen und vornber geneigt. Vom Winde
durch die schnelle Fahrt flattert das Fell des Bren, die Haare der
Kinder, die Zipfelmtze und der Mantel des Sandmnnchens und die kleine
Geige des Maikfers. Im Hintergrunde sieht man den bestirnten
Nachthimmel langsam vorberziehen. Das Sausen tnt fort als der Vorhang
sich wieder schliet.)


_Verwandlung._

(Sternenlose Nacht ringsum. Auf einem kleinen, grauen Hgel steht eine
gewaltige, silbern schimmernde Kanone, mit der Mndung zum Himmel
gerichtet. Eine kleine Leiter lehnt am Rad. Es ist weiter nichts zu
sehen. Man hrt noch immer das Sausen in der Luft, der Br rollt mit
seinen Reitern heran.)

_Sandmnnchen_

Halt, Petz! -- Hier sind wir am Ziel der Reise!

(Er rutscht von seinem Sitz, lehnt das Leiterchen an den Bren, und die
Drei klettern herunter.)

_Sandmnnchen_

So, Petz, nun lauf' du auf deine Weise
Nach Hause in den Brenstall!
Schn Dank bis auf das nchste Mal!

(Er klopft den Bren, und der rollt fort.)

_Sandmnnchen_

(in Positur)

Jetzt, meine Herrschaften, kommt das groe Abenteuer. -- Erst will ich
mal sehen, ob die Kanone auch hbsch sauber ist. (Er lehnt die Leiter an
die Mndung und guckt hinein.) Na, es ist noch nicht so ganz besonders.
Maikfer, gib mir mal den Wischer her! (Der Maikfer reicht einen
Wischer, der am Boden lag. Das Sandmnnchen putzt mit komischer
Grndlichkeit den Lauf. Beim Putzen:) Wenn der Lauf -- nmlich nicht --
spiegelblitzeblank -- ist -- dann scheuert ihr euch -- beim
Herausfliegen -- die Nasen ab. -- Und das wollen wir doch lieber --
nicht machen! -- (Er ist mit dem Putzen fertig.) So, nun ist er blank,
wie eine Kakaobchse. Jetzt geht es geschmiert. (Er kommt herunter.)
Hrt also mal ganz genau her. Ich werde euch jetzt da hinein laden. Habt
ihr Angst?

_Die Kinder_

Nein, Sandmnnchen!

_Sandmnnchen_

Gut! Also, zuerst kommt der Maikfer dran, der ist der Dickste; dann
Peterchen und dann Anneliese. Und wenn ich zhle, eins -- zwei -- drei
-- so macht ihr bei drei die Augen zu; da geht's nmlich los. Ihr
fliegt dann einer nach dem anderen oben auf den Mondberg und dort
angekommen, macht ihr die Augen wieder auf. Habt ihr verstanden?

_Die Kinder_

Ja, Sandmnnchen!

_Sandmnnchen_

Oben aber ist ein Wald, und in dem Walde hngt das Beinchen an einem
Baum, und von diesem Baume mt ihr es herunternehmen und dem Maikfer
mit Spucke wieder ankleben. Habt ihr verstanden?

_Die Kinder_

Ja, Sandmnnchen!

(Der Maikfer tanzt herum.)

_Sandmnnchen_

Halt du! -- Da gibt's nichts zu tanzen! -- Jetzt wird hier aufgepat! --
Wenn ihr also in dem Walde seid, und der bse Mondmann sollte euch sehen
und euch zu Leibe gehen wollen, dann frchtet euch nur nicht; denn die
Elemente stehen euch bei. Wenn ihr euch aber gar nicht mehr wehren
knnt, dann ruft nur eure Sternchen an, die helfen euch sicher. Habt ihr
verstanden?

_Die Kinder_

Ja, Sandmnnchen!

_Sandmnnchen_

Und wenn die Morgenrte kommt, dann ist es Zeit; sie warnt euch; dann
mt ihr die Erde anrufen, und die gute Erde wird euch sogleich wieder
aufnehmen. Habt ihr verstanden?

_Die Kinder_

Ja, Sandmnnchen!

_Sandmnnchen_

So, und nun lebt wohl, ihr lieben, artigen Kinderchen! Ich wnsche euch
von Herzen Glck zu eurem groen Abenteuer!

_Die Kinder_

Danke schn, liebes, gutes Sandmnnchen!

_Anneliese_

Gib mir einen Ku!

(Das Sandmnnchen kt.)

_Peterchen_

Mir auch!

(Das Sandmnnchen kt.)

_Sandmnnchen_

So, und nun ist es die hchste Zeit! Komm her, Maikfer -- du bist der
Erste.

_Maikfer_

(springt ngstlich herum)

Summ -- summ -- wenn es schieen tut,
Hab' ich Angst, hab' ich Angst, ich gehe kaputt!

_Sandmnnchen_

Was? Schm' dich, du alter Kerl! Du willst Angst haben? Fr Ihn wird die
ganze Geschichte gemacht, und da strampampelt Er hier? -- Will er wohl
gleich! --

(Der Maikfer kommt ngstlich, das Sandmnnchen packt ihn, zieht ihn auf
die Leiter und stopft ihn oben in den Lauf hinein.)

So, und nun die Augen zumachen!

(Das Sandmnnchen tritt an das hintere Ende der Kanone.)

Eins -- zwei -- drei! --

(Er zieht an einer Schnur, und die Kanone entldt sich mit einem dumpfen
Knall. Aus der Mndung sprht ein Regen von Funken, und mitten darin
sieht man ein braunes Etwas in den Himmel fliegen.)

_Sandmnnchen_

Seht ihr, da fliegt er! -- -- Gut getroffen! -- -- (Er wendet sich zu
den Kindern.) Der ist also oben.

_Die Kinder_

(klatschen in die Hnde)

Das war fein!

_Sandmnnchen_

Jetzt Nummero zwei; komm', Peterchen! (Er hebt Peterchen hoch und steckt
ihn in das Rohr; dann stellt er sich hinter die Kanone.) Glck auf die
Reise! -- Augen zu! -- Eins -- zwei -- drei! -- (Er zieht ab, die Kanone
kracht, der Funkenregen stiebt, und ein weies Etwas saust in die Luft.)

_Sandmnnchen_

So, der ist auch oben! -- Und nun kommt das kleinste Paketchen
hinterher! Komm' Anneliese!

_Anneliese_

(winkt mit dem Hndchen, whrend sie in den Lauf gestopft wird.)

Ade! -- Ade!

_Sandmnnchen_

(stellt sich hinter die Kanone)

Augen zu! -- Eins -- zwei -- drei! --

(Er zieht ab, und in dem Funkenregen fliegt ein kleines, weies
Paketchen in die Ferne.)

_Sandmnnchen_

(starrt in die Luft)

Nun ist auch das Kleinste glcklich da oben;
Hab' gut gezielt und mu mich loben!

(mit einem Seufzer.)

Man erlebt auf dem Monde so selten was,
Und dies war doch mal ein besonderer Spa!
Zwei schne pfelchen gaben sie mir,
Schick' ihnen nun schne Trume dafr.
Sie waren wirklich sehr lieb und gut,
Und mir ist ganz weinerlich zu Mut.

(Er wischt sich mit vieler Umstndlichkeit die Augen und starrt dann
wieder in die Luft. Pltzlich reckt er die Faust gen Himmel.)

Wenn der Mondmann ihnen ein Leid antut,
Soll er das Sandmnnchen kennen lernen;
Ich schwr' es bei allen meinen Sternen!
Den ganzen Himmel ruf' ich herbei
Und rei' ihm die schwarze Seele entzwei,
Da die Fetzen nur so durch die Lfte fliegen
Und an allen Enden des Mondes liegen!

(Er fuchtelt mit den Fusten zum Berge hinauf.)

Ich schwr' dir's, Mondmann, bei allen Sternen,
Dann sollst du das Sandmnnchen kennen lernen!

(Whrend das Sandmnnchen mit den Fusten in der Luft herumfuchtelt,
fllt der Vorhang.)


_Verwandlung._

Auf der Hhe des Mondberges.

(Unregelmig gerundete, mit seltsamen, silbergrauen Bumen bestandene
Bergterrasse. Im Hintergrunde scheint es ins Bodenlose zu gehen. Vllig
schwarzer Himmel. Gespenstig fahl blaues Licht. An einem der Bume hngt
ein Maikferbeinchen. Der Mondmann, ein schwarzer, wst aussehender
Riese, luft mit einer Axt in der Hand und einem Bndel Knppeln auf dem
Rcken umher.)

_Mondmann_

Verflucht sei die Welt, verflucht sei die Zeit,
Verflucht meine ewige Einsamkeit!

(luft zum Rand des Berges.)

Dort, in der Tiefe, dort liegt die Erde,
Die ich nie wieder betreten werde;
Verdammt sollen alle Menschen sein,
Pest, Hunger und Tod in ihr blasses Gebein!

(schwingt wtend die Axt.)

Ich hasse dieses Menschengezcht,
Das da glcklich im Lichte der Sonne kriecht!

(wendet sich und droht mit der Axt.)

Oh, km' mir mal einer hier herauf,
Mit Haut und Haaren fr' ich ihn auf!
Schlachten wrd' ich ihn, langsam braten
Am Spie, er sollte mir wohl geraten!
Ich liee ihn backen hundert Stunden,
Dann sollten mir seine Gliederlein munden.
Schon tausend Jahr' hab' ich nichts gegessen,
Tausend Menschen knnte ich fressen
Mit Haut und Haar, mit Hut und Schuh; --
Ach, km' es doch nur einmal dazu!

(Vor dem Maikferbeinchen.)

Du, Beinchen, an dem Birkenbaum,
Du bist mein letzter Hoffnungstraum;
Denn findet der Kfer ein Kinderpaar,
So kommen sie her, und dann wird's wahr,
Dann kann ich all mein Leid vergessen,
Dann kann ich sie fressen, fressen, fressen!

(Man hrt den dumpfen Ton eines fernen Kanonenschusses.)

_Mondmann_

Ha, was war das? -- ein Kanonenschu?
Das klingt mir wie ein Hoffnungsgru! --
Will mich zunchst einmal verstecken.

(Er kriecht hinter einen Baum und duckt sich dort. Auf den Rand der
Terrasse wird aus dem Hintergrunde herauf pltzlich der Maikfer
geworfen. Er sitzt mit seltsamer Possierlichkeit, wie ein pltzlich
durch Schreck Geweckter, und reibt sich die Augen.)

_Maikfer_

Du lieber Himmel, das war ein Schrecken!

(Ein zweiter Schu ertnt. Peterchen fliegt neben den Maikfer auf den
Rand und reibt sich die Augen.)

_Peterchen_

Bauz, pardauz, das war ein Vergngen,
So puff, hoch durch die Luft zu fliegen!
Es sumst einem ordentlich in den Ohren ...

(Ein dritter Schu ertnt. Anneliese fliegt neben Peterchen auf den Rand
und reibt sich die Augen.)

_Anneliese_

Beinahe htt' ich mein Pppchen verloren,
So bin ich durch die Luft gebrummt,
So toll hat die Kanone gebummt!

(Alle drei gucken sich an und lachen.)

_Alle drei_

Das war mal lustig, ha ha ha!

_Peterchen_

(sieht sich um)

Ich glaube, jetzt sind wir endlich da
Und knnen das Beinchen suchen gehn! --

_Maikfer_

Da hngt es, da hngt es, ich hab's gesehn!

(Alle drei laufen zu dem Baum, an dem das Beinchen hngt. Der Mondmann
strzt mit Gebrll aus seinem Versteck hervor und vertritt ihnen den
Weg. Der Maikfer fllt sofort auf den Rcken und stellt sich tot. Die
Kinder bleiben stehn.)

_Peterchen_

(unverzagt)

Bist du der Mondmann?

_Mondmann_

                      Der Mondmann? Ja!
Was wollt ihr winzigen Wrmer da?
Was wollt ihr in meinem Waldrevier?

_Peterchen_

Hast du nicht ein Maikferbeinchen hier?

_Mondmann_

(lacht wild)

Ein Maikferbein, ein Maikferbein?
Das soll hier auf dem Mondberg sein?

_Peterchen_

Die Nachtfee sagt, es wre da,
Und ich seh' es schon hngen, da ist es ja!

_Mondmann_

Was siehst du hngen, du winziger Wicht? --
Was an dem Baum hngt, das kmmert dich nicht!
Hierher gehrt das Maikferbein,
Und ich geb' es nicht her, denn es ist mein!

_Peterchen_

Das ist nicht wahr, es gehrt nicht dir,
Es gehrt einem armen, kleinen Tier!

_Mondmann_

So? Was du Krte nicht alles weit!
Da sag' mir doch erst einmal, wie du heit?

_Peterchen_

Ich heie Peterchen und bitte dich sehr,
Gib jetzt dem Maikfer sein Beinchen her!

_Mondmann_

Du bittest mich sehr? Was gibst du mir,
Wenn ich es dir gebe, denn wieder dafr?

_Anneliese_

Du kannst einen schnen Apfel haben!

(reicht ihm ihren letzten Apfel. Der Mondmann reit ihn aus ihrer Hand
und verschlingt ihn.)

_Mondmann_

Schmeckt gut! -- (Zu Peterchen.)
                 Hast du auch solche Gaben?

_Peterchen_

(gibt seinen letzten Apfel, den der Mondmann ebenso verschlingt)

Hier hast du den letzten. -- Nun gib es uns her!

_Mondmann_

(zu Anneliese)

Da in dem Krbchen ist ja noch mehr!

_Anneliese_

(nimmt zgernd das Paketchen mit Pfefferkuchen heraus.)

Pfefferkuchen -- vom Weihnachtsmann!

_Mondmann_

(reit es ihr aus der Hand)

Her damit, wenn man's fressen kann!

(Er verschlingt es. Anneliese bekommt dicke Trnen in die Augen.)

_Mondmann_

(zu Peterchen)

Und du, da ist auch noch was drin! --
Siehst du nicht, da ich hungrig bin?

_Peterchen_

(gibt ihm sein Pckchen)

Da hast du, -- hungrig sollst du nicht sein;
Aber gib uns nun, bitte, das Maikferbein!

_Mondmann_

(fressend und kauend)

Ist noch nicht genug, habt ihr gehrt?
Das Beinchen ist mir noch viel mehr wert!

_Peterchen_

Wir haben nichts mehr ...

_Mondmann_

                          Ihr habt nichts mehr?
Dann gib mir mal den Hampelmann her!

_Peterchen_

(entsetzt)

_Meinen_ Hampelmann?...

_Mondmann_

                        Ja, gib ihn her!
Der bunte Kerl gefllt mir sehr! --

_Peterchen_

Und bekommen wir dann ...

_Mondmann_

                          Das will ich mal sehn!
Erst gib ihn her! --

_Peterchen_

(reicht ihn zgernd)

                     Hier, bitte schn!

_Mondmann_

(besieht den Hampelmann von vorn und hinten und verschlingt ihn mit
einem gewaltigen Bi.)

_Peterchen_

(entsetzt)

Er frit ihn auf!

(Anneliese fngt an zu weinen.)

_Mondmann_

                  Schmeckt wunderschn!

(schnffelt nach Annelieses Puppe.)

Und da hab' ich noch so ein Pppchen gesehn!
Immer her, immer her mit dem Puppenkind;
Sonst geb' ich das Beinchen nicht raus -- geschwind!

_Anneliese_

(weint laut und kriecht hinter Peterchen.)

Nein nein, mein Pppchen soll er nicht kriegen!
Komm, Peterchen, komm, nach Hause fliegen!

_Peterchen_

Anneliese, nicht weinen -- la nur sein,
Wir kriegen ja gleich das Maikferbein,
Und wenn wir zu Hause sind, ja, dann
Schreiben wir gleich an den Weihnachtsmann;
Er soll was schicken.

_Anneliese_

                      Das mut du tun,
Ich kann noch nicht schreiben ... und nun ... und nun ...

(Sie hlt dem Mondmann das Pppchen mit entsetzt aufgerissenen Augen
hin. Der Mondmann reit es aus dem Hndchen und frit es auf.)

_Anneliese_

(schreiend)

Nicht essen, mein Pppchen, ach nein, ach nein!

_Peterchen_

(legt die rmchen um sie)

La, Anneliese, das mu so sein.
Jetzt hat er alles, was er will
Und gibt uns das Beinchen. (streichelt sie.)
                           Sei still, sei still!

(Anneliese beruhigt sich wieder.)

_Peterchen_

(energisch)

So, Mondmann, jetzt haben wir garnichts mehr,
Jetzt gibst du uns aber das Beinchen her!

_Mondmann_

(wischt sich das Maul)

Ihr habt nichts mehr? Das ist ein Spa! --

(schmunzelnd)

Ich wei es, ich wei es, ihr habt noch was!

_Peterchen_

Es ist nicht wahr, guck's Krbchen an!

(beide strecken ihr Krbchen hin.)

_Mondmann_

(zieht schmunzelnd ein langes Messer)

Ei, ei, jetzt kommt ihr ja selber dran;
Geschlachtet und gebraten, fein,
Knusprig die weien Gliederlein!

_Peterchen_

(zieht mutig sein kleines Holzschwert)

Geh' weg, du hlicher, bser Mann!

_Mondmann_

(greift schmunzelnd nach Anneliese)

Erst kommt das zarte Schwesterchen dran!

(In diesem Augenblick wird es pechfinster. Ein greller Blitz zuckt, und
ein brllender Donnerschlag folgt. Als es wieder hell wird, liegt der
Mondmann mehrere Schritte zurck auf dem Rcken und reibt sich alle
Glieder vor Schmerzen.)

_Mondmann_

(brllend)

O weh, mein Bauch, o weh, mein Bein!
Verfluchte Pein, verfluchte Pein! --
Das war der Donnermann, ihr Krten;
Ihr habt ihn wohl um Schutz gebeten?

(Er richtet sich auf.)

Verdammt, es soll euch Donnern und Blitzen
Trotzdem vor meinem Grimm nichts ntzen!

(Er strzt sich von neuem mit geschwungenem Messer auf die Kinder.
Peterchen hebt wieder mutig sein Schwert, und im gleichen Augenblick
schiet ein mchtiger Wasserstrahl aus der Erde, dem Mondmann gerade
ins Gesicht, soda er abermals rcklings hinschlgt.)

_Mondmann_

Prrrrrrrr! -- Was fangen die Wichte an?
Jetzt half ihnen gar der Wassermann!

(Er rappelt sich auf.)

Verfluchtes Gewrm, es soll euch nichts ntzen,
Ihr sollt' doch an meinem Bratspie schwitzen.

(Er strzt sich zum dritten Male auf die Kinder; Peterchen hebt wieder
das Schwert, da wird es nachtfinster, und ein wilder Sturmsto heult
heran. Als er vorber ist, und es heller wird, liegt der Mondmann auf
dem Rcken, und ber ihn ist ein Baum gestrzt, der ihn an der Erde
festklemmt.)

_Mondmann_

(brllt)

Au -- au -- das ist der Sturmriese gewesen!
Verflucht! -- Doch kann er sie auch nicht erlsen!
Und wenn sie mit Wasser, Feuer und Wind
Hier gegen mich verbndet sind,
Ich lasse sie doch am Spiee zappeln --
O wartet nur, wartet, ich will mich schon rappeln!

(Er zappelt wtend, um loszukommen.)

_Peterchen_

Nun siehst du wohl, du bser Mann,
Da alles dir nichts helfen kann!
Nun bist du gefangen und kannst nichts machen,
Und wir, wir nehmen das Beinchen und lachen!

(will das Beinchen holen.)

_Mondmann_

(windet sich wtend)

Ihr nehmt das Beinchen? Ihr nehmt es nicht!
Warte, du frecher Menschenwicht,
Warte, ich komme ja schon frei!

(Er rappelt sich frei, kommt auf die Beine, greift nach seiner Axt und
strzt sich schumend auf Peterchen.)

Jetzt schlag' ich dich mit der Axt entzwei;
Jetzt fre' ich dich wie ein Hhnerei;
Jetzt hau' ich euch zu Mus und Brei!

_Die Kinder_

(laut, mit aufgehobenen Hnden)

Sternchen, Sternchen, kommt herbei!

(Im Nu stehen beide Sternchen, jedes neben seinem Kinde.)

_Mondmann_

(heranstrmend)

Was Sternchen, was soll die Pappelei!

(Jedes Sternchen hebt eine Hand und hlt sie vor jedes Auge des
Rasenden.)

_Mondmann_

(stutzt und fhrt sich an die Augen)

Nanu? -- Ich sehe nichts, bin ich blind?
Ich sehe nicht mehr, wo die Krten sind!

(Er taumelt umher.)

Was habt ihr mit meinen Augen gemacht?
Rings um mich her ist finstere Nacht!
Wo ist meine Axt, mein Messer nur?
Hier war sie -- nein, hier -- nicht eine Spur!
Ich kann nichts finden, ich kann nichts sehn!

(Er taumelt immer weiter fort, bis er von der Szene verschwindet.)

Dort mssen sie sein! -- Dort mssen sie steh'n! --
Ich fre' euch mit Haut und Haaren, Gezcht,
Ihr entgeht mir nicht -- ihr entgeht mir nicht!

(Als die Stimme verhallt ist, fallen die Kinder den Sternchen jubelnd um
den Hals.)

_Die Kinder_

Liebe Sternchen, liebe Sternchen, wir danken schn!
Nun kann der bse Mann nichts sehn.

_Die Sternchen_

Macht schnell, macht schnell, verliert keine Zeit!
Lebt wohl, der Tag ist nicht mehr weit!

(Sie verschwinden.)

_Peterchen_

(sieht sich um)

Fort sind sie -- fort -- wir sind wieder allein! -- --
Komm, Anneliese, wir holen das Bein!

_Anneliese_

Du, Peterchen, mut es herunterheben,
Und ich will es mit Spucke ankleben.

_Peterchen_

Ja, schnell ...

(luft zu dem Baum und holt das Beinchen.)

                Das war aber mal 'ne Not!

(Sie laufen mit dem Beinchen zum Maikfer, der noch immer regungslos auf
dem Rcken liegt und sich tot stellt.)

_Anneliese_

Guck mal -- er ist vor Schreck ganz tot!

_Peterchen_

Kleb' ihm nur schnell das Beinchen an,
Dann wecken wir den Sumsemann!

_Anneliese_

(spuckt eifrig auf das obere Beinchenende, whrend sie das Folgende
sagt:)

Ja, Peterchen -- und -- du weit es doch, --
Wo es hin mu -- da -- in welches Loch? --

_Peterchen_

(zeigt)

Hier, Anneliese -- hier mu es hin!
Und ordentlich drcken!

(Sie drcken beide.)

_Anneliese_

(pustet)

                        Nu ist es drin!

_Peterchen_

Jetzt sitzt es fest -- ganz ungeheuer!

(mit tiefem Aufatmen.)

Na, das war mal ein Abenteuer!

_Anneliese_

Nun weck' ihn auf!

_Peterchen_

(rttelt ihn)

                   Herr Sumsemann,
Sehen Sie sich mal Ihr Beinchen an!

(Der Maikfer schreckt auf, krabbelt und kommt auf die Beine.)

_Maikfer_

Hu -- hu -- hat er euch gefressen, der Mann? --

_Peterchen_

Du Dummer, guck doch dein Beinchen an!

_Maikfer_

Summ -- summ -- ach ja --

(Er sieht das Beinchen -- stutzt -- pltzlich:)

                          hurra -- hurra --
Mein Beinchen ist da, mein Beinchen ist da!

(tanzt um die Kinder herum.)

Ich dank' euch, ich dank' euch viel tausendmal!
Nun hat sie ein Ende, die alte Qual,
Der Sumsemnner fnfbeiniges Leid;
Zwei Kinderchen haben uns befreit
Von dem schrecklichen Fluch, hurra -- hurra --
Das sechste Beinchen ist wieder da!

(Pltzlich strahlt rotes Licht ber den Himmel, und die Morgenrte steht
am Rand des Berges mit aufgehobenen Hnden.)

_Morgenrte_

Der Sonne goldener Wagen naht,
Von der Erde weichen die Trume;
Schon krnzen des Himmels heiligen Raum
Des Tages silberne Sume.
Die Rte fliegt ber die Welt dahin
Mit dem Bruder, dem Morgensterne;
Frhwolken, wie blitzende Blumen blhn
ber der duftenden Ferne. --
Schon weckt der Frhwind den schlafenden Hain
Zu des Tages leuchtendem Glck;
Nun eilt euch -- eilt euch, ihr Kinderlein;
Kehrt schnell zur Erde zurck!

(Sie entschwebt in die Luft, die Rte bleibt.)

_Maikfer_

(tritt pltzlich ernst zu den Kindern.)

Ich habe mit euch die Reise gemacht,
Ich habe euch auf den Mond gebracht.
Nun ist sie vorber, die seltsame Fahrt,
Bei der ihr mir treue Begleiter wart.
Mein Beinchen habe ich endlich wieder,
So wollen wir schnell zur Erde hernieder! --
Fat euch bei den Hnden, und, hrt ihr den Spruch,
So schliet eure Augen, in sausendem Fall
Geht's nieder in unser Heimattal.

(Die Kinder umschlingen sich.)

_Maikfer_

(stellt sich zu ihnen)

Mutter Erde, wir rufen dich an,
Fern dir fhrte uns unsere Bahn!
Hr' uns -- unsere Not war gro,
Nimm uns nun wieder in deinen Scho!

(Es wird finster, ein Donner rollt auf, die Kinder und der Maikfer
versinken, der Donner geht in ein langes, gleichmiges Sausen ber, das
anhlt, bis es wieder hell wird. Peterchen und Anneliese sitzen im
Nachthemdchen auf dem Tisch in ihrer Kinderstube, eng umschlungen. Die
Morgensonne lacht durchs Fenster.)

_Peterchen_

Hu, wie das braust ...

(reibt sich die Augen.)

_Anneliese_

                       Hu, wie das saust!

(schlgt die Augen auf und guckt erstaunt.)

_Beide Kinder_

(lachen)

Ha ha ha! -- ha ha ha! --

_Peterchen_

Anneliese, wir sind wieder da!

_Anneliese_

Guck, mein Pppchen ist wieder ganz!

_Peterchen_

Und mein bunter Hampelhans!

_Anneliese_

Und die pfel von Mama!

_Peterchen_

(erstaunt)

Ja, sie sind alle wieder da!

_Peterchen_

Komm, Anneliese, ins Bettchen, schnell!
Minna kommt gleich, es ist schon ganz hell!

(Beide Kinder huschen ins Bett.)

_Minna_

(kommt herein, zieht vor dem Fenster die Gardinen zurck)

Aufstehn, Peterchen, Anneliese!
Die Sonne ist schon ber der Wiese,
Die Schfchen tummeln sich auf dem Rasen,
Und die groen, bunten Khe grasen.

(Sie schlgt die Vorhnge vor dem Bettchen zurck.)

Auf, kleine Gesellschaft, schnell, schnell, schnell!

_Peterchen_

(naiv)

Ach, Minna, ist es schon ganz hell?

_Minna_

Natrlich, die Mutter kommt gleich herum! --

(Sie stutzt)

Nanu, was ist das fr ein Gebrumm?

_Die Kinder_

(zugleich)

Der Maikfer! --

_Minna_

                 Warte, du Ungeheuer!
Husch ... (fngt ihn) schwupp, da ist er! Nun fort, ins Feuer!

_Die Kinder_

(sind aus dem Bett gesprungen, schreiend)

_Peterchen_

Nein, Minna, gib her! Nein, Minna, nein!

_Anneliese_

Der Maikfer darf nicht ins Feuer rein!
Der mu leben bleiben!

_Peterchen_

(zerrt sie am Rock)

                       Gib, bitte, gib!

_Anneliese_

Wir haben den Sumsemann doch lieb!

_Minna_

Was habt ihr?... Das soll nun ein Mensch verstehn!
Ihr habt doch schon viele Maikfer gesehn!?

_Peterchen_

Nein, diesen, diesen, Minna, gib!

_Minna_

Nun, hat der Bub ihn denn gar so lieb --
Da ist er, da nimm ihn; aber lat ihn fliegen,
Damit wir ihn hier aus dem Zimmer kriegen.

(Sie macht die Fenster auf und geht hinaus.)

_Die Kinder_

(ber den Maikfer gebeugt)

Er stellt sich tot. -- Jetzt krabbelt er wieder!

_Peterchen_

Hat er sechs Beinchen? -- Wart'! -- Eins -- zwei -- drei --
Vier -- fnf -- und sechs!

_Anneliese_

                           Das sechste ist neu,
Ganz blank! -- Guck, Peter, man kann es nicht sehn,
Da es angeklebt ist! -- Spucke klebt schn!

_Peterchen_

Komm' schnell ans Fenster, wir lassen ihn fliegen,
Damit ihn bse Menschen nicht kriegen!

_Anneliese_

Dann fliegt er zu seiner Maikferfrau
Und erzhlt ihr alles ganz genau!

_Peterchen_

Anneliese, die hat ja das Huhn gefressen!

_Anneliese_

Ach, ja, das hatte ich ganz vergessen.

_Peterchen_

Komm', wollen ihn dicht ans Fenster bringen
Und ihm das Fliegeliedchen singen!

(Sie stellen sich an das Fenster, und Peterchen hlt den Zeigefinger,
auf dem der Maikfer sitzt, hoch hinaus, whrend Anneliese gespannt
zusieht. Sie singen:)

Maikfer fliege -- dein Vater ist im Kriege,
Deine Mutter ist usw.

(Der Maikfer fliegt fort.)

_Peterchen_

Ade, ade, Herr Sumsemann!
Kommen Sie gut zu Hause an!

_Anneliese_

Guck mal, wie lustig er fliegt -- ganz weit!

_Peterchen_

Ich glaube, da er sich furchtbar freut!

(Die Mutter kommt herein, in jeder Hand ein Pfefferkuchenpckchen.)

_Die Mutter_

Guten Morgen, guten Morgen, Kinderlein!

_Die Kinder_

(fliegen ihr um den Hals)

Ach Muttchen, Muttchen, das war fein!

(atemlos)

Der Maikfer, Muttchen ...

_Die Mutter_

                           Nun, habt ihr ihn?

_Peterchen_

Er war noch eben hier bei uns drin,
Und Minna ...

_Anneliese_

              Und wir lassen ihn raus ...

_Peterchen_

Und er flog noch hher als unser Haus ...

_Anneliese_

Und sechs Beinchen hat er und hat sich gefreut ...

_Peterchen_

Und jetzt ist er sicher schon ganz weit ...

_Die Mutter_

(verschliet ihnen die Muler mit Kssen)

Das war brav, das habt ihr recht gemacht! --
Und, da hab' ich euch auch was mitgebracht;
Das schickt zur Belohnung der Weihnachtsmann
Jetzt mitten im Sommer, denkt mal an!

(gibt ihnen die Paketchen.)

_Die Kinder_

(ganz ehrfrchtig)

Der liebe, gute Weihnachtsmann!

(pltzlich die Mutter umarmend)

Ach Muttchen, Muttchen, hr' doch an!
Wir haben die Weihnachtswiese gesehn,
Ach Muttchen, Muttchen, wie war das schn! --

Schnell Vorhang.

_Ende._




Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf
Grundlage der 1912 erschienenen Erstauflage erstellt. Die nachfolgende
Tabelle enthlt eine Auflistung aller gegenber dem Originaltext
vorgenommenen Korrekturen.

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
wurden folgendermaen ersetzt:

Sperrung: _gesperrter Text_


Transcriber's Note: This ebook has been prepared from the first print
edition published in 1912. The table below lists all corrections applied
to the original text.

The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
replaced by:

Spaced-out: _spaced out text_


S. 11: hab' ich doch Angst .. -> Angst ...
S. 16: Summ -- Summ -- Smum, -> Summ,
S. 17: und der keine Junge -> kleine
S. 39: Wir mssen putzen und klopfen und schraben -> schaben
S. 57: Sie zum Kaffe in ihrem Schlo -> Kaffee
S. 66: Im hohen Norden. Meine Bettenruhe -> Bettentruhe
S. 67: Er trgt ein Monokle -> Monokel
S. 72: an ihren nakten Armen und Fen -> nackten
S. 115: in gleichem Augenblick schiet -> im gleichen
S. 122: Analiese -> Anneliese





End of Project Gutenberg's Peterchens Mondfahrt, by Gerdt von Bassewitz

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electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
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property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
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LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
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LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
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provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

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with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
https://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at https://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit https://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: https://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     https://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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