The Project Gutenberg EBook of Die Organisation der Rohstoffversorgung, by 
Walther Rathenau

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org


Title: Die Organisation der Rohstoffversorgung

Author: Walther Rathenau

Contributor: H. Geitner

Release Date: April 11, 2007 [EBook #21031]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ORGANISATION DER ROHSTOFFVERSORGUNG ***




Produced by Markus Brenner and the Online Distributed
Proofreading Team at http://www.pgdp.net






                         Die Organisation der
                          Rohstoffversorgung



                      _Vortrag_, gehalten in der
                      Deutschen Gesellschaft 1914
                       _am_ 20. _Dezember_ 1915



                                  von

                           Walther Rathenau




Stenogramm: H. Geitner
Als Manuskript gedruckt




Meine Herren!


ber einen Abschnitt unserer wirtschaftlichen Kriegfhrung mchte ich
Ihnen berichten, der ohne geschichtliches Vorbild ist, der auf den
Verlauf und Erfolg des Krieges von hohem Einflu sein wird, und der
voraussichtlich hinberwirken wird in fernere Zeiten. Es ist ein
wirtschaftliches Geschehnis, das eng an die Methoden des Sozialismus und
Kommunismus streift, und dennoch nicht in dem Sinne, wie radikale
Theorien es vorausgesagt und gefordert haben. Nicht den theoretischen
Aufbau eines starren Systems mchte ich Ihnen geben, sondern ein Stck
erlebten Lebens, das zuerst in Verborgenheit sich abspielte, dann
grere und grere Kreise zog, schlielich zu einer gesamten Umstellung
unseres Wirtschaftslebens fhrte und eine Behrde entstehen lie, die
aus den Mauern des alten Preuischen Kriegsministeriums hervorwuchs, um
die deutsche Wirtschaft dem Kriege dienstbar zu machen.

Nicht von dem Werk allein mchte ich einen Begriff Ihnen geben, sondern
auch von der Romantik, die sein Werden und Wachsen umkleidete, die sich
entspann aus dem Zusammenwirken einer Anzahl von Menschen, die durch
nichts verbunden waren als durch die Gemeinschaft der Gesinnung und der
Arbeit. Mnner fanden sich zusammen aus allen Gauen und Berufen, um ohne
Verpflichtung und ohne Bedingung in freier Arbeit fr das Beste ihres
Landes zu wirken, und herzugeben, was sie an Erfahrung, an Arbeitskraft
und an Erfindergabe besaen.

Rohstoff-Wirtschaft! Ein abstraktes, bildloses Wort, abstrakt und
farblos wie so viele Namen unserer Zeit, deren Sprache nicht die
schpfende Kraft hat, um fr handfeste Begriffe bildhafte Worte zu
schaffen; ein lebloses Wort, und dennoch ein Begriff von groer
Schwerkraft, wenn man ihn ganz sich vergegenwrtigt. Blicken Sie um
sich: Was uns umgibt: Gert und Bauwerk, Mittel der Bekleidung und
Ernhrung, der Rstung und des Verkehrs, alle enthalten fremdlndische
Beimengung. Denn die Wirtschaft der Vlker ist unauflslich verquickt;
auf eisernen und auf wssernen Straen strmt der Reichtum aller Zonen
zusammen und vereinigt sich zum Dienst des Lebens.

So bekommt der Begriff der Rohstoffversorgung seine Farbe, und diese
Farbe tritt um so ernster hervor, wenn es sich um das Problem der
Rstung und der Verteidigung handelt. Eine weitere Vertiefung des
Begriffes findet statt, wenn diese Verteidigung geboten ist in einem
abgeschlossenen, blockierten Lande.

Tglich hren wir sprechen von Schwierigkeiten der Volksernhrung. Und
dennoch: diese Volksernhrung beruht auf einer Produktionskraft, die
mehr als 80 Hundertstel des Bedarfes ausmacht. Eine Abschlieung kann
uns beschrnken, sie kann uns nicht vernichten. Anders mit jenen anderen
Stoffen, die fr unsere Kriegfhrung unentbehrlich sind; ihre Sperrung
kann Vernichtung bedeuten.

berblicken Sie die Karte Europas und die Lage der Zentralmchte
inmitten; es ist, als ob eine dmonische Hand die Umrisse so gezogen
htte, da mit der Besetzung von wenigen Punkten diese Riesenflche von
Lndern abgeschlossen lge. Ja, wir grenzen freilich an drei Meere, wir
mit unseren Verbndeten; aber was sind sie? Binnenseen. Die Ostsee,
durch eine Meerenge nur geffnet; die Nordsee abgesperrt durch den
Kanal, durch die Orkney- und Shetlands-Inseln; das Mittelmeer verriegelt
durch die beiden Sttzpunkte im Osten und Westen. Und hinter diesen
Binnenseen dehnt sich aus im Norden ein bedrftiges Land mit geringer
Versorgung unentbehrlicher Stoffe; im Sden hinter dem Mittelmeerkessel
ein Wstenrand, durch den keine Bahnen und Verkehrsstraen nach den
Produktionszentren der Welt fhren.

Am 4. August des letzten Jahres, als England den Krieg erklrte, geschah
das Ungeheuerliche und nie Gewesene: unser Land wurde zur belagerten
Festung. Geschlossen zu Lande und geschlossen zur See war es nun
angewiesen auf sich selbst; und der Krieg lag vor uns, unbersehbar in
Zeit und Aufwand, in Gefahr und Opfer.

Drei Tage nach der Kriegserklrung trug ich die Ungewiheit unserer Lage
nicht lnger, ich lie mich melden bei dem Chef des Allgemeinen
Kriegsdepartements, dem Oberst Schech und wurde am 8. August abends
freundlich von ihm aufgenommen. Ihm legte ich dar, da unser Land
vermutlich nur auf eine beschrnkte Reihe von Monaten mit den
unentbehrlichen Stoffen der Kriegswirtschaft versorgt sein knne. Die
Kriegsdauer schtzte er nicht geringer ein als ich selbst, und so mute
ich an ihn die Frage richten: Was ist geschehen, was kann geschehen, um
die Gefahr der Erwrgung von Deutschland abzuwenden?

Es war sehr wenig geschehen, und es geschah dennoch viel; denn das
Interesse des Kriegsministeriums war geweckt. Als ich bekmmert und
sorgenvoll heimkehrte, fand ich ein Telegramm des Kriegsministers von
Falkenhayn, das mich auf den nchsten Vormittag in sein Amtszimmer
bestellte.

Es war Sonntag der 9. August. Ich dankte dem Minister und sagte ihm: ich
bewunderte, da er in dieser Mobilmachungszeit in der Lage sei, seine
Zeit zu opfern, um sich mit fremden Gedanken zu befassen. Er antwortete,
indem er auf seinen Schreibtisch wies: Sie sehen, dieser Tisch ist
leer.

Die groe Arbeit ist getan, die Mobilmachung ist vorber; es ist nicht
eine Reklamation gekommen, und ich habe Zeit Besuche zu empfangen.

Die Unterhaltung whrte einen Teil des Vormittags, und als sie endete,
war der Beschlu des Kriegsministers gefat, eine Organisation zu
schaffen, gleichviel wie gro, gleichviel mit welchen Mitteln; sie mute
wirksam sein und mute die Aufgabe lsen, die uns auferlegt war. In
diesem entscheidenden Augenblick brachte der khne, verantwortungsvolle
Entschlu des Preuischen Kriegsministeriums den Wendepunkt auf dem
Gebiet, von dem ich zu Ihnen sprechen darf.

Ich wollte mich verabschieden; der Kriegsminister behielt mich dort,
indem er mir die unerwartete Zumutung stellte, ich sollte die
Organisation dieser Arbeit bernehmen. Vorbereitet war ich nicht;
Bedenkzeit wollte ich mir ausbitten, das wurde nicht zugelassen, meine
Zustimmung hatte ich zu geben und so sah ich mich wenige Tage darauf im
Kriegsministerium untergebracht.

Die Kriegs-Rohstoff-Abteilung war durch Ministerialerla errichtet;
sie hatte einen zweikpfigen Vorstand, bestehend aus einem Obersten
a.D., einem erfahrenen Mann, der gewiermaen die militrische Deckung
darstellte und die Erfahrungen des Kriegsministeriums in unserer jungen
Abteilung verkrperte, und mir, dem die Aufgabe gestellt war, die
Organisation zu schaffen. So saen wir in vier kleinen Zimmern zu dritt
mit einem Geheimen expedierenden Sekretr, der uns beigegeben war, und
dessen praktische Erfahrungen wir in den Fhrnissen der Geschftsordnung
schtzen lernten.

Es war Mitte August. Vor meinem Fenster breitete ein wundervoller Ahorn
seine ste aus und berschattete das Dach. Unten lag der schne Garten
des Kriegsministeriums, darin schritt eine Wache langsam auf und ab;
zwei alte Kanonen standen auf dem Rasen in der Sonne. Und hinter dieser
friedlichen Stille ein hoher Schornstein; der deutete auf das
Riesengebiet der deutschen Wirtschaft, das sich jenseits ausbreitete bis
zu unseren flammenden Grenzen. Dieses Gebiet der donnernden Bahnen, der
rauchenden Essen, der glhenden Hochfen, der sausenden Spindeln, dieses
unermeliche Wirtschaftsgebiet dehnte sich vor dem geistigen Auge, und
uns war die Aufgabe gestellt, diese Welt, diese webende und strebende
Welt zusammenzufassen, sie dem Kriege dienstbar zu machen, ihr einen
einheitlichen Willen aufzuzwingen und ihre titanischen Krfte zur Abwehr
zu wecken.

Das erste, was geschehen mute, war, Menschen zu finden. Ich trat an
Freunde heran, und gewann als stellvertretendes Vorstandsmitglied meinen
Kollegen von der Allgemeinen Elektricitts-Gesellschaft, Professor
Klingenberg. Es gelang mir ferner, meinen Freund von Moellendorff als
Mitarbeiter zu gewinnen, der zuerst in freundschaftlichen Unterhaltungen
den Finger auf diese ernste Wunde unserer Wirtschaft gelegt hatte. Nun
waren wir zu fnft, die Arbeit konnte beginnen.

Die erste Frage, die uns entgegentrat, war die Frage der Deckung. Wir
muten wissen, auf wieviel Monate das Land mit unentbehrlichen Stoffen
versorgt war; davon hing jede Manahme ab. Die Meinungen der
Industriellen widersprachen sich und gingen manchmal um das zehnfache
auseinander.

Eine magebliche Stelle fragte ich: Wie ist es, kann man eine Statistik
ber diese Sachen bekommen? Jawohl, sagte man mir, diese Statistik
ist zu schaffen. Wann? Etwa in sechs Monaten. Und wenn ich sie in
vierzehn Tagen haben mu, weil die Sache drngt? Da antwortete man mir:
Da gibt es keine. Ich mute sie aber haben, und hatte sie in vierzehn
Tagen.

Erforderlich war ein gewagter Griff, eine Hypothese; und diese Hypothese
hat sich bewhrt. Angenommen wurde, da das Deckungsverhltnis im
Durchschnitt der deutschen Wirtschaft annhernd das gleiche sein mte,
wie bei einer greren, beliebig herausgegriffenen Gruppe. 900 bis 1000
Lieferanten hatte das Kriegsministerium. Wenn wir eine Rundfrage
veranstalteten bei diesen Lieferanten und uns nach ihrem
Deckungsverhltnis in den verschiedenen Stoffen erkundigten, so konnten
wir mit einiger Wahrscheinlichkeit erwarten, die Grenordnung der
Deckung des Landes zu bekommen. Auf Bruchteile kam es nicht an, es
handelte sich um groe Zge. Das Experiment gelang. Nach vierzehn Tagen
lichtete sich das Dunkel, nach drei Wochen wuten wir Bescheid. Bei
wenigen Stoffen berschritt die Deckung des damals vorhandenen, seither
weit berschrittenen Kriegsbedarfs die Frist eines Jahres; fast durchweg
war sie erheblich geringer.

Der Kreis der Stoffe, die wir zu bewirtschaften hatten, schien
ursprnglich klein; ausgeschlossen war das Gebiet der Nahrungsmittel und
der flssigen Brennstoffe, eingeschlossen war alles, was Kriegsrohstoff
genannt wurde. Die amtliche Definition lautete: solche Stoffe, die der
Landesverteidigung dienen und die nicht dauernd oder ausreichend im
Inlande gewonnen werden knnen. Als unzulnglich erkannt waren zu
Anfang wenig mehr als ein Dutzend, spter stieg die Zahl von Woche zu
Woche und am Schlu war es ein reichliches Hundert.

Was wir jetzt besaen, war noch wenig, aber es bot eine Grundlage. Wir
wuten jetzt: so und so sieht die Deckung im Lande aus, und allmhlich
trat die Aufgabe in ihrem ganzen Umrisse, freilich noch nicht ihre
Lsung hervor.

Vier Wege waren mglich und muten beschritten werden, um die Wirtschaft
im Lande umzugestalten, um das Verteidigungsverhltnis zu erzwingen.

Erstens: alle Rohstoffe des Landes muten zwangslufig werden, nichts
mehr durfte eigenem Willen und eigener Willkr folgen. Jeder Stoff,
jedes Halbprodukt mute so flieen, da nichts in die Wege des Luxus
oder des nebenschlichen Bedarfes gelangte; ihr Weg mute gewaltsam
eingedmmt werden, so da sie selbstttig in diejenigen Endprodukte und
Verwendungsformen mndeten, die das Heer brauchte. Das war die erste und
schwerste Aufgabe.

Zweitens: wir muten alle verfgbaren Stoffe jenseits der Grenzen ins
Land hineinzwingen, soweit sie zu zwingen waren, sei es durch Kauf im
neutralen, sei es durch Beitreibung im okkupierten Ausland. Durch Kauf
ist manches hereingeflossen; spterhin, durch Beitreibung im okkupierten
Auslande sehr viel und unentbehrliches; davon werde ich spter reden.

Die dritte Mglichkeit, die sich uns erschlo, war die Fabrikation. Wir
muten Bedacht darauf nehmen, da alles das im Inland erzeugt wurde, was
unentbehrlich und unerhltlich war. Wir muten auch darauf Bedacht
nehmen, da neue Erzeugungsmethoden gefunden und entwickelt wurden, wo
die alte Technik nicht ausreichte.

Und nun der vierte Weg: es muten schwer erhltliche Stoffe durch
andere, leichter beschaffbare ersetzt werden. Wo steht es geschrieben,
da diese oder jene Sache aus Kupfer oder Aluminium gemacht werden mu;
sie kann auch aus etwas anderem gemacht werden. Surrogate mssen
herhalten, altgewohnte Fabrikate mssen aus neuen Stoffen geschaffen
werden. Wenn die alten sich strrisch zeigen hinsichtlich ihres
Stoffverbrauches, so mu dieser Eigensinn gebrochen werden, und es
mssen solche Fabrikate erstehen, die weniger whlerisch sind
hinsichtlich ihrer Erzeugungsmittel.

Das waren die Methoden, die sich unserem Blick erschlossen hatten; nicht
die Lsungen zwar, doch die Wege, die Mglichkeiten, die Hoffnungen.

Auf der anderen Seite aber lagen unbersehbar die Widerstnde.

Die kriegswirtschaftliche Gesetzgebung stand etwa auf der Stufe
friderizianischer Wirtschaft. Was das Kriegsleistungsgesetz uns
freistellte, war, wenn man es seines theoretischen Ausdrucks entkleidet,
ungefhr soviel, wie wenn ich sage: Kommt ein Rittmeister in ein Dorf,
so kann er sich vom Ortsvorsteher Hafer geben lassen, und macht ihm der
Ortsvorsteher Schwierigkeiten durch Sumigkeit, so darf er in gewissen
Ausnahmefllen sich den Hafer selbst nehmen. Das war ungefhr der
Inbegriff der Gesetzgebung, wie wir sie fanden.

Es gab aber noch andere Schwierigkeiten.

Zur Lsung der Aufgabe, die uns auferlegt war, bedurften wir der
Mitarbeit vieler Behrden. In den ersten Tagen war es gelungen, die
drei auerpreuischen Kriegsministerien zu einer sehr entgegenkommenden
Erklrung zu bewegen, da sie nmlich Preuen es berlassen wrden, die
Organisation zu schaffen. Das hat eine groe Vereinfachung
herbeigefhrt. Aber mit vielen anderen Behrden war daneben zu
verhandeln und zu arbeiten.

Schon dadurch muten Schwierigkeiten erstehen, da das Problem nirgends
bekannt war. Noch heute ist ja das deutsche Volk der Ansicht, da die
Rohstoffversorgung ganz von selbst geht. ber Nahrungsmittel wird den
ganzen Tag gesprochen, das Problem der Rohstoffe, das geht so nebenher.
Aber wie es am Anfang des Krieges lag, das mssen wir uns jetzt erst
wieder mhsam vergegenwrtigen. Die ersten sechs Monate hatte niemand
eine Ahnung davon, wofr wir eigentlich da waren. Der Reichstag, der im
November 1914 zusammentrat, betrachtete uns als eine Art Handelsstelle,
die dafr zu sorgen hatte, da das Sohlenleder und die Wolle billiger
wrden; da es sich um Fragen handelte, von denen Krieg und Frieden,
Sieg und Niederlage abhingen, war niemandem gelufig und ist es bis zum
heutigen Tage noch nicht allen. Unter diesen Verhltnissen hatten wir
zu leiden. Um die Requisitionen in Belgien muten wir kmpfen, denn es
gab eine Auffassung, die theoretische Bedenken geltend machte. Unsere
Umfragen bei der Industrie wurden an manchen Stellen als eine
unzulssige Beunruhigung der Wirtschaft empfunden. Noch entschiedener
wurde die Strung einzelner Friedensindustrien uns verbelt.

Schritt fr Schritt hatten wir unseren Weg zu bahnen. Doch kann ich
sagen: in letzter Linie haben alle Behrden uns untersttzt, in letzter
Linie haben wir doch berall Verstndnis errungen und gesehen, da
unsere ffentliche Organisation geeignet ist, auf jedes noch so
schwierige Problem einzugehen und es mit neuen Mitteln zu lsen. Aber
die Anfnge waren schwer.

Nun kommen die Schwierigkeiten, die in uns selbst lagen.

Zu fnft hatten wir angefangen. Menschen wurden gesucht; die
Personalbestnde der Wirtschaft waren ausgeleert. Alles war an der
Front, ging an die Front. Fabriken und Banken habe ich bestrmt: gebt
mir Menschen. Ja, es wurden mir manchmal Menschen gegeben, die liefen
nach zwei Tagen weg, denen pate es nicht, von morgens 9 bis abends 12
zu arbeiten, und zwar umsonst und in einer Sache, von der sie nicht
genau wuten, wozu sie diente, wohin sie fhrte. Andere blieben und
fanden Gefallen, und so hat doch schlielich ein Kreis sich gebildet,
eine Freischar sich zusammengefunden, die in ihrem Zusammenwirken
vorbildlich war, und die ich mit schwerem Herzen verlassen habe.
Kernhafte Menschen, begeisterungsfhig, freudig und arbeitskrftig, die
aus den verschiedensten Berufen stammten, und schlielich alle zum
gleichen Ziel hinstrebten. Da war es merkwrdig, wie wir alle fiskalisch
wurden; denn das ist eine Eigenschaft des Deutschen, da da, wo man ihn
hinstellt, er mit seiner Aufgabe verwchst und sein ganzes frheres
Dasein vergit. Unsere Industriellen in diesen Stellungen waren bald so
fiskalisch geworden, da wir manches vorwurfsvolle Wort von unseren
eigenen Industrien zu hren bekamen.

Da war ein Elektrotechniker, der hatte das ganze Lederwesen unter seiner
Obhut, da war ein Metallurge, der hatte die chemischen Industrien, da
war ein Nationalkonom, der hatte Textilien; nur der Kautschukindustrie
war als Verweser ein Fachgenosse beschieden.

Fast jeden Tag muten neue Krfte eingestellt werden. Denn unter jedem
Dezernat wuchs nach abwrts eine hierarchische Pyramide;
Zweigorganisationen entstanden, Einzelaufgaben wuchsen zu mchtigen
Arbeitsgebieten aus; in wenig Monaten war der Umfang einer normalen
Behrde berschritten und noch immer dehnte sich der Kreis der
Verantwortungen.

Alle diese Menschen muten geworben und angelernt werden. Es verging
Zeit und kostete Arbeit, bis diese Kaufleute und Techniker zu Beamten
umgeschaffen waren, bis sie die Gewohnheiten des behrdlichen Verkehrs,
der klippenreichen Geschftsordnung, des amtlichen Schriftwesens, und
vor allem die Aufgaben ihres eigenen, neugeschaffenen Wirkungskreises
sich angeeignet hatten.

Die grten Schwierigkeiten aber lagen in Raum und Zeit.

Im Raum. Vier Zimmer hatte das Kriegsministerium uns anfnglich zur
Verfgung gestellt, und das war nichts geringes, denn das
Kriegsministerium war in hrtester Arbeitsanspannung. Wir verlangten 20
Rume; sie wurden bewilligt. Da gab es schon Umzge, die schwierig
waren und Wochen dauerten. Dann brauchten wir 60 Rume. Da muten
Abteilungen das Feld rumen, die seit Jahrzehnten unbewegt geblieben
waren, und die mit 60000 Aktenstcken aufbrachen. Das war eine Sache
von Monaten. Whrend dieser Zeit waren unsere Korridore schwarz von
Menschen, die Vormittage lang auf Abfertigung warteten. Die Einstellung
neuer Krfte war vorbergehend gehemmt; es entstanden Verzgerungen in
der Abwicklung der Geschfte, die uns zu ersticken drohten. Zuletzt
blieb uns nichts anderes brig: wir muten unter eigener Verantwortung
Wohnungen in der Wilhelmstrae mieten, einrichten und besetzen, die
nachtrglich als Amtsrume des Ministeriums genehmigt wurden. Heute hat
die Abteilung eine ganze Straenfront in der Verlngerten Hedemannstrae
und wird die nchste vielleicht bald dazu haben.

Und nun die Zeit.

Es galt, Organisationen tglich und stndlich neu zu schaffen,
Verfgungen zu entwerfen, umzuarbeiten und anzupassen, Verhandlungen mit
Industriellen zu fhren, Versammlungen einzuberufen, eine Korrespondenz
von zweitausend tglichen Nummern zu bewltigen, daneben mit den
Behrden die Fhlung aufrecht zu erhalten, die neu eingetretenen
Menschen anzulernen, dem Strom der Besucher, den Fragenden und
Wnschenden standzuhalten -- das verlangte einen Tag von 48 Stunden. Eins
aber kam uns zugute. Ich habe von der allgemeinen Verkennung unserer
Aufgabe gesprochen, als von einem Nachteil. Sie war aber auch von
Nutzen, denn die ffentliche Kritik, die heute in das Ernhrungsproblem
eingreift, lie uns ziemlich ungestrt. Was wir machten, wurde zwar als
eine Art von unliebsamer und unntiger Behelligung der Industrie
angesehen, aber man machte uns doch schlielich wenig Schwierigkeiten.

Es kamen ab und zu Professoren, die sagten, es wre alles falsch, wir
mten alles von vorn anfangen. Es kamen auch Abgeordnete, die sagten,
es wre allerdings falsch, und was die Professoren gesagt htten, wre
auch falsch; es mte nochmals gendert werden. Abgesehen von einer
grauenhaften Schreibarbeit hat es uns nichts geschadet.

Nun kommen wir zu der Lsung.

Bei der Lsung handelte es sich zunchst darum, Rechtsbegriffe neu zu
schaffen. Von der Unvollstndigkeit und Unvollkommenheit unserer
juristischen Grundlage habe ich Ihnen schon erzhlt. Es mute der
Grundbegriff gefunden werden, der es uns ermglichte, den
wirtschaftlichen Kreislauf umzugestalten. Wir schufen einen neuen
Begriff der Beschlagnahme; mit etwas Willkr zwar, aber das
Belagerungsgesetz stand uns zur Seite, und spter ist alles auch
unabhngig vom Belagerungszustand gesetzlich sanktioniert worden. Dieser
Begriff der Beschlagnahme bedeutet nicht, da eine Ware in
Staatseigentum bergeht, sondern nur, da ihr eine Beschrnkung
anhaftet, da sie nicht mehr machen kann, was sie oder ihr Besitzer,
sondern was eine hhere Kraft will. Diese Ware darf nur noch fr
Kriegszwecke verwendet werden; man darf sie verkaufen, verarbeiten,
transportieren, in jede beliebige Form bringen, aber was sie auch
erlebt: immer bleibt sie mit dem Gesetz behaftet, da sie nur der
Kriegfhrung dienen kann.

Zu Anfang hat man sich schwer mit diesem Begriff abgefunden und uns oft
gesagt, das wre nicht richtig gewesen, wir htten alles konfiszieren
sollen. Ich erwhne das nicht, um nochmals zu widerlegen, denn die
Behauptung fllt in sich zusammen. Htten wir die Gter auch nur eines
einzigen Wirtschaftskreises, etwa der Metalle, requiriert, also alles
Kupfer, Zinn, Nickel, Aluminium, Antimon, Wolfram, Chrom, so wren wir
Besitzer geworden von Millionen einzelner Warenposten, und jeden Tag
wren ungezhlte Anfragen gekommen: Was soll mit diesem und jenem
Warenposten gemacht werden? Darf er gewalzt, gezogen, gegossen werden?
Wer soll ihn bekommen? Er wird dringend gebraucht. Und auf der anderen
Seite htte die ganze Verarbeitung stillgestanden, bis eine neue
Verteilung vorgenommen war. Und die berwachung und Verrechnung von
Milliardenwerten unbekannter Posten wre uns zur Last gefallen.

Der Begriff der Beschlagnahme hat sich bewhrt, und wird aus unserem
Kriegswirtschaftsleben nicht mehr verschwinden. Aber die neue Rechtsform
hat uns durch schwere Gefahren gefhrt. Denn in dem Augenblick, wo eine
Ware beschlagnahmt war, hrte die Friedenswirtschaft auf. Wenn bei einem
Metallindustriellen die Metalle beschlagnahmt waren, durfte er nicht
mehr Friedensarbeit leisten, er war auf Kriegsauftrge angewiesen; er
mute seine Anlagen und Maschinen, seine Arbeitsmethoden und Produkte
auf Kriegsarbeit umstellen, er mute ein neues wirtschaftliches Leben
anfangen. Es war eine furchtbare Belastungsprobe fr die Industrien, vor
allem der metallurgischen, der chemischen und der Textilproduktion.

In jenen schweren Wochen Ende letzten Jahres, als die Verfgungen
erlassen waren, kamen meine Kollegen von der AEG zu mir und sagten:
Wissen Sie, was Sie gemacht haben? Das kann fr uns 60000 brotlose
Arbeiter bedeuten.

Es ist gegangen. Zwei Monate lang haben wir der Industrie noch gewisse
Freigaben zugestanden, wenn auch schweren Herzens; denn wer konnte
wissen, ob nicht die Tonne Salpeter, die hier freigegeben wurde, bei
einer belagerten Festung oder bei einer Schlacht einen Ausschlag geben
wrde. Irgendwo mu man Verantwortungen bernehmen, und wir haben es
getan.

Nach zwei Monaten war die Umstellung unserer Industrie vollzogen. Die
deutsche Industrie hat diese Neugestaltung bewirkt, ohne davon zu reden,
ohne einen Zusammenbruch, schweigend, grozgig, selbstbewut, mit
hchster Tatkraft und Schaffenslust. Das, meine Herren, ist ein
Ruhmesblatt der deutschen Industrie, das niemals vergessen werden darf!
Weder Frankreich, noch England, noch die Vereinigten Staaten, noch
irgendeine der feindlichen und halbfeindlichen Nationen macht das nach.

Das war der Begriff der Beschlagnahme; ihre Wirkung war die
wirtschaftliche Umstellung. Und nun komme ich zum zweiten Werkzeug.

Wir wuten, da diese Wirtschaft neu geboren werden mute, wir wuten,
da sie nun in irgendwelcher neuen Form ihr Material verteilen und
bereit halten mute. Wie sollte das geschehen?

Der Heeres- und Marineverwaltung mute die volle Freiheit gewahrt
werden, ihre Auftrge dahin zu geben, wo sie wollten; wir konnten keiner
Behrde sagen: wir schreiben euch vor, wo ihr eure Bestellungen zu
machen habt. Auf der anderen Seite mute derjenige, der nun der
Beauftragte der Behrde geworden war, das Material bekommen, das er
brauchte. Es muten Organismen geschaffen werden zum Aufsaugen,
Aufspeichern und zum Verteilen dieses Warenstromes, der in einer neuen
Bewegungsform und mit neuen Zufuhren durch die Adern des deutschen
Verkehrs rollte. Da mute abermals ein neuer Begriff entstehen, der
Begriff der _Kriegswirtschafts-Gesellschaften_. Heute ist das eine
Sache, von der man wie von einer altererbten spricht. Viele dieser
Kriegsgesellschaften sind in aller Munde; man kennt sie und empfindet
sie als ein lngst Gegebenes. Aber das Paradox ihres Wesens schien so
gro, da selbst in unserem engsten Kreise, der sonst in groer
Einhelligkeit unsere Manahmen durchdachte, eine Spaltung ber die
Mglichkeit und Durchfhrbarkeit dieser Schpfung entstand.

Auf der einen Seite war ein entschiedener Schritt zum Staatssozialismus
geschehen; der Gterverkehr gehorchte nicht mehr dem freien Spiel der
Krfte, sondern war zwangslufig geworden. Auf der anderen Seite wurde
eine Selbstverwaltung der Industrie, und zwar in grtem Umfang durch
die neuen Organisationen angestrebt; wie sollten die gegenlufigen
Grundstze sich vertragen?

Man hat denn auch hinterdrein mit grerem oder geringerem Wohlwollen
uns gesagt, wie man es anders htte machen sollen: wir htten nicht die
Gesellschaften grnden, sondern den behrdlichen Apparat vergrern
sollen. Heute sind die Stimmen der Kritik verstummt. Wer indessen noch
zweifelt, dem empfehle ich einen Besuch in der Kriegsmetall- oder
Kriegschemikalien-Gesellschaft. Wenn er dort Tausende von Menschen an
der Arbeit sieht, diesen Bienenkorb vor Augen hat, den Strom von
Besuchern, Korrespondenzen, Transporten und Zahlungen verfolgt, so wird
er sich sagen, in den Behrdenrahmen war diese Aufgabe nicht mehr
hineinzupressen, sie mute den wirtschaftlichen Berufskrften und der
Selbstverwaltung berlassen werden.

So entstand der Begriff der Kriegsgesellschaft aus dem Wesen der
Selbstverwaltung und dennoch nicht der schrankenlosen Freiheit. Die
Kriegsrohstoffgesellschaften wurden gegrndet mit straffer behrdlicher
Aufsicht. Kommissare der Reichsbehrden und der Ministerien haben das
unbeschrnkte Veto; die Gesellschaften sind gemeinntzig, weder
Dividenden noch Liquidationsgewinne drfen sie verteilen; sie haben
neben den gewhnlichen Organen der Aktiengesellschaften, Vorstand und
Aufsichtsrat, noch ein weiteres Organ, eine unabhngige Kommission, die
von Handelskammermitgliedern oder Beamten geleitet wird, die
Schtzungs- und Verteilungskommission. Auf diese Weise stehen sie da
als ein Mittelglied zwischen der Aktiengesellschaft, welche die freie
wirtschaftlich-kapitalistische Form verkrpert, und einem behrdlichen
Organismus; eine Wirtschaftsform, die vielleicht in kommende Zeiten
hinberdeutet.

Ihre Aufgabe ist es, den Zuflu der Rohstoffe in einer Hand
zusammenzufassen und seine Bewegung so zu leiten, da jede
Produktionssttte nach Magabe ihrer behrdlichen Auftrge zu
festgesetzten Preisen und Bedingungen mit Material versorgt wird.

Auch von den Industriellen wurden die neuen Rohstoff-Gesellschaften
nicht durchweg willkommen geheien.

Die Metallindustriellen waren einigermaen willig. Sie fragten zwar:
Wozu soll das, eine Aktiengesellschaft, die nichts verdient, was sollen
wir damit anfangen? Wir haben bisher unsere Wirtschaft besorgt und
knnen es auch weiter. Dennoch willigten sie ein, vielleicht zum Teil
mir zu Gefallen, vielleicht auch, weil sie sich sagten, es ist nicht
viel dabei verloren.

Schon anders war es mit den Chemikern. Das sind ganz groe Herren aus
dem Rheinland, selbstbewut, Trger groer Verantwortungen, Chefs
ungezhlter Arbeiterbataillone; denen war das neue Wesen anfangs nicht
ganz geheuer. Ein einflureicher Herr fuhr im Rheinland herum und
warnte vor den neuen Experimenten. Aber schlielich kam es doch im
Hofmannhaus zu einer konstituierenden Versammlung; die verlief anfangs
friedlich, gegen Ende aber wurde sie leidenschaftlich bewegt. Als die
Herren sahen, den Salpeter kann man ihnen nicht unbeschrnkt lassen, da
wurden sie unzufrieden, und es gab eine Szene, die von ferne an das
Ballhaus in Paris im Jahre 1789 erinnerte. Trotzdem kam die Grndung
zustande, und heute mssen wir ebenso tief und freudig den Chemikern
danken fr ihr Zusammenwirken wie fr ihre Leistungen. Denn diese
vorbildliche deutsche Industrie hat zwar mit den ersten Manahmen
vielleicht sich etwas schwerer abgefunden, dafr hat sie an Initiative
und Erfindungskraft, an Khnheit und Nachhaltigkeit vielleicht die
hchste Stelle unserer wirtschaftlichen Kriegsfhrung erreicht.

Fast jede Woche brachte neue Grndungen. Mit Metall fing es an, dann
kamen Chemikalien, dann kam Jute, Wolle, Kammwolle, Kautschuk,
Baumwolle, Leder, Hute, Flachs, Leinen, Rohaar; teils
Aktiengesellschaften, teils Abrechnungsstellen. Alle diese Schpfungen
verlangten wochenlange Vorverhandlungen, Einigung unter den
Industriellen, Verstndigungen ber die Bedingungen, Beschaffung von
neuen Krften, Direktoren, Prokuristen und Geschftsrumen, und alles
das innerhalb einer Wirtschaft, in der verantwortliche Krfte immer
sprlicher zur Verfgung standen.

Heute zhlt das Beamtenpersonal der Gesellschaften, Untergesellschaften
und Zweigorganisationen nach Tausenden, ihr Umsatz nach Hunderten von
Millionen.

So saen wir in tiefster Arbeit. Auf der einen Seite schwoll der Berg
der beschlagnahmten Waren und machte dauernde Verhandlungen mit den
Wirtschaftsleitern erforderlich; auf der anderen Seite entstanden unsere
Organisationen und verlangten Einarbeitung, Aufsicht, Mitwirkung;
zwischen beiden Aufgaben kmpften wir um den Ausbau unserer Abteilung,
um Raum, Menschen, Ordnung und Geschftsgang -- und schon trat eine neue
Aufgabe gewaltigen Umfangs, hei ersehnt und hochwillkommen an uns
heran.

Unsere siegreichen Heere waren vorgedrungen, Belgien und ein Teil von
Frankreich war unterworfen, und auch in Ruland wurde es heller.

Nun handelte es sich darum, den Rohstoffbesitz dieser drei Landgebiete
auszuschtten ber das vierte. Durch Kauf in neutralen Staaten hatten
wir manches ins Land bekommen; doch bald sorgten die Englnder durch
ihre Gegenorganisationen, durch ihren Terrorismus zu Lande und zur See
dafr, da die Zufuhr nachlie. Nun hatte die Gewalt der deutschen
Waffen drei reiche Provinzen unserer Wirtschaft erschlossen; ein
geographischer Glcksfall fgte es, da fast zu gleicher Zeit die
gesamten Zentren des kontinentalen Wollhandels in unsere Hand fielen;
betrchtliche Vorrte an Kautschuk und Salpeter traten hinzu. Nun hie
es, diese Schtze heben und nutzbar machen und dabei doch Recht und
Gesetz wahren, bersicht behalten und die Wirtschaft der Lnder nicht
mit einem Schlage vernichten.

Das war eine Aufgabe, die materiell umfassend und dennoch nicht so
schwierig war wie die vorausgegangenen, denn sie lehnte sich an
vorhandene Erfahrung an: ein Land mit Organisationen zu durchdringen,
Filialen zu schaffen, und diese mit Zweiganstalten zu umgeben, Lger
durchforschen und aufnehmen zu lassen, Beschlagnahmen zu erwirken,
Vereinbarungen ber Umladepltze, Verzollungswesen, einzurumende
Eisenbahngleise zu treffen, alles das waren Dinge, die Zeit und Menschen
erforderten, die aber nicht mehr auf dem schwankenden Grunde
unerforschter Wirtschafts- und Rechtsverhltnisse sich abspielten. Mit
gewissen Ausnahmen; denn auch in Belgien war die Frage der bereignung
eine nicht ganz einfache. ber die Frage der Entschdigung stritten sich
die Geister noch nach Monaten, nachdem wir die Substanz schon in unseren
Besitz gebracht hatten. Aber immerhin: diese Aufgabe war im wesentlichen
mit gegebenen Erfahrungen zu lsen und sie wurde gelst.

Jetzt war ein gewaltiges Warengeschft unserer Abteilung angegliedert,
die schon damals auf den Umfang eines merkantilen Weltunternehmens
angewachsen war; da traten von neuem schwere Gefahren auf. Und um diese
Gefahren zu schildern, will ich gleich in das tiefste Fabrikationsproblem
greifen und will etwas erzhlen -- Zahlen werde ich nicht nennen -- von
der Stickstoffaufgabe, die sich uns bot.

Sie wissen, da die unentbehrlichen Explosivstoffe der Kriegsfhrung auf
der Grundlage der Salpeterverbindungen ruhen, da Salpeter eine
Stickstoffverbindung ist, und da somit die Kriegsfhrung in gewissem
Sinne ein Stickstoffproblem darstellt.

Unsere Stickstoffrechnung am Anfang des Krieges war nicht ungnstig. Ich
will Zahlen fingieren, die falsch sind, aber Verhltnisse geben. Nehmen
Sie an, es seien 90 Tonnen Stickstoff im Lande gewesen, und nehmen Sie
an, 50 Tonnen htten wir mit Sicherheit erwartet in Ostende und
Antwerpen, das wren zusammen 140 Tonnen. Bei einem monatlichen
Verbrauch von 10 Tonnen htte das 14 Monate gelangt. Ich betone, es sind
nur Verhltniszahlen.

Das Deckungsverhltnis sah somit ganz gut aus. Es wurde Anfang September
und der Krieg entwickelte sich. Wir machten uns immer wieder unsere
Rechnungen, verglichen immer wieder mit den Unterlagen, die uns die
verbrauchenden Stellen boten. Immer wieder ergab sich die Antwort: diese
Deckung stimmt.

Da dmmerte pltzlich die Besorgnis auf: Wie ist das, wenn nun der Krieg
im Osten die gleichen Dimensionen annimmt wie im Westen? Wenn der Krieg
noch hartnckiger und umfangreicher wird, als wir ihn uns vorstellen
knnen? Wie ist es dann mit der Stickstoffdeckung? Darauf war keine
Antwort.

Es war ein beklommener Vormittag, als ich dem Stellvertretenden
Kriegsminister diese Erwgung unterbreitete, und ihn um die Erlaubnis
bat, eine beliebige Zahl von chemischen Fabriken bauen zu lassen, und
nmlich so viele, als die Chemie leisten knne.

Der Kriegsminister, Exzellenz von Wandel, in seiner grozgigen, ruhigen
und entschlossenen Art gab sofort die Autorisation, mit der chemischen
Industrie zu verhandeln.

Technisch im hchsten Mae wertvolle Vorarbeiten waren geleistet worden.
Exzellenz Fischer und Geheimrat Haber hatten in sehr dankenswerter Weise
das Problem der Salpetergewinnung grten Umfangs bearbeitet, und die
chemische Industrie war durchaus nicht berrascht, als sie vor die Frage
gestellt wurde, diese Unternehmungen zu schaffen.

Der Bau einer greren Zahl von Fabriken wurde vereinbart, und die
Chemiker, khn, selbstbewut und vertrauensvoll, gingen auf die
Bedingung ein, da die Fabriken unter Dach sein muten, bevor ich in der
Lage war, ihnen den Vertrag vom Reichsschatzamt genehmigt zuzuschicken.
Die Fabriken waren unter Dach, noch bevor der Vertrag unterschrieben
war; das war ungefhr zu Weihnachten. Die Stickstoffabrikation war eine
deutsche Produktion geworden, ein Weltproblem war gelst, die schwerste
technische Gefahr des Krieges war abgewendet.

Aber whrend diese Fabriken aufstiegen, kamen die Nachrichten von der
Front: wir brauchen nicht mehr 10 Tonnen, sondern 16, nicht mehr 16,
sondern 21, nicht mehr 21, sondern 27, und hier will ich, um auch nicht
Proportionen erkennen zu lassen, nicht sagen, bis zu welchem Vielfachen
die Forderungen der Front sich steigerten. So viel aber darf angedeutet
werden: da die ursprngliche Deckung sich auf einen Bruchteil
vermindert hatte. Htten wir erst dann mit dem Bau begonnen, als diese
Verhltnisse greifbar geworden waren, also zwei oder drei Monate spter,
so wre eine bedenkliche Zwischenzeit eingetreten, und zwar gerade
damals, als der galizische Durchbruch einen gewaltigen Munitionsaufwand
forderte.

Waren und blieben auch die chemischen Fabrikationen, insbesondere die
Salpetersureanlagen, die wichtigsten unserer neugeschaffenen
Gtererzeugungen, so haben doch noch eine Anzahl umfangreicher
Produktionssttten sich ihnen zur Seite gestellt. Metallraffinationen
und Wiedergewinnungsanlagen wurden errichtet, die bergbauliche
Produktion wurde gehoben, elektrolytische und elektrothermische
Werke wurden erstellt und erweitert, teils durch unmittelbares
Eingreifen der Kriegsrohstoffabteilung, teils durch Vermittelung der
Rohstoffgesellschaften.

Inmitten dieser Ttigkeit wurde uns eine weitere Aufgabe zuteil, die
eigentlich mit der Wehrbarmachung des Landes nur mittelbar zu tun hatte,
die aber aus allgemein wirtschaftlichen Grnden sich nicht abweisen lie
und die kaum anders als durch uns gelst werden konnte.

Ich habe erwhnt, da der Reichstag im November von uns etwa die
Vorstellung hatte, wir seien eine Stelle fr Verbilligung der
Marktpreise, und eine Sitzung der groen gemischten Kommission war fr
den beteiligten Zuhrer, der sich nicht verteidigen durfte, nicht sehr
angenehm. Mit Recht waren die Herren ungehalten ber einzelne stark
gesteigerte Rohstoffpreise, die auch uns zu denken gaben. Man wute
jedoch nicht, da uns zunchst die weit dringendere Sorge obgelegen
hatte, die Gefahr des Mangels abzuwenden, bevor wir an die wichtige und
dennoch sekundre Frage der Kosten herantreten konnten. Sofortige
Abhilfe wurde gefordert.

Wir hatten indessen bereits Mittel und Wege gefunden und waren mit der
Lsung fast zu Ende. Angefangen hatten wir mit der Festsetzung der
Hchstpreise fr Metalle. Sie war nicht einfach, denn nicht nur die
Mehrzahl der wichtigeren Metalle war zu bedenken, sondern auch ihre
Legierungen, die Altmetalle und die vorverarbeiteten Produkte. Nach
langen Verhandlungen war eine Tabelle zustande gekommen, die zwar nicht
in allen Positionen der Industrie und vor allem dem Handel gefiel, gegen
die aber schlielich nicht mehr viel einzuwenden war, und die vom
Bundesrat angenommen wurde. Sodann wurden die Hchstpreise fr eine
Gruppe bewltigt, die bei den Fachleuten als unberwindlich galt, die
Wollen und Wollprodukte.

Hier handelte es sich um die Vielfltigkeit der Herkunft, multipliziert
mit der Zahl der Qualitten; das Produkt dieser Gren abermals
multipliziert mit der Zahl der Verarbeitungsstadien. Das ergab eine
Mannigfaltigkeit, die nach Hunderten von Positionen zhlte; aber zuletzt
kam auch hier ein Merkblatt zustande, das fr die Besitzer nicht
allzugroe Hrten enthielt und den Erfordernissen der Kriegswirtschaft
entsprach.

Nherte sich die Festsetzung von Hchstpreisen schon mehr einem Ausflug
auf allgemeinwirtschaftliches Gebiet, so war die Beschaffung und
Einfhrung von Ersatzstoffen und Surrogaten ein Teil unserer eigensten
Aufgaben.

Die preuische Uniformierung mute in ihrer stofflichen Zusammensetzung
gendert werden. Die Gewebe wurden durch Verwendung von Kammgarn und
anderen Erzeugnissen gestreckt; Helmbeschlge, Knpfe und andere Zutaten
lernten auf die Verwendung von Sparmetallen verzichten. Im
Munitionswesen wurde manches seltnere Metall durch Zink und Stahl
ersetzt; die Elektrotechnik mute einen Teil ihrer Leitungen und
Fassungen aus ungewohnten Metallen erstellen und erreichte es, da
manches Erzeugnis sich verbilligte. In der chemischen Industrie
entstanden groe Anlagen, die teils bekannte, teils neuerprobte
Ersatzstoffe lieferten. Selbst auf die Textilindustrie erstreckte sich
das System der Wiedergewinnung und Auswechselung. Nur wenige
Industriezweige knnen sagen, da sie heute noch durchweg mit dem
Urmaterial arbeiten, dessen sie vor dem Kriege gewohnt waren, und viele
haben auch aus dieser Form der Umstellung Nutzen gezogen.

In kurzen Zgen mchte ich Ihnen jetzt ein Bild der
Kriegs-Rohstoff-Abteilung geben, wie sie ungefhr zu Beginn dieses
Jahres ausgesehen hat. Eine Zentralsektion sorgte fr die Gesamtpolitik
und Initiative der Abteilung. Sie fhrte die Verhandlungen mit den
Behrden, bearbeitete jede neue organisatorische Manahme und Verfgung,
bereitete die Vortrge beim Minister vor, verhandelte mit industriellen
Gruppen, Abgeordneten und Interessenten, prfte wirtschaftliche und
juristische Fragen, ergnzte den Personalbestand, fate den Briefwechsel
der Abteilung zusammen, verfate die Vierteljahrsberichte und trug die
Verantwortung fr den Organismus.

Daneben erstreckte sich das Gebiet der verschiedenen Referate. Die
Referate bewltigten teils zusammenfassend, teils gesondert die Gebiete
der Einzelstoffe, und hinter ihnen standen ausfhrend und mitwirkend die
Meldestellen und Rohstoffgesellschaften mit ihren Hilfsorganisationen
und Tochterinstituten.

Es gab Referate fr Metalle, Chemikalien, Baumwolle, Wolle, Jute,
Kautschuk, Leder, Hute, Hlzer, fr organische Produkte. Dieses
Referatengebiet machte den eigentlichen Wirtschaftskrper unserer
Abteilung aus.

Daneben bestand die Beschlagnahmestelle, diejenige Stelle, die den Strom
der beschlagnahmten Stoffe regelte, die Gesetzgebung der Beschlagnahmen
und Belegscheine ausarbeitete, den Verkehr mit den Besitzern der Ware
fhrte und mit einem System von Revisoren die Befolgung der Manahmen
berwachte. Ursprnglich fhrte diese Stelle auch die Statistik, die
spter abgespalten und auf eine Reihe von Meldestellen bertragen wurde.
Die Beschlagnahmestelle arbeitete mit einem erheblichen Beamtenapparat;
ihre Formulare und Drucksachen gingen auf dem Wege ber die
Generalkommandos jeden Tag ber ganz Deutschland hinaus.

Das Warengeschft erforderte eine gesonderte Speditions-, Buchfhrungs-,
und berwachungsabteilung. Milliardenwerte waren aus den okkupierten
Gebieten abzutransportieren. Zehntausende von Doppelladern rollten ber
unsere Schienen und fllten ber 200 deutsche Lager. Die Lager muten
eingerichtet und berwacht werden, die Waren muten verfrachtet, den
Lagern zugefhrt, entladen, kontrolliert, an die Rohstoffgesellschaften
verteilt und verrechnet werden.

Ein Speditionsamt sorgte fr die Transporte und bediente sich einer
eigenen Treuhandgesellschaft zur berwachung der Frachtstze, eine
Abrechnungsstelle -- vielleicht eine der grten, die das deutsche
Warengeschft aufwies -- fhrte Buch ber jede Warensendung, die Lille
oder Roubaix oder Antwerpen verlie, ber ihr Eintreffen auf den
Umladepltzen Haspe, Frankfurt, Mannheim, ber den Eingang in die Lager,
und ber den Ausgang nach den weitverzweigten Verbrauchsstellen.

Am 1. April 1915 konnte ich dem Preuischen Kriegsministerium die
Abteilung als ein gehendes, eingearbeitetes, fertiges Werk bergeben.
Ich habe die Freude, da der grte Teil meiner Mitarbeiter bei der
Behrde geblieben ist. Unter der Leitung meines sehr verehrten
Nachfolgers, des Herrn Major Koeth, hat die Abteilung gewaltig an Umfang
gewonnen; sie hat zahlreiche neue Organisationen geschaffen, sie hat
sich behrdlich vervollkommnet. An Personal, Flchenraum und
Arbeitsgebiet steht sie auer dem Kriegsministerium und
Eisenbahnministerium wohl keiner preuischen Behrde nach, obwohl sie
darin sich von allen anderen unterscheidet, da sie in acht Monaten
entstanden ist. Das fnfte Hundert der Beamten im Hause drfte dieser
Tage berschritten sein, und die Angestellten der Rohstoffgesellschaften
und ihrer Zweiganstalten sind auf mehrere Tausend zu schtzen.

Als Exzellenz von Falkenhayn im Frhjahr nach Berlin kam und nach dem
Stande unserer Versorgung fragte, konnte ich ihm sagen: Wir sind in
allem Wesentlichen gedeckt, der Krieg ist von der Rohstoffbeschaffung
unabhngig.

Dem Reichstage hat der Kanzler dies besttigt. Da es ein Produkt gibt,
mit dem wir von der Hand in den Mund leben, wissen Sie alle. Die Deckung
der brigen ist zum Teil eine absolute: es wird so viel geschaffen, wie
verbraucht wird; bei allen anderen reicht sie aus fr eine Kriegsdauer,
deren Lnge im Belieben unserer Gegner steht. Auf einzelnen Gebieten
haben wir berdies die Versorgung unserer Bundesgenossen bernehmen
knnen.

Die englische Blockade der Rohstoffe ist wirkungslos geworden. Noch mehr
als das; ihre Wirkung hat sich gegen England selbst gewendet. Die
schwerste Sorge hat England heute durch seine schrankenlose freie
Wirtschaft. England kann kaufen und kauft, und frchtet jeden Kauf, den
einer seiner Untertanen im Auslande ttigt. Denn jeder Kauf -- ob es Tee
ist oder Salpeter -- verschlechtert die Zahlungsbilanz; jeder Kauf
erfordert Zahlungsmittel, und da die Zahlung nicht voll in Ware
geleistet werden kann, weil die Exportindustrie zum Teil auf
Munitionsarbeit umgestellt ist, so treibt jeder Kauf englische
Anlagewerte ins Ausland. Unsere erzwungene Binnenwirtschaft, mit der wir
uns abgefunden haben, hat manche Sorge gekostet und manchen Nachteil
gehabt, aber die Kraft hat sie uns gegeben, da wir nun auch den vollen
Kreislauf der Mittel fr uns in Anspruch nehmen knnen. Unsere Gter
erzeugt das Inland und das Inland verzehrt sie; aus unseren Grenzen
kommt nur das hinaus, was unsere Kanonen hinausschleudern; das gengt,
um unser Dasein merkbar zu machen. Den Gegenwert seines Verzehrs zahlt
der Staat bar; das bare Geld kehrt zu ihm zurck als Darlehn und tritt
von neuem in den Kreislauf ein. Unsere Wirtschaft ist die geschlossene
eines geschlossenen Handelsstaates.

In die Zukunft werden unsere Methoden nach mancher Richtung wirken.
Allgemeine soziale Fragen mchte ich nicht berhren. Wieweit auf das
Gebiet der Gesamtwirtschaft, auf die Frage der kapitalistischen
Wirtschaftsordnung und ihrer mglichen Reform die Arbeitsweisen
einwirken werden, die hier geschaffen worden sind, liegt auerhalb des
Rahmens dieses Vortrages. Aber eine Wirkung in die Ferne der Zeiten
werden schon wir erleben: das ist eine neue Frsorge der
Bewirtschaftung, eine neue Auffassung vom Rohstoff. Vieles wird ersetzt
bleiben, was man fr unersetzlich hielt; an vielen Stellen, wo man
fremde Metalle verwandte, wird man einheimische verwenden; von manchen
fremden Produkten, wie chilenischer Salpeter, werden wir knftig, wie
ich hoffe, verschont bleiben; fremder Schwefel wird unsere Grenze nicht
mehr zu berschreiten brauchen. Unsere Wirtschaft wird in doppeltem
Sinne unabhngiger, denn wir hngen nicht mehr ab vom Wohlwollen des
Verkufers, noch vom Wohlwollen unseres Glubigers, dem wir zu zahlen
haben, und der es unter Umstnden in der Hand hat, durch Erhhung seiner
Zollmauer das Zahlungsmittel unserer Ware zu entwerten.

Diese Erwgungen werden wachsende Bedeutung erlangen und zu einem neuen
Begriff im Wirtschaftsleben fhren, zu dem Begriff des Rohstoff-Schutzes.
Je entschiedener fremde Wirtschaftsgebiete sich uns verschlieen, sei
es durch Schutzzlle, sei es durch nationalistische Treibereien, desto
grere Aufmerksamkeit haben wir unserer Zahlungs- und Handelsbilanz
zuzuwenden. Kaufen wir zgellos und berflssig im Ausland, so mssen
wir unfreiwillig durch Ausfuhr zahlen, und dieser unfreiwillige Export
kann dauernd verlustbringend sein, weil es unseren Nachbarn freisteht,
unsere Fertigprodukte durch Schutzzlle zu belasten und zu entwerten,
whrend wir ihre Rohstoffe ungehindert hereinlassen mssen. So entsteht
ein neuer Merkantilismus, nicht um die Ausfuhr ins Malose zu steigern,
sondern um sie nutzbringend zu erhalten. Wir kannten bisher den Schutz
des Produktes, den sogenannten Schutzzoll; eine Frage des Rohstoffschutzes
hat bis jetzt nicht bestanden. Knftig kann es dem Staat nicht mehr
gleichgltig sein, ob Salpeter aus Chile kommt, wenn er ebenso billig,
oder nahezu so billig aus deutscher Luft gewonnen werden kann. Es kann
ihm nicht gleichgltig sein, ob ein Metall gekauft und an Amerika
bezahlt wird, oder ob ein gleichwertiges anderes Metall als Ersatzstoff
verwendet und im Inland beschafft wird.

Der Begriff des Rohstoffschutzes wird uns gelufig werden und sich in
Deutschland zum Nutzen unserer Wirtschaft geltend machen.

Das sind Zukunftssorgen auf allgemeinem Wirtschaftsgebiet;
Zukunftsfragen bestehen aber auch fr das Weiterwirken der Organisation,
des Baues, den ich Ihnen geschildert habe.

Die Rohstoff-Abteilung wird auch im Frieden nicht zu bestehen aufhren,
sie wird den Kern eines wirtschaftlichen Generalstabes bilden.
Vielleicht wird sie ihren Namen ndern; ich mchte wnschen, da sie
anstatt Kriegs-Rohstoff-Abteilung in Zukunft Kriegswirtschafts-Abteilung
hiee, denn das ist sie schon heute in manchem Sinne. Nie wieder kann
und darf es uns geschehen, da wir wirtschaftlich unzulnglich
vorbereitet in einen neuen Krieg hineinkommen. In hchster Anspannung
mssen alle knftigen Friedensjahre dieser Vorbereitung dienen. Wir
mssen nicht nur dauernd wissen, was wir an Unentbehrlichem im Lande
haben, sondern wir mssen auch dauernd dafr sorgen, da wir so viel im
Lande haben, wie wir brauchen. Gewaltige Lager mssen gehalten werden;
die Gesetzgebung mu auf diese Lager eingehen, die nicht staatlich zu
sein brauchen, mu sie untersttzen, aber auch berwachen lassen. Eine
umfangreiche und andauernde statistische und Verwaltungsarbeit wird
sich hieraus ergeben. Es mu ferner dafr gesorgt werden, da die
Umstellungen, die dieser Krieg in gewaltsamer Weise herbeigefhrt hat,
in Zukunft selbstttig und ohne Erschtterung vor sich gehen. Ein
allgemeiner wirtschaftlicher Mobilmachungsplan mu geschaffen und
dauernd erneuert werden. Wirtschaftliche Gestellungsbefehle sind
auszuarbeiten, die in Tausenden von Fllen auszugeben sind. Darin heit
es dann etwa: Sie haben sich am zweiten Mobilmachungstage in das und das
Haus in der Behrenstrae zu begeben, dort werden Sie den Vorsitz der und
der zu grndenden Kriegswirtschaftsgesellschaft bernehmen, das Statut
wird Ihnen bergeben; Sie haben den Grndungsvorgang zu leiten und die
und die Ausschsse zu bilden. Das gleiche gilt fr Maschinenfabriken und
andere Unternehmungen. Die erhalten eine Benachrichtigung, in der es
heit: Sie haben am dritten Tage der Mobilmachung den und den Teil der
Fabrik zu rumen, die und die Werkzeugmaschinen sind zur Verfgung zu
stellen. Sie haben gleichzeitig einen Auftrag auf so und so viel
Produkte dieser Art zu bernehmen. Das Arbeiterwesen, hinsichtlich der
Rckstellungen und Freigaben, mu ebenfalls im Frieden geregelt werden.
Jedes Werk mu wissen, die und die Personen, die ihm unentbehrlich sind,
bleiben ihm zur Verfgung gestellt, andere hat er abzugeben. Eine
handelspolitische Abteilung mu dafr sorgen, da mit dem neutralen
Ausland solche Verstndigungen getroffen werden und solche Organisationen
entstehen, die einer Vergewaltigung der Ausfuhr durch feindliche Staaten
entgegenarbeiten. Handelsstellen mssen dauernd unterhalten werden,
welche im Kriege die Ein- und Ausfuhr zentralisieren und
Austauschgeschfte bearbeiten.

Besondere Aufmerksamkeit wird die Nachkriegsgesetzgebung erfordern, und
ich knnte mir denken, da ein wirtschaftlicher Generalstab berufen
wre, auch hier ttig mitzuwirken.

Es ist nicht zulssig, da nach Beendigung des Krieges wahllos die
Tonnagen verwendet werden, um diejenigen Waren schnellstens ber den
Ozean zu tragen, die der Findigste bestellt und gekauft hat; es mu
dafr gesorgt werden, da hier Einteilungen stattfinden. Es mu dafr
gesorgt werden, da die Rechnungen, die das Deutsche Reich drauen zu
bezahlen hat, sei es als Staat, sei es als Gesamtheit der Privaten,
unsere Zahlungsbilanz nicht in Unordnung bringen, sondern nach
durchdachtem Plan einheitlich geregelt werden.

berblicken wir nun das Werk und stellen die Frage, wie konnte dieser
Aufbau gelingen, wieso hat Deutschland das machen knnen, woran England
verzagte, Lloyd George scheiterte, so komme ich auf folgende Antwort.

Das erste ist, da frhzeitig angefangen wurde; da mit khner
Entschlossenheit das Kriegsministerium auf die erste Anregung hin
erklrt hat, sich mit dieser Angelegenheit bis aufs letzte zu
identifizieren, whrend alle brigen Wirtschaftsfragen noch unberhrt im
Schoe der Zukunft ruhten, und da das Kriegsministerium mit der
erblichen Genialitt, die dieser Behrde eigen ist, sich dieser weit
umfassenden Aufgabe hingegeben hat.

Das zweite ist, da die Einheitlichkeit der Leitung gewahrt wurde, da
diese Organisation nicht in die Hnde von Kommissionen, Ausschssen,
gelegentlichen Sachverstndigen gekommen ist, da sie nicht behrdlicher
Zersplitterung anheimfiel, sondern da ein einheitlicher Wille sie
geleitet hat, hinter dem die Macht stand. Kommissionen sind gut zum
Beraten, nicht zum Schaffen. Eine Beratung findet statt am Dienstag,
fngt an um 4 und ist um 7 zu Ende; dann gehen die Herren nach Hause.
Was dann nicht geschehen ist, bleibt bis zum nchsten Freitag. Damit
kann man kontrollieren, aber nicht organisieren. Das ist so einfach,
aber noch immer nicht Gemeingut.

Das dritte ist ein deutsches Produkt, nmlich der Idealismus einer
Anzahl von Menschen, die sich freudig einer gemeinsamen Fhrung
anvertrauten, ohne Entgelt, ohne Versprechen, ohne Verpflichtung, ohne
Vertrag, die in rastloser, begeisterter Arbeit ihre Krfte, ihre
Erfahrung und Ideen hingaben, weil sie fhlten, da das Land sie
braucht. In brgerlicher, kollegialer und freundschaftlicher
Gemeinschaft, kaum mit dem Begriff eines Vorgesetzten, kaum mit dem
Begriff einer Gefolgschaft, hat diese auserwhlte Freischar ber
Deutschland ein neues Wirtschaftsleben und ein neues Netz industrialer
Gesetzmigkeiten gebreitet.

Untersttzt wurden sie von der Jugendkraft und Elastizitt unserer
Industrie, die jedem Entschlu zugetan, jeder Belastungsprobe gewachsen,
das Unvergleichliche geleistet hat.

Das letzte und das hchste aber, was dieses Streben besiegelt hat und
ohne das es nicht htte werden und wachsen knnen, das ist wiederum
etwas rein Menschliches, denn das Menschliche steht hoch ber allem
Mechanischen, und besitzt allein die Kraft, zu schaffen und zum Licht
emporzutragen. Dieses Menschliche war Vertrauen.

Aufs tiefste mu ich drei preuischen Kriegsministern danken, die dieses
Vertrauen unverbrchlich vom ersten bis zum letzten Tage Menschen und
Organisationen entgegenbrachten. Auch in diesem Vertrauen liegt
Genialitt, und zwar sittliche Genialitt. Dieses Vertrauen wre in
einem andern Lande schwer zu finden und schwerer zu rechtfertigen.
Abermals ist es ein Ruhm des deutschen und auch des preuischen Systems,
da ein solches menschliches Verhltnis zur Vollendung wirtschaftlicher
Evolutionen und zur Abwendung gemeinsamer Gefahren geschenkt und
empfangen werden konnte.



[Anmerkungen zur Transkription: Gegenber dem Originaltext wurde
folgende Korrektur vorgenommen:

S. 30: wie die voraufgegangenen -> vorausgegangenen ]



[Transcriber's Notes: The following correction has been applied to the
original text:

p. 30: wie die voraufgegangenen -> vorausgegangenen ]





End of the Project Gutenberg EBook of Die Organisation der Rohstoffversorgung, by 
Walther Rathenau

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ORGANISATION DER ROHSTOFFVERSORGUNG ***

***** This file should be named 21031-8.txt or 21031-8.zip *****
This and all associated files of various formats will be found in:
        http://www.gutenberg.org/2/1/0/3/21031/

Produced by Markus Brenner and the Online Distributed
Proofreading Team at http://www.pgdp.net


Updated editions will replace the previous one--the old editions
will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without paying copyright royalties.  Special rules,
set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark.  Project
Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
charge for the eBooks, unless you receive specific permission.  If you
do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
rules is very easy.  You may use this eBook for nearly any purpose
such as creation of derivative works, reports, performances and
research.  They may be modified and printed and given away--you may do
practically ANYTHING with public domain eBooks.  Redistribution is
subject to the trademark license, especially commercial
redistribution.



*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK

To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
distribution of electronic works, by using or distributing this work
(or any other work associated in any way with the phrase "Project
Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
Gutenberg-tm License (available with this file or online at
http://gutenberg.org/license).


Section 1.  General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
electronic works

1.A.  By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
and accept all the terms of this license and intellectual property
(trademark/copyright) agreement.  If you do not agree to abide by all
the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.

1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
what you can do with this work.  Copyright laws in most countries are in
a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
creating derivative works based on this work or any other Project
Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
the copyright status of any work in any country outside the United
States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
and distributed to anyone in the United States without paying any fees
or charges.  If you are redistributing or providing access to a work
with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
1.E.9.

1.E.3.  If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
with the permission of the copyright holder, your use and distribution
must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
terms imposed by the copyright holder.  Additional terms will be linked
to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4.  Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
License terms from this work, or any files containing a part of this
work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.

1.E.5.  Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License.

1.E.6.  You may convert to and distribute this work in any binary,
compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
word processing or hypertext form.  However, if you provide access to or
distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
form.  Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7.  Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8.  You may charge a reasonable fee for copies of or providing
access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
     the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
     you already use to calculate your applicable taxes.  The fee is
     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
     must be paid within 60 days following each date on which you
     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
     sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
     address specified in Section 4, "Information about donations to
     the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
     you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
     does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
     License.  You must require such a user to return or
     destroy all copies of the works possessed in a physical medium
     and discontinue all use of and all access to other copies of
     Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
     money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
     electronic work is discovered and reported to you within 90 days
     of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free
     distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
your equipment.

1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

1.F.3.  LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
written explanation to the person you received the work from.  If you
received the work on a physical medium, you must return the medium with
your written explanation.  The person or entity that provided you with
the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
refund.  If you received the work electronically, the person or entity
providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org


Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including checks, online payments and credit card donations.
To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.


Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.


Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
